^ - -'i^ Jt:
.*^
'^M
iTfffe
ZEITSCHRIFT
FÜK
DEUTSCHES ALTERTHUM
HERAUSGEGEBEN
MORIZ HAUPT,
SECHSTER BAND. njO^^^
LEIPZIG
WEIDMANN'SCHE BUCHHANDLUNG.
1848.
?F
<30D3
DIE FÜNF SINNE.
Beim durchlesen der zwanzigsten abhandlung in Lobecks
rhenialicon, de vocabulis sensuiim eorumque confusione, kam
mir doch wieder vor, dafs die scholiasten und kritiker oft
ohne alle noth die tiefsten und natürlichsten ausdrücke der
dichter und des Sprachgebrauchs anfechten, denn der poesie
ist es verliehen geheime bezüge der dinge plötzlich zu ahnen,
und dem volk, welches jenen brauch lenkt, sie unschuldig zu
besläligen. mir scheint das aeschylische nTvnov df'do^jyu ganz
vortrelllicii und sünde wäre, es anders nur zu wünschen ;
^'irgils mugire ridebis siib podibm terram mufs jedem höchst
angemefsen scheinen der erwägt dafs auf gesiebt und gehör
zusammen, in demselben augenblick (oder soll ich sagen mit
einem schlag, (loni'j?) eingewirkt Averde. den Bentley be-
schleicht also kriftelei, wenn er zu der unverbefserlichen ho-
razischen stelle 'nonne vides ut nudum remigio latus antennae-
que gemant' anmerkt 'placetne illud vides ut gemant? oculisne
percipi poterit gemitus? crediderim gemitum auribus potius
sentiri." unsere eigne, hierin feststehende alte spräche soll
bezeugen wie überflüfsig dieser tadel war ; ich hebe nur bei-
spiele des soloecismus aus, wie sie mir zu banden sind : es
wird noch andere genug geben.
3Iaria 154, I
sie sack an oinom aste
die spej'chen schrie?/ vaste.
Freidank 47, 20
der diep ist gar an angest niht
siod er vil gerünen siht.
Heinrichs von Freiberg Michelsberg 120
ouch liezen da zesamne gän
die helde so nitliche
daz man daz ertriche
sack bihen von ir orse louj'.
Z. F. D. A. VI. 1
2 DIE FÜNF SINNE.
Neidhart MSH. 3, 189''
nls diu sxinn hortich st kerren
und sack si raste lirmnen.
Leysers predigten s. 140
den lewen er sack ob im brimmen.
und nicht anders bei den Niederländern, z. b. 3Iaerlant 2, 67
teen es dat juedsce diet,
dattu sies also screyen,
auch iiat Luther bei exod. 20, 18, wo es in der vulgata heifst
'cunctus autera populus videbat voces et lampades et sonitum
buccinae', in den lxx koI nag 6 Xaog foJ^)« t^v (fwvijp xui
Tag kai-nTudag kui rrjv qwv^v -lijg Gdlniyyog, getrost verdeutscht
'und alles volk sähe den donner und blitz und den ton der
posaune'; nicht weils ich, ob andere Übersetzer gestrauchelt
haben, solche ausdrucksweisen soll man sammeln und her-
vorheben, aber lobend, nicht rügend,
Aul" diesen anlal's sind mir alte colIccIanciMi über unsere
verschiedene bezeichnung der fünf sinne in den wurf gekom-
men, die ich hier mittheilen will und woraus sich die gemein-
schaft der einzelnen sinne unter einander noch weit befser
an den tag legen wird.
Den vornehmsten aller sinne bezeichnet in unsern spra-
chen einstimmig das verbiim sökan, goth. saihvan u. s. w.
es ist eine merkwürdige Übereinkunft mit dem griechischen,
dafs wir wij'sen, ahd. uizan, goth. ritan, für den begriJF des
lat. scire verwenden, vait weiz oida, skr. veda rrr scio, wäh-
rend id'eli/ idtßifai noch videre ausdrücken ; aber das slavische
ridjed, das litth. wcizdmi folgen der lat. bedeulung videre.
umgedreht, das lat. scire ist buchstäblich geradezu unser
sailiran se/ian : man braucht einen vocal einzuschalten und
begreift die gleichheit beider, C entspricht dem H, wie in
dicere teihan. decem taihun, also sacire secire siciresaihran,
das V nach H bricht im lat. scivi vor. die Verwandtschaft
von seco secm^us u. s. w. lafse ich hier liegen', schlage aber
* die laleiiiisclie spraelie ist »lein laliiTnlarsen des «ui-zelvocals
nacli anlauleiidem eonsouant abliold, anders ausgedrückt, itii-e anlau-
tenden verl)indungen SC CR PL PR unterscheiden sicli genau von den
formen SEC CER PEL PER, oder welclien vocal zwischen die couso-
nanlen man schieben wolle, im griechischen und gar slavischen ist die
DIE Fünf sinne. 3
als bedeutsam an dafs im alid. nei:i, ags. ndt aus niweiz, ne
vät z=. nescto ähnliche kiirzung eintrat : der häufige gebrauch
eines solchen worts l'orderle sie in den sprachen inslinct-
mälsig.
Auch die andern Wörter seien kurz angeführt, schaue/t,
goth. skavjan, altn. skoda, schwed. sklida, lett. skaltiht,
ahd. scouwun. speho/i, spähen, iat. spicere, spectare, vgl.
species fidog, speculum specits ani^og u. s. w. kiesen, goth.
kiusan, gr. yivHv yeüauoOui, Iat. gustare (gustus ziz goth.
kustus, ahd. chtisi) greill also in den vierten sinn über;
doch hat das ahd. chiosan, mhd. kiesen deutlich den begrill"
des blolsen sehens und steht zumal gern vom erschauen de.s
lageslichts :
ich kiuse nu den tar Nib 2060, 1.
nu kiusich den tac Wallh. 89, 18.
kurn den lichten tac Erad. 187.
kurn den tac Greg. 805.
unz ich den tac erkiese (videam) Gudr. 1351, 3.
do Parzivdl den tac crkos Parz. 282, 4.
ich kiuse käme hie den tac Dietr. drachenk. 193^
den morgen er kos gute Trau 1543.
kür daz morgenrot Trist. 17333.
wir sagen 'ich wittere, spüre den tag, morgenluft' und ich
habe gramm. 4, 848 bereits die beziehung von kiesen auf
weiter und naturerscheinungen angegeben, ein ort in Ostreich
hiel's hei der weterchiesen Rauch 1, 430, und ein weisthum
von 1539 0, 835) braucht dalür sehen, umb x vliren vnge-
vocaltilgung an solcher stelle dagegen häufig: ntrofiai ntzj^vös nrijvöi
TiTtQov {fedard), ■d'avilv &ärarog ^ryamu ^vtjiö?, xäga aäQTjvov x^aviov
zp«s xqi]V7] (caput aguae, Lobeck s. 128 note, vgl. ahd. baches houbit,
Ri'naha houbit u. s. w.) und viel dergleichen, der frühere stand des
lateins mufs indessen die syiicope schon gelitten haben, rührt doch la-
tum aus tlatum. rlrjröv rr tolatum talatmn, vgl. tolero, goth. pula ;
also kann ihm ein gleich alles secio für scio zugetraut werden, der
Italiäuer macht aus seciiris scure und für die abkunft von curis quiris
aus seeiiris stritte mancherlei allen einwänden zum trotz, seltsam dafs
der Engländer sein aus franz. sür stammendes sure ausspricht als
hafte noch die gutturalis dazwischen ; altfranz. sagte man in zwei Sil-
ben seil}', prov. segnr, span. segiiro, ital. sicuro. serond in des Fran-
zosen mund klingt heute fast wie seon,
1*
4 DIE FÜNF SINNE.
uerlich vor millage, wie es Im weithein felde nach ansichung
der luffl zu erachten wäre', von einem sterbenden sagten die
Angelsachsen godes leoht geceäs Beov. 4934, er gieng gottes
licht zu schauen, und hierher schlagen die bedeutungsvollen
ausdrücke ein (Jon tut kiesen, den sige kiesen, wie sie gramm.
4, G08 niyth. 389 in andrer absieht zusammen gestellt sind.
An den begriff des sehens reicht ferner unser warten, das
gleich dem lat. tueri aufsehen, bewahren, pflegen aussagt;
daher ist den romanischen sprachen ihr gunrdare riguardare,
garder regarder entsprungen. Dem goth. vleitaa vlait,
ags. vlitan vlat, altn. Uta leit, mit der bedeutung {jUtihv
(woher das goth. vlits, andavleiztis n^ögconov, ags. andvlite,
ahd. antluZ'i, nhd. antlitz) steht zur seite das sl. gljadati,
serb. gledati, böhm. hlednli; doch fordert zu vlits das sl.
litze TT^ogomop und lat. vtiltus vergleichung. Endlich aus
ahd. iuoken, arluoken prospicere, prominere, mhd. luogen,
nhd. lugen, ags. lörian, engl, look, leitet sicli ahd. luoc
cubile, specus (speci/la von spicere), schlupfliölile, aus der
(las wild schaut.
Unser liauptwoit für den zweiten sinn ist hören, goth.
hausjan, ahd. horran horan, mhd. kceren, alts. horian, ags.
hyran, engl, hear, alln. lieijra, welches Graff 4, 1001 fälsch-
lich der skr. wurzel srii (soll heifsen shrii, oder wie andre
schreiben fvv/) überweist, zu welcher das nachher zu nen-
nende hlosen gehört, mit gröfserm schein hat man hinzuge-
halten goth. ausö, ahd. ora, ags. edr, alln. eyra, litth. aiisis,
lat. auris (f. ausis) und ai/dire, dergestalt dafs entweder in
diesen allen II abgefallen, oder in hausjan zugetreten wäre,
gleichwohl ist seltsam dafs niemals weder aiisjan für hausjan^
noch weniger hausu für aiisu irgend auftaucht, und mir wohl
eingefallen ob hier nicht deutsches H dem lat. H (Avie in
himwadaga, hiulu hodie) gleichstehn und haiirire hausi ver-
glichen werden dürfe? haurire bedeutet oft percipere, sen-
tire, aurihas haurire geradezu hören, wobei noch zu erwä-
gen bliebe dafs im altn. ausa haurire, aiisa haustrum, «ihd.
ösan exhaui'ire, mhd. wse?t vaslare wiederum aphaeresis des
H staltfindet, das offenbare Verhältnis zwischen ösan vastare
und ödi vacuus vastatus jenem zwischen auris und audio
gleicht, stärkere kühnlieit wäre, dies haurire sentire sogar
DIE FLNF SINNE. 5
zum ^v. boäv zu stellpii (dessen kurzes 0 sich schon erklä-
ren iielse) und aus dem allgemeinen percipere in das beson-
dere videre überzuschreiten : dann stände der Wechsel beider
beji;riffe vollends gerechtfertigt ; man hat längst gesagt dafs im
Oedip. Col. 138
ofjaf uy.ovitv vertrete. Ahd, hlosen audire, hlust auditus,
goth. hliu/na «xo/; , ahd. hliumunt rumor und mit abgeleg-
tem H mhd. losen liument liumet, nhd. lauschen, leumund,
bekennen sich zu einer wurzel mit xlvaiv und dem litth.
klausi/ti: hier scheint das skr. shru am rechten ort, dessen
R dem H der übrigen gleichsteht.
Welches goth. veibum den dritten sinn ausdrückte ist
in den bruchstücken des Lllilas nicht zu entnehmen; liefse
sich das subst. daitns odor lialten zu dem noch dunkeln qf~
(lau/'ps 3Iatlh. 9, 36 exoletus? evaporatus? wenn hier das
griech. wort auf diese begriffe führen kann; ^/ff///?* gehört zum
ahd. ioum vapor (vgl. skr. dlima flare), tu/(ft tunst nebula,
und selbst berührung mit touwati mori, exhalare, exspirare,
goth. ilwan dnu, wäre denkbar, ausduften grenzt an verduf-
ten, welken, absterben, dies daujan, wenn es sich bestätigt,
böte ein schönes wort dar, gleich dem lat. halare, spirare,
odorem emittere, und man erinnere sich dafs den Gotheu auch
usanan exspirare, ausalhmen, bedeutete.
Die Althochdeutschen hatten mehr als ein wort, drähan
bedeutet odorare, spirare, driisön redolere, sternutare ; mhd.
driehen. Wolfram Parz. 171, 23
ir kunnet hmreii unde sehen,
entsehen unde di'ivheti :
daz soll hiL'h witzvn n(ehen.
auch Lamprecht im cod. giss. 66'' verbindet smecken grifen
unde drcchen^ im Renner 959.5. 9600 steht drehen: sehen,
gewis hängt der begriff zusammen mit dem des drehens, der
duft steigt auf und dreht sich, volvitur, fertur. Ein ande-
res wort ist suehhan olere fragrare foetere, woher ich das
adj. suah infirmus, wiederum exoletus, leite (gramm. 2, 27);
sueh ist odor sapor, suehhav foetidus, mhd. swecher, übel
swecher Iw. 208 D, suehhado foetor; ags. sv'dc odor; altn.
svak flatus, svaka flare. Mhd. todzen flare, spirare fundgr.
6 DIE FÜNF SINNE.
2, 144, läfst auf ein ahd. lodzan wiaz oder vielmehr hitdzan
hvias schliefsen, von welchem blofs das comp, farhuiizan
exsufflare und dann abslract abominari, recusare übrig ist:
das häufige %Q\\t\\^^w\, farhuäzan, mhd. verwdzen, muls ur-
sprünglich was suah und afdauips bedeutet haben, exoletus,
verwünscht, verflucht (mythol. s. 1173): wenn Lye ein ags.
hvätung divinatio anführt, so sehe ich darin die Vorstellung
von afflatus Inimoia. ivuzamo inanno 0. iv. 31, 7 ist noch
eine schelte, fluch der menschen, von den menschen ver-
flucht. Ahd. stinchan olere, redolere, stenchan sufßre,
fragrare, ags. stincan odorare, exhalare, foetere, stencan
spargere ; das altn. stöckva ist aufser aspergere auch abigere,
welche bedeutung gerade dem ahd. ivdzan zukommt (Grafl"
1, 1087). goth. stigqan xönTftv, tundere olfendere (nares?)
Ahd. riohhnn olere, lümigare, ags. reocan, altn. riuka,
mhd. riechen fumare, mit rauch funius vapor, wie das ver-
mutete danjan mit dauna odor, verwandt: mnl. rieken 3Iaerl.
1, 51. 2, lül. im hochdeutschen hersclite die neutrale be-
deutung vor, die active scheint mehr niederdeutsch. Das
altfriesische hrena olfacere (Richthofen 828"') könnte an ^Ig
Qivög gemahnen, näher jedoch liegt das ags. hrinan, ahd.
hrinan rinan längere ; nur A>'äre zu schreiben hrcna rrr rnui^
wo nicht hr6no n: hreAnan gemeint ist.
Für den vierten sinn vermute ich keck ein goth. snfjan,
sof, das sich zu sapere, wie hafjan zu capere verhält, mit-
hin ahd. seffan, sevan, alts. sebian fordert; es ist aber nur
ahd. intscffan, mhd. entseben übrig-, in der angeführten stelle
Parz. 171, 24 noch ausdrücklich gustare, sonst aber schon
allgemein sentire intelligere bedeutend. Aufserdem galt, wie
schon vorhin gesagt wurde, dem yfvaunOui und gustare ent-
sprechend kitisan ; wenn Col. 2, 23 die worte ^o} ai/'/;, ^uidt
yivo}], fi}]dt Oi'yttb übersetzt sind /// toiknis, 7n atsiiarpjais,
vi kausjais (vulg. fie tcfigerttis, neqvc gustnveritis, ?icque
contrectaveriti's), so sind offenbar im gothisclien text die
beiden letzten verba verschoben, denn snairpan (ahd. snorfan)
oder snarpjan ist ^lyyccveip confrectare. Das gewöhnliche
verbum ist aber ahd. .mieccharf, mhd. smecken, ags. srnecgan,
altn. smacka; die goth. form wäre smigqan oder smagqvjfi/i.
DIE FÜNF SINNE. 7
mhd. haulig smcchen, und noch nlid, schynecken zuweilen für
riechen, z. h. MS. 2, 200\
Auch den l'ünften sinn können mehrere verba ausdrücken,
worunter das älteste und nierk\\ ürdij^ste das gothische t(ika?t
taitök ist; dieser reduplication begegnet das gr. rezu/otv \o\\
einem verlornen TATi^l und noch entscliiedner das lat. tungo
tctigi. von tekan tailuk weicht im vocal, in der conjuga-
tion und bedeutuiig das altn. taka tok capere accipere: ahd.
ist weder zdcha/i ziah noch zahha/i zitoh vorhanden ; am
meisten aber befremdet dafs die gothische von der lateinischen
und griechischen form nicht laulversclioben ist, was das T
angeht: G und K verhalten sich nach der Ordnung, hingegen
die anlaute des ags. picgaii peak capere, alts. thiggean, ahd.
diccan, altn. pfggja liefsen vergleichung zu. die begriffe
längere capere impetrare liegen sich verwandt. Das goth.
grcipan ist ).u^(iuvtiv und x^ar^?!/, das ahd. grifan rapere,
längere, palpare, das ags. gripan capere, rapere, das mhd.
grifen vorzugsweise längere: grifet her! palpate MS. 2, 26"*
179''; nhd. ergreifen, arripere, angreifen attrectare, appre-
hendere, palpare. Ahd. hrinan, rinan längere; ags. hri-
nan, altn. aber hrina adhaerore und clamjue, welche bedeu-
lungen ich nicht wohl zu einigen weifs, es sei denn in bezug
auf jenes fries. hrena riechen : wie die blume duftet, kann
der laut erschallen, gleichsam rufen. Ahd. fuolan palpare,
mhd. vüelen, nhd. fühlen, Jigs. gefelan, engl, feel, altfries.
fela, mnl. nnl. voelen bevoelen Maerl. 1, 80. 2, 65. 3,294.
321 ; dieser ausdruck gebricht dem nordischen dialecl. Ahd.
hruoran ruoran, mhd. rüeren, ags. hrernn, engl, rear, altn.
hroera, movere, commovere, längere. Altn. preifa palpare,
längere, schwed. trefva attrectare, ahd. tr'efan längere, per-
cutere, attingere (Graff 5, 525), auf welches sonst das altn.
drepa percutere, ferire anspruch zu haben scheint; auch das
poln. traßac traßc, böhm. trefiti, ital. trovare, franz. trou-
ver, prov. trobar antreflen, finden* kommen in betracht; es
ist ein überOufs verwandter formen und bedeutungen, womit
ich diesmal nicht fertig werde. Dunkel ist mir der Ur-
sprung des ital. tastarc, prov. laslar, franz. täter palpare,
welches seil dem 13n jh. gleichfalls in unsere spräche dringt,
* smecken und ervinden Maria 149, 1.
8 DIE FÜNF SINNE.
mhd. tasten Parz. 285, 9. Lachm. Walth. 162. gJ'ifeJi nnde
tasten fragm. 32'' Amgb. 33' ; es ist ein seltenes wort, dessen
sich viele dichter nie bedienen, mnl. tasten Maerl. 1, 51. 91.
2, 161. nhd. tasten, betasten, antasten, alles überlegt,
scheint mir tasten unmittelbar mit tangere und tactus z\\-
sammenhängend, wieybreÄ^w?« m\i foreht, castellum mhschak-
tel, castellan mit schahteldn, und gerade so findet sich teh-
tier Wh. 412, 24. Eracl. 4732. MS. 2, 77"^ fiir testier, ital.
provenz. testier a, franz. tetiere ; es war leicht aus dem H
in S, oder umgekehrt, zu gelangen und romanische denkmä-
1er frühster zeit müfsen nachweisen wie aus einem tactare
für tangere tastare wurde. fi\'inz. hat tätonner auch den
sinn des lat. palpare =r blandiri, adulari, liebkosen, da nun
schwed. smeka mulcere ausdrückt, mhd. stneichen blandiri,
smeih blandiliae, wäre leicht berührung mit smacka gustare
aufzufinden. ,
Wie sich lieuto die verschiedenen ausdrücke abstufen,
weifs ich wohl, vor alters könyte es anders darum gestan-
den haben, gi'eifen und tasten sind uns härter als fühlen und
rühren: wer an die band rührt und fühlt, thut sanfter als
der an sie greift und fastet, lasten ist noch gröberes greifen,
rühren und fühlen können innere bewegung anzeigen, doch
mag auch die seele ergriffen, der gedanke angegriffen sein,
rechte werden gröblich angetastet, man begreift mit dem ver-
stand, wie man mit dem herzen fühlt, empfinden liegt zwi-
schen begreifen und fühlen, der geist begreift und empfindet,
das herz empfindet und fühlt, empfinden im verliältnis zu fin-
den macht mir jene Verwandtschaft zwischen trorare und trej'-
fen preifa sehr wahrscheinlich, leid oder freude, wärme oder
kälte kann man empfinden und fühlen, nicht begreifen (aufser
abstract genommen), einen grund begreifen und empfinden,
nicht fühlen, fühlen ist also sinnlicher, empfinden geistiger:
wenn ich deine band in der meinen fühle, so empfinde ich
freude ; wenn ich deinen schmerz empfinde, so fühle ich eig-
nen : die grenze zwischen beiden ist da wo das äufserc inner-
lich, das innere äufserlich wird.
Wir haben manigfache Übergänge aus einem sinn in den
andern wahrgenommen, wenn das sehen ein hören, das hö-
ren ein sehen, das kiesen ein wittern und schmecken, das
DIE FÜNF SINNE. 9
riechen ein schmecken, das fühlen ein empfinden, das Reifen
ein begreifen wird und die ausdrücke wechseln, so ist den
dichtem von selbst das recht gegeben einen für den andern
zu setzen.
Unter allen sinnen der edelste ist der erste und es liegt
tiefer grund darin dafs die sprachen das wifsen vom sehen
ableiten ; doch gieng von früh an die Weisheit auch vom ge-
schmack aus, sapientia von s apere ; als den romanischen spra-
chen das lat. scire ausstarb, grifiFen sie zu sapere saher sa-
voir, und geschmack wird auch von dem gefordert der etwas
sehen oder hören läfsl. das allgemeine sentire hat im ital.
und franz. den nebensinn von riechen, alle begriffe und em-
pfindungcn entspringen aber aus dem fünften sinn des greifens
und fühlens.
Die verba des drilten und vierten sinns pflegen aufser
der transitiven auch zugleich intransitive bedeutung zu zei-
gen : man riecht die blume, schmeckt den apfel und die blume
riecht, der apfel schmeckt, den intransitiven tritt dann ein
bestimmendes adverb wohl oder übel zu, unterbleibt es aber,
so herscht der begriff des Übels vor. riecht, schmeckt, stinkt,
ohne beisatz, sagen aus male ölet, male sapit ; ja das ur-
sprünglich vom guten wie vom üblen geruch geltende stinken
hat allmälich den guten sinn von sich ausgeschlofsen und wir
dürfen nicht mehr sagen, wie ahd. zuläfsig war, suozo
stinchan.
Es verlohnt sich auch die substantiva zu verzeichnen,
visus auditus olfactiis gustus tactus verdeutschen wir einför-
mig gesiciit gehör geruch geschmack gefühl. von den gothi-
schen Wörtern sind nur die vier ersten zu haben : I siuns
oipig =z saihvns. II hliurna a/.or}. III daiins ödjn/;. IV ku-
stus yevGig, denn gaviss übersetzt aqr?? in der bedeutung von
nexus, nicht von tactus; warum sollte man nicht vermuten
teks oder tehts? ahd. I siuni, gisiuni. II gihori, gihörida.
III stanh, stunha. suehhado. hudzaino? IV smacch, gismah-
mo. V gihruorida. ags. I gesyne. II hlyst. III sväc.
IV smäc. V hrin, fries. hrene. altn. I syn. II heyrn.
III dann. IV smeckr. V dtak. snertr. mhd. I gesiht.
II gehwrdc. III wih Maria 147, 32. 159, 40. fundgr. 1,160.
Wh. 2, 14. Pfeiffers pred. 1,362. des dses wdz Ottoc. 443^
10 DIE FÜNF SINNE.
wdze Bari. 48, 21. sinac füudgr. 1, 160. Wh. 240, 9. 31S.
2, 200\ Bari. 48, 18. Pfeiffers pred. 1, 321. IV gesmac,
smac Renn. 9595. V gerüp.rde, zu waz und smac findet
sich meistentheils giiot edcle süeze oder übele gefügt, und
smac kann odor wie sapor bedeuten, nnl. I gezinkt. II ge-
hoor. III reuk. geur. lucht d. i. luft, Witterung. IV smaak.
V gevoel. schwed. I si/n. 11 hörsel. III lukt. IV *7««ä-.
V Aö/we/ z=: sensus. engl. I sight. II hearing. III smell.
stink, scent. IV smack. taste. N feeliug*.
In allen sprachen drücken eigne adjectiva abwesenheit
oder Verlust der beiden ersten, als der wichtigsten sinne, aus,
gewissermafsen auch des fünften; warum nicht des dritten
und vierten? wer nicht riechen oder schraeken kann, leidet
unverhältnismäfsig geringere einbufse als der blinde taube und
lahme und die spräche hat keine besonderen Wörter dafür.
geruchlos, geschmacklos können zwar auf den riecher und
schmecker, ebenso aber auch, nach der voriiin bemerkten in-
transitiven natur solcher ausdrücke, auf die gegenstände ge-
hen, welche gerochen und geschmeckt werden sollen, ge-
sichtlos, gehöj'los, gefühllos beziehen sich nur auf die per-
son, nicht die sache. statt dieser mangelnden adjective für
die abwesenheit des dritten und vierten sinns gesellt sich
aber eins hinzu, welches den abgang der spräche anzeigt, de-
ren vermögen nicht unter die sinne gerechnet wird.
Eine Zusammenstellung der vielfachen wörler für die feh-
ler der sinne, wobei ich aber etwas mehr in fremde sprachen
eingehn muls, soll den in der spräche unvermeidlichen Über-
gang der einzelnen sinne in einander noch anschaulicher ma-
chen, fast alle solche adjectiva schwanken aus dem begriff
des einzelnen Sinnfehlers in den allgemeinen des Stumpfsinns
oder blödsinns und man hegreift, wie sie dann wieder auf
jeden andern einzelnen angewandt werden können.
Unser blifid reicht durch alle äsle deutscher zunge fast
unverändert und hängt ohne zweifei zusammen mit der Vor-
stellung blanda/i, trüben, mischen, bedeutsam finde ich das
'' Poln. I wzrok. U slucfi. III «-fcA. powonienie. zapach. euch,
smrod. IV gtist. smak. \ cziicie. loczucie. böhni. I zrak. II sluch.
III eich, wtine. pueh. smrad. IV ehut\ smak. V cyt. tknutj.
DIE FÜNF SINNE. 11
schöne nihd. ez enhlamlcn (gramm. 4, 336) zumal von den
augcn gesagt,
Parz. 231, 25 daz volc von drizec landen
inöhtz den ougen niht enblanden.
Flore 7757 doch enhlienden siez den ougen.
es heilst aber auch den handen und liden. unsere der coni-
position ergebene spräche hat für blind alte und ausdrucks-
volle: ahd. staraplinl (gramm, 2, 415), alts. reginhlind,
altn. helblindr, miskor blindr, bei welchen allen manche nä-
here erläuterung zu geben wäre, haihs, das nur die gothi-
sche nnuulart aufweist, setzt Ulfilas für ^lOföq&uÄfiog, es ist
buchstäblich das laf. coecus, doch cooles bestätigt den begriff
der einäugigkeit, hängt nun cooles auch zusammen mit oou-
lus, hfiihs mit fiugo, so dal's U und C praefix wären? da
fordert wieder betraciit das liltli. r/klas =3 blind, alilatis blin-
der teul'el (wie cooles coolilis) von dessen blendung der my-
thus geht (mythol. s. 979), und an den einäugigen Odin
(Helblindi) darf erinnert werden, die Letten sagen al,'ls.
aber im franz. avcugle, prov. aeogol (Raynouard 4, 367),
das den andern Romanen gebricht, steckt nochmals oculus
und die partikel ab scheint in der wirkung jenem praefix H
und C analog, für goth. haihs zu vermuten stände ein ahd.
heh, hehil ; wie wenn nach diabetischer abweichung haohil
gegolten hätte und der name Haohilinc, Haehili einschlüge?
Den Griechen ist xvcfXög der übliche ausdruck und sicher
gehörig zu Tvcf.og nebel dampf und zu xvq^M dunsten qualmen,
aber Tvcflbg rcovg bei Euripides ist auch der lahme fufs, nicht,
wie Lobeck s. 345 meint, pes hominis luminibus capti, man
kann ez enblanden dem fuoze wie dem ouge, und der my-
thische teufel erscheint bald blind, bald lahm, ich mufs wei-
ter gehn und TV(pk6g seiner Wurzel nach unmittelbar ver-
wandt erklären mit goth. dumbs y.otcfög und daubs iioi^ög,
wobei die scheinbar mangelnde lautverschiebung nichts hin-
dert, denn in rj^qcco fut. -Ov^io), aor. inf. \fvij.iai waltet der
gewöhnliche Wechsel zwischen T und 0, dem 0 aber ent-
spricht lautverschoben goth. D, ahd. T; ich werde also beim
Vitium des zweiten sinns zurückkommen auf TvcfXög.
Seltener steht ainalog oder oicplog für coecus, dessen
Übergang in die bedeutung lahm und stampf (Lobeck s. 346)
12 DIE FÜNF SINNE.
das Verhältnis von rvcplög bestätigt, doch blind zeigt sich
auch in der merkwürdigen Verwandtschaft des slavischen sljep,
böhm. slepfj, poln. slrpy, wo die gr. consonanten nur wie
sonst häufig umgestellt sind, SLP =: ^TIA; das lilth. silpnas
bedeutet nicht blind, sondern schwach debilis ^},(j6g gebrech-
lich, was auch otncdog aussagen darf.
Den mangel des zweiten sinns bezeichnet Ulfilas wieder
durch ein uns späterhin ausgestorbenes baups, das nnl. bot
dumm, stumpf, müste sich denn noch hinzu fügen und der
Übergang aus DH in T, aus AV^ in V, 0 (denn die flexion
liefert bolten, botter) sich rechtfertigen, aber unmittelbar
gehört zu b(u/[)s aus den keltischen sprachen das irische bodhar,
welsche byihlar surdus, durch welches DD die vergleichung
des niederländischen TT gewinnt, ich bemerke nun weiter
dafs Ulfilas banjts bald für surdus, bald für mulus setzt, wie
aus der nähe beider gebrechen höchst erklärlich ist.
Daubs hat er für ^no^ög jTfncofjwfiii'og verstockt, afdaub-
iian für jtoj^ovoOui, afdobnan für qtuova&ai d. i. raaul hal-
ten, ahd. toup ist surdus absurdus liebes slolidus, ags. de('if
surdus sterilis, alln. dau/'r surdus insipidus, dffi/J'r litr aber
color obscurus, was an blind und trübe reicht; dafs rrtf'/.og
gleicher wurzel sei sagte ich vorhin. mit eingeschaltetem
oder vielmehr vor dem labiallaut sich einfindendem 31 ist
goth. dumbs wiederum xunfög, afdumbnan wiederum -iiq.i-
l^iMoOui z=. afdob/iait, ahd. iiiinp mutus liebes stultus, ags.
diüiib mutus, alln. dtimbr mutus; das nhd. dumm blofs liebes.
Was ist nun y.coqog, dessen etymon Lobeck s. 344 an-
cipiti conjectura sucht? ich weifs vorerst dafs wir das wort
in der altsächsischen spräche besitzen, im Heliand stehen je-
derzeit bo/t endi bäf (oder bdb) verbunden 67, 23. 72, 7.
115, 1 und gemein! ist damit claudus et mancus, wodurch
wir also auf das goth. hanfs -/.vllog = y^^-^?-' ^^^^- ^f^^f
mancus gelangen, so dals man mit y.toqog xaimvlog und y.uu-
TTTO) lieber als xonrco zu vergleichen hat : das lat. hcbcs mufs
aus dem spiel bleiben, den Deutschen diente dies adj. für
das gebrechen des fünften sinns, den Griechen mehr für sur-
dus und mutus, doch mit recht sagt Lobeck 'omnium longis-
sime patet xcoqjog' und die xoicfMaig tmv oqix^u^.fiMv, die odores
DIE FÜNF SINNE. 13
surdi coloresque stimmen zu jenem ihtufr Utr, wie zu dem
was ein mlid. dichter (altd. bl. 1, 244) sagt,
mit dunkler stimme sprich,
vor lütcn Worten hüete dich.
kann die tfiopt] ku^irt^ü, die og,«?} ocq^fyyih' nicht auch das xw-
gjov KVI.IU, ohne alle figur, uns verständigen ? der fremde war
den Griechen 'Eklädog cfiwvijg xuifog, den Slaven ist der
Deutsche ein stummer, poln. Nie?niec von niemij mutus, weil
ihrer spräche unkund. ich kenne wohl was man dieser ablei-
tung entgegenstellt; es hält keinen stich, man vergleiche das
litth, nebilka und ncbylijs.
Auszulegen schwer ist das lat. surdus, Potts se ■\- (luri
(etyra. forsch. 2,567) und Benfeys se -\- ur- du-s erleich-
tern die saehe nicht, käme die skr. wurzel shru audire
::= Kh', hlo in betracht, dann läge das sl. glouch xoq^o.;,
poln. gluchy, böhm. hluchij nicht mehr fern, aber im suffix
D miisle die privative kraft gesucht werden, worauf ich mich
noch nicht verstehe.
Ahd. stinn stummes, alts. stum Hei. 5, 18, mhd. stum
stumbes Iw. 481. 2259. 7767, nhd. stumjn, nnl. stom, man-
gelt goth. ags. und altn., doch scheint goth. stamins balbus,
ahd. stam, stammalön balbutire, altn. stnmr balbus, stoma
balbutire (vergl. stumr anhelitus, stumm anhelare) unmittel-
bar verwandt, ich zweifle noch ob stibna stimme.
Mutus hält man zu lurrög iivi^dög und leitet von uvm
blinzen.
Da sich das gefiihl überall hin ersti^ckt, so mufs dessen
beeinträchtigung und abwesenheit durch viele adjectiva aus-
drückbar sein, die es im allgemeinen aussagen, zwei glieder
des leibes sind aber für diesen äufserlich die wichtigsten,
band und fufs, und man begreift dafs die spräche auf beson-
dere Wörter bedacht war die den schaden an band und fufs
bezeichnen.
Im goth. hanjs, ahd. hamf, alts, huf=z mancus begeg-
neten wir dem gr. 7ib)q,6g, im goth. halts, ags. healt, ahd.
halz ist deutlich das lat. ctaudus clodus (wovon Claudius
Clodius, wie von coecus Codes) gelegen, claudere, claudi-
care ist hinken ; dem griechischen pjAd? mangelt der schlie-
fsende linguallaut, aber iuIum laxo (zu welchem hixo ver-
14 DIE FÜNF SINNE.
renken gehört) berührt sich, doch stimmt X weder zum deut-
schen H, noch lateinischen C.
Bopp hat fvergl. gramm. s. 430 — 432 Scharfsinn ver-
schwendet um den anlaut ha- der adj. haihs hanfs und halts
{halbs dimidius geht uns hier nichts an) aus dem skr. eka
= ein zu deuten und in diesen Wörtern den begriff einäugig,
einhändig, eingliedig zu finden, freilich gen^ahnt der ausgang
von haihs und cocles an ocuhis und der gedanke an ein
dunkles praefix ist dabei natürlich; doch wie sollte y.ioqög
und claiidus den begriff band und fufs in sich schliefsen?
7iifa aus umgestelltem piini = band hat alles gegen sich.
Desto deutlicher meldet sich maniis in inancus ; es aus
momi truncus zu erklären wäre ungleich härter als franz.
poltron aus pollice truncus. hier also steckt im sußix das
geheimnis.
Das ahd. lam, lamo ist claudus und manciis, dann auch
debilis, und wegen der Zusammensetzung hanialam claudus
scheint der allgemeine sinn vorwaltend, ags. lam, lama, engl.
lamo paralylicus, claudus. alln. lama lami membris fraclus
debilis, Jotlamn claudus. litth. himas und liiszas lahm, vor-
züglich an der band, da fällt mir wieder das irische lamh
manus, welsche llaw ein.
Unter den allgemeineren Wörtern hebe ich hervor das
goth. gamaids mjQÖg uvuTnjoog , ahd. gimeit obtusus cassus
stolidus stultus vanus, welches im mhd. gemeit die gute be-
deutung von laelus annimmt.
Debilis soll ü\\^ dehabilis entspringen, debeo sogar aus
dehibeo. im slav. findet sich debel nuyvg crassus, nuyvg und
pinguis weichen aber aus in die Vorstellung von stumpf, dumm
blödsinnig: diese deutung scheint mir den vorziig zu verdienen.
n>io6g TTooög, TTu^ju t6 7Tr]{>co 7T)'jO0}. Lobeck s. 69. 70.
es hat aufser dem allgemeinen sinn zumal auch den von blind.
Lobeck s. 346.
Über die an dieser letzten stelle noch angeführten t/./.ög
a).a6g ipfög weifs ich für diesmal ermüdet nichts zu sagen.
Welch grofse lebendige berühruug zwischen deutscher und
lateinischer spräche in vita/i videre, saihvan scire, hausjan
haurire, safjan sapere, taitok tetigi, kustus gustus, haihs
coecus, halts claudus-, geringere mit griechischer, vait oiöu.
DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN. 15
hausjnn oqui', hlosen xlvfiv, hanfs UMq'og, daiibs xvcfXög.
mit keltischer nur bai/Jts bodhar. nicht zu übersehn debüis
debel, mniO.dg sljop. JAC. GRIMM.
DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN.
Tacitus in der Germania cap. 2 beruft sich um seine an-
sieht von dem aulochthonischen Ursprünge der Germanen zu
bekräftigen auf die Sagendichtung dieser selbst: 'celebrant car-
rainibus anli(|uis — Tuisconem dcum terra editum et filium
Mannum originem gentis conditoresque. 31anno Iris filios as-
signant, e quorum nominibus proximi Oceano Ingaevones,
medii Herminones, celeri Iscaevones vocenlur.'
Es scheint nun allerdings als seien unter den Germanen
wie noch unter den Deutschen der späteren zeit sagen um-
gegangen die wenigstens für einzelne Völker solch eine au-
tochlhonische ansieht aussprachen, indem sie dieselben aus
einem walde oder aus einem felsen d. h. unmittelbar aus
dem boden der heiraat hervorwachsen liefsen. aus einem
walde die Sueven : Tacitus sagt Germ. 39 von dem heiligen
hain der Semnonen 'eoque omuis superstilio respicit, tanquam
inde initia gentis.' aus wald oder fels die Sachsen: 'darauf
so bin ich gegangen nach Sachsen, wo die schönen mägdlein
auf den bäumen wachsen' heilst es in einem liede der hand-
werksgesellen (ob auch das obst des heiligen forsles in Thü-
ringen oder Sachsen Reinh. s. 302 hieher zu ziehen?) und im
FroschmeuselerRollenhagens 1, 2 'da Aschanes mit seinen Sach-
sen aus den Hartzfelsen ist gewachsen.' der Aschanes kommt
schwerlich anderswoher als von denAskenas der genesis 10, 3,
die man schon frühzeitig auf die Deutschen ausgelegt hat ;
die erzählung vom felsenursprunge konnte der etymologische
Zusammenhang von Sahsc und sahs d. i. saxum, wo nicht
veranlafsen, doch unterstützen. * ähnliche Vorstellungen be-
' auch Isidor und Hroswilha dachten, jedoch in andererweise, bei
den Sachsen an saxtnn : Isid. 9, 2, 100 'Saxonum gens — appellata quod
sit durum et validissimuin genus hominum;' Hrosw. de gestis Oddonum
(Reuber 16iJ) 'ad claram gentem Saxouum nomen habentem a saxo per
duritiem mentis bene firmam.' bekannt ist die gleichfalls alte herlei-
16 DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN.
gegnen uns bei andern, zum theil auch bei Völkern germa-
nisches oder nah verwandtes Stammes. Jemandes 3 von den
Crefennen 'tanta paludibus fetura ponitur ut augmentum prae-
stent generi.* deuteron, 32, 18 'deinen fels der dich gezeu-
gel hat;' Jesaia 51, 1 schauet den fels an davon ihr gehauen
seid, und des brunnen gruft daraus ihr gegraben seid;' ev.
IMatth. 3, 9 'gott vermag dem Abraham aus diesen steinen
kinder zu erwecken'*, nach scandinavischem mylhus sind
die ersten menschen aus holz, wie es scheint aus eschenholz,
geschaffen, da ^aAv der name des ersten mannes ist; ebenso
nach griechischem (Hesiod. o. et d. 129) das dritte men-
schengeschlecht aus eschen** und wieder ein neues von Deu-
kalion aus steinen, daher mit einer Übereinstimmung auf die
schon Pindar hinweist (Olymp. 9, 66) luoq sowohl stein als
volk bedeute, zwei sprichwörtliche redensarten der Griechen
erklären sich aus dieser ihrer mythischen anschauung: von der
eiche und vom felsen kommen s. v. a. vaterlos sein (Od.
19, 163 u. a.) und von der eiche und vom felsen schwatzen
tung von sahs d. h. mefser oder scbwert, und diese wohl die eigenllich
richtige ; ebenso geht Franke auf franca, das demiiiulivum von fra-
viea, Cherusciis und Hervlus auf hcru (schwert), Suardo auf suert
zurück, und im altnordischen ist Idngbardhr auch ein schwert, lung-
bardlia eine Streitaxt.
* wahrscheinlich hienach im Wälschen gast 8, 7 'der alle werlt
geniachet hat von niht, der hat noch wol den rät daz er mühte machen
hiute uz steinen engel unde Hute.' Jeremias 2, 27 bezieht sich auf die
götterbilder von holz und stein.
'* sogar in derselben baumart treffen beide völker nur deshalb zu-
sammen, weil beiden das eschenholz von besonders hervorstechendem
nutzen war, zu schiEfen, zu speerschäften und zum brennen : ose wird
darum auch geradezu für schilf, a.ic und fitUa für speer gesetzt, und
blül's mit weiblicher Umformung bezeichnet ascd den schwachen rück-
stand des verbrannten holzcs, die asche. letzteres mag der gruud ge-
wesen sein das erste weib anderswoher als eben auch von jenem bäume
zu benennen: es heifst, mit dem namen des mannes nur allitterierend,
Embla, die arbeiterin oder dienerin (raythol. .^37). unser weibliches
eschc ist aus dem plur. des alten masculinums hervorgegangen : hinse
und bincz, bürste und borst, gräte und grdt, schlafe und sldf, säte
und Site, thräne und trahen, tücke und ttic, sähre und zäher verhal-
ten sich ebenso, und ebenso die jetzigen feuiinina ähre beere mähre
rippe spreu spur waffe loe/te wölke zu den alten neutris eher ber
jnwre rippe spriu spor wdfeu wette wölken.
DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN. 17
d. h. von dingen reden die man nicht kennt, und darum aufs
gerathewohl und ohne nutzen (II. 22, 126), in den alten kai-
ser hinein reden, wie man hier zu lande mit ähnlicher bild-
iichkeit sagt.
Indess genauer betrachtet zeigen schon diese vergleich un-
o-cn nur ein halbes zusammentreffen, und die echtheit und ur-
o
spriinglichkeit jener sagen der Sueven und der Sachsen wird
dadurch eher nur verdächtigt als unterstützt, denn die ver-
glichenen mythen und mythischen ausdrücke der Griechen
und der Germanen des nordens gehn auf die Schöpfung aller
menschheit überhaupt, und da hat die erzählung vom Ursprünge
aus bäum und fcls eher noch etwas natürliches : jene sagen
der Sueven und der Sachsen aber würden nur einzelne Vol-
ker zu aulochthonen machen, während alle übrigen, selbst
die den Sachsen und den Sueven zunächst verwandten und
benachbarten, in einer mehr als beschränkten weise unbe-
rücksichtigt blieben.
Lafsen wir aber dieses noch dahingestellt, die sage von
Tuisco und 3Iannus ist sicherlich keine über den Ursprung
des germanischen volkes gewesen, sondern gleichfalls eine
über den Ursprung alkr menschheit, ein stück aus der kos-
mogonie der Germanen, eine anthropogonie, eine sage mit-
hin die entweder an gar keine bestimmte örtlichkeit geknüpft
war, oder wenn an eine, dann wohl an eine dunkel vorge-
stellte asiatische ; ein stück aus der germanischen kosmogo-
nie, an das sich erst mit der erzählung von den drei söhnen
des Mannus die eigentlich nationale stammsage, die sage vom
Ursprung der einzelnen deutschen Völker schlofs. solch eine
auffafsung ist sowohl die einzige mit der sich die von Taci-
lus angegebenen namen vereinen lafsen, als sie auch in man-
nigfachen anderen mythen, germanischen wie fremden, die
zutreffendste bestätigung findet.
Die jüngere Edda erzählt, zu der zeit da die weit noch
ungeschaffen in ihren dementen da lag und nur erst licht
und finsternis, wärme und kälte sich gesondert hatten, da sei
aus dem eise, zu welchem die ströme des mitten iune liegen-
den Schöpfungsbrunnens erhärtet waren, durch die herüber-
scheinende wärme des lichtreiches ein riese erweckt worden,
namens Vmir. der habe einmal im schlafe gelegen, und wäh-
Z. F. D. A. VI. 2
18 DIE ANTHROPOGOME DER GERMANEN.
rend dessen seien ihm unter der linken hand mann und weib
hervorgewaclisen und der eine Ms habe mit dem andern einen
söhn erzeugt, den ahnherrn der riesen. also eine gigantogo-
nie. die Edda schliefst daran gleich ihre theogonie : aus dem
immer noch schmelzenden eis sei eine kuh erstanden, Audhum-
bla ; diese habe einen mann aus dem eise hervorgeleckt, des-
sen enkel nun die gölter Odhinn, Vili, \e. darauf die kos-
mogonie: Odhinn, Vili und Ve erschlagen Vmir und schaffen
aus dessen blut und gliedern meer und himmel und festes
land. endlich die anlhropogonie : sie bilden und beseelen die
ersten menschen aus eschenbaumstäramen.
Die einzelnen ziige dieser mythenreihe kehren noch an-
derweitig mehrfach Avieder, bald nur dieser, bald jener, bald
mehrere vereint, dann jedoch in abweichender combination :
dergleichen elementarsagen haben, wie natürlich, selbst auch
etwas chaotisch schwankendes. Uranos wird von Kronos.
seinem söhn, cnlmaiinf; aus dem blute das dabei zur erde
trieft entspringen die Erinnyen und die riesen und die nym-
phen welche man eschen nennt (Ilesiod. thcog. 187). beson-
ders aber kommt für uns hier folgendes in betracht. Vmir
ist das erste belebte wesen zu dem die rohen Stoffe sich ge-
stalten ; zugleich aber, da er so im anbeginn des schöpfungs-
werkes steht, steht er ganz vereinzelt da. demgemäfs bin-
det er noch in sich beiderlei naturkräfte, die männlich zeu-
gende mit der weiblich empfangenden : der ausdruck dafür ist,
dafs seine füfse mit einander einen söhn erzeugen. diese
zwiegeschlechtigkeit. so verletzend sie für den reinen nalur-
sinn ist, bei solchen göttlich - uranfänglichen wesen erschien
sie allem heidenthume ganz natürlich, auch der Sivas der
Inder, der Phlha der Ägypter waren hermaphroditische gotl-
heiten; die gleiche doppelnatur legten die Pbrygier dem Ag-
distis, die Perser Kaiomorts dem Urmenschen bei. nament-
lich diese zwei mytheu stimmen auf das überraschendste,
wennschon sie die beslandtheile anders ordnen, zu jenem in
der Edda, dem schlafenden Zeus, erzählten die einwohner
von Pessinus (Pausan. 7, 17) sei samen auf die erde ent-
gangen ; darauf habe diese einen zwiegeschlechtigen dämou,
den Agdistis, geboren, die götter, die ihn fürchten, entman-
nen ihn : aus dem "eraubten «liede keimt ein mandelbaum.
DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN. 19
die tochfor des fliifses Sangarios legt von der gereiften frucht
in den busen : alsbald w ird sie schwanger ; ihr kind ist der
schöne Attes. auch hier also geburt ohne mutter und dop-
peltes geschlechl und ein menschenzeugender bäum, eben dies
alles und zwar als eigentliche anthropogonie, und so dals
auch die eddische kuh ein gegenbild findet, im Zend-Avesta,
Bun-Dehesch 3 und 15. das erste lebende wesen war ein
stier, als dieser starb, fiel aus seinem rechten arme Kaio-
morts der urmensch, aus dem linken Goschorun die seele des
Stiers, vierzig jähre nachdem Kaiomorts gestorben sprolste
aus seinem samen eine baumhohe reivaspHanze, ein zwitter-
baum, zwei leiber verbunden wie einer: das Avaren Meschia
und Meschiane, die ersten menschen, mann und weih ; als
fruchte trugen sie zehn verschiedene menschenarten.
Durch diese letzteren vergleichungen treten einmal die
verstreuten sagen von dem baumursprunge der menschheit,
somit auch einzelner Völker, in einen gröfsern mythischen
Zusammenhang ein ; dann aber und namentlich fällt von hier
aus lichl auf den germanischen Tuisco. auch er ist ein erd-
geborenes wesen, vaterlos und ohne seines gleichen, darum
auch er von doppeltem geschlecht, eben dies und nichts an-
deres sagt auch sein name aus. denn Tu/sco ist nur die
schwache substantivbildung zu dem ahd zinsc, mhd. zwisch
(zwiefach), wovon wir noch zwischen und ztvisch^old ha-
ben : also der zwiefache ; jede andere deutung thut den über-
lieferten lauten und selbst der grammatik mehr oder weni-
ger gewalt an. die Variante Tuistonem hat nur denselben
werth als gleich nachher Istaevones für Iscaevones.
Tuisco heilst noch ein cleiis terra editus ; der söhn aber
den er aus sich selbst erzeugt ist Mannus, der erste mensch
(primus homo venit ad Europam Alanus' San Martes Nen-
nius 39), dessen weitre nachkommen einfach eben so heifsen
wie er, man oder vianna, und darum die ganze erde altn.
mannheimr, oder mit patronymischer ableitung mannisco,
mhd. mensch, wie sehr also Tacitus geirrt habe indem er
jene sagen und lieder der Germanen auf den autochthoni-
schen Ursprung derselben und auf ihr bewustsein eines au-
tochthonischen Ursprungs deutete, wird fast zum überflufse
dadurch noch bestätigt dafs die Inder den einzigen frommen
2*
20 DIE ANTHROPOGONIE DER GERMANEN.
der sich aus der grofsen sündflut rettet und so der ahnherr
eines neuen menschengeschlechts wird, buchstäblich ebenso
Manus nennen und dessen nachkommen, die menschen, pa-
tronymisch manudschas manuschjas mänuschas, den mann
manawas, das weih rndfiawi (Bohlens altes Indien 1, 218 f.)-
Mit Mannus aber endigt die geschichte der menschen-
schöpfung: wie aus den gliedern des indischen Manus die \\tv
stände des Indervolkes kommen, wie die söhne Aoahs die
ahnherrn dreier völkerfamilien sind, wie die einzelnen stamme
der Griechen sich selbst und ihre namen von söhnen und en-
keln Deukalions herleiteten, ebenso beginnt auch mit den söh-
nen des Mannus, deren jeder der namengebende vater eines
germanischen Stammes ist, gleich die sagengeschichte der Ger-
manen selbst, und die dichtung tritt aus dem allgemeinen ge-
biete der anlhropogonie in das enger begrenzte der national-
sage über.
Auch von diesen ersten aller Germanen und ihren namen
noch zu sprechen ist hier nicht mehr der ort : nur was die
Ingaevones und Iscaevones belrifff, möchte ich fragen ob bigo
und Isco, da beide silben als patronymische ableitungen ge-
braucht werden, nicht ursprünglich auch nur appellative eben
dieses sinnes, worte blols für den begriff des Stammvaters
gewesen sein können, ähnlich den zu eigennamen gewordenen
vater- und nnitternamen die Jac. Grimm im ersten bände dieser
Zeitschrift s. 21 — 26 erläutert hat; und dann ob (vvo hier
und in dem Fri's(cvo einer römischen inschrifl (Gruter 522.7;
vergl. Fj^isiavones oder Frisiobones Plin. h. n. 4, 12, 15)
zurückgehe auf jenes dem griechischen am urverwandte subst.
eiba (land) das schon bei Paulus diac. I. 13 in den länder-
namen Anthaib Banthaib Vurgundaib, später in Weiareiba
Wingarleiba und dergl. (Graffs sprachsch. 1, 89. Renner
245") erscheint, die Svävee des Sachsenspiegels (hmdr. I .
19. 29) und das goth. judüivisk möchten auf eben diesem
wege zu erklären sein. WILH. WACKERNAGEL.
21
ZWEI MORDSÜHNEN VON 1285 UIND 1288.
I
Ut qiiiescat animiis litigantium et ut bonum pacis et con-
cordie solidetur, totiusque rancoris et discordie materia pe-
nitus ampuletur, nos . . dicti de Dridorf et nostri complices
ex una parte, . . dicti de Nuveren nostrique complices ex
parte altera, cives Welflarienses, recognoscimus et universis
presentes litteras inspecturis volumus iimotescat, quod super
discordia controversia homicidiis dampnis gravaminibus uni-
versis ac super omnibus causis principalibus et earum acce-
soriis, occasione Ludewici quoudani dicti Hauen interfecti
subortis iulcr nos et perpetratis usque in presentem diem,
comproraislmus in discrelos viros Walterum canonicum Wet-
flariensem quoudam plebanum ibidem, Gyselbcrtum de Deren-
bach, Brandanum de Calsmunt milites, et Wigandum de Go-
zelishusen scabinum, tanquam in arbitros arbitratores seu
compositores amicabiles, et in Gerberlum quoudam advoca-
tum, tanquam mediatorem, fide et sacramento corporali pre-
stito, prominentes nos ratum habituros et firmum perpetuo
quicquid super causis omnibus premissis inter nos duxerint
ordinandum. Qui ordinaverunt arbitrando inter nos et com-
ponendo per formam compositionis amicabilis in hunc modum,
\idelicet quod Heinricus de Nuveren senior, Wernherus gener
Gerhardi de Nuveren et Craftho filius Sänne acquisiverunt
et obtinuerunt diclo quoudam Ludewico interfecto fraternita-
tem in duodecim ceuobiis et duo milia missarum pro defun-
ctis, item lampadem in monasterio beate Virginis Welflar.
lucentem continue et perpetuo procuraverunt. Preterea qui-
libet ipsorum trium assigna>it redditus unius libre Wetfla-
riensis monete hiis tribus, scilicet Wigando diclo Dytheren,
Heinrico de Catzenfurt et Conrado filio Heinrici de Dridorf,
consanguineis ipsius interfecti. Hos inquam redditus recepe-
rant ab ipsis in feodo, ab eis et eorum successoribns here-
ditarie possidendo. Hiis itaque factis, interveniente pacis
osculo et concordie, renunciavimus plane simpliciter et ex-
22 ZWEI MORDSUHNEX.
presse, ac in hiis scriptis renunciamus tinaliter et precise,
pro nobis et heredibus nostris et omnibus amicis, controver-
siis quibuslibet , homicidiis dampnis gravaminibus et causis
omnibus aliis, actionibus et querelis, occasione predicta inter
nos usque in hodiernum diem qualitercunque habitis sive
factis. Per fidei dationem et per sacramentum corporaliter
preslilum nos firmiter astringentes, quod predictam ordinatio-
nem renunciacionem seu conipositionem amicabilem ralam et
firraam habebimus perpetuo et tenebimus, et conlra venire
facere vel attemptare nullatenus presumemus, sed amici eri-
mus ex nunc et in perpetuum in invicem et fideles. Si quis
vei'O ausu forte quod absit temerario contra venerit unquam
aliquo tempore, fecerit vel altcmptaverit ullo modo, verbis
aliquibus sive factis, cjuod evidenter constare polerit : ille sla-
tim ipso facto periurus sit, violator fidei et honoris, et nichi-
lominus penam incidat subscriptam, \ndelicet quod ciWtatem
Wetflariensem exeat ut |»roscriptus, banno regio interdiclus.
nee non veneriibilis doinini Trevororum . . archiepiscopi et . .
officiaiis sui cxcommunicalionum sentcntiis innodatus, et careat
omnino bonis suis mobilibus et immobilibus universis, que
omnia cedent . . iudicibus scabinis et consulibus VVctflarien-
sibus penilus absolute, qui potoslalom habebunt liberam fa-
ciendi ordinandi seu disponendi de hiis quicquid decreverint
voluerint et viderint expedire ; nee in aliqua civitatum imperii
rccipietur commorabitur aliquo tempore vel manebit, nee ad
civitalem Wetflariensem redibit unquam vel intrabit, uisi prius
secundum iusficiam vel graciam salisfecerit competenler, et
nisi de prcdictorum iudicum scabinorum et consulum, et par-
tis alterius in hoc lese, voluntate fuerit et consensu. Quam
penam arbilramur vokimus et in eadem pariter consentimus.
In huius compromissi nostri ordinal ionis renunciacionis
seu compositionis amioabilis testimonium et robur omnium
premissorum, conscribi fecimus tria litterarum paria unins et
eiusdem tcnoris et sub eisdem sigillis, utrique parti unum,
iudicibus scabinis et consulibus supradictis unum, nobilis viri
. . doniini de Merenberg, ecclcsie et civitatis Wetflariensis
Frankenlordensis Fridebergensis et Geylinhusensis civitatum
imperii sigillis ad preces nostras et instantiam sigillata. Et
nos H. dominus de 3Ierenberg, decanus et capitulum ecclesie
ZWEI MORDSÜHNEN. 23
Wetflariensis, . . iudices scabini et consules civitatis ibidem,
Fraiikenfordensis Fridcberuensis et Geylinhiisensis civitatiim
civcs, recognoscinius quod rogati ab ipsis sij^ilia noslra duxi-
mus presentibus appeiideuda. Actum et datum anno domini
m.cc.lxxx.v. idus ianuarii (1285 jan. 13).
II
Nos Rudolfus dei gratia Ilomanonim rex , semper augu-
stus, et frater Heinricus eadcm gratia sancte Moguntinensis
sedis archiopiscopus, sacri imperii per Germaniam archican-
celiarius. Scire volumus universos, presentes ac posteros,
quod controversiam sive dissensionem, que hactenus inter no-
bilem virum Emichonem comitem de Liningen ex parte una,
et strenuos viros videlicet Heinricum Wernberum Johannem
et Arnoldum fratres dictos Wiischiissel et eorum consangui-
neos et amicos ex altera vertebalur, pro eo quod quidam Hein-
ricus ipsorum consangnineus sive filius sororis dictorum fra-
trum hoc anno apud Viersheim * a diclo comite et suis sequa-
cibus extitit interfectus, de consensu et voluntate diclarum
parcium composuimus et complanavimus isto modo. Videlicet
quod idem comes tum pro salute anime dicti interfecli tum
ad emendam dictis consanguineis suis faciendam, impetrabit
et faciet hec subscripta : transmittet enim unum famulum ge-
neris militaris ultra mare ad crucem sanctam a proximo nunc
marlio usqne ad mensem martium deinde proximo affuturum,
qui si postquam iter arripuit ad huiusmodi transfretationem
explendam, quocunque modo decesserit aut occubuerit, predicti
sui itineris arreptiopro transfretatione habebitur consumata, vel
si predicabitur crux contra Tartaros, sicque quod contra eos com-
munis fiat transitus aut processus, et idem famulus contra
predictos Tartaros ierit, per hoc etiam a dicta liberabitur
transfretatione omnino. Item idem comes procurabit in eccle-
sia cenobii scilicet ad Coronam beate Marie apud Oppenheim
Cisterciensis ordinis pro remedio dicti anime interfecti mis-
sam coltidie omni tempore celebrari, et luminare perpetuum
ibidem infra hinc et festum beati Joiiannis baptiste proximum,
vel pro eisdem dabit infra predictum terminum dicto cenobio
zivischen ff^orms und Ahei.
24 ZWEI MORDSUHNEN.
quinqiiaginta marcas colon. den. Item idem comes inipetrabit
in quatuor cenobiis Cisterciensis ordinis quatuor prebendas.
quatuor puellis consaiij^iineabus dicti interfecti. Item impe-
trabit pro salute anime eiusdera communem orationem et fra-
ternitatem in viginti cenobiis ordinis cuiuscunque. Item im-
petrabit pro eo quatuor mille raissas celebrari. Item idem
comes conquiret dictos cjuatuor fratres in vasallos suos dictos
Wilschiisse! ac dabit eisdem usque ad festum beati Michahe-
lis nunc proximum octoginta marcas col. den., vel si pecu*
iiiam ad manum non habuerit, deputabit eis loco dicte pecu-
nie de bonis suis redditus octo marcarum dicte monete infra
dictum festum, quos incipient percipere in eodem festo ; hos
redditus dicti fratres et eorum heredes utriusque sexus a dicto
comite et suis heredibus tamdiu possidebunt titulo feodali,
quouscjue idem comes vei sui heredes eis octoginta marcas
col. den. duxerint pcrsolvendas, quibus marcis eisdem et suis
heredibus qui pro tempore fuerint aut in prefato festo aut
quandocunque in poslerum persolutis, iidem fratres vel sui
heredes, ut prescriptum est, inde allodium sive bona proprie-
taria comparabunt, per eos et suos heredes utriusque sexus
a dicto comite et suis heredibus perpefuo feodali titulo possi-
denda. Item idem comes summo opere pi-ocurabit, quod soror
predicti iulerfecii obtineat feodum pro quo contentio extitit
inter memoratum Heinricum beate memorie et virum castren-
sem ipsius comitis. Quod si ipse comes impetrare nequiverit
aut per viam amicabilem aut iure, dabit eidem sorori >'iginti
marcas col. den. in civitate Moguntiua dativorum. In quo
etiam pagamento erunt omnes den. superius raemorati, vel
assignabit eidem redditus duarum marcarum percipiendos tanto
tempore ([uousque eidem per dictum comitem prefate viginti
marce fuerint integraliter persolute, harum quoque duarum
marcariuu redditus eadem soror et sui heredes utriusque sexus
a dicto comite et suis heredibus titulo feodali possidebunt ;
solutis vero eidem per predictum comitem prelibatis viginti
marcis allodium sive bona proprietaria comparabunt a dicto
comite et suis heredibus feodali titulo perpetuo possidenda.
In huiusmodi compositionis et perpetuo durature reconciliatio-
nis inter dictos discordantes per nos facte robur ac testimonium
presentibus sigilla nostra duximus appendenda.
ZWEI MORDSUHNEN. 25
Nos quoque Emiclio comes antediclus presentibus proinit-
timus, quod omnia et singula suprascripta tarn impetranda inipe-
Irabiimis quam etiam facienda faciemus perficiemus etfideliterad-
iinplebijuus termiiiis suprascriptis. Et ad maiorem etiam certi-
tudinem de hiis omnibiis per nos perducendis ad effectum, ut
premissum extitit, hos subnotatos dictis quatuor fratribus con-
stituimus fideiussores, videlicet nobiles Eberhardum comitem
de Katzinelnbogen, Adolfum comitem de Nassawen*, et stre-
nuos viros Heinricum de Bannalen, Eberhardum de Rande-
ken, Ludevvicum Vicedominum, Fridericum de Schonenberg,
Ertphonem de Wingarten, Silridum dictum Kranich, Wilhel-
mum de Milvesheim et Cunonem de Monfort milites. Qui
fideiussores si omnia et singuta premissa dictis terminis ut
prenotatum est non adimpleverimus, moniti Wormalie sine
afiqua captione aut malitia in altero horum hospitiorum, sci-
licet aut hospitio Jacobi dicti Margrave aut hospitio Wilhelmi
dicti Bunnen, ins fideiussorum exolvent, scilicet quiiibet eoruni
per famulum et equuni tamdiu quoadusque omnia adimpleve-
rimus supradicta. Promiltimus nichilominus dictos fideiusso-
res a prefata fideiussione liberos reddere penilus et indempnes.
Et in testimonium etiam premissorum sigillum nostrum pre-
sentibus duximus appendendum. Actum anno domini m.cc.
octuagesimo octavo, quarto kal. februarii. (1288 jan. 29).
Die erste der beiden vorstehenden Urkunden, denen ich
keine ähnliche dritte an die seite zu setzen weifs, habe ich
am 6w oct. 1838 aus einem der drei originale abgeschrieben
ivelche sich im Stadtarchiv zu Wezlar befinden, die zweite
verdanke ich der gute des herrn pfarre.rs Lehmann zu
Kerzenheim in der bairischen Rheinpfalz, welcher sie mir
im juli 1846 abschriftlich mittheilte, die Vorgänge xcelche
in denselben besprochen iverden liegen sich der zeit und
dem orte nach nahe, die sühne des mordes ist auch in
beiden, obgleich der eine fall unter ehrbaren geschlech-
tern einer reichsstadt, der andere aber unter edeln vor-
kam, so ganz ähnlich dafs die damalige praxis aus der
Verbindung der beideji Urkunden mit Sicherheit ivird ent-
nommen werden können.
* nachher röm. hönin;.
26 ZWEI MORDSÜHNEN.
Wenn ein mord oder todtscklag geschehen war, so
traten znnächst die verwandten nnd freunde des getödte-
ten als rächer und klüger auf. in dein ersten der beiden
fälle scheinen sie ohne weiteres zur räche geschritten zu
sein, so dafs die parteien erst nach vielfachen gegenseiti-
gen heschädigungen und neuen todtschlagen durch Schieds-
richter zu einer sühne gelangten, welche im zweiten fall
der römische könig und der erzbischof von Mainz sofort
nach der that bewirkten.
Die sühne selbst, welche dort von den vier reichsstäd-
ten der Wetterau, hier von könig und erzbischof besiegelt,
mithin als landesangelegenheit behandelt wurde, wnfafst
wesentlich drei hauptstücke.
1. Unordnungen zum Seelenheil des getödteten. diese
boManden in todtenmessen bis zum belauf mehrerer tau-
sende oder auch in Stiftung einer ewigen messe, in ge-
winnung der bruderschaft in einer mchrzahl von klöstern,
Stiftung einer ewigen lampe, absendung eines pilgers nach
einem entfernten Wallfahrtsort.
2. entschädigung der nächsten verwandten des ge-
tödteten durch Verleihung von lehen und versorgenden ein-
kauf in klöster.
3. befestigung der sühne aufser dem friedenskuss und
der beschwörung durch eventuell angedrohte und übernom-
mene ehrloserklärung Verbannung ächtung excommunication
und vc/Tnögensconfscafion, sodann durch bürgenstellung.
Einer bufse an das betreffende gericht und einer Ver-
bannung, wie .sie der Frankfurter st adt frieden von 1318
auf Jahresfrist auch dem gesühnten todtschläger auflegte,
ist hier nicht gedacht, beide waren kein gegenständ der
sühne unter den parteien. jene bufse verstand sich wohl
von selbst, und diese Verbannung scheint für diesmal in
If^ezlar nicht verhängt worden sein, weil derselben sonst
da wo von der eventuellen Verbannung die rede ist erwäh-
nung geschehen tväre.
Frankfurt im Jan. 1847. FR. BÖHMER.
27
BRIEFE AUS DEM VIERZEHNTEN
JAHRHUNDERT.
Der codex philol. 71 zu JVieji, aus tvelcheiti die nach-
folgenden stäche entnommen sind, ist in folio auf papier
im Jan/zehnten Jahrhundert sehr schlecht geschrieben, er
enthält hinter Petri de >'inca Epp. von hlatt 104 bis 199,
als Suninia Cancellariae Karoli quarti iinperatoris, eine.7i aus
den entwarfen eines kanzlers Aaiser Karl iv gebildeten
briefsteiler, ob dieser kanzler Johann von Neumarkt, bi-
sehof von Leutomischel, war, wie Dobner glaubt, oder
Rudolf von Friedberg (in der ff^etterau), bischof von Ver-
den, wie mir ivahr scheinlicher scheint, oder sonst iver,
wird tvohl dereinst von Palaeki/ festgestellt, wenn er seine
geschichte Böhmens mit einer Charakterisierung der Staats-
männer Karls IV ergänzt, bei knapp zugemefsener zeit
konnte ich im jähr 1842 mir diese kürzeren stücke ab-
schreiben, aus ivelchen man den kanzler als einen freund
der dichtung und maierei kennen lernt. — die tnark-
gräßn M . , welche im ersten briefe mit Kriemhild ver-
glichen wird, ist niemand anders als die berühmte Mar-
gareta Maultasch, welche mitwifserin war als die edeln
Tirols ihren untüchtigen ersten gemahl, den jüngeren bru-
der des kaisers, am 2n nov. 1341 schimpflich aus Tirol ver-
trieben (Reg. Lud. Bav. s. 345), und ivelche später (wahr-
scheinlich nach dem am \n oct. 1361 erfolgten tode ihres
zweiten gemahls Ludwig markgrafens von Brandenburg)
das hoflager des kaisers, ihres ehemaligen schwagej^s, be-
suchend, natürlich eine höchst auffallende erscheinung war.
in einem andern an den bischof von Magdeburg gerich-
teten briefe derselben Sammlung, der sich aus einem codex
des erzstifts Prag bei Dobner Mon. 4, 327 gedruckt fin-
det, spricht der kanzler noch weitläuftiger über ihr da-
maliges erscheinen. — ob das im, zweiten briefe über-
setzte gedickt Johann (sonst gewöhnlich Heimnch) Fraue?i-
28 BRIEFE AUS DEM XIV JH.
lobs noch erhalten, und ob die hier i'orkommenden kunst-
ausdrücke von einigem werthe sind, mögen kenner ent-
sclieiden. ein so stolzes beivustsein von der edelheit der
deutschen rmittersprache und ein so altes zeugnis von einem
deutsch - czechischen Sprachkampfe wird immerhin einige
ttufmerksamkeit verdiefien. — Petrarcas verhält?iisse mit
Hart IV sind bekannt genug, dafs der dichter auch mit
einem geschäftsmanne des kaisers in freundschaftlichen Ver-
hältnissen gestanden und in ihm einen gebildeten Schätzer
seiner lateinischen dichtungen gefunden hat, zeigt der
dritte brief der inhalt eines viel umf an gsr eicher en der-
selben Sammlung ist im Archiv der gesellschaft für ältere
deutsche gesch. 2, 456 so angegeben, Cancellarii epislolae
ad Franciscum Petrarcham quibiis desideriiim suuin ostendit
eins fieri discipulus, atque cesaris nomine librum virorum
illustrium sibi transmitti postulat. — der letzte brief ist
ein Zeugnis für die hohen ziele welche die malerschule
Karls IV anstrebte, aus welcher wir den Niclas fVu?^mser
von Strafsburg, den Thomas von Modena und noch einige
andere mit namen kennen, die höchst ausgezeichneten ar-
beiten derselben, die ich 1845 zu Prag und Wien zu be-
tüundern gelegenheit hatte, sind noch nicht gehörig ge-
würdigt und noch so gut wie gar nicht vervielfältigt.
Frankfurt a. M. im Jan. 1847. FR. BÖH3IER.
1. CANCELLARIUS SCRIBIT DLCI IN THEÜTOxMCO DE
MARCHIOMSSA M.
Liber gnediger herre. ist das waz (war?) nach alder
sagung und noch urchunde der sijten dij an uns gewachsen
seint, das die vasnacht ie dester wezzer ist, so man aller
meist fremdichail darinne übet und treibet, so hoff ich zu got,
is sey ein rechte merchleich vasnacht abenteure, das Crimholt
zu hofe varen weile, und wollet ir meines herren hoff ver-
säumen und den nicht suchen, durch welch hindernisse daz
gesein mochte, do gelaubt ich ir suUit daz nicht lazen, ir
kumt zu uns, nur umb dij so fremde wunderliche mere.
wann ich glaube, daz ir so seltseines nie gehöret habt, als
daz dije frawe uns gelawbet, die uns und land und leute in
chummer und in arbeit geseczl hat. und gelaub ich, es sei
BRIEFE AUS DEM XIV JH. 29
der funfczechen zeichen aines, dije vor dem iungesten tag
schulleii gescheeu. wan ich nie erfure so grofses unmench-
leiches (so) wunder.
2. CANCELLARIUS TRANSTULIT QUODDAM CARMEN DE
THEUTONICO IN LATINUM ET MITTIT EPISCOPO.
Reverendissime pater et doniine metuende. vulgaris elo-
quencie priuceps, qui secundum Reni asperginem linguam ador-
navit Theutonicam et venusto floris germine decoravit, ma-
gister Johannes dictus Frawenlob, condolens exulanti iuslicie,
tam notahile tamquc lamosum carmen elegiaco slilo in mate-
ria tali composuit, quod dum ad mei pervenit noticiam, sce-
lus arbitrabar eximium, si ex mea negligencia dominus mens
tanti carminis dulcedinem ignoraret. cuius quidem deliciosi
dietaminis grata sentenlia sequitur in hec verba. *
Carminis huius est tripartita divisio. videlicet duorum
versuum et binus gradualis ascensus. in primo versu ma-
gister predictus, per anastropham loquens, iusticiam sie affa-
tur : 0 iusticia qualiter modo disparuisti cum sceptro re-
galibiis et cot^om's? nemo tibi resistei'e poterat eo tempore
quo iras privatas et publicas gubernabas. in secundi ver-
sus principio iterum magister predictus per anastropham lo-
quitur iuslicie, et ipsa sfatim post in prosopeya respondit.
et sunt hec verba que secuntur: quis est modo tue corone
custos? fare iusticia! certe sei^vus meus iniqua polestas,
qui me annichilat, et adve?'sum me pugnat Jortissime. et
in eins subsidimji turmatim veniunt furta rapine incendia;
nam falsitas confederavit eidem dominos homines atque ter-
ras. qualiter igitur incedere debeam iam ignoro. tercia
vero pars, que ut premisi appellatur gradualis ascensus, com-
muni modo absqiie figuris incedit in hec verba : iusticia fides
atque moralitas sunt perfidie studiis in exilium relegate,
falsitas hilarescit, inßdelitas dilatatur. deus creator omnium
in adiutorium tue chiHstianitatis intende, ob profundum li-
vorem tuorum vulnermu, et ejßce quod iusticia ad heredi-
tatis sue locum reveniat, annis fiostj'is solacia secum ferens.
* hier folgte wohl in der Urschrift der deutsche text welcher
aber im codex fehlt.
30 BRIEFE AUS DEM XIV JH.
Translacionem huiusmodi reverentie paternali non fecit
scribentis sedulitas tanquam prelato ignoranti Theutonioum,
cum per dei graciam nobilis illius lingiie Gernianice copiosam
noticiam habeatis. sed quamvis a vobis plene intelligatur ma-
teria etiam in ipso vulgari, aperire taineii volui modos lo-
qiiendi lanti et tarn famosi decaiitautis, qui super omiies alios
hanc insignem loquelam floribus et senfentiis redimivit, ut vi-
deat vestra reverencia non esse acceptatorem peisonarum ipsum
creatorem allissimura, ut vel Bohemum Theutonico, aut rur-
sum Theulonicum Bohemico preroget, cum ex omni gente illi
solum accepti sunt, qui sub timoris angustia et karitatis (vin-
culo) divino numini famulantur. hec ante festum dicta suf-
ficiant. et ulinam accepta sint presuli cuius reverencie diri-
guntur.
3. UOGAT FRANCISCUM PETRAHCAM LT Slßl .AliTTAT
EXPOSlTlüNEM E(;L0GAUQI.
Magister et domine. rogo vos instantia et arte qua pos-
sum, quatenus michi exposilionem eglogarum vestrarum quanto
potoritis velocius dirigalis. nam vehcmenti melancolia et dolore
cordis constringor, legendo tante sonoritalis dictamina et re-
rum sublilium tam apropriatas methaphoras, dum non inleliigo
in quos fines sermo cultus sua venustate perorel. tollalis igi-
tur tante displicentie et adversitatis raaterias ab amico, gra-
tum in boc michi ostendentes benigne pietatis affectum, cuius
intendo lotis vite mee temporibus in gaudio reminisci.
4. SCRIBIT 1MPERAT0RI DE QLOD.UI PICTORE.
Serenissime ac inviotissime princeps et domine pertimende.
Presentis pictoris industria artis sue suflragio rite depinxit
ambas potcstales, regiam videlicet diguitatem et auctoritatcni
pontiliciam, ab uno dependere principio, dum celestis para-
nymphus, sicud in pictura prospicitis, divine provisionis de-
mentia coronat utrumque ; cesarem videlicet ut caput orbis, et
Romanum ponlificem, cui ligandi et solvendi potestas ab alto
concedilur; et uterque ipsorum in regnum celorum provehitur,
sicud superior picture declarat Facies, si tarnen uterque ipso-
rum bene administraverit Christiane karitatis officio, quod de
rationibus contingentibus censeo reperiri etc.
31
DER EHRENBRIEF JACOB PUTERICHS
VON REICHERZHAÜSEN.
Wie sich aus Duellius cxcerpt. geneal. s. 175 e7it-
nehmen läfst, tvar die handschrift aus welcher er den eh-
renhriof Jacob Püterichs von Reicherz hausen zuerst, mit
geringer sorg/alt, inittheilte zu seiner zeit eigenthurn des
kloslers S, Audreae an der Traisen, eines der ältesten geist-
lichen Stifter Österreichs unter der Enns. dieses stij't der
lateranensischcn regulierten Chorherren des h. Augustin
ward nun nach dem tode des probstes Gregor Gründler im
jähre 1783 dem noch jetzt bestehenden chorherrnstifte
Her^ogenburg, in der nähe von S. Andreae gelegen, ein-
verleibt, so kamen auch die handschriften der nicht un-
bedeutenden Stiftsbibliothek nach Herzogenburg und unter
ihnen auch unsere handschri/t Püterichs.
Sie ist in folio und dem turnierbuche Rüa-ners, und
zwar der Frankfurter ausgäbe von 1578, ?nit den bekann-
ten Zusätzen Frankolins von eben diesem jähre, angebun-
den, sie gehört dem ausgehenden \Qn Jahrhundert an und
ist auf gewöhnliches nicht sehr starkes papier geschiv'eben,
dessen wafserzeichen eine art P, oben mit einem blumcn-
kelche, darstellt, die schrift ist scheinbar leicht leserlich,
macht aber manche Schwierigkeit bei Unterscheidung von
a und 0, e U7id r, e und n und dergleichen mehr, die
Seite hat zwei spalten und jede spalte drei Strophen, bis
auf die blätter wo die halben spalten durch die zierlich
gemalten wappen ausgpfüllt sind, es sind dies unter den
16 blättern der ganzen handschrift die selten 3^, 4% 4'",
ö'*, 5^ ujid 6^ ; die übrigen selten haben je sechs Strophen
bis auf s. 13'', wo Mo?itevillas grabschrift stört, das titel-
blatt zeigt das bei Duellius s. 263 schlecht wiedergegebene
bildnis Püterichs in färben, auf unser n Puter ich folgt die
reimerei des herolds Johann Holland nach dessen zierlichem
bilde, das bei Duellius s. 253 ebeifalls sehr schlecht ver-
treten ist.
32 PI TERICHS EHRENBRIEF.
Ich verdanke die tnittheilung dieser handschrift dem
löblichen stifte Herzogenbusch auf gütige rermittelung des
herrn stiftsdechanten Fr. Appel.
fFien, 17 nov. 1844. KARAJAN.
Hienach uolgendt Lied Ge | nandt der Ernbrief, Hat weillündt
Jacob I Pütrich voiiReichertzhaiisen gemacht | Zeweilln Frauen
Machthilden, Her | tzogin zu Osterreich, Vnd geborne Pfaltzj
graiiin, In des von Laber gemainen | Thonn.
1 Durchleichlig Hochgeborne 1'
Fürstin werdt aller ehrn
Anfz treuen die erkhorne
Peut ich mein dienst von gantzen herzen gern
Eur gnaden willig vnderthenig
Findt Ir mich gar mit allem
des willens wirdt Ich nimer widerspenig
2 Wie woll meins leibs Luceren
Eur gnaden nie gesachen
So hör Ich doch von feren
wie hoch eur lob den wirden sich thuel nachen
• das mir der gleich im hertzen nie ward fundig
\'nnd wann sich endt mein leben
das mir so würdig Nimermer werd khundig
3 Eur Durchleichtigkhaite
Mag frembden disc ding
Was mich darczue Beraite
das Ich von Euern gnaden Red frag vnd sing
Das ist auch nit an Eur gnad zewundern
Seydt das Ich ye mit Augen
das Lob gesach das sich so hoch ledt svnndern
4 Für manig weib auf Erden
Nun wist durchleichtige Frau
das meines hertzen gcrden
Euch gern ersäcii, dann aller Pluemben Au
Vnd mag ich das in khurtz noch schier gefüegen
So will ich sehen mit Augen
der nie gesiebt von hertzen gewan genüegen
3, 5. die hs. an Eur eur gnad
PÜTERICHS EHRENBRIEF. 33
5 3Iöcht Ichs gefiiegcii trat
Ich blib nit laiiug liirwar
Wüst fraii mich hat beschaiden
Eur würdigs lob so gar
das Ich seit Iraer bin gedennckhen
Wie Gott so Rainen wünsche
In ain Person thet senckhen
6 Hielt mich nit anf geschaffte l''
Ich khäm des schier zu enndt
was mir eur Tugenfchrell'te
von Parfzperckh. Gredl, Eur Puel so hat beneut
die bei euch was cinfzmals im Padt zu khälbe
das maniger Frauen Lobe
Eur lob nil wider wegen mag mil halbe
7 Geboren nie del'z gleiche
sagt sy mir mer darczue
Von khunst vnnd thun so reiche
Als Ir das Ich seindt spat vnnd frue
Euch wünschend t bin. glickh säldt ern guete
Vnnd das der voget von Himel euch
ßehüeten thue vor allem wider miiete
8 Von eurem hol" Besonnder
Sagt sy mir wirdt vnnd Lehr
Euer Freulein Pfalcz darunter
wie das Regieren sey trau säldt vnnd ehr
Eurer Jungkhfrauen drey in Gottes dienst Singent
Introit mit vnnd ende
Das es zu Himel den Engeln gleich sey khlingendt
9 Bayrn Schwabm vnd Franckhen
seindt billich des gepundten
Gott Löblich Y mer zedannckhen
Das Rotnburcckh in Im sollich wierd hat funden
Gelegen am Negkher ver in Schwabenlandt
darumb sie Imermere
der wirde haubtstat soll sein benant
10 Pfaltz Caraer vnnd Sali
Wie gar das stehe beraten
Mit tugent vberall
, 3. nach Ymer ist dar diirclislrichen.
Z. F. D. A. VI. 3
34 PüTERICHS EHRENBRIEF.
Als cur gnad. das alles khan bcställon
Sait sie viind manigs mer. so ich nit khan schreiben
der tugenilicheii ehrn
Daruinb lafz Ichs woll halben thail beleiben
11 Graf Ritter vnnd khnechte
wie das in Zühten leb
Eur gnaden willig rechte
Eurer Hofmaislerin hab der ehren geh
An eur gnad von alter her beczalte
Darumben sey sie Muetler
Von euch genannt gar vill vnnd niauiglalle
12 Im Closter ains versperet
Eurer Jungkhfrauen aini sich geben
vorm Posen geist sich weret
die Seil sich wollt doch was Ir nit gar eben
den Naniben zti nennen, sy deicht von Rliorslein piirlij
Ir geschlechl der I-]dlen lierren
das was Ir Ingedenckhen gegenwüi'dig
13 Bcy nianigen Iren 3Iärn
Sagt sie mir auch dabey
von Nadln vnnd von Schärn
von Füngerhiet vnd solcher Cranierey
von Würfl drein. Aufz scluiech zwey RinckI khlaine
Sy euch das biet geschickliet
In ainem Peiill. die Gof versperrel Raine
14 Rain sie das schon Glosierel
Eur gnaden auf haill der Seil
der (ilofz doch was verirret
Eur gnaden Puel die liebe 3iargarer
Wann sie vergessen het des sines niaine
dabey niiigt Ir gedenncklien
Ob wür Icht Redten von eurn gnaden claine
15 Erczenngl vnnd die Princzen
Eur Fürstlich gnaden sein pflegenl[enj
Euch crönen mit Rauten vnnd Münczen
Mit Edlem geslain vnnd (Jold enwider Wegenf
Des ist woll werd eur wird hoch vngemefsen
Iliet Ir gelebt der Zeiten
der Grall het eur zu Khunigen nii vergefsen
PUTEUICIIS EHRENBRIEF. 35
IG Ilcrczogiii aller Tiigcnt
Mir sagt eur Puel zu Letsst
(lo sy von dannen was ziigent
Zu Lannde haimb vnnd wider an Ir uesst
wie Ir sy klirönt mit ainem Reisl khlaine
auFz Nessel ain Tieclilein schöne
dafz sy gesehe delzgleichen nie so feine
17 In aller diser weite
ihuet Lob eur Puel euch inecrn
da mir das khäm zu melde
Mein hercz mein syn vnd alles mein begern
das stundl darnach wie Ich eur lob möcht höhen
So khan eur wiierdt mir senndten
Sich als ein wildes federspil entpflöhen
18 Ossterreich vnnd anndert 2''
die Lanndt in manigcn khraissen
die hat eur gnad durchwandert
das sie euch nur die Tiigentreichen haissen
des sey euch Lob gesagt zu allen weilln
das Ir das habt erworben
Wann Tugent in khurcz nit laicht ist zu ereiln
19 Muetter Ir aller Frauen
die Tugent sich zeseinen (so)
die sollent an euch schauen
den ernspiegl also dar vnd feinen
den Ir tragt hoch vor Manichen werden waiben
das nit ein wunder wäre
ob all vntugent das von In khunde treiben
20 Halb noch ganncz zu sagen
Waifz ich eur ehrn tayll
dann das Ich ye will khlagen
das mich vergangen hat das glicklich hayl
Das meiner Jugent sollich ehrn Reisse
Mein Zeit mir nie wardt khundig
Darumb Ich billich stehe vor alter greise
21 Vor eur gnad eilen
vermerckht das genediglich nicht
so das Ich biet wellen
19, 3. anschauen 7m't durchstrichenem an.
3*
36 PUTERICHS EHRENBRIEF.
Ain diener sein das war nit Tugentlicli
Nur sonnder ein diener eur dieniueten diete
vnnd ob Ich annderst gedennckhe
do sey Gott vor der Mir auch das verpiete
22 Sain perndelz Reisses Geschueche
Ich biet mich gewest vnwürdig
die Riem eur gnaden schueche
Zulefzen auf. vnd darczue auch vngüetig
gein euch gewefzen aller Argen thäte
dann nur eur stuben baicz
Ob das eur gnad verguet gebäht häle
23 Pfui Ir all die Besen
die Arges mir gedennckhen
Lal euch mein gedännckh Zerlöfzen
Sollt mich das Alter also fhun nit khrenckheii
So müsl der windt mich freuen herczelicheu
der von dem Landl (huet wäeii
dar Innen da wonnth die her leiblichen
24 Ein man von Sechczig Jaren
Soll Amorschafl'f vermeiden
Mein Peicht muefz Ich enntparn
das Ich darumb trag ein Iniclis leiden
das Ich nil mer soll dienen ainei" fraueri
die souil hat der ehren
der Jamer tliuel mein heirz diirclillniiMMi
25 Enickhl vafter Khinde
die JNäm seindl mir gemäfz
dabej Ich noch belindte
Das Venus Amor mir ist widersäfz
vnnd Cupido Ir Son zu allem molc
der misset mein nun selten
Mit seiner feurin od gülden Shale
26 Des ist mein Aviderwähe
Mein ehr die all zu scharf
ob in die wellt Icht sähe
das wendt mir an, Mein weih von Sackhendorl
\ niul sprich I Laap dich soll nun gar beniiegen
\ lind Lafz ein Jungen werben
Nach werd(er) Min das thuet sich bafz im luegen
PUTERICHS EHRENßWEF. 37
27 Röniisclien Reichs Croiic
V^iiiid war Ich dei* gewallig
Näinh Ich nit für den Lone
den mir Leicht Put die ehren luauigfallig
Das war ein wort La dir empfolhen seine
Mein stuben haiczen khörn
Darumb gewinst Leicht die huhll vnnd giiad die meine
28 Khunig Fürsten allen hefn
wer gnueg Ir gunst zeriagen
In Nähennt vnnd in verrn
So mecht man wol geniueth gancz (hnrh sie tragen
Ain Lanndl hat mueth. dar Inen woiidt die here
druinb Ir Schwaben alle
Freüdt euch der würdt. \ eczundt vnd Imerniere
29 Rue wir nie gewunen.
Eur Piiell vnnd Ich fürwar
Bifz vnndergaung die Sonnen
Zu reden nicht, dan Lob von eurn gnaden dar,
In dem so sagt sie mir mit sonndern märn
Wie das vonn gschlecht die Besten, Im Landt,
Zu Bayrn, eur gnad vnkhundig warn
30 Brächt euch das nit verlangen 3"*
so nant ich euch die all
Die sich in Tornier tranngen
Mit freiden sehen liefsen vnd mit schall
Das sint von Bayrn die hochgebornen Fürsten
die sich durch werde Frauen
Vill gern Je nach erhn Liessen dürsten
31 Vnnd von dem Leichtnberge
Lanndtgrafen vnnd Graf ze Halfz
Auch Graf zu Ordenberge
Ambsperckh vnnd Haideckh. auch des mals
Im Ba\Tlanndt für herrn frei benent
So sey euch Fraunberg, Töring, Preysing
Auch mit v.-ürdt darin erkhennt
32 Tochter hocher ehrn
Merckh Fraunhof. waldeckh, weichs,
Laining, Torren, mern
58, 1. Khunig aus Khunigen corrigiert.
38 PLTERICHS EHRENBRIEF.
die Zale thun. so thuet Freundtsperg des gleichs
Piennczenaw, aiich dcgenberg, für wäre
Nusperg, Ahaiin Pochsau
Die bring Ich euch Zehaufz in dise schare
33 Pafz will Ich euch entdeckhen
des Adls noch vill mehr
die gueten Trenbeckhen
Von Trenbach. darczue die Ranistorfer.
von Johenstorf ist aus ein alter Adl
Die Haufzner. Mit dem wider
Haben Lanng Turnirt an aller schlachte Zadel
34 Lud Ich euch nit zelannde.
Pranberg die gueten von Au
Auch eur gnad erkhannte
Warfer Ebs Praitenstain vnnd Cammerau
Puechperg Camnier Paulstorf Mächslrainer
Schmilzer Muerach Annberg Pärbing
Auch die gueten Seiboltslorfer
35 Solch Schimpf ersuechel
Hat Wolfslain Parizperger
Stauf llainer vngeruechct
Ob Zennger Notthalft Herlnberg icht wer
In Zail auch Nusdorf wispeckh von der Alben
Trauner, Mauttner Closzner TAufkhircher
siecht man Turniern allenthalben
3G Ain geschlecht haist Lampollinger
Von alller werdt genannt
Sie wig Ich auch nit Ringer
Wo solches Ritterspil ye wardt erkhant
darczue die Panichner in der geleiche
die hat mann so erkhennet
In Tornierscliranckhen niemandl nit entweiche
37 Pfalcz hat mannigen Fromen
Den man nit Bayru nennt
So Lat in Zall her khomen
Haipeckh. Schilbaczen vnzutrennt
Cammerberg vnd Gumppenperg die teurn
Schönstet, Satelpogen Eisenhauer
Turnner die ijeheurn
PLTERICHS EHRENBRIEF. 39
38 Graf Ritlcr Khiiecht viid Frauen
Hört liier der werden sagen
Aichperg vnnd Rotauen
Rorbegkli Arhdorf Leudenbegkh gedagen
Iso nit der Pflueg. Höfer vnnd Ecklier
S<'liönstain vnnd PfeiFenliausen
Staudaeh, Sainzell sind an dem märe
39 ßey allen den vorgenanten 5'
Ist Khürner vnnd Judnian
von Absperckh. die bekhannten
Haslang Wildiistain Srhwangau vnd Ebran
Freudenberg Hohenrain LeubeUingen
Pünezing Olfensletten vnd Waler
Sieht man in dem Tornay dringen
40 Olting ist lanng herkhomen
In disem Ritterspil
Harfzkhircher die vill frumen
Fruemesl als Ich fürbafz Singen will
Die gueten Stradl, mit dem gulten Stern,
Sindt nun mit Todt verganngen.
Gott well in dort, in eewigkhait freudt mein
41 Rheinstromb dickh gesehen
Hat freyburg Eglofstain
wie das in sey zu Jeheii
Franckhen, Schwab, doch in Bayrn ir haimb,
Also was Gundolfing In Bayrlannde
des sey Gott genedig
Der auch mit erb. dar Innen war bekhannte
42 Hertzogin durchfeinet 5''
Mer ist der Lanndieiith mein
Appfenthall sich peinet,
Trichtling Saczenhof. soll auch da sein
Rambstain kbemenat Hachfznagkher
Hornpeckh, Leberskhircher, Schwarczenstain.
Seindt dickh gesehen wackher
43 Von welchenberg Lengfelden
die gueten wolbewart.
Thue Ich auch sonnder melden
dabei desgleich, auch die von wildenwurth,
40 PLTERICHS EHRENBRIEF.
von Lautterbach, Dachauer Lang herkhamen,
Inner vnnd ausser Lanndes.
Hat man sich dickh gesehen, als die fromben
44 Ir ist auch nit zu feirn
der Schänckhen von Neideckh
Waldau vnnd Schönnckh von Geirn
Im Turnay, freisam thet auch Mistelbeckh
Hauczndorf vnnd Slörn verlagen seilten
Wiewoll auch des zu Zeiten, Ir haubt vnd Ruckh.
Mit sclileg. miiest des enntgellten
45 In allen disen MUrn 6"
Sündt todt bej meiner Zeit
Laberer RarabsPerger Khuchlern
Granfz Schwennter auch da Leit
Stunipl' vnnd Egkher Sciiläspeckh. Hilkherfzhaufzn
Vorssfer Kliagrer Wildrgkh. Hohenfelfz
Die All niuelz Goll ßehaulzon
46 In seinem ewigen Wesen
Da freiden nie ward eiulf
Noch hab ich nier gelelzeri
Die meiner Zeit hie raumbten das ellendt
Haldenberg Allcnburg Sfahel Schenckh aufz der Aue
Mil schildl vnnd Helm vergangen
Der Pfleg auch dorl mit gnaden vnser Fraue
47 Bayern 31uerz mangl haben
der Sibenczehen geschlechte i'all
Mit schuld vnnd Helm vergraben
bev meiner Zeit sy dennoch lebten all
Nun ist Irs namens Layder nit mer auf erden
So helf in Golt der vatter
das sie zu Himel erhöhet muessen werden
48 Ey Herrscham Frey von Laber 6^
Ich muefz dich Imer dagen
Durch das vnns aufz der khlaber
entzogen ist dein Nam von dem zue sagen
War Imer hie durch dein gedieht das Edl
Das Teütsche dicht auf erden
Dergleichel nicht nur halbs alls vmb ain 3Iedl
49 Das Zeug Ich mil seinem gejaidle
PLTERICHS EHRENBRIEF. 41
Das von Im erst emitsprang
Er was ein Man der waide
Mit dicht er auch darin vill Lobs errang
Der guelen Puelschafft auch gar Hipsch genennet
An difz drej vorgenannten
So war sein Püch der wellt Lanng vnbekhennet
50 Vnnd das er war nie leben.
Von Laber Herr Hattmar
Darumb so wollt Ich geben
Das mir nuiest schaden noch vil manig Jar
Nur das Ich biet die Glolz seins edln dichtes
Was mir daruan khan sagen
Gar Vemanndt Icht so ist es alles nichtes
51 Frau sennt vor Prag was ligundt
Khunig Sigmundt Hocligeborn
Die Zeit was nit verzigundt
Zu schreiben her von Maria auserkhorn
Irres Suncs Purt, Tausent vierhundert Zwainzigkh
So ist der Zall nun Tausent vierhundert
Sechzig Zway gezellt zu Ainzig.
52 Dar zwüschen sindt vergangen
Zwai vnnd vierzig Jar
Auch mecht Frau sehr verlanngen
Was ich maint mit, so sag ich euch es gar
Aufz disen geschliichten allen vorbenante
So sindt die Zeit er storbeu vierhundert zelieu
Die mir waren ßekhauute.
53 jVun siindt der Geschlecht all hundert
Vnnd Neun vnnd zwaintzig darzue
daraufz hat sich besundert
Zehen vnnd Siben die haben ewig Rhue
Noch ist Ir hundert. Zwelf in leben bleibundt
Aufz allen in vierzig Jarn vnnd Zwai
Der Todt ein scholhe schar was treibundt
54 Die all mir waren khundig 7*
Ir Taufnam all mit all
In ainer Zetl fundig
Schickh die eurn gnaden hie Zumall
Dabei Ir findt die warhait svnnderlijiren
42 PÜTERICHS EHRENBRIEF.
Sie wareu aucli so gewachfzen
Das sie gar all zii Harnisch waren tiigen
55 Zu Schimpf vnd auch zu ernste
Nun secht durchleichtge Frau
Was wir thun aller gernste
In diser geschwindten schweren Weldes Au
So khumbt der Todt vnnd Nimbt vnns dann die freydte
Die wir Hoffen haben lannge
Also zergeht der argen weite geide.
5(5 Auch eurn genaden zu ehrn
Hab Ich die Müe genommen
Durch das Ir leicht vill gern
der Bayr geschlecht, woldt haben in ainer Sommen
Als mir eur Puel von Parsperg grelh ihet Jchen
Ir biet ir khundt ain taille
Durch das main miiehe Zu Lieb ist euch geschehen
57 Auch das Ir Seydt des Pluetes
Von Bayrn Fiirtslich durchl,^
Durch solch werdes guetes
Ist euch gemacht zu ehren
Auch eur fruchl der Fürstin wcrdt wonhaft in Hessen Landte
Eur Tochter Hochgeborn
Der ehrn Brief svnnst sollt er sein bcwannde (so)
58 Ob Ich an khrümppe Punnde
Difz main euch biet gekhundet
Das wer Leicht gewefzen siinndc
Nachdem vnd Ir der Hubschait seit erfündet
So war nil guet das schlecht eur gnad zewalten
Alsdann von Eschenbache
Im Titurell Herr Wolfram das khundt haldon
59 Vnd Spricht hie Siindt versuechet
die woifzen vnnd die Thumen
Vil maniger schlecht vnruechet
Vnd habet sich nit all zu den khrumen
Das wierdt an den gehoffen wol erfunden
Herr Neidhardl war der khlagundt
Vnnd hietn sichs gcbaurn vnnderwunden
GO Durch das so ist euch zeraendt 7
> il liere Fraue mein
PÜTERICHS EHRENBRIEF. 43
Das Löblich Ziraer nemendt
Vnnd auch das schwach von ruchveriiidten (?) stein
Doch dariimb nit das diser Brief ein Spiegi
Sey den Eur gnaden
Er mag woll haifzen weisser Leuth ein Triegl
61 0 wehe vnd o wehe Leben
Was Bistu hie auf erden
Wie gar ist vnns vergeben
Mit deiner Siiefz das findt wir an den werden
Der also vill in khurz ist hingeschaiden
Aufz dir du weit vnsläte
das möcht noch heut dich wellt vnns allen Laiden
62 Vnnd dächten bei der Zeite
Wie wir werden Imer
Seindt dise weldt nun geithe
Je Siesser hie vnnd dort ewig Je grimer
Drumb Lueg Jets was er ZuschafFen habe
3Iit Beicht Bufz Reu der Sünden
ehe das der Todt mit schnei es vnndertrabe
63 Pradt werde Frau von Himel
In diser weide Äsen
Kher von vnns Sünden Schimel
Durch das wir dort nit werden Satonasen
Ich main in grundt der Schnellen Pein Abisses
Ja Bistu trost der Sünder
Wann an dein hilfif so biet wir nichts so gewisses
64 Ey maniger Schönen Frauen
aufz disen Rotten allen
Wann die 3Iein dännckh anschauen
Was der bei meiner Zeit ist gefallen
In des vill Ritterlichen Todtes Khlamer
Wenn ich des vberdennckhe
So muefz mein Herz von Laider schreien Jamer
65 'Auch wan ich mir einpilde
Ir thun Ir Lohn etleicher
so wirdt mein muelh so wülde
das Ich von Trost von Stund an bin ein entweicher
Vnnd mag mein Hertz kliein freidt noch wun vmb-
fahen
44 PUTERICHS EHRENBRIEF.
Seiudt so uil schöner Frauen
In mein gedannckhen die äugen Ye gesahen
66 0 hoher Gott vnnd Herre
Nun Bifz Ir ewig schütz
Das In des Feindes were
erZaig nit seiner falschen grirahait trutz
Defz bifz Ir voggt Maria 3iaget Raine
durch deines khines (so) Liebe
So stehe in bei nicht sonnder nur aUain gemaine
67 Vnnd Doch ir ainer für alle
Des Bit Ich sonnderleich
Das die dein gnad Zu malle
Beuogten thue in deines khindes Reich
Vnnd sie vmbschrennckh mit deines Mantels fachen
So das sy sey gefreyet
vor Imer wer des fuers Peines Achen
68 Da Leiden ist vnnd quelle
In fegfeur 3Iarler flam
Wann wellich syndt die Seile
Die nicht ablilgeu hie der Sünden f;un
Darumh wir hie mit deiner gnaden gunsle
o we wenn solt erleschen
Derselben Arme Seil Peinliche Prunste
69 Der geschlacht Ist noch manig annders
Die Turney nicht entwalden
Vnnd sollt die alle sonnders
In Bayrlanndt von mir sein die gezalden
So biet die Zall nindert Trum noch ende
Nun deunckh ich wann es werde
Das Ich auch haimb zu Lanndt aufz ellendt wennde
70 Wi«' woll Ich mich Ihun schlachen
Hab Lau in Turnay gschwündt
So weit ich doch nit nachen
Die wirde mir das Ich hiefz Turnaifz gschiudt
In disem brief den Ich eurn gnaden schickhe
Wie woll Zu manigen malle
Ich hab gesuecht den Turnay offt vnnd dickhe
71 Das stehe zu all den werden
ob sy mich Lassen Reyten
PUTERICIIS EHRENBRIEF. 45
Es was (lo Yc mein gerden
Zum Besten nur in allen meinen Zeiten
Nur auf die Pannckh vnd drunter nit beleiben
Ich wannt Ich soll das geniessen
So khundt mir das Zu vnbilt maniger Scheiben
72 Nun möcht vil maniger Sprechen 8''
Ob ich an In den Ich stehe
Was Ich damit main Zerechen
Das Ich der Rechnung also Ir gehe
So wail'z Er nit das mein gedännckh seien freie
Daraufz so khlaub Ich etwan freidt
Vnnd Laid vniid darzue manigerlaie
73 Noch ist auch nutz dabeie
Aul' manig hundert Jar
So findt man wer der seie
Der Lobt die Zeit mit schilt vnd Helm für wahr
In disem Brief das thuel die Jar Zall khennen
Nun secht ob main vnmel'se
Durch dise ding vnbillich sey Zu nennen
74 Scharff Sin vnkliumert muete
Will lichten han für war
Wer die Zwai haben thuete
Des Ticht mag Averden schon vnd feielfar
Das Ich nit han Ja Laider mir geprisstet
Vil maniges hie auf erden
Darumb mein Thicht nit hoch nur nider nisstet
75 Ich hab mit frembden worden
Eur gnad mein Brief geschriben
Durch das Ir mit vnnd orten
Ir rechte ihuet ob da Ichs war beliben
Zu vill Zeclain das Ir das Richtig machet
Ich liof der khunst euch maister
Drurab main hertz fro eurn gnaden Achtet
76 Ob Ir des hie verdriefsen
Gepiet wier Ich vom Stain
Das er mich Lafz geniessen
Das er der Puecher Haubt ist allain
Dj von der Tafelrunde wundersagen
Das er mein Brief so besser
46 PUTERICHS EHRENBRIEF.
üas Ich sey hinfur gein Im sei tragen
77 Auch Hannfz von Helmstate
der thue sein Steur dabej
Das eur Brief wolgerate
Des dannckh Ich gern Hern Wierich dem Edlen frey
Wiewoll Ich khain mit sehen nie erkiiannte
So seindt sie doch nach sage
dem hertzen mein vill theur vnnd hochgenannte
78 Zwo Schwester Frei vom Stain 9*
Hab ich gesehen vor Zeit
Die weill Ich was in 31ain
Das Ich die Lanndtschafft besach die nach vnd weil
Zu ainem Turnay hof. Ze cöln gemachet
Da eur gemahel der erste
Von Würdenberg Mit Helm auch was Bedachlel
79 Ich glaub sie Schwester seyen
Herr Wierich von dem Stain
des Edlen werden freyen
Gleicht er In so Ist er woll der Rain
Wann mir gefiel Ir Pär Ir thun Ir lassen
Vnnd Lebtens noch auf erden
So müest gelickh vnnd ehr zu in sassen
80 Ains tags saget sy mir
Eur Puel frau Margareth
Von ainer garten Zier
Wie den so sehen eur gnad erzaiget het
Vnnd welch khnab ainen khrantz daraufz ihet bringen
Mit gunst der curn gnaden
Des Mueih vnnd freydt sich müest in hoch auf sciiwingen
81 3Iif disen worden Sprechent
Her Her Ir Töchter all
Thuet hilf nur darzue Zehent
Das diser khrancz dem khnaben wol gefall
So wirdt der dannkh darumb eur algemaine
Sonnst wüU main gnad das haben
das khainer der Lan darumb Icht bleib allaine
82 Ach möcht mir aufz dem Garten
der ehrn ein khrantz auch werden
Das sollt mein freydt mer Zarten
PUTERICHS EHRENBRIEF. 47
Dann thet der khrantz den Gaban der gelierten
Frau Orgelusen Pracli durch Liebes niinne
Ab Gramoflanzes Paiime
Noch hoher freiidt mir das Herz muel vnd sine
83 Eur Puel Zaige mir aines malefz
Ein taill eur Brief geschriben
Das fanndt Ich das Riales
Seiner Lieben brief Nie also warn beliben
Gehn Malie seines Herzen Traute
Dann Hainz von Rechperg Briefe
der Pllag hie nit mit Thicht der Hübschait Laute
84 Doch ist im wolgeschlachte 9^
All solcher Briefe Ticht
Seint er verhaben machte
Khain Khröppel nie als eur Puel von Im vergichl
Vnnd etllch Jungckh frauen auch das von Im Sagen
Vermaint er des sein vnschuldig
Khombt er zu Hof Eur gnad thue in das fragen
85 Frau eurn genaden ich schickhe
Etwas meines werchs
Eur lieb darein Plickhe
Zu Zeit so cur muet stet khrump vnd zwcrchs
Ergezt euch mit den Märn Mein bedichter
Mer dann vor dreissig Jaren
In Jungen tagen mein das werdt berichter
8G Vier Liedt vnnd Rede Dreye
Vnnd sey mein Lon darumb
Das Irhaist mein Araeie
So dise fastnacht schierst Herzukhumbt
Gehoffte frau eur gnad Zu guet sey habendi
Das Ich villi armer Semper
Mein dännckh so hoch thue in die Lüffte drabent
87 Doch vnuerzigen meines Rechtes
Seint Ich der Bin gesein
Ir treuer diener schlechtes
So wünsch Ich gnad der Heren fraue mein
Das die von Ir dickh gnad mir sey Beschehent
W^as werder man von Frauen
Durch gnad nit rechtes halb sich soll versehent
48 PLTERICHS EHRENBRIEF.
88 Das ist ain wort gesprochen
Wie lebt der dienner mein
Hellt er das vnzerbrochen
Als mir thuet khundt die gescliriflFl des Briefs sein
So sey mein wiintsch wo er hin Pfleg des wanders
das Im Gliickh nachiiolge
Doch in Gemain sonnst wiill mein gnad nit anders
89 Eur Puell sagt mir gerüget
Von eurn Füssen khlain
Sy tracht darnach vnnd füget
Das sy die sach gar wol gestallt vnnd rain
Das was Ich danckh Zu Rom in Wälschen Reichen
Vnnd khaulTt den Wunsches Füessen
Zway Zogkhln fein Ich inain die in geleiclien
90 Die tragt durch eurn khnechte 10''
Ob Icii sein Mueln tar
Syndt sy eurn gnaden rechte
Ich hab nit gmefscn das malz gnaue fürwar
Doch hof Ich das vnwifsen mich empinde
Such ich die Wunsches fücl'se
wer wais ob Ich gleich ir Zigkhl linde.
91 Als Ich nun Schiedt von danen
der Lieben Margareth
Zu meiner Hausfrauen Annaen
die mir die weill ein Brief Behalten het
Von Herczog Ollen dem fürsten Ilochgeborn
Eur gnad vätter aulz Bayrn
der mir da schraib sein gnad vnnd grucs Beuorn
92 Das Ich im leichen solte
Vom Pockh das Ritter Puech
Wie er das schreiben 'wolllc
vnnd mir Herwider schickhen baldt genueg
Vnnd mer ain Zell all mein Puech verzaichnet
wie er von Osterreich
seiner Schwester die in khurz wolt sein die raichent
93 Mit mer des briefs Inhalte
Nun ist fürwar das Puech
Nie gwefzen in meiner g^alte
Doch hab ich mir dar In gelesen gnueg
PlITERICHS EHRENBRIEF. 49
Kill Riller Vlricli Flüdnicz geuenncl
Pürlifj in Steirlamule
Da flndt man es sonnst was Ichs nit bekliennet
94 Doch Piiecher mein die Süne
Sonnder von RitterschafJ't
Schreib Ich euch frau dar iimbe
Ob Ir darin Icht fundt das l'reidenschafFl
Eur gnaden war, des habt gewalt mit alle
V'nnd nembt daraus den Aoln
Jedlichs Besonnder wellches euch gefalle
95 Doch auf ainem wechsl wider
Das mir ain zedl werd
Eur gnaden Puechcr Sieder
der habt Ir woU den wuntscli auf diser erd
Ob Ir die Puecher eurs vatters hebt gewalte
die Ich zu Haydelberg
In seiner Liberey sach sogar vngezalde
96 Die sündt mir warden khuiide Kl'
durch gschrifft von eurn gnaden
do mich eur Edler munde
Lie biten sehr das Ich mich soll beladen
Eurs briefs wart zubringen an ein ende
Alfz mir von Tor erasmen
In Zorn offt darumb ihet schir Prende
97 Der Pracht mir auch dabeie
ein Zell eur gnaden Puecli
Da fandt Ich zwainczig vnd dreie
die fant Ich nit, das war mir wunders gnueg
Aufz diser Zall Neunczig vnd viere
vnnd welche Ich nit erkhenne
di nen Ich eurn gnaden resch vnnd schiere
98 Fiinffe Lanczelundt
der Ich nur ainen Han
vnnd auch herr Floramundt
Flordomor dasselb Ich auch bin an
Malagis Reinhart Himpurg vnd die Morein
Khatrein von Serins
Grisel Melusin vnd Statschreibers Püechlein
94, 1. Süne] summe ist gemeint.
Z. F. D. A. VI. 4
50 PITERICHS EHRENBRIEF.
99 Von wenden wilhalbm
Auch Pantes Goloes
der Zwaier Püecher Galbm
gehört Ich nie des gleichen Tuckhlales
Margareth von Liinburg vnnd von Engelandle
die khunigin graf Freine
Leonen weller sindt mir nil hekhandte
100 Ich hab den Tilurel
das Haubt ab Teutschen Piiechern
wer mich des wider Pell
der findet khampf ob er den rucht zu succhen
das nie sein gleich ward funden in allen sacheu
Mit Ticht sogar durch feinet
Als In dan Hat Wolfram von Escheiibachen
101 Auch mer den Parcziuale
Sanndl Wiihclbnis Puccli das aiindor
vnnd Lohengreiii mit alle
die dreii geniaclil glaub Ich zesamen Pannder
von Strafzburg (Jolfridf Trisirani hat Besachel
So lial llarlnian von Aiii'
Beym Brun Heir Vbein mit dem Leben gemache»
102 Das erst vnnd auch das Leiste 11*
Sanndt Wilhalbms Puecher zway
Hat Sonnder Rhue vnnd Reste
Virich von Tiirnhaimb ain Hüblscherlav
Sani Hat auch Lanizilot. von Sähciihoueii
Aufz welisch vIrich gedichtet
Das mag man Leszen schon in allen Höfen
103 Herr wigileufz vom Ualh
VVirent von Grafenbergkh
vollichlet sein gelhal
Samb hat gethan der Plair auch das werckh
Vom Pliudenthal Herr Garell auch beUichtet
So hat von Orlanndl Rupert
Flor Plandlschefflur aufz walisch auch schön Berichtet
104 Den wälischen Gast gezieret
Hat Tomasin von Clär
sam hat Ruedolf grimsirel
von Montiart Schon Wilhalbms niär
PUTERICnS EHRENBRIEF. 51
vnnd Amelcy der schönen Slolzen werden
So findl Icli Wiganiuren
Seins Ticlifers nit auf all diser erden
105 Wie nun Herr Allexander
Die wellt Bezwungen hat
vlrich vill woll das vannder
Von Eessenbach dieselbig seine that
So hat der Strickher woll den Heilling kharl
Bedichtet Lobeleichen
der khunig was zu Franckenreich vnnd zu Ar!
106 Von der Teiserbruckh Hainreiche
Ein Hertzog werd vnnd Rain
des Abentheuer geleiche
V'nns dichtet hat Abbickh von Hohenstain
So wais Ich wer Gotfridt von Prabant-Lande
In ticht vnns hab besunnen
Durch den vnns Gott . sein Heilligs grab Hersanndte
107 Herr Witich vom Jordan
den Tichtet vnns Cur warer
Sein thun vnnd auch sein Lohn
von Hindihofen Maister Ruediger
So hat Graf May seinen Tichter nit Benenet
Darumb so ist er Fraue
Eurn gnaden nicht noch Nieniandt sonnst Bekhennel
108 Wilhelbm von Osterreiche ll'
den Tichtet vnns vil schon
Ein Schreiber Tugentliche
von Würzburg Hannfz gehaifzen was der Mann
So ist von ßayrn ain Ernst auch getichtet
Ein Herzog Lobeleiche
Ich wais von wem sein Puech vns sey Berichte»
109 So ist von Turinger Lannde
Ludwig Lanndtgraf der Hert
Sanndt Elspedt man erkhannde
der Starb vor Ackhers auf seiner Rittersferdt
das Puech Ich han, den Tichter findt Ich wenig
So ist die Tat vor Troia
ßey mir sein Tichter ist mir Widerspenig
HO Vnnd von dem Liechtenstain
52 PLTERICHS EHRENBRIEF.
Virich ein Ritter zier
Von Im ain Puech so Rain
getichtet hat, das hab Ich auch bei mir
Vnnd Ackhers Störung auch zu mafz bereimet
Wer auch das hab Befunden
das wais Ich nit oder zamen hab geleimet
1 1 1 Gesanng von den Gesanngen
Ein Puech Ich hab der Laut
Thut khundt mit giofz vmbfangeu
der Christenhait den gemahel vnnd die Praut
Als Saloman den Thechst hat auch besynnet
zu Lieb der 3Iörin Edl
die Avider Gott zu sehr Im was gemynnel
112 Die (ilolz auch vmb den Salier
All'z Nicias von der Leyrn
die hellt auch in meim Psalter
Mit seiner khunsl. daiin er lliel nit leirn
von Hessen llainiicli liaf auch schon erlunden
dui'cli Herzog AIhrechls Liebe
von Österreich ein Puech khantnulz der Sünden
113 Von Vier vnd zwainezigkh allen
Ein Edl Puech vill her
Ist auch bej mir behallten
von Passau Oll, des ordeos Prediger
ßerichlel, das so hat auch gar vill schöne
von Regensj)urg ßrueder Lamprechl
ßetichlet woll die Tochter von Syone
114 Sanndt Seruassius Legenndl 12"
Ein Bischof zu Masstricht
Hat woll vnnd schan Bekhent
Hainrich von Veldeckh Bracht zu Heiigem Tichl
Sam hat von Olmuncz Bischof Hannfz erkhennel
Iheronimufz Heylligs Leben
vnnd wie auch was er hab die khurz gelernnet (so)
115 Das hat auch hoch ersächtel
Johannes von Anndree
In Annder weifz Betrachtet
Sein Heilligs Leben Sandt Iheronime
Darumb ich in zu Herrn Sunderlingen
PUTERICHS EHRExNBRIEF. 53
niiet hab giuimen
Das er zu Hiinel vor Gott mir Helfl^ düngen
116 Hainrich vom Purchliaul'z
Ain Puech vom Rath der Seil
dem feindt zu Widerstraufz
erzeuget hat so ist sannt Jeörge schnei
dem Ritter Hiilf Beweifzen in der Nöte
zu diennst Pfalczgrauin edl
Bey Rehin hat er gedieht der herr Reinbote
117 Ist das von Hof gethan
das es mir Y'e Beschach
das Ichs versehen hann
das Ich die weltlich Puech zu ersten Sprach
vnnd nit die Geistlich Puech hab furgeruckhet
Gebt Im das hütl wider
Er hat ye das zu sehr hoUt vberzuckhet *
118 Vergeben sey mir das
Vnnd noch vill maniges mehr
das alter macht mir Lal'z
die Sünne mein, Darumb betiirfl't Ir Lehr
Wolt fiirbal'z Ich die weite Lennger Bauen
Lat stan Lat stan Ja Laider
Mir ist holt worden sehr ob Ir nur grauen
119 Puech der Ritterleichen
der hab Ich frau nit mehr
Mir zäm nun bafz geistleichen
Nun Leel'zen vill dan Ritterliche ehr
Doch denckhen macht das Ich schau dickh Hinhindter
an die vergangene tag
Darumb mein khlag ist vill nun dester gschwinter
120 Gnad Frau Ich hab besuudert 12*'
In Sün die Buech mein
Sechzig vier vnnd Hundert
Geistlich weltlich Jeczt nit mer da sein
Als Ir die findt in ainer gschrilft bezaichnet
daraufz was euch gefalle
Bin ich eurn gnaden allzeit willig raichent
121 Ich gie des hie mein Beicht
wie ichs erkhobert hau
54 PUTERICHS EHRENBRIEF.
Vierczig Jar mer Leicht
zusameln mir Ich sy aller erst began
In Brabannt vnngern zwischen baider Lannden
Mit frag Ich sy ersuechet
Bifz das Ich Ir souil mir bracht zehannden
122 Wie woll das maniger Asolt
So ist er doch geschehen
zu samb seind sy gerasolt
Mit stellen Rauben auch darzue mit Lehen
Geschennckht geschriben gekhauffl vnnd darzue funden
Doch mär die Allten Puecher
der Neuen Acht Ich niet zu khainer stunden
123 Darumb so wart auch sider
Ain mär auf mich gemefsen
gab es mirn sagkh nur wider
der Püecher mein wollt Ich gern vergessen
dar In Ich sy in Lech In gueten treuen
von Selicz Jan der selbig
dafselbig mär auf Armen mich gundl Freuen
124 Die Schälckh zu Hof Sinnd wanenndt
die Zellen mir das zue
Rosler Cannczler Schoneudt gar seilten
Mein mir Lät auch ninderl Rue
Haller Rasstal, khunrat, Ernreicher
Nach ainem Buech gar allte
So schickhtenns mich so wirdt Ich gämeleichen
125 Wen Ich sein nit enlinde
Sey Frantzen Nadler schier
aller erst Ich dann empfinde
das sy geschaffet haben Ir Hofier
das Leit Ich alles durch die Puech der Allten
Vnnd war sein Billich erlafzen
Durch manig Jar die mir da synd gezalten
12G Als nun des briefes ende l«i''
Beschlofsen wardt mein Frau
So khumbt mir zugelenndo
das Puech vom Pockh das Ich von stund hinau
dem Fürsten sannt von Bairn Herczog Ölten
1'24, 3. wohl ist gar selten sclionent
PUTERICHS EHRENBRIEF. 55
das tloch mit Ticlit sich geleichet
gar änderst iiit wan geüchten vnd den sotten
127 Vnnd auch Ir Jedlichs mer
Als Ich euch hah genant
darumb sey Imer ehr
V^nnd Lob gesagt Wolfram der Hochbekhannt
3Iit lichtes khunst sogar in teutschen weiden
das Im hallt nit geleichet
Ich main von Eschenbach vnd Pleienfelden
128 Begraben vnnd besarkht
Ist sein gebain das Edl
In Eschenbach dem Marckht
fn Vnnser Frauen Minster Hat er Sedl
Erhabens grab sein schilt darauf erzeuget
Epilalium Besunder
das vnns die zeit seins Sterbens gar abtreugel
129 Verwappent mit ainem Hafen
Im Schilt auf Helm begarb
Ja miiest er schnelle drafen
Der vnns erfur derselben clainot färb
Ein Pusch auf Helm der Hafen hat vmbraiffet
Als mir das kham zu melde
Mein fart dahin mit Reuten wert geschwaiffet
130 In manig Khürchen ferte
Suechl Ich den Ritter Edl
Zwainczig meillen Herte
Rait Ich dahin, das wag Ich alfz ein Medl
darumb das Ich die stat seiner grebnufz sähe
Vnnd durch mein Pedt andechtig
In ft'onem Reich Im Gott genedig Jähe
131 Sunst mir geschach ein mall
So Ich aus Brabant Rait
Ain Minich Conuentall
Sanndt wilhalbms Ortten mir ain solches sait
Wie Hanns von Monlauila sey da Lygundl
vor Lütich in einem Closter
Sein grebnufz sehe niemandt war verzigundt
132 Secht herre Fraue mein IS**
129, 7. wert kann auch wort sein.
56 FÜTERICHS EHRENBRIEF.
Ich khrumpt mein Raifz für wahr
Zwelf Meyll Leicht mer der sein
Das Ich rait, vmb des Haifz Ich mich Albar
Nor das Ich such die grefl des Edlen Ritters
der durch sein Lannges faren
vil vngemachs erlaid. auch siefz vnd Pitters
133 Ich kham nach seiner sage
vnnd fandt sein grab viill schon
Ein sarchstain auf im Lage
Mit ainer vberscliriff't in solchem dhan
Als euch das Epitafium erkhenet
Mit Puechstah von Messinge
So was der Stain mit solcher Laut vmbrenuet
Hie iacet Nobilis Dominus Joan-
nes de 3Ionteuilla Miles, alias dictus,
ad Barbani Dominus de Compredri natus
de Anglia Mediciiuc professor et de-
uotissimus oralor et bonorum Suo-
rum Largissimus pauperibus erogator
qui totum orbem poragrauit in Siratu
Leodij diem uifa' Sua* clausit extremum
Anno Diu 3Iillesinio Trecentesimo
Septuagesimo Secundo 3Iensis
Februarij Septime
In Teutsch also ge
sprechen
Ilie Leit der Edl man Herr Johan
von dem Dorfperg Ritter
andermall gesprochen von Pari
ein Herr von Campredi geborn von
Enngellanndt, der Ercznei ein
gehorsamer vnd ein diemiietiger
better, vnnd seinei* guetter der
armen ein Milder ausgeber.
der die ganncze wellt erfaren
hat, vnnd sein Jungcz endl Beschlossen
zu Lültich, das Jar vnnsers Herrn
Tausent Dreyhundert. Zwaivnd,
sibenczig Jar. Am Sibendeu tag
PLTERICHS EHRENBRIEF. 57
des Monats FebruarJ
134 Sein Schilt mit ainem leben
der Stern gezwifacht was
sein gil mit weitem gewen
dem Helm ob ein 3Iörkhacz safz
dargegen ain sy zugen den khaczen khnebel
samb thun zu Hof die Pueben
vil dickh das SpüU das ainer feilt auf den gebl
135 Also was gezimerf 14"
des Edlen Ritters zier
Auf seinem Stain so schimert
von Mefsing fein die obgenant Manier
Der Leit nun da vnnd hat sein Raifz ein ende
Nun wünsch Ir alle werden
das Im dort Gott das eewig Leben sende
136 Nu gib ich hie ain ennde
Mein dichten eewiglich
Ich will nun mich Behennde
Berichten hin zu meines vatters Rieh
Da findt Ich Lieb an Herzen Laides schmerzen
Lusst wun vnnd alle freyde
das nie all mündt volsprachen gannz von Herzen
137 Ich hau nun hie gewundert
In diser wellte zwar
der zeit ein Halbes Hundert
vnnd zwelf darzue der mainen laugen Jar
Was hab Ich dran nun hie auf erdreiche
Mein gwin ist zeit verloren
dasselbig ich auch an meinen stain nun streiche
138 0 meiner tag vergangen
An nuz vnnd Lohn der seil
doch Hoffet mein verlanngen
dahin der Fürst vnnd engel sant Michel
Ist wegen Arckh vnnd auch die gueten thate
wol allen den auf erden
die das Bedennckhen frue vnd nit zuspate
139 Zu vesperzeit belönet
So Avurden alle die
Mit vollem Lohn Bekhrönet
58 PUTERICHS EHRENBRIEF.
Sam die vrab Priiu Zeit auch da wärchten hie
Also hin ich zu weingart spat ersuechet
Hülf Maria hhunigin frone
das Langkhsam Rue die mein nit werd verfluechet
140 Der brief ist nit gefüeret
Mit zier Hinan das Höchst
Ob Yeniandt das Stol zieret
So bit Ich eur gnad mich des erlöst
Vnnd schermbt mich vill werde Herzogiune
Seint Ich in allem guete
Euch schick h den Brief aufz ainfaltigem sine
141 Vnnd nembt verguet das Krume 14'
Alles hie vorgeschriben
Es ist Beschehen drumbe
Das dises werch von euch nit werd vertriben
Mein schlechter Brief der war euch bald gelesen.
Damit vill schier verwarffen
Sonnst Hof Ich der hab Lennger bei euch wesen
142 Es spricht in ainem Liede
von EschenPach wolfram
Damit er auch Beschiede
Das sein gedieht soll bleiben one schäm
das nit Beschäch vnnd sag Ich euch es schlechte
woll dreifsig Titurelen
Hab Ich gesehen der khainer nit was rechte
143 Mit Reimen schon Zwigeng
Sint dise Lieder gemcfsen worden
In rechter Lenng
vill Jar gerecht Nach Maister sanges orden
zu vill zu ciain so wirdt ein Lied verschwachet
Ich wolfram Bin vnschuldig
Ein Schreiber dickh gerecht zu vnrecht machet
144 Nun secht Ir Schreiber wilde
Eur Lob ist Inndert hie
gleich in dem selben Bilde
So bit Ich euch Ir wellet warten wie
sich silb vnd worl khiirzen lenngen massen
zu dienst meiner werden Frauen
143, 1. die hs Reinem
PÜTERICHS EHRENBRIEF. 59
das Ireni Brief khain vnrecht werd verlassen
145 Zu Reicherfzhaurzen gebeut
Ist diser Brief für wahr
Alfz mau vou Christi was habeuf
Thauseut Huudert Zwai vnd sechzig Jar
In niainera Haufz darzue drey hundert habeut
Wart dits gemächt vollendet
An sannt Catharein der Heilligen Jungkfrau abendt
146 Versigelt vund verpunden
Sey diser Brief mit eu
Also das Ich hab funden
Eur werde güet mit stäter treuer treu
Zu vrkhundt sey mein Herz darauf gedruckhet
Das euch soll Ymmer Bleibunndt
diennsllichen ganz vund nindert taill zerstuckhet
147 Eur gnaden vnnderthon 15"
Jacob von Reicherfzhausen
Piitrich Zuenam Ich hau
Der euch zu mall vüll mehr wan manig Tausent
diennsllichen soll gehorsam sein mit treuen
also die Lenng beleihen
3Iit diennst gerecht die täglich sich thun neuen
148 Der Durchleichtigen Frauen
Machthildt mit nam genant
Soll diser Brief erPauen
der Fürstin Wolgeborn aufz Bayrlafidt
Erzherzogin des Landts Osterreiche
vund Pfalzgräuin Bei Rheine
Herr Albrechts gemahel des fürslen Lobeleichen.
RITTER RADIROLT.
Handschrift des 17/f oder I8n Jh., in quart, nachwei-
sungen über das geschlecht deiner von Egmont, Hirnheim,
Katzenstein, Flochberg, Elfsenberg ii. a., zum theil aus
gedruckten werken {z. b. JVig. Hund, Rüxner) zusammen-
getragen von Johann Wolf gang Fabincius, tvürzburgischem
geheimschreiber ; zum theil dienten auch grabsteine, todten-
60 RITTER RADIBOLT.
registcr und der gl. als quellen, hl. 6'' bis 8' das nach-
steke?ide lied, dessen Orthographie beim abdruck ohjie scha-
den vereinfacht iverden durfte, die hs. zählt im ganzen
76 unpaginierte blätter. der zweite theil derselben ist
französisch abgefafst und enthält La genealogie de tres
illustre maison de Hieruheim, qui prend son origine des mes-
sieurs les Contes d'Egmond qu'ils estoient des ducs de Frifs-
lande. Escritte par Monsieur Wigule huiid le Docleur, et
Conseillir du duc de Bauire et Commandeur ä Dachau.
Die hs. war im j. 1841 in Wien auf einer bücher-
versteigerung ; wer sie erworben weifs ich nicht.
fVien. KARAJAN.
Ein alt lied vom ritter Radibolt und
vesten Hirschstain.
1 Es lebt ein ritter im Friesenland,
Herr Radibolt von Egenmont,
auf erd war kaum seins gleichen,
an stamm und tugend königlich,
keim ritter dorft er weichen.
2 Eh dals der vater kam ins grab,
dem söhn ein reiche frauen gab,
dem ritter wars nif eben,
das weib krenkt ihn bis an den tod.
sie war untreu darneben.
3 Er zog vor unmuth aus seim land,
kriegt stark wider das behmisch land,
manch abenteur triebe
bis dafs eins edlen ritters kind
mit ihm fiel in grofs liebe.
4 Die muetter zu der tochter sprichl
' trau du dem frembden ritter nicht,
deim vatter wolts nit gefallen :
bistu im ganzen Norgauer land
die schönest magd vor allen. '
5 Mit ir durch manchen wald er reit,
in lieb vertrieben sie ihr zeit,
er jagt nach wilden thieren,
RITTER RADIBOLT. 61
sein liebste fraiicii inniglich
tliet er im wald verlieren.
C Drei monat ers nit linden mag',
des rührten sie baid grofse klag,
sein herz laid grol'se quäle,
sie dacht an ihren schwangern leib,
mit ihm weint berg und thale.
7 Sein hündlein jagten auf ein spor
drauf erst ein hirsch hergangen war;
der hirsch lief schnell zum felse
da er so lang ernähret hat
die wunderschöne Else.
8 Der rilter eilt dem (den?) hündlein nach,
im fels sein liebste frau er sach,
züclitiglich sie umbfienge,
desselben tags drei knäblein schön
von ihr er da empfienge.
9 Auf erd kein mensch aussprechen mag
wie grofs freud ward auf ungemach
im wald nach lengs und zwerge ;
sein rilter kamen schreien all :
dan heifsts der Elsenberge.
10 Kein hund den hirschen mehr anficht,
der hirsch vom knäblein nimmer wich :
sie dankten Gott gar feine,
und fiengen drauf zu bauen an
das veste schlofs Hirschsteine.
11 Er bauts für seine drei söhne klein,
dafs sie guet ritter möchten sein.
drei geschlechl von ihm herkamen,
Wart Notiiaft Hirneheim, das ist
mit Elsenberg ein stamen.
12 Ein jeder kriegt selbst leut und schlofs,
ein gcschlecht des andern schier vergafs,
nach etlich hundert jähren
wurden herr Rabolts schlöfser vil
zerstört und meist verloren.
13 Drumb merkt und hört die wundergeschichl,
es ist gar wahr und kein gedieht.
62 RITTER RADIBOLT.
wie Hirsclistein das vest schlofse
mit falsch und listen ward zerstört,
vil menschen und bluet hats kostet.
14 Das schlofs lag auf eim steinfels hoch,
ein königreich darvon (fehlt man?) sach,
vil teutsche land noch mehre ;
es bauts der ritter Radiboll,
aus Friesenland ein iierre.
15 Es stund wol an siben hundert jähr
seit das vest schlofs gebauet war,
vil reutter förchtens fehre :
dem Pfalzgrafen schauts in sein land :
das verdrofs ihn so sehre.
16 Der pfalzgraf zog mit gwall darvon.
Hirsclisfain solt ihm sein underlhan:
von Ilirnheim zwen jung ritter
darwider stritten fast, sie warn
von Klsenberg zweii briider.
17 Der solche gschicht beschrieben hat,
isl 31eginhart der priester alt
in seiner chronik fehre,
vom ritter Radibolt genant,
aus Friesenland ein herre.
Disses licd isJ in der vesten Hirschstein, in einem verfalle-
nen tliurn und eisenen blindfenstcr, mit etlichen Hirnhaimbi-
schen vnd Klsenbergisclien documenten gefunden worden, dar-
über das orijifinal noch vorhanden isl.
WADO.
Die Kudrunsage ist local an den miindungen des Rheins,
streift aber die Nordseeküste hinauf bis nach Dänemark, we-
nigstens in dem mittelhochdeutschen gedichte, in dem ein al-
ter lield Wafe auftritt und bedeutend in die handlung ein-
greift, er soll eine mark ze Sturme oder ze den Stürmen
besitzen, man hat diese auf die nordelbingischen Sturmarii
(bei Adam von Bremen), die späteren Stonnern, gedeutet :
allein weder der name ist derselbe, noch auch halte die un-
WADO. 63
lersclieiduug der Stunnarii und Holtsati langen bestand : beide
unler einen graten längst vereinigt würde die sage des drei-
zehnten Jahrhunderts gewiss nicht gelrennt haben, man wird
daher eher an die Stunm denken dürfen, in deren gau Ver-
den lag und die den im gedichte bekannten Friesen benach-
bart waren.
In einer ganz andern Verbindung steht Wate in der
Vilkinasaga, als vater Wielands und Eigels, an die sich noch
die ebenfalls ganz mythischen heroen Wittich und Orendel
anschliefsen ; doch spielt auch diese sagenreihe um die untern
Rlieingegenden, an der Weser, in Jütland und Scandinavien.
V ade soll auf dem dänischen Seeland seinen wohnsitz haben :
mau darf vielleicht vermuten dafs die zu gründe liegende nie-
derdeutsche Überlieferung, wenn nicht mehr im dreizehnten
Jahrhundert, doch früher die friesischen scelande darunter ver-
standen hat. auch der Grcena oder Grwrnnga sund (cap. 20),
da Vade in die Wesergegend will, könnte eben so gut an
der mündung der Huuse in der nähe des friesischen Groe-
ningen gesucht werden, als, wie der nordische bericht will,
zwischen Seeland Möen und Falster.
Ein noch älteres angelsächsisches zeugnis über den bei-
den bietet das Wanderlied. \ ada herschte über die Heisinge,
Vitta über die Svajfen, v. 43. beide Völker können nach
der Ordnung des liedes nur an der Ostsee gesucht werden,
die Heisinge wahrscheinlich auf beiden seilen des Sundes
(nordalb. stud. 1, 151); beide beiden müfsen nach der angel-
sächsischen sage mit einander in Verbindung gestanden haben,
ihre namen, so scheint es, kennt merkwürdiger weise noch
eine nordschleswigische volkssage, überträgt sie aber auf ein
paar zwerge (s. meine Sammlung nr. 400, vorr. xlviii). doch
wohl zufällig stehen in niedersächsischer gegend ein PFaden-
berg und ein ort Wittinghc neben einander, Falke Irad.
Corb. s. 770 v. j. 1203.
Die zeit der alten friesischen und sächsischen seezüge,
auf der unsere seeheldeusage beruht, muste doch bald den
Deutschen selbst einigermafsen fremd erscheinen jemehr sie
selber sich der see entfremdeten, es folgten in kurzem die
Nordmannenzüge und ein ihrem eigenen früheren ähnliches
leben trat ihnen nur allzu sehr vor äugen; Dänen safsen
64 WADO.
mehrere Jahrzehnte des neunten Jahrhunderts hindurch an den
Rheinmiindungcn und in Friesland, es ist begreiflich dafs
nachmals, ich denke seit dem zehnten Jahrhundert, die sage
rheinische und friesische gegenden mit nordischen zusammen-
wirrte, dafs in der Kudrun es ein rheinisches Teneland giebt
und deutsche helden zu Dänen geworden sind, auf diese
weise mufs auch Wade in den Norden gelangt sein; sein
Charakter mag ohnehin einer jüngeren zeit fremdartig vorge-
kommen sein, sein vater wird Vilkinus genannt : man hat
dabei an den lateinischen Vulcanus erinnert (myth. 349);
falsche gelehrsamkeit und entstellung trafen den namen jedes
falls. Mone (heldens. s. 95) findet den in den niederdeut-
schen Urkunden des 13n 14n jh. nicht seltenen namen Wil-
likinus JVilkinus, das noch heute als vorname und zuname
gebräuchliche ffllken, darin wieder, allein dies deminuti-
vum wäre für den ahn eines grofsen heldengeschlechtcs und
herrn eines mächtigen reiches sonderbar, ja sinnlos, weil
einmal für das land der Wilzen VUkinnland steht (Wh.
Grimm heldens. 187), wird man eine entstellung des einen
in das andere nicht annehmen können. Vilkinaland, ein im
Norden ganz unbekannter name, umfafst ganz Schweden
Dänemark und Wendenland (cap. 45) ; Wilkinus thut kriegs-
züge nach Polen und Rufsland: deutlich ist in letzterem die
beziehung auf die waldemarische zeit, wenn auch eine frü-
here schon ähnliches bietet. des Wilkinus thaten werden
aber in so allgemeinen umrifsen erzählt dafs offenbar keine
echte sage zu gründe liegt, das wichtigste ist dafs er dem
ganzen scandinavischen Norden, nach norddeutscher Vorstel-
lung des dreizehnten Jahrhunderts, den namen gegeben haben
soll ; oder vielmehr, es wird hier das umgekehrte stattfinden,
aus dem gesamtnamen des landes ist der könig erst entstan-
den, nun liegt keine erklärung für den namen Vilkinaland
näher als ihn aus einem altern altsächsischen Wikingoland
entstellt zu denken, die quelle aus der die capitel 45 ff. der
saga geschöpft sind war augenscheinlich ein gedieht das wie
der Ruther der roheren spielraannspoesie angehörte; daher
auch die namen Melias Ilias Juliane Osantrix u.s.w. hiefs nun
Wade des Vilkinus söhn, so raufs man ihn einmal wie einen
Wiking: an den küsten der Nordsee hausend vorgestellt haben.
WADO. 65
Auch die locale denen Wade angehören soll beweisen
dafs man ihn in steter Verbindung mit der see fafste; und
nicht ohne bedacht, sondern mit deutlicher beziehung auf sei-
nen Charakter wurden sie gewählt, die nameu der mark ze
Stürmen und Sela/it bedürfen keiner erklärung; die angel-
sächsischen Helsingas, altn. Helsiugjar, können nur nach
hals (coUum) benannt sein, was aber auch prora und den
räum des schiffes bedeutet wo die rudernden beiden sitzen,
eine ähnliche beziehung enthalten folgende ortsnamcn. in
Northumberland liiefs eine Öffnung oder kluft im Römerwall
'in old time' IVades gap, Ritson melr. rom. 3, 266. mylh.
350. am Niederrhein kommt ein jradelache, im Avelgaii
ein IVatanhrunno, noch höher hinauf im Saargau ein IVa-
dengoza oder gozinga vor, Lacomblet nr 229 v. j. 1080,
nr 103 V. j. 948; Brouwer ann. Trevir. 9, 443 urk. v. 902.
andere, wie IVadenheim Lacomblet nr 153 v. j. 1019, Wa-
denstide, Wadenhüson Falcke trad. Corb. s. 766 v. j. 1147.
s. 407, mögen hier erwähnt werden weil der name des bei-
den keineswegs zu den häufigen gehört, Schannat trad. Fuld.
nr 380 v. j. 825, nr 572 v. j. 940, Meichelbeck nr 1345
V. j. 1170.
Wie wir sahen war er in drei verschiedene sagen ver-
flochten; über die angelsächsische gebrechen alle weiteren
nachrichten. allein ältere relationen beweisen dafs weder
dem ersten theil der Kudrunsage noch der von Wieland und
Eigel er ursprünglich angehörte, hinzu treten noch verschie-
dene äufsere Zeugnisse und innere kennzeichen nach welchen
er selbst aus der zweiten hälfte der Kudrun wird weichen
müfsen ; nur als möi^der der Gerlint scheint er darin eine
feste stelle zu haben : allein die sage hatte vor ihrer Ver-
knüpfung mit dem ersten theile, wie leicht nachzuweisen
wäre, eine ganz andere gestalt, bei der Wate als ganz über-
flüfsig erscheinen mufs. der norddeutsche Wado mufs einst
ein durchaus mythisches wesen, das seinen eigenen besondern
mythus und eine ganz eigenthümliche bedeutung halte, gewe-
sen sein, stellen wir die züge zusammen welche näheren
aufschlufs über ihn gewähren.
Wado war der söhn einer meerminne, wahrscheinlich
der Wakhilt (wogenfrau) der Rabenschlacht (heldens. 209);
Z. F. D. A. VF. 5
66 WADO.
unbedenklich setzen wir die altdeutsche meergöttin an ihre
stelle, wie sie auch geheifseu haben mag. Wado ward als
ein aller grauer gewaltiger mann mit ellenbreitem harte oder
richtiger als riese vorgestellt; er haust überall an den mee-
reskiislen : er war also ein meerriese, wild und jähzornig
(vergl. heldens. 55), bösartig, sagt die Vilkinasaga, in der
raserei seines zornes nach der Kudrun unbändig und unwi-
derstehlich, die treffliche Schilderung (Kudr. 1494. 1496.
1497. 1504. 1510. 1522) beruht doch auf altem gefiihl. er
führt ein heerhorn (Kudr. 898. 1392 — 1394), bei dessen
schall das land erbebt und das meer aufbraust und mauern
umzusinken drohen, ein solches hat ebenfalls Roland (10. SIT.)
und es kommt in märchen verschiedentlich vor. bekannt ist
in der nordischen mylhologie das gellende hörn, (Jiallarhorn.
das alle weiten durclilönt : es gehört eigentlich dem Odinn
(Scem. 90''), Heinnlallr ist aber hüler desselben, da nun in
den märchen das hörn regelmäfsig mit dem wünschelmantel
und hut zusammen genannt wird, auch der wilde Jäger (zur
zeit der zwölften, s. meine samml. nr 493 vergl. 486. 487.
599) hornblasend einherzieht, so möchte ich vermuten dafs
dies allribut in der deutschen mylhologie einst dem Wodan
selbst zukam, für den mythischen Wado aber ist es ohne
bedeulung. man fühlte das dämonische in ihm noch im drei-
zehnlen jahrluindert sehr bestimmt, so dafs sogar ein sehr
schlechter interpolator ihm eine zauberische heilkunst zu-
schrieb, die er von einem wilden waldweibe soll gelernt ha-
ben, s. meine abhandlung s. 80. daher, wenn man ihm frü-
her das hörn nicht allein weil er der heermeister der Hege-
linge war beigelegt halte, kann man nur folgern dafs man
dem mythischen Wado eine lautbrüllende erschütternde stimme
zugeschrieben, von seinem tode erzählt allein die Vilkina-
saga : er habe sich schlafen gelegt, als ein unwetter mit
wolkenbruch und erdbeben losgebi'ochen, ein berg gestürzt
und er darunter begraben worden sei. ein blofser zufall kann
es nicht, wie erzählt wird, gewesen sein, sondern wenn,
wie es doch scheint, eine echte alle Vorstellung zu gründe liegt,
waren erdfall und unwetter vielmehr Wades eigne Wirkung.
Nun wüste man in England früher vielerlei von Wade
und seinem boot und den wunderbaren fahrten die er darin
WADO. 67
gemacht zu bcriclilen*; dagegen legi die norddeutsche sage
seinem angeblichen söhn Wieland ein boot bei, das aber so
beschaffen ist dal's man mit unrecht an eine Übertragung ge-
dacht hat. schon in der angelsächsischen sage, wenn es heilst
'Vada waltete der Heisinge', muls er für einen meisterlichen
Seemann gegolten haben; dieses ruhmes mufs er früh auch
in Deutschland genofsen haben, denn nur dadurch wird er
zum anführer und hauptheldeu der Hegelinge in der Kudrun
geworden und überhaupt^ in diese sage gekommen sein, er
befiehlt Kudr. 255
ir helde, heizet gähen : decken man uns sol
unser schif mit dillcn : jd muoz ez unden vot
wescn guotev recken, die uns helfen striten,
ob uns der wilde Hagene mit gemache niht welle lazen
riten,
vergl. 1141, und der vogel meldet der Kudrun 1193
dir kumet in ditze lant
JVate von den Stürmen: der hat an siner haut
ein starkes stiurruoder in einem kiel bi Fruoten.
Wenn nun in dem andern cyclus offenbar absichtlich
zusammengestellt wurden VVieland der beste Waffenschmied,
Witege der beste kämpfe und reiter (dem selbst Dieterich
von Bern an geschicklichkeit in der waftenführung nicht über-
legen ist), Eigel der beste bogenschütze (Orendel der beste
Schwimmer und Wades wahrscheinlicher bruder Nordian der
* myth. 350. Ililsoa melr. roiii. 3, 265 anm. 'Cliaucer, in liis
Merchaunts täte, has this couplet (v. 9397)
and eke thtse olde widewes {got it wote)
theij connen so moch craft in tf^ades böte.
upon this Speght remariis as foliows : '^oncerning Wade aud his bolc
called Guingeiot, as also his straunge exploils ia the sanie, because
the matter is long and fabulous, I passe it over." noch einmal er-
wähnt Chaucer Wades, Troilus 3, 61, he songe, she plaijde, he tolde
a tale of //'ade. dafs es der den Nordseesagen angehörende ^^'ade ist
und kein anderer geht hervor aus ein^m andern von Ritson aus einer
bodlejanischen handschrift beigebrachten zeugnis,
ma7iy speken of men, that romaunces rede,
of Keveloke, /lorne and of //ade,
in romances that of theni be made.
so gewiss Keveloke {Have/ok) und /lorne einst schon der angelsächsi-
schen Nordseeheldensage angehörten, so gewiss auch Wade.
5*
68 WADO,
beste Jäger), so mufs man den Wado einmal für den besten
Schiffer und fernen angesehen haben, vergl. Nib. 368. 1510.
Roseng. 818. heldens. 252. aber ich glaube nicht dafs auch
die deutsche sage, wie die englische, ihm darum je ein eigen-
ihiimliches boot zugeschrieben hat, vielmehr war die fergen-
kunsl Wades ursprünglichste mythische eigenschatt.
Sein name bedeutet einen der waten kann oder watet
(myth. 5.30). nun erzählt die Yilkinasaga dafs er, als er
seinen söhn Wieland nach Deutschland in die lehre bringen
wollte, an einen neun eilen tiefen sund gekommen und, da
er kein schiff gefunden, hindurch gewatet sei und den söhn'
hinüber getragen habe. \\ ade macht dieselbe reise mehrere
male, aber nur einmal wird sein hindurchwaten berichtet, und
doch war er sicherlich ein heidnischer Christophorus. die
abgerifsene nachricht enthält den echtesten wesentlichsten zug
für seinen mythischen charakler. war Wado ein meerriese,
so niüfsen die allen Sachsen Friesen und Franken von ihm
geglaubt haben dafs er regelmäfsig im meere hin und her
wate, so erzählt nun unsere volkssage, in meiner Sammlung
nr 353. da wo die Elbe mündet wohnt der teufel (d. h. ein
alter riese) im wafser. der mufs. besonders bei stürmischem
wetter, wenn leute von einem ufer zum andern wollen und
sonst niemand sie übersetzen will, auf iliren ruf herbeikom-
men und sie über den meilenbreilen ström tragen, er nimmt
kein fährgeld, hat aber viel zu thun und immer hin und her
zu wandern, nicht selten sind in localsagen, wie sich an
mehreren beispielen darlhun liefse, die ursprünglichen mythi-
schen anschauungen deutlich erhalten ; so auch hier, wenig-
stens wird der Elbteufel den alten Wade erklären können :
was anders kann man unter ihm vorgestellt haben als den
regelmäfsigen Wechsel von ebbe und flut? das sinken und
anschwellen des meeres sah man einst an unsern Xordsee-
küsten ohne zweifei für die Wirkung des regelmäfsigen hin
und her wanderns eines alten meerriesen, des Wade, an.
nun ist es bogreidich warum er für den besten fährmann und
Schiffer galt ; weil eben auf seinen rücken oder seine kunst
jeder der übers wafser will sich verlafsen mufs: aber auch
A> arum er ein furchtbares wildes wesen von unwiderstehlicher
irewalt in seinem zorne ist ; wenn Wade rast, erbebt das
NEIDHARTS DORFPOESIE. 69
land vor seiner donnernden stimme, das meer braust, die
wälle, die bisher die wolinungen und Felder der menschen
schirmten, stürzen ein, und unaufhaltsam, alles vernichtend
was sich ihm in den weg stellt, stürmt der alte riese einher.
Kiel. KARL MÜLLENHOFF.
ÜBER NEIDHARTS HOFISCHE DORF-
POESIE. VON R. VON LILIENCRON.
EINLEITUNG.
Die nachfolgenden benierkungon über die unter Neidharls
namen überlieferten dichtungen haben nicht den zweck die
momente erschöpfend darzustellen auf welche die kritik die-
ser lieder zu fufsen hat, um echtes vom unechten, ursprüng-
liche gestalt von späterer Überarbeitung zu scheiden, sondern
es ist vielmehr ihr zweck das als echt erkannte seinem we-
sen nach zu schildern und zu charakterisieren. natürlich
werden sich eben dabei auch für die kritik sehr wesentliche
bestimmungen ergeben. kaum trägt den namen irgend
eines der sänger jener glänzendsten periode der deut-
schen Vorzeit eine solche anzahl von gedichten wie den des
Neidhart ; aber schwerlich hat man auch bei einem der an-
dern die reihe so unbarmherzig zu lichten wie eben bei ihm.
der grund hiervon liegt theils in der grofsen beliebtheit sei-
ner lieder im allgemeinen, die zu fälschungen und nachbil-
dungen reizte, theils in der Innern geschichte — leider einer
allmählichen Verderbnis — der diese ganze gattung von dich-
tungen im laufe mehrerer Jahrhunderte unterworfen war.
wird es nun gleich mitunter schwer, so viel und theilweise
an sich nicht schlechtes nach dem einmal als richtig erkann-
ten mafsstabe verwerfen zu müfsen, so wird man doch am
ende reichlich belohnt durch das unter dem abgewischten staub
und den später aufgetragenen färben hervortretende bild, wel-
ches in seiner tiefpoetischen laune ungleich anziehender ist
als die zum theil widerlich verzerrten züge die dem ober-
flächlichen blick aus der ungesonderten masse der lieder ent-
gegentreten.
70 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Keine bezeichnung der anmutigen liebespoesie des drei-
zehnten Jahrhunderts ist treffender als die bekannte des Gott-
fried von Strafsburg: so wiederholen sich hier in tausend-
fachen Wendungen dieselben gefühle, liebeslust und leid, blühen
und dahinwelken, wie im schwellenden frühling der chor der
vögel in gleichmäfsig verschiedenen weisen das eine geheim-
nis der keimenden natur verkündet. — aber aus der inner-
lich mannigfaltigen einförmigkeit des minnesangs treten dann
einzelne sanger durch persönliche eigenthümlichkeit und gröfse
hervor, deren glänzende erscheinung und scharfgezeichneter
umrifs um so wohlthuender von den sanften färben und for-
men des hintergrundes absticht, so VValther, dem schon Gott-
fried das panier der singenden schar zuweist, so Wolfram io
seinen wenigen tiefsinnig ringenden liedern, so Neidhart, der
mit graziöser derbheit keck und lustig in den sehnsüchtig
klagenden chor hineintönl, im innersten herzen aber bezau-
bert von demselben wunder der liebe wie sie alle.
Während nun aber anmut der darstellung, feinheit des
Scherzes und ähnliche eigenschallen ausschliclslich auf die
rechnung der dichterischen persönlichkeit des verfafsers zu
setzen sind, bieten uns die neidhartschen poesien noch andre
beziehungeil dar, die ihre betrachtung besonders interessant
machen, dadurch nämlich dafs wii- in ilinen nicht die erün-
dung eines einzelnen geistes, sondern offenbar eine auf tra-
dition beruhende galtung der poesie erkennen, einerseits wird
dies für Neidhiut wiclitig, indem sich dadurch innerhalb des
buntscheckigen kreises der Überlieferung das wesen des ech-
ten sicherer erkennen, schärfer charakterisieren läfst ; andrer-
seits giebt es aufschlüfse für die deutsche lyrik über die gren-
zen des uns erhaltenen minnegesangs hinaus, und indem man
von hier aus, wie ich zu zeigen hofle, in die dem minnesaiig
voraufgehende lyrik in umfangreicherem mafse als bisher an-
genommen wurde, einen blick werfen kann, legt sich zugleich
eine der mannigfachen wurzeln des minnesangs selbst blofs :
denn dessen plötzliches glänzendes erscheinen ganz allgemein
und aus einer dichterisch günstigen disposition des Zeitalters
erklären zu wollen scheint eben so unhistorisch als seinen
breiten ström auf eine einzige quelle zurückzuführen.
Einer solchen betrachtunsi scheiut nun freilich eine vor-
NEIDHARTS DOKFPOESIE. 71
lautige ausscheidung der echten lieder vorausgelien zu niiilsen,
da sie nur für diese volle Wahrheit haben kann, aber wenn
es auch verslatlet sein niufs das resullat anderweitiger kritik
von vorne herein vorauszusetzen, so bezieht sich dies doch
hauptsächlich nur auf eine reihe von liedern deren unecht-
heit schon durch sprachliche und metrische gründe so hand-
greillich bewiesen wird dafs sie keiner Aveiteren bestätigung
bedürfte, die man eben deswegen ohne weitere nachweisung
gleicli hier als unechte bezeichnen darf, es sind nämlich dies
jene lieder in denen Neidhart den bauern gegenüber als pos-
seureifser, meistens als wohlbestallter hofnarr, auftritt, der
sie durch allerlei vorbereitete streiche neckt und quält, oder
wie in der übelberüchtigten veilchengeschichte selbst der be-
trogene ist. dahin geboren Hg 1. 12. 13. 16. 43. 76 131
(auch 78 kann man dazu halten). die älteren handschriflen
dagegen enthalten nichts der art ; nur 69 — 77 B :=. nr 1 1
Hg enthält in Neidharts sitzen im fafs die andeutung eines
ähnlichen aber noch nicht durchgebildeten Verhältnisses; die
unechtheit auch dieser Strophen wird sich weiter zeigen. —
diese lieder, wie gesagt, sind von vorne herein aus der zahl
der echten zu streichen; was sonst für unsere betrachtung
auszusondern, wird sich im einzelnen leicht anführen und
rechtfertigen lafsen. es kann dabei jedoch hauptsächlich nur
auf die älteren handschriflen rücksicht genommen werden, da
alles was Hg allein überliefert so unzuverläfsig ist dafs nur
sehr weniges davon und mit grofser vorsieht als wirklich
neidhartisch anzuerkennen ist. in mancher andern beziehung
liefert aber auch diese handschrifl einen wichtigen beitrag
zum richtigen Verständnis des ganzen, unter den altern liand-
schriften ist bei weitem das meiste aus den 58 (oder eigent-
lich 56) liedern der vortrefflichen Riedegger zu lernen. A
hat nur bruchstücke, aber echte; während B und C schon
durch Zusätze und fälschungen entstellt sind.*
'■-' zum Verständnis der citate.
A, Heidelberger liederhs. 357, herausg. von Franz Pfeiffer.
B, Weingartner liederhs., herausg. von demselben.
C, Pariser liederhs., üAch den minnesingern des hrn von der Hagen,
die hinter dem namen des dichters stehende zahl bedeutet die nummer
der Strophe in A oder B oder C : wo kein uauie genannt ist, ist über-
all Neidhart zu verstehen.
72 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Frühling und herbst, als die Wendepunkte aller Interes-
sen die das jähr dem einfachen naturmenschen bietet, sind
die festen pnnkte um die sich zuerst am lebhaftesten die re-
ligiösen empfindungen der menschen sammeln, wieder und
wieder finden wir die Segnungen des einen, die trauer des
andern in götter- und heroenmythen ausgesprochen, bald
leuchtet Freyjas halsband über die erde, Siegfried sprengt
durch die waberlohe und weckt die jungfräuliche Brunhilde
aus ihrem schlaf; oder Gerdr, deren leuchtende arme über
die ganze weit hinglänzten, verschwindet, und sehnsüchtig
trauernd sitzt nun Freyr in seinem hain ; Siegfried der held
unterliegt dem hafse der finsteren macht die unentfliehbar
sein geschick beherscht. — und innerlichst verschmolzen
mit der religion entfaltet zugleich die poesie an diesen punkten
ihre ersten bluten, hier wurzelt die erste lyrik, die in hei-
ligen gesängen den nahenden oder scheidenden gott feiert,
von hieraus, demselben keime entsprofsen, verbreitet das epos
seine breiteren zweige, zwar ist nun in unserem voLke das
nächste weitere Schicksal beider zu Ungunsten der lyrik sehr
verschieden ausgefallen, aber in gewissen punkten dürfen wir
dennoch wohl ein analoges fortschreiten beider dichtungsar-
len annehmen.
Nur der höchste norden der germanischen stamme in
seiner längeren unzugängliclikeit und abgcschlorsenlieit hat uns
die älteren theile des epos auf einer stufe bewalirt die uns
einen blick in das alte mythische dunkel seiner früheren ge-
stalt thun läfst. dagegen zeigen uns schon die frühsten spu-
ren aus dem beweglicheren süden den stoff auf einer neuen
entwicklungsstufe, die in den grofsen gestaltungen des drei-
zehnten Jahrhunderts ihren höhepunkt erreichte, die wesent-
lichsten nierkmale dieser erseheinung sind folgende, die heroen
MSII, die minuesinger des hrii v. d. Hagen, ciliert nach den Sei-
tenzahlen oder naih der hagenscheu zahl der lieder und
Strophen.
R, Riedegger hs. in Beneckes heiträgen.
Ilg, V. d. Hagens Ncidharlhandschrift.
a. dr., alter druck neidharlischer lieder. R, Hg, a. dr. citiert
nach den zahlen der lieder und Strophen.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 73
treten aus ihrem göttlichen halblicht in die klarheit irdischer
helden herab, ihre mythische bedeulung weicht einer persön-
lich charakteristischen ; die raotive ihrer handlungen werden
mehr und mehr ethischer natur. Siegfried wird zum minne
und rühm suchenden köuigssohn, Hagen zum neidischen von
fremder gröfse gekränkten mörder, wenn auch immer noch
das gewaltsam grofsartige seiner erscheinung an den alten
Vertreter der finsteren wintermUchte mahnt, wie denn über-
haupt die Umwandlung des Stoffes am schlufse der äufseren
entwickelung des epos noch nicht vollständig vollzogen ist;
ihre Vollendung hätte einem drama zufallen miifsen, für des-
sen erschaffuug aber leider das Zeitalter noch nicht reif war.
Hans Sachsens etwas spätere dramatisierung ist ein höchst
mislungener versuch, der nicht einmal manchen andern seiner
tragödien gleichkommt. — was sich nun von einer analogie
hierzu in der geschiclite jener ältesten lyrik sagen läfst, be-
ruht freilich mehr auf Vermutungen als auf sichtbaren Zeug-
nissen. * den wesentlich dem heidnischen cultus gewidmeten
gesängen trat natürlich das christenlhum sogleich feindlich
entgegen ; indessen die feier der alten heiligen zeiten war zu
eng mit dem natürlichen gange des täglichen lebens verwebt
um ganz zu verschwinden, nur dafs allgemeinere bezeichnun-
gen an die stelle der alten götter traten, aber der Sinnlich-
keit einfacher naturbetrachtung gemäfs kaum weniger persön-
lich gedacht als sie. sommer und winter (oder tod) sind es
die wir in den allgemein verbreiteten frühlingsfeiern auftre-
ten sehen, wo sie wie zwei könige mit ihrem gefolge ein-
herziehend den uralten kämpf ritterlich mit einander ausfech-
ten, aber auch hier wie im epos schwindet das alte mysti-
sche dunkel, nicht mehr in unsichtbar geahnter gegenwart,
sondern leibhaftig mehr oder minder dramatisch dargestellt,
treten die kämpfenden auf. natürlich erhielt sich für solche
feste von geschlecht zu geschlecht eine herkömmliche art von
* in gewissem sinne kann hier wohlzumerken von einer eigenen
iyriii dem epos gegenüber noch nicht die rede sein, beide liegen of-
fenbar in jenen ältesten festgesängen adiakritisch zusammen, um die
eigentliche lyrik zu schaffen muste nothwendig ein neues dement hin-
zalreten ; zu zeigen aber, wie dies sich an das vorhandene anfügen
mochte, ist eben die bestimmung der folgenden bemerkungen.
74 NEIDHARTS DORFPOESIE.
poesie, wenn auch ihr Inhalt sich, wie das bei allen eischei-
nungen der art naturgemäfs ist, allmählich abstumpfte und ab-
schwächte, ihre form sich zu reimereien verschlechterte, wie
wir sie etwa heute bei dergleichen gelegenheilen hören, es
ist jedoch nicht gewagt, wenn man, zurückgehend, für eine
zeit wo ein kräftiger poetischer sinn das ganze volk durch-
dringt, etwas in beider beziehung befseres voraussetzt, mit
der Umwandlung der alten feier niuste sich aber not h wendig
auch der charakter der begleitenden gesänge ändern; schon
dadurch dafs von jener allein die tellurische seile nachblieb,
trat leicht ein mehr fröhlicher ton ein, um so mehr, da solche
feste jetzt ihren hauplsitz unter dem derb lustigen landvolk
aufschlugen, für das sie am meisten bedeutung haben musten.
wie nun aber ferner im epos das ethische eleracnt allmählich
fufs fafste, so muste sich ähnlich zu dieser heitern lyrik leicht
eine neue geistige beziehung fügen, die die alte religiöse ge-
wissermafsen ersetzen konnte, frühling und herbst, so zu
sagen die urmelapliern für alle endlichen gefühle des men-
schen, sind es ganz besonders für das geistig-sinnlichste der-
selben, für die liebe, in dem drängen der keimenden natur
sieht der mensch das drängen und die wonne der eigenen
brüst, mit den welkenden blättern senkt sein unerhörtes seh-
nen das liaupl, oder erhört fühlt es sich in dem beharrenden
glück seiner empfindung froh erhaben über die dem Wechsel
unterworfene natur. — eingeführt aber in den kreis fröhli-
cher volkspoesie, von der hier die rede ist, stellt sich natür-
lich auch dies seinem wesen nach ernstere dement in einer
heiteren weise dar, wie es mehr sinnlich und weniger sen-
limental empfunden wird, nicht glut der Icidcnschaft, nicht
tiefe der empfindung kann hier seinen charakter bilden, son-
dern natürliches hingeben an das natürliche gefühl, naive
freude über das halb verschleierte glück und 'ungevüege' ei-
fersucht gegen den gefährlichen mitbewerber. — freilich, wie
ich wiederhole, diese skizze mag sich mehr errathen als be-
weisen lafsen ; aber für die richtigkeit der an sich wahr-
scheinlichen annähme wird es zeugen, wenn wir sogleich von
einer andern seite her auf denselben punkt zurückgeführt
werden.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 75
2.
Die mythologie macht auf den Zusammenhang aufmerk-
sam der die so häufig bei den minnesängern vorkommenden
anftuigsstrophen, auf das kommen des frühlings oder herbstes
bezüglich, mit jener uralten frühlings- und herbstfeier ver-
bindet, noch fühlt man in vielen dieser Strophen deutlich die
persönliche auffafsung von sommer und winter, von bluten
und vögeln, reif und schnee als ihrem gefolge, durch, der som-
mer hat den winter besiegt, oder er unterlag dem streite mit
ihm; von diesem streif, mit dem winter den lieblichen som-
mer bedroht, sprechen auch stellen wie
der atiger lit an allen strtt Ulr. v. Wintersteten 4, 2
MSH.
küene g-räene lit der anger wlderstrit Winli 9 C.
die vogel singent ividerstrit Ulr. v. Lichtenstein 33 C.
und ähnliche in menge. Neidharts worte 5, 2 R
sumer iinde winder
sint mir doch geliche lanc,
swie st under scheiden sin ;
dise rede Idt ir iu zeloese?i dne strit,
obgleich man dne strit allgemeiner fafsen könnte, sind viel-
leicht bedeutungsvoller in derselben weise zu verstehn : hier
sei einmal nicht wie sonst von dem streit des sommers und
winters die rede, denn dem liebenden steht ja der eine nicht
höher als der andere. — damit ist nun dem inhalte dieser
Wendung ein hohes alter zugesprochen ; aber man mufs offen-
bar einen schritt weiter thun, und in ähnlicher weise auch
für die form derselben, nämlich für ihre bestimmung den ein-
gang von liedern zu bilden, einen früheren anknüpfungspunkt
suchen, das heifst, die ältere ländliche poesie, aus der jene
ganze anschauungsweise der streitenden Jahreszeiten geschöpft
wurde, wird ohne zweifei in ähnlicher weise ihre gesänge
mit einer solchen bezugnahme auf die wechselnden Jahres-
zeiten begonnen haben, in diesem Wechsel fufste sie: was
ist also natürlicher als dafs sie mit tiner kurzen ausmalung
des punktes anhebt von dem aus das lyrisch dargestellte ge-
fühl sich jedesmal verbreitete, diese folgeriuig, an sich zu
wahrscheinlich um bedenken zu erregen, wird unzweifelhaft
76 NEIDHARTS DOUKPOESIE.
durch den häufig vorkommenden ausdruck ' den sommer em-
pfangen', der sich offenbar auf festlichen auszug und begrü-
fsung bezieht, also eben auf die sitte der alten maifeier. *
so heifst es 8, 6 R.
du si den vil liehen tröst vernämen,
dö brähten si ir geleite, do si vf den anger quämen,
do wart der meie enpfangen reol.
dafs in den bezeichneten anfangswendungen etwas stereotypes
liegt, fühlt man auch ohne weitere Untersuchung; diese aber
ergiebt dafs dem neidhartischen Hede das anheben von der
Jahreszeit ein durchaus wesentlicher theil ist. aus R ergiebt
sich das mit beslimmtheit : unter ihren liedern entbehrt allein
33 eines solchen einganges**, denn 5 deutet durch die schon
angeführten worte
sumer wide winder
sint mir doch geliche lanc
selbst an dafs es absichtlich von der regel abweicht, und 55,
welches die betreffenden Strophen in der mitte hat (ganz rich-
* merkwürdig ist in dieser beziehuog 124, 6 Hg: zu einem herbst-
lichen tanz, einer ernteleier kommen die Tulner gezogen:
— — — die v'üerent einen Spiegel,
ein göfin
darunder get, daz ist min vroii l'rideriin.
auch die aus dem ^'orste kommen, und
ir götin bringents nnde mangen wallbariui.
unter der götin scheint hier eine Jungfrau gemeint, die etwa den som-
mer darstellte.
** und bei dieser einzigen ausnähme möchte man den grund erra-
theu ; das lied langt nämlich sehr abgerifsen so an
Sing ein guldln hiion ! ich gibe dir weize.
schiere do
wart ich vro,
nach ir hui den ich vil gerne singe.
Also vreuf den ttimben guot geheize
durch daz j'är.
es wurde also in einem speciellen falle gedichtet, veranlafst durch
irgend eine holTnung die ihm die geliebte gemacht hatte, um andeu-
ten zu können dafs sein gesang der dank dafür, geht der dichter von
der sonstigen regel ab, indem er der ersten strophe diese ihm im au-
genblick wichtigere bestimmung giebt. übrigens ist das lied ein win-
terlied : wir werden sehen dafs der besprochene eingang für diese eine
weniger wesentliche bedeulung hat.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 77
95 C nur eine Versetzung
der Strophen ist), spricht vielmehr für die regel ; die ersten
Strophen sagen nämlich, der sänger habe seinen früheren ent-
schkifs nicht mehr zu singen wieder aufgegeben; dann folgen
eben nur drei solcher ft^ühlingsstrophen und str. 6 die erkiä-
rung, hiemit (er muste es also als den wesentlichsten theil
seiner lieder betrachten) sei nun den freudegehrenden genügt,
was nun die übrigen handschriften betrifft, so können hierbei
natürlich die bruchstücke in A nicht in betracht kommen.
B entspricht vollständig der regel. C verletzt sie nur in 6
unsichern von ihr allein überlieferten liedern, 20 — 22,
195 — 212.* ferner in 189 — 190 (unechte Strophen, die
noch dazu, denn so allein sind sie unvollständig, leicht einen
andern eingang haben mochten, als den 16, 1 MSH aus Hg
eingeschobenen) und 192 — 194, einem liede von abweichen-
dem mehr politischem charakter. das lied 23 — 25 wird durch
Hg ergänzt, wie sehr man diese anfangsstrophen als gesetz
wenigstens in dem speciell neidhartischen zweige der lyrik
anerkannte, wird dadurch bewiesen dafs fast sämtliche spä-
tere lieder und Umarbeitungen in Hg und den alten drucken
sich demselben anschliefsen. sonach scheint es denn keinem
bedenken unterworfen in diesem in der neidhartischen poesie
consequent durchgeführten zuge den bewusten anschlufs an
die vorhin besprochene volkslyrik anzuerkennen.
Dies wird durch einen blick auf die übrigen minnesän-
ger bestätigt, das häufige vorkommen solcher eingangsstro-
phen auch bei den vorneidhartischen sängern bewährt dafs
Neidhart darin nur etwas hergebrachtes weiter fortführte, in-
dem er aber zugleich den formalen Zusammenhang auch der
übrigen minnesänger in dem besprochenen punkte mit der
volkspoesie beweist, wenn wir diese richtig als Neidharts
* 20 — 22, 193 — 205 werden sich weiterhin als sicher UDneid-
hartiscb erg^ebeti. von 206 — 212, 2 liedern, die übrigens durch den
in sicheren liedern auffallend genug- nirgends vorkommenden kehrreim
bedenken erregen, könnten die betreifenden Strophen in C so gut ver-
gefsen sein, wie von 23 — 25 C. es ist überhaupt allgemeiner in an-
schlag zu bringen dafs sich gerade diese wiederkehrenden Strophen in
der Überlieferung am leichtesten verlieren mochten.
78 NEIDHARTS DORFPOESIE,
quelle erwiesen. — mau entdeckt in der Sammlung der miu-
nesängcr gewissermafsen eine geschichte dieses in der weise
einer epischen formel fortgepflanzten zuges. unter den Sän-
gern bis um 1220, dem punkte wo die erste und zweite pe-
riode der dichtkunst des dreizehnten Jahrhunderts in einan-
der greifen, tritt er, unsere Vermutung begünstigend, grade
bei einigen der ältesten sänger am häufigsten hervor, so bei
Dietmar von Aist, Veldek, Gresten; dann macht ihn der ei-
genthiimlich minnesängerische Charakter des gesangs eine weile
vergefsen, Friedrich von Hausen, Heinrich von Rugge, Blig-
ger von Steinach, Otto von Botenlauben haben nichts der
art, Milo von Sevelingen, der markgraf von Hohenburg,
3Iorungen, Reimar d. ä., der von Johansdorf, Hartmann,
Gottfried, Ulrich von Lichtenstein und selbst verhältnismäfsig
Walt her nur weniges, am schlufs dieser periode wendet sich
dann Neidharl, indem er noch einmal wieder selbst aus der
allen quelle schöpft, der alten regel mit bewustsein zu, und
die bedeutendsten sänger der zweiten periode des dreizehn-
ten Jahrhunderts folgen ihm. unter Neifens liedern versto-
fsen dagegen nur die reimspielerei 113 — 116 C und IGO —
162 C. in 92 — 95, 117—119 C sind die Strophen nur ver-
setzt, die beiden Volkslieder 153— 159 C kommen natürlich
nicht in betracht. ebenso haben sämtliche lieder Konrads
von Würzburg, einige ersichtlich verstümmelte abgerechnet,
diese eingänge; die Ulrichs vonWinlersteten in überwiegen-
der mehrzalil. — gegen das ende des Jahrhunderts, wäh-
rend überhaupt das lied dem spruch und seiner manier mehr
und mehr weicht, verwildert diese seile wie jede andere. *
■■ auch bei den altfranz. lyrikern findet sieb der friihliügs- und
herbsteingang als regel; auf die gleiche grundlage mehr wie auf ir-
gend eine zu mulinafsende entlehnung hindeutend ; man darf denn doch
auch nicht zu sehr alles über den leisten einer erklärung schlagen,
vergl. Wackernagel altfranz. lieder s. 169. wenn übrigens künig Theo-
bald dies als eine ärmlichkeit in der erfindung rügt, so beweist das
nur dals ihm der sinn der alten form nicht mehr lebendig war. auch
Wackeruagels eigenes urtheil dürfte danach etwas zu modificieren sein.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 79
SOMMERLIED. REIE.
3.
Die sämtlichen neidliarlischen lieder zerfallen in zwei
kalegorien, welche sich am einfachsten nach den so eben
besprochenen eingangsstrophen bezeichnen lafsen als sommer-
lied (mit dem friihlingseingang) und winterlied (mit den lierbst-
eingang). der unterschied zwischen beiden beschränkt sich
aber keineswegs als ein zulallig äufserlicher auf die ersten
Strophen, sondern er ist ein tiefeingreifender, wesentlicher ;
es ■ ist die nächste und wichtigste aufgäbe der weiteren be-
trachtungen die beiden klassen in ihrem unterschied und ihrer
eigenthiimlichkeit darzustellen, wir beginnen hierbei mit der
belraclitung des sommerliedes, die sich eng an das bisher be-
sprochene volksthiimliche element dieser poesie anzuschliefsen
hat, während uns weiterhin das winterlied zu Neidhart selbst
seiner persönlichkeit und geschichte zuriickleitet.
Die ausdrücke tanz tanzen, den tanz treten kommen
den bezeichnungen reie reien, den reien springen gegenüber
in zweifacher oder gar dreifacher Stellung und bedeutung bei
den mhd. dichtem vor. erstens nämlich als gegensatz, so
dafs tanz eine von dem reien verschiedene gattung des tan-
zens im weitern sinn bezeichnet.
ir heize klingent nach dem trit,
lüte bi dem reien nach dem sjyrunge 7, 2 R.
tanzen unde reien 39, 1 Hg.
der wol tanzen unde reien kan 29, 10 Hg.
tanzen reien des ist zit 39, 2 Hg.
reien und üf dem anger treten 48, 3 Hg.
tanzten und ouch sprangen 103, 1 Hg.
tanzen reien bickelspil 125, 1 Hg.
tanzen springen süln die jungen Nifen 54 C.
ivir süln — tanzen r eigen ders. 59 C u. s. w. *
zweitens aber hat das wort auch die allgemeinere bedeutung
dafs es den reien als unterart mit umfafst. der schenk von
Wintersteten sagt
'" der schenk von Landeg^ge nimmt die ausdrücke nicht genau, indem
er zweimal tanzen springen reien nebeneinander stellt, 54 C, 79 C.
80 NEIDHARTS DORFPOESIE.
nu singen,
dennoch harte ersp7'ingen
den reigen 3, 38 MSH.
dagegen heifst es in demselben leich str. 44
pin bätet
den bringet si an den tanz-,
beide stellen sprechen von einem und demselben gegenwärtigen
tanz, der also das eine mal ein i^eie, das andre mal allge-
meiner ein tanz genannt wird, in demselben Verhältnis zu
einander stehen folgende stellen
daz si lerne disen tanz Winterst. 4, 43 MSH.
springent vroelichen an den tanz das. 46.
und singent den reigen das. 49.
des reigen ist ze vil das. 50.
so singent und springent Konr. von Wiirzburg 2, 15
MSH.
und diseji tanz hat in gesungen u. s. w. das. 17.
ebenso bei Neidhart selbst
ir inegde, ir siilt reien 1,1 R.
und sich hebt ein tanz das. 2.
wnb die linden gel der tanz 11, 1 Hg.
und der uns disen reien sanc das. 7.
hii/re süle ivir reie?i 51, 5 Hg.
lind ich brech ir zeinem kränze
und trag in zuo de?n tanze, das.
bi de?n reien 77, 10 Hg.
und bi dem tanz das. 11.
swer nu klunge tenze welle schouwen 124, 4 Hg.
und die da mit dem pßuoge sollen botnven,
die wellen reien Cif des meien Ion das.
Es kann als ausgemacht vorausgesetzt werden dafs der
reihe ein sehr alter und dafs er ein volkslhümlicher tanz ist.
man vergleiche auch die beschreibung des ditmarschen sprin-
geltanzes bei Neocorus (Dahlmanns ausgäbe 1, 177)* mit der
'"' es Iieifsl unter anderm de ander lange dantz geiht fast in spran-
gen nnnd kuppende it kan averst nicht imföglich jene trijm-
meken-dantz (der gegciisatz des springeltanzes) de vordraff unnd dise
de Sprung, wo sonst in andern dentzen gebruklick, genbhmet werden,
wo se dan also och bi etlichen in gebruke gesettet werden.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 81
ganz ähnlichen des reien bei Ulr. von Winterst, lied 3, 41 fF.
MSH. beide sind offenbar derselbe tanz, wenn es nun neben
der bemerkten allgemeinen bedeutung des wortes tanz heilst
tanzen und reien, so konnte man dies an den meisten stel-
len (man vergleiche die angeführten) für synonyme ausdrücke
halten, wie dergleichen tautologien auf andern gebieten der
volksthümlicheu spräche sehr häufig sind ; ich erinnere nur
an singen und sagen und an vieles ähnliche in der recht s-
sprache. wo aber, wie au einigen jener stellen nicht zu leug-
nen, ein ganz bestimmter gegensatz der zusammengestellten
ausdrücke hervortritt, da könnte man tanz dem volksmäfsi-
gen 7'eien gegenüber als hovetanz fafsen, welcher letztere
wirklich mehrfach in diesem gegensatz genannt wird, so z. b.
si soiten hoppaldeies * pßegen. wer gap in die wir-
dikeit
daz si in der spilstuhen horctanzen künnen? 121, 9 Hg.
33, 2 R. heifst es hiute sül wir tanzes werden müeder :
und in derselben Strophe wird dann dieser tanz ein hovetanz,
genannt. — wahrscheinlicher ist es indessen da!s innerhalb
des volksthümlicheu tanzens selbst noch ein unterschied zwi-
schen tanz und reie bestand ; also die vermutete dritte be-
deutung des Wortes : 1) tanz als allgemeine bezeichnung,
2) ein volksmäfsiger tanz im gegensatz des reien, 3) ein
höfischer tanz, man vergleiche was Neocorus a. a. o. von
dem zu seiner zeit fast vergefsenen trymmekendanz sagt,
vielleicht hatte ein entsprechender tanz in Süddeutschland
schon zu Neidharts zeit das Schicksal gegen den rascheren
reien oder ausländische tanze beim volke in den hinterffrund
zu treten, so dafs uns aus den erhaltenen tanzliedern ein
weniger deutliches bild desselben entgegentritt, dem sei in-
dessen wie ihm wolle, das worauf es hier ankommt ist klar,
''■' lioppaldei, wenu auch dem nainen nach ein aus der fremde auf-
geiiommeaer tanz, ist doch eine art des volksmaTsiigen tanzes, und zwar
des reien, denn er wird gesprungen. 13, 8 Hg. (wenn es 35, 3 Hg
72, 5 Hg heifst den hoppaldei treten, so ist das kein gegenbeweis,
denn Hg sagt auch den reien treten, gehen. aber umgekehrt bleibt
springen immer die charakteristische bezeichnung.) — hopelrei, wie
C für hoppaldei hat, ist ein willkührlicher erklärungsversuch, es raüste
hopelreie und entsprechend in Hg hoppaldeie heifsen.
Z. F. D. A. VI. 6
82 NEIDHARTS DORFPOESIE.
(lal's eine art des tanzes, sei es nun ein hößscher oder ein
volksmäfsiger, im gegeusatz zum reien genannt wird.
Dazu ist nun die angeführte stelle 121, 9 Hg näher ins
äuge zu fafsen: die (die bauern) welche nur reien sollten,
Avollen jetzt verfeinert auch in der spielstube hoftanzen, d, h.
in der stube wo man sich im winter versammelt, wenn die
kalten winde, reif und schnee die freudegchrenden von der
linde and dem grünen plan verdrängten, dazu stimmt dafs
das oben bei derselben gelegenheif angeführte lied 33 R, wo
nicht vom reien, sondern von einem tanz die rede ist, ein
winterlied ist, und ebenso 35 R, welches str. 2 zum tanz
auffordert, dagegen aber sind alle lieder welche zum reien
oder tanz und reien auffordern sommerlieder ; die beispiele
aus R sind 8. 15. 19. 23. 53. ö'i. f 7. durch die aufforderung
zum reien geben sich diese lieder natürlich selbst als für den
reien bestimmte zu erkennen ; dasselbe thut eine reihe ande-
rer lieder durcli beziehung verschiedener art auf das reien
als etwas gegenwärtiges, und auch diese sind sämmllich som-
merlieder; man vergleiche aus R 12, 10. 25,2—5. 48, 4 f.
(wo der sprmic allegorisch gedeutet ist). 50, 1. 52, 5 — 8.
56, 1 — 4. 58,2. ferner in C 189. 224. 225. 258. 259.
260''. 266. die meisten dieser lieder führen in Hg geradezu
die Überschrift ein reie. — wo dagegen in einem winter-
liede von dem reien gesprochen wird, geschieht es nicht als
von etwas gegenwärtigem, sondern immer nur in einer er-
zählung aus den freuden des verflofsenen sommers : hiure,
wie es oft heifst, begab sich das erzählte, kurz, um das
ergebnis mit bestimmtem wort auszusprechen, der reie ist
der nach aller sitte der frühlingsfeier zukommende tanz. *
• bei der Hiilzlerin (abtli. '2, 57, von dem Maijenkrantz, \. 170 f.)
heilst es von einer Jungfrau, sie setzte sicli den maienkranz auf und
trug in ir hannd ain zwey,
als wolt sy springen an ain tanfz.
das maifest und der reie (springen) getiören also zusammen, ob dies
übrigens so prägnant zu fafsen ist dafs auch nach der ritterliehen sitte
— denn als tanz war der reie auch bei den höfischen berren im
sehwunge, wie aus Nifens, \\ interstelcns und anderer reien folgt, wenn
man bei denen Neidharts etwa zweifeln wollte — ob wie gesagt auch
bei ihnen die rcienform aussehliefslieh dem soninierlied zukommt, das
ist bis jetzt nicht zu bestimmen, da, wie sich zeigen wird, manche
NEIDHARTS DORFPOESIE. 83
dafs er uänilich ein in den sonimer gehöriger tanz, sahen
wir so eben, die oben besprochene nalur aber der Iriihlings-
cingänge ergiebt das weitere, aber noch entscheidender liir
die kritik wie für Neidharts Zusammenhang mit der volks-
niäfsigen weise wird der umstand dals wir den satz, der reie
sei ein friihlingstanz, für ihn auch umkehren können ; alle
seine frühlingslieder sind reien, und als solche dem inhalt
wie der form nach von dem winterliede verschieden, so ist
es in sämmtlichen älteren handschriften ; einige ausnahmen,
der art dafs sie nicht irren können, sollen sogleich bei der
betrachtung des reien im einzelnen besprochen werden, llg
aber verstöfst gegen diese regel in einer menge von liedern,
für die wir somit ein höchst einfaches merkmal der unecht-
heil gewinnen, das bewustsein von der bedeutung der alten
reienform war eben verloren gegangen, was nicht verwundern
kann, da es selbst in der besten zeit den eigentlich hölischen
dichlern nicht lebendig gewesen zu sein scheint, in voller
reinheit stellt eben nur Neidhart, wie es scheint, das rich-
tige Verhältnis dar, der unmittelbar aus dem herzen des Vol-
kes selbst schöpfte, aus der quelle, von der sich der breite
Strom des minnesangs schon fast durch ein halbes Jahrhundert
hindurch entfernt hatte.
Was erstlich den strophenbau anbetrifft, * so finden wir
oder vielmehr die meisten töne doppelsinnig sind, das einzige winter-
lied was sich mit bestimmtheit selbst für einen reien ausgiebt ist 132
Hg, aber das lied ist aus sehr später und schlechter quelle, dagegen,
um dies gleich vorweg zu nehmen, da sich doch, so viel ich sehe,
hierin noch kein abschlul's gewinnen läfst, 272 — 275 C, obgleich es ein
winterlied ist und sich ausdrücklich einen stubentauz nennt {woldan in
die Stuben tanzen 273, daz mit zühten ge der tanz- 27i , entspricht
dennoch nach form und inhalt genau den reien.
* Wackernagel a. a. o. s. 236 sagt 'diese' (die form der lieder
Neidharts) 'schwankt zwischen kunst und unkunst; bald dreitheilig
wohlgebaute, bald zweitheilige oder ganz untheilige' (also nicht wohl-
gebaute?) 'strophen, je nachdem das höfische oder volksmäfsige element
überhand gewonnen, und er mehr die pastourelleu der Franzosen oder
6*
84 NEIDHARTS DORFPOESIE.
darstellen, und unter dem was sich bei andern niinnesängern
analoges findet, alle jene töne die durch Ungleichheit der Stol-
len der minnesängerischen regel widersprechen, und zwar
neben anderen die dieser regel folge leisten, es ist nun bei
der an der Überlieferung in jeder beziehung streng festhal-
tenden weise der höfischen sänger nicht anzunehmen dafs ein
unter dem einflufs eines so durchgreifenden gesetzes, wie das
der Stollengleichheit, stehender dichter willkürlich eine diesem
geselze widersprechende gattung von tönen erfunden haben
sollte ; und so dürfen wir bei dem anderweitigen Zusammen-
hang der vorliegenden liederart (man erwäge dafs es grade
die frühlingslieder sind) mit dem volksgesang wohl in dieser
anscheinenden unregelmäfsigkeit eine Überlieferung von der-
selben Seite her zu finden erwarten, und zwar ist es nun
sehr wohl denkbar dafs eine spätere durchgreifende regel das
ihr nicht entsprechende älterer formen allmählich abschliff, so
dafs Avir die letzteren endlich nur no<'h als ausnahmen sehen,
dagegen anzunehmen, das letzte habe sich als das jüngere
aus oder neben dem ersten entwickelt, verbietet uns sowohl
die im wesentlichen klar vorliegende entwickelungsgeschichle
des höfischen gesanges, als auch das wesen der volkspoesie
selbst, die grade in diesem punkte von der kunstpoesie ver-
schieden ist, welche durch ausweichungcn solcher arl ihren
Produkten mitunter etwas überraschendes anreizendes zu ver-
leihen sucht, wir müfsen deshalb grade jene weise der nach
späterer minnesängerischer ansieht rcgelmäfsigen gegenüber
unstreitig für die ältere ursprünglichere hallen, die sich ver-
mutlich eben durch höfischen einilufs, aber schon der frühe-
sten zeit, z. b. bei Veldeke, der späteren höfischen regel
fügte, ohne darum in der ihrem volksthümlichen leben näch-
sten periode ganz zu verschwinden, die gemachte einschrän-
(lie lieder des volkes seihst vor äugen hat.' im verlauf des obigen
wird dies tlieils besläligt (die zweillieiligkcit gewisser stroplieii) grö-
rscriiliieils widerlegt, wie nameiillicli die völlige uutheiligkeil und die
iiukunst der iieidliiirliselien slroplie. wenn sich aber das, was Wacker-
nagel als unknnst und zugleich als deutsch volksthiimlich bezeichnet,
eben als die zu gründe liegende regel voller kunslmäfsigkeit darstellen
wird, so ist stillschweigend zugleich der beweis geführt dafs \A'acker-
nagels vergleichung der höfischen dorfpoesie mit der französischen
paslourelle nicht stichhaltig ist.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 85
kling in bezieluing auf die zeit ist nölhig, denn der spätere
volksgesang nimmt das gesetz der stoUengleichheit in sich auf.
Die einfachste darstellung der reienform — es sei er-
laubt die Strophen die dem minnesängerischen gesetz auf die
besprochene weise widerstreben, samt dem was sich, wie sich
zeigen wird, an sie anschliefst, gleich mit diesem namen zu
bezeiclmen — findet man nicht bei Neidharl selbst, sondern
in zwei liedern anderer dichter, nämlich
Rubin 28 C
f^il liebin suinenritnne,
swer dich baz dann ich geloben kumie,
der helf mir loben die vrouwen min ;
ist cz im liep, ich hilfe im loben die vrouwen sin.
also, zur leichteren Übersicht in eine formel gebracht, in der
die zahlen die anzahl der hebungen jeder zeile bezeichnen,
- und ^ stumpfen und klingenden versschlufs, und die buch-
stabeu die Stellung der reime,
,3 u a
4_b
6_b
ferner MSH. 3, 444
Ich hän gesehen daz mir in dem herzen sanfte luol,
des grüenen loubes bin ich worden tcolgemuot.
die heide tvunneclichen st dt,
mir ist liep, daz si also vil der schcenen bluomen hat.
oder 7 _ a
4_b
7_b.
diesen tönen entsprechend, aber mit gleichheit der ersten
Zeilen
Nith. 222 C Der meie der ist riche,
er viieret sicherliche
den walt an siner hende,
der ist nu niuwes lobes vol, der winder hat ein ende.
also 3 u a
3 u a
3ub
4-1 3 üb.
86 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Rubin 32 C
fVol im, der sin fiep mit vuogp. muc gesehen .-
dem künde an der icerlte liehers iiiht geschehen.
Er ist sieleelich gewert:
sin Ollgen sehent dicke des sin herze gert.
(derselbe ton bei Ulrich von Liohtensfein 120 C.) dazu ver-
gleiche man noch folgende töne.
Nith.
Lh. 232 C.
H.v
. Veldeke 53 C.
H.v.d.3Iaore7C,
4_a
6^a
5ua
4_a
6ua
4oa
5ua
4_b
6_b
4_l)
G^a
8_b
Reimar d.
137 C.
Hilteb. V.
Swanegöu 45 C.
() _
4 _ a
6_
4_a
4-
4_a
5_
0_a
Die charakteristischen merkniale dieser töne sind erstens
ursjjrünglich unverschränktc reime; natürlich, sobald wir ihr
alter über das letzte viertel des 12u Jahrhunderts hinauf-
rücken; später konnte dies aufgegeben werden, es bleibt nur
wichtig dafs die ganze form basiert ist auf zwei unverschränktc
reimpaare. sodann, indem wir vorläufig von dem begriff des
Stollen ganz absehen, zweitheiligkeit, nämlich ein gesang und
ein abgesang von je zwei Zeilen, nun finden wir aber noch
ein drittes, unter den angeführten einfachslen beisiiielen frei-
lich nur einmal, nämlich den innerhalb der Zeilen gestatteten
einschnitt; die geschichle dieser cäsur ist freilich noch nicht
genügend aufgeklärt ; auf volksmäfsigkeit derselben weisen aber
die wichtigsten und ältesten beispiele, Salman und Morolt,
Spervogel, die Nibelunge, die Titurelstrophe u. s. w. dieser
einschnitt hat sich bei den minnesängern nur sehr spar-
sam erhalten, grade bei Neidhart aber finden wir ihn öfter,
wie in der vierten zeile des angeführten liedes 222 C. be-
trachten wir nun den nächstliegenden volksmäfsigen ton, die
Nibclungestrophe mit ihren sämtlichen Variationen, so finden
wir in ihr die genannten merkmale alle drei ungetrübt aus-
prägt: -Suja-a
3 u I 3_a
3u I 3_b
3 u 1 4 _ b
NEIDHARTS DORFPOESIE. 87
Ez troumih Kn'emhilte in tilgenden der st pßnc,
lüie st einen valken wilden züge manegen tac ;
den ir ziven am erknnnmen, daz si daz mitoste sehen :
ir enkunde in dirre werlde nimmer leider sin geschehen.
an diese einschnitte nun knüpft sich die weitere entwickehmg
und geschichte der reinistrophen : in die einschnitte wurden
reime gesetzt, und so aus einer zeile mehrere gemacht, die
aber zusammen als eine zu denken sind, dies konnte gesche-
hen ohne den charakter des sirophenhaues aufzuheben, eine
weitere Veränderung, die sich leicht an die vorige anschlols,
war die dafs die Stellung der reime verändert ward, als
auflösungen solcher art stellen sich nun sämtliche reien dar;
bald sind nur einzelne zeilcn, bald alle vier in zwei oder
mehr iheile zerlegt, deren zusammengehören sich bald nach
dem bau der Strophe, bald nach dem sinn der Zeilen erkennt,
denn auch der letzlere giebt meistens ein sicheres criterium
iur die reconstruction, indem namentlich der haupteinschnitt
der Strophe nach dem aufgesang, der zweiten reienzeile, auch
durch den sinn deutlich hervorzutreten pflegt, allerdings mufs
man dies nicht für eine feste regel halten, sondern nur für
ein meistens natürlich eintretendes ergebnis, in ganz ähnli-
cher weise wie sich auch in den minnesängerischen Strophen
der sinn überwiegend nach Stollen und abgesang einzutheilen
pflegt. — man vergleiche die folgenden Strophen, (ich hebe
aus den liedern einige der bezeichnendsten aus).
9, 6 — 7 R
Diu hat mit ir strale mich verwundet in den 16 1.
waz Sender not lide ich, manege quäle!
Si ist von rotem golde, nicht von stdle.
an min herze schöz si seinem male.
'Sage von weihen suchen koni daz dich diu minne
schöz ?
'imsenften kloz kaji si linde machen.
Si twinget daz man swiiidet ander lachen,
selten sld/en, dicke in truren wachen.
11, 4 — 5 R
Nu da hin nach der wa^te, sit ichs in dem willen bin
daz ich leiste mine vart.
88 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Nu gesag-e ez niemen, liehiu Irmengart :
wol mich Sinei' kü?{fte wart.
Sä zehafit brähte man der megde ir süberlich gewant .-
schiere het siz an geleit.
'Zuo der grüenen linden jnich min wille treit,
ende habent miniu leitV
48, 2 — 3 R
Allez daz diu werlt nü hat beslozzen
vrevt sich siner künfte wol, der hab wir e genozzeri : 7iu
si uns allen tcillikomen !
Manegen herzen ist benorncn leit und ungemüete ;
er kumt mit maneger blüete.
Die nu sine brieve hceren wellen,
unt sin lop mit willen helfen in diu lant erschellen, die
losen der lieben nahtignl.
Wan ir stimme lüte erhal nü sin süeziu m(ere.
der meie habe des ere!
51, 4 — 6 R
Daz gehurt der magde muoter tuugon.
Si sprach 'behalte hinne vür din laugen, din tvankel-
muot ist offenbar. *
Wint ein hüetel um din hur
du vmost an die dinen wiit, teilt an die schar.'
'Muoter min, wer gap dir daz zc lehen,
daz ich iuch minor wwte sohle riehen? dem gespunnct
ir nie rudern !
Ldzet ruoiüen solchen kradem.
wd nu slüzzel? sliuz uf balde rnir daz gadem.^
Diu wät diu was in einem schrin rersperret :
daz wart bi einem Staffel üf gezerret. diu alte ir
leider nie gesach.
Do daz kint ir kisten brach,
dö gesweic ir sunge, daz si niht enspr^ach.
'■■' wem solche zeilen etwa übertrieben lang; scheinen, der bedenke
dafs z. b. in Wolframs Tilurelstrophe die letzte zeile, wenn die sie-
bente halbzcile vier hebungen hat, der obigen vollkommen gleichkommt.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 89
52, 4 — 5. R.
Ir briset iuch zen lanken, stroufet ab die risen.
wir süln ez üf den anger wol ivikisen.
Vrideritn als ein tocke spranc in ir reidem rocke bi
der schar:
des nam anderthalben Engelmär vil tougen war.
Du sich aller liebes gelich begunde zweien,
dö sold ich gesungen haben den reien :
If^an daz ich der stunde niht bescheiden künde gegen
der zit,
so diu sumerwünne rnanegem herzen vreude git.
54, 2 — 3 R.
AI der werlde höhe ir gemüele stdt.
bluomen in dem lohe min ouge hat angesehen.
Ich mac leider niht gejehen daz mir min lange senediu
sorge swinde :
diu ist min ingesinde.
Zwo gespil ir mwre begunden sagen,
herzensenediu swwre besunder klagen, einiu sprach
' Trüren leit und ungemach hat mir verderbet lip und al
min sinne;
da ist niht vreuden inne. '
55, 3 — 4 R.
ff^olt ir liebiu mcere gerne hoeren?
trüren stceren kumt uns lobebiere.
Da ist der meie und al sin kraß;
er unt sin geselleschaft die ringent manege swrere.
Vruht vf al der erde ist betouwet,
alle schouwet, aber in vollem loerde.
Daz genuoge ringe wiget.
meie hat im angesiget du sich diu zit verkerde.
57, 4—5 R.
ff^ie holt im daz herze min vor allen mannen wcere'
{sprach Uodelhilt ein magt unwandelbiere), 'der mir
löst diu miniu bant:
An sin er hatit ich sprunge
daz im sin heize erklunge.
90 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Min hdr an dem reien sol mit sidcn sin beirunden,
durch des icillen der min zallen stunden wünschet
hin ze Riuwcntol.
Des winders znl hat ende;
ich minnc in, dcist umwende.'
Zunächst an diese töne schliefsen sich nun mehrere häu-
figst wiederholte töne jüngerer Volkslieder mit der schon er-
wähnten eigenthiimlichkeit dafs ihnen die gleichheit der beiden
Zeilen des aufgesangs regel ist. folgende zwei finden sich bei
Uhland in liedern, die sich wiederum selbst als reien be-
zeichnen.
39, s. 84 4 _ a 30, s. 73 * 3 o I a _ a
4_a 3 w I 3^a
3 u b 3 o I 3 _ 1)
4_|3ub 3u|3_b
grade die beiden gewöhnlichen volksmäfsigen töne, der letz-
tere eine Variation der Nibeluugesirophe. — diese selbst
wurde schon vorhin erwähnt; aber eine noch interessantere
einstimmung bietet zum schlufs ein ton eines anerkannt in vielfa-
cher hinsieht volkslhümlichen sängcrs, Wolframs von Eschen-
bach : grade die oben für die ursprünglichste erkannte geslalt
der reienformcn findet sich in seiner wunderbar schönen Ti-
turelstrophe wieder, und Ottos (wie des jüngeren Titurels)
durchreimung dersell)en liefert den einfachsten historischen
beweis für die richtigkeit der behaupteten Weiterbildung**
solcher Strophen :
* «1er von Hans Detlev (^Neocorus 2, 569, Mülleiilioll' niärchen sa-
gen und licder aus Schleswig; Holstein und Lauenburg s. 482) aufge-
zeichnete springellanz (reic) hat freilich in seiner gegenwärtigen ge-
stalt die form 3 u
3-
3u
3 —
aber er scheint, wie nicht minder diese form selbst als die ungenau
abwechselnde Stellung der reime beweist, schon eine auflösung zu ent-
halten: ursprünglich bildeten je zwei seiner jetzigen Strophen eine,
wodurch wir denselben ton mit dem angeführten Uhland nr. 30 er-
hallen.
** ähnliches in der allfranz. tyrili. Wackernagel s. 180 f. man
vergl. auch was er s. 214 anm. 3 über Walth. 88, 9—90, 14 sagt.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 91
•am 3 u 1 3 u a
Otto z. Turne 3 u a | 3 u b
3 u 1 5 u a
ö ob
3 u a 1 5 u b
5uc
3 u 1 5 u b.
3 u 1 5 'wi c
Wolfram lälst in der In 3n und 6n lialbzeile ganz volks-
niäfsig 4 liebungen mit den angegebenen 3 abwechseln ; nicht
so in der diirchgereinilen sirophe der rein minnesängerische
Otto zum Turne.
Was endlich die leiche betrifll, die hierher gehören, ob-
wohl nicht in bezug auf Neidliart selbst, da er bekanntlich
keine gedichtet, so vermag ich diesen punkt leider nur an-
zudeuten als weiterer Untersuchung bedürftig. — mehrere
leiche nennen sich reien. die zweitheiligkeit ihrer Strophen,
die leicbligkeil mit der sich namentlich ältere unter ihnen in
Systeme den obigen ganz äiinlich aullösen lafsen, bietet eine
zu entschiedene analogie dar als dafs man in ihnen eine von
der dargestellten wesentlich verschiedene art der reien ver-
muten sollte, dies läfst weiter auf ihr alter und ihre ur-
spriinglichkeit schliefsen ; und so gewagt es gleich ist an
einer behauplung Lachmanns zu zweifeln, so möchte man
doch den leichen schon aus diesem gründe einen von dem
kirchlichen verschiedenen Ursprung zuweisen, vielleicht wa-
ren sie und die Sequenzen zwei ursprünglich ganz gesonderte
dichtungsarlen, die doch in ihrem wesen so viel übereinstim-
mendes hatten dafs sie später zu einer form verschmolzen,
man vergleiche MüUenhoif märchen einl. s. xxi. *
Es bleibt übrig die vorkommenden ausnahmen von der
aufgestellten regel zu betrachten. A bietet keine. R nur
eine einzige, nämlich 37 rz: 18 Hg (die übrigen hss. haben
dies lied nicht), offenbar ist diese lange strophe kein reien-
ton, wie sie es doch der gemachten beobachtung zufolge nach
dem sommereingange des liedes sein müste. zugleich ist aber
unter allen liedern in R dieses das einzige, welches den cha-
rakteristisch neidhartischen inhalt nicht hat; es ist ein ganz
gewöhnliches noch dazu etwas langweiliges minnelied, wel-
ches wir schon aus diesem gründe unbedenklich ausscheiden
könnten, in Hg ist diesem mangel — den man also fühlte —
durch fünf angehängte Strophen, eine matte dörperliche erzäh-
* neue aufscblülse bei Wackernag;el.
92 NEIDHARTS DORFPOESIE.
liing enthaltend, abgeholfen ; aber abgesehen davon dafs es
ganz unneidhartisch ist ein solches lied durch eine vierstro-
phige betrachtung einzuleiten, verräth sich dieser zusatz auch
durch sprachliche und andere umstände (z. b. Riuwental ne-
ben Botenbrunn in der letzten strophe, wie wir später sehen
werden) als unecht, die vier Strophen in R sind übrigens
aus guter zeit; es läfst sich errathen, was den sammler von
R zur aufnähme derselben bewog; 37, 4 heilst es nämlich:
diu liet ich der iverlde zeiiier bezzerungc sende.
20, 2 R aber sagt Neidhart
si nimt immer untnder, ivaz- diu klage si,
dl ich durch hezzerunge minen lieben vriundon hun
geseit.
der Sammler hielt nun offenbar 37 für diese durch bezzerunge
den freunden gesandte klage, erstlich gehört jedoch 20 in
das alter des dichters, wozu die liebesklagen in 37 nicht pas-
sen, sodann hat auch das wort bezzerunge in beiden liedern
eine verschiedene beziehung: in 37 nämlich will der dichter
seine freunde durch die angestellten moralischen belrachtungen
befsern, in 20 dagegen heilst durch bezzerunge um mich zu
befsern, wie es die folgenden verse weiter ausführen, in de-
nen der dichter der weit den dienst aufsagt. — B hat drei
ausnahmen: str. 69 — 77, das schon oben aus einem andern
gründe als verdächtig bezeichnete liod der Nithart im vaz ;
es werden sich weiterhin noch vielfache beweise seiner un-
echtheil finden, ferner 64 — 68, das lied vom engerlin aldd
die brvne?i bluomen stunt, wie es Heinrich von Freiberg im
Tristan bezeichnet 5 es galt also schon ziemlich früh für neid-
harlisch, ohne es doch zu sein, der Inhalt ist ein von neid-
hartischer Meise ganz abweichender, freilich, der dichter,
möchte man sagen, könnte sich ja auch einmal in einem an-
deren ebenfalls heiteren Stoffe versucht haben : schwerlich wäre
er doch auf einen solchen verfallen, dessen schmutzigkeit durch
eine gewisse der durchführung nicht abzusprechende Zierlich-
keit nicht geadelt wird, eben durch diese verfeinerte Schlüpf-
rigkeit sticht das lied von Neidharls immerhin manchmal sehr
derber aber unumwundener ausdrucksweise ab. aber selbst
angenommen, dies wie das vorige lied wären echt, so wür-
den sie dennoch gegen die reienregel nichts beweisen, da man
NEIDHARTS DORFPOESIE. 93
sie nicht als specifiscli neidharlische diclitungen betrachten
dürfte, sondern im lieutigen sinn des wortes als zwei einzeln
stehende gedichte. indessen eben dies, um im zirkel wieder
zu der ersten behauptung zurückzukehren, ist überhaupt für
einen dichter jener zeit unzuläfsig; man darf dem Neidhart
dergleichen aufser dem kreise seiner ganzen poetischen weise
stehende producte eben so wenig zuschreiben als etwa dem
Neifen die beiden lieder ez vuor ein bütteiuvre und von
Walken vuor ein pilgerim 153 — 157 C, 158. 159 C,
oder gar Reimar dem alten jenen streit des alten ehepaars,
weit ir hoeren, einen gemellichen strit het ein alter man
mit sinem wibe 238 — 241 C. der dichter ist in dieser noch
im innersten keime lyrischen zeit zu subjecliv mit seinem
stofl" verbunden, um solche abschweü'ungen machen zu kön-
nen, es versteht sich dals Für ein genie wie Walthers die
Sphäre bedeutend erweitert ist. — die dritte ausnähme in
B sind die in C unter dem namen Goelis überlieferten lieder
52 — 63; dals sie nicht neidhartisch sind, wie Wackernagel
MSH. 4, 435 vermutet, ist leicht zu sehen; ihre geschraubte
spräche, * um anderes unberührt zu lalsen, v^erweist sie ganz
unzweifelhaft an das ende des 13n jh. gegen 189 — 191 C
finden sich von selten der metrik und des Inhalts genügsame
einwendungen ; übrigens fehlt diesem liede noch dazu der
frühlingseingang, man erkennt es nur nach dem Inhalt als
sommerlied. die Strophen 255 — 257 C (=31 Hg; die un-
echtlieit der hier zugesetzten Strophen bedarf keines bewei-
ses) sind die einzigen für deren ausscheidung sich wenig
mehr anführen zu lafsen scheint als eben dafs sie eine aus-
nähme von der vorliegenden regel machen, indem sie sich,
offenbar ohne reienform zu haben, für einen reien ausgeben;
aber ihre ausweisung scheint durch die gewonnene evidenz der
regel gerechtfertigt, übrigens sind auch die ausdrücke edeler
kneht (Neidhart sagt ein riter) und Grözbreht als spöttische
bezeichnung eines bauern unneidhartisch.
Damit sind alle ausnahmen der älteren handschriften er-
'■•' eine Daclialimung und verspoltung höfelnder bauernsprachc, wie
Wackern. (allfr. lieder und ieiclie) meint, Iiönnte man doch höclistens
in den stellen sehen wo der dichter die bauern reden läfst, nicht da
wo er sie beschreibt .ils sich, dem ritter, entgegengesetzte dörpel.
94 NEIDHARTS DORFPOESIE.
schöpft, ohne dafs man eine von ihnen als wirkliclie ausnähme
neben der regel gelten lal'sen miiste. die regel bewährt sich
gegen sie, und wir haben an ihr ein wichtiges moment für
die krilik des dicliters. es versteht sich dals die Unterschei-
dung der reienlorm vom minnelied in solchen fällen schwer
oder ohne anderweitige kriterien unmöglich ist wo im aufge-
sang gleichheit der zeilen nach stollenart eingetreten, zumal
wo diese mit auflösung verbunden ist. dafs aber überhaupt
auch Strophen dieser art ohne die reienregel zu verletzen
wirklich unter dieselbe zu subsumieren sind, hoffe ich durch
ihre genetische entwickelung dargethan zu haben, leichter
sind in sehr vielen fällen umgekehrt nicht reienmäfsige töne
durch breite der stollen oder die natur des abgesangs zu er-
kennen, so wüi'de auch ohne weitere beweise ein lied wie
15 Ilg, welches nach dem sommereingang reienlorm haben
müste, an seinem rein minnesängerischen ton als unecht er-
kannt.
5.
l'ber den Inhalt der reien, den übrigen liedern gegen-
über können wir uns kürzer fafsen. auch in dieser beziehung
treten uns in der neidhartischen poesie, mit der bisherigen
eintheilung zusammenfallend, zwei ganz gesonderte reihen ent-
gegen, deren jede für sich einen abgeschlofsenen kreis bildet,
nur hin und wieder drängt sich in denselben eine persönliche
beziehung des dichters ein, * die sich dann sogleich durch ih-
ren loseren Zusammenhang mit dem weiteren Inhalt eines sol-
chen liedes erkennen läfst. das grundthema der einen reihe
ist die gogcllieit der dürpcr, ihr streit unter einander und
mil dem dichter, wenn er als liebender in ihrer mitte auf-
Irill, — das wiuterlied, bald schildernd, bald erzählend aus
den freuden des verflofsenen sommers, das sommerlied dage-
gen hat seinen charakteristischen puukt in der ankündigung
und feier der frohen zeit, welche zur linde hinruft zu tanz
und liebeslusl ; und zwar knüpft sich daran dann eine kleine
'■' eine durchgehende ausnähme dieser art, die miuaestrophen, soll
bei dem wintcriied besprochen werden, denn nur in diesem findet sie
sich.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 95
auf denselben gegenständ bezügliche oder doch mit ihm zu-
sammenhängende Situation oder scene. bald ist es die Jung-
frau die sich für die kommenden freuden mit kränz und fest-
lichem gewand schmückt, bald unterhalten sich zwei gespielen
über liebe und geliebten, bald tritt die besorgliche mutter der
liebeslustigen tochter vergeblich mahnend und wehrend in den
weg, oder sie selbst, die alte, von dem allgemeinen taumel
erfafst, stürzt sich mit den jungen bacchantisch in den jubel
hinein, und — spranc sider als ein wider, wie es 239 C
heifst. * eine unbeschreibliche anmut und naivetät herscht
in diesen gesängen, die der kritik jenen unflätigkeiten aller arl
gegenüber, wie sie dem Neidhart aufgebürdet werden, den
besten ästhetischen mafsslab geben, man kann die einleiten-
den Strophen, überhaupt eine der lieblichsten selten der gan-
zen mhd. lyrik, nicht eigentlich eine beschreibung des früh-
lings nennen ; sie suchen nicht nach neuen auffallenden zü-
gen, nicht nach üppiger maierei, sondern einfach sind sie,
wie das gefühl der wonne selbst, in deren zauberkreis sie
den hörer emporheben wollen ; mau möchte sie einer äols-
harfe vergleichen, die in ihren wenigen gleichgestimmten sai-
ten dennoch die wunderbarsten harmonien erklingen läfst. —
nach solchem eingang wird man dann in der eben der besten
volkspoesie eigenthümlichen weise mitten hineinversetzt in die
sich daranschliefsende scene, durch eine rasche einfache Wen-
dung, aber noch klingt durch die bald lustigen bald sehn-
süchtig tändelnden reden und gegenreden hindurch der zuerst
angeschlagene frühlingston leise nach.
Die wenigen hierher gehörigen ausnahmen sind aufser
einigen Strophen in 52 R, deren unechllieit später** gezeigt
werden soll, unter den im Aorigen paragraphen angeführten
zu suchen ; für sie gilt also das dort gesagte auch hier, sie
stellen sich folgendermafsen zu den drei festen gesetzen, de-
nen sie widersprechen:
1) kein echtes lied behandelt dörperliches (der ausdruck
sei gestattet für den specifisch dem winterlied zukommenden
■■•' alles dies ist nach Wackernagels eignem zeugnis (a. a. o. s. 237)
der altfr. pastourelle fremd.
"* vergl. §. 7.
96 NEIDHARTS DORFPOESIE.
inliall) in reienform, wie die bezeichneten unechten Strophen
52. 7-10 R,
2) noch umgekehrt reienraäfsigen inhalt in der entgegen-
gesetzten form, wie 255 — ^257 C.
3) ein lied dem reieninhalt wie form abgeht kann über-
all für keinen wirklichen reien gelten, wenn es sich auch
selbsl durch den misverstand des dichters so nennt, wie 189
— 191 C, und 52ff. B =: Goeli 6ff. C. diese lieder werden
also durch die erste regel, dafs alle Neidharfs sommerlieder
reien sind, als unechte betroffen.
WINTERLIED. WESEN DES NEIDHARTISCHEN WITZES. -
SEINE BESUNGENEN GEGNER UND FREUNDE.
6.
An der zweiten liedergattung, dem winterliede, haben
wir nur den Stoff zu betrachten, der strophenbau hat nichts
eigenlhümliches. tanzlieder sind auch diese 5 ob allein dem
höfischen tanze angemefsen, oder auch dem oben vermuteten
volksmäfsigen, läfst sich nicht bestimmen, wenn Neocorus
in beziehung auf den letzteren, wie er sich zu seiner zeit
bei den Ditmarschen noch fand, sagt, die kunst desselben
läge weniger im eigenlliclien tanzen, als in einer mimischen
ausfiihrung der gesungenen worle. so miiste man sich so etwas
bei der vorliegenden liederart allerdings sehr ergötzlich den-
ken, was liefs sich im tanzen angemefsener komisch dar-
sleilen als die eben beim tanz hervorbrechende unmanier und
plumplieit verspotteter gegner, als der zorn des liebenden,
Avenn er gefefselt von den Wendungen des tanzes geduldig
ansehen mufs Avie die zudringlichen nebenbuhler der geliebten
in den obren liegen alsam diu hie (42, 2 R), und wenn ihm
dann endlich die geduld reifst und er in ungefüge drohungen
ausbricht, während ihn äufserlich fortwährend der tanz in die
zierlichsten manieren einzwängt.
Ländliche lieder der art könnten sehr wohl die ältere
grundlage der neidliarlisclien poesie bilden, nur mufs dabei von
vorne herein dem misverständnisse vorgebeugt werden dafs
man in dieser nicht nach einer Überlieferung des stolFes selbst
im epischen siiinc (nach einem dörfisch -epischen liedercydus)
NEIDHARTS DORFPOESIE. 97
suclip, sondern allein der charakter der gattung als solcher
darf traditionell gefal'st werden, schon die betrachtung der
nanien beweist dies unwiderleglich : sie alle sind in persönli-
cher gegenwärtiger beziehung zu dem dichter zu fafsen. so
sind auch die Ortsnamen lauter wirkliche durch seinen jewei-
ligen aufenthalt bedingte ; dafs dies von allen übrigen zu tage
liegt, wie sich bei aufmerksamer betrachtung zeigt, ist ein
neuer beweis dafür dafs unzweifelhaft auch Riuwental* so zu
verstehen ist,** eben so wenig liegt in dem, was sich in
"^- zu dem von Wackeniagel MSH. 4, 439" angeführten worlspiel
mit diesem namen bietet 31, 5 R eine analoffie, wo äiinlich Siuflenecice
als allegorischer name verstanden scheint, gleichsam ein Iheil des
allegorischen Riuwentals.
mines guotes wart ir du daz beste teil :
da liez ich der vrouiren Siuftenecke.
der Sammler von Hg (82, 5) verstand freilich anders.
** Neidhart behielt, nachdem er Buiern verlafsen, den namen der
von Riuwental, wie er ihn in seinen liedern immer geführt hatte, bei.
darauf bezieht er sich, wenn er nach dem Verluste des gutes sagt
kint, ir heizet iu den singen der sin (Riuwentals nämlich) nu
getoaltec si;
— — nü Idzet mich des namen vri 2, 7 R.
aber niemals stellt ein echtes lied Riuwental als noch im besitze des
dichters stehend mit österreichischen namen zusammen, wie z. b. 18, 9
Hg, eine zu 37 R hinzu gedichtete Strophe, wo man dem dichter nach
Riuwental hin nachrichten \on dem streit der bauern zu Botenbruiin
bringt, es mag hier bemerkt werden dafs sämtliche ortsnamen in R
aufser Riuwental, Landeshvot und jyitenbrüele {?) nach Osterreich
gehören ; und zwar liegen die meisten der genannten localitälen zwi-
schen der Donau und den das thal der Traisen und Persenicke umge-
benden bergen; so auch des dichters späterer wohnort Medelicke (nicht
mit Medling an der strafse von Wien nach Baden, welches auch wohl
Medelicke genannt wird, zu verwechseln), die Mareh liegt bekannt-
lich an der andern seite Wiens, der Forst nördlich von der Donau,
daher erscheint der von dort kommende Madelwlc als fremdling im
Tulner felde, 4, 5 R. — wie die Zusammenstellung dieser namen mit
Riuwental, wo es nicht blofs als name des dichters gebraucht ist {der
von Riuwental), so ist es ebenfalls ein zeichen von unkunde der ge-
gend und somit von unechtheit, wenn einzelne Strophen die 6 — 7 mei
len von einander entfernten durch flüfse und berge getrennten bewoh-
ner der March und des Tulnerfeldes zu einem tanze vereinigen.
Was des dichters namen Nilhart betrifft, so miiste man bedenken
tragen ihn als seinen wirklichen namen anzuerkennen, wenn nicht
Wolframs frühzeitige erwähnung die sache aufser zweifei setzte, er
Z. F. D. A. VI. 7
98 NEIDHARTS DORFPOESIE.
den erzählten geschieh ten mit den dörpern begiebt, die spur
einer Überlieferung, diejenigen unter den angeführten perso-
nen — welche überall wiederkehrend auf eine nur angedeu-
tete im hintergruude liegende begebenheit hinweisen, und durch
diese Stellung ganz besonders veranlafsung geben eine art epi-
scher tradition in ihnen zu suchen — vor allen Engelmur
Vriderüne und der wigenande — stehen, wie sich zeigen
wird, umgekehrt in noch engerer persönlicher beziehung zum
dichter wie die übrigen, und für die letzteren liegt ein ne-
gativer beweis gegen traditionelle fortpflanzung schon darin
dafs sie ohne die epischen namen eigenthümlichen formen
der allitteration oder des reimes — mit wenigen zufälligen
ausnahmen — auftreten, umgekehrt treten aber diese for-
men wirklich ein, sobald unter der band der nachbildenden
Sänger die neidhartische poesie selbst ihren frischen lebens-
vollen Charakter mit einem mehr traditionellen vertauscht;
jetzt finden sich neben der Wiederholung ganzer Wendungen
auch solche Verhärtungen der form an den namen ein, und
liefern einen beweis der unechlheit. von diesem criterium
wird z. b. wiederum das mehrfach erwähnte lied 69 — 77 B
der Nilhart im vaz betroffen; da hcifst es sIr. 71
Eppe unl Steppe u/it Reppe unt Leppe u. s. w.
Lumpolt Rimipult Cruwpolt slr. 72.
Engeldiech unl EngelJ'vit das.
Rösicin Güsivin das.
Ezel fVezzel Brezzel Bezzel das.
oder man vergleiche die zu 7 R hinzu gedichlelc slrophe
117, 7 Hg: da tanzt Engeldiech mit Erigehnuot, Adelvrit
mit Adelheil, Willebreht mit Wille, Enzemnn mit Enze-
liep u. s. w.
In dem angedeuteten sinne aber eine ältere von dem hö-
koinmt nämlich in den älteren handschriften nnr drei mal vor, darun-
ter gehört 77 ß in ein entschieden unechtes lied. in -i?, 6 R spielt
der dichter offenbar mit dem seiner bedeulung nach verstandenen na-
men, ühnlich wie mit Riuwental an jener stelle, denn nicht er selbst
nennt sich, sondern einem schellenden gegner legt er den namen in
den mund. — und wenn es drittens 236 C heifst her Nilhart disen
reien saue, so ist man gewiss berechtigt, diese art von selbslnennung
für unecht zu halten, da Neidhart sich in solchen beziehungen sonst
in echten liedern niemals so, sondern immer den von Riuwental nennt.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 99
fischen (lichter nur reprodiicierte arl solcher heiteren gesiinge
anzunehmen, dafür spricht der anderweitig überall sichtbare
anschlul's dieses sängers an eine vorhandene lyrik, so wie die
durchgelührle regelmäfsigkeit in der construction dieser lie-
der : wintereingang — minnestrophen — dörpererzählung.
widersprechendes aber enthält die gattung als solche nicht,
angenommen einmal, es gab lieder der art in einer ländlichen
poesie, niuste nicht ein gegeusatz, wie er sich bei Neidhart
zufällig in der form von ritter und bauer ausspricht, in ganz
analoger Aveise dasein zwischen dem liebenden träger solcher
erzählungen und seinen nebenbuhlern? wird jener diese nicht
auf ähnliche art von der gunst der geliebten fern gehalten
haben, indem er ihre schwächen hervorkehrte, ihre lächer-
lichkeiten verspottete? und — da unstreitig die volkspoesie
der günstigste boden eines harmlosen humors ist — muste
nicht dieser humor die Zielscheibe seines witzes grade in
nächster Umgebung, der dichter in dem eigenen stände su-
chen? iu der that thut jeder echte humor dies; der bäuer-
liche witz jener zeit immer wiederkehrend etwa gegen die
ritter z. b. gewendet, wäre eben so schmacklos, als wenn
jemand unter uns (ohne uebenbeziehung) die Chinesen oder
Rothhäute zum gegenständ seines witzes machen wollte. —
diese bemerkung setzt freilich ganz besonders die ausschei-
dnng der echten neidhartischen poesie voraus, denn jene ge-
flifsenllichen Verhöhnungen des bäuerlichen Standes, wie sie
sich die verschiedenen nach- und Weiterbildungen recht ei-
gentlich zur aufgäbe setzen, sind allerdings weit entfernt von
dem tone einer solchen gutmütigen selbstironie. nach einem
nähereu blick auf die neidhartischen lieder selbst wird das
Der punkt der hier nothwendig der angelpuukt ist wurde
im vorbeigehn schon angedeutet, nämlich Neidharts Stellung
zu seinen zuhörern und zu den bauern. das erste betreffend,
so hat schon VVackernagel vollständig erwiesen dafs Neidhart
von ritterlichem stände war und seine lieder vor den hofleuten
7*
100 NEIDHARTS DORFPOESIE.
sang, trolzdem finden wir ihn aber in echten liedern nie
anders als in der mitte der bauern und als ganz in ihren
kreis gehörend, aus ihrem stände ist die gefeierte schöne,
wie tanzgenofsen und nebenbuhler: und des dichters eigner
stand wird dem bäurischen in echten liedern nirgends in der
art entgegengesetzt dafs der eigentliche Standesunterschied her-
vorerehoben wäre, sondern nur die feinere bildiing des lieben-
den seinen unmanierlichen nebenbuhlern gegenüber: wenn er
diese dörper schilt, so zielt er damit nicht auf ihre niedrige
geburt, sondern auf ihre tölpelhaftigkeit (um das heutige worl
zur Umschreibung des damaligen zu gebrauchen), es wäre
nun an sich sonderbar, wenn wir dies verhällnis als ein wirk-
liches annehmen müsten, wenn in der that unter den im mit-
lelalter doppelt strenge geschiedenen standen ein verkehr statt-
gefunden hätte wie er selbst für unsere doch etwas humanere
zeit undenkbar ist: wenn der am hofe zweier fiirsten lebende
Sänger seine liebe, seine freuden nicht dort gehabt hätte wo
er sang, sondern wirklich im kreise der bauern. aufser der
allgemeinen grofsen unwahrscheinlichkeit spricht noch anderes
dagegen, was nämlich zuerst den gegenständ der liebe des
Sängers betrifft, so hat fast jedes winterlied nach der einlei-
tung eine oder ein paar darauf bezügliche sfropiien. diese
aber tragen einen von der übrigen durchfiihrung gänzlich ver-
schiedenen Charakter: sie gehören in ihrer ganzen manier
vollkommen dem minnesang an. wenn Neidhart, wie ver-
mutet, in diesen gesängen im ganzen ältere weise beibehielt,
so hat er jedesfalls diesen theil der lieder als höfischer dich-
ter nach seiner höfischen liebe umgewandelt, denn dafs die
in den eingangsstrophen gefeierte dame nicht wirklich eine
bäuerin ist, wie es doch scheint, wenn sie in den folgenden
Strophen als solche genannt wird und bauern mit dem dichter
um ihre liebe buhlen, das läfst sich beweisen, aufserdem dafs,
wie gesagt, der echt höfische ton jener Strophen mit seiner
feineren Sentimentalität schlecht zu einer derben bauerdirne
passen würde, weder wo der dichter die gelieble beschreibt
wie 5, 8 R, noch wo er um unerhörte liebe klagt, aber es
läfst sich klar genug zeigen dafs hier von keiner bäuerin die
rede ist; die gelieble wird gegen höfische regel im verlauf
der lieder meistens genannt, und zwar wiederholt, nachdem
xNEIDHARTS DORFPOESIE. 101
so angeknüpft ist dal's die genannte als identisch mit der in
der einleitiing besungenen auftritt, dagegen heilst es aber
5, 7 R
tutnber Hute, vräge
müet mich sere zaller zit,
we?^ diu tüolgetdne si
von der ich da singe ; ja istz in ml ungesagt. *
also der name der wirklichen geliebten ist nicht genannt.
Ferner finden sich zwei lieder in R in denen die be-
sungene ohne zweifei wirklich eine bäuerin ist (der dichter
hatte sich einmal, um Walthers ausdruck zu brauchen, einer
nideren minne ergeben) : hier aber nimmt die liebe sogleich
einen andern ausdruck an. man vergleiche 30 und 31 R.
und was das schlagendste ist, jene eingangsstrophen klagen
überall über unerhörte liebe, während in diesen beiden lie-
dern die erhörung auf die allernatürlichsle weise gewisser-
mafsen wie etwas sich von selbst verstehendes am schlufs
hinzugefügt wird, so viel ist also klar dafs hier eine art von
Widerspruch steckt, den man entweder so lösen müste dafs
man unter der scheinbar einen geliebten überall zwei ver-
steckt dächte, die höfische in den eingangsstrophen, die bäu-
rische in der Fortsetzung, vermutlich dann eine von beiden
fingiert, — eine annähme auf die wohl niemand leicht im
ernste verfallen wird — , oder es steckt hierin noch etwas
anderes, wir werden sogleich sehen.
Es wäre doch in der that wunderbar, wenn ein bauer
— als solcher tritt der ungenande auf — am hofe des her-
zogs einen so grofsen einflufs gehabt haben sollte dafs er
den ritterlichen sänger um die gunst des fürsten, ja um haus
und hof bringen konnte, und noch unwahrscheinlicher ist
es dafs der bauer den angefeindeten dichter sogar noch in
Osterreich durch seine mage verfolgen lafsen konnte, dafs er
auch an dem hofe eines fremden fürsten gegen ihn zu intri-
guieren vermochte.
* die folgenden worle
hat si hohe mäge
der belltet si eine nit
sind zu allgemein um etwas zu beweisen ; sie könnten als scherz ge-
deutet eben so gut auf eine bäuerin jtassen.
102 NEIDHARTS DOKFPOESIE.
Diese Zweifel an der Wahrheit der bäuerischen Umgebung
des dichlers liefsen sich leicht vermehren, man könnte, um
ihnen zu entgehen, nun zunächst die ganze sache, personen,
(larstellung und erzählung, für eine blofse fiction halten wol-
len : aber das geht noch weniger, fictionen der art wider-
sprechen überhaupt dem dichterischen charakter jener zeit,
die begebenheiten mit dem ungenannten lafsen aber auch kei-
nen zweifei an wirklichen zu gründe liegenden thatsachen zu:
ohne diese auffalsung würden sie ganz sinnlos sein, da sie
keine dörperliche erzählungen im eigentlichen sinne sind, eben
so fordern Engelmar und Vriderune eine ernsthaft gemeinte
beziehung. schon die fortwährende Wiederkehr dieser namen
immer in ein und derselben beziehung beweist das ; denn das
factum dafs Engelmar Vriderune den Spiegel zerbrach ist zu
unbedeutend um so oft wiederholt für nichts als eine Ver-
spottung seiner plumpheit gelten zu können, ferner nennen
echle lieder Engelmar und Vriderune immer nur als Baiern;
sie kommen in österreichischen liedern nie als gegenwärtige
personen vor. unter den baierischen in R treten sie Aveiter
nur in drei liedern, 27. 35. 36, anders als in der einen be-
ziehung (auf den zerbrochenen spiegel) auf; wenn man diese
stellen genau beobachtet, thut man einen blick in die ge-
schichte des^dichters; 27 und 36 nämlich sind aus seiner
Irühsten zeit, denn in jenem ist er nach str. 6 noch nicht
lange im besitz von Riuwental gewesen, in diesem ist er
nach Str. 7 noch unverheiratet, wie z. b. in 35 R nicht mehr,
welches lied also etwas später, aber doch ebenfalls aus jener
früheren zeit sein wird, zur zeit dieser lieder hat nun En-
gelmar den dichter noch nicht um Vriderunens liebe gebracht
(denn so mufs man die Spiegelgeschichte verslehen), und mei'k-
würdig ist es — mit dem über den ritterlich-bäuerlichen ge-
gensalz gesagten zusammengehalten — dafs gerade diese lie-
der. in denen der dichter noch ohne persönlichen gegensatz
eines nebenbuhlers auftritt, auch der erwähnung des ritterli-
chen gegensatzes ganz entbehren, mit derselben eigenthüm-
lichkeit schliefst sich nun an sie 52 R, ein reie ; schon wird
hier das spätere Verhältnis angedeutet; bald darauf mufs Vri-
derunens untreue sich entschieden haben, und zum erslen-
inai beklagt sie nun der dichter mit dem später immer wie-
xNEIDHARTS DORFPOESIE. 103
der gebrauchten ausdruck in einer zu eben jenem reien hin-
zugesetzlcn strophe. diese aber (str. 6) deutet wiederum
durch die worte
ich muoz ein hüs besorgen,
daz mich sanges wendet manegen morgen
auf dieselbe zeit hin wo dem lebensfrohen sänger das ernste
häusliche leben zu Riuwcntal noch neu und unbequem war.
mit diesem reien — er enthält die Strophen (7 — 10) die s. 95 f.
als unecht bezeichnet wurden, weil sie wintermäfsigen Inhalt
in reienform behandeln — verhält es sich offenbar folgender-
mafseu. zu dem ursprünglichen liede gehören nur die stro-
1 — 5 (Hg hat eine einleitungsstrophe mehr, die sich aber
durch müfsige Wiederholung
der iralt ist tcol gelouhel diu linde gufdin lolden
treit 25, 1 Hg,
der finden irenl ir tolden von nittwem loube riehen
52, 1 R,
als unecht zeigt, auch die Stellung der stropheu in R ist
die richtige, Hg ändert nur um zugesetzte Strophen einrei-
hen zu können, noch dazu mit wenig geschick). in dieser
gestalt haben wir einen echten reien vor uns, und zwar, wie
gesagt, fängt des dichters liebe zu Vriderunen schon an ge-
fährdet zu werden (strophe 2 sendet er ihr noch einen kränz) :
sie sprang wie ein püppchen beim tanz,
des nam anderthalben Engehnär vil tougen war
Str. 4.
der Sänger ist hierüber bekümmert und schliefst das lied mit
der klage, er solle den reien singen, aber sein trübsinn passe
nicht in die frühlingslust, er könne der frohen stunde nicht
'bescheiden', seine schlimme ahnung wird bald erfüllt, seine
Jugendliebe ist dahin, sein haushält will den sorgenlosen froh-
sinn von ihm verscheuchen ; so ist ihm, als wenn er mit Ju-
gend und lust abgeschlofsen hätte, und schwermütig singt er
jetzt, indem er die klage der letzten strophe seines letzten
reien wieder aufnimmt,
Nu heizent si mich singen. ich muoz ein hüs be-
sorgen,
daz mich sanges wendet manegen ynorgen.
104 NEIDHARTS DORFPOESIE.
IKie sol ich gebäre?/? mir ist an Engelmären un-
gemach
claz er Vridcrünen ir spiegel von der siten brach.
Str. 6.
die weitereil stropheu aber sind sämtlich unecht. Strophe 10
erstlich erkennt man sogleich als eine blol'se Variation von 7 :
er ist ein toerscher Beter in dieser und er was ein vrether
becke in jener kann nicht neben einander in demselben liede
stehn ; die spiegelschnur von Iberne widerspricht der spie-
gelschnur, die si selbe vläht äz glänzen siden 24, 5 R,
der reim tier : mir findet sich sonst nicht in echten liedern. —
die zusammen gehörigen Strophen 8 — 9 ferner passen nir-
gends anders hin als — wohin auch Hg Strophe 8 stellt —
hinter 2, widersprechen dann aber str. 4, wo Engelmar noch
bescheiden und heimlich aus der ferne nach der geliebten hin-
blickt ; und beide stropheu schliefsen fälschlich die erste halb-
zeile mit 2 kurzen silben {aber ; genojne?i) gegen den klin-
genden einschnitt der echten zcilen. (dies ist bei Neidharl
nicht gestattet wie in einigen liedern der Nibelungen, vergl.
Lachm. zu Nib. 118, 2. das einzige beispiel in R wären
diese unechten Strophen ; und damit vergleichen könnte man
57, 6. 7, wo im einschnitt der ersten zeilen klingend bäu-
me : schöne steht, während die andern stropheu stumpfen ein-
schnitt haben ; es ist aber ganz ersichtlich dafs diese beiden
übrigens guten stropheu ein zusatz sind, da sie nirgends in
das mit str. 5 schliefsende lied hineinpassen und den vogel-
sang, das blühen der bäume aus str. 1. 2 müfsig wiederho-
len), dafs auch str. 7 dem sinne nach str. 4 widerspricht,
würde sie an sich noch nicht verdammen, denn sie könnte
mit Str. 6, an die sie sich anschliefst, ein späterer zusatz
sein ; aber auch sie verstöfst gegen den versbau durch den
stumpfen einschnitt vriant in der letzten zeile ; und aufser-
dein sieht man ihrer construction zu deutlich die intention
des verfafsers an mit ihr den Übergang zu einer erzählen-
den weiteren ausführung in der art der winterlieder zu ma-
chen : gerade wie in den diese einleitenden Strophen wird
nämlich auch hier dem Engelmar noch ein zweiter an die
seile gestellt, der mit ihm als des dichters nebenbuhler auf-
Irill : rr unt der Junge meier tnnnt ir leil. das wiuterlied
NEIDHARTS DORFPOESIE. 105
würde hierauf eine weitere aiisfiihrung folgen lafsen, die denn
auch, aber wie gezeigt, höchst ungeschickt, in den weiteren
Strophen angehängt ist, so wenig diese ganze darstellung in
einen reien geliört (es ist für die bewährung der regel ein
glücklicher zufall dals gerade dies einzige beispiel in R durch
so viele schlagende gründe widerlegt wird), so wenig passt
sie für die beiden überall sonst mit einem gewissen dunkel
umgebenen personen. nach ihrer untreue kommt A riderune
nie wieder als die geliebte des dichters vor. es ist leicht
begreiflich dafs ein sänger der die historische beziehung der
beiden namen nicht mehr verstand auf den einfall kam die
so oft angedeutete begebenheit in der art der übrigen dorf-
^eschichten auszuführen, um ihrem Verständnis zu hilfe zu
kommen. — V riderune also bezeichnet des dichters erste liebe ;
sie zu verlieren war der aui'ang aller seiner leiden :
Sit daz der ungeviiege dürpcr Engclmär
der vil lieben Vridertui ir spiegel ?iam,
du begunde trvren vreude uz al den landen jagen
u. s. w. 40, 5 R.
durch den dichter aber wurden diese beiden personen bald
zu einer epischen berühmtheit erhoben, und nun konnte er
auch wohl in Österreich fragen
sack ab ieman den der Vriderün ir spiegel nam?
4, 3R.'
Wenn man nun also gezwungen ist vielfache Wirklichkeit
in Neidharts gesängen anzuerkennen, und doch daneben über-
all anstöfst, wenn man die bauern und ihr leben selbst für
diese Wirklichkeit hält, was bleibt da anders übrig, und was
ist im gründe an sich wahrscheinlicher und natürlicher, als
dafs man unter der maske der bauern niemand anders zu
suchen hat, als des dichters eigne höfische Umgebung? so
kann die einheit in der person der geliebten bewahrt werden,
so das verschweigen ihres wahren namens mit der nennung
auf jedem blatt vereinigt, so erklärt sich einfach des unge-
nannten feindselige macht, es erhöht das komische, wenn
■-• aber seht an Engelmdre 18, 4 R, welches Engelmars gegenwart
voraussitzt, passt nicht in ein österreichisches lied : 119 C und 113,7
Hg lesen richtig seht an Hillemarc. — auch dies keonzeichen der
unechlheil trifl'l wieder den iXithart im vaz 69 — 77 B.
106 NEIDHARTS DORFPOESIE.
Neid hart den letzteren den im gründe eben so ungenannten
übrigen gegenüber dennoch speciell durch diesen namen aus-
zeichnet, der nun einen bedeutsameren fingerzeig enthält als
ein erdichteter bäurischer name. und erst in diesem lichte
versteht man umgekehrt wieder den scherz richtig der darin
liegt wenn der dichter sagt, sein unmut presse ihm endlich
den lange verschwiegenen namen heraus er ist geheizen
Grülle 30, 10 Hg (übrigens ist diese Strophe schwerlich von
Neidhart selbst), auch 18, 7 R erhält durch solche betrach-
tungsart erst das richtige Verständnis, wo es von einem an-
geblichen dörper heilst
er wil ebenhiuzen sich ze werde??} ingesinde
daz bi hoveliuten ist gewahsen unt gezogen:
begrifent si in, si zei^ent im die hüben also swinde
u. s. w.
ein wirklicher bauer konnte sich doch nicht unter die hof-
leule mischen : und wenn mit ebenhiuzen nichts gemeint wäre,
als dals der eitle sich unter seines gleichen das ansehn eines
hofmanns zu geben suchte, so ist wieder nicht abzusehn wes-
halb die hodeute daran ein so misliebiges interesse nehmen
sollten dafs sie den narren so derb züchtigten, ebenso auf
ritterliche freunde wie gegner deutet 47, 5 R hin,
mine rriunt, nü get her dnn -.
der in (d. h. den genannten nebenbuhlern) durch den
willen min sin dienest widersagt,
dem gestüende ich iemer bi mit übe und ouch mit guote
al die wile unt mir der stegreif zc hove waget.
\ on ästhetischer seite verdient die gemachte annähme vor
der entgegengesetzten unbedenklich den vorzug. in der nalur
des neidiiarlisch(Mi witzes liegt nichts was ihr widerspräche:
man kann im gegentheil nicht zweifeln dafs die Schilderungen
des Sängers, wenn sie der gezierten plumpheit der hofher-
ren, den rittern und ihrer ki\iutjunkerei gelten, einen viel
pikanteren eindruck machen, als auf wirkliche bauern bezo-
gen ; so wenn er von seinen nebenbuhlern sagt
ich geliche sin gepfncete ze einer säten tüben
diu mit volle7n kröpfe itf einem kornkasten stdt
3, 5 R.
NEIDHARTS DORFPOESIE. 107
zwcin vi'l oeden ganzen gcnt si vil gelich
gein einander al den tac. 27, 7 R;
oder man ver-^leiche die höchst launige Schilderung von herrn
(innderanis einst beim Würfelspiel 16, 1.2 R. — im allge-
meinen aber gilt hier umgekehrt was oben von einer bäuer-
lichen poesie gesagt wurde die etwa die ritter verspottet
hätte : schwerlich würde der feine geschmack der höfischen
Zuhörer jener zeit lange an der Verhöhnung eines Standes
vergnügen gefunden haben mit dem sie selbst gesellschaftlich
in gar keiner berührung standen, dafs dies im 14n und 15n
Jahrhundert möglich war kann nicht weiter auffallend erschei-
nen, da der mehr und mehr verderbte geschmack dieser Zei-
ten sich an jeder rohheit vergnügte, und selbst damals be-
gnügte man sich damit nicht lange, sondern suchte den ent-
stellten liedern dinrli das hineinfügcn jener hofuarrenschwänke
einen neuen reiz zu geben, der freilich im ganzen höchst
reizlos ausfiel, mit unrecht würde man sich aber etwa daran
stofsen dafs nicht alle züge selbst der echten lieder genau
auf ritter und höfische Verhältnisse passen ; das würde einen
misverstand dieser ganzen art von satire verrathen. so schlug
wohl schwerlich einer der hofherren die dame die ihn im
Würfelspiele störte, wie der eifrige Gunderam, u. dergl. m.
aber es ist eben ein zeichen des echt satiiischen humors, die
ähnlichkeit seiner parallelen nicht ängstlicli zug für zug ab-
zuwägen und auszuführen, sondern nur im grofsen und gan-
zen legt er sie zu gründe, um dann das einzelne sich selbst
— nicht seinem gegenstück — gemäfs frei und unbekümmert
auszumalen. Neidhart führt uns ganz und ohne fremde bei-
mischung das bäurische leben vor, und jemehr Avir uns hier
heimisch fühlen, desto schlagender ist das komische, wenn
irgend ein hervorstechender zug uns plötzlich an den ver-
kappten wirklichen gegenständ des spottes mahnt, wenn aus
dem getreuen bild des plumpen bauers das eben so getreue
des durch diese älmliclikeit doppelt witzig verspotteten hof-
herrn hervorblickt. — ein gewisses mafshalten der ausfüh-
rung zu gunsten der verborgenen parallele war freilich dem
kuustwerk als solchem zuträglich, und Neidhart wüste es
sehr gut mit der Ungezwungenheit seiner darstellung zu ver-
einigen, man gewinnt daran ein criterium gegen manche lieder
108 iNEIDHARTS DORFPOESIE.
und Strophen denen diese Feinheit abgeht, jene Schlägereien
in denen sich die erhitzten zu hunderten erschlagen, in denen
man nasen und ohren, arme und beine massenweise umher-
gestreut sieht, und die so die drohungen auf die sich echte
lieder beschränken — es sollen eben nur leere renommiste-
reien sein — in colossaler weise zur Wirklichkeit machen,
dergleichen heifst den humor überhumoren. unter den liedern
von R konmmt nur eine analoge andeutung vor, Aom Hilde-
bolt, der da wart crslagen mnbe ein ingewer (2 1 , 6), aber
eben nur eine leicht vorübergehende andeutung ist dies, ja
es wäre sogar sehr möglich dafs der dichter damit auf ein
wirkliches ereignis anspielte, auf eine durch ein nichts erregte
aber bis aufs blut durchgeführte eifersucht.
Wenn man schon frühe den kleiderspott als die haupt-
seite des neidharlischen wilzcs betrachtete, so beweist das
nur dafs man schon früh anlieng ihn ungenau aufzufafsen.
sein witz hat eine viel innerlichere bedeutung, der gegenständ
desselben ist ethisch tiefer und weitgreifender gefafst. — das
in sich kleinliche und erbärmliche ist es über das er die gei-
sel seines spottes schwingt, wie es, weit entfernt seine ohn-
macht zu fühlen, sich vielmehr spreizt, wie es, was ihm an
innerem gehalt abgeht, durch den übel gelungenen schein äu-
fserer würde zu ersetzen, seine anerkennung durch plumpe
forderuug zu ertrotzen wähnt, es ist der kern und die seele
jedes wahren humors das menschliche treiben so darzustel-
len dafs eben das kleinliche vergänglichste daran sich mit
der prätension eines absoluten werthes brüstet, wem der
blick über die endliclieu formen des lebens hinausreicht zu
der unendlichen grundlage von der jene getragen werden, der
wird sich der bedeutung des individuums nur in diesem ewi-
gen zusammenhange bewust, von dem losgerifsen sein dasein
und sein streben verschwindet wie der tropfen an der sonne,
wer aber in der bedeutsamkeit des eigenen werthes befangen
bleibt, der verliert für sein ganzes thun und treiben den ein-
zig richtigen mafsstab und legt deshalb dem relativ unwich-
tigsten in dem engen kreise seiner empfindung den gleichen
xNEIDHARTS DORFPOESIE. 109
werlli mit dem wiclitigslen bei. nichts anderes bestimmt iinii
die bedeuliing irgend welcher sache als der grad des geluhls
den sie in iiim erregt, und was nicht in diese engste per-
sönlichste beriihrung mit ihm tritt, das vermag er überhaupt
nicht zu begreifen. — so prahlt der neidhartische bauer mit
dem stolzen gefühle des höchsten werthes, und doch existiert
dieser für niemand als ihn selbst ; so läfst er seine vortreff-
lichkeit, von der er fest überzeugt ist, auch äufserlich in zier-
lichster gebärde und haltung erscheinen, und doch geht es
ihm damit nicht glücklicher als Don Quixote mit seinem rit-
terlichen anstand, was sein gemüt zu freude und bosheit
bewegt ist immer grade das an sich allergeringfügigste, aber
in seinem gefühl nimmt es einen solchen umfang ein dafs es
seine ganze person in anspruch nimmt, eben darin liegt die
witzige spitze, wenn es z. b. von den zweien heifst die sich
um irgend einer albernheit wegen anfeinden : sie giengen den
ganzen tag — ohne an etwas anderes denken zu können —
um einander herum wie ein paar bifsige hengsfe. oder wenn
der dichter von anderen mit dem scheine wichtigen ernstes
erzählt
ez trehsel lihtc zwischen in ein ungevüeger huz — :
weil der eine dem vater des andern seinen knecht raufte, und
zwar
lunbe anders niht
tvan daz er ein krenzel truoc, daz was von bbto-
meri rot,
daz verseif er da zehant den meiden 7, 5 R.
in den launigen zügen dieser art liegt Neidharts gröste kunst :
durch sie weifs er seine bildcr mit wenigen pinselstrichen
scharf und unübertrefflich lebendig zu malen, so läfst er einen
tanzenden gecken im entzücken über die eigene kunst den
fufs so überzierlich drehen dafs er sich das bein dabei ver-
renkt, und wie witzig trifft es (man mufs sich daran erin-
nern wie der ritterlichen sitte ein leiser abgemefsener gang
für den ausdruck innerer hoheit galt: so wenn Walther in
jener wundervollen Strophe von Philipp und Irene sagt
er trat vil lise, im was niht gäch;
im s/eich ein hohgeborniu küneginne nach),
wie schlagend komisch ist es, wenn Neidhart den hehren
HO NEIDHARTS DORFPOESIE.
j^ang der bauern bei ihren festen in den voll fönig malenden
versen beschreibt
Es liegt auf der hand, wie sehr der sinkende glänz der
höfischen bildung einen mit tiefen humor begabten dichter zu
solchen Verspottungen reizen muste, und ganz besonders der
hof des letzten Babenbergers, an dem Neidhart seine laufbahn
beschlofs : an der spitze der priinksiichtige fürst voll jugend-
licher energie, aber eben so voll trotz und hoclimut in der
aufrechthallung seiner fürstlichen würde, der lieber sein gan-
zes land bis auf drei bürgen besiegt sieht als dafs er sich
gegen den kaiser demütigt, und daneben seine vasallen. über-
mütig wie er, aber roher, immer zu Unruhen und abfali ge-
neigt, und dabei voll furcht vor dem kaiser, sobald er als
gegner ihres entschlofseneren lierren vor ^\ ien erscheint,
welches ihm die thore öffnet und ihn festlich beherbergt, schon
damals, wie es scheint, dem vergnügen holder als der poli-
tik. schon spürt man die ganze rohheit des bald kommenden
gänzlichen Verfalls höfischer zuclit in jenen wilden Kuiuingcn
die ungestraft von ihren bürgen aus die Donau eigenmächtig
beherschen. aber noch waltet daneben im äufsern der schein
aller feinhcit, altes glanzes, der eben jene mischung hervor-
bringt wie sie die neidharlischen personen darstellen. — seit
des keiscrs komcti (50, 3 Rj, seit jenem unglücklichen Über-
zug Friederich 2n umdüstern sich die Verhältnisse des Baben-
bergers mehr und mehr; selbst dem noch im späteren mau-
nesalter unter mancherlei eignen und fremden bedrängnissen
unerschöllich heiteren sänger entfällt endlich die frohe laune.
seine letzten lieder verrathen eine ernste gedrückte Stimmung;
man fragt ihn wohin die dörper gekommen die sonst auf deju
Tulnerfeld gehaust, und er läfst sie noch einmal erscheinen,
aber es ist nur ein matter nachklang der alten lust. man
will ein neues mailied von ihm; er giebt auch wirklich den
gefalsten vorsatz auf, nicht mehr zu singen, er grüfst noch
einmal den neuen frühling, aber es ist als ob er es nur
schnell abthun möchte, scherz und poesie sind entflohn, der
mut ist gebrochen; wie des verzagenden dichters abschieds-
wort klingt es wenn er singt (55, 6 R)
iNEIDHAUTS DORFPOESIE. 111
Hiemite si gesungen den ze hulden,
die von schulden ie nach vreuden rungen,
Unt ouch lugende teuren wei^t: swd diu jugent niht
vreude gert,
da ist Ere Hz pfade gedrungen.
NEIDHARTS STELLUNG INNERHALB DES MINNESANGS
UND SELNE NACHAHMER.
9.
Werfen Avir zum schluls von dem gewonnenen Stand-
punkte aus noch einen blick auf Neidbarts inneren zusam-
menbang mit den ihn umgebenden sängern und mit den fort-
bildern seiner eigenen manier. er steht bedeutungsvoll gerade
an einem Wendepunkte der die gesammte lyrik des 13n jh.
trifft; sein wesen leitet gewissermafsen aus einer periode in
die andere hinüber, indem er von beiden charakteristische
merkmale an sich trägt, wie die zeit seines dicbtens in beide
fällt. *
Zweierlei ist es was ganz allgemein die Verschiedenheit
der Sängergruppe bis um das jähr 1220 und der nächstfol-
genden in ihrem gegensatz charakterisiert, das eine betrifft
den Inhalt, das andere die form ihrer minnelieder; in beider
beziehung ist es ein analoges moment. der inhalt der älte-
ren lieder den jüngeren gegenüber ist unstreitig der tiefere
ernstere, man fühlt es ihnen an wie das gefühl der liebe
welches sie besingen aus innerster seele hervorquillt, wie es
vergeblich nach dem adäquaten ausdruck für seine freuden und
leiden ringt, das oft gesagte in ihnen ist dennoch wieder
neu in dem neuen liede, weil es aus unmittelbarer emptin-
dung heraus so zart, so innig gesungen wird, nirgends tritt
dies sichtlicher hervor als in Wolframs liedern, nirgends ist
es bis zu so künstlerischer durchbildung gekommen als bei
Walther. Bodenlaubens ernste abschiedslieder, Reinmars schwer-
'" ungefähr von 1210 bis 1240 ; denn wenigstens so früh mufs man
ihn hinaufrücken, da er zur zeit seiner letzten lieder alt ist, wie er
wiederholt sagt, während die frühsten der erhaltenen — die um die
zeit der erwerbung Riuwentals gedichteten — auf frische Jugend deuten.
112 NEIDHARTS DORFPOESIE.
mutige klagen haben diesen charakler, selbst der leichtmiili-
gere Gottfried macht keine ausnähme, wie denn auch sein
Tristan, Aon dem unergründlichen zauber durchglüht, eben
dies nie befriedigte immer von neuem und immer unwider-
stehlicher heraufdringende sehnsüchtige ringen darstellt, die
ganze zeit aber bietet uns das bild eines unglaublich rasch
anschwellenden aufblühens und eines eben so schnellen ab-
sterbens. Wahhers und seiner zeitgenolsen klagen und ernste
strafreden über den verfall der zucht, über die zunehmende
Sittenverderbnis sind bekannt, wie schnell sich das in sei-
nem keim so heimlich zarte wesen der minne zu alltäglicher
genieinheit hinneigte (es lag freilich in der natur der sache)
beweist sehr anschaulich Lichlensteins buch der fraucn. da-
mit verglichen hielt sich die dichtkunst freilich ziemlich viel
länger auf einer feineren höhe, aber auch in ihr sehen wir
zu ende jener ersten periode die tiefe der enipfindung wei-
chen, eine lei
uns entgegen.
lernden färben gemalt, aber in demselben mafse geht die alte
innigkeit verloren, die klagen scheinen nur noch auf der
Oberfläche des gefühls zu spielen und die dichter spielen mit
ihren klagen (welchem unbefangenen gefülil wird z. b. Ulr.
\()n Liclilenstein in leben und dichten einen andern eindruck
machen ?) : sie hören auf uns wirklich zu rühren, jetzt fühlt
man allmählich ein lästiges einerlei, was nun in den neid-
harlischen liedern eigentlich minnesängerisches ist, das kann
man von dem vorwürfe nicht freisprechen der letztern gat-
lung näher zu stehn als der ersteren : niemand wird die min-
nestrophen der winterlieder eben sehr tief und ergreifend lin-
den, aber um so höher steht er in derselben beziehung in
den frühlingsliedern : in ihnen ist alles tiefes wahres gefühl.
die einfache concrele darstellung, die hier am rechten orte
war, sagte seiner dichterischen persönlichkeit mehr zu als
das formlosere gefühlslehen des minnesangs.
Umgekehrt scheint aber der nicht minder als ihr Inhalt
vortreflliche strophenbau dieser reien, so sonderbar es klingen
mag, eine analogie mit der Verschlechterung des Versbaues
der gleichzeitigen und nächstfolgenden dichter zu bieten, der
reie verlangt seiner natur nach eine leichtere bewegung, ein
NEIDHARTS DORFPOESIE. 113
flüfsigercs versniafs. von Neidharl gilt das nur in der besten
bedeutung, denn er weils eben dies moment vortrefflich mit
innerer wesentlichkeit des strophenbaues zu verbinden, nicht
so aber die rcpräsentanten der zweiten periode, wie Neifen,
Konrad von Würzburg, der schenk von Wintersteten, * um
nur die bedeutendsten zu nennen, ihr versbau hat meisten-
theils etwas aufserordentlich glatt hinfliefsendes (z. b. Kon-
rads lied 28, 3ISH. 2, 326, ist ein muster von Zierlichkeit;,
oft, eine glänzende leichtigkeit unter den schwierigsten reim-
verschlingungen. aber das ist um ein viel wesentlicheres er-
kauft : der Strophenbau verliert seine alte bedeutsamkeit. wäh-
rend die altern sänger mit grolser kunst jedem lieae durch
den vers so zu sagen eine bestimmte Individualität zu geben
trachten, flielst hier alles in gleichmälsig gefälligem ströme
hin. ein rhythmus klingt wie der andere, das charakteristi-
sche wird durch reimspielereien und andere äufserlichkeiten
zu erreichen gesucht.
Man irrt gewiss nicht, wenn man Neidhart, dessen lie-
der früh bekannt und beliebt waren, einigen einflufs auf die-
sen Umschwung zuschreibt, seine ganze heitere art und weise
niuste dazu mitwirken, der hauptsache nach ist freilich der
grund desselben tiefer und allgemeiner in dem geiste der zeit
zu suchen, wie denn auch Neidhart selbst, wie wir angedeu-
tet, nicht unberührt davon bleibt.
Was die nächsten nachahmer** der höfischen dorfpoesie
anlangt, so ist manches sie betreffende schon im verlaufe des
* eiuem von ilinen mag das Neidtiart untergeschobene lied 20 — 22
C gehören.
**' nicht unter die nachahmung, im eigentlichen sinn, gehören ei-
nige lieder in B und C die gar nichts neidhartisches haben, sondern
ihm nur beigelegt wurden, weil der heitere dichter einmal Für den ver-
faTser alles dessen galt was sich an launiger poesie vorfand, über das
lied vom rosenängerlein ist schon gesprochen, in dieselbe kategorie
gehören 195 — 197 C (es verlos ein ritter sine scheide) und 201 — 205
C (dei' gimpel gempel); dafs beide nicht von JVeidhart sind, kann,
wem seine weise gegenwärtig ist, nicht bezweifeln, ungeachtet es 50, 2
R heifst
der wiiohs von sinem reien üf ir wempel,
iint gewan ein kint, daz hiez si Lempel — also lerte er sl.
den gimpel gempel.
in C hat der gimpel gempel eine ganz andere bedeutung wie hier, wo
Z. F. D. A. VI. 8
114 NEIDHARTS DORFPOESIE.
vorigen gesagt. JVeidharl selbst sang offenbar im selben liede
nicht immer dieselben Strophen, es finden sich zuweilen un-
ter einem tone Strophen die verschiedenen ausfiihrungen an-
gehören, ohne dafs man grund hätte einzelne für unecht zu
halten, so z. b. in 2 R str. 9, in 21 R, wo str. 8 und 9
einander parallel stehen ; so 27. 5 R : der Sammler hat die
anfangsworte dieser strophe
hie mit disen dingen si din rede also Bescheiden
unrichtig auf die Schlichtung des Streites in der 4n strophe
bezogen ; es ist der Übergang von den einleitenden sfrophen
des winterliedes zu einer neuen dörperlichen erzählung. die
wieder an str. 2 anknüpil, freilich unvollständig erhalten, ganz
in ähnlicher weise macht diesen Übergang von der minneslro-
phe zu der eigentlichen erzählung 5, 3 R
Waz ist der ml m^re?
solher rede ist nu genuoc,
trahten unih ein ander dinc!
ebenso 21, 3 R
Disit/ rede lige ahn.
läzen irirs beliben.
Hg bietet noch manche ähnliche beispiele. in derselben arl
begannen nun die nachahmer, sänger die Neidharfs poesien
vortrugen, an dem inhalt der lieder zu ändern ; je näher sie
dem dichter noch stehen, um so mehr in seinem eigenen stil,
so dafs oft nur unkunde der gegenden (z. b. Riuwenlal ins
Tulnerfeld verlegt) oder das misverständnis biograpiiisch hi-
storischer Verhältnisse die unechtheit verrätli. so 18, 9 Hg
(zu 37 R), 38, 9 Hg (zu 8 R), 31, 10 Hg (zu 40 R, wel-
ches lied als im alter gesungen ein österreichisches isl), 101,
13. 14 (zu 38 R), 117, 7 Hg (zu 7 R). — die begeben-
heit mit Engelmar und Vriderune insbesondere, als man ihre
wirkliche bezieluiui; nicht mehr aufzufafsen verstand, schien
er, wenn auch mit nebenbeziehung, der uanie eines liedes oik-r tanzes
ist, dessen wirkliche existenz gar nicht einmal vorausgesetzt zu wer-
den braucht, aber eben diese stelle reizte vielleicht jemand das sei-
ner meinung nach verlorene lied durch ein Stückchen hnmor von sei-
nem eigenen zuschnitt zu ersetzen, der sich neben IVcidhart ungefähr
ausnimmt wie in liebes leid und iust des ehrlichen Schädels Schlag-
wort nach Marias wilz.
iNEIDHARTS DORFPOESIE. 115
zu nnhestimml iiiul uiivollcndot. m;ui führio sie den übrigen
dortgescliicliten ganz gleicli als gegenwärtig geschehend in
die erzählungen ein. so in den besprochenen Strophen 52, 7
— 10 R, so in 117, 17 Hg, in 2, 3 Hg, wo es nicht einmal
Engclmur ist der die berüchtigte that begeht u. s. w. ferner
setzte man sie mannigfach fort, es schien zu unwahrschein-
lich dafs sich Engelmar bei der handgreiflichkeit der dörper-
lichen eifersucht so unversehrt sollte aus dem spiele gezogen
liaben, man liefs ihm daher zur Vergeltung das linke bein
abgeschlagen werden (die holzsclinitte des alten drucks stellen
ihn gar nicht anders dar als mit dem stelzfufs). so in den
Str. G9— 77 B, die wie man sieht allmählich zu einer muster-
karte alles dessen werden was nicht für neidharlisch zu hal-
ten ist, und häufigst in Hg. man liefs ihn sich mit Vrideru-
nen wieder versöhnen (das spiegelbrechen wird aber nicht
der anfang eines langen zornes der schönen gewesen sein),
47, 7 Hg. ja 4, 5 Hg erzählt sogar wie der renommierte dör-
per in einer Schlägerei seinen tod findet. — bald geht nun
auch der sinn für das feinere des witzes verloren, das offen
derbe wird in nachbildungen zum schlüpfrig schmutzigen:
man vergl. die zu 31 R zugesetzte Strophe 82, 6 Hg, oder
227 — 231 C, offenbar eine nachbildung des vortrefflichen lie-
des 31 R, deren anfangsstrophen man mit A (Seven 26. 27)
und C selbst (Kneht 5. 6) einem andern dichter der heiseren
zeit vindicieren mag,* die hauptpointe wird jetzt statt inne-
rer plumpheit die äufsere ; alle jene unmanierlichen prügel-
scenen entstehen, wie die lieder 4. 6. 14. 32. 33. 40. 43
(wo Neidhart förmlich belagert wird). 44. 118. 122. 124. 125.
126 Hg.** — die aufzählungen der bäuerlichen gegner wer-
den mit merkwürdiger geschmacklosigkeit zu endlosen namen-
reihen erweitert; zu 69 — 77 B werden ihrer 51 hergezählt,
in 40 Hg gar 79. — dazu wird für den winter ein neuer
gegenständ des spottes aufgenommen, die frefslust der bauern.
dies mag ein aus wirklich volksthümlichen liedern hergenom-
mener zug sein, wie es der hauptgegenstand der fastnachts-
und raartinslieder blieb, auch Hans Sachs charakterisiert die
* mit solchen liedern ist zu vergl. Cl. Hätzlerin abth. 1. nr 37.
nr 89.
'" *^ dazu die drei Volkslieder bei Uüland nr 245 — 348.
8*
IIG NEIDIIARTS DORFPOESIE,
bauern gerne durch ihr frelsen. in der zweiten hälfte des
13n jh. fängt dieser zog an in den entarteten minnesang
einzudringen; so bei Steiraar 1 — 5 C, Buwenberg 1. 4. 7.
13 C (er deutet nur noch an), Hadloup 75 — 78. 83 — 85.
164. 165 C. Wizlav46 Jen. hs. (31SH. 3,85). für neidhartiseh
hielt man dergleichen jedoch erst sehr spät: nr7. nr32 a. dr.;
Uhlands drei Neidharte nr 245 — 248 ; Neidharfs gefräl's Hätz-
lerin abth. 1. nr 91.
Eine neue zulhat wurde durch die hofnarrenschwänke
hinzugefügt; die beispiele in Hg sind s. 71 bereits angeführt,
auch Hans Sachs fafst den Neidhart so auf. er erscheint jetzt
als geflifsentlicher feind der bauern und sieht mit ihnen in
keiner andern Verbindung als dafs er sie zur Unterhaltung sei-
nes fürsten zu necken und zu quälen sucht, manche dieser
scherze, obgleich roh und plump, und durchgangig schlecht
ausgeführt, sind nicht ohne laune. es flofsen in ihnen viel-
fache demente zusammen : bekannte hofnarrenschwänke (ei-
nige sind 3ISII. 4, s. 4'il nachgewiesen), die manier des
Kalenbergers, meier Helmbrechls. Salomon undMarkolfs, die
Eulenspiegeleien : auch von faliremlen schülern gab es ähn-
liche schwanke; Hans Sachs erzählt einen solchen, indem er
von dem beiden desselben und seines gleichen sagt
v'f'p sie denn umhgicngcn vor faren,
vnd lauter bciirronbescheifser waren.
aber bis in diese äufsersle Verderbnis hinein erhallen sich
noch immer echte elemente; der alte druck hat noch drei lie-
der mit R gemein, die ein interessantes beispiel für die all-
mähliche Verderbnis darbieten, nämlich 23 a. dr. rr 7 R,
24 a. dr. =r 32 R, 28 a. dr. = 35 R. das letzte lied lin-
det sich sogar nirgends sonst wieder.
Bis hierher behalten die neidharlischen dichtiingen noch
immer das ihnen ursprünglich eigen ihümliche gewand der lie-
derpoesie, die strophenform, bei. nun läfst sich aber noch
eine weitere autlösung nachweisen, in der ihnen auch dies
entzogen wird, bei der Hätzlerin abth. 2. nr 67 fon mayr
Setzen, eine erzählung deren Inhalt ganz und gar der ver-
derbten neidharlischen manier entspricht; sie führt also deren
Zersetzung fort, indem sie sie auch der form nach jenen an-
dern dementen gleichmacht, die sie allmählich in sich aufge-
NEIDHARTS DORFPOESIE. 117
nominell halle, mit einem exodus ähnlicher arl beschliefst
ebenfalls der alle druck seine erzählungen. hält man hierzu
uart noch die dramatische Gestaltung die Hans Sachs einem
der schwanke in seinem Neidhart mit dem feyel gegeben hat,
nebst mehreren andern seiner spiele die ohne Neidharts namen
doch denselben charakter tragen, so kann man in gewissem
sinne sagen dafs diese dichtungen einen ähnlichen kreis durch-
laufen haben wie das epos (und damit sei zum schlufs die
erste behauptung wieder aufgenommen) : von der friihlingsfeier
zum zusammenhängenden liedercomplex, und von diesem zur
aufgelöslen erzählung, bis sie sich endlich in den frühesten
mislungenen versuchen dramatischer Schöpfungen verlieren.
Nnchschriß. Wackernageis altfranzösische lieder und
leiche sind mir erst nach beendignng der vorliegenden arbeit
zugekommen, ich habe mich deshalb nur in einigen nachträg-
lichen anmerkungen darauf beziehen können. Wackernagels
hübsche und scharfsinnige abhandlungen suchen überall nach
fremdem Ursprung, ich habe nach dem einheimischen geforscht;
so ist es nicht anders möglich, als dafs die resultate theil-
weise von einander abweichen, ich mufs es meiner deduction
in solchen fällen überlafsen ihre richtigkeit selbst zu be-
haupten, beiderseitiges entgegenkommen wird vielleicht manch-,
mal zu dem wahren führen. R. VON LILIENCRON. '
ZUR MYTHOLOGIE*.
Unsere sagen lafsen den wilden Jäger stets in begleitung
von hunden auftreten, deren überirdische natur sich gewöhn-
lich durch das ausathmen von funken und flammen kund thut.
oft ist die zahl derselben eine bestimmte : so wird nament-
lich vom Hackelberg erzählt, er jage mit zwei leithunden an
langen rienien den Harz auf und ab ; die westfälische sage
* in dem aufsatze über WoJan, im 5a bände dieser Zeitschrift ist
zu lesen s. 475 z. 1 proceed 476, 8 v. u. geschrieben (Tür gespro-
chen) 478, 13 u. 21 harke 480, 8 v. u. wifh 481, I chartot
481, 8 V. u. Übereinstimmungen 485, 3 dramafisch (Tür bildlich)
488, 21 einst (für nichf) 490, 10 v. u. vedisches (für vocalisches)
118 ZUR MYTHOLOGIE.
vom Hackelbäreiid (mylh. 873) legt ihm bald nur einen, bald
mehrere bei, erzälilt aber auch zugleich wie er einen dersel-
ben in Fehrmanns scheune zurückgelafsen, der bis zum nai;h-
sten jähre da gelegen, als aber der wilde Jäger da wieder
vorüber gezogen, sei der hund plötzlich aufgesprungen und
dem beere bellend und kleffend nachgerannt, ebenso berichten
sagen von dem des Heljägcrs im Hannoverschen, wenn man
am Christabend das thor nicht schliefse, laufe er ins haus,
lege sich am herd nieder und sei dort nicht fort zu bringen :
alltäglich irefse er nichts als asche oder kohlen, und erst
wenn der Heijäger im nächsten jähr wieder umziehe, springe
er auf und gehe wieder davon, andre sagen auch, er werde
sobald er ins haus laufe zu stein, aber sobald das jähr um
sei und der Heijäger vorbei ziehe, bekomme er wieder leben
und laufe der jagd nach, endlich erzählt Lisch von der an
*\Vodans stelle getretenen frau Gauden wie ihre vier und
zwanzig töchter in Iiunde verwandelt seien und sie nun mit
denselben in alle ewigkeit, nach ihrem verlangen, dahin jage.
in den twölven lenkt sie ihren jagdzug zu den Wohnungen
der leute; am liebsten fährt sie christuachts oder alljahrsnächls
über die slrafsen des dorfs. und wo sie eine haustliür offen
lindet, da sendet sie eine hiindin liinein. ein kleiner hund
wedelt nun am andern morgen die bcwohner des hauses an:
er fügt niemand ein anderes leid zu als dafs er durch sein
gewinsel die nächtliche ruhe stört, beschwichtigen läfst er
sich nicht, auch nicht verjagen tödtet man ihn, so verwan-
delt er sicli am tage in einen stein der weggeworfen durch
unmittelbare gewall ins haus zurückkehrt und nachts wieder
zum hunde wird, dieser hund wimmert und winselt nun das
ganze jähr hindurch, bringt "krankheit und sterben über men-
schen und vieh und feuersgefahr über das haus : erst mit der
Wiederkehr der twö/ren kehrt des hauses ruhe ziu'ück.
Diese Übereinstimmung in den sagen zeigt deutlich dafs
wir es hier mit einem uralten zuge derselben zu thuri haben,
und die mythen der verwandten indogermanischen völker ma-
chen dies unwiderleglich, ich gehe von den altindischen aus.
da* diese durch ihre klarheil am besten geeignet sind licht so-
wohl auf das alterthum der Griechen und Römer als auf das
unsre zu werfen.
V
ZUR MYTHOLOGIE. 119
In den vedisclien hymnen, soweit sie bis jetzt vorliegen,
wird mehrmals eines mythus erwähnung gellian dessen ver-
schiedene aber in den hauptpunkten übereinstimme'nde fafsun-
gen Rosen nach den schollen in den anmerkungen zu h. 6, 5
zusammengestellt hat; ich gebe daher hier sogleich die deut-
sche Übersetzung derselben, schol. zu 6, 5". 'es giebt eine
sage die Pani's hätten aus dem götterhimmel kiihe geraubt
und in einer fiifstern höhle verborgen, diese habe aber Indras*
mit den 3Iaruts wieder erobert, dies wird auch .in der Anu-
kramanika (dem inhaltsverzeichnis zum Rigvcdas) angegeben:
Saramä, die götlerhündin, ward vom Indras abgeschickt um
die von den Pani's verborgenen kiihe zu suchen ; zu ihr spra-
chen die Pani's, um sie zu ge^^•innen, in den ungleichen ver-
sen.' die letzten worte sind dem* im text genannten Inhalts- •
Verzeichnisse zum achten buche (cap. 6, 5. 6) entnommen,
wo sich ein gedieht rindet in welchem Sarama und die Pani's
ein Zwiegespräch halten, zu diesem erzählt der scholiast fol-
gendes : des Briihaspatis, priester des Indras, kiihe waren von
Asuren, Pani's genannt, kriegern des Balas .geraubt und in
einer höhle verborgen worden ; daher schickte Indras auf an-
trieb des Brihaspatis die götterhündin mit namen Saramä ab
um die kiihe. zu suchen, als diese den flul's RasA.* übersohrit-
** der text nennt den Aufs nicht, ist überhaupt von Rosen mehr-
fach nur durch conjectur hergestellt; in dem gedieht selber aber (Rigv.
VllI, 6, 5, l) fragen dife Pani's die Saramä 'katam Rasdyd atarah pa-
ydiisi, wie bist du über die wafser der Rasa geschritten?' Saramä sagt
darauf, dafs sie als botin des Indras 'komme, um die groXsen schütze
der Pani's zu fordern, sie antworten, er solle selbst kommen, sie wollen
ihn zum freumj annehmen und er solle ihr kuh,hirt sein., Saramä sagt
'er ist gewaltig, erschlagen von Indras werdet ihr daliegen.' die pani's
sagen 'die kühe welche du begehrst fliegen an den enden des himmels;
• wer möchte sie dir ohne kämpf herausgeben? auch uns4-e waEFen siujd
.scharf.' im weitern verlauf des gesprächs sagen die Pani's noch, der
schätz liege am boden des berges {adribud' nah) und werd^ von den
^^rachsamen Pani's geschützt. — ich kann bei gelegenheit' dieses Jiedes
nicht' unterlafsen etwas über die form zu sagen, diese ist bis zum
schlufs dialogisch, und es finden sich mehrfache beispiele einer solchen im •
Rigv., wobei es auch an solchen nicht fehlt wo mehrere personen ab-
wechselnd sprechen, namentlich sind es gerade oft götter die sich mit
einander unterhalten, wie Yanias mit seiner Schwester Yami u. a. es
kann wohl keinem zweifei unterliegen dafs wir in diesen stücken die
ällesten reste der dramatischen poesie der lader vor was habeuj zumal ein
120 ZUR MYTHOLOGIE.
ten halle und zur sladl des Bala gelangt war, erblickte sie
die an einen verborgenen ort geführten kühe. als die Pani's
aber dessen inne wurden, versuchten sie dieselbe sich geneigt
zu machen und hielten, dies gespräch mit ihr.' eine etwas
andere fafsung der sage liefert der scholiast zu Rigveda 111,
2, 5 : 'einst waren die kühe der Angirasen von den Pani's
genannten Asuren geraubt und in einem entlegenen berge ver-
borgen worden ; die Angirasen priesen, um s!e wieder zu er-
langen, den Indras ; darauf schickte Indras die götterhündin,
um die kühe zu suchen, ab : diese vernahm beim suchen der
kühe das gebrüll derselben, benachrichtigte den Indras davon,
der dieselben herausführte und sie den Angirasen wieder zu-
stellte, so ist die alte sage.' -»- die hier mitgetheilten ver-
schiedenen Versionen der sage zeigen sich im ganzen als ver-
schiedene Veränderungen einer einzigen, die nur nach der je-
desmal im gedieht enthaltenen anspielung gemodelt sind; denn
die von dem scholiastcn aufgezeichneten sagen bringen im
ganzen sehr selten neue zyge der mylhen bei, und es scheint
dafs sie erst'aus einer combination der verschiedenen stellen,
an Avclchen eines mythus erwiihnung geschieht hervorgegan-
ge'n sind. daJier erklärt sich denn auch die Verschiedenheit
in der erzählung des oben beigebrachten scholiaslen an drei
verschiedenen stellen, weil jedesmal neue züge der sage im
gedieht exwähnt werden, von bedeutun^ ist bei di^S^ Ver-
schiedenheit nur dafs einmal Bnhusp^trs \\ 'die^ stelle des In-
dras tritt, dann dal's in der letzten sage' erzählt wird, es seien
nicht die götterkülic,. sondern die der Angirasen, eines ural-"
ten, seinen Ursprung vom Agnis herleitenden geschlechtes,
welche geraubt worden, was den ersten punkt iJ^trifft, so' ist
dies eine weitere fortbildung»des mythus, über die bereits Roth
(ieitschr. der deutschen morgenl. gesellschaft 1, 66 ff.) ge- *
sprochen hat: Bnhaspalis ist hier an die stelle des Indras ge- .
treten, 'denn in andern gedichten ist er es allein welcher die
kühe wieder holt ; auf eine gleiche mythenentwickelung weist
drama der späteren zeit, die Urvaci, auf ein solches vedisches stück,
Vrvactpururavasch samvudak, lib. VIII c. 5, begründet zu sein scheint,
so ist denn auch das eben erwähnte gespräch zwischen der Saraiiia und
den Pani's offenbar ein stück einer gröfseren dramatischen darstellung,
deren ganzes ohne zweifei der raub und die Wiederholung der kühe war
und sicher alljährlich an einem bestimmten tage aufgerührt wurde.
ZUR MYTHOLOGIE. 121
dafs die Anglrasen an die stelle der götter getreten sind, da
die dem niylluis zu gründe liegende naturanschanung, die so-
gleich besprochen werden soll, deutlich zeigt dal's götler und
menschen gleicherweise von dem raube betroffen wurden, eine
im ganzen mit dem obigen übereinstimmende erzählung findet
sich ferner in einem wie es scheint nur in einem einzigen
exemplare in Europa vorhandenen werke, der Bnhaddevatä
(cod. Chambers nr 192 der Berliner Sammlung), es ist dies
eine im epischen malse abgefalste, dem (^aunaka zugeschrie-
bene angäbe der in jedem hymnus des Rigvedas angerufenen
gottheiten, wobei zugleich häufig mythen und anderes auf die
keuntnis der vedischen götter bezügliche milgetheilt werden,
der te.xt der handschrift ist aber so verdorben dafs an eine
Wiederherstellung ohne hilfe anderer handschriften kaum zu
denken ist, ich führe deshalb nur den abweichenden inhalt
dessen was das werk zu dem oben erwähnten Zwiegespräch
zwischen der Saramä und den Pani's beibringt im allgemeinen
an (buch 8 cap. 5—7). nachdem die Pani's die Saramä nach •
ihrem begehren gefragt und diese ts genannt, fordern sie die-
selbe auf nicht zum Indras zurückzukehren, sondern ihre
Schwester zu sefh, dort zu bleiben und die beute mit ihnen
zu Iheilen {viditve' ndrasya tarn düthn, asurnh päpacetasah\
ücitr, mä sarame gas Ivnm, ihd "'smäkam svasd haha |]"
vihagama dvuin bdgain *) "Sajama aber .antwortet dafs sie
weder nach ihrer schwesterschaft noch nach- ihrßn schätzen
verlangen trage, sondern nur die milch der von ihnen ver-
borgenen kühe zu trinken begehre {su'bravin na -i'dm icd-
mi svasrtvaih vd dandni vd, \ pibei/am [tu] paijas tdsdn'i ga-
vdrn, i/ds td nigühata || )**. die Pani's' geben' ihr darauf die
milc4i zu trinken, welche sie nach gieriger hunde art trinkt, '
über die hundert yogana's breite Rasa setzt, an deren ufer
die schwer einnehnibare Stadt der Pani's lag, und zum Indras
zurückkehrt, dieser fragt sie ob sie die kühe gesehen, was'
sie verneint, worauf sie der gott erzürnt mit dem fufse stöfst
und sie die milch ausspjeit. sie flieht darauf zu den Pani's
zurück, wohin ihr Indras folgt, die Asuren erschlägt und die
•kühe zurückbringt, an den in dieser fafsung erwähnten um-
* cod.- düt&m — sva^d — vibagdmo navum.
** cod. sdbravindmi'cdiin — vandni.
122 ZUR MYTHOLOGIE.
stand, (lafs die Saramä die milch der kühe zu trinken begehrt,
schliefst sich eine andere erzählung des scholiasten zu Rigv. 1
h. 62, 3, wo gesagt wird, 'als Indras und die Angirasen die
kühe gesucht, habe Saramä für ihr kind die nahrung gefunden.'
der scholiast sagt dazu: ntre 'dam ukijänaxn Saramä näma de-
vaci/ni; panibir gosv apahrtdsu tadgaresandija tum saramdm
indrah prdhaisit, yatä lokevyddo vandntargatamvgdnvesand-
ya cvdnam visrgati, tadvat; sä ca saramaivam avocat: he
indra, asmadiydya cicave tad gosambandi xirddy annam
yadi prayacasi. tarhi gamikydmV 'ti ; sa tate'ty abravit.
tatd. c.a cddydyanakam : a/i/tddmim sarame pragdm karomi,
yd no gd anvavinda iti; lato gatud gaväin stdnatii agnd-
sit, ghdlvd cd 'smai nyavedayat; tatd nivpditäsu gosu,
tarn amrain hatvd, td gdh sa indroUabate ti. d. h. hienzu
folgende sage : Saramä mit namen ist die götterhiindin : als von
den Pani's die "kühe geraubt waren, schickte Indras diese.
Saramä ab die kühe zu suchen, wie auf der erde «in Jäger
seinen hund abschickt um ein im walde verborgenes wild auf-
zuspüren; die Saramä aber sprach' he Indras, wenn du die
mFlch der kühe und die andere von ihnen stammende speise
meinem kinde giebst, dann will ich gehen. "Indras versprach
es. so heifst es auch in dem Cädyäyana 'speise efsend will
ich deinen sprofs, o Saramä, machen, wenn du d^e kühe ge-
funden hast.' darauf gieng sie^ fand die statte der kühe, und
verkündete es, als sie dies erfahren, jenem, darauf als Indras
über die kühe benachrichtigt war, tödtete er den Asuren und
erlangte die kühe. ' .
Dies sind die verschiedenen narhrichtcn über iiicsen- my-
thus die mir zu geböte stehen, und man sieht, auch die bei-
den letzten ander« an der hauptsache der erzählung nivhts,.
sondern bringen nur noch nebenumstande, die freilich nicht
unwichtig sind, bei. bemerkenswerlh. ist besonders auch die
erklärung des scholiasten dafs Indras die Saramä wie ein '^-
ger seinen hund gebrauche, und damit stimmt ein anderer
commentator, nämlich Schadgurucischyas zur Anukramani über-
ein, welcher die worte saramdm deracunim erklärt durch
svagdtiydm deratdm mrgayädi 'ndrasya sddanabutäni d. h.
eine zu seinem eigenen geschlecht gehörige, von Indras zur
Jagd und anderen zwecken verwendete göttin. beide scho-
ZUR MYTHOLOGIE. • \n
liasten sind nun zwar erst aus sehr später zeit, indem der
erste, Säyanas, nachweislich erst im vierzehnten Jahrhundert
gelebt hat, der letzte vielleicht noch später; dessen ungeach-
tet kann diese aulTalsung eine uralte und volksthümliche sein,
da sich wohl mancherlei auch in Indien in der sage fortge-
pflanzt hat wovon die schriftlichen denkmäler nichts wifsen.
Gehen wir nun zu der hedeulung des mythus über, so
ist diese im ganzen klar, die kuh heifst im sanskrit g-o, ein wort
Jessen casus bald von g-o, bald von einem volleren stamme g-av,
bald von einem verkürzten gfi gebildet werden (sg. n. gaux, a.
^dffi, i. gavä, d. gai'c, g. abl. gos, loc. gnvi, voc. gaus ;
du. n. a. y. gdvau, i. abl. gohydni, g. 1. gacos ; pl. n. v.
gävas und gas, a. gas, i. gobis, d. abl. gobi/as, g. gavdm
und gondm, loc. gos?/), zu dem noch in der composition ein-
neuer für den nominativ, nämlich ^'7/, z. b. in acln'g'us, tritt,
an mehreren stellen des Rigvedas hat das woft nun neben
seiner gewöhnlichen bedeutung noch eine andere, offenbar
ursprünglichere, indem es gehend, wandelnd, eilend bedeutet,
z. b. I h. 95, 8 sam-prncdnah sadanc gobir adhih gesellt den
die lull durchwandelnden wafsern. diese bedeutung führt uns
denn a^ich auf die etymologie des Wortes, indem es offenbar
von der wurzel gam gehen stammt, deren auslautender con-
sonant in den halbvocal v übei'gegangen ist, ein Wechsel der so
oft erscheint dal's ich der anführung weiterer beispiele überhoben
zu sein glaube und nur noch das ebenfjdts im Rigvedas sich ^x\-
AenAepi/rogara,- dasAorangehende (aus purogama), hinzufügen
will, aus dieser grundbedeutung erklären sich dann auch die
dem Worte sonst von den auslegern gegebenen bedeutungen
aufs beste, wonach es häufig durch ' lichtstralen' und durch
'wandelnde wafser d. i. wölken' erklärt wird. namentlich
für die letztere bedeutung finden sich zahlreiche belege in den
vedischen hymnen, und wenn auch die erstere nicht fehlt, so
lafsen solche stellen doch oft eine deutung gleichfalls auf wöl-
ken, namentlich helle und leichte wölkchen, zu. so sehen wir denn
hier wie durch die Übereinstimmung des wortes ein bild ents-teht
und daraus sich der mythus bildet, denn auf diese weise heifst
es nun von Indras, dem gewaltigen schleuderer des blitzes, dafs
er die wölken oder die kühe mit seinem strale melke und so ihre
milch, den regen, auf dieerde hinabsende, vergl. RV. I h. 33, 10
124 • ZUR MYTHOLOGIE.
und a. a. o. diese kiilie sind es nuu aber welche Balas, oder,
wie er häußger und richtiger heifst, Valas, geraubt und in
seiner felsenhöhle verborgen hat. Valas führen aber die aus-
leger, mit Wechsel von /• und /, auf die wurzel vr (var) be-
decken, verhüllen, zurück, so dafs es in seiner bedeutung mit
Vrltras (vergl. diese zeitschr. 5, 485) übereinstimmt, an
einigen stellen wird daher Valas auch geradezu wie Vritras
durch wölke erklärt, und die mythen von beiden scheinen
noch vielfältig, wie es bei noch lebendiger naturanschauung
leicht erklärlich ist, in einander über zu gehen, im ganzen
scheint aber die aufFafsung des Valas, wonach er der riese
ist welcher die wafser in seiner bergeshöhle gefangen hält,
die vorwiegende, während in Vritras mehr die Verhüllung des
lichtes und die fefselung des regens in der wölke hervortritt,
haben wir nun bereits in dem Indras als vernichter des Vritras
den gott welcher den sommer zurückführt erkannt (a. a. o.), so
werden wir auch nicht anstehen in diesem niythus eine gleiche
Vorstellung zu erkennen, und es bleibt hierbei gleichgiltig ob
wir die kühe als lichlstralen oder als wölken auflafsen, denn
in beiden kämpfen wird stets die entfefselung der wafser und
die wiederenlhüUung des lichtes gefeiert, so dafs, wie bereits
oben angedeutet, die beste erklärung der kühe sein möchte,
dafs sie die nach Zerstreuung des schweren gewölkes oder
des am berge hangenden umhüllenden nebcls sich bildenden
dünnen und lichten wolkchen sind, die gewissermafsen das
licht wieder herauf führen, dafs aber den alten liedern die
auffafsung dieses kampfes zwischen Indras und Valas als eines
kampfes zwischen sommer und winter noch lebendig war,
zeigt eine stelle des 8n buches des lligvedas (8, 2, 1), wo
es von den Angirasen heifst ija uddgan pitaro gomayain
rasa rtcna^bindan parivatsaro Valam, die väter die den
schätz der kühe heraustrieben, durch ihr opfer beim Umlauf
des Jahres den Valas spalteten, so ergeben sich denn die
anscheinend verschiedenen mythen als auf einem gründe be-
ruhend, und es zeigt sich, wie bereits oben gesagt, dafs göt-
ter und menschen bei dem raube der kühe gleich betheiligt
waren, denn die götter stehen in einem fortwährenden käm-
pfe mit den riesen der linsternis, sie sind die götter des lich-
tes und heifsen darum deva's, die menschen aber stehen ih-
ZUR MYTHOLOGIE. 125
nen in diesem kämpfe bei, durch opfer stärken sie dieselben,
und sobald Iiulras den somatrank getrunken, zieht er gegen
die riesen und erhält durch ihn solche stärke dafs er sie ver-
nichtet; dafür verleihen die götter den menschen fülle irdi-
scher guter, und so sind sie gegenseitig von einander abhän-
gig, gleich betheiligte genofsen in ihrem kämpfe, so viel über
die hauptidee des kampfes.
Wenden wir uns jetzt zur Saramä, von der wir aus-
giengen, zurück, so kann es wohl kaum zweifelhaft sein dafs
die in unseren sagen auftretende hündin ihr identisch sei.
denn einmal tritt sie in begleitung des Wodan, wie jene in
der des ihm gleichstehenden Indras, auf, dann sehen wir ^ie
spürend bald in dieses bald in jenes haus laufen, wie jene
von Indras zur aufspürung der külie ausgeschickt wird, und
es ist, wie oben bereits gesagt, die auffalsung der scholiastcn,
wonach sie des Indras Jagdhund ist, wenn Auch sehr später
zeit entstammend, doch wegen der Übereinstimmung mit un-
sern sagen keinesfalls ganz von der band zu weisen, allein
noch andere züge stellen sich dazu welche beweisen dafs die
götterhündin eine gemeinsame gestalt der vier bedeutendsten
indogermanischen vÖlker gewesen sei. in einem hymnus an den
Yarnas (RV. Vtl, 6, 15. 16) werden nämlich zwei ^ieräugige
hunde*, Sarameya's mit namen, genannt, welche seine Wäch-
ter sind {raxitärau) und als seine holen zu den sterblichen
gehen (yamasya dütau iarato gafid/i a/n/). Särameyas,ist
nun aber ein patronymicum oder vielmehr ein metronvmicum
von Saramä, sie müfsen deshalb söhne derselben sein, worü-
ber die scholien, welche mir zu diesem theile des Rigvedas
nicht zu geböte stehen, sichere auskunfl geben werden ; doch
w:eist auch schon eine spätere nachricht im Mahäbhärata b. 1
s. 23 ff. darüber aus, wo erzählt wird wie Särameyas, als er
zum opfer des Ganamegayas gekommen sei, von den brüdern
desselben geschlagen wurde, weshalb seine mutter Saramä,
als er es ihr heulend geklagt, den Ganamegayas verflucht habe.
ob dieser Särameyas einer von jenen beiden sei oder ob Sa-
ramä noch mehrere söhne gehabt habe mufs vorläufig dahin-
* särameyau c.vdnau cafuraxau cahalau, die Saraineya's, die vier-
äugigen hunde. was cahalau sei weifs icli nicht; ist es aus cam heil
und hala kraft zusammengesetzt, so würen es die heiikraftigeu.
126 ZUR MYTHOLOGIE.
gestellt bleiben und ist auch gleicligiltig-, nun finden sich aber
RV. V, 4, 21. 22 zwei hyninen an den Vastospalis, oder
Schützer des hauses, in denen der name Särameyas abermals
wiederkehrt, den ersten derselben hat Colebrooke bereits
mitgetheilt (Mise. ess. s. 30. 31); von dem zweiten bemerkt
er 'the legend belonging to the second of these hymus is Sin-
gular : Vasishtha Coming at night to the house of \'aruna
(with the intention of sleeping there, say some; but as olhers
affirm, with the design of stealing grain to appease bis hun-
ger after a fast of three days) was assailed by the house-
dog. he uttered this prayer or incantation to lay asleep the
dog, who was barking at him and attempting to bite him.'
in dem hymnus finde ich keine andeutung auf den \ arunas
und wir müfsen deshalb erst eine vollständigere Veröffentli-
chung der vedischen denkmäler abwarten um darüber entschei-
den zu können ob er wirklich mit dem angegebenen mythus
in Zusammenhang stehe; die möglichkeit eines solchen könnte
man jedoch im voraus zugeben, da \ arunas in den \'eden
einmal mit dem ihm auch im namen gleichstehenden ()t-(ju-
vög, dann aber auch mit dem die erde umfliefsenden 'Siy.ruvö^
zusammenfallt und jenseits desselben der eingang in das reich
des Yamas ist, in die Unterwelt, als deren ihorlüiter demnach
der haushund des Yarunas anzusehen wäre, aufserdein aber
auch im 7n buche des RV . (VH, 6, 15) sich eine stelle findet
wo beide unmittelbar verbunden werden : es wird dort dem
lodten zugerufen uöd rägunau svadaijä madantau Yamarn
pacydsi Varunam ca devain, die beiden der opferspeise sich
freuenden könige Y^imas und den glänzenden Yarunas wirst
du erblicken, doch, wie gesagt, in dem liede selbst ist keine
andeufung auf eine solche Verbindung; indess sind noch an-
dere hemerkenswerthe punkle in demselben die eine vollslän-
dige miltheilung noihwendig machen, ich lafse deshalb das-
selbe hier folgen.
1. amivahd västospate n'crd vüpdiuj dcica/i \ sakd suceva
edi nah \\
2. yad orguna Sdramet/a drtah picanga ijacnse j viva brd-
ga/ita rstai/a upa srakve'su bapsato ni su svapa\\
3. steil am rdi/a Sdrameya laskaram vd punahsara \ stotrn
indrasya Vdyasi kirn asmdn diicundynse ni hu svapa ) |
ZUR MYTFIOLOGIE. 127
4 . trani sükarasya dardrhi tava dardavtu sükarah \ stotrn i. u.
5. sastu mdid saslii pitd sastu am sasttt i'icpatili | .sa.sa//lu
sarve g/lutayah sastc ayam abito ganah \\
6. ya aste ijac ca carati yac ca pacyati no ganah \ tesum
sanilia/imo a.väni yatcdain hariiujain tatä^
7. sahasracr/igo vrsabo yah samudrdd uddcarat\ tend saha-
syend vayain ni gaiidnt svdpaydmnsi\\
8. prohtecayd vohyecayd ndrir yds talpacivarih \ striyo
ydh piüiyogandds tdh sarvdh sväpaydmasi\\
1. vernichter der kranklieit, hüler des Iiauses, der du alle
gestalten annimmst, sei uns ein heilbringender freund.
2. wenn du, o glänzender, rothbrauner Särameyas, dich gür-
test, stralen gewallig die waffen über der rüstung (?),
die leuchtenden, sclilummre ein.
3. den rJiubcr belle an, Särameyas, oder den dieb, du hin
und wieder laufender (?). was bellst du gegen die
Sänger des ludras, was bist du zornig gegen uns?
schlumnire ein.
4. du zerreifse das seh wein, dich zerreifse das schwein. was
bellst du u. s. w.
5. es schlafe die mutier, es schlafe der vater, schlafe der
hund, schlafe der herr des Stammes; die ganze familie
schlafe ; es schlafe überall jedermann,
6. wer da sitzt und wer da wandelt, und welcher mann uns
anblickt; ihre äugen schliefsen wir, wie dieses haus.
7. der tausendhörnige stier, der aus dem meere herbeikam,
mit ihm dem starken bringen wir in Schlummer die men-
schen.
8. die bei den ochsen schlafenden und die bei den wagen
schlafenden, die frauen die auf dem bett liegen, die rein-
lich duftenden, sie alle bringen wir in Schlummer.
Es kann wohl keinem zweifei unterliegen dafs der in die-
sem liede angerufene Särameyas der gott des schlafes ist,
der zu gleicher zeit als hüter des hauses und bewahrer vor
krankheit erscheint ; in dem andern von Colebrooke mitge-
theilten liede erscheint er zugleich als erhalter und mehrer
des reichlhums an kühen und pferden und wird gebeten gnä-
dig zu sein wie ein vater gegen seine söhne, für den an-
dern Särameyas halte ich den genius des todes, da dieser ja
128 ZUR MYTHOLOGIE.
bekanntlich auch sonst als bruder des schlafes auftritt ; au-
fserdem wird aber dem Mrtyus oder tode auch vom Yaskas
Nir. XI, 6 dasselbe dunkle beiwort cabaluxa, welches an der
oben angeführten stelle dem Särameyas gegeben wird, bei-
gelegt.
Nehmen wir diese züge zusammen und betrachten den
namen, so ergiebt sich die augenscheinliche identität der Sä-
rameyas mit dem Hermes, denn 'Uouf]g ist erst aus 'Eouflag
entstanden, und dies stimmt fast genau mit Sdramef/as ; der
accent hat zunächst die ausstofsung des a der zweiten silbe
bewirkt, diese hat die Verkürzung des ä der ersten nach sich
gezogen, und sanskrit-.y im anlaut findet sich bekanntlich im
griechischen häufig durch den spiritus asper vertreten. Her-
mes tritt nun aber ganz wie Särameyas als Schützer der Woh-
nung auf (Spanheim zu Callim. hymn. in Dian. 142. 'jEout^:^
n()07iv)Mto^'), als golt des Schlafes, der die träume sendet, als
Seelenführer (vergl. die belege in Jacobis myth. wörterb.
s. 439 f.). jedenfalls wird auch in dem mythus über die ent-
führung der von Apollon geweideten götterkühe durch Her-
mes eine ursprüngliche übcreinstinimuug mit uiiscrm mythus
von dem raub der götterkühe und ihrer aufsuchung durch die
Sarama, des Hermeias multer, gewesen sein, der ursprüng-
lichen fafsung derselben, wie sie ofl'enbar in der indischen-
mythologie vorliegt, stehen die sagen von Herakles uml Ge-
rvones, sowie namentlich jene römische von Hercules oder
Recaranus und Cacus noch näiicr (vergl. Härtung myth. der
Römer 1,21 ff., der bereits richtig, ohne die indische sage
zu kennen, im Recaranus den Jupiter erkannt hat) 5 schon
Rosen hat in den anmerkungen zu h. 6, 5 auf die grofse
Übereinstimmung der indischen und römischen sage aufmerk-
sam gemacht, die sich sogar auf einzelheitcn erstreckt, wie
z. b. die dafs die kühe ihren aufenthalt durch gebrüU verra-
then (s. oben die drille fafsung des scholiasleu zu Rigvedas
III, 2, 5); ein zug der nicht etwa erst in späterer zeit hin-
zu gekommen ist, sondern bereits in dem hymnus selbst vor-
kommt, wo es §. 6 V. 1 heifst acd rai'a?/i pralamu gdnati
gut, herzu gieng sie zuerst das gebrüU verneiimend. diese
bis in das einzelne gehenden übereinslimmungen zeigen dafs
Griechen und Römer den indischen mvlhus vom raub uiul von
ZUR MYTHOLOGIE. 129
(1er zuriickfnlining der gölterkülie gleichfalls ursprünglich ge-
habt haben und ihn auch noch später, wenn auch mit man-
chen entstellungen, bewahrten, des hundes geschieht bei bei-
den keine erwähnung; allein die identität des Särameyas
mit dem Hermeias zeigt dafs ihn die Griechen ebenfalls ein-
mal gekannt haben miifsen, und es ist leicht denkbar dafs
Kerberos, vielleicht zuerst ein beiwort des Hermes (jene Sa-
rameya's heifsen nämlich auch patiraxi, die den pfad zum
Vamas bewachenden), bei der eigenlhiimlich hellenischen aus-
bildung der griechischen götter als eine besondere gestalt neben
diesem stehen blieb, dazu kommt dafs die Griechen indem ägypti-
schen Thot, der mit einem hundskopfe erscheint, ihren Her-
mes zu erkennen glaubten, und so möchte vielleicht nicht
unwahrscheinlich sein d;ifs auch vom Hermes in älterer zeit
abbildungen mit einem hundskopfe oder ähnlichen vom hunde
hergenommenen attributen vorhanden waren, aber auch bei
den Römern finden sich unzweifelhafte spuren von der Sa-
ramä. wir sahen oben dafs ihre beiden söhne als boten, die
Yamas, der gott der unterweit, zu den menschen schickt,
erscheinen, und es zeigte sich dafs der eine der den schlaf,
der andere wahrscheinlich der den tod bringende böte sei.
Yamas herscht aber als gott der unterweit über die Pitar's,
die väter, welche sich den römischen Manen oder Laren voll-
ständig zur Seite stellen, und nun spricht Ovid fast. 2, 615.
5, 137, Cicero de nat. deor. 3, 25, und P. Victor reg. urb.
10 von zwei lares praestites die als Zwillinge in der kapelle
der Laren auf dem Palatium erblickt wurden, der eine von
ihnen stellte einen knaben, der andere einen jüngling vor;
sie waren mit hundefellen bekleidet und halten auch einen
hund zu ihren füfsen auch sie hüteten sowohl die wtfhnun-
gen als auch die slral'sen und kreuzwege, ganz wie Hermes
und Särameyas, und nach einer sage welche Ovid berichtet
waren sie die söhne des Mercurius und der Aegeria (vergl.'
Härtung 1 s. 61), also des gottes der auch nach römischem
glauben die todten mit seiner rute zur unterweit hinabtrieb
und sich so dem indischen Yamas mit seinem stabe {dandas),
der in der epischen poesie besonders fromme menschen selbst
in sein reich hinabholt (Mahabh. III, 16754), zur seite
stellt, diese ovidische nachricht über ihren Ursprung scheint
Z. F. D. A. VI. 9
130 ZUH MYTHOLOGIE.
indess ersl jüngerer zeit zu entstammen, und ihre bekleidung-
mit hundefellon weist jedesfalls auf eine ältere der indischen
fafsung der sage nähere gestalt. Härtung hat die ähn-
lichkeit dieser beiden Lares praestites mit den Dioskuren
hervorgehoben, und es ist eine beachtenswerthe notiz dafs
die Sarvanukramani zu den oben angeführten versen, in wei-
chen die beiden Sarameyas erwähnt werden, sagt dafs die
gottheit des verses welcher urünasau beginnt die beiden
Acvinen seien, die sich den griechischen und römischen Diosku-
ren gleichfalls eng zur seile stellen.
Die bisher zusammengestellten züge machen es unzwei-
felhaft dafs auch in unsern sagen vom umzug Wuotans und
seiner Vertreter die hunde uralt sind und dafs sich nament-
lich jene ins haus laufende hiindin offenbar der Saramä zur
Seite stellt, um so wahrscheinlicher dünkt mich aber auch
die Vermutung dafs dieselbe in der klaren natursymbolik des
mylhus eben so gut ursprünglich ihre noihwendige slelle ge-
habt haben werde wie alles übrige, hierbei ist es nun von
gewicht dafs eine reihe von hymnen im 2n Ashlakam des
UV. mit dem verse cunnm hufemn mngavünam Indram
u. s. w. schliefst und dafs die scholien zu Anukr. III, 8. 9
ferner angeben, Cunah sei ein beiwort des Väyus und Siiryas,
nach einigen auch des Indras. ich halte deshalb cunah für
eine aus den casibus obliquis in den nom. und acc. einge-
drungene schwache form lur cva der hund, zumal auch Wil-
son dem Worte diese bcdeutung giebt, und ich glaube, Indras
sowie der ofl ganz in sein wesen aufgehende Väyus, der gott
des windes, sind wegen ihrer Schnelligkeit unter dem bilde
des hundes gedacht worden, dazu kommt dafs das in dem
oben mitgetheilten hymnus dem Saramevas gegebene beiwort
punalisaras, der hin und wieder laufende, sich wahrschein-
lich in einer stelle der Bnhaddevata 2, 1, 4 findet, wo es heilst
mitras tu crutjate (cod. cryate) devo varunena sahasakrt
I rudreua somah püsnd ca punahsakd ca väyunä. statt
punahsakd wird punahsurac zu lesen sein, woraus sich er-
geben w ürde dafs dieser Punahsaras dem Väyus seinem wesen
nach aufs engste verwandt gewesen, da in der regel nur sol-
che götter einer gemeinsamen anrufung theilhaftig werden,
berücksichtigen wir nun dafs jener Punahsaras eben der hund
ZIR iMVTHOLOGIE. 131
Sjirameyas ist, so ergiebf sich auch in verbiiuliing mit dem
beinamen Cunas für Indras und Vayus noch eine erhöhte
wahrscheinlichkeil dafs sie ebenfalls einst als hunde gedacht
worden seien, umgekehrt aber wird wahrscheinlich dafs die
Saramä ursprünglich der wind sei, was durch ein verwandtes
wort, Sarnnyi/s^ welches wieder luft, wind, heifst, noch mehr
gewicht erhält, die wurzel beider ist sr ire, adire, von der
Saramä durch suff. ind ■=. gr. ft?;* gebildet, während Sara-
nyüs erst ein abgeleitetes wort ist und vom abstr. sarana
mittelst des suff. yu, welches liebend bedeutet, gebildet ist.
Saramä heifst demnach die wandelnde, während Saranyüs
die das wandeln liebende ist ; beides bedeutungen die mit den
dem Väyus oft gegebenen beivvörtern Sadäg-atis, Satatagatis,
der stets wandelnde, augenscheinlich übereinstimmen, wir
dürfen daher wohl mit einiger Zuversicht glauben der Wahr-
heit nicht allzu fern zu stehen, wenn wir die Saramä als den
wind auffafseu.
Nun kehren wir zur deutschen mythologie zurück, wo
sich mancherlei findet das einmal die gewonnene ansieht be-
stätigt, dann aber auch licht durch sie erhält. Grimm hat
es bereits ausgesprochen dafs in dem umzuge des wilden hee-
res nur eine personification des Sturmes gegeben sei, und die
kämpfe des Indras mit den 31aruts, den wind- und sturmgei-
stern, gegen die riesen der tinsternis machen dies unzweifel-
haft, wenn nun auch nicht allein mit dem Wodan, sondern
auch mit den an seine stelle getretenen göttinnen Frick und
Gode immer die hunde erscheinen, und in der in dieser Zeit-
schrift 5, 373 über die Frick mitgelheilten sage von den
mehlfrefsenden hunden ihre gefräfsigkeit deutlich hervortritt,
der wind aber andrerseits als ein hungriges gefräi'siges wesen
erscheint das man ebenfalls mit mehl sättigt, so ist es wohl
klar dafs eben in jenen hunden der wind ursprünglich per-
sonificiert worden ist und dafs, jemehr aus dem ihnen anfangs
gleichen gotte ein gebietender menschlich gestalteter herscher
wurde, um so mehr auch die naturbedeutung der mythen nur
an seinen begleitern, den hunden, haften blieb, ein altmy-
thischer zug scheint es dabei, wenn dem winde das mehl mit
den Worten hingeworfen wird sieh da, wind, koch ein mus
* dem skr. saramd entspricht Renau ÖQ^itj.
9*
132 ZUR MYTHOLOGIE.
für dein kind' (abergl. 282) oder 'leg dich, lieber wind, bring
das deinem kind' (myth. 602). dazu stellt sich ganz das
obige 'Sarania fand speise für ihr kind' mit den dort aus den
scholien beigebrachten sagen, aber es scheint auch fast als
habe bei uns wie bei den Indern die gottheit selber als hund
an der spitze des zuges gestanden; daher möchte sich we-
nigstens am besten der lange schwänz der um Jul an der
spitze des wilden heeres fahrenden Gurorysse (myth. 897),
sowie der schwänz der Huldra (myth. 249), den sie sorgsam
zu verbergen sucht, erklären. unwillkürlich wird man bei
der sage von der Saramä und dem Indras an das myth. 633
mitgetheilte angelsächsische saga me heile man erost vivre
cid hund sprecendo't — ic pc secge, sanctus Petri/s, erin-
nert, da Petrus meistens an Wuotans stelle getreten ist und
man z. b. im Saterland das in der Altmark f^e7'-Godendeel
genannte roggenopfer bei der ernte Peterbült nennt ; auch
werden dem Odinn bereits in der älteren Kdda hunde beige-
legt (myth. 633). — auf die beziehungen in welchen Sara-
mä durch ihre söhne zum todesgotte steht, scheint es ferner
zu deuten, wenn die einkehr des hundes in ein haus krank-
heit und sterben über menschen und vieh bringt: ebenso heilst
es vom winde der in der neujahrsnachl weht, dafs er pest
bedeute (myth. 330), und liundegeheul bedeutet tod oder feuer,
die hunde merken die umgehende Hei (myth. 633); auch jener
einkehrende hund bringt feuersgefahr über das haus, und dies
steht alles mit dem gotte der Unterwelt in nächster beziehung,
denn der indische Vamas ist ursprünglich dem feuergott Agnis
gleich (Rigv. 1 h. 66, 4), offenbar weil dem feuer der todte
körper übergeben wird, wenn wir aber schon so in dem mit
dem wilden beer fahrenden hunde jene indische Saramä er-
kennen und auch Indras und die 3Iaruls dem ^^ odan nebst
seinem gefolge gleichstehen, ferner auch die zeit zu welcher
jener umzug gedacht wurde übereinzustimmen scheint, so ist
es auch wahrscheinlich dafs der zweck um dessen willen In-
dras jenen zug unternimmt uusern vorfahren ebenfalls bekannt
gewesen sei, obgleich, so viel ich weifs, kein älterer mythus
jener geraubten kühe erwähnung thut. eine schwache erin-
nerung daran scheint mir aber in einer hannoverschen sage
zu liegen, welche folgendes erzählt, in Ostenholz befindet
ZUR MYTHOLOGIE. 133
sich ein haus welches das Heihaus heifsl. da soll in alter
zeit einmal am Christabend eine jagd gehalten worden sein •
und der söhn des wirtes, der ein reh verfolgte, hat gesagt,
wenn er das schöfse, wolle er ewig alle Christabend jagen,
da hat crs erlegl : aber als er gestorben, hat er nun immer
inn die besagte zeit jagen miil'sen, und das ist der Hefjäger.
jedesmal aber haben die bewohner dieses hauses am Christ-
abend eine kuh hinauslafsen miifsen, und sobald sie draufsen
war, ist sie fort gewesen ; man hat es aber stets vorher wi-
fsen können, welches stück der herde die reihe treffen würde,
denn das hat sich, wenn es zum Michaelis- oder Martinstag
kam, zusehends vernommen, und ist so glatt und rund ge-
worden wie kein anderes im stall. — von demselben hause
erzählen nun auch andere dal's man einmal am Christabend
die thür zu schliefsen vergefsen habe und dal's da des Hei-
jägers hund hineingelaufen sei und bis zum nächsten jähre
am herd gelegen und sich dort nur von aschc genährt habe;
nach Jahresfrist, als der Heijäger wieder vorübergezogen, sei
er auf und wieder mit davon gegangen. — beide sagen schei-
nen ursprünglich mit einander in Verbindung zu stehen, so
dafs die letzte der ersten vorangieng und dieser der eingang
fehlte ; in diesem falle würde man wohl kaum anstehen hier
eine directe erinnerung an den alten mythus anzuerkennen,
vielleicht lafsen sich noch andere Versionen der sage auffin-
den, die den vermuteten Zusammenhang zeigen.
Zum schlufs will ich noch einen zug des indischen my-
thus besprechen der vielleicht von dem deutschen alterthum
aus seine erklärung erhält, wir sahen oben dafs Valas die
kühe raubte und zu hütern derselben die Panis bestellt hatte,
von denen Saramä deshalb den ihnen anvertrauten schätz
{nidi steht ausdrücklich in dem angeführten liede des achten
buches) verlangte ; an anderen stellen tritt dagegen Panis di-
rect an die stelle des Valas. wenn nun die in dem mythus
auftretenden eigennamen, wie wir sahen, eine bedeutung zeig-
ten die in unmittelbarer beziehung zu demselben stand, so ist
dies doch mit Panis nicht der fall, die diesem worte RV. I,
33, 3, Nir, VI, 26 gegebene bedeutung 'mercator', nach wel-
cher es auf die wurzel pa?t kaufen, gewinn ziehen, mit dem
Würfel spielen, zurückgeführt wird, kann hier durchaus nicht
134 GLUCKSKAD UND GLICKSKIGEL.
genügen ; dagegen bietet das gothische fani, altn. fen, uhd,
J'enn, der sumpf, erwünschten aufschlufs und stellt sich genau
dazu, da das linguale ti erst eine herabsinkung des dentalen
71 ist und das skr, mmii mit demselben n genau dem deut-
schen mani niene entspricht, weshalb auch RV. I, 33, 8
hiranyena maninä cMinbamäimh statt mit ' von gold und edel-
stein glänzend' durch 'von goldenem geschmeide glänzend'
zu übersetzen sein wird, aul'serdem hat das sanskrit noch
das wort panka der sumpf, welches ebenfalls auf ein älteres
jtani mit suff. ka zurückzuführen scheint, danach wären denn
die Pa//f''s die sümpfe welche die von Valas entführten wöl-
ken oder kühe bewachen und der ganze niythus beruhte auf
der naturanschauung der auf den sümpfen lastenden iiebel,
die vom winde als wölken fortgetrieben werden, worauf dann
das Sonnenlicht der erde wiedergegeben wird, ist diese Ver-
mutung gegründet, so findet daher auch das fanigold nebst
der Fetija (die mühle die gold mahlt steht ja auf dem gründe
des meeres), mylh. 498, sowie der Nibehingeshort, mjlh.
9301"., als der schätz welchen des nebeis söhn hütet, seine
erklärung, und auch die mannigfachen sagen von drachen,
die in sümpfen lagernd schätze hüten, gewinnen dadurch lichl,
da, wie wir sahen, wieder \'alas und Vntras in einander
übergehen und der letztere als licht und wafser entführender
drache dai-gestelll wird.
IJerlin im februar 1847. A. KUHN.
DAS GLÜCKSRAD UJND DIE KUGEL DES
GLÜCKS.
Die bildende kunsl und die dichtkunst der antiken well
geben den gotlheiten des geschickes, der Tyche, der Fortuna,
der Nemesis, als symhol ein rad bei oder auch eine kugel:
in bildwerken liegen diese neben den füfsen der göttin, oder
ihr unter den füfsen und sie schwebt darauf, oder die kugel
ihr auch auf dem haupte, vergl. Otfr. 31üllers archäol. d.
kunst 398, 2 und Paulys realencycl. d. alterlhumsw. 3, 511 :
dichter und redner, wie es scheint jedoch erst der späteren
zeit, fügen dazu noch die andere Vorstellung dafs Fortuna die
GLllCKSRAD UND GLICKSKI GEL. 135
jncnsclien auf ihr rad setze und sie mit dessen umscliwung
auf und nieder steigen lafse: anschaulich genug, aber doch
von der bildenden kunst aus Schönheitssinne verschmäht, es
sagt also, um jede der beiden auffafsungen mit einer schrift-
stelle zu belegen, Tibull 1, 5, 70 ve?'satur ccleri Fors levis
orbe rotae und Boelhius de consol. phil. 2 pr. 2 rotam vo-
lubili ovbe rei^samus (ich die Fortuna) ; infima sinnmis, sum-
ma iiifunis mutarc gaudemus. nsccndc, si placet, sed ea
lege uti ite, cum ludicri mei ratio poscet, descendere
iniuriam putes. noch andere slellen in Jac. Grimms my-
Ihol. 825.
Die Vorstellung von einem rade des gliickes pflanzte sich
aus der antiken weit in die mittelalterliche fort; sie gehörte
da in kunst und dichtung zu den beliebtesten : ihre entleh-
nung aber aus einer fremden vorzeit * giebt sich besonders da-
durch zu erkennen dafs unsre dichter hiebei nur selten den
heimischen eigeunamen des gliickes, das wort swlde, gebrau-
chen, gewöhnlicher das leblose abslractum glück, wo nicht
gar das lateinische Fortuna, und dafs ihnen selbst nicht im-
mer klar zu sein scheint ob sie das rad von der göttin rol-
lend umgetrieben oder gar das glück selber sich in radform
denken sollen: die auf und mit dem rade schwebende Fortuna
kommt jetzt nicht mehr vor. orbita Fortiatae ducit utrogue
rotam Reinard. 1, 1494. daz stät an gelückes rade: eist
als lihte guot als schade Freidank 110, 17. wolde gliickes
rat vf minen gwin sich schiben Müller 3, XLIV''. so vilrhte
ich daz gelückes rat noch vor dem riche stille ste br.
VVernher vdHag. MS. 2, 229^ solhiu stücke diu im ge-
lückes rat da künde loalzea Titurel 3918. innerhalp den
landen kan uns gelücke riden daz rat zuo beiden handen
^1^1 . also daz uns gelückes rat, ob got wil, loufct su-
mer und die winder Lohengrin 119. als sich zuo unsem
* die miihle die dem könige Frodhi gold und frieden mahlt (my-
tliol. 498. 827. 1227, vergl. die kriegsmühle der Araber ia Rückerts
Haniasa 1, 5. 49) kann hier nicht in belracht kommen, da man sich
dieselbe noch ohne rad mufs getrieben denken, ebenso wird die et-
wanige annähme eines rades der spinnenden schicksalsgöttinnen dadurch
unmöglich dafs es Spinnräder erst seit dem 15n jh. giebt; weshalb
auch Berlha den breiten fufs anderswoher haben mufs als vom treten
des Spinnrades.
136 GLUCKSRAD UND GLUCKSKUGEL.
heile keret ouch des gl'dckes rat an einer anderen stat
Passional 32, 62. das glücksrad uirds wol Scheiben dnfs
es wird alles gut lied v. 1525, Sclmieller bair. wb. 3, 307.
und das glück selber rund genannt, geläcke ist sinewel Wolfr.
Wilh. 246, 28. Heinr. kröne 129. salde diu ist sinewel
und walzet umbe als ein rat üb. weib 242. der beider hoch
geläcke was wunderlich gewalzet in ein su krankez stücke
Titurel 1445. geläcke daz gel wunderlichen an unt übe Gottfr.
vdH. MS. 2, 277'\ mit hereinziehung derselben sentenz des
Publius Syrus die weiterhin auch Gottfried benutzt hat (foi^-
tuna vitrea est: turn, cum splendet, frangitur : daz glesin
glücke u. s. w. 278^) das gelucke rade gelichet sich dem
gelase: so du sunne aller luter liehest derdur schinet, so
cerspringet es aller schierest Basier hs. B IX. 15, bl. 22 F.
auf Marien übertragen, du heiles und geläckes rat vdH.
MS. 2, 268\ sprichwörtlich abgekürzt waz danne? ez muoz
nu walzen Titurel 3658. vergl. die jetzt noch übliche rc-
densart das rädlein laufen laj'scn d. h. es gehen lalsen wie
es geht, unbekümmert sein (Schmeller 3, 47).
Mit besonderer vorliebc aber ergrilF man jenes bild von
den auf das glücksrad gesetzten oder gestiegenen und mit ihm
auf und ab geführten menschen : das fiel mehr und abenteuer-
licher in die sinne, und war zudem durch den Vorgang eines
allgelesenen Schriftstellers wie Boethius empfohlen (in Notkers
Übersetzung 42 f. 45 Graff). Fortuna di ist so getan: ir
schibe Idzet si umbe gän; si hilfit den armen so si wile:
den riehen hat si ze spile ; umbe loufet ir rat: dicke vel-
let der dd vaste saz Lamprechts Alex. 99'' Mafsm. we,
geläckes rat! wenne sol ich mine stat uf dir linden! Nith.
Ben. 1 , 5. geläckes rat hat in den pfat geleret so daz er
sol ho dar uj'e sweben mit frUuden leben vdHag. MS. 1, 20.
sie vuoren üf geläckes rade Flore 845. sie waren höhe
gestigen vf des geläckes rat: 7m mäezen sie von der stat
aber, nider rucken 6148. lig ich under, er lig obe an der
swlekeite rade Heinr. kröne 60. er ist komen iif geläckes
rat: daz muoz im iemer stille sten Georg 3^ nu stehet
dir des gläckes rat undo setzet dich enbor, also ez tete
hie vor den mitten Alexander 24*". daz in Fortuna brüht
zem höhsten sitze uf gläckes rat. die Irnge stuont im
GLÜCKSRAD UND GLÜCKSKLGEL. 137
duz nngfhalzet Til. 122. 123. enmitten üf gcl'dckes rade
nu ride dich diu scelde und nimmer dir geioalze 2417.
got werfe in von getückes rat, der sich busheil iinderstdt
liol. cod. 74. ausführlicher und zu einem ganzen spruch er-
weitert bei Keinmar von Zweier vdH. 2, igS**. 3, 69r.
Geläckes rat ist sinewel.
im laufet maneger nach : doch ist ez vor im gar ze snel,
und Idt sich doch erlaufen williclich den ez betriegen wil.
swer stiget lif geläckes rat,
der darf wol guoter sinne wier behalte glückes stat,
deiz ander im iht wenk, waud ir daz rat hin ab im
zücket vil.
die müezen danne sigen mit unwerde,
wand si mit schänden ligcnt üf der erde.
"elücke wenket unbesar<>et.
o o
ez git vil manegem e der zit,
und nimt hin wider waz ez git.
ez toeret den dem ez ze vil geborget* .
Besonders noch hervorzuheben sind solche stellen welche
die anschauung entweder ausdrücklich als eine sprichwörtlich
überliel'erte bezeichnen: tot si com oeis conteir de Fortune
ke a son tor inet Vun en bais, Vautre desor, puet ma dame
de moi Jueir altfr. lieder s. 50. qui plus haut morte qu'il
ne doit, de plus haut chiet qu'il ne voudroit : par main-
tes foiz Vai oi dire la roe de Fortune, Jongleurs et trou-
v^res par Jubinal 177. ich hain vil ducke hören sagen
'geluckes rait gcit up ind neder; ein velt, der ander sti-
git weder' Hagens reimchr. v. Köln. 1769 ; oder ein beweis
der sprichwörllichkeit dadurch sind dafs sie ohne die Fortuna,
ja selbst ohne das rad zu nennen doch auf jene auschauung
sich beziehen, dieselbe mithin als allen bekannt voraussetzen.
tost monte uns hom comme amiraus, et tost rechiet comme
orinaus; tost a changie cire por siu; com plus fui en la
i'oe haus, et foi fet toz mes enviaus, lors me covint pardre
le gilt Jehan Bodel bei Barbazan u. Meon, conles 1, 139.
* die letzten vier verse nach Gottfried von Strafsburg: ez wenket
da man es niht wol besorget, swen ez beswcereri wil, dem git ez e
der zit, und nimt ouch wider e der zit swaz ez gegit. ez tumbet
den swem ez ze vil geborget vdH. MS. 2, 277''.
138 GLICKSRAD l >D GLLCKSKLGEL.
so stige ich üf und ninder abe Parz. 9, 22. weitere belege
in Grimms mythol. 826.
Es blieb jedoch das gliicicsrad nicht so innerhalb der
poetischen spräche als blofser redeschmuck und tropus stehn :
es trat auch, und zwar eben dieses von menschen erklom-
mene und die menschen wiederum abwerfende, in die leben-
dige sage über: vergl. die erzählung von den zwölf lands-
knechten welche der teufel unter der Vorspiegelung, sie wür-
den dann weissagen und schätze graben lernen, auf ein
glücksrad lockt und sie damit umdreht zwölf stunden lang
zwischen wafser und feuer, bis er einen der zahl durch die
flammen mit sich führt (sagen der br. Grimm 1, 286 f.) und
die andre damit eng verwandte von den zwölf Johansen die
auf einer glücksscheibe durch die lande fahren und alles er-
kunden was in der ganzen weit geschieht*, von denen aber
auch der teufel alljährlich einen hinunterfallen läfst (ebenda
437); es trat in die sinnlich anschauliche darstellung auf der
bühne: vergl. das altfr. Adamsspiel (thealrc fran^ais au moyen
äge par Monmerque et Michel 82. 83), wo mit einer dem
mittelalter sonst ungeläufigen auffafsung Fortuna (ekele que
le roe tie/it) blind genannt wird, stumm taub und geblendet
{muiele soitrde et avulee) ; es trat endlich, häutiger noch
und schon früher und fort bis über das mittelalter, auch in
die bildende kunst ein.
Tafelgemälde dieser arl kenne icli selber nicht, wohl
aber durch freundliche mitlheilung solch eine mosaik im dome
von Perugia ; häufiger sind die Zeichnungen in handschriften
und holzschnitte in allgedrucklen biichern. so aus dem zwölf-
ten jh. im Hortus deliciarum der Herrad von Laudsberg, wo
auf dem blatte welches in allerhand bildern die Vanitas va-
nitatum veranschaulicht auch Fortuna erscheint mit ihrem rade
das königc auf und ab wälzt, sitzen und stürzen läfst; dazu
lateinische verse (Engelhardi 44. 160). eben eine solche dar-
stellung aus dem vierzehnten in der Berliner Tristanhand-
* die sage bezeichnet sie als deutsche schüler, die jedoch im dienst
eines fränkischen d. h. wohl eines königs von Frankreich, stehn. vergl.
ackermann v. Böheim cap. 18 da du zu Paris auf das glücksrad .va-
fscsf, auf den händen tanztest, in der schwarzen kunst lerntest und
bann lest die teufel in ein seltsam glas.
GLUCKSRAD l Nu CLICKSKLGEL. 139
sclirilt; ein holzschnilt des rünfzehnteu zeigt mit der iiiiter-
schrill Rota uite quo. fovtuna uocatur das rad umgeben von
den acht lebensaltern, dem kind in der wiege und so fort bis
zum sarge (Aufsefs, anz. 1, 253)'. schon hier ist das rocht
einer freien Weiterbildung geübt: noch freiere und zwar sa-
tirische, wenn ein holzschnitt im narrenschiff Seb. Brants
(Basler ausg. 1495. f vj r\v. und i iiij rw. vergl. den texl
dazu in StrobeJs ausg. 143 f.) an dem rade das eine aus den
wölken reichende band umtreibt menschen mit eselsköpfen
auf und nieder steigen läfst, und in den Zeichnungen die dem
schlufsabschnitte des Kenart le nouvel beigegeben sind (die
hss. sämtlich noch vom ende des 13n jh.) hoch oben auf dem
rade meister Reinhard thront und ilim zu den seilen der Hoch-
mut und der Trug (le roman du Kenarl par 31eon J , X ; der
text dazu 4, 459 — 461).
Namentlich aber wüsten die baumeister das gliicksrad
gut zu bildhauerischem schmucke zu verwenden und brauch-
ten es öfter als einfafsung der runden giebelfenster über den
portalen ihrer kirchen. so hier in Basel an dem älteren, nooh
romanischen theile des münsters : das rad ist sechzehnspei-
chig; in dem mittleren kreise, welcher die nahe bezeichnet,
steht jetzt unser ßaselstab : ursprünglich wird ihn etwas an-
deres ausgefüllt haben; der äufsere reif trägt zehn figuren,
links vier emporklimmende, zu oberst sitzend und gekrönt ein
könig, rechts wiederum vier fallende, unten endlich einen
ganz erlegnen. ** ein ebenso angebrachtes rad an der cathe-
drale Aon Chartres, dessen ferligung man gleichfalls in das
12e jh. setzt, vertauscht bedeutungsvoll die irdischen und ir-
disch gesinnten menschen gegen Christum und seine heiligen :
jener steht über der nahe als dem unbeweglich festen mittel-
punkte; diese, gleichfalls noch innerhalb des kranzes, stehn
oder ruhen ihm zur seite und zu füfsen (histoire de dien par
'■'■'- die späterhin uud jetzt noch übliche darstellung, nach welcher
die lebensalter pyramidalisch auf und ab gestuft sind, mag erst eine
abünderung jener alteren kreisförmigen sein.
=^" das aussehen der figuren erlaubt es nicht auch hier etwa an die
lebensalter zu denken : die zahl würde sehr wohl dazu stimmen. So-
Ion 14 unterscheidet ihrer zehn von je sieben jähren, und die sieben-
jährigen Perioden sind auch in Deutschland älter uud echter als die
zehnjährigen.
140 GLUCKSRAD UND GLUCKSKUGEL.
Didron 119J. eia dem ähnliches bild der Verklärung Christi
hat die bronzethür von s. Paul in Rom, welche noch älter
schon aus dem eilften Jahrhundert herrührt (d'Agincourt, scult.
tav. 13. 14).
Den anstoFs zu diesen und dergleichen darstellungen hatte
die spräche der dichter und nicht etwa der Vorgang antiker
bildnerei gegeben : natürlich blieb die rückwirkung auf die
poesie nicht aus : es klingt wie die beschreibung eines jener
kirchenfenster oder sonstiger bilder, wenn wiederholendlich
nun auch von dichtem die am glücksrad schwebenden perso-
nen in bestimmterer anschaulicherer weise gezählt und ver-
theilt werden, solche stellen sind bei meister Sigeher Ge-
lückes rat daz treit vier man : der eine stiget vf, dpr an-
der stigel abe, der dritte ist ohe, der vierde ist under
vdIL MS. 2, 362\ bei Johans von Rinkenberg Gelürkes
rat niht stille stdt : vrou Saide diu ez tribet daz erzeiget
hat an vieren die da woncnt bi daz ez wol umbe laufet
zaller stunt. dem örsten gut uf an deni guot, der ander
der hat vollen schrin und riehen muot, dem dritten swint
Sin richeit abe, dem vierden ganz armuot ist worden kunt
MS. 2, 3401'. im Renner 195" Geliicke daz ist sinewel und
blibel niht a?i einer stat: des triuget mangen man sin rat.
einr stigt : den ivil ez machen i'ithen ; der nid er sigt, dem
wilz entwichen; jener sitzet: wer könd im geliehen? dirr
muoz in d'aschen j'wmerlichen*. ditz rat betriuget uns
alsiis : wan ez ist wilder danne ein Jus. wart ich sin hie,
SU ist ez dort; hiur rinde ich niht da vert lac hört, ez
gaukelt mit uns allen: die nu vil ho hie schallen, swenn
ez beginnet vallen, der honic wirt ze gallen. Lorenz von
Medici iu einem sonetto semiletterato (Crescimbeni, Tistoria
della volgar poesia 1, 364. V^en. 1731) knüpft seine Schilde-
rung ausdrücklich an ein vorliegendes bild.
Amico, mira ben questa figura,
et in arcano mentis reponatur,
* als aschman (Hartm, Greg;. 2866) und wie der eschengrüdel
oder aschenpöfsel oder aschenbrödel des märcheos (br. Grimm 3, 38 f.)?
vergl. jedocli 248" so sprichet gol ' widr in die. aschen von der ir alle
Sit bekomen, rieh und arm, btrsc mit den /romen.''
GLUCKSRAD UND GLL'CKSKÜGEL. 141
tit magniis i/ide fructiis oxtrahatnr
considerntuh) hon la sua natura,
amico, questa c ruola di ve7itura,
que in eodem statu non firmatur,
sed casibus aversis variatur,
e quäl abbassa e quäl pone in altura.
mira che Vuno in cima e gia montato,
et alter est ea^positus ruine,
e'l terzo e in fondo cPogni ben privato;
quartus ascendit iam, nee quisque sine
ragion di quel che oprando ha meritato
secundum legis ordineni dii'ine.
namentllcli aber kommt hier Konrad von Würzburg in be-
tracht. er hatte in Basel, wo er lebte, an der kirche wo
er sich sein begräbnis erlesen* täglich solch ein bild vor äu-
gen : da wird es kaum ein zufall sein dafs er häufiger als
irgend ein anderer dichter, wenn man nur den des jüngeren
Titurel ausnimmt, vom glücksrade spricht, blol's in dem ge-
druckten theile des Trojanerkriegs nicht weniger als viermal.
Ja walzet ir (der Sajide) gelückes rat vil sUeteclich uf
unde nider ; her unde hin, dan unde wider lovfet ez 2349.
im dienet des gelückes rat, daz im nach eren umbe lief
7229. daz im der stclekeite rat mit willen umbe lief 9471.
swer hiute sitzet üfmc rade, der sitzet morgen drnnder
18395; dann auch in seinem ersten leiche hilf uns von dem
wäge unreine klebender sünden zuome Stade, daz uns iht
ir agetsteine ziehen eon gelückes rade vdH. MS. 2, 311.
eben so scheint ein abschnitt des Wigalois, in welchem gar
ein goldenes glücksrad beschrieben wird, auf den wirklich
vorhergegangenen anblick eines mechanischen kunstwerkes hin-
zudeuten, mag auch der dichter seiner art gemäfs das gese-
hene romanhaft überbieten; die stelle lautet 103Gff. üf des
küneges veste was daz aller beste werc, von rotem golde
* vergl. die stelle des über vitae eccl. Basil. iii Hahns vorrede
zu Otte m. d. harte 10. da dieser über vitae ein jalirzeitenbuch des
münsters ist, so kann das latus b. Mariae Magdalenae in welchem
Konrad begraben sei nicht nach der ausiegung Mones die abseile des
Marien-Magdalenenklosters, sondern nur die seitencapelie des Münsters
meinen die jener heiligen geweiht war.
142 GLÜCKSRAD ITVD GLUCKSKI GEL.
gegozzen als er wolJe, ein rat eninitten üf dem sah ilaz
gie üf und ze tal. da vmren bilde gegozzen an, i'^glichez
geschaffen als ein man ; hie sigen die mit dem rade nider,
so stigen die andern iif ivider ; sus gie ez umhe an der
stat. daz ivas des geläckes rat. ez hete ein pfaffe ge-
meistert dar. von rotem golde was es gar. ez bezeichent
daz dem wirte nie an deheinem dinge missegie ; iran daz
gelücke volgte im ic : also in dankbarer Zuversicht auf den
bestand des glückes. der ihm selbst geworden, hatte er den
sonstigen unbestand künstlerisch darsteilen lal'seu. die reichste
aber und anschaulichst belebte, die ausführlichste ausführung
des bildes findet sich in einer von 1444 bis 1450 verfafsten
schritt Felix Hemmerlins von Zürich, seinem dialogus de no-
bilitate et ruslicitate cap. 21. wer sich begnügend mit dem
was ihm beschieden in der festen mitte des rades stehen
bleibe, der stehe selbst auch fest; wer jedoch darüber hinaus
auf die Speichen und nach dem umkreis strebe, der werde,
je weiter er gelange, desto heftiger von dem schwingenden
rad mit umgeschwungen, stehe bald oben auf der höhe alles
stolzes, liege bald unten im abgrund alles elends. es wird
das an beispielen nachgewiesen aus der Zeitgeschichte des adels
umher und der stadt Basel ; aufserdem sucht sich der spre-
chende seinem zuiiörer durch eine Zeichnung noch verständ-
licher zu machen: der alte druck bl. 67 vw. giebt sie in ro-
her nachbildung wieder, da aber jenes streben und steigen
und stürzen immer nur durch göttliches Verhängnis geschehe
und nicht durch blinden zufall (vergl. oben Lorenzo di Me-
dici). so nennt Hemmerlin dies sein rad nicht wie die andern
rota fortunao, sondern rola fatalis ; auch thut er sich nach
biblischer begründung des ganzen bildes um und citiert zu
dem behuf eine reihe von psalmiston- und prophetenslelleu
wo gleichfalls in bedeutsamer weise von rädern gesprochen
wird.
Also das rad ein sinnbild des glückes und gewiss schon
für sich ein durch natürlichkeit bestens zutrelTendes. aber da-
mit begnügte sich das in symbolischen combinationen uner-
schöpfliche mittelalter nicht, man brachte, da ja das glück
die weit regiert, das rad des glückes auch noch in bezug auf
den kreislauf und die Wechsel in dem grofsen überirdischen
GLÜCKSRAD UND GLICKSKÜGEL. 143
Weltall;* und wie man sonst schon gewohnt war die wan-
delbarkeit des gliiekes mit den mondphasen zu vergleichen {ein
glücke, cid heil, nu hast du mir daz swnrze teil allenthal-
ben zuo gekalbt; mir sint die wizen wege verspart dd ich
wilen ane gienc. — mich blendet finster nisse i die trüeben
zit ich meine, nu bin ich leider eine: dö ich hete der scel-
den schin, do tvas al diu werlt min Herbort \11^)^ ja als
abhängig davon zu betrachten (Schmeller 4, 22. Grimms my-
thol. 671 ff.), so nun auch das glücksrad dem rade des mon-
des * * : so sprichet ein meister denne deti ich ivol erkenne
'est rota fortunae variabilis ut rota lunae : crescit, de-
crescit, in eodem sistere nesciC diz sprichet 'glücke ist
sinetvel, ez ist ze icenkenne snel ; ist ez ieze in der hant,
ez ist balde in ein ander Innt der Minne lehre 1989ft'.
aus solcher Zusammenstellung des glucks und des nioudenlau-
fes erklärt sich wie das wort lune, das erstlich seinem Ur-
sprünge gemäfs der mond (Georg 4844, vergl. 5226), dann
die mondphasen (Berthold 302. ahd. niuuilune neomenia
Graffs sprachsch. 2, Uli), sodann jegliche constellation be-
zeichnet (Strickers Karl IT. Georg 2118. 4337), wie die-
ses wort nun mit dem namen des glucks geradezu in einen
ausdruck verbunden, wie es sogar für sich allein im sinne
von glück konnte gesetzt werden: der Salden lüne Til.
1008. 2'i94. 41501". 5773. diu scelderirh Fortune und ir
gelückes liine hat an im gewelzet Martina 218''. diu lune
diu in der stelekeit beriet und in von dem meile schiel
'^' ein iirkel heizt zodiacus : dei'nt ah ein rat gcrndltt ; derselbe
niht entwdlet, er zhihet urnbe dez himelrat und bringet wider an ir
stat die sunnen zuo des ju'res zii Georg 35'. und ge't der selbe hi-
mel ze alten zilen unibe sam ein rat. — do unser herre daz ßr-
mament gesefiuof, do Itiez er daz ez umbe tiefe als ein scliibe, und
zwar (nach schon antiker Vorstellung) von osten nach vvesten, während
die planeten um seinen uiuschwuiig in etwas aufzuhalten ^ on westen
nach Osten strebeu : Berthold 287, vergl. altd. leseb. 770.
*'"" sonne und mond als räder gedacht und dargestellt: niythol.
586 ff. 664. daz rat der liehten sunnen Tit. 2993. beide bestimmen
den jahresIauF, und das jähr mit seinem rcgelmäfsig wiederkehrenden
Wechsel von monaten und zeiten erscheint selbst auch als ein ring
(mythol. 716) : deshalb wird das rad mit den zwei bildern das man in
Baiern am pfingstmontag umlrägt und sich drehen läfst (Schm. I, 320)
wohl das jähr mit sommer und winter bedeuten sollen.
144 GLÜCKSRAD UND GLLCKSKUGEL.
Heinr. kröne 7; laune des glückes. diese redensart mochte
der anlafs sein zuletzt auch die wechselnden gemiilsslininiun-
gen des menschen laune zu nennen, wie das bereits Frauen-
lob gethan (Ettmüllers ausg. leich 1, 10, 24. spruch 213, 3)
und mit einer im reim begründeten Überhäufung der verfalser
des jüngeren Tilurel 681. 2373. 3558. 5063. 5739 u. a. in
eben dieser Zusammenstellung des glucks mit dem monde liegt
auch der grund aus welchem das glücksrad in der wirklichen
ausführung wie in der beschreibung der dichter mit vier per-
sonen pflegt besetzt zu sein : es entspricht diese zahl um so
unzweifelhafter den vier mondsvierteln, als es nach eigentli-
cher meinung nicht vier verschiedene menschen sein sollten,
sondern ein und derselbe mensch blofs im fortschreitenden
Wechsel verschiedener zustände: die kunst jedoch mit alter-
Ihümlicher naivetät zeichnete den einen wirklich viermal hin,
und die dichter sahen dann nur und brachten in worte was
der augenschein gab. den beweis hierfür giebt der Hortus
deliciarum. das glücksrad ist da ganz in gewohnter weise
gemalt : rechts und links, oben und unten schweben vier
männer an ihm, und zwar könige: die beigesetzte erklärung
aber lautet so.
Vox illius qui in rata sedet, qiii modo ad alla rehilur,
modo in ima derolritur.
Glorior elatus, doscendo inhiorijicatu.s,
inßmu.s aae premor, rursus ad alta vchor.
quid sibi pauper hämo promittit tempore longo ?
incertus ccrtum quid sibi mundus habet?
labilis ut ventus sie fransit laeta iuventus,
omnia mors tollit, omnia morte cadunt.
und nicht allein an den mond, an die erde selbst auch diirflc
man bei dem glücksrad denken, da auch sie dem allherkömm-
lichen und natürlichen begrilFe für kreisförmig galt, auch dem
niittelalter noch für eine scheibe festen landcs, rings umllofsen
vom ocean. daher die deutschen benennungen, des continents
midjungards u. s. f., des oceans wendilmeri (mythol. 754.
sprachsch. 1, 764. 2, 819). sie war nur der mittelste kreis
vieler andern die um sie her sich lagerten : eine freske des
14n jh. im campo santo zu Pisa (Didron, histoire de dien
5, 98) zeigt gott eine grofse scheibe vor sich haltend, in deren
GLÜCKSRAD UND GLl CKSKl'GEL. 145
mitte (1.18 festlaiid ist, niul dariim her in immer weiter ge-
schlagenen kreisen der ocean, die sonne, der mond. die sterne,
der zodiacus, die neun engelchöre. von diesem erdring aber
oder weltring, wie man glcichlalls sagte (mythol. 754), und
von der kreisenden sonnen- und sternenwelt übertrug sich der
begriff der radform und der radbcwegung einfach auch auf die
weit im geistlichen verstand des wortes. Otfried sagt 3, 7, 17
uuio sih zerhit joh thüu viiörolt mierbit, und der sancl-
gallische Übersetzer des Boethius konnte das rad das Ixion
stäts vergeblich zu berge treibt (er vermengt Ixion und Sisy-
phus) auf sie ausdeuten, täz ist oxeinphim dero die mit tero
uuerltc ri/igent, tiii io se täle gdt ände i?'o sectatores
mite fi'iorct Graffl70; so wird auch auf jenen bildern die
(^Jiristum in das rad stellen damit eher die weit gemeint sein,
rad der weit und rad ilcs glückes, eigentlich ist aber nur der
ausdruck verschieden, die sache jedoch beidemal dieselbe:
wirklich fafst auch Seb. Braut jenes rad des Ixion als glücks-
rad auf, har bij mercken^ ir gwaWgen all! ir sitzen zwoi^
in glückes fall: sin dt icitzig und trachtend das end, das
gott das radt üch nit umb wend. — Ixion blibl syn rad nit
stnn : dann es Ion ff t nnib von irinden klein narrensch. 171.
172. der könig im Hortus deliciarum spricht um das bild des
glücksrades zu erklären incerlns certum quid sibi mundus
habet? und Johannes von Rinkenberg fährt nach der Schil-
derung desselben erklärend fort hie bi ist uns bezeichenlich
der weite manicvalt und gröz unstwfe vdll. 1, 341^.
Indess schon im mittelalter dachte man sich die erde
nicht immer nur in gestalt eines kreises : seit dem zwölften
Jahrhundert gelangte, trotz den einreden heiliger kirchenvä-
ter, die aus dem griechisch-römischen alterthum überkom-
mene erkenntnis dafs die erde kugeleht sei unter den gelehr-
ten wenigstens zu stäts allgemeinerer gellung : wir finden sie
im Lucidarius, dann wieder in einer predigt br. Bertholds,
dann in der Meinauer naturlehre ausgesprochen, am letzteren
orte fast wörtlich mit eben sojchen beweisgründen als noch
jetzt dabei gäng und gäbe sind (die altd. hss. d. Basler bibl.
s. 20. altd. leseb. 767 f.). hiedurch nun ward den dichtem
die aneignung auch des anderen Sinnbildes empfohlen, das die
antike kunst der glücksgöttin beigiebt, der kugel, obschon
Z. F. D. A. VI. 10
146 GLÜCKSRAD UND GLLCKSKUGEL.
ihnen dieses nie so geläufig geworden ist als das rad. denn
auch die kenntnis von der kugelgeslall der erde war ihnen,
den meist ungelehrten, lange nicht so geläufig als die alter-
thiimlichere meinung des volkes dals die erde ein flachrund
sei; zudem war die kugel des glückes nicht in gleich male-
rischer und abenteuerlicher weise mit klimmenden und stür-
zenden menschen zu besetzen, und so nahm sich ihrer dar-
stellung auch die bildende kunst nicht an: ein bedeutender
antrieb weniger für die dichtkunst.
Es nennen aber die dichter diese kugel des gUickes ent-
weder einen bal! : gclücke ist rehte als ein bal: swer sti-
get der so/ vürhteii val Freidank 114, 27. gelückes balle*
und ouch das reht het inz gercelzet hazzcr Tit. 2368; oder
aber, und dies häufiger, eine Scheibe : Forliina di ist so ge-
tan : ir schihe Idzet si uinhe gdn Lampr. Alex. 99''. die
hcten sich geluzen zuo töde und zuo libe, dar nach daz
diu schibe des glückes loufet nnde get und übervert und
entstet nach glücke und nach heile Herbort 150''. ich wil
der Sa'lde?i schiben ril irilliclichen triben, sit si mir so
gerne gdt Amis 2053. ?///;■ get der Sirlden schibe Engelh.
4400. sines gelückes schibe gie im allez entwerhes Mai'-
tina 218"''. du Ufiser schibe ensanit gie warnung 30 ^iS.
swie krumbe so min schibe gc Gottfr. Trist. 14474. dem
sin schihe als eben gie Neidh. 5, 5. daz ze wünsche get
so wol min schibe 19,7. dem get tcol sin schibe enzell
slehtes unde krtimbes 21, 7. suie so mir min schibe ze
wünsche niht enloufe 39, 3. trip dine schiben so si gdt
der Minne lehre 2012. //• schibe lief gar ebene Elisab.
Diut. 1, 347. SU so It er die schiben allez ßir sich triben,
die wil si gieng so eben Ottoc. 454". guot State er des
het, ob er wolle triben, die wil si gie, die schiben 527'.
die Lnger haben bewwret ein altez Sprichwort an in : daz
g^t uf den sin : die wil daz dinc also stet daz diu schibe
■■'■' im reime auf valle, also ein schwaches masc. wie Lanz. 21ü.
8105 (vergl, 8125), wie mundartlich noch jetzt, und wie auch in der
Schriftsprache ivaarcnballen ; mit letzlerer bcdeutung schon im mhd. :
des ein künegin bedarf, manegen hallen man da warf in den kiel
Ulr. V. d. Thürlein Wilh. 62*. vergl. GrafTs sprachseh. 3, 93 und
Hahn zum Lanz. s. 224.
GLIJCKSRAU UND GLUCKSKLGEL. 147
eben get, so sol man si niht sten hin 686\ und mit der-
selben Übertragung vom glück auf den lauf der weit wie dort
beim rade schön du min, so schon ich din, sit wir beide
schuldic sin: ditz ist der werlde schibe Renner 91''. denn
schibe gilt im all- und mittclhoclideutschen wie noch jetzt in
mundarten auch lür den begriff der kugel und den des cylin-
ders, gleich den adj. sinewel und rund* -^ ja es scheint häu-
liger eine kugei als eine scheibe im jetzigen sinn des wortes
bezeichnet zu haben, während diese bei genauerer bezeich-
nung eine radscheibe hiels, vergl. Schmeiler 3, 309. nur ein-
mal, in einer stelle von Gottfrieds Tristan, ist mit dem wort
schibe unzweifelhaft auch eine radscheibe, ein rad des glückes
gemeint : diu schibe diu sin ere truoc, die Mörolt friliche
sluoc in den bilanden allen, diu was dö nider gevallen
7165; sonst jedoch wo von der Scelden schibe und nament-
lich da wo blofs von einer schibe ohne nennung des glückes
die rede ist (und letzterer stellen ist die mehrzahl) wird man
•es mit kugel übersetzen müfsen, indem hier meist und ganz
deutlich noch eine nebenbeziehung hinzukommt, ja den ge-
danken an Fortuna und die weit vielleicht noch überwiegt,
eine beziehung nämlich auf ein beliebtes gesellschaftsspiel wo-
bei man Scheiben d. h. kugeln nach einem ziele laufen liefs ;
auch im verbalen ausdruck ward das schiben genannt, eben
wie man noch jetzt in Baiern auf die kegel scheibt i Schmei-
ler 3, 307. das hauptsächlichste unter den alten Zeugnissen
Hndet sich im Renner 132''; auf das kegelspiel läfst es sich
nicht ausdeuten.
noch ist ein ander affenheit
diu schaden bringet unde leit,
nnd ist doch leider inanic man
der wenic daz bedenken kan.
so zwene schibent zeinem zil,
lauft die kugel iht ze vil,
so wil einer uf haben den wint
und neigt sich nider als ein kint
und denet den mantel vaste nider.
•" selbst ring ist gelegentlich soviel als kugel: Marc. Cap. 44 Gr.
wird sphaera damit übersetzt; ringet paternosterkügelchen Schmeiler
:i, 109.
10*
148 GLÜCKSRAD IND GLLCKSKUGEL.
f/rtfr nach schibt der ander hin wider,
und ist der kugeln iht vil ze gäch,
so louj't er balde hinden nach
und schriet 'louf, kugel, vrouwe!
zomv din, liehiu fron, nu zouweV
siht man die kugeln gliche ligen
gen dem zil, s6 wirt genigen,
tveiz gut, i'il jnichels tiefer dar
dan da man gotes selp nimt war.
si streckent sich nidr uf den liit
zer erden als ein allcz wip
die lange wiirme hizcnt ;
si kristent unde krizent,
si mezzent unde mezzenl,
biz daz si gar vergezzent
daz si witzig Hute sint :
si ligent hie reht als diu kint
diu grüeblin grabent an der sfräzen,
wie mac ein wiser man geldzen,
er müezp lachen swenn er daz siht?
nu hoert waz jnere dd geschiht.
so si geloufent hin unt her,
so machent si den biutel her
und gwinnent dar zun müediu bein ■
sold Juan taglon geben in zwein,
in würden die zwen Schilling sur.
des sprichet manic vilzgcbiir
sim wib dd heirn ril bcesiu wort,
der die kugeln heizet frouwen dort.
ein spiel also bei dem viel darauf ankam ob die kugel ebene
und slehtes oder krumbe und entwerhes gieng, ob sie über-
vuor oder entstuont, das mit eben solcher leidenscliaft um
gewinn und verlust getrieben ward wie das Schachspiel, und
deshalb ebenso wie dieses (vergl. meine abhandlung über das
Schachspiel in den beitragen aus den bibl. d. Aargaus 1, 38 1".
44 f.) geeignet war bildliche ausdrücke für glück und unglück
der menschen herzugeben, dasselbe oder ein dem ähnliches
spielte man auf der eisbahn, und dieses eisschieben ist denn
auch zu vergleichungen gebraucht worden welche dicht neben
HELLEGIUVE. 149
der mit dem glücke und seiner fliichtigkeit und belriiglichkeit
liegen, zu vergleichungen mit der untreue in freundschaft
und in liebe: s. die anm. zu Sirarocks Walther 2, 171.
WILH. WACKERNAGEL.
HELLEGRAVE.
In der apocalypse heifst es 20, 12 libri aperti svnt —
et iudicati sunt mortui ex his quae scripta erant in libris
secundum opera ipsormn: danach in dem bruchstücke vom
jüngsten gericht fundgr. 2, 136 so dut man tif di buch; do
ane stet unsir dat, si si ubil oder gut. danne toirt irshei-
nit wer nu got mit herein meinit. di herein unde Hb nu
intreinijit, wi heizze di danne tveinint, so si ror in ge-
scribin sehint wi si dunt, wi si nu lebint. ez in ist nit
so hele, ez in werde wol uffinbere, ez si ubil odir gut,
so man di buch uf dut. so man di buch insluzit unde
breidit unde di dodin urtdeilit al darnach di buch sagint,
so vrowint sich di wol gelebit hant; und weiterhin so got
di buch ane gesihit unde einis igelichin menschin lebin
gelisit, so kerit er sich zu der cesiwin haut zu den di imc
gedinit haut u. s. f. und eben darauf zurückgehend bei Pe-
trus Alfonsi in der discipl. cleric. 39, 2 ad portam loci iu-
dicii, ubi leges in rolulo quicquid tua manus egit in hoc
saeculo und bei br. Berthold 136 du stest ouch allenthal-
ben an dem blate bi den bcesten. es wird also das leben
des menschen hindurch aufgeschrieben was er gutes und was
er böses thut*: jenes ist das geschält seines engeis, dieses
das gern und aufmerksam geübte amt des teufeis. so zeigen
sich beide in Steinbildern rechts und links an dem romani-
schen portale des Bonner münsters, sitzend und jeder in ein
* ähnlich, jedoch nicht eins mit der röiuischeü Vorstellung wonach
bei der geburt eines menschen die Parcen dessen zukiioftige geschicke
niederschreiben: Otfr. Müllers arcbäol. d. kunst 398, 1. dieselbe Vor-
stellung war auch deutsch : vergl. Jac. Grimms mythol. 377 f. ; nur
kann prievard Marc. Cap. 39. 44 Gr. nicht wohl unter die belege ge-
rechnet werden, da hier schon das laf. original die ausdrücke srriha
und Ubraria bat.
150 HELLEGRAVE.
blatt schreibend das er auf den knieen hält: am kirchenpor-
tal durch das die Christen zum bekenntnis ihrer sünden ein-
gehen und das vorbildlich an jene porta loci iudicü mit ih-
rem rotulus mahnt, und im münster von Basel kauert zwi-
schen dem bogengeripp der im j. 1486 aus stein «gehauenen
kanzel gleichfalls ein teufel und schreibt in ein aufgerolltes
blatt; eine weiter unten stehende inschrift endigt mit den Wor-
ten -prope est dies domini. dieser schreibende teufel ist aber
eine schon sehr alte Vorstellung, bereits in dem althochdeut-
schen gedieht vom jüngsten tage (altd. leseb. 73, 33) wird
von dem siindlichcn thun des menschen gesagt </«^ der tiuval
dar pi kitarnit stctitit, der hapet in ruocu rahhöno iiuelihha,
das der man upiles kij'rurnita, daz er iz allaz kisngel
denne er ze dem siionu quimit. — ruaba ruova ist eigent-
lich s. V. a. zahl: in ruoru hapen ist wie in zale hnven
Wernh. v. Niederrh. 4,31 (1. der sterren gitet und havet
in zale) und eben auch mit beziehung auf den acht geben-
den teufel heifst es im buch der r igen (zeitschr. f. d. a. 2, 77)
wer jnöht 7iu haben in der zal iuwer veikheit über al?
der i'int zel, ob er iril, dem ir dienet dne zil. natürlich
aber fallen überhaupt uiul besonders hier zählen und schrei-
ben in eins zusammen: der rechnende schreibt auch, und
auch seine zeichen sind bucjistaben.
Dafs von diesem ruova das verbum brüeven prüercn,
syncopiert aus berüeven, herstammen möge habe ich schon
im glossar zum altd. lesebuch lxxii angenommen : mit dem
lat. prubare und dem fr. prourer, von denen man es sonst
abzuleiten pflegt, hat es nur einen theil seiner bedeutungen
gemein, der sich doch auch sehr wohl auf den grundbegrilf
des Schreibens und zählens zurückführen läfst (vergl. das nihd.
schriben anordnen Aen. 3530* und das alts. biscriban beach-
ten Heliand 22, 24. 161, 24). und erst der Ursprung aus
ruova läfst es begreiflich werden dafs anstatt brüeven und in
dessen sinne öfters brieven geschrieben steht, z. b. Ruolant
248,11. Nib.2170, 2. klage 2154. das althochdeulsche kennt
* wunder schriben (Lacbniatins ausw. 292. Jac. Griinms Andr. und
Eleiie 162) ist weder hiermit noch mit jenem schreiben der schicksals-
f^Öltinncn zusammenzustellen : es bezeichnet ^anz eiiientlich das aul-
schreiben bereits {geschehener wunder.
DER WELT LOHN. 151
uufser dem subst. nur noch ein verLum ruaboii garuabu/i
(numerare diniunerare leniinisci : Grafts sprachsch. 2, 3G1):
letzterem zunächst liegt in all seinen lauten das ags. gcrefa
graf. und so könnte auch das ahd. garäveo garäoo, syn-
copiert griiveo grdro (gnraven comitis Greilhs spicil. V^atic.
32) mit dem nicht ungewohnten und in der lautgeschichte
wohlbegründeten wechsel von ua und ä (vergl. z. b. ruaivn
und räwa^ iinver und aber cebor, bluojen und blüjan, iiuoha
und ndha/i) zu eben dieser wurzel gehören, und grdceo und
gerefa würden, wenn auch entstellungen (Schmellers bair.
wh. 2, 104), doch zugleich richtig verdeutschende entstel-
lungen des griech. lateinischen graphio sein, damit wäre
denn auch, um schliefslich wieder auf jenen schreibenden teu-
fel zurückzukommen, der name he/Zcgräre erklärt den das
gedieht vom anegenge 39,46 dem teufel giebt; er bezeich-
net ihn eben als den höUeuschreiber. das wort mul's ein nicht
ungebräucliliches gewesen sein, da in der zeit von Klinsors
besuche ein bürger von Eisenach denselben beinamen führte:
Koberstein über d. gedieht v. Wartburger kriege 67. in
späterem gegensatze dazu nennt der ackermann von Böheim
cap. 9 gott den hiinmelgrafen.
WILH. VV ACKERNAGEL.
DEK WELT LOHN.
Der deutsche Volksglaube weils von dämonischen wei-
bern der nacht imd des waldes die vornen jung und stolz und
verführerisch, am rücken jedoch häfslich geschwänzt seien
oder anzuschauen wie ein wüster hohler bäum: Jac. Grimms
mythol. 418. 898. 1033; damit läfst sich die schottische sage
vom Thomas von Erceldoune zusammenstellen dem in den
armen die feenkönigin auf einmal zu einem scheul'slichen alten
weihe wird: vdHagens MS. 4, 598. gewohnt nun wie das
mittelalter war die weit zu personificieren und im sinne des
christenthums sie mit der häfslichen und nur schön geschmink-
ten königin Jesabel zu vergleichen (4 reg. 9, 30. Ze glicher
wis alz div kü/igin Jesabel die livt an sich zoh mit ge-
mähter schceni. Aso tvot och div weit, div hat nivt na-
152 DEH WELT LOHN.
tivr Hoher scfueni. si .strichet aber välsch achoeni an. dax-
ist zergaulilith schceni vnd vrwde. vnd hohfart. des libes
gemach, giot. vnd ere. vnd alle div vppekeit div in der
weit ist. daz ist nit anders won ain vdrwlin. daz hivt ist
vnd mor?i nit. Mit den dingen zivhet si die livt an sich :
Albrechts des Kolben predigtsaramL 88^) oder mit einem schö-
nen, aber bald entseelten und entstellten bilde (Walth. 67.
32 ff. *) oder mit den übertünchten gräbern in der strafrede
Christi 'welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig
sind sie voll todtenbeine und alles unflats' (ev. Matth. 23, 27.
diu werlt ist iizen schcene, wiz grüen unde rot, und in-
nän swarzer varwe, vinster sarn der tot Walth. 124, 37 f.**),
lag es nahe genug die personification unter benutzung jener
volksniäl'sigen und ursprünglich nicht christlichen sagen und
anschauungen noch bestimmter zu gestalten und auch von der
Welt zu erzählen wie sie ihren freunden zuerst ein liebliches
angesicht zeige, bis sie sich auf einmal wende und die Schänd-
lichkeit ihrer rückseite oflenbar werde : frö freit, — do ich
dich gesach reht vnder ougen, dö was din schowen wun-
derlich al sunder laugen : doch was der schänden alse vil,
da ich din hinden wart gewar, daz ich dich iemer schel-
ten teil Walth. 101. 9n". *** selbst die bildende kunst, da sie
'■ den anstofs biezu mocbtc die fabel des Roniulus rfe lupo et ea-
pite hominis (2, 14 des alten druckes, beiNielant s. 134) geben, auch
in ßoners verdeutscbung derselben mischen sich, nur etwas unklar vor-
gebracht, anklänge an sagen der oben besprochenen art : er legt rfas
bilde auf die kiuder der weit aus, diu noch erdenken f rnanigen list
wie si der loelt gevailen wol. ir srhin ist als ein br'ünnent kol, der
uj der stat ze eschen wirt, und mist und würrn ir li'p gebirt 38, 38 ff.
*^ vcrgl. Renner 205" swes herze ist aber untriuwen vol, der dient
ze blick durch sin geniczcn und kan sin dienst mit Worten uz gie-
zen vil mer denn mit getriuwen werken; den sol man glichen den
toten serken die uzen sint gezieret wol und innen manges unßdtes
vol. bei den färben die er nennt mag Walther an den grünen wald
und die blumen der beide gedacht haben, wie eben diese anderswo auch
einer personification der weit vorangebn : dar zuo die bluomen manic-
valt, diu heide rot, der grüene tvalt (sind in ihrer schöne dahin) —
so we' dir, ff'erlt, wie dirz gebende stall 12'2, 30 ff.
-*='*^ mit ähnlicher Mntiliihkeit des ausdrucks klagt derselbe dichter
r)5 f. dafs ihm fro Sirlde stäts nur den rücken zukehre und es ihm
nie gelinge ihr in das antlitz zu schauen.
DER WELT LOHN. 153
weniger des schönen als des bedeutsamen beflilsen war, gieng
auf diese Vorstellung ein: an den niünslerportalen zu Worms
und zu Basel, dort schon aus dem dreizehnten Jahrhundert,
steht unter anderen bildern auch das der Welt, ein schönes,
siils lächelndes, üppig gekleidetes, königlich gekröntes weih :
aber der rücken wimmelt ihr von schlangen und kröten und
anderem Ungeziefer, und es züngeln flammen daran empor.
Besonderen einflufs mag hier noch die alle Überlieferung
von den Sirenen geübt haben, auch sie dachte schon die an-
tike weit aus jungfraulicher schöne und der fremdartigsten
thierheit zusammengesetzt, und auch sie zuerst verlockend,
dann verderbend; auch sie wurden deshalb im mittelalter auf
die weit und ihre lust gedeutet (phvsiologus fundgr. I, 19.
25. Konr. v. Würzb. 31S. vdH. 2, 311') und in solchem
sinne auch künstlerisch dargestellt : im horlus deliciarum der
Herrad von Landsberg (Engelhardt 46. taf. V) sind es musi-
cierende Jungfrauen denen nur aus dem gewand unten vogel-
füfse schauen; auf einem romanischen capitell des münster-
chores von Basel ist die Sirene richtiger halb weib halb fisch,
und auch das junge an ihren brüsten hält zugleich einen fisch
in der band.
31an blieb jedoch bei jener vereinzelten anschauung der
Welt nicht stehen, sondern brachte sie ganz nach dem vor-
bilde der anfangs berührten volkserzählungen in sagenhafte
Verbindung mit den lebensereignissen benannter oder unbe-
nannter historischer personen, und berichtete nun von de-
nen wie sie der schönen Welt lange gedient, endlich aber
auch von hinten sie gesehen und nun von ihr ab und einem
andern befseren herren sich zugewandt hätten, bei dem Guo-
t«re wird das noch ohne namensangabe nur von einem 'wer-
then ritter' erzählt und erscheinung und bekehrung an dessen
todtbette versetzt, vdH. 31S. 3, 41. Konrad von Würzburg
dagegen in der Werlte Ion legt nach geschriebenen quellen
wie er sagt (44 f.) dem diener der Welt einen bekannten
dichternamen bei, Wirnt von Gravenberg: ihm erscheint die
Welt da er eben in einer kemenate sitzt und erzählungen
von der minne liest, und da sie ihm ihre scheufslichkeit ge-
wiesen, scheidet er von weib und kind und nimmt das kreuz
gegen die heidenschaft und besorgt mit beständiger bufse sei-
154 DER WELT LOHN.
ner seele heil. Konrad von Wiirzburg lebte in Basel : kann
demnach jenes Basler Steinbild auch in äufsereni bezog auf
seine dichtung stehen? doch scheint dasselbe beträchtlich jün-
ger, nach Konrad, wenigstens mit beibehaltung des von ihm
bezeichneten namens wiedererzählt und in prosa übertragen,
findet sich die gleiche sage endlich noch zum dritten mal in
einer Züricher handschrift des vierzehnten Jahrhunderts und
daraus im altd. lesebuche 9^i5 — 948: hier ist es, mit einer
art von rückkehr zu der volksmäl'sigen grundanscliauung, ein
wald in welchem der ritter auf die herrin trifft der er nun
schon fünfundzwanzig jähre gedient hat; von einer kreuzfahrt
berichtet diese erzählung nichts : eine solche lag nicht mehr
in dem gedankenkreise der späteren zeit.
Ist aber der narae Wirnts von Gravenberg echt und ur-
sprünglich in dieser sage? ich glaube kaum: er gehörte nicht
grade zu den berühmteren, und sein einziges werk, der Wi-
galois, bot dafür keinen anlafs dar. wie, wenn hier eine
Verwechselung geschehen wäre, eine Verwechselung Wirnts
und eines andern gleichfalls fränkischen dichters, Walthers
von der Vogelweide? keiner berührt die idee um die es hier
sich handelt so oll als Walther, und grade die Vorstellung
vom schönen augesicht und dem häfslichen rücken der Welt
lindet zuerst bei ihm sich ausgesprochen, noch ein umstand
kommt hinzu, bei dem GuotaTC und in Konrads dichtung
nennt die Welt, indem sie nun auch ihren rücken zeigt, die-
sen anblick den lohn den sie für so lange treue dienste ge-
währen Avolle, also nur die ekelhafte entleuschung : offenbar
etwas schiefes und ungenügendes, wie auch der verfafser der
späteren prosa wohl eingesehen hat, der die weit mit schick-
licher abänderung den ewigen tod als ihren lohn bezeichnen
läfst. die veranlafsung zu dieser Schiefheit liegt in densel-
ben Worten Walfhers, in denen zugleich wohl die erste und
nächste veranlafsung der ganzen sage gelegen hat. er beginnt
nämlich ein anderes an die Welt gerichtetes gedieht, worin
er über deren unbestand und Undankbarkeit, ihr zurückneh-
men alles früher gegebenen, ihren höhn und spoft* nach lan-
* WM bin ich alt, und hast mit mir diu gampelspil : die Welt
als eiu spielweib aufgefafsf, fiier mit bezug auf die gaukelkünste wie
aijjerswo auf das saiteuspicl solcher weiber: vergl. den Jdmcrleich
DEK WELT LOHN. 155
geni, leib und seele ragenden dienste zornig und droliend*
klagt, dies gedieht nnn mit den worten fVelt, ich hau dinen
Ion ersehen 67, 8. hier aber passt das wort: denn der lohn
der Welt ist sünde und krankheit (Reinm. v. Zweter vdH.
2, 213"), ist kunimer (Parz. 475, 17) und noth {ir süc^ie?'
tun ein bitter nut arm. Heinr. 711) und zuletzt der tod {der
künic mit ßize tcarf eins er wurd bestatet schon : daz ist
aller der Ion den diu loelt git Ottocar 781*') ; undank ist der
weit lohn : do leart gezigcn des diu selbe Agnes, si gteb
im der weite Ion Ottoc. 741''.
Sei aber dem Avie ihm wolle, sei jene sage zuerst an
Wallhers oder an einen andern namen geknüpft worden, sie
gehörte jedesfalls zu den beliebtesten Vorstellungen des mit-
telalters und ward so weif durch die lande getragen dafs sie
selbst in den Orient gelangte, und erst da, aulserhalb des
christenthums, vollendete sich die Christianisierung des in sei-
nem Ursprung unchristlichen stoiFcs, indem ein Perser die ge-
schichte von der Versuchung Christi in eben ein solches zu-
sammentreffen desselben mit der Welt umdichlete : s. Ham-
mers gesch. d. schönen redekiinsle Persiens 236 ff.
WILH. WACKERNAGEL.
der nach den freuden der weit komme Berlb. 24*2. er rüeret j'dmers
Seiten üf dirre weife harpfen und hwret mengen seharpfen ddn uf
ir gigen altd. lesebuch 757, 10. besonders aber Parz. 475, 13 ff. 6we,
Jf^erlt, wie tuostu so ? du gist den Hüten herzeser unt riwebceres
kumbors mer dan der freu d. wie stet di'n Ion! sus endet sich dtns
mceres don.
* diu jdmertac wil schiere kamen und nimet dir swazt uns hast
benomen und brennet dich dar unibe iedoch, wie dort am bilde der
Welt auch flammen empor schlagen und, wieder hiemit zu vergleichen,
in des von Wiirtemberg buch 574(1. flammen aus dem leib des gespen-
stischen weibes brechen.
156
DIE DEUTSCHE HELDEINSAGE IM LANDE
DER ZÄHRINGER UND IIN BASEL.
Bekanntlich liiefs Verona bei den Deutschen des mittelal-
lers Berna, mhd. Berne ; selbst Thoniasin, obgleich ein Ita-
liäner, giebt wo er deutsch spricht der italiänischea Stadt den
deutschen namen : und gedenke wol, deisl ivdr, das Betone
an ere truoc den kränz ; ir turne, ir hiuser wären ganz :
diu sint hestreuwet lif der ert ; ir pris ist worden ouch
unwert welsch, gast 2, 6. mit dem sechzehnten Jahrhundert
trat an dessen stelle die Zusammensetzung Dieterichsbern
(Wilh. Grimms d. heldens. 304) und blieb in geltung bis zu
anfang des achtzehnten: sie wies auf den Dietrich von Bern,
Theodoricus \ eronensis, der deutschen heldensage hin*, und
sollte, wie es denn besonders die Schweizer waren die sich
ihrer bedienten **, die benachbarte lombardische stadt von dem
Bern der eigenen heimat befser unterscheiden helfen.
•■ lu f'erona ßndt man ein irol würdig zu besehen, wärkhaft,
mechtig gebuwen des Dietrichs von Bern hus, als die Tütschen nen-
nen; strnst ist es ein theatrum colliseum oder rena (arena), als ich
mein, von Feronesern geheißen: reise einiger Zürcher von 1545, bei-
trage aus den bibl. d. Aargaus 1, 286. vergl. heldens. 4Ö. 2ü4. auch
zu lloni gab es ein Dietrichshaus, die heutige Cngelsburg (Jac. Grimms
mythol. 1135): dies aber hatte seinen namen von dem schiinen Dietrich
der Crescentiensage : Kol. cod. '247. altd. bl. 1, 301 f. ein zweites noch
unbeachtetes zeugnis aus der Schweiz giebt Konr. Gesner in seinem
Milhridates 1555 s. 42, cantilenis fere comprehendehant et celebrahant
veteres Gerinani quae memoriae tradere volebant : sed hae etiani omnes
piifo iniuria temporum et incuria hominuni in oblivioncm abierunt.
apud nos quidem nullinn est vetustius carnien quam quod Thcodorici
f'eronensis et Ilildebrandi gesta celebrat. sunt et illa forte 7nedio-
criler antiqua quae in templis germanice a tota plebe decantata sunt
hactenus, cum cetera latine contarentur, ut illud de resurrecfione
domini ' Christ ist erstanden von der tnarter allen.'
'^'* Sebastian Münster (heldens. 304) zu Basel, Äg. Tschudi von Gla-
rus {Dietrichsberner Rhetia 1538. C rw.), Reinhold von Frcientahl, ein
Aiipenzcllor (poet. s|iazierwaldlein 1700. s. 161) u. a.
DEUTSCHE HELDENSAGE. 157
Woher aber hatte das iichtländische Bern seinen namen?
ich ghiuhe, von jenem loinbardischen, indem guter Vorbedeu-
tung wegen dessen geschichtlich und sagenhaft berühmter name
ebenso auf die neue Stiftung übertragen ward wie es überall
und grade auch auf helvetischem boden sitte war einzelne
personell und ganze geschlechler nach beiden der sage und
der dichtung zu benennen : vergl. meine abhandlung über die
Schrutane von Winkelried in den beitragen d. histor. gesellsch,
zu Basel 3, 369 fr. zwar pflegt man bei dem namen Bern
in Übereinstimmung mit dem wappen der stadt an hären zu
denken: geschichtliche lieder schon von 1368 an brauchen
dies thier als beständiges symbol von Berns kriegslustiger
bürgerschaft (Rochholz, eidgenöfs. liederchronik 11 ff.) und
bereits Juslinger erzählt, s. 10 der ausg. von Wyfs, der Stif-
ter habe sich vorgenommen seine Stadt nach dem ersten ihiere
zu benennen das in dem wald würde gefangen werden, das
sei aber ein bär gewesen, indess wird diese chronistenety-
mologie uns nicht irren dürfen, der gründer Berns, im j.
1191, war Berthold V herzog von Zähringen : der aber hatte
zwiefach triftigen grund der alten Verona zu gedenken: sein
ahn, der erste Berthold, war durch Verleihung kaiser Hein-
richs 111 auch markgraf von Verona gewesen, und dann, was
jedesfalls noch wirksamer war, da der markgrafentitel von
Verona zu dieser zeit schon an die badische Seitenlinie über-
gegangen, keinem fürstenhause lag so wie dem der Zährin-
ger die erinnerung an die deutsche heldensage beständig und
lebendig nah vor äugen, eine hauptstadt ihres landes war
Breisach, in der sage der vielgenannte sitz der Harlungen
und ihres pflegers, des treuen Eckehard ; ein berg in der
nähe Breisachs trug von letzterem damals wie noch heut den
namen Eggehai'tberch (urk. v. 1185 in Herrgotts cod. probat.
s. 195), und in dem Bürglenberge, von dessen klösterlichem
schlofse an schönen abenden die fenster bis herab nach Basel
funkeln, sollte ein schätz alter beiden vergraben liegen {der
Ymelunge — 1. Amelunge? — hoi't lit in dem Biirte/iberge
m bi MS. vdH. 2, 24r. vergl. mythol. 933) der, wenn Sim-
rocks Vermutung ebenso richtig als schön ist, unter dem na-
men me?i Bi^isinga (entstellt Brosinga mene), d. h. der Brei-
sacher schätz, bis in den scandinavischcn Norden und zu den
158 DEUTSCFIE HELDENSAGE.
Angelsachsen hin berühmt war: Sinirocks Rheinland 74. in
dem gedichte von Alpharts lod 74 kommt ein Avielger von
Brijscn vor.
Von eben solcher sagenhaften erinnerung war Berlhold
erst das jähr zuvor und ganz in der nähe Berns berührt wor-
den, als er Burgdorf, bis dahin einen offnen ort an? fufse eines
allen erbschlofses, zur stadt erhob, an diesem schlofs näm-
lich haftete folgende sage. ' Burgdorff soll — vor vilen 100
Jahren erbawet seyn, von zweyen brüderen, der eine Syntram,
der andre Baltram genannt, beyd hertzogen zu Lentzburg;
als nun anff dem berg, da jetzund das schlofs vnd s. Mar-
garetlien capel, neben der statt stehet, ein vngehewrer drach
gedrolfen, haben sie sich mit jhme in kamplf begeben, Baltram
aber, so den ersten angriff getlian, von dem drachen ver-
schluckt, der junger bruder aber, Syntram, dem drachen so
hart zugesetzt, dafs er jhne vmbgebracht, der bauch also bald
geöffnet, vnd den bruder erlediget, das geschah anno 712 eben
an dem orth, da jetzund s. Margaretha capel stehet, Avelche
zu gedächtnus der sachen von diesen fürsten dahin gebawen
vnd gestifflet. auch die liistorj darin gemahlet worden*.' so
Cysal in seiner Beschreibung defs berühmbten Lucerner- oder
4. Waldslätten sees 1661. s. 175 f.: bei andern (s. deutsche
sagen d. br. Clrimm I, 301) das gleiche, nur bald weitläufli-
ger, bald kürzer; am kürzesten und zuerst in Justingers Ber-
nerchronik 8 : die feste Burgdorf sei gebaut von zwei her-
zogen von Lenzburg, Sintram und Baltram, die 'einen grofsen
wurm und tracken zuo tode ersluogen, als man das in den
alten buechereu lindet. und in s. Margreten capell uf der veste
zuo Burgdorf gemalel slat.' Hans Rudolf Grimm, ' buchbin-
der, trompeler und llachmahler in Burgdorf , tlieilt s. 42. 43
seiner Kleinen Schweitzer -cronica 1733 auch zweierlei alle
reime auf jenes wunderbare ereignis mit ; das capellengemälde
war schon zu seiner zeit 'mit kalch verweifsget worden',
aber ein andres am kaufliause war annoch zu sehen, jetzo
ist anch dies letztere verschwunden und die capelle abge-
* s. Margaret.! pdegt eben selbst mit einem gefersellen drachen
unter den füfsen abgebildet zu werden.
DEUTSCHE HELDENSAGE. 159
brochen ; was mau bedauern darf, da eher die gemälde als
eine noch lebendij^ lortbesleliende sage die quelle und gewälir-
schaFt jener gedruckten berichte werden gewesen sein.
Die gleiche sage aber und die gleichen namen waren
einsl noch weiterhin bekannt: sie waren hineingezogen in
den grofsen kreis der allgemeinen deutschen heldensage. die
landesgeschichle kennt keine grafen von Lenzburg (denn es
niüsten graten gewesen sein)* die in so frühen zeiten gelebt
und Sintram und Baltram geheilsen häWen : w ohl aber erzählt
am andern ende des deutschen Sprachgebietes die Vilkina-
saga von einem beiden namens Sintram, der ein söhn Her-
brands (cap. 34), ein bruder Hildebrands ist (cap. 44), und
nachdem ihn ein drache verschlungen durch plötzliche hilfe
Dietrichs von Bern wieder befreit wird (cap. 44) : es ist also
mit einer Verwechselung die leicht geschehen konnte der name
Sintram von dem erretter auf den erretteten übergegangen,
und auch Baltram, an dessen stelle hier Dieterich getreten,
ist darum der heldensage nicht entfremdet: es heilst so in
Dietrichs flucht und in der Ravennaschlacht einer von Etzels
mannen.
Die sage vom Sintram sei in den allgemeinen deutschen
Sagenkreis erst hineingezogen worden : allerdings hat sie in
diesem ein etwas überwüchsiges aussehn, und man wird das
umgekehrte, dafs also ein theil der allgemeinen heldensage
sich in Burgdorf nur localisiert habe, nicht so leicht anneh-
men dürfen, mit anderen localsagen ist ja ganz das gleiche
geschehn, mit denen vom markgrafen Rüdiger in Österreich
und mit den zwergen- und drachen- und entführungssagen
der Langobarden; und wenn im Biterolf und Dietleib ein
Berthold erscheint welcher der Sicdbe herre und fürste von
der Swdbe lande heilst (heldens. 138), so ist damit gar ein
name aus der zeitgeschichle, der erbname eben unsrer Zährin-
* so ändert auch Stumpff in seiner schweizerchruniic 229" still-
scbweigends ihren tilel : 'statt vnd schiolTz ßurgdorlf, vor zejten ein
hauptstatt des kleinem Burgunds, ist erstlich gestitftet vnd das schloflz
daselbst gebanwen von zweyen grauen von Lentzburg, Sintramo vnd
Baltramo gebrüdern. das bezüget der Berner chronica, dorcb wirt kein
jarzal anzeigt.' den drachenkanipf iäfst er vorsichtiger weise ganz
unerwähnt.
160 DEUTSCHE HELDENSAGE.
ger, in die sage geriicict ; ja in Dietrichs flucht 8611 und in
der liavcnnaschlacht 716 kommen selbst ein Fridunc und ein
Sigcher vo/i ZeTingen unter den beiden Ermenrichs vor. als
aber Berthold V den Burgdorfern stadtrecht gab, war die Ver-
allgemeinerung ihrer sage schon vor sich gegangen, und es
nuiste ihm dieselbe eine poetische erinnerung von weiterem
beziige sein : das ist aus der entstehungszeit und entstehungs-
art der hier einschlagenden liauplurkunde, der \'ilkina-saga,
mit noch grölserer Sicherheit aber aus einem altbaslerischen
kunstwerk zu schlielsen, das zugleich auf diesem gebiete das
früheste ist: Verona selbst hat in dem basrelief der s. Ze-
noskirche, das den letzten jagdzug könig Dietrichs darstellt,
kein älteres denkmal, und wohl auch nicht das schönere*.
Nämlich in Basel, einst einer hauptstadt des burgundi-
sclien reiches, wie das alte schlofs ßurgdorf in demselben ge-
legen war, zeigt sich an einem säulencapitell des münster-
chores, nahe bei andern welche die antike sage von Pvra-
mus und Thisbe und Alexanders greifenfahrt (Anno 214. Konr.
V. Würzb. MS. vdH. 2, 33 4'') erneuen, auch jenes Burgdor-
fcr abenfeuer abgebildet, hier jedoch schon mit solcher Wen-
dung dafs der rettende held Dietrich von Bern ist. und dies
capilell, ein ganz wohl gelungenes stück arbeit, rührt unzwei-
feliiaft aus dem anfange des zwölften jahrliunderls her. die
darstellung vcrtheilt sich über drei zusammenstofsende seilen :
auf der ersten kämpft ein riüer mit wilden stieren: auf der
zweiten mit baren und einem fischgestaltigen ungelhüm; auf
der dritten endlich wird eben derselbe (es kennzeichnet ihn
sein geflochtenes walTenhemd) von einem andern aus dem
Schlund eines drachen gezogen, das schildzeichen des erret-
ters ist ein löwe, während der gerettete in seinem schilde
kein zeichen hat: einen löwen aber in schild und faline führt
überall wo die wappen der beiden beschrieben werden Dietrich
von Bern heldens. 142 f. 237j, und auch hier, in der abbil-
'■' s. Zeiio ist im j. 1138 durchaus erneuert worden, auf der inuern
seile der vorderwand findet sicti unter anderem bilderschrauck, dessen
Zeichnung 'goffissimo' sei, 'uomo a cavallo, che va a caccia, cou cla-
mide, e staffe, quali non mi sovviene aver osservate in monumento piü
antico'; eine Überschrift in versen bezeichne den reiler als könig Theo-
doricus: Malfei, Verona illustrata 3, 66. 67.
NIEDERLANDISCHE REIMSPRÜCHE. 161
düng solch eines drachenkampfes, war er daran ebenso leicht
und sicher zu erkennen, und jedes andere Verständnis und
jeder zweifei war damit für die Deutschen des mittelalters
ebenso bestimmt ausgeschlolscn, als wenn man den Griechen
einen beiden zeigte in der löwenhaut und mit der hydra käm-
pfend, die Zähringer hatten das gleiche wappenthier, viel-
leicht auch dies in erinnerung an Verona und Dietrich, ob-
schon Leichtlen (Zähringer 48) eine andere erklärung giebl:
Berthold I habe bei verzichtung auf den herzogstitel von
Schwaben wenigstens noch einen von den drei löwen des
schwäbischen wappens beibehalten.
Also Dietrich schon zu anfange des zwölften Jahrhunderts
der erretter Sintrams, in der geographie der deutschen hel-
densage die äufserslen punkte gegen Südwesten hin Burgdorf
und Bern, und das älteste denkmal bildlicher darstellung der-
selben hier in Basel. WILH. WACKERNAGEL.
NIEDERLÄNDISCHE REIMSPRUCHE.
DEN HERREN DOCTOREN JONCKBLOET UND DE VRIES IN
LEIDEN ZU DANK UND ERLNNERUNG.
Schon in meinem programm über' die altdeutschen hand-
schriften dej^ Basler Universitätsbibliothek 60. 61 habe ich
nachricht von den niederländischen sprächen des cod. F.
IV. 38 gegeben und einige derselben zur probe beigejugt.
auf antrieb der freunde denen diese blätter gewidmet sind
gehe ich Jetzt an die vollständige mittheilung ; die latei-
nischen verse jedoch, die je auf einen deutschen reimspruch
folgen, lafse ich hier wie im programm und aus eben den-
selben gründen, hier auch noch um der raumersparnis wil-
len fort: nur zuweilen wird es zweckdienlich sein sie mit
abzudrucken.
1 En kanstu komen ton hoghesten nicht bl. V
Begheres doch, des hefstu plicht
2 Et ne wart ny mensch, zo wret van zynnen
Deme mit ghe dult nicht mochte wynnen
2, L wret in der hs. aus wert gebefsert.
Z. F. D. A. VI. 11
162 NIEDERLANDISCHE REIMSPRUCHE.
3 Du en nemes. dy des besten an 7''
Hat eder leue besteyt die dan
4 De en is nicht, en arm Man
Der zieh tome zinen halden kan
5 Lat allen dach dio lesten sin
So kompt. vnvonvan heitere schin
6 Wat doch mi al ghelucke dan
Wan ich nicht des gebruken kan
7 Soke den market des morgens, wyes
Dat hus des auendes. so hefstu pryes
8 Snode ist dat hus dar nicht ouer en konie
Dat. den heren sfulc. vnd den denen vrome
9 Wat malke voge. dar. lat heel by
So ist he. mengher sorghen. vry
10 Ghyfl dy got geluckes spei
Vnversprocken. cnphaet snel
1 1 Byst du zunt en wert dy nicht
Mer engheuen de koninghe gyfl
12 Goed vnd wyes de dar spreken
Her peucheu richter lat in sfeken
V^ir bonus et prudens. audebil dicore poulheu
Rector thebarum. quid nie perferri pati est
Indignum temptäs.
13 We se ete kol in duldicheyt
De vor smade der heren arbeyt
14 Kompt al menschen to corinthen nicht 8'
Wat nu den. voghe. dar an licht
Non cuiuis homini contingit adire corinthuni
15 Kon de rauen eten vnd swighen alleyne
So hedde mim. moyghet. vnd hates cleyne
16 We se vil lucht den en louet men nicht
Ok ist w^ol. dat he de wareyt spricht
9, 1. lies malken 12, 2. lies pentheu — lat mi 3. lies pentbeu
4. lies perferre palique 15, 2 lies min 16, 1. vil aiis wil gebefsert.
NIEDERLANDISCHE REIMSPRUCHE. 136
17 Swe nemet loser liereii cleyder
Hie en sie sich vor it wert ein ieyder
18 Wat vnd wen du sprekes to
Dat merk, vnd holt dat vmmer also
Dat he nicht en vrage van dy
Dat openbar inschemenden sy
Wente ensghesproken. dat ist gheschen
Vnd kan ok neman weder teyn
19 Wen du loues. da proue na
Dat vroinede schemede dy nicht, ensla
20 Wan dy is vür tor neghesten dore
Went er sich meret. so hode dich vore
21 Vnvorsocht sin heren sote
Vorsocht. de vruchit ere ghe mote
22 Wan ghelucke din scliep voret
So se dat et nicht, en werde vorstoret
23 Nimst du et neder If te ho 8''
ghelich in seden
Oderunt ylarem. tristes tristemque iocosi
Sedatum seleres. agilem grauiumque remissi
24 Nim dan ich hebbe si mi ghenoch
So heb ich. vroliches leuendes roch
25 Men achtit menghes leuendich nicht
Dar sich doch mennich in dode na rieht
26 Malk de redet na siner art
Also he van kinde hat ghelart
27 Grot ghelofte lichtet de truwe
Dat wiset de tromere vnd ist nicht nuwe
Multa fidem promissa leuant vbi plenius equo
Laudat venales. qui wlt extrudere merces
28 De jar berouet vns allen Suel
V^roude lust vnd minnen Spei
21,2. lies vruchtit 23,2. so. 4. lies celeres — guavumque
24, 1. lies Min 27, 2. lies cremere
11*
104 NIEDERLÄNDISCHE REIMSPRICHE.
29 Noch wnder noch leue. is en ouer al
Ein iewelich. houet heuet sunderen scal
30 Ich wil des mines ein here sin
Wat ok de kiudere spreken min
31 De wolust vlu dar schade af kome
Does du dat, dat ist din vrome
32 Te sistu alder. werlde got
Mer enheftus den notruft bloc
33 We penninghe hefl vnd nut der nicht
De ist in dogheden en snoder wicht
34 En westu nicht wor gelt tu licht 9"
Tor nut tor not, to anders nicht
35 Vruwen dar mer schaden is wen win
Vli balde mit tlite dat ist min sin
36 Des singher sede ist also
Vnghe beden singhet se ho
37 We dichten kan vTid swigen cleyne
mit dem hebbich neyn ding ghemcyno
38 De wcrlt ist nu also ghe stah
In allen heuet de rike walt
39 We en bekrumpen herte hat
Wat doch em des arsten rat
40 Din Icyt to den ersten vore di
Dar na so claghet to wrekenc mi
41 Sal man prisen dyne rede
Nacht den worden richte de sede
42 Nicht alle din wille sehnt to hau
Vil dicke wert et vm ghe want
43 We des speles nicht enkan 9"'
De lat af men laghedene an
44 Enes ghe misset en rekene ek nicht
Vil dicke dat dem wisen schit
29, 1. aus wndert gebefsert. 32, 2. lies enhefstu 35, 2. aus sim
gebefsert. 36, 1. lies Der 41,2. lies Nach 42, 1. lies to hant
NIEDERLÄNDISCHE REIMSPRUCHE. 165
45 De danken vnder vosses velle
En lat di nummer dreghen seile
Nunquam te fallent animi sub wlpe. latentes
46 Sve leret de eghestern vnd maket se tarn
De meister hunger. vnd nemet sich an
47 Dar na dat penninghe. halt din käste
Holt dy malk. den louen vaste
48 Vinstu ienighen swarten Swanen
So machtu vrouwen truwe maneu
49 Wat. er is. de willen neten
Voghe er is. de willen scheten
Nosce volunt onines mercedem soluere nemo
50 Wil ghelucke so werstu ho
En willet et auer. so blif also
51 De sunde wert gherekenet grot
Nach deme. de dar sunde dot
52 Ich loue den sone vm sine dat
Nicht dorch dat de vader hat
53 De rike \TUchtet. al dat waghet
De arme singhet. vnvorsaghet
54 Like sunde. werdet dicke dan 10"
De sere vnlich. doch Ion vntfan
55 Sveghestu et blas, dat vur wert grot
Heldestu et stille, et steruet dot
56 Lechstu \Tir by dore stro
Nicht lange blift dat stro also
57 Nach, leue, win en matet nicht
Si sint van schemeden. vnd angestes plicht
58 Wat man gyft. van gunsten dar
Des salman dancken dat ist war
45, 3. lies fallant 46, 1. lies We 2. lies en nemet 49, 2. lies
Noghe 3. lies Nosse 50, 1. lies verstu? 53,2. d. h. unvor-
zaghet 55, 1. lies Weghestu 56, 1, d. h. dorre 57, 1. lies
Nacht
166 NIEDERLANDISCHE REIMSPRUCHE.
59 War man minne. kopen sai
Dar ist dal spei vor loren al
60 En hedde sich Rome mit manheyt nicht ghe wegel
So wer aller hus dak mit stro ghe leghet
61 Methige dy slapes. vnd heb dir walt
De tyt wert lang de du rouwen salt
62 Vil dicke wert vor meden
De sunde in vryen steden
63 Wat man. vorbut des ger we io
Vor Stollen dink dat machet vro
64 Argus de hat oghen vel
Noch dan bedroch en minnen spei 10''
65 We nicht en geuet. vnd nemet io
Dem slut ich iummer de dore to
66 Dicke dat anliat maket kunt
Vorborgliencn hat des herlen grünt
67 Maghcre lüde allen sint se licht
Se sint doch ta vnd van senen dicht
68 Wor twe wol dreghen in ein
Seiden ist dat nicht ghe sehen
69 De iegherc iaghet dat dar vlet
Sin mote iummer vor went stet
70 Ich vle dal dar volghet mich
Dat dar vlet dat iaghe ich
71 Wat en ander vor dinet sich
Wor vmme sal dat scaden mich
72 De vruwe is vville sets vnd vor wäret
Mit wu groter hude men varet
Nee custodiri ni vellit vUa potest
73 Dat. dorheyt is. dat ghe openbaret
De hemelich mach bliuen. vn vor kart
08, 1. lies droghen (i9, '2. lies inoet — vorwert 72, 1. lies en
willcj se is unvorwaret 3. lies velit 73, 1. lies Dat
NIEDERLÄNDISCHE REIMSPRUCHE. 167
Quis furor est (|ue nocte latent, in luce fateri
Et que clam facias facta referre palam
74 De wnden heb ich seinen dan
Dar ich grot lidem mut af han
75 En loue nicht dn en seyst den ende
Wo lichte eft it sich vmme wende
76 De vngheiuckege iaghet dicke
Dar vnghelucke em leghet stricke
77 Wat ghe metet werl. van tid 11"
Des werstu vf de lenghe quit
78 Of du mi nicht sconen wult
Scone den minnen vnd hebbe gedult
79 Ich iide lichte dat recht mi doet
Vnscnldich liden mi suaret den mut
80 Tu den boghen nicht to ser
Ift du des willes bruken mer
81 Ost vnd Westen louet di
Wan du bist in dogheden vry
82 Echtstap soke din ghelich
Wlt tu bliuen in vrouden rieh
83 Hopene sterket manghen man
De is mit ghe dult vor beyden kan
84 Wy ropen alrest de gode an
Dat se vnghelucke vns worpen van
85 Vrolicher drome beyde ich dan
Wan ich. war vroude nicht enhan
86 In körten, worden bore mir
Roke du mir. so roke ich dir
87 Swighen lengher. ist mi swar
Dat vur wil sin openbar
88 De iuncvrouwe nemet scaden
De volghen wel losen manen
74, 2. lies liden 82, 1. lies Echtscap 2. aus wrouden rieht ge-
befsert. 2. manen] lies raden
168 NIEDERLANDISCHE REIMSPRUCHE.
89 Lere schone vrouwen. vlen 11''
Dar an so wil ich dy dogede ghen
90 War. de mere sint to grot
Dar ist vil dicke de loue dot
91 Nyer leue ist licht wederstan
Went lieh en cleyne vur. ut ghedan
92 In ghesten is de leue vn wis
So du. wenest euen. so vindestu mis
Certus in hospitihus non est amor, errat ut ipsi
Cumque nichil speres. firmius esse fugit
93 Du bist mer der minnen unecht
Lat de vapen. des hefstu recht
94 En iaghe nicht dat rade ich dy
Beyde. wentz körn ripe sy
95 Aller stunde hebbe we. vor dreet
De vns de vToude lang vor teet
96 AI iuncvrouwen lif ist kranc
Also ist ok der dancke wank
97 Wan ich des nicht kan vramegan
So niot ich weder de wapene an van
98 Vil dicke de arsten den >Touwen gad
Dar sie dan blancke arm au vad
99 Kus de nemcn anderen hat
Dostu dat. dat is min rat
Elige de vacujs. que non sibi vendicet aller
Si nescis dominum, res habet ista suum
100 Ein heyl wonet vns beyden by
Lit mit mi. ich lide mit dy
101 Wor leue dut vnd nicht, dat laut 12'
Dar werdet schone sake nant
Nee te lar proprius sed amor reuocauit amice
Preteudens culpe splendida verba tue
102 Wor oghen sen de kranken an
De werden dicke krank da. van
'Jl, 3. lies Hehl is 93, 2. lies wapen 99, 1. de] lies dat
NIEDERLÄNDISCHE REIMSPRUCHE. 169
103 Swe roret dat. vur mit sweuele gicht
Vel mer he den des vures kricht
Aldus schut dem de nicht, vor tyget
Aldat in em de leue vor nyget
Et pene extinclum ignem si sulfure tangas
Crescit et exminimo maximus ignis erit
Sit nisi tu A-ites. quidquid reuocabit amorem
Fiamma recandescit que modo nuUa fuit.
104 Hopene. de vor beydet noch
Is se walsch. se vrowet doch
105 Troyen win sich lang, vor toch
mit herdeue wart en wunnen doch
Capta vides sero. pergama capta tarnen
106 Recht heft dat ghewesen ie
We pine dichtet de lide sie
107 Wem du louest truwe best
In minnen spei dar hot dich raest
108 Wan ich gaue nicht gheuen en kan
So gheue ich scone wort en dan
109 Mit listen boghestu telghen wol
Anders mit macht, so brekestu se al
110 Wan vnstede dat. weder is
So liden de lichamme des wes wis
111 Ouer spei, vil dicke liet
Dar men stede gyst mit tiet 12
Cogis adulterium dando tempusque locum
112 Ghelucke grot vnd over vlodich
Maket manghen man ouer modich
113 Swighe der dink dat is nicht grot
Mer spreken. vorborgen, dat is de dot
114 Hodet iu iuncvrowen. de man de dreghet
Et ist ghemeyne dat sie leghet
103, 7. lies Sic 104, 3. lies valsch 111, 3. lies locumque
113, 1. lies SwigheD
170 NIEDERLANDISCHE REIMSPRUCHE.
115 Mit (Iroghene mach man droghene angau
Mit wapene den wapenden weder stan
116 Erde gift cmt got vnd quat
Vil dicke bi rosen netele stat
117 Bösem beghinne. sta. weder vro
Dat et nicht, argher werde io
118 Nacht tyt sal man drincken. wien
He dot en anders scaden schien
Temporibus medicina. valet. data tempore prosunl
El data non apto. tempore vina nocent
119 En wullu nicht in minnen strich
So en wes nicht ledich. dat rade ich
120 Van not ich dicke lide
Des ik in nut vor mide
121 Enen groten euer to mengher stunt
Leitet vil dicke eyn cleyne hnut
122 Dar en is nicht so vele quat
Es nc möge mit gode werden rat 13"
123 Vmme iuncvrowen scrigen heb ik gunsl
Wente tu scriende hebben sie kunst
124 Vntkusche leue. vodet dat goed
Des en beret er. dicke armol
125 Noch lilie viole eder Rose sin
Holdet lange eren ersten schin
126 De lyd komet snel dar to seet
Das spegelen is vns al vor dreet
127 Trösten de moder. want kinl is dol
Dat ist in wareyt. dorheit grot
128 War. vnvrede van samede is
De Schede so ist dar vrode wis
129 Des menschen antlat is ho van art
Van anderen deren to hemele kart
115, 1. aus engan gebefsert. 118, 1. lies Nach 124, 1. lies Vu-
kusche 2. er aus et gebefsert. 125, 1. lies fin 126, 1. tyd
aus tod gebefsert.
iNlEDERLÄNDISCHE REIMSPRLCHE. 171
130 Den middel wech in allen best
Dar ist de mensche velich mest
131 Ich proiie dat beste vnd gheiies rede
Doch dicke in bösen volgik mede
132 En krank, beghin ^il dicke hat
Ghe lucke want to dem ende gat
133 Wy louen also der alden sede
Dar we der tyd doch bruken mede
134 Men eret vns allen vm dat gelt
De arme in allen dar neder velt IS**
135 Malk de louet den anderen des
Des he seinen vor vullet es
136 Den starken dunket al lant got
Also den visschen dat vater dot
137 Vnsculdich. heft dar mede sin spot
Vnd bndet allen legheren trot
138 De bilde den vnd ordel rechte weidet
Van et de bedere suluen. halden
Sic agitur censura et sie exempla parantur
Cum judex alios que monet ipse facit
139 VVolde mi io en den don lede
Ich ghenghe to den anderen de helpe dede
140 Ghelucke heuet vreude vel
Vnghelucke ver werpt se Snel
Dum fueris felix multos numerabis amicos
Tempora si fuerint. nubila sohis eris
141 Solde got al sundere slan
So en dorchte. he nummer ledich gan
142 Enes lewen herte. is ghe noch
Neder gheslagen. vnd hebben voch
Corpora magnanimo satis est prostrasse leoni
Pugna suum finem. cum iacet hostis habet
nO, 1. lies De — is aller 2. d. h. vellich 136, %. lies water
138, 1. bilden deu] lies bilden 2. lies Wan 140, I. lies vrunde
2. aus wer werpt gehefsert.
172 NIEDERLAxNDISCHE REIMSPRÜCHE.
143 Ergher ist de gast vor dreuen
Dan of he were dar vte bleuen
144 Du lachest nu mit dinen vromen
Hir na mach et di suluen körnen
145 Lank vndult maket stupen sin
Leyf vnd ere is sinnes ghewin
146 Wan et mi lucket. so hebbe ek pris 14'
Gheit et anders, so ne hete ich nicht wis
147 Van stediger sorghe. vor gheit min mot
Also nye was van ^•^l^e dot
148 Sunder des arsten vunt
Wert dicke de seke sunt
149 Ek en wet des nicht, vat et dot
Dat aller maik seghet sin lant got
150 In wisheyt vor hoge ik mi den mot
Doch beken ek mit bei. den de arste dot
151 De seke dancke in allen tiden
En kan nicht swares mit dult ghe lideu
152 De wnden de van tastene werdet, quat
De en rore me nicht, dat ist min rat
153 Tunghe swich vnd sprek nicht vor
Diu wort ist nu nicht mer ghe bort
154 Snode eset doch mot maus ghen
De leue ist vmme gelt ghe men
155 Wan enes van anghele. de wische hat seer 14''
So vruttet he vort al spise mer
156 Wort eyn allen van donre slaghen
Den vrochten mot doch vil manich traghen
157 Der suke de men mach. Ant fan
Sai nemant to na gan slan
158 De macht sy krank, de wille got
Dat louet men doch wan men rechte dot
145, 1. lies Stumpen 149, 1. lies wat 152, 2. me] lies men
153, I. lies vort 165, 1. lies visch 2. lies vruchtet
NIEDERL.4NDISSHE REIMSPRUCHE. 173
159 Sote water daf nieu drink
Aniiemest esel dar daret an sprink
160 Vel dicke de godde. den ghenen slael
De es ui mit scul vor dinet haet
101 Nach der lyd So bin ich vro
Nu aldus vnd morghene so
162 Do min schep ghelucke druch
Do was de westen by mi voch
Nu sich dat lucke wendet
De >Tuntschap ok sich endet
163 Des menschen lucke is kranck ghehangheii
Nu ist hebere morghene vanghen lö"
Omnia sunt hominum tenui pendencia filo
Et subito casu que valere ruunt
164 Heren bände de de slat lank
De dar gheuet de heuet dank
165 Leuer wil ich eten bonen
Den wol varen mit sorghen Ionen
166 Vor alle oucle is dat. we
Dar dancke vnd wort dreghet entwe
167 Bliuenden vrede en makestu nicht
Vnder catten vnd roden des we bericht
168 Wo suuerlich diu vare sy
Du ne blift dar doch nicht lange by
169 En kan ek nicht den. heren dynen
So do ich mi neder to den nienen
170 De leue werket al in sich
Wike wi er dat rade ich
171 Vel dicke by goden crude stat
Drespe vnd ok. hauer sat
172 Here mach, dy bidden gycht
Su vns an dat ist di licht
160, 2. lies scult 162, 2. lies der menscea by mi noch 163, 4. lies
valuere 167, 2. lies wes 168, 2. lies blifst 169, 2. lies minen
172, 1. Here aus He ere gebefsert.
174 SCHRETEL UND WASSERBÄR.
173 Men dar nicht maken. dar den wal
Dar men gyft ghe noch oueral
Non opus est vallo. quos dextra dapsilis ambit
174 We wisheyt heft au sinenn mode
De is rike noch van anderen gode
175 Sin eghene viant ist de man
Die sinen vianden des leuendes gan 15''
176 Wese wat vor lesen mach
Dene heft nin selich lach
177 Wultu wesen. ein gut richtere slicht
Gut, vrunt, anghest en beweghe di nicht
178 Vuuordreliker en wet ik nicht
Dan dar. de snode vulle macht kricht
173, 3. //('* (lextera 17 4, 1. lies sincm oder sinen 176, 1. lies
WILH. WACKERNAGEL.
SCHRETEL UND WASSERBAR.
Dllz ist von einem sehretel und von eineni
wazzerbärn .
Swer hovelicher nuere ger,
der neige herze und ore her :
dem git dis avcnliure
ein lachen ze stiure.
ich lache euch swenne des Avirt zit, 5
ob sorge mir die muoze git,
der ich von rehte ie muoste phlegen.
nu hoert wie der von Norwegen.
ein künic edel und hoch geborn,
eim andern künige üz erkorn, 10
an adele sinem genozen,
an richeil dem grozen
und an gewalt dem starken
3. in der liandschrijt gibet dise 7. von rehte] von sorge
8. bore
SCHRETEL UND WASSERBAR. 175
künige von Tenemarken
saiile ein zamen wazzerbern. 15
zwar, ich wil iuch der warheit w ern :
er was der wizeu einer,
ein grozer, niht ein kleiner.
dem bern da gegeben wart
gein Tenemarken iif die vart 20
ein wegewiser villän,
von dem laude ein Norman,
der in viieren solde
und sin durch miete wolde
schon üf der selben verte phlegen. 25
hin vuoren sie von Norwegen
über den se den starken
und quämen ze Tenemarken
in des edelen küniges lant.
dö sie von stade üf den saut 30
quämen beide dirre und der,
des bern meister und der ber,
des bern pfleger nam den bern
bi der lannen, hin vuort ern.
er sumte deine sinen ganc, 35
wan in der äbent des tages twanc
daz er ilte vaste
gein herbergen durch raste.
er gähte sere durch gemach,
unz daz er ligen vor im sach 40
ein schoene dorf. da hin k^rt er;
im volgte an siner hant der ber.
dö er in daz dorf quam,
da sach er wit und wünnesam
in einem hove guot husgemach. 45
und er den hof so schoenen sach,
er dähte in sinem sinne,
da saize ein ritter inne
oder sus ein guoter bände man.
dar kerte der villän 50
15. einen 2G. vuren 28. zv 32. absatz. 41. scL6n —
kerte er
176 SCHRETEL UND WASSERBÄR.
mit dem bern siizehant.
den wirt des hoves er da vant
gar trüric vor dem hove stän.
er was eia guot einvaltic man,
von art ein rehter gebür. 55
swie ofte im hart unde sür
wart sin lipnar mit not,
er gap doch guetlich sin bröl
ieslichem der sin mochte
und in mit ziihten suochte. 60
Mit dem bern der Norman
den wirt do griiezen began.
der wirt im dankte schone ;
er jach 'daz iu got lone'
und hiez in willekomen sin. 65
er sprach 'vil lieber vriunt min,
durch iuwer zuht tuot mir bekant,
waz tieres viiert ir an der hant ?
ist diu selbe crealiure
gehiure oder ungchiure? 70
daz eisliche kunder,
ist ez ein merwunder?
muoz ich mich vor im viirhten ihl?'
der Norman sprach 'nein, herre, niht:
ez ist ein zamer wazzerber. 75
min herre der künic sant in her,
der eren riebe von Norwegen,
disem küniclichem degen
hat er in ze presant
her gesendet in ditz laut, 80
dem ich in viiern und bringen sol.
vil lieber wirt, nu tuot so wol,
als iuwern lügenden si geslahl,
und lat mich mit iu über naht
bliben under dache 85
in iuwerm hüsgemache.'
51. saiitzehaiit 56. hart] wart 57. wart fehlt. 58. gäbe
59. Itslichem — gervchte 05. willekvmen 08. vuret 81. vuren
84. macht 80. hvsgeinacii
SCHRETEL UND WASSERBAR. 177
Der guole Tene einvallic
sprach 'ich bin ungewaltic
des hüses und des hoves min.'
der Norman sprach 'wie mac daz sin?' 90
des antwurt im der wirt zehant;
er jach 'der tiuvels välant
und sin gespenste ist zuo mir komen
in minen hof und hat benomen
mir swaz ich vreuden ie gewan. 95
mit niht ich daz ervaren kan,
waz creatiure ez si.
sin hant ist swa?r alsam ein bli :
swen ez erreichet mit dem slage,
swie groz er si, swie starc sin klage, 100
ez sieht in, daz er vellet nider.
sin gestalt und siniu lider
diu moht ich leider nie gesehen,
wan daz ich des fürwär muoz jehen,
und sage ez iu ze wunder, 105
daz ich gevriesch nie kunder
so starc noch so gelenke.
tische stüele und benke
die sint im ringe alsam ein bal.
ez wirfet üF und ze tal 110
die schüzzeln und die topfe gar.
ez rumpelt statte vür sich dar.
ovenbret und ovensteine,
körbe kisten algemeine,
die wirfet ez hin unde her. 115
ez get 6t allez daz entwer,
swaz ist in dem hove min.
nu hau ouch ich die vreise sin
und sin untät geviogen
und han mich gar von im gezogen, 120
des ich mich an iuch selben zie.
seht, min gesinde und al min vie
91. antwort 92. der] des 03. 94. kvmen : benvmen 97. crea-
Ivren 100. ez si 101. Er 102. Sine — sine gelider 110. er
113. Oven brete 118. 120. hab 121. 122. zieh : vich
Z. F. D. A. VI. 12
178 SCHRETEL UND WASSERBÄR.
liät ez her uz von im gelriben
und ist aleine driune bliben.
von im ich grozen kumber doi. 125
vil lieber gast, ir seht euch wol
daz mir hüsrät ist wilde,
ich hän ilf diz gevilde
vür disen hof gehüttet.
zestoeret und zeriittet 130
ist leider al min husgemach.'
der gast gezogenlichen sprach
vil lieber wirt, daz ist mir leit.
lät mich durch iuwer hövischeit
und durch iuwer zuht hin in 135
und lät mich hint dar inne sin.
waz ob mir lihte hilfet got,
daz der tiuvel und sin spot
und sin trucnüsse mich verbirt?'
'turrl irz gewagen' sprach der wirt, 140
' ich gans iu innenclichen wol.
ob ich die wärheit sprechen sol,
so dunket ez mich tumplich. '
der Norman sprach 'nu sliurel mich
und minen bern mit der spise. 145
ich dunke iuch tump oder wise,
ich wägez, swie mirz halt ergal.
' Sit ir sin niht mcU haben rat'
sprach der wirt, der guote man.
'ich teile iu mite swaz ich hau. 150
min einvjiltigez armuol,
vil lieber gast, daz nemt vür giiot.'
Der wirt ez im güellich erbot :
er gap im hier unde brot.
vleisch ruoben unde salz, 155
er gap im eier unde smalz
und vrischer buttern gnuoc da mite
ze spise nach des landes site,
und sinem bern einen wider;
124. darinne 129. vor 136. tiieiit 140. Turrel 141. g:an ez vch
148. sint 157. pvttern
SCHRETEL UND WASSERBÄR. 179
des im doch sider gnuoc wart wider. IGü
der ^ast im seile grözen danc,
er nam die spise und den tranc.
in gotes namen dar gienc er
hin in den hof, mit im der her.
Der guote man von Norwegen J65
tet vür sich den gotes scgen,
hin gienc er in ein bachhus :
er ahte klein lif sohhen gras,
als im der wirt da seife :
ein Hur er bereite, 170
als im der hunger geriet :
sin kost er söt unde briet,
dö nu diu koste was bereit,
er az und tranc und was gemeit
und gap ouch sinem born genuoc. 17.5
dar nach diu miiede in dar zuo truoc,
daz er sich leit üf ein banc,
und der släf in des belwanc.
der ber was von dem gene laz :
do er im gnuoc des widers gaz, 180
er leit sich bi daz fiur nider;
im wären miiede siniu lider.
Dö nu der guote man gelac
und shifes nach der miiede pflac,
und ouch der miiede ber entslief, 185
beert wie ein schretel dort her lief;
daz was küm drier spannen lanc.
gein dem fiur ez vaste spranc.
ez was gar eislich getan
und bei ein rotez keppel an. 190
daz ir die wärheit wizzet,
ez het ein vleisch gespizzet
an einen spiz iscuin ;
den truoc ez in der hende sin. ^
daz schrefel ungehiure 195
160. der iin doch sower gnvn wart sider 163. da 166. vor
167. bakhvs 168. svichen 172. Sine 173. kost 182. sine
gelider 186. hßret 187. kovnie 193. einem
12*
180 SCHRETEL UND WASSERBÄR.
sich salzte zuo dem fiure
und briet sin vleisch durch lipnar.
und ez des bern wart gewar,
ez dähte in sineni sinne
' waz luot ditz kunder hinne? 200
ez ist so griulich getan,
und sol ez bi dir hie bestan,
du muost sin lihle schaden nenien.
nein, bh'bens darf ez niht gezenien.
ich han die andern gar verjaget: 205
ich bin ouch noch so niht verzaget,
ez muoz mir rümen ditz gemach.'
nitlich ez üf den bern sach.
ez sach 6t dar und aliez dar;
ze lest erwac ez sich sin gar 210
und gap dem bern einen slac
mit dem spizze nf den nac.
er rampr sich unde grein oz an.
daz schrelel spranc von im hiiidan.
und briet sin vleischel fiirbaz, 215
unz daz ez wart von smalze naz.
den bern ez aber einez sluoc;
der ber im aber daz vertnioc.
Ez briet sin vleisch vür sich dar,
unz daz ez rehte wart gewar 220
daz nu der bräle süsle
und in der hitze brüste,
den spiz ez mit dem braten zöch
vaste üf tiber daz houbet hoch :
daz btesc tusler ungcslaht 225
sluoc üz aller siner maiil
den müeden bern über daz mül.
nu was der ber doch niht so fül,
er vuor üf und lief ez an.
daz sclw^lel im da niht entran. 230
er begreif ez mit den tatzen ;
bizen krimmen unde kratzen
211. ein 221. 222. svsle : prvs(e 227. 228. nivl : fvl
2?9. vur
SCHRETEL UND VVASSERBÄR. 18t
bpgonde er ez so grimme,
daz ez in grimmer stimme
und über lüt engestlichen schre 235
' we herre we ! we herre we!'
Swie kleine im wären siniu iider,
ez was doch starc, und greif hin wider
dem müeden bern in den giel.
ez zezerret im den triei ; 240
ez beiz, ez kratzte in unde kram,
daz er vor zorne lüte erbram,
und schrei in grözem grimme
sin an geborne stimme,
diu also grimmiclich erhal 245
daz allez daz da von erschal,
daz in dem witen hove was.
ob ir ietwederz da genas,
fiirwär daz was ein wunder.
der her und ditz unkuuder 250
begonden grimmiclichen toben,
iezunt lac daz schretel oben,
bi einer wil lac ob der ber.
sie wielkenz hin unde her.
die zwene kampfgeverlen 255
sich beide vaste werten,
nu bizä biz ! nu limma lim !
nu kratzä kratz ! nu krimmä krim !
sie bizzen unde luramen,
sie kratzten unde krummen 260
einander also grimmiclich,
daz als harte ervorhte sich
des bern meister, daz er vlöch
und in den bachoven kroch.
er kroch hin in und sach her vür 265
gar trilric uz des ovens tür ;
er luoi^et üz dem luoee,
und sach die gröze unfuoge
234. Daz iz 237. sine gelidet 240. zv zcirel — giiel
253. wile 264. bakoven
182 SCHRETEL UND WASSERBAR.
diu an dem bern da geschacb.
daz was suis herzen ungemach. 270
Daz schretel mit dem bern vaht
vil vaste hin gein mitter naht,
zuo lest er ez doch iiberwant.
ez vlöch von im und verswant.
war ez quam, wer weiz daz? 275
der her was von dem strite laz :
er leit sich üf den estrich wider
und rast diu kampfmüeden lider.
der Norman sach wol dise geschiht :
er quam 6t üz dem oven niht: 280
mit vorhten er dar inne lac,
unz daz er sach den liebten tac.
dö alrerst kroch er her vür
gar ruozic üz des ovens tür.
dö er üz dem oven quam. 285
sinen bern er dö nam
und vuort in üz dem bove bin vür.
der wirt des boves stuont vor der für:
dem gaste er guoten morgen bot.
er het gehört wol dise not, 290
diu in dem bove da geschacb.
der guote wirt güellichen spracii
und lebt ir noch, vil guoter man?'
'ja. Sit mir got des lebens gan,
so lebe ich gerne vür baz.' 295
ze vil geredet, waz touc daz?
mit kurzen werten überslagen,
er dankte im gröze, hört ich sagen,
und nam urloup. bin gienc er:
mit im gienc der zekratzte her. 300
Der guote wirt der villan
dö sinen piluoc rüsten began.
des pflac er, unde was sin site :
wan er betruoc sich da mite,
er vuor üf daz gevilde hin 305
*270. sines 274. er 278. raste der 287. 288. vor : dem tor
2')4. sint 298. groz
SCHRETEL UND WASSERBÄR. 183
durch siner lipnar gewin.
sinen pfliioc er da gevienc,
ze acker er da mite gienc.
er ment sin ohsen, hin treip er.
nu lief daz schretei dort her 310
und trat ob im uf einen stein.
mit bluote wären siniu bein
berunnen ul" und ze tal.
sin libel daz was liberal
zekratzet und zebizzen. 315
zezerret und zerizzen
was sin keppel daz ez truoc.
ez riet' eislich und lüte gnuoc
und sprach dem bümanne zuo ;
ez rief wol dristunt ' hoerst duz duo? 320
hoerst duz du? hoerst duz iedoch?
lebet din gröziu katze noch?'
er luoget üf und sach ez an.
sus antwurt im der büman.
'ja ja, min gröziu katze, 325
dir ze trutze und ze tratze
lebt sie, du boesez wihlel, noch,
sam mir daz öhsel und daz joch,
fünf jungen sie mir hint gewan.
diu sint schoene und wol getan, 330
lancsitic wiz und herlich,
der alten katzen alliu glich.'
'fünf jungen?' sprach daz schretelin.
'ja' sprach er ' üf die triuwe min:
loufe hin und schouwe sie. 335
dun gesffh so schoener katzen nie.
besieh doch ob ez war si.'
'pfi dich' sprach daz schretei, 'pfi!'
sol ich sie schouwen? we mir wart,
nein nein, ich kum niht üf die vart. 340
307. enpfienc 309. menle 315. zekralzl 316. zvzerret
317. er 318. genvc 320. 321. hörest 324. Sust aulworl
325. inine 331. Lanlsilik 332. alle gelich 336. dviien
gesehe
184 SCHRETEL LXÜ WASSERBAU.
sint ir nu sehse worden,
sie begönden mich ermorden :
diu eine tet mir e so we.
in dinen hof ich nimmer me
kume die wile ich hän min leben.' 345
diu rede quam dem büman eben.
Daz schretel sä vor im verswant.
der böman kerte beim zehant.
in sinen hof zoch er sich wider,
und was da mit gemache sider. 350
er und sin wip und siniu kint
diu lebten da mit vreuden sint.
341. Sechs 348. karte
y^us der Heidelberger handschriß 341. bl. 371' — 372'
(z. 1 — 312) u?id 370* {z. 313 bis zum schliiße): sie ist
nämlich verbunden.
Der abdi^uck ändert nur soviel uUthig war um augen-
scheinliche fehler zu beseitigen und aus der ungenauig-
keit und deti späten und mundartlichen formen des scJwei-
bers die reinere hofsprache des dreizehnten Jahrhunderts
herzustellen : es kennt dieser Schreiber z. b. kein weibli-
ches und neutrales iu mehr, statt dessen nur noch e ; vch
gilt ihm für iuch und für iu ; da für do und do für da :
V zugleich für kurzes u, für ii und uo ; langes li ist durch-
weg gegen den diphthongen ov und demgemäfs der unt-
bezeichnet ; endlich ür und iur dehnen sich in zweisilbiges
öwer und ewer.
Auszüge dieses gedieh tes stehen bereits in der vor-
rede zu den irischen elfenmärchen der br. Grimm : der ge-
wandte, frisch lebendige, durchweg wohlgemefsne vortrug
(ze vil geredet, waz touc daz? 296), wenn schon der Vers-
bau nicht der beste ist, schien es auch einer vollständigen
mittheilung werth zu machen. dem Inhalte nach ist es
ansprechend durch die zwiefache belehrung die es uns ge-
währt, als hauptbeleg des alten glaubens an schädliche
liai/skoholde und als ausgeführteres zeugnis für den ge-
SCHRETEL UND WASSERBAR. 185
brauch den alteinheiinischen thierkönig zur Schaustellung
einzufangen und zum spiele zu zähmen, nur über letz-
teres noch einige worte.
Schoft im neunten jahrh. zogen spielleute mit baren
um : Hinkmar erzbischof von Rheims gebot den pfarrern
seines sprengeis nee turpia ioca cum urso vel tornatricibus
ante se facere perraittat {cnpit. ad prcsbyt. 14. ebenso mit
beinah wörtlicher iviederholung Regino de eccl. discipl.
2, 213); auf einem basrelief am portal des grofsmü/tsters
von Zürich geigt ein solcher in der mitte zweier baren,
und die Vilkina-saga erzählt 120. 121 wie der hehl Vil-
difer, in eine bärcnhaut eingenäht, sich von einem spiel-
?nann führen llifst und nach dessen harfenspiele tanzt,
also tanz zum saitenspiel : aber singen, wie das sonst zu
den beiden noch gehört, lernt der ungeschickte dock nicht :
daher die spiichwörtlichen Wendungen man lerte ein beren
e den salter IVolfr. Tit. 87. ich wil in sagen daz der her
nimmer wirt ein guot singer welscher gast 1, 2: dem ent-
gegen ist an dem fries der crypta des Basler münsters ein
bär abgebildet welcher geigend vor einem gekrönten löwen
steht, und ein haus in Breslau hat zum heiteren zeichen
einen orgelspielenden baren, und wie in unserm gedichte
der bär ein königsgeschenk an einen könig ist, so auch
die zum tanz und andrer kurzweil abgerichteten und gleich-
falls weißen baren in Ruodlieb 3, 84/'. 172. 207 und die
lewen unde bern im Rolandsliede 14, 29 ; ebenda 21,9 sieht
man in dem thiergarten Karls die lewen also grimme mit
dem beren rechten, und 110, itff. kommt ein bär mit zwain
cheten ?)o;': unser dichter Zh sagt dafür mit dem üblichem
ausdruck lanne : vergl. als ein ber der an einer lannen
strebt üb. weib 769. den gezähmten löwen am hofe Con-
stantins den Asprian gegen die wand zerwarf {Rother
Mafsm. 179'') sah dieser ebenfalls für einen jung e?i bäreiu
ein berwelf, an (ISl'') : mit einer noch weiter gehenden ko-
mischen abstuf ung nennt unser kobold den baren eine katze.
dafs aber auch andre als blofs fürsten sich zur belusti-
gung baren hielten, zeigen die rcchtsvorschriften im Sach-
sensp. landr. 2, 62. Sehwabensp. landr. 202 und Augsb.
stadtr. 1 1 2 ; den klöstern war die Unterhaltung dieser wie
186 DER TLGENDHAFl'E SCHREIBER.
anderer ivitde/i thiere verboten -. Raumers Hohenst. 6, 410.
423. Augsburg hatte vor Zeiten einen berleich (Jac. Grimins
Mythol. 274), Bern noch jetzt seinen bärengraben.
WILH. WACKERNAGEL.
DER TUGENDHAFTE SCHREIBER.
1.
Wie in der spräche überhaupt viele wörfer erkalten, ih-
rer Wurzel vergefsen oder sie gar verleugnen, eigennamen
sinnlos werden und bei manchen benennungen nicht mehr zu
spüren ist aus welchen lebendigen appellativen sie einst her-
vorgiengen, so giebt es auch gangbare und allgemein ver-
ständlich gebliebne ausdrücke die in gewissen fällen oder für
einzelne bezüge ins leere und abstracte geralhen. ich denke
hier vorzugsweise an adjectiva, die von natur immer eine
Irische bedcutung haben, allmählich ganz titelhaff werden kön-
nen, und es leuchtet ein warum in der fefselnden Zusam-
mensetzung die abstraclion schneller als bei dem losen unge-
bundncn worte ergeht; z. b. edler mann, freier herr sind
stärker als edelmnnn, freiherr, die blofs den stand bezeich-
nen, und einer der sich nicht selljst loben würde 'ich bin ein
edler mann,' darf unbedenklich aussprechen 'ich bin ein edel-
mann.' aber auch das unzusammengesetzte adjectiv kann in
den titel übergehen, und dafür sei ein beispiel aus der alten
spräche entnommen.
Unter unsern minnesängern kommt bekannllich einer vor
der nicht anders als der tugenthafte schriber heifst und
den der Wartburger krieg 31S. 2, l'' sich selbst so benen-
nen läfst,
her ff 'alt her Idt in tdlanc vri:
ich iugcnihaftcr schriber tHte im zuo mit sanges gir.
wäre das nichl ein von jedermann beigelegter titel gewesen,
der dicliler hätte sich solcher bezeichnung sicher enthalten,
sie mag damals einem öfftMillichen, in ehre und amt stehen-
den notar überhaupt gebührt haben, ohne dafs sich daraus
seine besondere trelBichkeit beweisen liefse. die schreibe-
kunst stand im mittelalter an den holen noch in grofsem an-
DER TUGENDHAFTE SCHREIBER. 187
sehn, und es käme darauf an in lateinischen Urkunden ein
scriba virtuosus (virtuosen heil'sen uns nur musiker) zu ent-
decken, das dem deutschen titel zum vorhild gereiclit hätte.
tugenthaft soll blols sagen laudabilis, honestus, wie wir noch
heute löblich für manches amt und hantwerk brauchen, in
den Jahren 1345. 1346 kommt der nämliche titel im ober-
bairischen Städtchen Rain vor, wo damals ein Andre iJer
tugentlich schreibet' lebte, MB. 16, 400. 402. 405. will man
aufmerken, so werden sich bald noch mehr beispiele linden,
sehr häufig sind auch die bezeichnungen offen schriber, ge-
stvorn schriber, obinste schriber. im Reinhart 1525 wird
Briin an-jeredet edile scribwre. JAC. GRIMJVI.
2.
Den tugendhaften Schreiber nennen bekanntlich chroniken
des 15n jh. Heinrich (Hag. MS. 4, 463 f. 878), so dafs die
hergebrachte Vermutung, er sei der Heinricus scriptor oder
notarius mehrerer Urkunden der landgrafen Hermann und Lud-
wig, allerdings nicht aus der luft gegriffen ist. aber Adelungs
einfall, Heinrich der tugendhafte Schreiber sei eins mit dem
Heinrich von Reisbach dessen Wolfr. Parz. 297, 29 gedenkt,
sollte längst der vergefsenheit verfallen sein, ich will ver-
suchen ihn zu beseitigen, nicht durch die bemerkung dafs
Heinrich von Reisbach nirgend als dichter erwähnt Avird,
sondern durch unbefangne auslegung der einzigen stelle die
überhaupt von ihm redet.
Wolfram beschliefst Keies ehrenrettung mit den worlen
voti Bürgen Jurste Herman,
etslich din ingesinde ich maz-
das Msgesinde hieze baz.
dir wcere och eines Keien not,
sit tu drill mitte dir gebot
so manecvaltcn anehnnc,
etsu'd S7ntehlich gedranc,
tmd etswd loerdez dringen.
des muoz her IValther singen
'guoten tac, bws unde guot. '
188 DER TUGENDHAFTE SCHREIBER.
swd man solhen sanc nu tiiot,
des sint die valschen g-erel.
Hei heis in niht geleret,
noch her Heinrich von Rispach.
i\. i. solchen gesang wie ihn die gemischte gesellschafl am
Thüringer hofe herrn Walther abnöthigt, den schlechten zu
unverdienter ehre, würde den sänger weder Keie noch herr
Heinrich von Reisbach gelehrt haben, dieser conjuncJivus des
plusquaniperfectums (denn nach dem präsens 7nuoz lälst sich
het nicht indicativisch tafsen) zeigt dals Heinrich von Reis-
bach als VValther jenes lied dichtete, 1205 oder wenig spä-
ter (Lachniaon zu Walther 20, 4), und als Wollram nicht
lange darauf im sechsten buche seines Parzival es neckend
erwähnte, nicht am thüringischen hofe lebte, ja dafs er über-
haupt nicht mehr am leben war. aber nicht nur der gram-
niatik spottet mit leerer Vermutung die annähme Heinrich von
Reisbach werde als ein noch lebender hofteamter des land-
grafen Hermann angeführt, sondern auch des ganzen sinnes
und Zusammenhanges jener stelle. Heinrich von Reisbach
und Keie werden von Wolfram als strenge hüter höfischer
zucht einander gleichgestellt : wenn also landgraf Hermann
den Reisbacher an seinem hofe hatte, wie konnte Wolfram
sagen 'du hättest auch, wie Artus, einen Keie nöthig?'
Herren von Reisbach sind bis jetzt nur unter der bairi-
schen ritterschart nachgewiesen: Reisbach (Rispach) liegt an
der Vils in der gegend von Landshut. Heinrich von Reis-
bach, der vielleicht noch einmal aus einer Urkunde auftaucht,*
mag also an dem hofe eines bairischen herzogs strenge zucht
geübt haben. H.
* die Worte des lin \o(i der llageii (4, 46t'') der ebd.' (moii.
Boie.) 'VlI genannte Heinrich 1170 Iicifsl in der urk. von Uisaclie' be-
ziehen sich auf den \^ iderspiui h der wahrscheinlich rchlerhaflen na-
inensangabc im index und der Urkunde s. 451.
189
BISLEHT.
Gäbe unsre heulige krilik noch gerne lohn aus (aber sie
nimmt sich fast nur zu tadel zeit), so hätte sie Grieshabers
sorgsamer uneigennütziger bekanntmachung seiner bandschrift
von alten predigten den wärmsten dank zollen müfsen. es
ist aus dem buche so viel neues zu lernen für unsre spräche
dafs man nicht einmal von der innigkeit und der menge sin-
niger gedanken in diesen predigten angezogen zu sein braucht,
wie ich es bin, um sie mit wiederholter aufmerksamkeil zu
lesen, diesmal will ich ein rechtes «t«^ ).fy6iifi'ov ausheben
und so gut ich vermag erläutern.
2, 16 oder bl. 146" heifst es bei crzählung der hochzeit
von Cana 'füllent die züber mit wazzer! also fulton si die
züber hinz si biscleht wurden.' nach der vulgata Job. 2, 7:
'implete hydrias aqua! el impleverunl eas usque ad summum
(toyg ttvo}).' über den sinn des worts kann kein zweifei wal-
ten, es soll gesagt sein 'bis sie voll an den rand wurden.'
das SGL ist nach der durchgängigen weise dieser hs. aufzu-
lösen in übliches SL, und weil sie gleich andern mhd. denk-
mälern zwischen bi und be unterscheidet, dem adjecliv die
genauere Schreibung bisleht zu ertheilen. sieht nämlich ist
das nhd. schlicht, aequus, planus, und bisleht auf ein nafses
oder trocknes gemäl's angewandt soll ausdrücken dafs der fül-
lende Stoff" mit dem rand des gefäfses, worin gemefsen wird,
oben ganz gleich stehe, ich kenne das wort sonst nur in
einer späteren verderbten form aus Schmids schwäbischem
Wörterbuch s. 54, wo eine Ulmer Verordnung von 1317 an-
geführt wird, wonach sechs aufgemefsne metzen acht bein-
schlechte gleich kommen; offenbar beischlechte, denn was
hätte hier bein zu schaffen? das bi halte ich zu dem gr.
ini in tniHKy]g aequus, welcher begriff schon im einfachen
finög liegt und nur durch die präposition befestigt wird.
Die griechische spräche besitzt für die randfülle bei be-
chern das schöne, unserm bisleht allenfalls vergleichbare wort
iniaTeqtjg, und arecf^^avt} ist rand oder kränz ; lieblich klingt
aber auch die unserm alterthum geläufige Umschreibung der
190 BISLEHT.
eimer soll so voll methes sein dafs eine fliege an seinem
äufsersten rande trinken könne' (weisth. 2 s. IV); das ist
der KQr]rrjo imareq^^g oYi'oio II. 8, 232. Od. 2, 431. eigentlich
wird es geheifsen haben 'die biene' (altn. bifluga)^ denn auch
ein wafsergerichtsweisthum (2, 464. 467) läfst die biene, un-
senetzt und unverletzt ihrer fiifse, des wafsers trinken, das
sanskrit nennt die biene madhupn d. i. mel bibens, darum
trinkt sie auch den süFsen meth und aus der zeit des meth-
trinkens mufs jene redensart hergeleitet werden.
Hiermit könnte ich schliefsen, quälten mich nicht ein
paar ahd. glossen. Graff hat 6, 778 pisleht bei^illus, sogar
mit der vollends unsinnigen Variante pilent. aber was soll
berülus? ist der von allen seilen glatt geschliffene edelstein
(ßt^ovXkog) gemeint? oder führt berillus auf ein aus unsrer
spräche in die lateinische des mittelalters aufgenommenes wort
berilus, birilus mit der bedeutung von schale oder gefäfs?
Ducange hat nichts dergleichen, aber ahd. bedeutet biral urna,
biril cophinus (GrafF 3, 156): es ist ein fragbarer eimer oder
korb (von beran ferre). pisleht (oder verderbt pislnht) wird
nun auch zu Verdeutschung von statov und dra^ma gebraucht
(GrafF 6, 777) und gleichbedeutig gesetzt mit spaiu was in
neue Unsicherheiten stürzt, denn span ist sonst annulus, mo-
nile, spinlher (Graö'6, 347), spaiifin cuhitus, palma, was an
drogma manij)ulus reicht, wo nicht dragma mit drachna
verwechselt wurde, wie das daneben stehende stater glauben
macht, von stater auf statera wäre nur ein schritt und
statero kann wie lanx auch eine runde schale bezeichnen,
also wieder eine urne.
Die Verwirrung steigt aufs höchste, wenn nach einer an-
dern glosse (6, 71%) pisleht zn^\e\c\\ pestis^ das einfache sieht
clades wieder giebt. sieht verderbt aus slaht caedcs begriffe
sich. Ducange ge\\ährt pestis auch in der bedeutung von
pesiillum^ pistillunt und ein solches Werkzeug könnte von
seiner glätte pisleht heifseu. ich komme aber damit zu kei-
nem ende, und es mag genügen jetzt auf diese seltsamen ahd.
pisleht gewiesen zu haben ; vielleicht dafs der Zusammenhang
der glossen befser erforscht und der wortsinn gesichert wer-
den kann.
Weil ich vorhin ein mlat. birilus zu vermuten wagte.
DAS TODTEiNREICH IN BRITANNIEN. 191
sei hier noch eines bisher unerläuterlcn ags. und altn. Wor-
tes gedacht, ags. ist hijrel pincerna Beov. 2316, hyrlian
propinare vinum cod. Exon. 161, 8, desgleichen altn. byrill
pincerna, bijrla miscere, propinare, vergl. Sa-m. 67" hyrladi
mii'nl. man hat doch unbedenklich heran ferre als wurzel zu
betrachten, der hyrel ist wer den trank schöpft, trägt, wie
sonst hladan haurire bedeutet und hl'dst onus z= bürde. Joh.
2, 7 hiadad and berad, haurite et ferte. der bi/rel ist also
ein tragender, holender, wie jenes birü ein gefäfs, worin ge-
tragen wird, gleichviel ob wal'ser oder etwas trocknes. byrel
mag also allgemein einen promus condus bezeichnen und her-
nach auf das schenkenamt, als das wichtigste im altertlium,
eingeschränkt werden, piticerna führt man auf ein mittel-
griechisches TTiyxf'iJvtjg für inixi()r7Jg von inixoiinui olvov zu-
rück, unser schettk und schenAe/i beziehen höchst wahr-
scheinlich sich auf den knochen (ags. scanca) der am gefäfs
angebracht war, aus welchem man einschenkte.
JAC. GRIMM.
DAS TODTENREICH IN BRITANNIEN.
Procopius de hello Golh. 4, 20 berichtet dafs von der
nordküste Galliens ans die seelen der verstoi-benen nach einer
insel bei Brittia (nicht nach Britlia selbst) übergefahren wür-
den. Brittia ist ihm das sonst sogenannte Britannien, wäh-
rend er unter letzterem namen Irland zu verstehen scheint,
die einwohner von Brittia nennt er BglrrcDi/fg, die notilia
imp. 39 hat den gen. Brütonnn, Widukind 1, 8 Bretti (mit
e wie BQiTxavog) ; andere pflegen die einwohner der Bretagne
Brittones zu heifsen. diese einfachere form ist als name der
Britannen auch in die hochdeutsche spräche übergegangen :
Dovmoiiiam (d. i. Damnonia) prettonolant Wessobr. gl. den
kunic von brüten hiezen sie manen unde bitten Heidelb.
kaiserchr, 43". der künc von den brüten Ruol. 57, 25 ; da-
neben die Zusammensetzung brittlandari hrittones gl. Trev.
11,24. Brittones Brithndra {^V^XXBridendra) gl. SBlas. 79''.
Mit festhaltung nun eben dieses einfacheren namens zeigt
sich, was noch viel wichtiger ist, auch die Vorstellung von
192 ZU RARAJANS DEUTSCHEN SPRACHDENKMALEN.
jenem britaimisclien todtenreiche bis in das 13e jh. hinein
unter den Deutschen festgehalten, das zeugnis steht in einer
erzählung der Heidelberger hs. 341, bl. 360^ ein ritter, dem
statt seiner längst gestorbenen mutier ein anderes altes weib
die ihn für ihren söhn ansieht durch kaiserliches urtheil als
multer zugesprochen wird, sagt endlich da ihm alle Vorstel-
lungen nichts helfen
wol her, liebiu muoter min!
in sult mir willekomca sin.
doch envriesch ich solher mccre nie,
daz also lange ein vrouive ie
hin en Priten si gewesen
und alsus manec jar genesen.
si sol uns dennoch sagen me
wie ez in jener werlde ste.
WILH. WACKERNAGEL.
ZU KARAJANS DEUTSCHEN SPRACHDENK-
MALEN.
Herr doctor K. lloth in München hat mich brieflich und
das publicum der Bayerischen landbötin in nr 37, vom 27n
merz 1847, darauf aufmerksam gemacht dafs in meinen deut-
schen Sprachdenkmalen des 12n jh. s. 62 z. 4—19 mit Graffs
Diutiska 2, 298 f. (und, setze ich hinzu, mit dieser Zeitschrift
3, 520 f. z. 31 — 57) ziemlich genau übereinstimmt, ferner
s. 65 z. 5 — 19 mitDiut. 297 f. (zcitschr. 519f. z. 1 — 30),
und s. 65 z. 20 — s. 67 z. 6 mit Diut. 299 ff. (zeitschr.
521 ff. z. 58 — 127). von den hundert textseiten meines
büchleins sind also allerdings drei halbe selten nicht zum er-
sten male von mir herausgegeben. KARAJAN.
193
PANTALEON
VON KONRAD VON WÜRZBLRG.
Bafs die Wiener handschriß 2884 (ehemals Philol.
120) hinter Rudolfs Barlaam und erzahlungen des Strickers
ein gedickt über den heiligen Pantaleon enthalte war mir
aus dem Museum für altd. lit. und kunst 1, 599, Graffs
Diutiska 3, 352 und Hoffmanns Verzeichnis der altd. hss.
der JFicner hofbibliothek s. 92 längst bekannt-, aber ich
mufs die schlufszeilen dieses gedichtes gar nicht oder so
unaufmerksam gelesen haben rvie die tcelche sie abdrucken
liefsen und in dem dort erwähnten Johannes von Arguel
den verfafser erblickten, ein zufall liefs mich neulich in
Hoffmanns buche jene verse genauer ansehen, und nunmuste
ich wohl den dichter erkennen, mein freund Karajan,
dem ich die kleine entdeckung meldete, liefs sogleich eine
abschrift für mich nehmen, aus der ich das gedieht in
wenigen tagen und mit geringer mühe für die herausgäbe
reinlich darstellen konnte, denn die handschriß, perga-
ment, aus dem vierzehnten Jahrhundert, verdient alles lob.
Johannes von Arguel, für den Konrad von Würzburg
die legende vom heiligen Pantaleonin deutsche reime brachte,
tritt als ein fünfter Baseler beför derer seiner dichtkunst
zu den bereits bekannten, den domherren Leutold von Ro-
tenleim, auf dessen bitten er den Silvester reimte, und
Dietrich an dem Orte, für den er den trojanischen krieg
verfafste, und den beiden bürgern Johannes von Bermes-
weil und Heinrich Iselin, denen er den Alexius dichtete,
der sogenannte Albert von Strafsburg, bei Ursfisius Germ,
hist. 2, 113, erzählt von Johannes von Arguel und vom
Baseler bischof Peter Reich (Petrus Divitis), der nach Ochs
gesch. von Basel 2, 6 von 1286 bis 1296 bischof war, qui
episcopus cum quadam vice quaedam in consilio Basil. pete-
ret, loannes de Arguel, cui plebs adhaesit. contradiceos ab
episcopo dicente 'ego l'aciam tibi erui oculos tuos' illa vice de
Z. F. D. A. Vf. 13
194 PANTALEON.
loco consulum est expulsus. cui etiam civi de Arguel Petrus
Scalarii senior, iniles valentissimus, in consilio sibi resistenti
respondit ' nescis quod in una domo paterfamilias et scrof'a
morentur, sed aliler et aliter leneantur?' die folgenden
nachdichten verdanke ich durch Wilhelm Wackernagels
freundliche verrnittelung herrn doctor Fechter in Basel.
Johannes de Arguel bosafs im j. 1297 einen garten uf Kö-
lehusern d. h. bei der Leonhardskirche , nach einer angäbe
in der registratur dieser kirche ; einer des gleichen na-
mens, aber ohne jahrzahl, kommt als bewohner des hau-
ses zem tor {am Eschemer thor) in Vrstisius handschrift-
lichen analecten vor. sonst aber gehörte denen von Argiiet
das spätere haus der bäckerzunft {an der freien strafse) :
domus dicta Arguel nunc zunfla pistorum, excerpt einer ur-
kunde von 1363 in denselben analecten. — ich setze hin-
zu dafs die von Arguel seit 1264 außer besitz der bürg
Arguel {jetzt Ergüel) gewesen zu sein scheinen; wenig-
stens trat in diesem jähre, nach einer Urkunde des Base-
ler bischofs Heimlich, bei Herrgott geneal. Habsb. 2, 387.
Otto von Arguel parteni casfri de Arguel ipsum conlingen-
lem, advocatiani ibidem et omnia leoda quae ab ci-clesia no-
slra Basiliensi vel eo iure quod burclein dicifur vel alio quo-
cunque tenebat in valle sancli Vmerii, praeter ea feoda quae
alii tenent, ab ipso vulgariter dicta manlein, gegen die quarta
decimarum apud Rolzdorf an das bisthum Basel ab. — auch
für die bczeichnung der Winharten tohter kint {z. 2141)
theilt Wackernagel mir erläuterungen mit. der name
Winbarl ist im allen Basel häufig, die jetzige hutgaj'se
hiej's im 13/? jh. Winliarles gazze; es stand da die domus
Winliarlin lius {urk. von 1258 im archiv des Petersstiftes),
einen VValther Winhart nennt die registratur von S. Leon-
hard im j. 1290 als bereits verstorben: hinder Walthers
seligen W'inarts garten und noch einmal orlus quondam Wal-
iheri V\ inhart. — jenes \\ iniiarlin hus zeigt daj's man im
genitivus pluralis Winharten sagte : Konrads zeile ist also
zu erklären 'kind einer tochter des geschlechtes der Win-
harten. — einen Waltherus Winhardi ^V?f/e ich unter den
zeugen einer Baseler Urkunde von 1263 bei Ochs 1, 385
PANTALEON. 195
Ixonrad hat ohne zweifei die lateinische legende vom
h. Panialeon bearbeitet von welchev die Acta sanctorum
im 6n bände des Julius s. 400'' handschriften anßihren.
sie ist, wie dort bemerkt wird, aus dem griechischen über-
setzt: unter anderem bestätigt dies eine s. 414'' ausgeho-
bene stelle, fili, nihil est Asclepius ncc Hippocrates nee Gal-
lienus nee ceteri dii quos colit 3Iaximianus, und hieraus er-
klärt sich bei Konrad s. 231 und 1065 die form Ascle-
pius. — wenn in Konrads erzählung Rom statt Nicome-
dia der Schauplatz der begebenheiten ist, so wird er auch
hierin einem irrthume seiner quelle gefolgt sein : ebenso
lafsen die Acta s. Hermolai {Acta sanetor. jul, 6, ^11 ff.)
alles in Rom geschehen.
17 april 1847. HAUPT.
148" Ez ist ein nütze dinc vernomen
und mac ze sa'lden wol gevromen
daz man der liute kuniber saget
die mit ir marter hant bejaget
der eweclichen wunne leben. 5
bischaft ze reinen tagenden geben
kan ir reineclicher tot.
swä man ir angest unde ir not
des libes oren kündet,
da wirt vil schiere enzündet 10
des herzen sin üf edele tat.
swer muot ze reinen werken hat.
der mac vil gerne beeren
wie si zer himele koeren
mit ir marter komen sinl 15
und wie des reinen gotes kint
vergozzen haut ir reinez bluot.
ez ist für houbetsünde guot
daz man ir tugende merket,
ein herze wirt gesterket 20
an reines willen krefte
von guoter bischefte,
und wirt im sünde wilde.
Die handschrift 16. reine
18*
196 PANTALEON.
von guoter liule bilde
den liuten allez guol geschiht. 25
uf also riche zuoversibt
wil ich ein wärez msere sagen
von einem herren der bejagen
mit siner tagende künde
daz im got fröude gunde 30
und eweclichen fride dort,
er bat den liebten himelbort
mit maneger not verschuldet
diu von im wart geduldet
durch siner tugende reinekeit. 35
148'' er vabt mit noeten unde streit
der beiden ungelouben an,
da mite er seien vil gewan
dem werden hochgelobten gote,
und mac gewinnen sime geböte 40
ze dienste noch vil manegen lip.
sin marler sol man unde wip
hie scheiden von ir missetat.
swer sinen tot vor ougen bat
und in iif erden eret, 45
der wirt von ime bekerel
unde erlost von arebeit.
er ist ein lieht der cristenhcit
daz in des herzen sinne
den glänz der waren minne 50
kan bieten unde reichen,
da von ich siniu zeichen
und sine marter wil enbarn.
daz Avunder sol zc lieble varn
daz got durch sine tugent begic. 55
mit rede wil ich entsliezen hie
den namen und die helfe sin,
durch daz den liuten werde schin
daz sin genade manicvalt
si müge erloesen mit gewall 60
?8. Lerzeii 31. eweclicher fröde 35. sine il. inaniger
49. daz] der
PAiYTALEON. 197
von allem ungevelle.
swer Uli sin leben welle
vernemen hie mit reiner ger,
der biete herze und ören her,
so wirt im offen diu getäl, 65
daz got durch in begangen hai.
Ein keiser hiez 3Iaximiän.
bi des ziten wart getan
der oristenheite schaden genuoo.
swer ie geloubic herze truoc, 70
148'^ der wart durch sin gebot erslageu:
er hiez in von dem lebetagen
erbemieclichen scheiden,
der übele arge beiden
was ze Röme sezhatl. 75
sin keiserlichiu magenkralt
diu schein gar michel unde breit,
da von hiez er die cristeuheit
dur;iehlen mit gewalte,
mort unde mein er stalte 80
mit grimme an den geteuften,
vor ime sich gnuoge slouften
ze walde in manic tieiez hol.
ir eteliche jämers vol
verborgen säzen in den steten, 85
durch daz er si niht hieze treten
gewalteclichen sinen zorn.
ze leide er manegem was geborn
den er des libes roubte :
wan swer an Crist geloubte, 90
der leit von ime die marter.
dar umbe in deste harter
entsäzen alle kristen
und wolten gerne \Tisten
vor ime ir leben unde ir lide. 95
si bürgen sich durch guoten fride
in weiden unde in wüesten
73. vn erberineclichen 82. genuog sich 84. etlicher 88. ma-
iiigen 90. wer 94. wolle 95, von 96. goten
198 PANTALEON.
durch (laz si driniie müesten
vil strenger ncete sich entsagen,
nü was ze Rome bi den tagen 100
ein herre Eustorius genant,
des herze man gereinet vant
von schamelicher missetät.
er was ein richer senät
der ziihte und eren sich versan. 105
der selbe tugende riebe man
HS** het einen schoenen sun erzogen,
des muot geneiget unde gebogen
wart ze kristenlicher tugent.
geblüemet stuont sin reiniu jugent 110
mit durliuhtiger werdekeit.
diu swlde was lif in geleit
daz er sich meines muoste schämen.
Panlab^ön hiez er ze namen
und bete sin gemiiele 115
gezieret wol mit güele
und mit rilicher milte.
sin herze in eren spüle
alsam ein rose in touwe.
Mäz, aller tugende frouwe, 120
lert in bescbeidenlichiu dinc.
er was ein glanzer jüngelinc
und ein so gar lintsa-iic knabe
daz ich von ime gelesen habe
er Iriiege lüterbieren schin. 125
Euslorius der vater sin
hielt in mit grozen eren.
er wolte in heizen leren
diu buoch von arzenie.
da von der wandeis vrie 130
kos einen meister in der stat.
den hiez der edele unde bat
daz kint do leren disen lisl.
lOÜ. xc J'e/ilt. 101. Eustorius s/alt Eustorgius /ia( z. b. Hrabanus
Maiirns unter dem ISn fcbrtiar acia ss. Jul. 0, 3'.I9). 104. saiiat
105. schuhte 111. durlühler li;$. nieines i:i3. da, o/^/wr dö
PANTALEON. 199
der selbe meisler alle vrisl
wont üf des keisers palas, 135
wan er sin Hofgesinde was
und in het in der huote sin.
er was geheizen Eüfrosin,
und lac an im witz unde vernunsl.
von arzenie erweite kunsl 1 40
sin herze vinden künde,
den jiingelinc begunde
!49' der meisler wisen da zelianl.
des knaben er sich underwanl
und 16rle in siner buoche schrifl. 145
nu was ein priester in der slifl
gesezzen bi der jare tagen
des lip gereinet unde gelwagen
mit deme vil bereu toufe was.
von Crisle sang er unde las 150
daz beste daz er wolle,
swaz gote zeren solle,
daz let er willecliche su^.
man seit daz Ermoläus
genant der priester wa;re, 155
doch niht was offenbare
den Roemern allen worden
sin kristenlicher orden.
Er hal sin leben und sin 6,
wan er entsaz den keiser me 160
denn in der werlte deheinen man.
sin herze in goles minne bran
und was an Crist geloubehaft.
diz bare er vor der heidenschaft
durch angestlicher vorhte grüs. 165
141. binden 145. sine 147. den iaren tagen 152. ze gottes
eren 154. Ermoläus ohne H, das z. b. auch bei Hrabanus fehlt,
ist 365 und 1722 durch den vers sicher, nur 1858. 1889. 1931 hat
die hs. H, wie in Hermippus 1744. 1785. 1890. 1930 und an drei die-
ser stellen in Hermoerates, daneben ist 1891 Ermocrates durch die
hs. angedeutet und durch den vers gefordert, in allen drei namen
das H zu tilgen erlaubt überall der vers, aber es ist mir glaublich
dqfs Konrad selbst schwankte. 165. d. angestliche vorhte groz
200 PANTALEON.
Pantaleon gienc durch sin hüs
swenn er ze schuole solle gäu.
da von der reine capellän
den knaben dicke und ofte sach.
zeimäl gruozt er in unde sprach 170
kint liebez, fröuwe dich in gote.'
Pantaleon, der Salden böte,
gap im der rede antwürte dö.
'nü sint ouch ir in gote frö,
vil sselic herre min' sprach er: 175
'siD gnade fröuden iuch gewer
mit liebe sunder ende.'
sus bot im sine hende
149'' der priester dö mit witzen.
er hiez in nider sitzen 180
vil nähe siner siten.
si wurden bi den zilen
mit einander redehall.
sich huop ein trütgeselleschaft
unde ein kosen under in. 185
des wart ir heil und ir gewin
von gote sit genieret.
der priester wol geleret,
geheizen Ermolaus,
sprach ze deme kinde alsus. l*JO
'sage mir, trutgcselle, nü,
von welher kiiuste lernest dii?
waz ist diu leben und diu 6?
wie dins gelouben orden ste,
daz tuo mir hie mit rede schin. 195
den namen und daz kiinne diu,
gar willecliche ich daz vernime. '
'triitherre' sprach der knabe zime,
' Pantaleon bin ich genant,
und ist daz herze min gewant 200
üf höher arzenie list.
min valer noch ein beiden ist
lt)7. wcune 170. zc einem mal 173. aiit>>url J80. war
1<J3. isl Je /ilf.
PANTALEON. 201
und was getoufl diu muoter min.
diu muoz erstorben leider sin
und ist nu lange tot gelegen. 205
ich ger der hohen künste pflegen
diu siechen heilet unde nert.
ob mir diu sielde wirt beschert
daz ich si wol gelerne,
so tribe ich si vil gerne.' 210
Des antwurt ime der priester wis,
'kint' sprach er, 'daz du sa;lic sis,
wiltu der arzenie gern
diu sieche liute kan gewern
149" gesuntheit uude geniste, 215
so kere dich ze Criste
und wirt an in geloubehafl.
er leret dich die meisterschaft
diu manegem hiliet für den tot
der in vil herzeclicher not 220
gedorret unde geswarzet.
er ist der oberste arzet
der eines blinden ougen
erliuhten künde tougen
und die töten tete erstän. 225
er lie den betterisen gän
mit siner helfe rwten.
dar zuo kund er verstreiten
daz bluot dem armen wibe
und half ir siechem libe 230
daz er von siner saht genas.
Asclepius und Vpocras,
die der keiser ruofet an,
die sint ein wiht, wan dir enkan
ir tröst gehelfen noch gefromen. 235
du solt üz ir geböte komen
und 6re Crist, der megede kint.
swaz abgote üf erden sint,
200. ^er fehlt. 207. heilen 210. inanigen 225. lele fehlt.
231. ascalapines, und vorher \sch getilgt: vergl. 1065. 233. ruofte
an sich
202 PANTALEON.
die länt sich alle vinden loup.
ir helfe swinet als ein stoup 240
den starke winde riierent
und in mit stürme füerent
über tal und über berc.
geloube an keines menschen werc
und lä dich gerne toufen ; 245
so mahtü swlde koufen
und eweclicher wunne Ion.'
die Rre enphie Pantaleön
in sin gemiiete dö mit kraft,
alsam ein erde wuocherhafl 250
149*^ enphähet guoten sämen,
swenn ir beginnet rämen
mit siner saete ein ackerman.
sin edel herze daz enbran
und wart von gotes geiste 255
reht als ein fiures gneiste
entflammet unde schone enzunt.
üf tel er sinen kiuschen munt
gezogenlichen unde sprach
des selben dinges mir verjacli 260
min muoter daz ir haut gesaget.
da von mir deste baz behaget
iuwer 16re und iuwer bete,
si diinket micfc süez als ein mete.
wan ich si gerne ervüUen wil 265
mit werken iemer ane zil.'
Hie mite was diu rede hin
die si do triben under in
Pantaleön der k^rle sich 270
ze schuole sam er tet da vor.
im was durch siner ören tor
geslichen uf des herzen grünt
der rät den ime der priester kunt
gemachet hele bi der frist. 275
252. swer ir 260. mich 261. ir] ir mir 262. deste] daz
269. 270. Phanthaleon kerte sich Alsamich sage vii och sprich
PANTALEON. 203
versigelt Avart der siieze Crist
mit kuiisl in sin gemiiete dö.
uu kam ez zeiner zit also
(laz der junkherre wol getan
ze sime raeister solte gän : 280
do sacli er an der sträze ligea
ein kint daz nider was gesigen
von herzelicher swaere.
sin not schein angestbciere,
wan ez was umbevangen 285
mit eime grözen slangen ;
der hete umb ez geslozzen sich.
150* da von sin raarter grimmelich
erschein und al sin ungemach.
nü daz Panlaleon gesach 290
daz kint alsus beswieret,
dö wart an ime bewahret
milt unde erbarmeherzekeit.
des kindes niarter was im leit,
wan er begunde tougen jehen 295
' noch hiute soi min ouge gesehen
ob Ermoläus hat geseit
von Criste mir die warheit :
ich wil versuochen sine kraft. "
sus gie der knappe tugenthaft 300
dar näher zuo dem kinde.
die blanken hende linde
zein ander leite er unde vielt,
sin ougen er ze gote üf hielt
mit inneclichem muote. 305
'Crist herre' sprach der guote,
' lä dine gnade werden schin.
Sit daz du mit der krefte din
mäht heilen blinden unde lamen,
und der töte in dime namen 310
vil schiere wirt erquicket,
so werde ouch hiute entstricket
kiol fehlt '287 noch 288. 292. geweret MO. dinem
204 PANTALEON.
(liz kint von sime twange,
so daz der veige slange
zerbreche und oiich zerspringe 315
und ez niht langer twinge
mit siner grimmen krefte.
entloese im unde enthefle
den lip von dirre marter,
durch daz ich deste harter 320
geloube an dine goteheit.
beware ob mir si war geseit
150'' unde erzeige dine kraft,
dar umbe daz ich dienesthalt
dir welle sin üf erden 325
und ich dir müeze werden
vil underla'nic miniu jar.
unt wirt daz offcnliche war
daz Ermolaiis seile mir,
s6 diene ich eweclichen dir 330
durch diner hohen fugende reht.
vernim mich armen, dinen knehl.
unde erhoere mich zehant,
also daz dirre serpant
diz kint niht langer drücke. 335
zerspringet er in stücke,
so weiz ich wol daz diu gewalt
ist vorhtesam und manicvait.'
Nu der vil reine guote
mit durnehtigem muote 340
die rede und disiu wort getcte,
dö wart erhoeret an der stete
sin flehelichiu stimme,
der slange unmazen grimme
begunde sich entheften 345
und wart von gotes krefleu
zerteilet und zerschrenzet
und also vasle entgenzet
daz er in kleiniu stüppe spranc
317. grime 318. Entlösen vn cnllieftc 340. durchsuchtlicbeii
PANTALEON. 205
und daz kint niht mere twanc 350
daz do vil schone wart gesunt
und dannen kerle bi der stunt
als ime nie leit erswa?re.
diz zeichen offenbaire
daz wolle got erscheinen 355
durch sinen kueht den reinen
der ungetoufet dannoch was.
und dö daz arme kint genas
150'^ durch Pantaleönes bete,
und er an im erkennet bete 360
diz zeichen und diz wunder,
do Seite er do besunder
lop und pris dem werden gote.
er dankte sere sinie geböte
und ilte zErmolao. 365
waz ime geschehen wcere dö,
daz tele er ime mit rede erkant
und hiez sich toufen alzehant,
Diz wart getan vil schiere dö.
der priester wart der seiden frö 370
daz got durch in besunder
diu zeichenlichen wunder
dem kinde eröuget hwte.
Pantaleön der sta'te
mit gotes geiste erfüllet wart. 375
wie von der heidenischen arl
sin vater würde enbunden,
dar ZUG wart bi den stunden
der jüngelinc gedankhaft.
er leite dar üf sine kraft 380
in herzen unde in niuote
daz in der reine guote
bekeren möhte bi der vrist
also daz er den wären Crist
in sin gemüete naime 385
und von den goten k*me
352. Vü da man k. 358. dö fehlt. 365. zu ermolao
367. reden 'i'i%. Die zeichenliche 381. herze 384. wäre
206 PANTALEON.
der ungetoufteii beiden,
den Herren wol bescheiden
berespen er begunde
er sprach üz wisem munde 390
' wie flieget sich daz, vater min,
daz die vertanen gote din
so relite wandelbare sint?
si diinkent mich toup unde blinl
150'' an kreften unde an witzen. 395
man siht ir einen sitzen,
swenn alle zit der ander slät,
und der sich da gesetzet hat,
des lip enkan niht uf gestän,
noch mac der stände niht gehan 400
die mäht daz er gesitzet nidor :
in beiden sint lip unde lider
kreft unde lebender fugende bloz.
ez ist ein missewende groz
daz iemen an die touben 405
abgote wil gelouben
den alliu sliure ist gar benomen.
swaz niht im selben mac gefromen,
wie künde mir gehelfen daz?
man sol den goten sin gehaz 410
die menschen lip gewirket hat.
wer wolde siner hantgetät
die wirde bieten alle stunt
daz ir sin opher würde kunt
und er si lobte als einen got? 415
ez ist ein üppidicher spot
daz man ein werc sol ane beten
daz abe der stete niht mac getreten
einen fuoz noch einen schrit.
daz niht geriiercn kau diu lit, 420
als dine gote, vater min,
daz mac wol ein gestüppe sin.'
Der herre des antwürte bot,
sun' sprach er, du hast mich ze not
3'.M». kau 'lOO. slvnde 'il2. \voh\e fehlt 418. der stellen
PANTALEON. 207
mit dirre teidinge bräht. 425
mm herze ist niht so wol bedälit
daz ich gantwürten kiinne dir.
diu rede ist gar ze swsere mir
und alze starc diu frage diu,
wan ich an deme gelouben min 430
15r von diner worte lere
beginne wanken s^re
und vaste zwivelhaft bestän.
ein rede ist von dir hie getAn
diu minen witzen ist ze groz.' 435
mit disen Worten ime entslöz
der vater und tet irae kunt
daz gotes geist in hete enzunt
und sin gemiiete erhlhte.
den jiingelinc bedühte 440
schier an des alten bihte
daz er in möhle lihte
gewisen von der heidenschaft.
Sit er ein wfenic zwivelhaft
an deme gelouben sin bestuont, 445
als alle die vil schiere tuont
die von ir orden wellent gan,
so künde sich des wol verstdn
Pantaleön der wise
daz er sanft unde lise 450
bekeret würde und überredet,
swer zwivel in sin herze ledet
mit sinne und mit gedanken,
der wil ouch lihte wanken
von siner ordenunge. 455
daz hete wol der junge
Pantaleön erkennet.
Eustorius enbrennet
was von gotes geiste dö.
des wart in sime herzen vrö 460
sin lieber sun vil dräte,
425. redinge 438. Dez g. g. hette in ime entzvnt 444. enwenig
446. Also 453. sinnen 457. Der h.
208 PANTALEON.
durch daz von sime rate
der herre solle werden
gereinet uf der erden
von allem itewize. 465
er warp mit hohem llize
15l'' und leite dar üf sinen pin
daz dö die valschen gote sin
der vater hieze brechen.
iedoch wolt er niht sprechen, 470
wan er mit leiden maren
getorste niht beswwren
den herren missewende bar,
e daz er in bekerle gar
ze cristenlichem orden. 475
er dähte 'swenne er worden
ist ein durnehtic cristen,
so enläze ich in niht vristen
sin abgote langer mß,
wan ich und er tuonl in so we 480
daz wir si brechen beide
und werfen si mit leide
für daz hüs und abe der siele."
Pantaleon die rede tele
vil tougen und vil stille. 485
ze gote stuont sin wille,
wan er in sime geiste bran.
nü was ein liehteloser man
ze Rönie sunder lougen
der niht an beiden ougen 490
mohl einen bnescu stich gesehen,
er horle sprechen unde jolien.
Pantaleon der wa-re
ein arzät so gewahre
daz er mit sinen listen 495
kiind alle siechen fristen
von schedeliciier swa-re.
im wart geseit ze ma^re
daz er mit sime tröste
478. in /('/(//. 179. apgöHen 491. Eiiieu h. stick uilil mölite g.
PAiNTALEON. 209
daz arme kinf erlöste 500
von (lerne unreinen slangen
151" da von kam er gegangen
ze sime hiise drate.
nach wiser Hute rate
wart er für in geleitet. 505
da von was ime bereitet
helf unde trost vil schiere.
Pantal^on der ziere
liez im dö guoten rät geschehen,
wan dö er in begunde sehen, 510
dö sprach im der getriuwe zuo
'waz wiltü, friuut, daz ich dir tuo?'
Des autwurle irae der blinde,
ze deme erweiten kinde
sprach der liehtelöse kneht 515
'ich suoche diner gnade reht
und dinen helfelichen tröst,
so daz ich armer werde erlöst
von miner siechen blintheit
und ich von diner tugende breit 520
min lieht müeze wider hau.
mit arzenie ich hän vertan
min guot und alle mine habe,
mir hat vil manic arzät abe
gebrochen swaz ich hwte, 525
und hänt mich sine raete
geholfen harte kleine doch,
ich bete ein wfenic lichtes noch :
daz selbe ist mir benomen gar.
ich bin des guotes worden bar 530
und der gesihte leider:
der täten vri mich beider
die raeister mit ir lere,
da von beganc din ere
an mir und dine saelekeit. 535
Sit daz ein wunder si geleit
510. do fehlt. 515. der lichtloser 523 nach 524.
526. hat
Z. F. D. A. VI. 14
210 PANTALEON.
an dich von hoher künste,
so lä von (liner günste
ISl*^ die grozen sselde mir geschehen
(laz ich müge den tac gesehen. 540
Pantalöon sprach aber dö
' war unibe sol ich machen vro
mit miner helfe dinen muot,
Sit du deheiner slahte guot
ze lone mäht gegeben mir? 545
waz miete enphienge ich nü von dir,
und würdestü gesehende?
du wsere mir verjehende
du habest dine habe verzert
und habest dich doch niht generl 550
mit arzetuome, als ich vernime.'
' trüflierre' sprach der blinde zime,
daz selbe kleine güetelin
daz noch in deme gewalte min
beliben si, daz soltii nemen, 555
durch daz du lazest mir gezemen
hell' unde dine stiure.'
'nein' sprach der knabe gehiure,
' ich enger dins guoles niht.
swaz du habest in diner phliht, 560
daz gip enwec den armen,
din breste sol erbarmen
den waren unde den siiezen Crist.
der machet dich in kurzer vrist
gesehende sunder lougen 565
und reinet dir din ougen
von liehteloser blinlheit.
sin helfe wirt an dich geleit
und sin geniedeclicher trost.
so daz dii schaden wirst erlöst.' 570
Der rede wart der blinde vrö.
Panlaleönes vater dö
gedahte Mie daz möhte sin
540. den tag möge 547. Vii w. von mir geseben 548. Du liast
doch mir hie veriehcn 550. Vn euhast 557. Dine helfe 560. dine
PANTALEON. 211
daz lulerlicher ougen schin
der blinde enphienge sa zehanl. 575
152" ze deine junkherren wise erkant
der alte ininnecliche sprach
' wie mac des siechen ungemach
von dir gebiiezel werden,
Sil meister vil uf erden 580
ir kunst an ime versuochet hant,
und si doch keine helfe länt
an sinen ougen schinen?
dii will vergebene pinen
din herze und dinen willen, 585
Sit daz du warnest stillen
daz leit mit dime rate
daz weder t'ruo noch späte
kein arzät mac gebiiezen.'
der rede von dem siiezen 590
antworte wart gegeben do.
Pantaleön sprach also,
der meister der mich lerte
und mine liste merte,
der ist so richer künste vol 595
daz ich mit siner helfe wol
dem blinden sinen kumber nime. '
'sun' sprach der vater aber zirae,
' waz seistü von dem meister din ?
dem liehtelösen mohte schin 600
niht werden siner helfe rät.
swie vaste er sich versuochet hat
an ime, er künde niht genesen,
wiltü nü künste richer wesen
denn er, daz ist ein fremdez dinc' 605
'swic' sprach der edele jüngelinc,
' und lä beliben disiu wort,
du soll hie gi'özer lügende hört
und niichel ere an gole sehen,
der läl daz wunder da geschehen 610
580, so vil 599. Daz s. 600. machte ()04. kunstreicher
14*
212 PANTALEON.
daz dirre man gesihte bar
152'' gewinnet ougen liehtgevar
unde gesehende schone wirt.
Krist Jesus ime die helfe birl
mit hohen kreften üz erlesen 615
daz er vil schiere sol genesen/
Mit disen Worten unde also
der gutes wundertere do
greif an des blinden ougen.
er liez ze himele tougen 620
erhellen siner stimme dön.
der jüngelinc Pantaleon
begunde sprechen disiu wort.
'got herre der ze himele dort
unde üf erden hast gewalt, 625
Vd dine güete raanicvalt
und dine gnade werden schin.
Sit daz du mit der krefte din
die vinsternisse erliuhten mäht,
SO tuo din wunder maneger slaiil 630
den liulen offenbaire.
erzeige in unde bewiere
daz din almehlic goteheil
sich läze kreftic unde breit
an allen steten vinden. 635
erliuhte disem blinden
sin ougen ungesihtec,
durch daz man werde gihtec
dir raanicvalter wirde.
geruoche sine girde 640
und mine bete erhoeren,
so daz du wellest stoeren
sin leit daz ime da wirret.
sin lieht daz ime verirret
von touber missewende si, 645
daz mache im lüter unde fri
1 52" vor wandelbseren dingen ;
618. windere f)2i. n^ fehlt. 639. nianig;valti,ner
PANTALEON. 213
so mac din lop erklingen
und vvirt din name erhoerel.
lästu sin leit zerstoeret 650
von diner helfe werden,
so priset man üf erden,
got herre, diue magenkraft,
diu starc ist unde sigehaft.
Mit dirre flizeclichen bete 655
Pantaleön erl'röuwel hete
den liehtelösen dräte.
von siner helfe rate
sin ougen wurden üf getan,
daz lieht begunde er wider han 660
daz inie da vor gezücket was.
gar lüter sam ein Spiegelglas
wart ime gemachet sin gesiht.
da von sümt er sich langer niht,
er Seite pris dem werden gote. 665
der tugende dankte er sime geböte
daz im sin ungemach verswein,
mit fröuden kerte er wider hein
schon unde wol gesehende.
des wart man lobes jehende 670
Pantaleöne hi der zit.
vil maneger sprach euwiderstrit
daz er ben.imen wsere
ein arzäthelfsere
unde ein meister üz erkorn. 675
sin werder vater hochgeborn
sich fröute siner werdekeit.
sin muot ganzlichen wart geleit
an Jesum Crist den reinen,
wan er begunde meinen 680
sunder allen wandel in.
sin sun und er die körten hin
ze priester Ermoläo.
152'^ dem Seiten si ze maere do
('>5Ü. sin lieht zerstören 664. sumet sich 672. im widerstrit
682. er kerte h.
214 PANTALEON.
(laz wunder daz do was geschehen. 685
wie got den blinden lie gesehen,
daz wart im do gekündet.
des wart sin muot durchgründet
vil gar mit fröude richer art.
Pantalßönes vater wart 690
von ime getoufet hi der zit.
ze sime hüse giengen sit
die gotes trüten alle dri.
daz wart gereinet unde fri
vor wandeibseren Sachen, 695
wan si begunden swachen
die valschen gote sin iesä.
die brächen si ze stücken da
noch liezen si niht ane beten.
si wurden in daz hör getreten 700
und üz dem hüs gescheiden.
der priester discn beiden
daz beste willeclichen riet.
sin rät sun unde vater schiel
von aller zwivelunge, 705
wan sin erweltiu zunge
lie si vil tugende merken.
ir muot began sich sterken
an cristenlichem orden.
si waren schiere worden 710
durch sine wisen ra;te
an deme gelouben st?ete.
Si lobet en Krist an allen mein,
ir muot an ime durliuhlic schein
als ein crisfalle bi der zit. 715
Pantalßones vater sit
nam ein vil sselic ende,
an alle missewende
153" gelac der edele herre toi.
den geist den sante er unde bot 720
mit fröuden in den himeltrön.
087. ime doch 708. begviide 713. an] in
PANTALEON. 215
und (16 sin guot Panlal^ön
hesaz und alle sine habe,
dö lie der lugende riebe kiiabe
zeslifen sin gesinde. 725
von dem erweiten kinde
den knehten wart gelonet wo!.
er scbiet si von im liebes vol
und fröuden riclies muotes.
daz ander teil des guotes 730
daz im über was beliben,
daz wart nach sa.'lden ouch vertriben,
wau er gap ez den armen
und lie sich gnuoge erbarmen
die da gevangen lagen 735
durch daz si rehtes pflagen
und Jesum Crist an riefen.
er sante in zuo den tiefen
kerkeren sine spise.
Pantaleon der wise 740
die siechen wol beruochte.
swer sine helfe suochte,
der wart zehant von ime ernert.
den blinden wart sin trost beschert
unde den krumben unde den lamen. 745
er heilles alle in Cristes namen
die für in kerten ungesunt.
gesuochet wart dö bi der stunt
kein ander meister wan eht er.
des truoc vil grimmes herzen ger 750
und einen vientlichen sin
vil manic arzät wider in.
Die meister alle von der stifl
die kämen üf des nides trift
153'' daz sin begunden hazzen. 755
sich huop in einer gazzen
ir samenunge an eime tage,
also daz si mit leides klage
7'22. do fehlt. 730. anderu 756. in] ao in
216 PAiNTALEON.
zein auder kämen von geschiht
und unberedet liezen niht 760
daz in so grozen schaden tele
Pantaleön an maneger stete
da si gewinnes solten pflegen,
in allen üf der sträze wegen
der man begegente alzehant 765
üf den Pantaleön gewant
het also helfe riehen tröst
daz er mit sime rate erlöst
von siner blintheite wart.
nü daz die meister üf der vart 770
den selben man gesahen,
dö sprächens unde jähen
'diz ist der man der 6 was blint
und den Pantaleön daz kint
ernerte mit der helfe sin. 775
er hat nü glanzer ougen schin
und was im 6 sin lieht benomeu.'
sus hiezens in dar näher komen
und für sich gän des raäles hin.
si sprächen alle wider in 780
friunt, wirt uns hie verjehende,
wer machte alsus gesellende
mit siner höhen stiure dich?'
'Pantaleön generle mich'
sprach er dö sunder lougen, 785
' wan er zwei lüter ougen
her wider gap mit helfe mir. '
waz arzenie tete er dir'
begunden si dö sprechen,
'da mite er dich gerechen 790
an der gesihte machte also?'
153" des antwurte er in aber dö
gezogenlicheu unde sprach
'swaz rätes mir von ime geschach,
dar zuo Icit er deheinen list, 795
707. licireuiicliL'ti 708. tliiz ci] Der 703. Gezogenlichc
PANTALEON. 217
wan daz er bat den süezen Crist
daz er mir helfe twte scliin.
er ruorle in deme namen sin
min ougen beidiu mit der hant.
da von ich die geuäde vant 800
daz ich von miner blinden art
durch sin gebot erloeset wart."
Diz mrere in allen misseviel.
ir nidic muot in zorne wiel
üf den vil reinen jiingelinc 805
der so genisbarlichiu dinc
dem siechen lie do werden schin.
si sprachen ' zwäre, sol er sin
iht lange in dirre guoten stat,
er tuot uns alle an eren mat, 810
wan er uns wirde roubet.
daz volc an in geloubet
und hat der gote kunst für uiht.
swer disen beeret unde siht
den er gesehende mähte, 815
der hat üf uns kein ahte
und ruochet unser kleine,
wir sulen alle gemeine
dem keiser von im künden
daz er mit valschen fünden 820
so fremdez wunder üebet.'
sus giengen si betrüebet
do für Maximianen,
üf den vil wol getanen
ir nidic muot in zorne brau. 825
do si den keiser blikten an,
153'' do sprachen alle wider in
'die gote lident ungewin,
den briuwet in Pantaleön.
er krenket vaste ir lobes döu 830
und swechet in ir werdekeit.
wan swen du, herre, hast geleil
807. Diu siech 811. wirder 814. disen luau höret
829. Die br.
218 PANTALEON.
in (lin gebende durch daz er
ze Krisle keret sine ger,
den spisel er mit siner habe. 835
daz er die mit tröste labe
die din gebot versma^hent hie,
des flizet er sich, wände er nie
den goten wolle bi gestän.
er hat vil wunders hie getan 840
mit zouber daz er Iribet.
ist daz er hie belibet
und nihl hinnen wirt gejaget, ,^
daz volc an diner e verzaget
und wirt an Crist geloubehaft. 845
sin rät mit valscher meisterschaft
unbilde kan verenden.
la, herre, den besenden
den er gesehende mähte,
durch daz du maneger slahle 850
geliuschc an ime beginnest sehen,
wan ez von gougel nuioz geschehen
daz er die siechen alle sinnt
mit siner helfe tuot gesunt.'
Dem keiser was diu rede leit. 855
er hicz in siner grimmekeit
den man für sich besenden
der von des knaben henden
sin lieht vil schiere wider nam.
und also er ze hove kam 860
mit unverzagtes herzen ger,
dö sprach der keiser ' bislü der
154'' der von Pantaleone
gesehende wart vil schone
und ein sus klarez lieht gewan?' 865
ja, herre' sprach der guole man,
' ich bin der suuder lougeu
dem er zwei liiter ougen
mit siner helfe hat gegeben.
838. gebeil 839. sinen 851. begiuuest au ime s.
805. uud fe/tlL
PANTALEON. 219
sin rat mir lip herz unde leben 870
genaedecliche machte vrö. '
' nü sage mir' sprach der keiser dö,
'wie machte er dich gesunthaft?
hat er dich mit der gote kraft
alsus erliuhtet oder wie?' 875
'nein' sprach er, 'dine gote nie
gehulfen ime ze dirre getät
diu mich alsus erloeset hat
von der vii starken swsere min,
wie sollen mich die gote din 880
erliuhten mit ir stiure,
Sit daz in allen tiure
lieht unde lüter ougen sint?
swaz selbe toup ist unde blint,
wie möhte mir daz iht gefromeu ? 885
mir hänt die meister abe genomen
min guot mit arzenie gar,
also daz ich ir helfe bar
gestuont an beiden ougen doch,
ich bete ein w6nic lichtes noch : 890
daz nämen si mir unde den Ion.
dö nerte mich Pantaleon,
als ez gebot sin herre Crist,
der gotes sun von himel ist
und Wunders vil begangen hat. 895
er lät an ime sin hantgetat
riliche stiure ^^nden.
die lamen und die blinden
154'' mac heilen sin vil starc gebot,
wan er ist ein almehtic got, 900
der wazzer fiur luft erden
und alliu dinc liez werden.'
Der keiser zallen orten
wart sere von den Worten
erzürnet alse ein tobic bunt. 905
mit grimme sprach er sä zestunt
870. mir] min 879. starker 880. der g. 883. daz fehlt.
883. unde] von 895 nach 896. 897. Rigelicbe 000. ein fehlt.
220 PANTALEON.
'alrest prüef ich die wärheit.
swaz mir nü lange wart geseit
von Pantaleone,
des bin ich komen schöne 910
zeim ende ml bi dirre frist.
sin gougel und sin zouberlist
den golen vil geschadet hat.
der disen menschen leben lät
der von der helfe sin gesiht 915
und in zehant verderbet niht,
min volc daz wirt bek^ret,
wan ez mit opher feret
deheinen got von miner e.
man sol niht langer unde m^ 920
genesen lazen disen man,
der ein Urkunde geben kan
daz er gesellende worden si.
nu machenf in bar unde fri
des libes unde des lebetagen.' 925
seht, also wart im abe geslagen
daz houbet bi den stunden,
des wart sin sele funden
schier in dem paradise.
Panfaleön der aWsc 930
rilichen solt ze lone gap,
daz er in sines vater grap
verborgenliche wart geleit.
der im den lip ze töde sneil
154'^ und ime da sluoc daz houbet abe, 935
der truoc in selbe hin ze grabe,
durch daz man gap im liuren Ion.
dar nach wart Pantalecin
hin zuo dem keiser ouch besanJ.
er kam dö für in alzehant 940
gegangen uf den palas.
daz er vor ime verleidet was,
dar uf aht er vil kleine.
1)15. geschiht 910. in fehlt. 923. gesehen 93(). hin fehlt.
940. dar kam 9i2. von
PANTALEON. 221
der gotes kemphe reine
die marter liden wolte 945
durch daz er tragen solte
der sigenünfte palnien.
er sprach zehant den sahnen
üf riches lones zuoversiht.
'min lop verswic, got herre, niht ; 950
du mache ez offen unde kunl,
wau die sündeere haut ir munt
durch haz entslozzen über mich.
mit nides Worten vientlich
hänt mich bevangen iibelc man 955
die mich vergebene stritent an.'
Den salmen der getriuwe sprach,
der keiser in do komen sach
mit willediches herzen ger.
'du bist Pantaleon' sprach er : 9C0
'dar umbe entsliuz die rede mir
ob daz si war daz ich von dir
nü lange zit vernomen han.'
do sprach der knappe wol getan
'waz hat man dir von mir gesaget?' 965
' mir hänt die meister hie geklaget'
sprach aber zime der beiden arc,
'daz du mit zouberie starc
den goten vil geschadet habest,
und daz du fuorest unde labest 970
154'' vil manegen den ich heize queln.
ich hoere sprechen unde zeln,
swer lige in minen banden,
daz du mit dinen banden
den salbest unde heilest. 975
du fröuwest unde ergeilest
die kristen algemeine,
die minen goten reine
ze lobelichen dingen
niht ophers wellent bringen.' 980
950 — 956. ps. 108, 1 — 3.
222 PANTALEON.
Des antwurte ime Pantaleön.
er lie vil siiezer stimme dön
erklingen vou dem munde sin.
er sprach 'die valsclien gote din
die spulgent snoeder meisterschaft. 985
den liimel kiinde nilit ir kraft
geschepfen Doch dis erden,
hie sol erzeiget werden
waz üf si lügende si gewant.'
'wie mac daz werden uns hekant?' 990
sprach aber do Maximian,
'da soll du für dich bringen lan
bald einen siechen man' sprach er.
' heiz einen betterisen her
vil schiere dinseu unde tragen 995
des lip von sinem siechetagen
niht gerüeren künne sich,
so der gefiieret si für dich
und du beschouwest sinen pin,
so la zehant die priester din 1000
al dine gote schrien an
daz si dem lidesiechen man
hie wider geben sine genist,
dar ZUG so wirt min herre Crisl
von mir gevlehel ouch zestuni 1005
daz er in mache wo! gcsunl
155' und ime rehtiu lil beschere,
swer dcnne sinen lip gencre
und in erfröuwe an allen spof,
den ere man für einen got 10 10
der Stare ist unde sigehaft.
ist daz im diner gote krall
gebieten mac gesunthcit,
so werde ir lop wit unde breit
gemachet üf der erden. 1015
müg aber er niht werden
genert durcli diner gote list,
082. süsze 9<)8. mich 1004. zuo fehlt.
PANTALEON. 223
und heilet in min herre Crist,
so Iti din e versmoehet sin
und üebe den gelouben min 1020
der alse ein reliter orden
bewteret denne ist worden.'
Maximian der keiser,
ämehtio unde heiser
an cristenlicher sielekeit, 1025
liez ime niht sin die rede ieit,
wan im diu wort gevielen wol.
er sprach 'ja wil ich unde sol
hie volgen dime rate.'
sus hiez er für in dräte 1030
dö bringen einen menschen lam.
der ^^art getragen unde kam
ze hove in sinem bette swach.
dö von der iibele beiden sprach
dem wisen jüngelinge zuo 1035
'den goten kunt dis 6re tuo
daz wir von erste ir kraft gesehen,
und so daz denne si geschehen
daz ir gewalt versuochet ist,
so läz erkennen waz din Crist 1040
mit helfe riehen henden
hie Wunders müge verenden
an deme vil siechen manne.
155'' swer in geheile danne,
der si gepriset iemer rae.' 1045
Pantaleön sprach 'diz erge
nach dines herzen muote gar.'
sus hiez dö sine priester dar
der keiser ilen zeme lamen.
er sprach daz si der gote namen 1050
ser unde lüte riefen an,
durch daz si deme vil siechen man
benahmen da sin ungemach.
diz wart getan und diz geschach.
1018. heile 1030. für in] bringeo 1038. denne si] dine ist
1040. erken 1034. vri sprach mit übergeschriebenem diz.
22/1 PANTALEON.
si wurden alle bi der zit 1055
gar inneclichen an geschrit:
daz wenic half den betterisen.
der eine den, der ander disen
begunde tiure d5 beswern
daz si den siechen man genern 1060
geruochten üf dem palas.
her Gallien und Vpocras
vil maneger hande bete liten.
ouch hörte man genuoge biten
Asciepium der bete sin, 10(55
do wart ein lüt gebrehte schin
von maneger stimme schalle,
swaz si geriefen alle,
daz was ein üppeclich geschrei.
den lamen half niht umbe ein ei 1070
swaz bete umb in alda geschach.
und do 3Iaximian ersach
daz von den goten bi der stunt
niht wart der sieche man gesunl,
dö wart Pantaleön zehant 1075
von ime geheizen unde gemanf
daz er da biete Jesum Krist
daz er geruochte sinen list
155' an deme vil siecheba-ren
orzeigen unde bewieren. 1080
Pantaleön der guote lie
dö nider si<h uf siniu knie
diemüeleclichen alzehant.
der süeze Crist von ime gemani
wart inneclichen bi der stunt. 1085
sin kiuscher und sin röter munt
alsus begunde sprechen zini.
gol hcrre, min gebet vcrnim
unde erhnere miniu wort.
uf dine höhen himele dort 1090
la mine stimme komen ze dir.
1057. geslril 10(19. ein /V'/;/A. 1083. Die iiiuterlich 108S. Be-
gvnde alsus
PANTALEON. 225
din bilde kere nilit von mir
und neige mir daz öre din,
swenn ich dir klage die swiere min
und mich gröz angest twinge. 1095
dar umbe daz erklinge
lop unde pris dem dinen namen,
so tuo gesunt hie disen iamen
und ia bewahren din gebot
daz äne dich kein ander got 1 1 00
ze himele noch üf erden ist.
erzeige an ime, vil süezer Krist,
die manicvalte sterke din.'
hie mite er bot die hende sin
dem betlerisen unde sprach 1105
stant üf an allez ungemach
in Crisles namen unde ganc
also daz diniu lider kranc
von siner helfe sin gesunt,'
ür machte sich dö hi der slunt 1110
der sieche an allen smerzen.
an liden unde an herzen
was er gerech do worden,
da von der cristen orden
ir)5'' vil sere wart genieret. 1 1 1 •>
vil beiden wart bekeret
die sich geswinde louften
und mit ir niarter kouiteu
den ewedichen gotes Ion.
sus hiTte do Pantaleon 1120
gewunnen manege sele gote
die der keiser mit geböte
lie von dem libe scheiden,
die touben argen beiden
Pantaleone wurden gram. 1125
nach sime schaden freissam
wolt ir gemiiete sich do senen,
wan si begunden mit den zenen
1Ü97. dem diüen] dinie 1109. si
Z. F. D. A. VI. l'T
226 PANTALEON.
ür in grisgramen alzehant.
der keiser wart von in gemant 1130
üf sines libes ungewin.
die meister sprächen wider in
lastü den zoubera?re
heliben äne swa?re,
so muoz verdorben iemer sin 1135
daz opher al der gote din,
wan er si wirde roubel.
daz volc an in geloubet,
und lit an im ir zuovcrsihl.
du selbe an in geloube nilit, 1140
wan er mit valschen Sachen
daz wunder künde machen
daz er helfe an dirre stete
dem ungesunden manne tele.
Der keiser wände ez wa're war 1145
des inio die meister offenbar
verj Alien von dem guoten.
dem jungen ricligemuoten
Pantaleone sprach er zuo
friunt lieber, minen willen tue» 1150
156' durch dine lobelichen lugenl.
erloese dine klaren jugent
von angeslba'ren dingen,
din opher ruoche bringen
den goten algeliche, 1155
durch daz du werdest riche
gemachel von den hcnden min.
gedenke wie des todes pin
vil maneiier hat erlilen hie
noch in niht woltc dienen mer.
dem keiser übel unde her
Panfaleon antwürte bot.
er sprach 's wer hie gelegen lol
1160
16;
1129. \ü fehlt. 1133. disen 1130. aller der 1137. wider
1148. Die mvtegeii rieh geiniiten 1154. Geruelie din o. br.
PANTALEON. 227
den machet dort min herrc Crist
mit snier helle lebende,
wan er wirt im da gebende
l'röud unde wiinneclich gemach/
der keiser dö mit zorne sprach 1170
'swic unde nenne Cristes niht.
läz unde mit die zuoversiht
die du ze siner helfe treist.
du merkest doch wol unde weist
waz durch in in kurzen tagen 1175
noet unde pines hat getragen
Anthimiän der alte
dem du mit dinie gewalte
sin engen machtest lüter.'
der gotes kempfe trüter, 1180
Pantaleon, sprach aber do
min iierze ist des gedinges vro
daz ich die raarter liden sol.
ich junger billich unde wol
durch Crist vil noete dulde. 1185
sit daz an alle schulde
Anthimiän der alte leit
156'' durch in vil strenger arbeit.'
Nu daz der keiser daz vernam
von deme junkherren wunnesam 1100
daz er durch allez sin gebot
Krist Jesum den erweiten got
üz sinem muote niht enliez.
seht, do gebot er unde hiez
daz er gehenket würde enbor 1195
und man im binden unde vor
mit fiure ta.'te unmäzen we.
sin lip reht alse ein niuwer sne
wiz unde blanc geverwet
wart jiemerliche engerwet 1200
und üf gehangen also bloz.
den schaden bitter unde gröz
1177. Aulinian : geändert nach 1187. in den actis ss. ÄDthinius.
1185. Cvhl fehlt. 1194. er fehlt.
15*
228 PANTALEON.
vil harte liitzel er enlsaz.
mit liehte manic glasevaz
ser unde tobeliche enbrant 1205
gehenket wart umb in zehant
so daz die flammen liurm
ir hitze gaben unde ir schin
an sine wünneclichen hut,
Pantaleon truoc über lüt 1210
die marler mit gedultekeit.
den pin er senfteclichen leit,
wan er im harte kleine war.
do man die lampen h*te gar
enziindet unde enbrennet, 1215
dö wart er frö bekennet
und äne leides sraerzen.
er sante üz sime herzen
ze gote manegen siufzen lief.
Crist herre' sprach er unde rief, 1220
als du mir hast gehoH'en ie,
sus lä mir konien aber hie
die helfe diu ze tröste.
156" von dirre lampen roste
geruoche erloesen mine jugenl. 1225
durch dine veterlichen tugent
mir hilf mit diner stiure
von dirre liehte fiure
daz in den glesern ist enbrant
und mir vil nähe lif gewanl.' 1230
Nu daz er disiu wort gesprach,
Crist Jesum er dö komen sach
in eines phaffen bilde alsus
als ob ez Ermolaus,
der reine priester, solte sin. 12.35
got, unser aller Irehtin.
sprach wider in liepliche dö
friunt guoler, wis von herzen \rö,
wan ich in al der noele diu
1221. ie] e 1222. nie 1228. lichten 1234. also
1239. aller der
PANTALEOiN. 229
wil mit dir wesen unde sin 1240
also daz icli erloese dich
von strenger svvyere grimmellch
und ich din äugest büeze. '
nach disen worten süeze
die lampeu und diu glasevaz 1245
erläschen alliu, wizzent daz;
ir glenzen unde ir schin verdarp.
got selber schuof daz unde erwarp
mit siner golclichen kunst
daz der vil heizen liehte brunst 1250
Pantaleöne do niht war.
die knehle die bekomen dar
durch sine marter wären
und sin da wollen varen
mit strenger nnete freissani, 1255
die wurden bi der zile lam
gemachet an ir hende iiden.
seht, also künde do bevriden
156'' got, unser herre, sinen kneht.
durch siner hohen tugende reht 1260
liez er im arges niht geschehen.
und dö der keiser ha;te ersehen
daz ime niht war der hitze not,
weiz got do hiez er unde gebot
daz man enbünde siniu lider 1265
und er geläzen würde nider
zer erden bi der stunde.
üz einem valschen munde
sprach er mit zorne wider in
'sag an, wie bistü komen hin 1270
der marter angestbsere?
waz mohte vor der swaere
din leben hie gefristen?
mit welher hande listen
hastü die knehte min erlernet 1275
und daz wilde fiur gezemet
l'l'il. g4enlz l'2i9. gotlieher 1256. sam 1271. vh angest bere
230 PANTALEON.
(laz dir süi liitze iiiht enwar
noch dir deheinen schaden bar?'
Pantaleön antwürte bot
der rede, er sprach ' ze dirre not 1280
half mich deheiner slalite list,
wan der gelriuwe süeze Crist
der hat mich aleine erlöst,
er ist der arzenie tröst
der ich ze miner sw?ere pflige 1285
und hilfet mich daz ich gesige
an dime zorne vreissam.
er machte dine knehte lam
an henden unde an armen.
die heizen und die warmen I29ü
lampen er erleschet hat.
sin helfe dringet unde gat
für aller kiinste lere. '
von disen worten s6re
157" Maximian hesv\.Tret wart. 1295
durch sine grinimelichen art
begnnde er zornic schinen
und wolle vasler pinon
den jiingelinc an sinen iidoii.
üz isen einen zuber smiden 1300
der ungetoufte keiser hiez.
ein wunder blies man zerliez
mit fiure drinne, als er gebot,
und do daz bli wiel unde sot.
dö wart Pantaleön dar in 1305
durch marterlicher nrete pin
gesetzet nacket unde bar.
sin hüt alsaui ein sne gevar
wart von dem heizen blie naz
dar innc er ane vorhte saz 1310
und engestlicher ncete fri.
daz wallende und daz heize bli
(iulil in siiez alse ein houicmete.
Jehll.
PANTALEON. 231
mit llize saute er sin gebele
uf zuo den himelkoeren. 1315
er sprach 'geruoche erhoerea,
got Iierre, mine stimme.
liz aller vorhte grimme
des leiden widersaohen
sollu mich ledic machen 1320
unde enbint die sele min
von ime durch al die güelo diu.
Der reine marterare,
nu daz er äue swajre
ze gote dise rede getele, 1325
dö dühte in aber an der stete
daz Ermolaus ka'me da.
Jesus begegente ime iesä
vroeliche in sinem bilde.
des wart im trüren wilde, 1330
wan Crist der guote selbe trat
157'' ze deme junkherren in daz bat
daz von dem heizen blie sot.
sin haut er ime ze helfe bot :
von der enpfienc er stiure. 1335
daz bli daz von dem fiure
wiel unde tobeliche brau,
daz wart erleschet unde gewan
Pantaleon sin fri gemach,
daz ime dö leides niht geschach 1340
von siner hitze manicvalt.
er wart erküelet unde kalt
alsam ein süezer meien ton.
da von den klären niht gerou
sin dienest den er Criste bar. 1345
swer dirre zeichen wart gewar
diu got durch sinen willen tete,
den nam des wunder an der stete
daz er die marter iiberwant.
der keiser aber do zehant 1350
nn. alle die
n2 PANTALEOiN.
von Zorne tobic wart gesehen,
er sprach 'wie mohte ez ie geschehen
daz er alsus genesen ist?
weiz iemen welher hande list
in löste von der noete? 1355
wä mite ich in ertoete,
daz rätent al die mine.
und vinden im die pine
die von dem libe in scheiden/
seht, also bat der beiden 1360
dö rätes sine hovediet
diu des junkherren schaden riet
und sines übes ungemacb.
sin rät der lerte in unde sprach,
er solte in sunder alle \ser 13(35
versenken heizen in daz mer:
so niöhte er wol verderben
157" und müeste drinne sterben
vil schiere ä« allen widerstrit.
sus fuorle man in bi der zit 1370
gebunden an des meres stat.
der keiser im do henken bat
an sine kelen einen stein
der michel unde groz erschein.
Mit dem so wart er in den se 1375
geworfen, daz im doch nibt we
ze herzen noch ze libe lete,
wan im bogegente an der stete
Crist Jesus aber sa zehant.
der het ein bilde und ein gewant 1380
als Ermolans an im truoc.
er was gelich dem priester gnuoc
an anllitze unde an kleide,
von sorgen und von leide
löst er zehant den jüngelinc. 1385
an ime ein wunderlichez dinc
von siner lielle dö geschach.
\:mi \\\ fehlt. i:5()'.. ihr fe/ilf. \M'2. in (In
PANTALEON. 233
der stein im abe der keien brach:
v'ou derae wart er enbunden.
in fiiorte bi den stunden 1390
got, unser lierre, zeme Stade,
so daz im keiner slahte schade
von deme wiMen se geschach.
da von lobt er in unde sprach
mit fröuden sunder smerzen 1395
' in allem minem herzen
sol ich dir bihten, herre got.
ich prise din vil starc gebot
und wil in minor jare tagen
din wunder künden unde sagen. 1400
Der keiser zornic wart erkant.
'Pantalcon' sprach er zehant,
157'' 'hat aber dir din zouberlisl
geholfen daz dii komen bist
gesunt uz diseme wäge?' 1405
der jüngelinc der vriige
bot im antwürte sunder wän.
er sprach 'daz mer daz hat getan
daz ime gebot sin herre nü.'
'ja' sprach der beiden, 'so mäht du 1410
des wäges ouch gewaltic sin.
Sit daz er deme geböte din
gar undertwnic worden ist?'
'nein' sprach er, 'der gelriuwe Crist,
dem ich da diene sunder wer, 1413
der kan gebieten ouch dem mer
und disem wage wilde,
sin götelichez bilde
mac aller dinge hän gewalt.
der keiser aber dö gestalt 1420
wart von der rede in tobeheit.
sin grimmez herze wart geleit
in argen willen schiere,
vil engestlicher tiere
1;J88. Den 1300. iaren t. I ilti. ocli sebiclcii
23i PANTALEON.
bereiten hiez er unde bat 1425
den Herren bringen zuo der slal
da si gesament wären.
si sollen sin da vären
und in der strengen noele gewern.
lebarte löuwen trachen beru 1430
und maneger bände wiirme
lie man durch grimme stürme
zuo dem üz erweiten,
dar umbe daz si quelten
vil marterliche sinen lip. 1435
des kamen dar man unde wip
gemeinlich unde wolten sehen
daz jämer daz an ime geschehen
löS'' da solle von den tieren arc.
dö wart ein samenunge starc 14i0
unde ein gröz gedrenge.
diu tier grimm unde strenge
du wurden an den jiingelinc
gelazen al in einen rinc
der in da was bereitet. 1445
doch wart von in geleitet
Panlal66n dö wol gesunt,
wan in gol löste bi der stunt
von sorgen und von pine.
der kam dar in dem schine 1450
des prieslers schiere gegangen
von deme er bete enphangen
den touf der kristenlichen e.
reht alse im was geholfen nie,
sus wart er aber dö genert. 1455
den grimmen tieren wart bescherl
von gole ein also milter sin
daz si vür in dö giengen hin
güetliche an allez dröuwen.
Ißbarlen unde löuwen 1460
nihl sluoudeu ime ze vare.
1429. der strenger 1432. Die man 1433. verserwellen
1437. Gemeiiilicheu 1444. alle 14 47. vol 1451. schin g.
PANT ALEON. 235
man sach si mit gebäre
den jüngelinc dö grüezen.
an licnden iinde an fiiezen
begimdeu si dö lecken 1465
den herren äne flecken
und aller missewende blöz.
sich huop ein vehten harte gröz
unde ein vientlicher strit
von al den tieren bi der zit. 1470
Si kriegten welhez under in
von erste solte keren hin
ze deme junklierren üz genomen.
kein lier von ime dö wolle komen
158'' 6 daz der reine gotes degen 1475
gjeb ime sinen siiezen segen
und ez von dannen hieze gAn.
diz fremde wunder wart getan
durch den vil tugendeb2eren.
daz liez sich dö beswseren 1480
der keiser unde miiejen.
Panlaleon dö blüejen
begunde in höher werdekeit,
durchliuhtic pris wart ime geseil
mit lobelichem schalle. 1485
die Hute meistic alle
riefen sunder allen spot
' gröz ist der cristenheite gol
der diz unbilde hat getan.
man sol gesunt von hinnen lau 1490
Pantaleönen, sinen kneht:
daz ist billich unde reht.'
Der keiser alse ein tobic hunt
begunde wiieten an der stunt
durch daz geschrei daz dö geschacli. 1 495
swaz liute dö rief unde sprach,
man solte lan den jüngelinc,
den wurden marterlichiu dinc
li/Ü. allen den 147'2. da solle li74. wolle von im da k.
l'tSi. war 1490. von iiinnan gan
236 PANTALEON.
durch sin gebot erzeiget.
gevellet unde geveiget 1500
vil schiere wurden tüsent mau.
den hiez der keiser legen an
gar einen bitterlichen tot.
seht, also wart ir bluoles rot
vergozzen dö vil manic trahen. 1505
Maximian der hiez erslahen
diu wilden tier durch sinen zorn
diu den junkherren wol geborn
niht wollen frezzen bi der frisl.
Pantaleou der lobte Crist 1510
der manicvalten helfe sin.
158" er sprach 'vil süezer trehtiu,
pris unde lop si dir geseit
der gnaden unde der saelekeit
daz dil geruochtest, herre gol, 1515
daz maneger hie durch diu gebot
ein marterlicliez ende lile.
du wollest niht gnuoc hau da mite
daz liule durch den willen diu
hie Irüegen strenger nrele pin, 1520
du enliezesl ouch diu lier durch dich
hie liden marter engesllich.'
Pantaleön die rede treip.
da von der keiser do beleip
vil zornic unde sprach also 1525
niil einem argen munde do
ze sinem ingesinde.
' waz luon ich diseme kinde
daz hie mit zouber wundert
und von den guten sunderl 1530
alt unde junc, man unde wip?
hie wirt verkerel manic lip,
ob ich im niht daz leben nime.
der rede antwiirte gaben inie
die besten alle von der stal. 1535
1514. pnade 1531. unAc J'eh/t. lyXS. nilil liiuier leben.
PANTALEON. 237
si spnu'lien ' lierre, läz ein rat
und eine schiben machen
von kiinstebwren Sachen
und heiz in dar in binden ;
so muoz er sinen linden 1540
und sinen weichen lip verzern.
wiltü des lebenes in verhern
und gar zefiieren siniu lider,
so werde ab einem berge nider
geläzen beide schibe und er. J545
da von sin verch hin unde her
158'' beginnet sich engenzen.
ja muoz sich dö verschrenzen
sin fleisch und sin gebeine.
die stocke und ouch die steine 1550
zerfiierent ime hilt unde vel,
wan swie diu schibe sinewel
beginnet walzen hin ze tal,
so wirt zerteilet über al
sin lip in kleiniu stiickelin. 1555
daz schulde riebe leben sin
muoz er zehant Verliesen.
sol er sin ende kiesen,
daz mac geschehen, herre, also.'
der rat Maximiane dö 1560
vil uzer mazen wol geviel,
wan sin gemiiete in zorne wiel
üf den erweiten gotes kneht.
der keiser durch sin unreht
den jiingelinc gehalten bat 1565
biz ime gesmidet würde ein rat
iiz isen unde ein schibe,
da mite er sime libe
do nieren wolle leides klage.
er Avart beslozzen drizic tage 1570
in eirae liefen kerker,
durch daz sin angest sterker
1542. tebnden 1545. scFiiben 1546. werk 1551. iine oeh liut
1552. swie] swen 1567. eine schiben 1568. üben
238 1>ANTALE0N.
da würde und al siu arbeit.
ouch was diu schibe dö bereit
da man zerfüeren wolle mite 1 575
sin verch wol reine und wol gesite.
Si wart erziuget schöne
mit richer koste lone,
als ez gebot 3Iaximiän.
Pantaleon der muoste gän 1580
des endes da diu schibe was.
ze gote er sin gebete las
159* und bat in der genäden sin.
er sprach ' vil lieber trehtin,
dil neige mir din ore 1585
von dime himelköre
und stiure minen ungewin.
Sit ich arm unde diirftic bin,
so werde mir din tröst gesant.
du lä mir dine zeswen haut 1590
sliur unde helfe reichen,
beganc an mir ein zeichen
durch die götliciien giiete din,
so daz die Midersachcn min
und die mich hazzent miiezen sehen 1595
daz mir diu gnade si geschehen
duz mich din helfe richer trosi
uz minen sorgen habe erlöst.'
Nu der junkherre diz gebete
gesprochen flizedicheu hete 1600
dö was er bi den stunden
vil schiere da gebunden
mit starken riemen uf daz rat.
sin reiner lip wiz unde glat
geuzlichcn wart enblecket 1G05
und also blöz gcstreekot
uf die vertanen schibeu,
die man begunde triben
zehant uf einen höhen berc,
ir)7(). weiTli IJOfi. «Hu l'rhlf. 1508. iiiine
PANTALEON. 239
durch daz man griuwelichiu werc IG 10
begienge an deme vil reinen,
an stocken unde an steinen
zerbrechen wolte man den hell
den got ze kemphen heele erweif
und ime geruochte bi gestän. 1615
diu schibe diu wart an gelän
dar umbe daz si liefe nider
und ime zerfuorte siniu lider
159'' mit scharpfer und mit strenger not.
man wolle im einen grimmen tot 1G20
do stiften unde briuwen.
do löste in uz den riuwcn
sin herre, der vil süeze Krist,
der ime begegenle an der frist
und in generte sä zehant. 1625
die stricke brachen und diu baut
da mite er was gebunden,
und wart er ane wunden
des lihes und des herzen
erlcesel von dem smerzen 1630
der marterlichen quäle.
diu schibe zuo dem male
schuof dö vil ungcwiunes,
wan si lief Widersinnes
an die verworhten beiden, 1635
der si begunde scheiden
ein wunder von dem lebetagen.
fünf hundert man ze lode erslagen
do wurden von ir loufe snel.
Pantaleön lid unde vel 1640
ganz unde wol gesunt behielt.
da von der keiser zornes wiell
den ime sin arkheit worhte.
vil engestlicher vorhte
die burger liten von der stat, 1645
do man daz griuweliche rat
1616. das zweite (\\u fehlt. 1020. An ime einen gr. t. 16-20. slölct;
1639. wurde
240 PANTALEON.
die grimmen slahte briuweu sach
diu gnuogen dö von ime geschach.
Nu diz unbilde was geschehen
und dö der keiser hete ersehen 1G50
daz in da half niht an der stete
daz er Pantaleone tele,
dö sprach der heiden wider in
' sag an, wer hat die kiinste din
und disen list geleret dich 1055
159" daz dir kein marter engestlich
enwin-et noch kein argez dinc?'
'mich lerte' sprach der jüngelinc,
'der priester Ermoläus.
er hat mich underwiset sus IGfiO
und ist der meister min gewesen.
swaz ich ze herzen han gelesen
witz unde guoter kiinste,
daz ist von siner giinste
mir widervaren unde geschehen.' 1005
' nu sprich, möht ich in hie gesehen?
sprach aber do 3Iaximian.
ich w ölte ouch sine lere han
und siner meisterschel'te gunst,
durch daz ich eteliche kunst 1670
von ime gelernen möhfe
diu miner sele töhte
und mir zen ^ren wa^re
nütz unde helfeba^re.'
Die rede treip durch äkust 1075
der keiser, wände in siner brüst
\crsigelt lac valsch unde mein.
den priester, der geliulert schein
vor wandelha^ren sinnen,
wolt er alsus gewinnen 1080
159'' und für sich bringen alzehanl.
den valsch den ha>te an ime erkant
Panfaleön vi! schiere do.
im). ]nafe/iU.
PANTALEON. 241
do sprach er wider in also.
gebiulest duz, ich bringe dir 1685
mit willecliches herzen gir
den nieister unde den herren min
der mit der höhen i^re sin
dir mac gehelfen unde gefromen.'
'ja' sprach der keiser, 'heiz in komen 1690
und läz in werden her besant. '
sus gienc Pantaleön zehant
enwec schier unde snelle
und ilte zuo der zelle
da der priester inne was 1695
und alle zit sanc unde las
ze prise dem erweiten gote.
doch gie Maximiänes böte
mit Pantaleöne dar,
durch daz er sin name war 1700
und er in bete in siner pfliht,
daz er entrinnen möble niht.
Nu daz er in die zelle kam
für sinen meister lobesam,
do wart er siner kiinfte frö. 1705
'diu zit ist komen' sprach er do,
'daz man mich kroenen sol mit dir.
ein stimme kam hinaht ze mir,
diu Seite, ich solte striten
den kämpf in kurzen ziten 1710
den Pantaleön ouch strite.
hie weiz ich unde erkenne mite
daz ich die marter liden sol.'
sus giengen si dö fröuden vol
hin zuo dem keiser alzehant. 1715
und dö er bete alrörsl bekant
daz für in kam der priester hin,
dö sprach der keiser wider in
'friunt, sage mir ze diute,
wie nennent dich die liute?' 1720
1089. helfen 1093. sicher
Z. F. D. A. VI. 16
242 PANTALEON.
Des gap er im antwiirte alsus.
' herr, ich heiz Erniolaus'
sprach er gezogenliche do.
' von erste ich wart genant also
von niinen friunden lobesam. 1725
noch zieret mich ein bezzer nam
160' mit siner tagende listen:
ich bin genant ein cristen
und wil ouch ienier einer sin.'
'ml tuo mir hie mit worlen schin 1730
sprach aber do Maximian,
'sihel man dich bi dir hän
ihl bruoder unde gesellen
die gerne erfüllen wellen
al dine lere und diniu wort?' 1735
'ja' sprach er, 'ich hän zwßne dort
die niine bruoder sint in gote.
si lebent wol nach mime geböte
und habent mir gevolget ie.'
der keiser sprach wie heizent die? 1740
daz lä mich wizzen unde enstan.'
der kiusche reine capellan
bot ime balde antworte des.
' Hermippus und Hermoerates
si zwene sint genant" sprach er. 1745
'nu la si beide komen her'
sprach do der keiser wider in.
sus wart nach in gesendet hin
da man si bi der zite vant,
ze hove kamen si zehant 1750
mit ein ander do gezogel,
da si der heidenische voget
mit Worten und mit rede enphie.
er sprach 'ir herren, ir sit die
der rat Pantaleonen, 1755
den werden uiul den vrönen
goleu hat also genomen
1724. \on erst warl icli genemet also
PANTALEON. 243
daz er ist von ir opher komen
und er niht heizen wil ir kneht. '
'herr, ez ist billicli unde reht' 1760
sprächen si do beide,
daz er sich von in scheide
160'' und daz er Criste dienesthaft
si mit aller siner kraft. '
' Ir herren, redent niht also' 1765
sprach der gebietaere aber dö
schon unde minnedichen zin.
'sit rilich kunst und edel sin
iuch zierenl beide und erent,
so rätent unde lerent 1770
daz iuAver friunt Pantaleon
den goten heilic unde vron
mit sime dienste bi geste.
swie daz geschiht daz unser e
der jüngelinc wil halten, 1775
ich läze iuch beide walten
riiiches guotes ane zal.
ir miiezent sin ilf mime sal
liep unde wert spät unde fruo.
da von so flizent iuch dar zuo 1780
daz er durch iuwer lere
zen goten wider kere
und gebe in sinen prisant.'
nein herre' sprächen si zehant,
Hermippus und Hermoerates, 1785
'wir sulen in niht heizen des
daz sime heile unrehte kome.
der rät waer ime ze nihle frome
daz wir in hiezen bringen
als üppeclichen dingen 1790
sin opher und die gäbe sin.
got, unser aller trehtin,
der himel schuof und erden,
der sol gepriset werden
1764. Ist, aber- I sieht vor ausgestrichenem S. 170,"). nihter
1783. Vü geben s. pr. 178(). Wir ensullen
16*
244 PANTALEON.
von ime in allen enden. 1795
mit herzen und mit henden
sol er sin opher bringen deme,
als ez dem namen sin gezeme."
160'' Hie mite was diu rede hin.
die vier gesellen under in 1800
von gotes geiste wielen.
an ir gebete si vielen
des si mit flize pllägen.
diu stat an der si lägen
erbibente unde erwagete, 1805
daz iibele dö behagete
dem keiser an der stunde,
mit eime valschen munde
begunde er sprechen aber dar
'die gote sint erzürnet gar. 1810
da von diz wunder hie geschihl
daz man daz ertriche siht
erschüten sich durch die getät
daz man ir muot betrüebet hat
mit Sünden und mit meine.' 1815
Pantaleön der reine
gap ime der rede anlwürte do.
wisliche sprach er zime also.
' Maximian, du sagest w.^r.
die gole die sint offenbar 1820
erzürnet unde betrüebet,
wan ez ist an in güebel
diu lästerliche smaheit
daz si gevallen unde geleit
sint zuo dem ertriche nider. 1825
ir touben unde ir lamen lider,
an aller sielekeite blint,
zerstücket und zebrochen sint
und ligent üt" der erde
in schamelichem werde.' 1830
Der keiser do niht wolte
1797. deine] dar 1798. er
PANTALEON. 245
gelouben daz er solle
gesmaehel an den goten sin.
er sprach ' geswic der klelFe din,
160'^ vil sinneloser jiingelinc. 1835
du redest üppeclichiu dinc.
du gouch, war umbe tuostii daz?'
nü daz er in der rede saz
mit deme junkherren wol getan,
dö kam zehant für in gegän 1840
ein böte, der seit ime iesä
daz sine gote wteren da
zervallen und zerflecket,
des wart sin muot erschrecket
mit zornc bi der stunde. 1845
von grimmes herzen gründe
sprach der vil arge jieiden
' ich sol benamen scheiden
die zouberaire üz dirre stat
die mine gote an eren mat 1850
und an ir wirde tuont also.'
mit disen Worten hiez er do
den kerker üf entsliezen
und dar in balde schiezen
den helt Pantaleönen 1855
der nach der hiraele krönen
vaht verwegenliche alsus.
der priester Hermolaus
und die zwene bruoder sin
die muosten angestbaeren pin 1860
da liden vil gemeine,
ir fleisch und ir gebeine
Maximian hiez villen.
in wart durch gotes willen
vil manic marter an geleit. 1865
ze jungest sluoc man unde sneit
in allen drin ir houbet abe.
heinliche wurden si ze grabe
gefüeret von den cristen.
die stälen si mit listen 1870
246 PANTALEON.
161" und hiezen si bestaten sider.
Pantaleön wart aber wider
gefiieret für den keiser hin.
der sprach mit zorne wider in
'Vil tumber, unde waenest du 1875
daz du von miner hende nü
gar äne swsere entrinnest?
nein zwäre, du gewinnest
vil marterlicher ungeschiht,
ob du den goten bringest niht 1880
daz opher unde den prisant din.
da vor soltü gewarnet sin,
und überhebe dich der not.
vermit den angestbeeren tot
und kere zuo den lebetagen 1885
wiltu iht saelden hie bejagen,
so tuo dich dins gelouben abe.
gehiige wie sich bekeret habe
din meister Hermohius.
gedenke daz Hermippus 1890
und sin geselle Ermocrates
sicii wellent flizen alles des
daz minen goten 6re si.
ja volgent si mir alle dri
mit willeclicher andaht. 1895
ich hän si von ir muote bräht
in mins gelouben orden.
vil underlgenic worden
sint mir die selben liute.
si tuont swaz ich gebiute 1900
mit herzen und mit munde.
da von si zailer stunde
enphahent hoher wirde Ion.
da sich du an, Pantaleön,
und volge den gesellen din. 1905
belip hie mit in allen drin
161** liep unde wert in mime sal
1879. marterliclu- 1886. iht] mit 18<)1. emocratcs 1894. Jocli
1907. iiiincn
PANTALEON. 247
und l)iul den golen über al
pris linde lop, daz ist miu rät,
wan ez dir au dm leben gät, 1910
ob du dich niht bekerest
und si mit ophcr eresl.'
Mit disen worten unde also
der übele keiser wolle do
den jiingelinc betriegen, 1915
wan er begunde im liegen
von den drin marterairen.
er Seite im daz si wairen
vil gar in sinen willen konien :
dö was daz leben in beiiomen, 1920
als ich da vor bescheiden hän.
der lüge begunde sich enlstan
Pautaleöu der guote.
ez was im in dem muole
von gotes geiste worden schin 1925
wie den gesellen allen drin
von strenger marter w6 geschach.
da von er zuo dem beiden sprach
' Sit du mir hast verjehen des,
Hermippus und Herraocrates 1930
und Hermoläus leben noch,
so lä mich si geschouwen doch
vor diner ougen angesiht.'
' nein' sprach er, 'du niaht ir niht
vor mir gesehen nü zehant. 1935
ich hän ze boten si gesant
ze fremden steten anderswar.
da nement si des dinges war
daz in von mir bevolhen ist.'
sä zehant und an der vrist 1940
der jüngelinc antwurte.
den valsch er balde spurte
des ime der keiser do verjach.
161" dar umbe er wider in do sprach
'Boeser bunt, ez ist din site 1945
daz valscher munt dir volget mite
248 PANTALEON.
und daz du dicke iriugest,
swaz aber du geliugest,
doch hast du mir nü war geseit.
ez ist ein ganziu wärheit 1950
daz du ze holen hast gesant
den raeister min in fremdiu lant
und sine gesellen beide.
in spilender ougenweide
siht man die werden alle dri. 1955
diu stat ist missewende vri
dar in si von dir sint gevarn.
ze himele in der engel scharn
sint si gekroenet schöne
und ist ouch mir ein kröne 1960
rilich unde wol bereit.
diu sol mir werden üf geleit
so daz ich si beginne tragen
schiere in kurzeclichen tagen. '
Maximian, als der vernam 1965
an deme junkherren wunnesam
daz er sich weder sus noch so
von Jesu Crislö wolle dö
mit sinem muote scheiden,
dö gebot der beiden 1970
den sinen dura'hUeren
daz si den tugendebsereu
ze velde balde l'uorlen hin
und im daz houbet under in
mit eime swerle slüegen abe 1975
und uf des griienen planes habe
den lip ze pulver brauten,
die kneble die volanlen
161'' daz in gebot Maximian.
er wart ze velde uf einen plan 1980
gefüerel under einen boum
der einen wünnedichen soum
von loube in siner zite bar.
11)57. geuar l'.löH. schar 1970. der übel beiden
PANTALEON. 249
ein diirsehtwre gienc aldar
mit eime scharpfen swerte bloz. 1985
dem kiuscheii marterwre gröz
wolt er daz houbet abe slaheii
und sines bluotes manegen Irahen
unscliuldeliche reren.
do enwolte sin niht seren 1990
daz edele und daz tiure sahs.
lind unde weich reht als ein wahs
wart daz vil guote harte swert.
den gotes kemphen lobes wert
moht ez do niht verwunden. 1995
und do die knehte enphunden
die sines tödes wolten gern
daz in daz swert do niht gewern
Verluste mohte bi der zit,
do vielens üf dem plane wit 2000
ze fuoze dem getriuwen.
mit herzenlichen riuwen
den reinen batens under in
daz er durch siner tugende sin
den süezen Crist do ba?te 2005
daz er in gnade taite
mit veterlicher hulde
und in vergebe ir schulde.
Pantaleön der guote
mit lüterbserem muote 2010
die knehte do gewerte
des äne wandel gerte
ir wille bi der stunde,
mit herzen und mit munde
162" rief er ze himele unde sprach 2015
'got, aller seiden oberdach
und aller tugende ein überhört,
geruoche erhoeren miniu wort
und ere mich des ich hie ger.
dis armen liute du gewer 2020
1984. Der durehter gieog einer dar 198G. Den marterer kvsche
vü groz
250 PANTALEON.
der gnaden und der hulde din.
ir schult läz in vergeben sin
und swaz ir lip begangen hat.
verkius ir grözen missetät
und hilf in dort üz aller not. 2025
swer uf der erde minen tot
und mine marter ere,
dem hilf daz er bekere
von Sünden und von meine sich.
vil siiezer Crist, erbarme dich 2030
über die mich ruofen an.
swer miner swwre mich erman
und miner grözen pine,
gol herre, deme erschine
gensediclichiu milte. 2035
Sit daz dich nie bevilte
güet unde erbarmeherzekeit,
so stille im hie die arbeit
an libe und an der sele dort
und gip im sta'ter fröuden bort. ' 2040
Nu daz er diz gebete getete,
do wart erhoeret an der stete
ein stimme diu von himele sprach
'Pantaleon, din ungemach
ein ende wii enphahen. 2045
din sßle diu sol gaben
uf zuo der himele kneren.
got wil dich erhoeren
der dinge diu du hast begerl,
wau du wirst alles des gewerl 2050
des in diu munl gebeten hat.
162'' din tron vil wol gezieret stät.
der engel schar din beitet.
ein kröne ist dir bereitet
diu dich an ende zieren muoz. 2055
du soll den kumberhaften buoz
sw»r unde sorge machen.
2031. Vber alle die 2035. Genedig vn inille 2037. gute erb.
2038. hie fehlt.
PANTALEON. 251
die siechen und die swachen
din arzenie wol ernert.
swcr üF dem wäge in noeten vert, 2060
dem hilfestii ze lande wol.
din trosl üz banden Icesen sol
den armen der gevangen ist.
vertriben mac din hoher list
vil maneger hande sühte pin. 2065
du soll ein duraihtaere sin
der tiuvel zallen stunden :
swer mit in ist gebunden,
den loeset din erbarmekeit.
din tröst ist allen den bereit, 2070
ez sin frouwen oder man,
die dich in noeten ruofent an.'
Diu gotes stimme reine,
dö si die rede gemeine
vil gar nach sines herzen kür 2075
bescheidenliche briilite für,
do sprach Pantaleon ze jenen
der haut in schaden solle wenen
' ir herren die vor mir hie stant,
swaz iu geboten si, daz lant 2080
erfüllet an mir werden.'
sus viel er zuo der erden
diemüetecliche in kriuzestal.
und alse er do getet den vai,
do gienc ir einer da zehant 2085
die mit im wären üz gesant
und sluoc im abe daz houbet,
162^ als ez im wart erloubet
do von dem martersere.
der reine tugendebaere 2090
ze himele sante sinen geist.
durch hoher wunne volleist
kam er vür gotes ougen.
da wart er sunder lougen
2ÜÜ7. zc alle stunde 3Ü71. si 2074. die fehlt. 2084.2088. also
252 PANTALEON.
enphangen von der engel schar. 2095
sin verch alsam ein sue gevar
und alse ein blankiu lilje wart.
dö floz nach heileclicher art
von sime kiuschen libe guot
gar wiziu milch für rotez bluot. 2100
Sich huop dö fremdez wunder,
der boum da man im under
het abe sin houbet dö geslagen
begunde bringen unde tragen
des selben mäles niuwe fruht. 2105
an im wuohs obez mit genuht
bi der wnle und bi der stunt
dö sin vil reiner lip verwunt
mit einem scharpfen swerte wart,
diz groze unbilde niht verspart 2110
vor den burga-ren mohte sin :
ez wart in olfenliche schin,
wände ir kam vil manic schar
gedrungen unde gcloufcn dar
daz si daz wunder sa'hcn 2115
und heilekeite jiehen
dem edelen marterwre.
der keiser von dem ma?re
wart vil trüric unde unfrö.
den selben boum den hiez er dö 2120
zersclnten und zerschroten
und bat da mite des töten
162'* junkhcrren lip verbrennen,
die knehte got erkennen
begunden schiere und alzehant 2125
die mit im waren uz gesaut
durch daz si merten sinen schaden,
sie liezen netzen unde baden
sich in des touFes bruunen.
ir sele wart gewonnen 2130
got äne misse wende.
'201)8. Daz lloz -2121. Zerschitten
PANTALEON. 253
seilt, also nam ein ende
Pantaleon der reine,
den al diu werlt gemeine
soll eren unde prisen. 2135
er kan die liute wisen
von kuniberlichen sachen
und mac die not geswachen
des wibes und des mannes.
von Arguel Johannes, 2140
der Winharten toliter kint,
geschuof daz siniu wunder sint
alsus gelilitel schöne.
mit siner miete löne
bräht er si von latine 2145
ze liuscher worte schine
dar umbe daz die liute
verna-men dran ze diute
daz er kan trüren sloeren.
die diz getihte hoeren, 2150
und swer die marter sin verneme,
die wünschen heiles alle deme
der diz werc gefrumet hat,
und wizzent daz hell" unde rat
der reine marlera-re fuot 2155
in allen die getriuwen muot
ze herzen tragcnt wider in :
er stoerel leides ungewin.
2144. sine 2140. tuschen .2153. gescliriben vü gefrüniel
254
DIE SPOTTNAMEN DER VOLKER.
Das liohe alter des germanischen volkes und seiner stamm-
eintheilung wird auch dadurch bewiesen dafs wir schon zu
den ältesten zelten aus denen wir genauere künde von ihnen
haben einzelne stamme in zwist und fehde mit einander sehn,
dafs schon Tacitus den römerwunsch aussprechen konnte
' maneat, quaeso, duretque gentibus, si non amor nostri, at
carte odium sui, quando urgentibus imperii fatis nihil iam
praeslare Fortuna maius polest quam hostium discordiam'
(Germ. 33).
Ein fortdauernder ausfluls dieser Feindseligkeit sind die
Spottnamen welche einzelnen, bald grölseren, bald kleineren
theilen der nation vom allgemeinen munde gegeben werden,
manche sind beinamen geblieben, manche bis zu eigennamen
erwachsen; der Ursprung einiger wird von dem Avitz und der
sage selbst erklärt*; in anderen liegen noch unenträthselte
bcziehungen, wie wenn die Schlesier Jahrhunderte lang esel-
frefser geheifsen haben**, oder sie rühren nicht sowohl von
einem bestimmten geschichtlichen anlafse her, sondern gehen
mit sittlicher beurtheilung nur auf den hervorstechenden haupt-
zug eines Stammcharakters : so die blinden d. h. tollkühnen
Hessen, die wilden Sachsen (Jac. Grimm, lat. ged. 86), die
'^' so der Ursprung der sechs SchwabenoaineD Seehaas Blitzschwab
Neslelschwab Spiegelsehwab Knöpfleschwab und Gelbfiifsler (nur für
den siebenlen, den Allgäuer, hat sich kein würdiges beiwort finden wol-
len) und der flascheltrager von Wien, der stierwascher von Salzburg:
Büschings wöchentl. nachr. 4, 10 f. : die erklärung ähnlicher beinamen
der Stralsunder Greifswalder Anklamer und Cösliner s. halt. sind.
3, 1, ^34fr.
*"" ich besitze ein blatt des L'in jh. mit folgenden distichen
Hippophagus vetercs non mulal Sarmata mora
Cid dedit insipidus nomi'na dira cibus
Nuper eram placido conviua vocatiis amico
Et erat laiitis cena parata cibis
nie hisontinas ratiis me mandere carnes
Et dedit invisum laneibus hospes equtim
(Ji.am bcne zelizita coniunctus sarmate fertur
Ederat hie asiniim dum vorat aller eqiium
DIE SPOTTNAMEN DER VOLKER. 255
dummen Hirschauer Stliöppenstädtcr Schildbiirger Polkwitzcr*
und rriilicrliin auch die Uiörichteii Baiern : er ist ein twrscher
Beier Nilh. Ben. 52, 7. ein pris den wir Beier tragen muoz
ich von fFdleisen sagen : die sint teerscher denne beiersch
her Parz. 121, 14. der Welsche zwar in der Casseler glosse
stulti sunt Romani, sapienti smit Paioari : tole sint Vualha,
spähe sint Peigira (Eckharts Franc, or. 1, 855'') rühmt viel-
mehr an ihnen das grade gegentheil: er mochte schmeicheln
wollen, oder noch lieber, ein schalk aus Baiern, um sich
und den seinen eine genugthuung zu verschaffen, hatte dem
ausländer das Sprüchlein verkehrt beigebracht, das abenleuer
mit den fünf eselsfüfsen worauf ein altes gedieht nur gar zu
kurz anspielt {hi den fünf eseles Juezen di di Beiger brüh-
ten über mer Rüdiger von zwei gesellen 1366) scheint solch
ein bairischer Ihorenstreich gewesen zu sein, überhaupt wa-
ren die Baiern vor zeiten eben nicht beliebt, und es hieng
ihnen auch sonst noch mancher schimpf an: sie galten für
räuberisch (Jac. Grimms rechtsalterth. 948. Helbling 1,443 ff.),
für geizig (Helbling 1, 450. mo?iacus Boheniicus, pons Po-
lonicus, monialis Suevica, vestis ruratica? largitas Bava-
rica, castitas Austriaca, fides ludaica, ieiunia Italica,
glosa ludaica? merdam valent oinnia Hormayrs bist, ta-
schenb. 1842 s. 123 aus einer 3Iünchener hs. des 15n. jh.),
für rauh an spräche {stridula Bavarico gutture rerba li-
quens Reiuard. 4, 382. Bavarus loquens boat ut bos, exal-
tans rocem crassani niinis atque ferocem Aufsefs anzeiger
1, 292. vergl. Renner 245"), für trunksüchtig und gefräfsig
{so mac ein Beier sprechen wol, des lip ouch magen freude
ist vol, 'wanne kamst du, molle? da guotes was der volle,
da hdn ich g-etrunken unde geszen, bis ich min selbes hän
vergezzen' Renner 114"**. vreidic sam die Beier si wir
* zwei gedicLte des mittelalters geben in lang fortlaufender reihe
dergleichen spöttische volkseharakteristiken, das 14e tlelblings und das
lateinische leoninische in Mones anzeiger 7, 507 f., womit noch aus dem
Renner s.243 die aufzählung und kennzeichnung der einzelnen deutschen
mundarten zusammenzustellen.
** s. 120 desselben gedichtes wird demgemäfs auf eine gesellschaft
Baiern übertragen, was zuerst Atheuäus 2, 5 von Agrigentinern, dann
der Freudenleere von Wienern und später Abraham a S. Clara (be-
scheidefsen 1836 s. 384) von Strafsburgern erzählt.
256 DIE SPOTTNAMEN DER VÖLKER.
mit gevrteze HelLl. 14, 40), obschon ihr getränke birnenmost
war (Hclbl. 3, 233) oder ein wein von dem man sagen durfte
daz beirisch umi, Juden und jung wölveän aller best sin
in der jugent Renner 249*. was man an ihnen lobte war
einzig ihr tapferer Jcriegslustiger sinn (Feiere vuorin ie ci
ivige gerno Anno 319. di Baignre hdn ich (Karl) selbe er-
chorn ze vorderlicher chnechtnite — chuoner voic newart
nimere Ruol. 266, 10. 16.) und die guten Schwerter die ih-
nen dabei zu statten kamen : ivilichi knechti die wcerin, deist
in heidnischin buochin mceri. da liset man Noricus ensis
(Hör. od. 1, 16, 9. epod. 17, 71): daz diudit ein suert
beierisch ; wanti si woldin wizen daz nigeinniu baz ni biz-
zin; die man dikke durch den heim sluog : demo Hute was
ie diz eilen guot Anno 302 ff. Baire di stritegen mit ir
scarphen swerten Ruol. 238, 4. 266, 13; aber auch Gene-
luns des treulosen schwert war ein bairisches : Ruol. 58, 14 ff.
lob und tadel gegen einander ab und aufgewogen finden sich
in einer stelle des gedichles von Riterolf und Dietleib 6624 ff.
Hute niender anders wä hän ich so frevellich vcrnomen.
ist ez von alten siten kamen, so hdnt sin noch die Beier
reht: von strite redet da mer ein kneht dan drizic ritler
anderswä. der site muoz iemer wesen da: giuden undc
schallen muoz in wol gevallen; daz kunnen si also sere.
si wellen des hän ere daz maneger 4 erhangen luirt e daz
er den roup verbirt, und in den lateinischen spruchversen
prodiga, lasciva Bavaria laetaque, fallax, nee est s^ubtilis
gens, constans at socialis 3Iones anzeiger 7, 507.
Die thöricliten Raiorn sind, falls ich jeneCasseler glosse
recht verstehe, ein schon tausendjähriges beispiel ; andere
haben ein noch viel höheres alter, von den Cheruskern be-
richlel Tacilus Germ. 86 'qui oliin boni aequiquo Cherusci,
nunc inertes ac stulli vocanlur', und nach Jornandcs 17 war
der name der Gepiden eigentlich ein spoltname: 'de Scanziac
insulae gremio Gothos — tribus tantum navibus vectos ad
citeriorls Oceani ripam; quarum trium una navis, ut assolet,
tardius vecta nomen genti fertur dedisse. nam lingua eomm
pigra gepanta dibitur. hinc factum est ut paulatim et coi-
rupte nomen eis ex convicio nasceretur. Gepidae nauKiue
sine dubio ex Gothorum prosapia ducunt originem, scd quia.
DIE SPOTTNAMEN DER VOLKER. 257
ut (lixi, g'opanta pigrum aliquid lardmnque significal, pro
gi'aluito convicio Gepülannn nonien exortiini est. quod nee
ipsum credo ralsissinmni. sunt enim tardioris ingenii, gra-
viores corporum velocitate.' also Gc'pida oder Gipida (vergl.
Zeufs, die Deutschen 436) auf ein partic. gepands oder gi-
pands, ein verbum gepan oder gipan bezogen, dessen ange-
gebene bedeutung sich auch ganz wohl mit den verwandten
Wörtern, altn. gap gapa^ ahd. gafan gaphan*, nhd. gaf-
fen, mhd. kapfe?i, vereinigen läfst. denn gaffen heifst ei-
gentlich und auch noch im nhd. das maul aufsperren {schon
gaffen jetzt und giencn die blämlein allerlei, auf auf!
die blämlein gaff'en Spee) : das aber ist die bezeichnende
gebärde geistiger trägheit und einer thorheit nach weise der
äffen, die auch sitzen können um das maul noch weiter auf-
zusperren als vor ihnen das ofenloch, um des sldtes zu spot-
ten (Georg 1918) und den ofen zu überginen (Freidank 126,
20 vergl. 374), und von denen noch heut die maulaffen ge-
nannt sind und die redensart herkommt maulaffen feil ha-
ben, im mhd. hielsen dergleichen staunende thoren gief
(Reinh. s. 56. 108. Kol. cod. 115. Renner 189'), auf gothisch
also gepida oder gipida, und ebenso nun dieser Gothen-
stamm. andre deutungen versuchen Zeufs a. a. o. und Jac.
Grimm gr. 4, 930, mythol. 831 ; Isidor giebt eine nach seiner
art, Gipedes pedestri proelio magis quam equestri sunt usi,
et ex hac causa sunt vocati orig. 9, 2, 92.
Führten die Heruler einen ähnlich herabsetzenden bei-
namen? denn ihr eigenname hat den besten sinn, da er gleich
dem der Cherusker von hei^u genommen ist. wenigstens er-
zählt die sage auch von ihnen eine thorheit, zwar eine sol-
che die tragisch genug ist um nicht blofs lächerlich zu sein.
Herulorum exercitus dum hac illacque diffugeret (von
Tato dem Langobardenkönige geschlagen), tanta super eos
■' ich halle nämlich das gafatidus und gaplians (haeres) der lan-
gobardischen und noch der späteren rechtssprache nicht für compo-
niert mit ga (Graffs sprachsch. 3, 520), um so weniger als Gralf selbst
noch die andere form gafar verzeichnet, sondern als partic. jenes Zeit-
wortes für ebenso eine bildliche bezeichnung des wartenden erben wie
haeres von yeiQ den greifenden und ergreifenden bezeichnet, gleicher
weise könnte ganerbe (rechtsallerth. 478 — 48'i) auf der wurzel ginan
beruhen.
Z. F. D. A. VI. 17
258 DIE SPOTTNAMEN DER VOLKER.
caelitits ira respe.vit ut viridantia camporiim Irna cernen-
tes natatiles uquas esse putarent. dumqr/e quasi nalaturi
hruchia cxlendereiit, crudeliter hostium feriebantvr a gla-
diis Paul. diac. 1,20 und nach ihm Ainioiu2, 13. das alle testa-
nient leitet einmal (2 kön. 3, 22 ff.) eine niederlage der 3Ioa-
biter aus einer ähnlichen teuschung her: im 149n märchen
der br. Grimm hält ein durch zauber bethörtes mädchen gleich-
falls blühenden flachs für wafser; sonst aber hat die volkssage
jene Verblendung der Heruler jetzt auf die sieben Schwaben
übertragen, volksbüchlein 1835 s. 226 f.
Und die Schwaben selbst? bekannter mafsen brauchen sie
vierzig jähr um gescheidt zu werden, seit wann aber hält
man sie für so dumm? und seit wann erzählt mau von den
streichen der sieben Schwaben, dieser gegenbilder der sieben
weisen die Hellas zählte? palriotische nachforschungen haben
nicht weiter als bis auf Bebeis Facetiae und Kirchhofs Wen-
diinmut zurückgelangen können (volksbüchlein 283. 286j :
aus dem miltelalter ist mir kein zeugnis. überhaupt keine
äufserung der art bekannt*, man müsle denn hielier ziehen
wollen dafs Heinrich Suso. selbst ein Schwabe von Coustanz.
den durchbruch des geistlichen mannesalters auf das vierzigste
jähr ansetzt (Schmidt über Suso 23). aber dies jähr ward
auch aufserhalb der geistlichen erkenntnis für den beginn des
mannesalters, den schlufs der eigentlichen Jugend genommen
(Renner llO**. 232''): es bleiben also die Schwaben nur dumm
so lang sie noch jung sind: junc und tump sind in der al-
tern spräche synonym, auch stellen wie die gegen den 31ar-
ner gerichteten worte meister liaumelands daz ander rat dir
swa'hisch melt : din dii/tsch ist uns ze drwte und ja g-it er
(golt) einte Sahsen also eil als eime Siräbe (vdHag. MS.
3, 56"') enthalten nur eine eifersüchtige vergleicliuug ober-
und niederdeutscher spräche und kunst, jede durch das haupl-
volk vertreten**; sonst jedoch werden die Schwaben stäts
•■ Bonerius 1*9 erzäiilt die alliernlu'it mit dem monde die man jetzt
den Mcmmiiifteru anliängt nocli ohne die beimat zu benennen von dem
studierten söhn eines ritters.
'"'' in gleichem sinne nennt Sachsen und Schwaben neben den Scy-
then der dichter des Ileinardus 1, 126, und Berthold 315 veranschau-
licht den gegensatz von Ober- und Mederlandern durch nennung derer
von Zürich und dem Bodensee und derer von Sachsen.
DIE SPOTTNAMEN DER VÖLKER. 259
ihrer milde, ihrer Weisheit, ihrer feinen zucht und rede, über-
haupt ihrer toerdekeit wegen gepriesen {Swabeti di millcn
Ruol. 2(58, 5. do enpßengen si die Swäbe mit lohelicher
gäbe: das ivas ir tvilleclichrr gruoz. got wetz wol, den
Swäben inuoz ioglich biderber man jehen, der si da keime
hat gesehen, daz bezzers willen fiiene wart Hartm. Heinr.
1420. ein Hut ci rädi mllin guot, redispa^he genuog
Anno 290. ich hdn der Swdbe werdekeit in vremden lan-
den vil gesehen : da würben si nach prise also daz man
in xvirde muoste jehen (br. Wernher vdH. MS. 2, 230^
vergl. Helbl. 1, 455 ff.), und tapfer, wie sie gleichfalls w^a-
ren, hatten sie in reichskriegen das Vorgefecht : die sich dikke
des vure nämin daz sie guode rekkin wärin, woli vertig
unti wighaft Anno 293. si sint vil guote knechte: ich wil
das si vor vechten Ruol. 268, 7, vergl. XCVII. CHI. Schwa-
bensp. landr. 31. zwar heilst es im Reinardus 3, 734 per-
fidior Suevo iudicer atque Geta, und anderswo in eben die-
sem gedichte haben die säue ihren chorgesang von den Schwa-
ben gelernt, hoc gr aduale boni nos edocuere Suari 4, 747;
wahrscheinlich aber meint hier der undeutsche dichter mit
den Schwaben die ihm verhafsten Deutschen überhaupt (vergl.
Reinhart LXXIX) ; und wenn sie ein anderer gar um treulo-
ser wortbriichigkeit willen tadelt, so stellt er selber gleich
ein hohes lob daneben : Suevia promissa percepto mmiere
frangit, Vitat turpe loqui, quia nobilis atque supcrba
(Mones anz. 7, 507); zudem ist es ein Sachse der also spricht,
denn von diesen allein weifs er blofs rühmliches zu sagen
{stultitiam vital Saxonia, casta, pudica; non indiscrete
tribuit, quia prodiga non est 508), gerade wie der oben
angeführte schimpf der bairischen mundart (Aufsefs 1, 292)
verbunden ist mit gerechter lobpreisung der sächsischen.*
selbst der gar unfreundliche spruch (Schmeller 3, 524)
doch ist ain Sprichwort,
die Swaben seien von hohem stam :
■■'■' eine priamel des 15n jh. in Schmellers bair. wb. 4, 2Ü6 giebt
den Sachsen ihren hochmut heim : het ich herzog Jörgen von Baiern
gut, und der von Ulme mut, und herzog Christoffels von München
leip, und herzog Sigemunts von Oeslreich weip, und der von Nürn-
bereh tvitz : ich gwb umb alle Sachsen nicht ein switz.
17*
260 DIE SPOTTNAMEN DER VOLKER.
sie schaifs ain raiger ab ainem paum
nider auf die erden bei dem Rein,
davon die Schwaben körnen sein. *
t/nd von der Swaben stank
sin dt körnen die Frank,
und aus der Franken air
sin dt können die unsauber n Pair,
selbst dieser spruch, der übrigens, wie man siebt, die Fran-
ken und Baiern noch viel schlimmer mishandelt, sagt wenig-
stens von der dummheit der Schwaben nichts.
Dennoch möchte ich solche beurtheilung und benennung
derselben, die einmal doch ihren anfang mul's genommen ha-
ben, gleich bis hinauf in die allerfrühesten Zeiten rücken, in-
dem ich glaube dafs schon ihr eigenname wesentlich nichts
andres besagen solle, es liifst sich dieser (die Römer schrei-
ben ihn Suevi, die Griechen 2!ovy]3ot) mur mit der wurzel
sviban, altn. sofa svaf svafum soßnn, d. h. schlafen, in Ver-
einigung bringen: also Swdb, altn. Svqfr, ags. Sr(Ff, der
schläfrige, ähnlich wie vorher inertes ac stulti Cherusci.
der kern der Sueven waren die Setnnones: ihr name scheint
mit ableitendem n wie das alts. suelhan, altn. svefn schlaf,
mit beseitigung des v w ie das alln. sef ich schlafe, und mit
einer assimilalion von bn in mn wie das lat. somnus (gr.
i'mvog) und wie in Du/gubini Joi'Xyov^ivioi, von eben dersel-
ben Wurzel herzurühren, so dafs zwischen Suevus und Senino
in gleicher weise unterschied und einklang waltete wie in
Italien zwischen Sabinus und Sa/nnis. ja die vollständige
form des namens der Semnonen liegt noch bei Strabo vor:
denn wenn er 7, 1 als Völker welche 3Iaroboduus behersche
auch 2.'if3ii'0iig xal t6 tup ^ov^jihv uvtmv ftr/u fthog ^Vufo)-
vag neben einander nennt, so sind das schwerlich verschie-
dene Völker gewesen {—tjjtvol werden sonst nirgend mehr er-
wähnt), sondern nur verschiedene namen oder namensformen
eines und desselben volkes.
Somit wären schon die Sueven dumm gewesen, und man
hätte es den Schwaben des mitlelalters nur ihres ritterlichen
kampfes und sanges wegen vergefsen und verziehn, einge-
■■' vergl. pessfma qiiae j>otuil monsira cacarc Satan Reioard 4, 780.
METE BIER \MN LIT LUTERTRANC. 261
(lenk der worte jenes beichtigers, dals es, wenn auch nicht
schön, doch keine sünde sei ein Schwabe zu heifsen.
WILH WACKERNAGEL.
METE BIER WIN LIT LUTERTRANC.
Die einzigen durch kunst bereilelen getränke welche bei
den germanischen Völkern schon ursprünglich und allgemein
in gebrauch gewesen, sind melh und hier : den stoft" dazu ge-
währte die heimat selbst in ihren feldfrüchten und dem honig
ihrer wälder und beiden, den meth bezeugt schon eine stelle
des Pylheas bei Strabo 4, 5; sein name, da er durch alle
germanischen sprachen geht (ahd. motu, mhd. niete oder met,
ags. iiieclu, meodu, altn. jm'ödr, mlat. medus, medo) und
buchstäblich zu dem griechischen ^uOv wein und dem slav.
med, litlh. meddus honig stimmt ohne doch ganz das gleiche
zu besagen, scheint uralt, des bieres gedenkt Pytheas gleich-
falls und nach ihm wieder Tacitus Genn. 23. doch möchte
diese benennung des getränkes nicht die eigentlich deutsche,
sondern erst aus dem romanischen bere d. h. hibere gebil-
det sein ; * zwar gilt sie auch im angelsächsischen und alt-
nordischen {beor, bior)^ daneben aber in eben denselben noch
ein zweiter ausdruck, altn. aul öl d. h. alu, ags. ealu, engl.
ah, und dieser darf, wie auch er mit einem pelasgischen
Worte von nur halber sinnverwandtschafl, dem gr. tluiov, iat.
oleum, etymologisch doch zusammenhängt, ** vielleicht ältere
* alt- und mlat. hiher und hiheris getränk und getränkmafs : s.
Du Gange, das mlid. trinken wird ebenso gebrauchl: eine hauptstelle
im Augsb. sladtr. s. 116 er {der bttrcgrdve) hat ouch daz reht, swer
ein fuoder ivins verschenkt, der sol im ein trinken wtns geben; ist
aber daz vaz halpfüederc, so sol man im ein sidlfn wins geben. —
elliu tüinschaf, alle eimer, alle halb eimer, elliu grözen vierteil, elliu
trinken vnde elliu sldlin. also ein trinken gleich zwei seidlein oder
einer mafs.
** das neu- und mittelhd. umlautende ol kommt durch ahd. oli und
ahd. mhd. olei vom Iat. oleum, während die seltenere form ol (bei
Oltocar u. a. ; boumol statt des unmöglichen boumwol Erec 7702)
naher bei jenem deutschen alu liegt; das goth. ale'v hat noch ein un-
verändertes a, es dient zur vermittelung beider begriffe dafs unser
262 METE BIER WIN
echtere deutschheit ansprechen, es passt zu der undcatsch-
heit des Wortes hier daCs auch brauen auf eine fremde, eine
celfische wurzel zurückgeht, das von Plinius h. n. 18, 7 als
ein gallischer getreidename angeführte brace (Jac. Grimm über
diphth. 25) : der deutschere name dieser thätigkeit ist wahr-
scheinlich blandem gewesen.*
Meth und hier blieben bei den Völkern des äufseren Nor-
dens noch bis tief in das mittelalter hinab fast die einzig
üblichen getränke: sie selbst erzeugten keinen wein, und der
anderswo erzeugte kam ihnen nur seltener und stäts ver-
theuert zu. potian Normanm's et in hoc et in omnibus an-
nis praebebit culmus, non baiula palmitis ulinus 3Iones anz.
7, 507. anders in Deutschland, zwar in Cäsars zeiten schlofs
man sich da noch ab gegen die fremden weine (b. Gall.
2, 15. 4,2), aber schon nicht mehr als Tacitus schrieb:
proximi ripae et vinum mercantur (Germ. 23) : und dann
kam durch das geschenk des kaisers Probus (Vopiscus Prob.
18) der weinbau nach Deutschland selbst**, und wiederum
nach nicht gar langer zeit wurden die gepriesenen rebberge
der 3Iosel deutsches eigenthum. nun ward das weinlrinken
immer allgemeiner, und stäts weiter nach Norden und nach
Westen hin verpflanzte sich der weinstock ; auch in dieser
beziehung werden die anordnungen und das beispiel Karls des
grofsen (cap. de villis 8. 48) besonders gewirkt haben, aber
es scheint hier nicht am ort in die geschichte der deutschen
Ö7 roundarllicli jede flüfsige und durchsictitige arzoei bezeichnet; in
Baiern wird auch eine art hier wirklieb '61 genannt : Schmellers bair.
wb. 1, 45.
'" goth. blandan, ahd. plantan mischen (ein getränlc) und bildli-
cher weise planfan, ninl. 7nede blanden s. v. a. böses stiften, grade
wie auch und zwar häufiger brhiwen gebraucht wird : Jac. Grimm Reinh.
s. '279. gramm. 4, 336; enblanden mühselig werden talsen, eigentlich
nicht zu trinken geben, noch stärker hat sich der begriff von brauen
(goth. brigy;van?) entfärbt, falls bringen, goth. briggan bralita ur-
sprünglich dasselbe wort ist.
'* daher auch die spräche des Weinbaues fast durchweg auf dem
lateinischen beruht: wein selbst auf vinum, tvinzer abd. winzuril auf
vinitor, windemon mundartlich wimmen auf vindemiare, presse torkel
und kelter auf pressa torcular calcitrare, während ein viertes syno-
nym der letzleren, trotte AhA. irota, von deutscher wurzel ist: treten,
goth. trudan.
LIT LUTERTRAiNC. 263
weincullur des näheren einzutreten : statt alles andern genügt
die hinweisung anl' Ulm. dort war das spätere mittelalter
hindurch ein eigentlicher weinmarkt, auf welchem Rheinwein,
Alainwein, Neckarwein, Breisgauer und Elsäfser zusammen-
traf mit wein von Bozen und andern italiänischen (Jäger,
Ulms mittelalter 715 ff.), unter solchen umständen traten meth
uiul hier immer mehr zurück, wurden namentlich im Süden
Deutschlands immer seltener bereitet und getrunken, sanken
bei denen die vornehmer und vermöglicher w aren immer mehr
in Verachtung, das zeigt vor allem deutlich die art in wel-
cher Freidank vom meth und vom weine spricht und die Stei-
gerung zu der er die möglichen und üblichen getränke ordnet :
wazzer hier rnete win 9, 5. gcdichtc des elften und zwölf-
ten Jahrhunderts nennen meih und wein noch ganz geläufig
neben einander als gleich angesehene getränke auch bei herr-
schaftlichen gastmälern (Ruodlieb 5, 13. 10,17. 16,2. 18'', 2.
Hartm. v. glauben 2467. Warnung 261 . 2461. 3361. vimim
pugnat cum medo/ie Jac. Grimms Friedr. 1 , 92'') : die höll-
schen epiker des dreizehnten, also auch die höfe dieser zeit,
kennen den meth beinah gar nicht mehr (einige stellen im
weitem verlaufe dieser abhandlung), und es gehört zu den
volksmäfsigkeiten des Nibelungenliedes dafs er hier sogar ein
fürstliches trinken ist (251. 909. 1127). man überliefs ihn
also jetzt mehr den niederen ständen : dafs diese auch im
südlichen Deutschland noch einstweilen bei ihm blieben zei-
gen z. b. die Zollsätze im stadtrecht von Augsburg 21 — 25
und die jährliche methspeisung welche Adelheid von Sulmen-
lingen 1388 für die ulmischen lindelkinder stiftete (Jäger 619);
bei vornehmem aber wird es nur als ein zeichen der Völlerei
angeführt, wenn auch sie ihn tranken : wie ivi'l rfer ew kerre
si/i, dem da herschet rnet unt win welscher gast 4, 2.
Helbling 7, 832. scelc ist der man der sich des went daz
er nach wollust sich niht sent, nach wine, mete, nach zar-
ter spise Renner 119'', wobei auch in betracht kommen mag
dafs er für ein reizmittel zur liebe galt: vina valent forti,
rerevisia grata cubanti, fons valet oranti, sed medo hasia
danti Hormayrs bist, taschenb. 1842 s. 138 aus einer Em-
meramer hs. des 15n jh, in noch viel geringerem ansehen
stand das hier: Kourad von Würzburg, der den meth noch
264 METE BIER WIN
nennen mag, stellt diesen das eine mal mit dem efsig, das
andre mal ebenso mit dem hier zusammen, Engelh. 2116.
3892; vergl. Parz. 201, G ich irter da nu tvol soldiev. wan
da trinket nieman hier ; si haut wins und spise vil. zwar
Rudolf von Habsburg war ein grofser freund davon und lief
einmal mit dem bierglase in der band und das gute getränk
laut preisend durch die strafsen von Erfurt (Mencken scr.
2, 563) : aber zu eben derselben zeit schildert ein dichter
der das leben in einer niedern und verdächtigen schenke dar-
stellen will diese nur als eine bierschenke (zeitschr. f, d. al-
terth. 1, 27 f.) und der Unverzagte beantwortet die frage wo
man geizigen herren am schicklichsten mit einem loblied danke,
daz sol man in dem piere : da ist daz lop gar eren vi^i —
pierloterlop dazn ist niht icit bekant vdH. 3IS. 3, 46". wei-
terhin ist das biertrinken immer mehr eine bezeichnende ei-
genheit von Norddeutschland geworden, weshalb auch Seb.
lirant im narrenspiegel (s. 115 Slrohel) die niederdeutsche
form biersiipper gebraucht : an den ßaiern, jetzt biertrinkern
vor allen, war im miftelalter noch der birnenmost sprichwört-
lich (Helbling 3, 233) und der schlechte wein: selbst der
Miinchener bock stammt aus dem Norden, aus Einbeck
(Schmeller 1, 151). zu eigenen bierliederu aber gleich jenem
normannischen bei \soVi über die lais 439 f. hat sich weder
in oberen noch in niederen landen die altdeutsche poesie je-
mals verirrt.
Indessen trotz dem zunehmenden Übergewicht des Wein-
baues und des weintrinkens dürfen wir uns von den gewach-
sen die der deutsche boden während des mittelalters trug keine
allzu günstige Vorstellung machen, eigentlich guten wein scheint
man nur eben da gezogen zu haben wo dem milderen dima
noch eine von den Römern her überlieferte sorgsamere pflege
der reben und des bodens zu hilfe kam, also namentlich an
Rhein und Mosel, das lob dieser weine geht von Jahrhun-
dert zu Jahrhundert fort: auf Ausonius der im vierten, auf
Venantius Fortunatus der im sechsten den Moselwein dich-
terisch gepriesen (s. Böckings 3Ioselgediclite) folgt mit dem
zehnten der verfafser der ecbasis 733
nd te cum redii, Trcrirensia vinu probavi.
ex bis se.viarium san.vi tibi fcrre bibendum.
LIT LLTERTRANC. 265
ihilcius ac ynelius nee habet scrutnrier ullus,
(juod ciiras ahigit, quod linguae verbn ministral,
morbos avertit, metuenda ])ericula pellit.
Trevirici calices qnos non fecere loquaces?
und mit dem zwölften oder dreizehnten das zierliche strophen-
paar eines lateinisch -deutsch -französischen trinkliedes (Do-
cens misc. 2, 192 f.)
Trevir metropolis,
urbs amenissma,
quae Bacchum rccolis
Baccho gratissima,
da Ulis incolis
vi/ia fortissima per duhor.
her teirt, tragent her nu ivin!
vrolich Silin wir bi dem sin.
Ars dialectica
nil probat verius,
gens teotonica
nil portat melius
et plus mtinißca
sua dans largius per dulzor u. s. \v.
die sage des volkes aber nahm gar für die ersten zeiten des
Trierer Weinbaues auch eine solche fülle der erzeugnisse an
dafs sie aus den alten wafserleitungen von Trier alte wcin-
leitungen machte: Triere was ein bürg alt: si cierti Ra-
inere gewalt; dannin man unter dir erdin den win santi
verri mit steinin rinnin den herrin al ci minnin di ci Nolni
wdrin sedilhaft Anno 512 ff. vergl. Rettbergs kirchengesch.
Deutschi. 1, 544 f. dichterstellen über den Rheinwein sind im
Nibelungenliede str. 369 guoten win, den besten den man
künde vinden umben Rin, 1127 den besten win den man
künde vinden in dem lande alum den Rin; im Renner ISl''
al der win der ie gwuohs bi dem Rin und jenhalp iners ;
ein jüngeres loblied in der Sammlung der Clara Hätzlerin 66 f.
hebt namentlich den von Bacharach hervor, ein lateinischer
spruchvers den aus dem Speiergau, circa Spirenam Rhenus
rinosus abundat Mones anzeiger 7, 508. auch die oberrhei-
nischen weine genofsen schon damals ihren ruf, der Elsäfser
(Grimms Friedr. 92^*) wie der Breisgauer : dafs man hier mit
266 METE BIER WIN
freudigem stolze, wennschon in schwächerer abschattiing, so-
gar den aufzug Kalebs nachbilden mochte zeigt die herbstord-
nung von Haltingen (31ones anzeiger 4, 24) och sollent die
hanwart einem herren (dem bischofe) t^on Basel und nu
semol einem bumeister (dem aufseher der münsterfabrik) zuo
end des herbstes ein hengefin * triublen (nämlich bringe/i),
der besten die sie in allen bann von iedei^iuan gemeinlich
schniden iingevorlich, tind die selbe hengel sol an einer
Stangen zuo Basel über die Bynbruck von zweyn bannwar-
ten getragen iverde/i, und sol also lang sin ah von iren
achslen ein gemünd von dem herd ist.** nächst solchen
gewachsen ehemaligen Römerbodens war nur noch das wiirz-
bnrgische \6htnii^\er{\\: franconicum et forte (d. i. italicum)
vinum velut procellas in sanguine parat, et ideo qui euui
bibere voluerit, aqua temperet s. Hildegardis physica 45
Reufs. swenneWürzeburc niht wines hat vdH. MS. 2, 384''.
7nultum Franconia sublilis habet bona vina 3Ionesanz. 5, 507;
und hin und wieder auch das von Osterreich : schon das Ni-
belungenlied nennt str. 1268 mit Vorliebe den 31ölker wein,
überall anderswo aber ist, wie es scheint, die menge des er-
zeugten getränkes das beste oder das einzig gute daran ge-
wesen : Baiern z. b. war von einem ende zum andern voll
von reben und die gemeinen leute salsen beim weine tag und
nacht (Schmeller 4, 85 — 87): doch welchen wein trank man
da ! es gieng der spruch daz boirisch win, jaden und jung
wölvelin aller best sin in der jugent (Renner 249"). viel-
leicht dafs man sich selbst zu wenig aufmerksamkeit und krafl-
anstrengung zumutete, obschon grade ein bairischer dichter,
der Winsbeke 67, von buwen (d. h. düngen) houwen unde
jeten des Weingartens spricht: jedesfalls lag über dem mitlel-
* ' hcnkcl nennt man zwei und mehrere trauben, die mit dem reb-
holz abgeschnitten werden, so dal's man sie daran aufhängen kann'
Mone. in einer hcrbstverordnung bischof Ottos von Würzburg, Würzb.
miscellanhs. zu München bl. 25*2'' ist hengel ein korb (zum aufhängen):
swelche wingartman on des herren ivizzende deheine bere heim freit
oder zechet getragen, der git ie von dem kreben oder hengelen seh-
tzig Pfennige; und nur ein solcher kann auch hier gemeint sein.
*" Mone erklärt 'so lang als der rauchfang (das gemüiid) von der
achsel absteht ;' richtiger wohl, dafs sie von ihren achseln handbreit
über den erdboden reicht.
LIT LUTERTRANC. 267
alterlichen Deutschland ein viel rauherer himmel als jetzt über
uns. Johann von VVinterlhur berichtet in seiner chronik
wörtlich uiiil ausdrücklich folgendes, anno domini mcccxwfi.
inncta ciriinn Thi/?'fcc/mum contra naturae suae antiquarn
consuetudinem tarn bonum vinum proUdoruni quod vino Al-
satico multorum iudicio aequiparabatur. ante vero adeo acre
et durum erat quod ferrea rostra vasorum in quibus con-
tinehatur et de quibus fundebatur abrasit. tantum autevi
fuit tunc mitigatym et dulcoratum quod postea pristinam
usque in hodiormim diem acredinem non resumpsit-, thesaur.
bist. Helvet. 39^ jnitii>atum et dulcoratum : und doch muslcn
die Züricher noch um das jähr 1450 ihre keUerbäume aus
den länj;;sten und dicksten stammen des waldes machen, so
hart waren die trauben ; und war dann der wein mit riesen-
hafter austrenguufi; ausgepresst, so musfe man noch dreifsig
jähr warten bis er zu trinken war: Fei. Hemmerlin (H. war
selbst ein Zürcher) de arbore tnrculari ducenda in die J'esto.
Der beste beweis von wie geringem werthe fast aller
wein gewesen den man in Deutschland selbst erzeugte ist ein-
mal der umstand dafs die vornehmeren und die mehr nur zu
ihrem vergnügen trinken durften solchem weine der aus Un-
garn oder Italien oder sonst von Süden her eingeführt ward
den Vorzug vor dem einheimischen gaben, so vielmal er auch
diesen an theuernis übertreffen muste. der Ungerwein hiefs,
da er von Osten herkam, in Österreich selber osterwin (Helb-
ling3,*238ff. Suclienwirt 4, 115), sonst auch heu/iischer wein
(Rosenblut in Canzlers und 3Ieifsners quartalschrift 7, 31),
hunonicum vinum Hildeg. phys. 45), falls letzteres nicht eher
ein wein von der traubenart war die schon auf ahd. Mnisc
drübo genannt ward (Graffs sprachsch. 4, 960). welscher
wein kommt (ich beschränke mich überall wo die sache es
erlaubt geflifsentlich auf dichterstellen) in Heinrichs Tristan
3363 vor, bei Steinmar vdH. 3IS. 2, 154'* und bei Suchen-
wirt a. a. 0, ; mit genauerer bezeichnung wein von Chia-
venna {Cleven) Engelh. 3894, von Bozen üb. weih 554, von
Rivoglio (Rainfal) Suchenw. 4, 116. 408. griechischer wein :
daz fröut mich baz dann al der win der ie gewuohs in
Kricchenlant Müller 3, xvi". wyn von Romenie farbenbuch
des 15n jh. auf der bibliothek von Trier ; Kipper undVinepopel
268 METE BIER WIN
(Pliilippopelj Wilh. 448, 8, edelen kiprischen whi Heiiir.
Trist. 908, cipperwin Weckherlins beitr. 89 ; hieher nach
Basel kam Cyperwein zuerst im j. 1288 (Annal dominic.
Colin.) .der haupthandelsplatz für diese Siidweine war, wie
zu erwarten ist, Venedig: vergl. Ottocar eap. 352, wo noch
ein viel längeres namenverzeichnis.
Was aber w^ird nun aus all der menge des in Deutsch-
land selbst gewachsenen weines? rein wie er von der kelter
kam scheint ihn zunächst nur der gemeine mann getrunken
zu haben, obwohl dieser sein bediirfnis noch gewöhnlicher mit
meth oder hier oder eider befriedigen mochte : apfeltranc
opffltranc Neidh. 34, 1 Ben. Engelh. 3895 ; bim most vdH.
MS. 2, 118'', als übliches getränk der Baiern Helbl. 3, 233.
die reicheren aber, damit er auch ihnen geniefsbar werde,
pflegten ihn mit allerlei zuthaten künstlich anzumachen, mit
honig, mit kräutern, mit fruchten, mit gewürzeu. und das
geschah nicht blofs mit den geringeren arten, nicht etwa blofs
um einen zürclierischen haiinenbeifscr zu zähmen : selbst der
Rheinwein ward einer solchen behandlung noch für bedürftig
und fähig gehalten, wie aus dem s. g. maitrank zu schliefsen
ist den man noch jetzl bereitet; ja auch die Südweine, die
doch an sich schon heifs und süfs und wohlriechend genug
waren, verschonte man damit nicht: vi/mm cypj^icum pignien-
taturn et clarificntuvi Du Gange wxA^v pigmentum; und von
Kiper trinket ivin, der sol ivol geniischet sin Eracl. 3391.
denn es stand einmal fest, künstlicher wein sei befser als
natürlicher: cläret ist bezzer danne win (Heinrichs kröne 39)*.
Es kamen um diesen brauch zu begünstigen zu der schwä-
che und säure und kälte der einheimischen weine noch man-
cherlei andere umstände, die luft war eben kalt, der winter
streng : da meinte man zu befserer gegcnwehr selbst gute
weine noch verstärken zu müfsen ; und wenn man aus dem
gleichen gruiule die speisen in unsinnigem übermafs würzte,
so führte auch dies wieder zu einer entsprechenden würzuug
der getränke. die trunksucht steigerte diese reizung noch :
man iiefs, nur um desto mehr trinken zu können, viel gewürz
in die speisen thun (Steinmar in vdHagens MS. 2, 154. Wie-
" ich eitlere dieses gedieht naeh den absäUen der Wiener liaod-
LIT LUTERTRANC. 269
ner meerfahrl 95); ja man afs zum Irinken die blofsen ge-
würze selbst, roh oder eingemacht : lactwarje muschute in-
i^eher galgen kubebon nelikin Wiener meerf. 227 ff. *; eine
unschuldigere aber auch nicht unwirksame zukost war das
begofsenc d. h. mit fett beträufelte brot (zeitschr. f. d. a.
4, 578. vdH. MS. 2, 299. Martina altd. leseb. 758, 19. Ren-
ner 198". Graffs Diut. 1, 325): in all solchen fällen hätte ein
natürlicher ungesüfstcr ungewürzter wein keinen geschmack
mehr gehabt oder schlechten, und endlich trank man die an-
gemachten weine gelegentlich noch zur arznei oder doch un-
ter dem vorwand einer solchen, so dafs auch die alten heil-
mittellehren von ihnen sprechen und anweisungen zu ihrer
bereitung geben, z. b. eine Zürcher hs. des 12n jh. folgende,
srut die riitiin mit (Imn wine imde viache ein lutertranc mit
der poleiün unde mit dem honeg-c unde gib daz zi triti-
chenne Diut. 2, 177.**
Diese liebhaberei nun, man könnte vermuten, sie sei ur-
alt, sie habe wenigstens im vierten Jahrhundert schon be-
standen, denn dasselbe wort welches im dreizehnten Hein-
rich von dem Thürlein gleichbedeutend und abwechselnd mit
claret und pigmeiit und lütertrane, also zur bezeichnung
eines so gemischten weines braucht (kröne 31 — 55. süezez lit
iion pigmenten riche?i 162), dasselbe kennen auch schon im
neunten Jahrhundert der Übersetzer des Ammonius und andre
Althochdeutsche, dasselbe zu gleicher zeit die Sachsen und
die Scandinaven, dasselbe schon Ulphilas, nämlich leithu lidhr
Utk Ud lit. und da in den ländern bairischen Stammes jede
schenke ein lithüs, der wirt einer solchen litgebe, der ge-
löbnistrunk beim abschlufse eines handeis iitkouj' hiefs (Schmel-
1er 3, 520 f.), so würde sich noch die zweite folgerung erge-
ben dafs man namentlich in Baiern ganz allgemein und bis
auf den niedersten herab nur angemachte weine getrunken
habe, indess gegen beides ist mit triftigkeit mancherlei ein-
* hier lieget \vol)l auch die eiklärung der öfter erwähnten sitte
ingwer oder sonst gewürze bei sieh zu führen und zu naschen: Neidh.
Ben. 2, 5. 31, 6. Engelh. SlGff.
**■ auch der branutwein, dessen älteste erwähnung nach Frankfurt
und in das jähr 1360 Tällt (Seukenbergs selecta 1, 44. 45), hat ursprüng-
lich nur eine arznei sein sollen.
270 METE BIER WIN
zuwenden, einmal dals sich nicht annehmen läfst, es sei schon
in so frühen zeiten der wein überall hin verbreitet gewesen,
sodann, Ulphilas und der Übersetzer des Ammonius 3, 6 und
der dichter der altsächsichen evangelienharmonie 4, 12 ver-
deutschen mit dem worte leithu lid das griechisch -lateinische
sicera Luc. 1, 15: vein jah leithu ni drigkith; man noh
lid ni trinkit; that ni scal an is liva gio lides anhitan,
uuines an is uueroldi) : Ulphilas aber konnte und muste aus
dem lebendigen Sprachgebrauch und die zwei andern musten
es wenigstens aus dem Isidorus wifsen dafs der wein, ge-
mischt oder ungemischt, ausdrücklich nicht zu den getränken
gehörte die unter den gattungsnaiuen sicera begriffen wurden :
sicp.ra est omnis potio quae extra viniim inebriare potest ;
caius licet nomcn Hebraeum sit, tarnen Latinum sonat, pro
eo quod ex succo frumenti vcl pomorum conßciatur, aut
palmarum fructus in liquorem exprimantur, coctisque fru-
gibus aquae pinguior quasi succus colatur: et ipsa potio
sicera nuncupatur Isid, orig. 20, 3. also hier, apfelwein,
palmenwein : letzterer fiel für die Deutschen natürlich weg:
auf die beiden ersleren wendet auch das capitulare de villis
den biblischen namcn an : siceratores, id est qui cervisam
vel pomatiuvi sire piratium, vel aliud quodrumque liqua-
men ad bibendum aptuni J'uerit, facero sciunt cap. 45; vgl.
appeldranc sicera hör. Belg. 7, 8\ während nun der an-
gelsächsische Übersetzer des evangeliums unter sicera nur hier
verstand {he ne drincd vin ne beor), an welches ihrer hei-
matlich gewohnten getränke dachte der Gothc, der Franke,
der Sachse bei dem worte lid? an wein also nicht, auch
nicht an hier oder meth : denn letztere führten eben schon
diese nanien ; es bleibt nur der apfelwein übrig, und somit
käme zu hier und raeth als drittes allcinheimisches getränk,
nur als ein minder allgemein verbreitetes (denn nicht überall
gab es obsl), der ausgeprefste und gegohrue saft der äpfcl
und birnen. blofs auf solchen, da von gewürztem weine so
grofse vorräihe unmöglicli waren, passen auch die worte Not-
kers ps. 143, 13 promptuaria eorum plena, eructantia e.r
hoc in illud : iro chcl/era sint Jolle, muzönde da:: lid Jone
einemo zc andermo. und leithu lid ist dafür eine ganz
schickliche benennung. da leithan lidan näciisl dem urbegriffe
LIT LUTERTRANC. 271
des gelieiis auch den des Vergehens und Verderbens lial (\ il-
niar, allerlh. im Heliand 22), dies getränk aber nur aus ver-
dorbenem obsle entsteht; oder bezieht sich der naine auf das
durchgehen des sattes durch ein tuch? seim kommt ebenso
von seihen her.
Lit also ein obstwein. diese erklärung wird dadurch
unterstützt dal's dieselben ßaiern bei denen das wort so be-
sonders üblich war ausdrücklich als obstweintrinker bezeich-
net werden (Helbl. 3, 233). dabei ist jedoch zuzugeben dafs
man schon früh, schon in der Merovingerzeit, gelegentlich
den rebenwein mit einlachen zuthalen. ja selbst mit würzen
gemischt, und dann mit nahe gelegter Übertragung auch der-
gleichen gelränke lid genannt habe: Gregor. Tur, 7,29 spricht
von weinen die mit odoramcntis stärker gemacht, 8, 31 von
solchen die mit honig und wermut versetzt seien, und im
Ludwigsliede von 881 heilst es Äer skancta ce hanton si-
7i(in fianton bitteres Udos, so denn nun auch Jahrhunderte
später an jenen stellen Heinrichs v. d. Thüriein. ja das wort
mufs allmählich den ganz allgemeinen sinn von wein ange-
nommen haben : nur so erklärt sich dafs die häuser in denen
die Baiern tag und nacht bei ihrem wolfsweine salsen eben-
falls lithiis, und die kauftränke sowohl litkouf als winkonf
genannt wurden. * das konnte aber deshalb leicht geschehen
weil lit als selbständiges und selbstverständliches wort schon
mit dem zwölften Jahrhundert so gut als abgekommen war:
das Trierer glossar z. b. wo es die getränknamen anführt
kennt es bereits nicht mehr, wohl aber ephiltranc als Über-
setzung \on hydroinellwn oder hi/dro?nali 15, 32; Hartmann
V. glauben 3104 irrt schon im geschlecht und setzt es männ-
lich statt neutral: den allir bezisten lit; das weitere mlid.
hat es fast nur nur noch in jenen zusammentzungen lithits lit-
gebc Uthoiif. daneben kam als neue benennung dessen was
ursprünglich lit geheifsen most in gebrauch : most uzzen rö-
ten epfelen gedithtan Williram LXIX, 19; ebenso bim 7nost
=■■■ die lafsbergische handschrift des Schwabenspiegels unterscheidet
win/ius und litfius, landr. 255, aber wohl nur durch ausspinnung eines
Schreibfehlers, indem die übrigen (cap. 210 meiner ausg.) entweder nur
Hthüs oder winhus haben.
272 METE BIER WIN
an schon oben citierten stellen*, endlich heut zu tage wird
in den baierschen leithäusern alles getrunken was berauschen
kann ; oder vielmehr in den leuthäusern : denn auch hier hat
die neuere spräche einem unverstandenen alten worte durch
entstellung wieder einen sinn zu geben gesucht. **
Würzung des von reben gezogenen weines kann als all-
gemeinerer gebrauch nicht vor dem eilften Jahrhundert nach-
gewiesen werden, wäre sie es z. b. schon in den zeiten
Karls des grofsen gewesen, sein capitulare de villis würde
sich darauf beziehen, in den abschnitten wo es vom wein und
von den kräutern handelt, aber nichts der art: es macht
nur cap. 34 unter andern dingen die mit Sorgfalt zu bereiten
seien und neben dem meth und dem hier auch vininn, mora-
tum und vinum coctum namhaft, und ebenso spricht es cap.
62 nur de morato, vino cocto, medo et aceto, de cervisa,
de vino novo et vetere. hier erscheinen als etwas beson-
deres und gekünsteltes nur das moratwn und das vinum coc-
tum. letzteres könnte eben dasselbe sein was man jetzt
noch hin und wieder am Rheine macht und vor zeiten noch
öfter gemacht hat, neuer noch süfser wein der im fafse selbst
an und über lebhafte glut gestellt und so gekocht und süfs
erhalten wird, sogenannter feuerwein, verschieden also von
dem blofs gelegentlich bereiteten glühweine, den man übrigens
im mittelailer auch schon kannte : dai' nach trunken st den
win, den gewennet, disen kalt Wiener meerf. 233 ; vergl.
vinum album bullitum cum ruta bei Du Gange unter vinum,
und Notk. ps. 10, 6 kalix {stouph) ist gesprochen föne ca-
Hdo liquore (uuannemo lide). moratum aber, gleich dem
maulbeerblutc 3Iaccab. 1, 6, 14, war entweder der gegohrene
saft der maulbeeren, ein feineres lid also, oder wein über
maulbeeren abgezogen: der name, jedoch eben nur der name,
kommt auch späterhin in lateinischen schriflcn wie in fran-
zösischen und deutschen so häufig vor dafs man sieht, dieses
getränke sei fort und fort eines der beliebtesten gewesen.
* noch jetzt wird landschaftlich der eider most genannt, sonst
aber hat dieses wort auch im altdeutschen, z. b. gl. Trevir. 15, 29.
Müller 3, xxx**". Renner 109", den sinu seines grundwortes viustuui.
** die entstellung beginnt übrigens schon im mhd. : Schwabensp.
landr. 210, 3. 5 hat die beste hs. litithus.
LIT LUTERTRANC. 273
auf französisch ward es mores, auf deutsch viöraz genannt :
letzteres z. b. in einem botanischen vocabuiar des 12n jh.
Diut. 3, 339 morus miilboum, moratum möras; bei Hartmann
V. glauben 2468 beide inete unde win, mors unde lütertratic ;
im Parz. 244, 13 möraz win unt lütertranc ; in den Nib.
1750 dö schände man den gesten in witen goldes schallen
met muraz unde win; in der weinprobe lieders. 3, 333 ich
bruoft eins andern trunkes kraft: dem gab ich die meis-
terschaft an süeze für den muraz; in Dieterichs ahnen
4934 7nanc guldin schenkvaz : dar in was win und muraz.
rechnet man zu diesem maulbeertrank und zu dem feuerweiu
noch die mischung von wein und honig die mit antikem na-
nien mulsum oder mulsa hiefs (s. Du Gange), so wirU man
ziemlich alles bei einander haben womit die trinker früherer
Jahrhunderte allgemeiner gewohnt waren den geringen hei-
matlichen Avein theils zu verbefsern theils zu ersetzen.
Erst mit dem elften zwölften Jahrhundert, als vor und
mit den kreuzzügen der südöstliche handel einen höheren auf-
schwung nahm und die weine des Südens und die gewürze
des Ostens in gröfseren massen auch durch Deutschland an-
fieug zu vertreiben, erst da ward es zur eigentlichen sitte den
wein auch zu würzen und, während man ihn früherhin blofs
jnit honig gesüfst halte, ihn jetzt vermittelst noch anderer
zuthaten auch stark und heifs und dullig zu machen gleich
jenen südweinen, es scheinen aber die Deutschen nicht aus
sich selbst darauf verfallen zu sein, wenigstens nicht ganz
aus sich selbst : in eben dieser zeit begann ihr engerer ver-
kehr mit den nachbarn im Westen einen umgestaltenden ein-
tiufs auf die gesammte lebensweise, namentlich der höheren
stände auszuüben, auch die Franzosen liebten den künstli-
chen wein (Le Grand und Roquefort, vie privee des Fran-
Qois 3, 63 ff.), und die kunst weine der Deutschen tragen na-
men die entweder selbst französisch oder doch dem französi-
schen nachgebildet sind, verschiedene namen in denen allein
schon mehr oder weniger deutlich auch verschiedene berei-
tungsarten sich zu erkennen geben.
Der alterthümlichste und im deutschen selbst der am we-
nigsten gebrauchte ist lat. pigmentiim pimentum, fr. piment,
mhd. pigmenti ez {daz claret) ist liiter unde dünne, ge-
Z. F. D. A. VI. 18
274 METE BIER WIN
smac unde 7^(cze, unde sint sin icwze süeze unde inl starc .-
cz muoz kosten viange marc ditz vil edel pigment Heinr.
kröne 55 ; vcrgl. gepimenteler win Williram LXIX, 19 {vi-
nvm conditiim cant. 8, 3) und pime/itatos cfateres Walthar.
301. d?L p?g/}ie//ti///i eigentlich ein stark und wohlriechendes
gewürz (aroma, spezerei) bezeichnet und ebenso das alt- und
miltelhochd. pigment pigmento pimento bimente*, so mag
zuerst ein solcher wein so geheil'sen haben der blofs oder doch
vorzüglich mit gewürzen versetzt war: vergl. im Ruodlieb
5, 13 vimim piperatinn, in der ecbasis 806 potus piperotus.
indessen wird ausdrücklich auch des honigs als einer haupf-
zuthat und des milden geschmackes erwähnt (Du Gange), und
Heiurfch an der oben angeführten stelle braucht pigtnent ganz
in der gleichen bedeulung mit rlnret, so dals wenigstens nicht
immer und überall die stärkere würzung ein unterscheidendes
merkmal abgegeben hat.
Häufiger auch bei den Deutschen ist das schon früher
und eben jetzt wieder verglichene wort cfnret: es findet sich
nächst Heinrich v. d. Thürlein, der claret pigment lit und
lätertranc alle zur bezcichnung einer und derselben sache ver-
wendet und clnret mehrmals in bestimmten gegensatz zum
blofsen weine bringt {nemt claret aide win 36. claret ist
bezzer danne win 39. mins herren win und sin claret 54),
im Nicodemus 56* so im die genade gesehach ende er dar-
nach ef gesach gein dinern tissek da de swzze, beider tninch
vnde irzze, swes din lip erdenchen jnohte, daz riehen manne
tohte ze habn vf sinem tische, wiltpro't ende rische, cla-
ret 7noraz inet nnde rein ,- noch in Friedbergs Tristan 4802,
in Wolframs Parz. 809, 29 und bei Reinbot im Georg 2089,
hier jedoch mit ungenauer Verkürzung der schlulssilbe und
verlängernder belonung auch der ersten (Gahmaret, met ; cla-
ret), während Heinrich richtiger claret aussprach (: stet 54);
im h. Wilhelm des Thürheimers wird die schlulssilbe auch
verkürzt, aber doch nur sie betont {met ; claret). zum gründe
liegt nämlich das allfranzösische clares, acc. claret, auf la-
teinisch claratum oder auch, näher angeschlofsen jener fran-
* pigmenttim s. Eckh. Franc, or. 2, 517 f.; pigment Parz. 789,
26; Pigmente altd. lescb. 197,22. Ruol. 260,27; pimento Wiliirani;
pimentc fundgr. 2, 83, 24. bimente 33, 31. gl. Herrad. 186 u. a.
LIT LUTERTRANC. 275
zösischeu form, claretuin, grade wie neben einander moratmn
und moretum gelten, jetzt bezeichnet clairet im französi-
schen einen blafsrothen wein, s. g. bleicher oder schiller,
claret in England einen französischen rothwein, mau hat mit-
hin zu dem claret des mittelalters gewöhnlich oder gar immer
rothen wein genommen; die weitere raischung und behandlung*
zeigt eine von Du Gange angeführte stelle des Bartholomaeus
Anglicus (de proprietatibus rerum 19, 56) die es erlaubt sein
wird hier zu wiederholen, claretum ex vino et melle et
speciebus aromaticis confectum : navi species aromaticae
in sttbtilissiinum pulverem contcrujitur et in sacco lineo vel
mundo cum melle vel ziicara repnuuntur. vino autcm opti-
ma species pcrfumhintur et reperfundiintur, quemadJnodum
fit lexivia, et tamdiit renovatur perfusio donec virtus spe-
cierum vino iyicorporetur et optime clarificetur ,• unde a vino
contrnhit fortitudinem et acumen, a speciebus autem reti-
net aromaticitatem et odorem, sed a melle dulcedinem mu-
tuatur et saporem. also donec clarificetur i daher der name.
Eine art des clareles mochte vorzugsweise auf arznei-
liche Wirkung berechnet sein, da man ihr den namen des
sprichwörtlich berühmtesten arztes, des Hippocrates, gab, nur
auch hier wie sonst in Hippocras entstellt: vergl. Pasicra-
tes und Passecras Reinb. Georg s. v f. das getränk war in
Frankreich, es war auch in Deutschland üblich: als Hein-
rich VI von England in Paris einzog, war bei der brücke von
S. Denis ein Springbrunnen angebracht, jettant hjpocras et
trois seraines dedans (3Ionstrelet, chroniques 2, 77); gleich-
zeitig fafst ein deutscher dichter den namen noch persönlich
auf: die knaben laben kanst du bas (der Rheinwein näm-
lich) dann herr Yppocras liederb. d. Hätzlerin &Q. und noch
jetzt wird es unter der alten benennung hier in Basel und
iu Frankreich bereitet, aus rothem wein und duftigen ge-
würzen.
Der rothe wein ist schon von natur befser für solche
anwendung geeignet: sicherlich aber gab mau ihm auch den
Vorzug seiner lebhafteren färbe wegen, denn die färbe des
Weines ward nicht mit gleichgültigkeit betrachtet : ein gedieht
* für diese gebraucht Heinrich kröne 37. 55. das zeitw. brimven,
das sonst und eigentlich nur von der bereitung des bieres gilt.
18*
27(5 METE BIER WIN
der Würzburger raiscellanhandsclirift bl. 42" rechiicl sie mit
zu den iiauptmcrkmalen eines guten weines.
f^ei'sus de comidej^acione boni vel mali vi/ii.
Hec est doctrina. que descrihit bona vi/ia.
Uini constat honor in odore. colore, sapore.
Spuma boni vini medio stat. marginc praui.
Vinum spumosum. cito ne fluat. est uiciosum.
Clangit subtile fusum. reticet tibi vile.
Dum saltnnt athomi. patet excellencia vini.
die Trierer glossen i^ut win, goltjar witi, wi:i win (Hoffni.
15, 29. 30) geben nur noch eine technische Unterscheidung:
aber dichlerworte wie das im weinschwelg alld. leseb. 583, 7
swenne er schcene als ein golt von dem zaphen schiuzet
und das jüngere des schon mehr citierten Rheinweinliedes
Hätzl. 66 du scheinst durch ain glas gramer dann gras*
zeigen über die technik hinaus eine herzensfreude. und so
gab es auch eine art claret deren rolh man zu besonderer
kraft und helle brachte, und die man eben dieser färbe we-
gen sinopel hiefs. zwar könnte man, wenn blofs solche stel-
len vorlägen wie Parz. 809, 29 mit zuht man vorevi gräle
nam spise wilde unde zam, disevi den niet und dem den win,
als ez ir site wolde sin, möraz sinopel claret, eher an ein
getränk von grüner färbe, z. b. an wermutswein denken : denn
das buchstäblich übereinstimmende französische wort sinople
bedeutet so viel als grün, indess andere nennen den sinopel
ausdrücklich roth : Parz. 239, 1 möraz, win, sinopel rot ;
Thurh. Willi. (Lanzelet s. 251) den röten sinopel, und brau-
chen eben dies wort als namen eines rotlien farhslofles : Lan-
zelet 4421 sin schilt was ron sinopele röl genuoc. und das
wird unzweifelhaft derselbe farbslofF sein der auf lat. cinna-
baris oder cinnabar und mit geringerer entstellung auf neu-
hochdeutsch und scJion im 15n 16n jh. (z. h. in dem Trierer
farbenbuch und der Wiener hs. des Erec 2295) zinober ge-
nannt wird ; wirklich hat auch in jener stelle des Lanzelet
die hs. zinopel. es scheint jedoch der sinopel, wie er ver-
hältnismäfsig nicht gar oft bei den dichtem vorkommt, kein
* danach wäre der Rheinwein früher noch entschiedener und schö-
ner grün gewesen als jetzt; kommt daher die grüne färbe der Rhein-
weingläscr?
LIT LÜTERTRANC. 277
gar häufiges und gleich anderen allbekanntes getränk gewesen
zu sein: man darf das aus der Verderbnis schliefsen in wel-
cher die Schreiber öfters den namen wiedergeben: siropel
dort in mehreren handschriften des Parzival, und ebenso im
h. Georg 2089 moraz wi?i oder met, sijropcl oder cldret
und im Wigamur 81 ivin unde lülertrauc, siroppcl und ouch
moraz, des waren do diu goltvaz roll zallen stunden da
zer tavelrtinden. sie mochten dabei an syrup denken, oder
gab es wirklich auch ein getränk das vom syrup (fr. sirop,
miltellat. siruppus) seinen namen hatte?
Am öftersten jedoch, öfter als moraz pigment claret
hippocras sinopel und siropel, erscheint in unsern quellen
der angemachte wein unter dem namen lutertranc. noch
einige citatc zu den andern die gelegentlich schon früher vor-
gekommen : der künec j4rtüs hiez in gehen lutertranc met
U7ide win Lanzelet 8603 ; lutertranc, cldrer win Flore 3005;
man g'oz in diu trincvaz hUertrunc und moraz und edelen
kiprischen unn Heiur. Trist. 908 : lutertranc : üz einein velse
der entspranc ; den trunken die gelieben hie, tvwrlick, unde
dühte sie der beste weihische win der in den landen mohte
sin 3359 5 er (der wunderbrunnen) ist win, so einer wines
gert; wil er met, so ist er ouch gewert; dem aber dar
stät sin gedanc, dem^t er moraz oder lutertranc Wigam.
1631 ; da wart der win niht gespart, moraz unde luter-
tranc : der kamercere habe danc der in hiez da für tra-
gen 4551 ; endlich eine stelle der h. Martina die uns zugleich
den technischen namen des künstlich gemischten stofFes ken-
nen lehrt mit welchem versetzt der wein zu lautertrank ward :
"^heiz schenken unde giezen her min (des teufeis) altez lu-
tertranc! daz sol er (der verdammte) haben wol ze dancV
sus heizet er im schenken und dne durst irenken. nu hce-
rent ouch da bi toie diz lutertranc si. ez ist bech Wide
swebel, daz da riuchet dur den gebet; diu salbe diu dar
innne sivebet, diu ouch stwteclichen lebet, als ich mich kan
i'ersin7ien, daz sint kroten und spinnen 217"''*. schon im
'■■ anderswo spricht derselbe dichter auch von einer salben im biere,
woraus jedoch bei dem Ungeschick und der wilikiirlichkeit seiner rede
weder zu schliefsen ist dafs hier mit lutertranc gleich bedeutend noch
dafs es sitte gewesen sei das bier ebenso mit zuthaten zu mischen wie
278 METE BIER WIN
ahd. sind salbä selßalbd phninzsalba s. v. a. temperamen-
tum migma arorna (Graffs sprachsch. 6, 191 f.). der name
lütertranc aber ist sichtlich dem ausländischen clarH clara-
tum nachgebildet: eine Schlettstädter glosse (zeitschr. f. d. a.
5, Se?*") stellt das lateinische und das deutsche wort zusam-
men*, und Heinrich in der kröne 31 — 46 wechselt mit dar et
und lütertranc als völlig gleichbedeutenden ausdrücken ab,
demnach mufs zwischen beiden ein unterschied bestanden ha-
ben, da Ulrich von Thurheim in einer stelle seines h. Wil-
helm (Lanzelet s. 251) sie neben einander als zweierlei ge-
tränke aufführt : si heten win und de?i met, den lütertranc
und daz claret, dar zuo den röten sinopel; Heinrichs rede-
weise hat dem gegenüber nur wenig geltung : denn auch
pigment und sogar lit sind ihm Synonyma von lütertranc.
der unterschied war etwa dieser, claret ward nur aus rotheni
weine bereitet: lautertrank zwar auch in den meisten fällen,
wie sich aus einer Vorschrift des Zürcher richtcbriefes (hel-
vet. bibl. 2, 47) entnehmen läfst : swer ze wine rüejet, der
sol niht ivan zeinem wine rüefen, ez ensi daz ein man in
eirn kelre habe lütern und röten win teile : denn hier kann
der lüter win doch wohl nur ein aus dem rothweine gemach-
tes lütertranc bezeichnen**, der maitrank aber, den man
noch jetzt am Rheine macht, wird gemacht aus weifsem weine,
und doch ist er um so sicherer für einen auf den raainionat
beschränkten Überrest des mittelalterlichen lautcrtrankes an-
zusehen, als er mit diesem noch ein zweites Unterscheidungs-
merkmal thcilt, die kräuterzuthat nämlich, von claret und all
den wein, daz helle traue er sufei, swie l'dtzel in doch dürste. —
dar zuo wil im hriuwen der helleschenke ein sunder hier. — ein
salbe (hs. salbcie) hccret ouch dar zuo, dar abe si spat unde fruo
über mäht sun trinken. — ich wil die salben (hs. salbeien) nennen:
die sunt ir sus erkennen: muggen unde spinnen u. s. w. bl, 00''.
'* es folgen sich da in bezeichnender Verbindung Finum win, Medo
meto, Claratum luttirtranc, Botrus trubo, Ceruisia bier, Piper phefir.
'•*" sonst freilich ist later win, verschieden von lütertranc, nur ein
heller reiner wein : liiter ivi'n rein unde guot der junget alter Hute
mtiot: kranker tv/'n trüeb unde kalt der machet schiere Jungen alt
Freid. 132, 16. die Trierer glossen 15, 30. 31 haben Inter w/n, lim-
pidum vinum und lütertranc, mulsum. die worte der warnung (zeitschr.
1, 440) der süezc met, der lüter wi'n muoz iu du vil tiwer sin sind
unentschieden und unentscheidbar.
LIT LUTERTHANC. 279
den übiiyeii rrcni(lbeuaniilcn gctränkeu wilseu wir nur, so viel
wir überhaupt von ihnen wilsen, dafs sie aus wein houig und
gewürzen seien gemischt worden : also gewürz im wein, wie
man auch zum weine gewürz als. dagegen wie in Deutscii-
land auch die sitle galt mit dem genulse scharl'er und wohl-
riechender kräuler sich auf das trinken vorzubereiten (Loheugr.
s. 2G), ebenso war auch bei dem deutschen lauterlranke die
einmischung frischgewachsener oder auch gedörrter kriiuter
die hauplsache und überwog, wennschon die gewürze nicht
fehlen durften, diese doch um ein betrachtliches, es ist schon
oben eine kurze anweisung zur Verfertigung solches kräuter-
weines mitgelheilt worden 5 jetzt noch eine zweite, ausge-
führtere, und bisher ungedruckte : sie stammt mit jeuer aus
derselben quelle, dem Liber de naluruli Jacnltate in der
handschrift C ^^sts auf der wafserkirchbibliothek in Zürich,
und damit möge denn der ganze excurs über eine angelegen-
heit geschlofsen sein die nicht zu den unwichtigsten im leben
unserer väter gehört hat.
(s. 91'') IN flirre stete ist geseihm (so) .v. geordonol.
wie man inei/ieme icgelichen vianote sol lutcr traue machon.
vzzer ervteren. imde picmentis. Diz Ivtertranc ist vil gvot.
iK hcilil. V. gehaltet, v gedovbit die vberfluzzigen humo-
res. die dir sint indem menneschin.
Zidirre wis sol man ez machon. In martio. * sol man
ez machon uzir einem teile saluiun. v sol man da zvo nen
XII. com pipci'is. pertheram. gingiber. spie, lool gesotin
honec. vnde. xxx. mez umies. Disv alliv suln wol gemilwet
sin. dar nach gestan daz sie gelvteren, v daz div clara
potio svze si zitrinchifine. Man sol si ovch uastende trin-
chin. V nach nwose aller tegclich. indisen manodin. so wirt
er vil gesiint. In aprile sol man zvo disime tranche tvon
die wormate. v allez daz da vor gcscribin ist. In maio.
sol man Ivbcsteehil dir zvo tvon. et pr^dicta. In iunio. be-
toniam. et pr^dicta. In iiilio gamandream. In augusto agri-
moniam**. In octobre. ßmbrate. In nouembre. millefolium.
■■■■ der alte Jahresanfang mit dem frübling, den aufser andrem schon
die Sprache bezeugt, da unser j'ar dasselbe wort ist mit dem gr. («q
und dem lat. ver.
■■'* der September fehlt.
280 DAS LEBENSLICHT.
In decembre. hagvn die die (so) dir toahsint vfen de ivizin
hegene. In ianuario. seuimim et poleium (so). In februario .
lorber. vjide cost. Der disis lutrrtra nahes spvigit. der wirf
vil gesvnt. WILH. WACKERJXAGEL.
DAS LEBENSLICHT.
Die Nornagestssage erzählt cap. 10 und 11 wie ihrem
titelhelden da er noch in der wiege lag die zwei älteren der
von seinem vater eingeladenen Nomen glück und ehre ge-
weilsagt, die jüngste aber im zorn über vermeintlich erlitte-
nen schimpf nur so langes leben zugesprochen habe bis eine
eben an der wiege brennende kerze zu ende gebrannt sei.
sogleich löscht eine der älteren Nornen das licht aus ; die
mutier und dann der söhn bewahren es mit Sorgfalt, und erst
als dieser nach dreihundert jähren endlich doch lebenssatt ist.
läfst er es wieder brennen, und es brennt auf und er stirbt.
Die Nornagestssage ist bekanntlich von sehr jungem Ur-
sprünge und vielleicht erst im 14n Jahrhundert aufgezeichnet;
Nornagest selber scheint eine lediglich erfundene person : jedes-
falls bildet was von ihm erzählt wird nur einen rahmen für
den eigentlichen inhalt des buches und sein dreihunderljähri-
ges leben nur den faden um eine menge andrer älterer sa-
gen daran aufzureihen, dies wunderbar lange leben hatte sein
Vorbild und seine beglaubiguug in sagen ähnlicher art die
sonst schon umgiengen, z. b. der von Johannes a Stampis
(vergl. Gräfses ewigen Juden 50) ; woher aber ist die moli-
vierung desselben geschöpft worden? ich glaube, aus der an-
tiken dichtung, aus der sage von 31eleager und der eberjagd.
die Übereinstimmung hiemit ist allzu grofs, und die abfafsung
der Nornagestssage fällt in eine zeit wo ganz Europa mit der
antiken sagenweit längst wieder vertraut geworden, wo zahl-
reiche theile derselben in die dichtende wie in die bildende
kunst neu eingetreten waren, wo man an das lebensscheit
Meleagers denken muste wenn vom Nornagest nun eben der-
gleichen erzählt Avard. sclieint doch 3Ieleagers eberjagd sogar
schon um das jähr 1000 in deutsche verse gebracht zu sein:
denn jene reime der s. gallischen rhelorik (bd 4 dieser zeit-
DAS LEBENSLICHT. 281
schrill s. 470. 471) werden wohl am schicklichsten heinige-
wiesen, wenn man sie anf den nngeheueren eher von Kalydon
und dessen jagd am waldigen hergabhange bezieht : also freie
Verdeutschung OAidischer verse {imo sint fiioze fuodermdze
vergl. metam. 8, 282 ff. der heber gut in litun vergl. 329 ff.
415ff.)*, wie mitten innen verse von Virgil, diese jedoch auf
lateinisch, angeführt sind.
Es fand aber, falls nämlicli letztere Vermutung richtig ist,
die eberjagd 31eleagers nur darum ihren neuen dichter in S.
Gallen, weil der eher auch in Deutschland ein angesehenes
jagdthier und das episch beliebte gleichnis tapferer beiden war
(vergl. Jac. Grimms Jemandes 4): ebenso konnte die sage
von Meleagers gehurt und tod nur deshalb so leicht im mit-
telalter und im germanischen Norden aufgefrischt werden,
weil die hauptziige derselben, der besuch der schicksalsgöt-
tinnen und das lebensscheit oder lebenslicht, beide mit früher
schon einheimischen und allgemein verbreiteten Vorstellungen
zusammentrafen, über den ersteren kann ich nach Jac. Grimms
mythol. 376 fr. kurz sein und brauche näherer vergleichung
wegen nur auf zwei märchen zu verweisen, das vom dorn-
röschen (br. Grimm nr 50), in welchem auch die verwün-
schende Prophezeiung von der zurückgesetzten Norne kommt,
die Nornen aber vermenschlicht sind zu weisen frauen, und
das von den drei Spinnerinnen nr 14, wo mit noch weiter ge-
hender modernisierung gar das spinnrad getreten und der
platschfufs des einen weibes daraus erklärt wird : auch die
Nornagestssage braucht zwar noch den namen der Nornen,
aber gleichbedeutend damit auch den der Völven, und be-
zeichnet diese als landfiihrende Wahrsagerinnen die für bewir-
tung und geschenke prophezein. die Vorstellung vom lebens-
lichte ist einer weiteren besprechung fähig, und fordert sie
um so mehr, da sie im sprichwörtlichen ausdrucke und in
spielen der kinder wie der alten noch jetzt besteht.
Am nächsten den sagen von Meleager und Nornagest liegt
ein deutsches Volksmärchen, der gevatter Tod, Gr. 44: da
brennen in einer höhle unzähliche lichter, kleine und grofse,
manche eben erst aufleuchtend, andere -wäeder verlöschend:
* sose snel snellemo s. 470 konnte von dem lödtlicheu ztisammen-
stofs Meleagers und seiner oheime (metain. 8, 432 ff.) gesagt sein.
282 DAS LEBENSLICHT.
das sind die lebeiislichter der menschen die ebenso j^eboren
werden und sterben ; dann das überall wiederkehrende Volks-
lied von den zwei königskindern (vergl. Hoffm. hör. Belg.
2, 114), in welchem das anzünden und löschen der kerzen
ziemlich bedeutungslos wäre, wenn es nicht auf den tod des
schwimmenden Jünglings einen bezug mehr von mythischer art
besitzen sollte, eben dahin geht der gebrauch zurück geburts-
tagsgeschenke mit so viel kerzen zu begleiten als der beschenkte
jähre zählt, so wie das bekannte spiel bei dem ein glimmen-
der spahn im kreise umhergereicht und dazu gesungen wird
stirbt der fuchs, so gilt der balg ;
lebt er lang, so wird er alt;
frij'st er viel, so ivird er dick
und zuletzt gar ungeschickt ;
in wessen band das letzte fünklein erlischt, bei dem ist der
fuchs, dieses thier vom zähesten leben, endüch todt und auch
er selber, nämlich der hat verloren und mufs ein pfand er-
legen, ein seitenstück hiezu ist der weltlauf den man in
Baiern unter dem namen tobaklaufet übt. nach dem ersten
herumlaufen um die rennbahn mufs jeder wettlaufende sich
tabak schneiden, die pfeife stopfen, feuer schlagen und an-
zünden ; wer beim zweiten herumlaufen mit brennender
pfeife das ziel erreicht ist sieger (Schmellers bair. wörterb.
1, 422). höher hinauf kennen auch gerichl und kirche d;is
lebcnslicht. am hohen donnerslag, wenn leiden und sterben
Christi den anfang nehmen, werden in den kirchen der ka-
tholiken alle lichter gelöscht, und erst wenn die auferstehung
kommt wieder angezündet ; hingeworfene und gelöschte ker-
zen sind auch das altübliche symbol des geistlichen todes,
der excommunication : s. Du Cange unter candelae. und bei
gewissen rechlshandlungen, bei Steigerungen zum beispiel, gilt
hin und wieder die sitte licht zu brennen : so wie es erlischt
mufs auch die handlung ein ende nehmen, wird auch diese
gleichsam als todt betrachtet, daran schliefst sich was die
gesla Romanorum cap. 96 und 98 erzählen, Alexander der
grofse habe einst allen die etwas gegen ihn verbrochen be-
gnadigung zugesagt, wenn sie kämen und darum bäten so
lange noch die aufgestellte kerze brenne, und das gleiche sei
gebrauch der Römer gegenüber belagerten feinden gewesen.
DAS LEBENSLICHT. 283
anderswo erscheint nicht in solcher weise das leben an ein
licht gebunden, oder vertreten durch ein licht, sondern das
leben, die sache selbst, wird als ein brennendes licht gedacht:
hi liehtcr sunnen da ve/'/äsch manegem Sm^razin sin lieht
Willi. 416, 14. und sluoc in, daz im muoste doz lieht er-
leschen Lohengrin ISS; damals wohl noch ein gedachteres
wort als jelzo uns die redensart vom ausblasen des lebens-
lichtes.
Aber nicht den Deutschen allein und der neueren weit
ist dieses lichtsymbol geläufig, und nicht blofs in der 3Ie-
leagersage kannten es die Griechen, auch den Israeliten hiefs
das leben ein funken, eine leuchte (1 kön. 11, 36. 15, 4),
und tod und tödtung ein auslöschen desselben (2 Sam. 14,7.
21, 17). mit umgestürzter und so verlöschter fackel stellte
die kunst der Griechen den Tod dar ; die alten Römer opfer-
ten dem Saturnus fackeln anstatt der menschen (Macrob. Sat.
1, 7), und wenn die jetzigen am letzten abend ihres carne-
vals einander die moccoli ausblasen, so rufen sie dazu sia
ammazzato. so werden denn jene athenischen festliiufe zu
ehren der Pallas, des Hepliästos, des Prometheus, bei denen
es galt dem zunächst wartenden läufer die fackel noch in
brand zu überreichen (K. Fr. Hermanns lehrb. der gr. al-
terth. 2, 144) ursprünglich auch eine hier einschlagende be-
deutung besefsen haben, eben wie jenes deutsche kinderspiel
dem sie so ähnlich sind und wie sogar der tobaklaufet der
Baiern.
Wie aber kam der Orient, wie Griechenland und Rom,
und wie auch Deutschland zu dieser symbolisierung des lebens?
soll das dahinschwindende licht wirklich nur auf dessen Vergäng-
lichkeit deuten, im sinn jener stelle des Winsbeken 3 sun,
merke wie daz kerzcn lieht die wile ez hrinnet swindet
gar: gelouhe daz dir sam geschiht von tage ze tage und
einer andern im armen Heinrich : dafs alle erdenherrlichkeit
der gewalt des menschen doch entweiche, des muge ivir an
der herzen sehen ein tvärez bilde geschehen, daz si zeiner
eschen wirt enmitten dö si lieht birt 101*? ich glaube, nein.
* mit ähnlichen Worten braucht l-'reidank 71, 7 die kerze die wäh-
rend des brennens sich beständig in den unsaubcrn aschenstaub ver-
284 DAS LEBENSLICHT.
blol'se Iropen (und mehr als ein tropus wäre das nicht) kön-
nen nicht den grund hergeben für sagen und märchen und
religiöse festgebräuche selbst verschiedener Völker, sondern
die sagen und märchen und spiele beruhen sicherlich auf der
Vorstellung dafs die seele des menschen ganz eigentlich ele-
mentarisches feuer sei. die Griechen dachten sich die körper
ihrer götter aus feuer gebildet, und dem gemäfs auch als feuer
was im menschen göttlich ist (Ritters gesch. der phil. 2, 367);
daher in der Weisheit Sal. 2, 2. 3 der gedanke ein funke im
schlag des herzens, bei dessen erlöschen der leib zu asche
wird ; daher die scintilla bei Tertullian de anima 23 u. a.
und der funke der seele bei den mystikern des mittelalters,
z. b. Hermann von Frizlar 28, 10. 32, 9 ff. und Docens
misc. 1, 143; daher auch bei Freidank 18, 2 die seele ein
hlds welches von dannen f;ihrend uns liegen läfst als ein äs,
kalt und leblos, blas ist ein spahn, eine spleifse, ein wind-
licht: Raumeland vdH. 3IS. 3, 62'' unterscheidet es von einer
kerze als das geringere, und es mufs um recht zu brennen
geschwungen werden : Srpghestu (1. JVeghpsti/) et blas, dat
nur wert grot Heldcslu et stille, et steruet dot Vidi ego
iactatas mota face crescere ßammas Et vidi millo conc.u-
ciente möri Basler hs. F. IV. 38. bl. 10"; darum auch wird
es im freien getragen vdH. MS. 3, 57''. die seele also ein
blas: bei einem Deutschen des 13n jh. noch einmal ganz
die altgriechische versinnlichung. und noch gilt dem deutschen
abcrgiauben das irrlicht für die seele eines ungetauften kin-
des oder bösen menschen die nicht zur ewigen ruhe hat ein-
gehen können: mythol. 868 ff.
WILH. WACKERINAGEL.
wandelt als oia glcichnis derer die zwar anderen durcli lehre leuch-
ten, selbst jedoch unberathcn leben.
285
DER WOLF IN DER SCHULE.
Die ältesten diohtuiigeii aus der thiersage rühren, wie
ihre spräche die lateinische ist, von geistlichen verfal'sern her.
in folge davon ist ihnen allen und theilweise noch dem deut-
schen Reinhard Heinrichs des gieisners ein hintergrund geist-
licher, besonders klösterlicher bezüge untergeschoben, der oft.
wohl zur hebung und belebung und vermenschlichung der ge-
stalten dienen mag, zuweilen aber uns auch stört und jedes-
falls dem ganzen Stoffe verderblich geworden ist : denn der
Umschlag der thiersage in die thiert'abel und ihr mit dem nie-
derdeutschen Reineke vollendeter übertritt aus dem gebiete
der reinen epik in das der satire waren nur ein unausbleib-
liches ergebnis jener gleich anfangs beigemischten satirischen
säurung.
Es zeigt sich aber letztere, es zeigt sich die Vorliebe
welche die thiersage überhaupt bei der geistlichkeit fand, nicht
blofs in gedichten: priester und mönche schöpften aus ihr
auch für anderweitige kunstleistungen : in klöstern gab sie den
Stoff zu theatralischer Übung und belustigung her: vergl, die
verse Froumunts von Tegernsee bei Wolf über die lais 239 ;
und die weltgeistliclikeit liefs von der bildenden kunst ihre
wohngemächer, ja sogar ihre kirchen mit gestalten der thier-
sage schmücken, en leiirs moustiers ne fönt pas faire sitost
rimagc Nostre Dame, com fönt Isangn'n et sa fame en
leur chamhres oü il reponneni Gauticr de Coinsi (1233) in
Meons roman du renart 1, V. in de kerck (des dorfes Ooster-
bierum im Westergoo, Barradeel) sietmen een vos aen een
balk geschildert in een cap, predikende voor de gansen.
dese schilderij heeft de paepsche schilder in tijden van't
pausdom ghemaeckt, op de geestelijckheyt smade7ide Scho-
tani beschrijvinge van de heerlijckheydt von Frieslandt, Franeker
1664. fol. s. 207.* im münster von Strafsburg war an zwei
=■' ein gegenprotestantisclies seitenslück ao einem chorstuhle von
S. Sernin zu Toulouse: ein dicltes schwein iu mönchskleidung predi-
gend, mit der Unterschrift Calvin le porc preschant. Mysteres par
Jubinal, 1, xi..
286 DER WOLF IN DER SCHULE.
säulencapitellen ein todlenamt des fuchses sammt dem be^äb-
iiiszugc dargestellt (Jac. Grimms Reinh. CCXVIII), und jetzt
noch sieht man an dem von Freiburg im Breisgau einmal den
wolf abgebildet dem ein möncli Schulunterricht ertheilt, wah-
rend zur Seite ein widder steht, und dann den wolf wie er
den widder ergreift und von dem lehrer dafür gezüchtigt wird.
Dies letztere bildwerk hängt mit einer Vorstellung zusam-
men die an und für sich ganz in dem lebenskreise der geist-
lichkeit lag, von da aus aber weiter gedrungen und bis zu
allgemeiner sprichwörtlicher geltung gelangt ist. man dachte
sich also den wolf als schüler, aber unaufmerksam und stäts
von wolfischen blicken und gedanken zerstreut * : was der leh-
rer ihn auch sprechen hiefse, er sieht nur das lamm und spricht
nur 'lamm'. Reinardus 3, 1591 — 1603
contimio 'dominus vobiscum dicere iussus,
Iscngrinus orans ' commus' inquit'ovis';
et 'cum' teutonice acccntu succlamat aciito**,
nolens grnmmntica dicere voce 'retif. —
dmiKjue docent' amen , quasi graecinn accentuat'agne .
in discendo lupus nimis affirmans ait 'agnus' Zürcher hs.
wafserkirche C ^^ts s.21'5 cum lupus addiscitpsalmos, desi-
derat agnos altd. bl. 1, 11. es ist verlorn^ swaz man dem
wolf gesa gen mac patcrnoster durch den tac : toan er spricht
doch anders ?iiht niwan ' lamp' welsch, gast 10, 6; dazu am
rande das entsprechende bild. /;• tunt rehte alsam der wolf:
der sprichet ' lamj)\ swaz- ieman tuot Georg 4145. ze schuole
giengcn wir, und ein min hruoder mit mir. von gotes gna-
den daz geschach, so man mir den glauben vor sprach und
von wisheil starken sin, ' lamp lamp' was ie diu rede min.
do ich des mim meister zuo gewuoc, ril raste er mich dar
umbe sluoc wolf und geifs, Reinh. s. 307. dejn wolve tet
er vil gelich: der blicket ze dem lambe hin, so man ze
schuole setzet in und man in diu buoch Uren sol Troj.
krieg 14871. 'lamm lamtn' spricht der loolf, man predige
was man wolle ackermann von Böheim cap. 22. 'lam lani
* eben wie der scbach spielende wolf bei Spervogel vdH. MS.
2, 375" und im liedersaal 2, 605 : do kom ein wider dar gegdn : do
gap er beidiu roch itmb einen venden.
'"* der herausgebet des Reinardus bat diesen vers nicht verslanden.
DER WOLF IN DER SCHULE. 287
ist des wolffos vespcr^'lock Sprichwort, altd. 1)L 1, 12. eine
erzähliuif;- in Paulis schimpf und ernst j^esellt dem wolfc noch
einen fuchs und einen geizhals bei ; der local will sie das
paternoster lehren : aber der woIf buchstabiert nur p a pa,
t c r ter, schaff der fuchs p a pa, t er ter, gans; der
geizhals /; a pa, ter ter, guldin: leseb. 3, 1, 81.
In selbständiger epischer ausführung kennen wir den Schü-
ler woIf für jetzt nur noch aus einem mittelhochdeutschen ge-
dichte das in Jac. Grimms Reinh. s. 333 — 341 und im altd.
lesebuche 649 — 656 gedruckt ist; dazu komen noch zwei
lateinische prosaerzählungen, eine aus England stammend {iii-
iunctum est ei ut diceret 'pater noster^ qui respondit
'agnm vel 'aries') in Grimms Reinh. s. 446, vergl. CCXXI,
die andere aus Frankreich {cum sacerdos diceret 'a b\ lu-
pus dicebat sie post eiim, et cum dicebat ei sacerdos ut
simul iungeret, respondit lupus ' aignel aigneiV) in Mones
anzeiger 4, 361. diese letzlern jedoch haben beide etwas
bruchslückarliges und gehn schwerlich über das vierzehnte
Jahrhundert zurück, und das deutsche gedieht ist auch, wie
spräche und vers und eine geschichtliche beziehung (Reinh.
s. CLXXXIl) deutlich zeigen, erst im Zeitalter der wiederum
sinkenden kunst verfafst worden : jene redensart aber war
schon vorher so allverbreilet und beliebt dafs wir daraus auf
eigene dichlungen schon aus allerer und ältester zeit wohl
schliefsen dürfen.
Oder ist das Sprichwort gar nicht die Verkürzung eines
ausgeführteren gedichtes? ist vielmehr jedes gedieht, auch
das älteste das man noch finden möchte, nur eine erweiterung
des Sprichwortes?* Lachmann über den eiugang des Parzi-
val 14 deutet die feine Wahrnehmung an dafs Sprichwörter
die auf erzählungen beruhen die form der erzählung, das Prä-
teritum, festzuhalten pflegen**: das unsere jedoch hat überall,
* Sprichwörter nnd fabela slehn öfter in solchem Zusammenhang:
aus den worten Jesus Sirachs 13, 3 ist im koraischen Aesop 290, bei
Avian 11, bei Bonerius 77, eine ganze fabel geworden.
■■'■■' demnach würden z. b. ältere sagen und parabeln vom kranken
wolf und vom kranken manne vorauszusetzen sein wegen der Sprich-
wörter ein u'olf was siech: do er genas, er ivas ein wolf als er e
was Bon. 22, 35. inan sprichet 'du der siech genas, do was er der
288 ERDE DER LEIB CHRISTI.
in lateinischer wie iii deutscher auffalsung, die präseiitische
form, es nimmt die Situation als eine gelegentlich wieder-
kehrende, es erzählt nicht, es beschreibt, somit genügt zu
seiner erklärung vielleicht noch belser die annähme dals es
aus den oben erwähnten klösterlichen Schaustellungen hervor-
gegangen, dafs der schiiler wolf, der aus allem nur 'lamm
lamm' buchstabiert, eine besondei's häufige scene dieser klo-
sterspiele gewesen sei. und allerdings lag es den guten mön-
chen, wenn sie einmal dergleichen trieben, nalie genug sich
auf solche weise für manchen verdrufs zu entschädigen den
auch sie mit rohen und ungelehrigen zöglingen haben musten.
WILH. WACKERNAGEL.
EKDE DER LEIB CHRISTI.
Nach altem, nicht auf Deutschland eingeschränktem hei-
denglauben war die erde aus dem fleisch eines göttlichen ur-
wesens geschaffen: vcrgl. Jac. Grimms mythol. 426 ff. es war
daher ein Überrest des heidenthums, den Berthold wohl ver-
dammen durfte (s. 445), wenn menschen denen durch liin-
richtung oder mord oder im kämpfe ein schnelles sterben drohte,
statt des leibes Christi, mit dem kein tröstender priester zu-
gegen war, erdbrosamen ergriffen und als letzte wegzehrung
zu sich nahmen, ich kann diesen von der kirche niemals an-
erkannten brauch aufser jener stelle br. Bertholds noch mit
folgenden andern belegen ; sie betreflen Deutschland Frank-
reich und Italien, und reichen vom I2n bis gegen ende des
14n Jahrhunderts.
Olivier bei Ronceval, rom. de Roncev. 30,
trois peuls* a j)rins de Verhe verdoiant:
en Vamor deu les usa mainlenant.
er oucli e ivas' el)en(la 1. swcnne uns daz vergd/ daz uns durch un-
ser siind besittt, sonc bezzer wir uns nihtes niht; du von der tiut-
sc/ie man giht 'du der sieche man genas, du was er als e was'
welsch, gast 2, 4. durchführen läfst sich das freilich uicht: die fabel
von dem maulesel und seinen verwandten ist älter als das Sprichwort
von ihm (Wilh. Grimms Freidank lxxix) und doch redet letzteres im
präsens.
'■■'■' Monin erklärt /*fl///eA' ; eher soll es wohl ;;;//üiA' Staubbrosamen sein :
es sind nicht grashalme die er nimmt, sondern staub aus dem grase.
ERDE DER LEIB CHRISTI. 289
Helnihrcchl 1905
sf' liezen vi ain bihie,
den viüedinc, do sprechen.
einer begunde brechen
ein brosemen von der erden:
dem vil gar umverde?t
gap er si seiner stiuwer
ßir das helleßuwer,
und hiengen in an einen boum.
Ecken licd 58
gebet mir der erde in minen mnnt
wan durch die gotes ere :
s(i tvirt ?mn sei gen gote gesunt.
Kavennaschlacht 457
dem edclen k'dnegc iverden
diu kraft gar beslcif.
nider suo der erden
mit beiden handen er do greif
und bot si suo dem munde
suo misers Herren opfer an der stunde.
Wolfdietrich, Heidelb. hs. 75*'
do griffen sij sio der erden suo der selben stundt,
se vnsers herren oj>fer namen st/ dy erdjn den mundl.
Pecorone 1, 146 e also le mani al cielo, e poi si chind e
prese della terra (in einer cameretta) c misela in bocca, e
poi si mise le mani agli occhi per non vedere la morte sua
e chind il capo al terra.
Dem sich annähernd im frauendienst 543 f. wo der ge-
fangene und auf sein leben bedrohte Ulrich ein brotbröslein
von der erde liest und damit abendmal hält, obschon kein
priester es geweiht hat.
Sind die redensarten mordre la poudre oder la pous-
siere und ins gras beifsen, die beide einen gewaltsamen tod
bezeichnen, auf diese heidnisch - christliche sitte zurückzu-
führen? WILH. WACKERNAGEL.
Z. F. D. A. VI. 19
290
GOLD IM MÜNDE.
' Morgenslundc hat goltl im munde' das lieifst Morgenar-
beil bringt gold ins haus. Eckehard IV von S. Gallen erzählt
von könig Konrads besuch im j, 918 infaniulis dcuuh per
ordinem lectitantihus et analogio descendentibu^ aiü'eos in
ora ad se elevath inisit. quorum unus pusillior cum cla-
mitans aurum exspueret, 'iste mquit 'si vixerii, boiuis
quandoque monachus erif (Pertz, mon. Germ. bist. 2, 84j.
also kleinere geldsummen wurden auch von den. Deutschen
an den sichersten ort. in den mund geborgen, wie wir das
gleiche durch Hariris makamen (Rückert 1, 22. 23) von den
Arabern wifsen. die Griechen hatten eben denselben gebrauch,
und wohl nicht blols bei den todten. denen man das llilir-
geld für Charon in den mund gab (Jac. Grimms mvlhol. 791):
denn da ßovg auch als münze kann verstanden werden, in-
sofern die münze das rind, den älteren kaufpreis, vertritt uiui
nach alterlhümlichem gepräge das bild eines solchen zeigt, so
wird die sprichwörtliche redensarl ßovg Im /Awaaj; ßf'ßtixf oder
ßovv fni y)MiaGt,g (f-f^^Jf, d. h. er ist bestochen zu schwei-
gen, gleichfalls am fügiichsten auf ein in den mund gescho-
benes geldstück auszudeuten sein.
WILH. WACKERNAGEL.
WINDSBRAUT UND WINDGELLE.
Einen besonderen reichthum an mythischen personifica-
tionen und persönlichen beuennungen von wind und Avetter
halte der alte Norden: ärmer darin ist Deutschland: doch
kann die zahl der beispiele auch hier noch vermehrt werden,
so stellt sich neben Faso/t und Mermeut (Jac. Grimms my-
thol. 602) noch ein Scrdirunc, im vocabular des h. Gallus
die Übersetzung von /nihus d. i. nuhes, sichtlich auch dies
der name einer männlichen person, hergeleitet von dem Zeit-
wort schiupje/i das jetzt s. v. a. hageln bedeutet (Schmel-
WINDSBRAUT UND WINDGELLE. 291
1er 3, 502) und in der älteren spräche auch vom regen (Wi-
gam. 1289 angewant : verschrannt 1. an gewäte : i^erschrdte),
vom strömenden schweils (Rav. sohl. 676), vom spritzenden
Mut (Gottfr. Trist. 6933. Dietr. flucht 8314. 8784. 8796.
Rav. sohl. 743. 748. 837), vom stiebenden feuer (Nib. 6463
vdHag. var., strcejcn der Minne 16re 818) gebraucht wird;
neben die Windsbraut aber (mythol. 598) noch die snegeUc
Georg 5461 {sin schar begunde ivellen, alsam snögellefi
(schneeschauer) gein sanier füeren über lant). gelle, ahd.
gclla (Graffs sprachsch. 1, 202) heifst pellex, concubine :
vet. gloss. ms. Mellic. r. coneubina : zuweip vel ein unelich
ivip, quae dicitur vulgo gel gloss. zu Ottoc. unter gell,-
boeser schimph macht ander gesellen grwsern nit denn un-
der gellen welsch, gast 1, 4. ein gelle ir gellen nidea
muos : zwischen gellen swein so tvirt vil selten nides buoz
MS. vdHag. 2, 185''. vergl. ßerth. 111 u. a. in Schlesien
wird ein kleines auf der erde stehendes regenbogenstück
wafsergalle genannt: ob auch dies hierherzuziehen? der
Windsbraut im ausdruck noch näher liegend und auch dem
begriffe nach verwandt ist IFind gelle, der nanie eines ber-
ges im lande Uri : ein berg also mit welchem der wind buhlt,
nach ähnlicher anschauung hiefs der Kaukasus mit seinem
älteren namen das bette des Boreas, Bootov noiir, (Ps. Plutarch
zregi 7iovai.io)i> nai oijötv s. 11 Huds.), und wenn es richtig ist
mit 3Iagnusen und Frauer die Valkyrjen auch als wetter-
juugfrauen zu betrachten (von den Amazonen, die nur das
griechische gegenbild unsrer V\ilkyTJen sind, iiiefs die erste
die Hercules erschlug 'AtXla die Windsbraut, Diod. 4, 16),
so möchte der lectulus Brunnihildae auf dem Feldberg (Wilh.
Grimm heldens. 155. 384) in eben solcher weise und be-
stimmter als es bisher geschehen ist zu beuten sein : er wäre
dann das brautbette einer Windsbraut.
WILH WACKERNAGEL.
19^
292
EIN WEIB UND DREI LIEBHABER.
Die liandscliriften des welschen gastes haben zu b. 1
cap. 10, wo Thomasin von der eitlen freude der weiber an
der menge ihrer Verehrer spricht, die abbildung eines weibes
inmitten dreier männer, deren einen sie freundlich anblickt,
den andern bei der band fafst, dem dritten aber auf den fufs
tritt, das bild wird uns verständlicher als es für sich schon
ist durch eine tenzone des Provenzalen Savaric von Mauleon
und den bericht den eine alte lebensbeschreibung desselben
über deren veranlal'sung giebl (Raynouard 2, 199 ff. Diez
leben und werk. d. troub. 404 f.). Savaric war einst mit Elias
Rudel von Bergerac und Jaufre Rudel von ßlaia nach Bena-
gues zur vizgräfin (iluillelma geritten, alle drei liebten die
vizgräfin. sie setzten sich zu ihr, einer rechts, der andere
links, der dritte ihr gegenüber. Guillelma hätte gern jedem
ein zeichen ihrer gunsl gegeben, und sie wusle sich zu hel-
fen : freundlich blickte sie Jaufre Rudel an der ihr gegenüber
safs, herrn Elias fafste sie bei der band und drückte sie, herrn
Savaric aber trat sie lächelnd und seufzend auf den fufs. kei-
ner merkte was dem andern widerfuhr, als sie aber weg-
giengen, erzählten sie einander ihr glück und jeder rühmte
sich der auserkorene zu sein, dies war der anlafs eines streit-
gedichles mit welchem zeichen Guillelma die meiste gunst und
liebe erwiesen habe; es endet damit dafs die drei streitenden,
Savaric, Gaucelm Faidit und Uc de la Bacalaria sich auf das
urtheil dreier frauen berufen : letzteres ist jedoch nicht auf
uns gelangt.
Thomasin als Norditaliäner konnte die provenzalisclie
dichtung kennen und so bei angäbe seines bildes dies aben-
teucr Savarics im sinne haben, indess findet sich die gleiche
Situation auch in einem niederländischen gedieht (altd. Matter
1,70.71), auch hier als gegenständ eines liebesurlheiles; dieur-
theilende Jungfrau erklärt den druck der band für das sicher-
ste zeichen der frauenirunsl. nichts aber berechtigt zu der
EL\ WEIB UND DREI LIEBHABER. 293
annähme dafs der verfafser mit Tbomasins randbildern oder
mil jeuer provenzalischen tenzone bekannt gewesen sei. so
thut man am besten für alle drei darstellungen, die malerische
und die beiden dichterischen, nach einer gemeinsamen quelle
zu suchen, und dabei kommen wir auf eines der ansprechend-
sten beispiele wie zuweilen auch ganz seitab gelegene an-
schauungen der antiken weit in der kunst des miltelalters sich
erneut haben, es geht zurück bis aul" Theokrit und Ennius.
jener beschreibt in seiner ersten idylle das schnitzwerk eines
hölzernen bechers : oben umher gehen epheuranken,
iiaoa&ev de yuva ti d'eöiv öuiduXiia Tiroxtai,
aorx»/r« neTi),«) ts y.ui äiiTri'xi ' na^ öf ol äfd^fg
nulov i&ii^oc'^oiTf-i. uiioißufilg aO.od-av ällog
35 PHxfiova' fnff(T(n. rd <J" ov qQffog änxetai aviag'
ulk baa f.ui> xrjvov TTOTidf()y.fTui ävÖQu yflivaa,
ukloxu S' all noxl xov ()i7TXfl vuov oi Ö' üii' f^ioiog
dtj&ä nvXoidiOMVxfg ixojGiu f.iox&i'^ofxi.
und bei diesem heifst es, wie seine worle zwar in mehrfacher
entslellung uns überliefert sind (s. 310. 311 Hessel),
quasi in choro pila
ludens dalaiim dat se et communem facit.
nlium teilet, alii nutat, alibi manus'
est occupata, alii perpeUit pedem,
alii dat anulurn spectandum a labris,
alium itivocat, cum alio cantat, attamen
aliis dat digito litteras.
freilich unmittelbar aus Theokrit oder gar aus einem damals
noch vollständigen Ennius haben der Provenzale und der Ita-
liäner und der Niederländer nicht geschöpft : auch hier ist
wieder einmal Isidorus der vermittler zwischen der alten und
der neuen weit gewesen, indem die ennianischen verse von
ihm citiert werden, orig. 1, 25. anerkennung verdient dabei
der künstlerische takt mit dem die späteren dichter die Viel-
zahl derer denen die gefallsüchtige ihre zweifelhafte gunst er-
weist (Ennius überbot damit den Theokrit und zunächst eine
von Columna verglichene stelle des Nävius, alii adnutat, alii
adnictat, alium amat, alium tcnet) herabsetzen auf die drei-
zahl: auch hiezu fanden sie bei Isidor die anleitung, in einer
stelle aus den Sprichwörtern Salomonis die ebendort gleich
294 VOR LIEBE FRESSEN.
nach den verseil des Ennius angeführt ist, annuit oculis^
terit pede, digito loquitur 6, 13. im Zusammenhang der sa-
lomonischen rede thut zwar alles das ein vir inutilis: dies
subject aber war aus Isidors citat nicht zu erkennen, man
nahm ohne weiteres ein weibliches an, und so ist es nun in
dem bilde Thomasins und in den gedichten Savarics und des
ungenannten Niederländers ein weib geworden quae annuit
oculis, terit pede, digito loquitur.
WILH. WACKERNAGEL.
VOR LIEBE FKESSEiV.
ünsre sprichwörtliche rede jemand vor liebe Irelsen' war
in dieser und ähnlichen ausdrucksweisen auch dem mittelalter
schon geläufig : die wil er hie vor äugen stdt, so hat si
semlich pärdt, sam si in well vor lieb verkiuwen liedersaal
1, 395. het er den pris behalten so an vravelen helden so
din lip, /lir :iucker giezen in diu wtp Parz. 50, 16*. für
zucker mühten in diu wip durch sine friheit niezen turn.
V. Nantes 189. zuckermwzic ist er wibes ougen Tit. 1342**.
ähnlich ist es, wenn Neidhard sagt disen stnner hat er si
gekouwen gar für brdt 33, G Ben. und wände er kou si
tegelich viir schainez bröl 34, 4 ; ähnlieh, aber nur im aus-
druck, und verschieden in der meinung. denn jeuesy«;' zucker
ezzen soll die leidenschaltliche verliebtlieit, das czzenfür brot
den unausgesetzten verkehr bezeichnen : vergl. Notk. ps. 52, 5
qui devorant plcbeui moam ut cibum panis -. die neimo ih.
'" theilweis auch 131, 24, wo Parzival Trauen Jeschuteu nach uo-
geslüinen licbeserweisungen noch über hunger geklagt hat: si sprach
' ir siilt min ezzen nicht, tvtvrl ir ze fi- innen wise, ir iiannt iu ander
spi'se.
c* vergl. sÖlh sileze an dime li'be lac: des breiten mers salzes
.sinac müese at zuckermwzic sin, der dm ein zehen würfe rfr/w Wolfr.
Wilh. 02, 11. geeret st velt vnde gras aldii der minner lac ersla-
gcn, daz velt solde zucker tragen alumb ein tagercise 88, 2. ez wirt
also geschehende, daz ditze lant so friihtic wirt der erden, daz si
Zuckerbalsam treit geboumef, daz er hie nam sin ende u. s. w. Tit.
3753. der walt dar in du bist erstorben — mit zucker libcrnrret
sohl ez ivol sin dar iinder 51ti2.
VOK LIEBE FRESSEN. 295
die min folvli ferslinihnt also brat, die also unirdrozzen
sint sie ze slahenne so brot ze ezzene*-^ und nur dafs in
der zweiten stelle schw/iez d. h. feines weifses brot genannt
wird (bd 5 dieser zeitschr. s. 13) streift an das zuckerefsen
an, wie es denn Ncidiiard auch von einem verliebten baucni
sagt.
Der gebrauch jener redensart mag den höfischen dichtem
empfolilen worden sein durch die bei den Provenzalen, Fran-
zosen und Deutschen mehrfach wiederkehrenden sagen von
licbhabcrn deren zerslückter leib oder ausgeschnittenes herz
von ihren damen gegeisen worden : vergl. Diez leben und
werke d. troub. 77 IF. und Wolf über die lais 236**. wirk-
lich vergleicht in Konrads mwre von der miniie 450 die dame
das von ihr genofsene herz des geliebten auch mit dem süfsen
Zucker : ob ick ic spise gwze diu so zuckeriiHvze mich diuhlc
und also reine.
Indess all diese sagen sind uudeutscher herkunft : erst mit
der Übertragung auf den Brennenberger (vdH. MS. 4, 281 ;
zeitschr. 3, 39), also erst da das mittelalter schon im ablau-
fen war, ist ihr sloff unter uns einheimischer geworden 5 zu
" der psalmist dachte aber wohl nur an die leichtigkeit mit der
mau diese speise meist erlangt, an die werthlosigkeit derselben die auch
im mittelalter sprichwörtlich gewesen : vergl. numer. 14, 9 neque ti-
ineatis populum terrae huius, quia sicut panvm ita eos possimiis
devorare.
:,;« jp DeulschlaiiJ trug man sich besonders mit einer an den uamen
Gralant geknüpften erzahluug dieser arl : Gralant den man gar ver-
sot toarl nie gi'oezer not beschert vdH. MS. 1, 108 . vil jämers ge-
schach — da man Grulanden sot Heinr. kröne 270. Grälanden sluoc
man unde sot und gab in den vrowe?i zezzen altd. leseb. 583, 37 :
eine dreiheit zusammenstimmender Zeugnisse die man achten muls,
wennschon der altfr. lai de Gralant (Meon i, 57 ff.) nichts dergleichen
berichtet, wohl aber unter anderen namen der lai d'Ignaures (le Grand
3, !265 ff.), ein sirventes von Sordel (Raynouard 4,67; nach vaticani-
schen hss. bei Perticari in Montis proposta 2, 2, 174) überträgt das
herzefsen aus dem gebiete der liebesdichtung in das der sittlich- poli-
tischen allegorie, Bertrams von Alamanon erwiderung darauf (Rayn.
i, 68) zurück in das gebiet der liebesdichtung: jener will mit dem her-
zen des verstorbenen herrn Blacatz vier fürsten speisen, damit sie neu
beherzt werden, dieser es als reliquie unter die von Blacatz geliebten
trauen theilen. das erinnert zugleich an die neunherzigen menseben
zeitschr. 2, 541.
296 VOR LIEBE FRESSEN.
spät um für ein so alterthümliches Sprichwort den anlal's her-
zugeben, und was die hauplsache ist, es besteht zwischen
beiden ein wesentlicher unterschied des gedankens : in jenen
liebessagen verzehren die weiber fleisch und herz des raan-
nes unwifsend, dagegen das sprichwörtliche frefsen vor liebe
ist ein bewust gewolltes.
Das richtige Verständnis letzteren ausdrucks geht einmal
auf die ganz natürliche empGndung zurück, die wirklich solche
gelüste trägt, zugleich aber auf eben daher rührende Vorstel-
lungen und gebrauche des älteren heidenthumes. da wird von
hexen berichtet die nächtlich menschen efsen (SGall. Marc.
Cap. 85 Graff;, von zaubernden weibern also, und wenn
ebenso der indiculus paganiarum 30 des heidnischen glaubens
erwähnt quia feminae — possint corda hoviiiium tollere
(vergl. Jac. Grimms mythol. 1034 f.), so wird dergleichen
auch in Deutschland besonders als liebeszauber gemeint und
verstanden worden sein, den Übergang nun von solchem glau-
ben zu der sprichwörtlichen redensart bilden und bezeichnen
stellen wie die eines ungenannten französischen dichters:
setis euer seiijc : eile l'ait mcwje; sejis euer seux •. doit^ en
ait 0 SOI (altfr. lieder 30, 4); wie ferner die traumerzählung
und das traumsonett in Dantes vita nuova (Pesaro 1829
s. 6. 7)
allegro mi sembi^ava Amor, tene/iilo
mio core in mano, e Jielle braccia acea
donna avvolta in im droppo donnendo.
poi la svegliava, e d'esto eore ardcndo
la paventosa umilmente passea;
wie besonders die auch von Grimm schon (mythol. 1035) an-
geführten Worte des Diomedes in Herhorls Trojanerkriege
s. 108 ich bin sere gephant von miner J'roun Briseidd: ti
hat min herze mit ir da; und daz- ich hie in ßei.sche bin,
doch ist min sele und min sin al mit jeneme ivibe. ich hän
niht in dem übe: da min herze solde wesen, da trageich
eine lihte resen oder ein stro od einen wisch: wie endlich
sogar eine Kassidenstrophe von Abul-Maani, die namentlich
mit Dante dort überraschend zusanunenl rillt: /renn das traum-
bild dieser huldin kommt zur herzenswüstenei, setz" ich ihr
das herz das blut'ge auf zu ihrer gaslcrei (juwelenschniire
HAUS KLEID LEIB. 297
Abui-3Iaanis von Hammer 62). hier überall ist die welche
(las herz rauht und j>ar verzehrt doch keine gefürchtete arge
Zauberin, sondern ein geliebtes Aveib, und anschauung und
ausdruck sind nur noch bildlich gemeint, daran nun schliefst
sich auf der einen seite unser Sprichwort, auf der andern die
ganze reihe der beisjiiele in denen deutsche und wälsche miu-
nesinger von der entführung ihres herzens und selbst des her-
zens der geliebten sprechen ohne auf ein eisen desselben oder
sonst einen zauber auch nur hinzudeuten (vdH. MS. 1, 27''.
216''. 337"''). der endpunkt dieses minniglicheren weges ist
die Vorstellung von einem tausche der herzen: nicht mit stroh,
wie dort bei Herbort nach altem aberglauben noch geschieht,
wird die lücke in der brüst des geliebten ausgefüllt, son-
dern ihr eigenes herz anstatt des seinen läfst die geliebte
zurück (vdH. MS. 1, 318% vergl. 34''), oder frau Venus ist
es die den lausch vollzieht: die hauptstelle liielur habe ich
schon s. 211 der altfr. lieder und leiche mitgetheilt.
WILH. WACKERNAGEL.
HAUS KLEID LEIB.
Es hat etwas ungemein heimliches, wie in den sprachen
nnsers Stammes die begriffe haus und kleid mehrfach in die-
selben Worte zusammenfallen : hämo hemidi camisia gehören
mit xuiiäijoc camera und hnmit (warum nicht auch mit heimi
und htmil dem hause der götter?) zu der gleichen wurzel;
ebenso gards und girrt, gadum und '/(to'jv, casa und hosa
casula; capella kommt von capa, altn. serkr kleid und ahd.
sarch, das hüs con sihen vüezen (Freid. 163, 15) beide von
saro rüslung, und das eine hauptwort des ganzen begriffkrei-
ses, das jedoch innerhalb des deutschen keinen Ursprung hat,
kleid selber, wird eben wie glet (Wigalois s. 608. Helbling
2, 473. als ein undersazter glet den der wint hat genei-
get Heidelb. hs. 341. 127'') von dem mittellat. eleda herzu-
leiten sein*, auch der lui'vog yixdiv bei Homer II. 3, 57, die
xety^Hov xi&ojpfg Herodols 7, 139, die lorica der lateinischen
* zu vergleichen der Ursprung: des goth. paida, allsächs. pcda,
lioclid. pfeit aus griech. ßaki].
298 HAIS KLEID LEIB.
und der mantc.l der deutschen baukunslsprache (alld. bl. 1, 301)
sind belege dieser begriffspaarung und erklären sich aus ihr.
Das kleid also ist ein haus des leibes : dem menschen
noch näher tretend wird der leib selbst wieder bald als ein
haus bald als ein kleid, der seele nämlich oder auch des gött-
lichen geistes, versfanden und benannt, als haus und ruhe-
statt z. b. weish. Sal. 9, 15. ev. Job. 2, 19ff. 2 Cor. 5, 1—4.
2 br. Petri 1, 13 f. und in den ausdrücken der angelsächsi-
schen dichtung thät f(vge hus, sdvelhus, bd/ihüs, bänloca,
bancofa Andr. und Elene xxxixf. * vergl. rechte ah da ein
zimmermaiin ein hüs aleine machet gar, da er inne sine
jär ivesen unde wonen loil: endunkt dich, herre, nicht zuo
vil, sus hast du algemeine gezimmert mich aleine und dir
ein hüs bereitet, ob dir das nicht verleitet der tiuvel und
min boese gir, so hast dii, herre, hie an mir ein hüs da
du inne ivonen nnlt Heinr. vaterunser s. 25 f. ; das auf alt-
griechisclien grabsteinen vorkommende haus (Miintcrs Sinn-
bilder der alten Christen 1, 56 f.) wird man auch heiser so
ausdeuten, als ein kleid br. Judac 23 und in den Wortbil-
dungen alld. lihJiamo, mhd. liliham, alts. likhanio, ags. li-
chonia * und Jhvschoma Andr. und El. xxxix. vergl. uuaz
sinl iro corpora (lichamin) itne vestimenta animae et oper-
toria (uudt unde decchi dero sclo)? Notk. ps. 101, 27. mit
dorne gewete tverdent bezeichenot die lichamen. wan alse
der Hb wirt mit deme gewande bedekket. also wirf div
sele mit deme lichamen gewatet Blaubeurer pred. 14''. duo
diu gotheit an sih nam die manniskheit, duo was der lich-
ndmesinwdtscune; unter daz lachen giruohte er sine gotheit
dekchen genesis fundgr. 2, 78, 21. dal he (Christus) den
düril se kampe gilocke, so vaht he indeme krankin röche,
in unse blüde menscheil Wcrnh. v. Niederrhein 65, 1. unse
herre hat sin cleit mit ime genumin : dat is di natüre dt
ime von uns ist kumin. di hat uns so geervit dat nimmer
* iu den cuplieniisinen von der geburtsarbcit 'das baus knackt',
das haus ist eingefallen", 'diu kamer ivart entlochen' (Jac. Griinuis
niylhol. Uli) heilst so der mutterleib nur in beziehung auf das kind.
"* aber ahd. h'chemidi, inhd. lichemede (Graffs sprachsch. 2, 104.
Iloifmanns fundgr. 1, 343, 15) bezeichnen wirklich eine kleidung: vergl
mhia tunicam {hemide) die ih ze liehe truog Nolk. ps. 21, 19.
ITAL. LIEBESZAIBEU LND KRANKHEITSSEGEN. 299
inkein (16t instervit dl dar girechin kunne zu deine hemide
dat he hat gwiimien 67, 27. auf denselben weg mythischer
und spraclilicher begrifFsentwickelung gehören die schwanhem-
(ler, die eselshaut im 44n märchen, der gestaltentausch der
wchrwöile und der zwischen Günther und Siegfried, selbst
lichi/uimo lichendme, obschon nur eine entstellung von lih-
hamo, möchte doch in ähnlichem sinne gemeint sein, insofern
dabei etwa an näma gedacht und diesem wie den worten
raiiba und hregil der begriff des kleides (fr. robe) gegeben
Avard: vergl. Gr. gr. 3,446. das kurzvocalige //cÄ/#«we da-
gegen folgt der analogie solcher ausdrücke wie maiwcs nmne,
ivibes name, mennisken naine Wernh. 3Iaria 156,36. Hoffm.
gotes nam Suchenw. 44, 93. des jiwers name Parz. 230, 10.
sin vil armer name alld. leseb. 762, 10 (vergl. Wilh. Grimms
Athis s. 68), wie eben dergleichen auch mit woim und no-
men gebildet werden, und geht damit ganz in die abstracle
Umschreibung über. ' WILH. WACKERNAGEL.
ITALL\NISCHER LIEBESZAUBER UND
KRANKHEITSSEGEN.
Die mitiheilung nachstehender italidnischer formein und
gebrauche mag zur verglelchting mit dem deutschen Zau-
ber wescn willkommen sein, sie sind in Rom aufgezeichnet
wurden und mir von da aus zugekommen: die wenigen ab-
welchungeu von der Schriftsprache sind elgenhelten der rö-
m Ischen v o Iksm un dar t.
31aledizione all" ombra.
Buona sera, mia bella umbrana ! buona sera a te, buona sera
a me, buona sera a te, buona sera a me, buona sera a te
p buona sera a me ! che fara gli il tale? dormira gli? se non
vuol dormire, a me non me n'importa. vicino alla sua testa
un cane arrabiato; ai piedi del suo letto un lupo affamato;
in mezzo TAnticristo !
300 ITAL. LIEBESZALBER UND KRANKHEITSSEGEN.
Citazione per costringer l'amante di comparire; e
quando si mellono le carte da giuoco per indovi-
iiare Tawenire.
Venli ciuqiie carte siete, e 25 potentissimi demonj divente-
rete: al corpo, all' anima del tale di tale ve n'audarete, ac-
cioche non possa ne bere iie mangiare, ne banca da sedere
ne letto da riposare, fin che me non verra a ritrovare. o tutti
i diavoli deU'inferno, che cosa fate? che a pigliare il tale di
tale von vi andate ? andale ! strascinatelo forte, forte, forte !
che per me ne provi pena di morte. e da che niorte ha da
morire? che alla mia porta fatemelo venire; e se qiiesto non
farele, piü de dei diavoli non vi chiamarete, e se questo voi
farete, da me avrete tutto ciö che vorrete. quattro preti,
quattro frati, e quattro diavoli incatenati, la donna di cuore,
e'l re di cuore mi sapran dire la veritä.
Se si aspelta Taraante, che tarda da
venire.
C'e giä un'ora di noftc, e tutti vcdo venire, ina N. N. non
io vedo venire, diavolo, diavolo, diavolo, e che fa? voglio
fargli una faturra, tanto forte, forte, forte, che per me voglio
che provi pena di morte. da che niorfe ha da morire? alla
mia porta fatelo venire !
Si ha a Roma tra il popolo il pregiudizio, che le risipole
(ori/sipelas) possono coiigiurarsi ('segnare' secondo Tespres-
sione) dai settimi figlj o liglie di un padre e madre, che si
chiamano per cio Settimio o Scltimia. i contadini a Piazza
Montanara fanno spesso questo mestiere di scgnarc lo risi-
pole, che dividono in maschie e femmine, le quäle non pos-
sono essere giiarite che da persone del sesso rispetlivo al
qnale apparlengono.
Die formel hicz-ii linhr ich //icht crhalto/i.
WILH. WACKERNAGEL.
301
ROM UND DER PFENNING.
üie dichter des mitte lalters, zumal die deutschen, kla-
gen oft mit hitterkeil über all das tmheil ivelches der pfen-
ninc (her Pfenninc personißciert ihn Reinmar von Zweier,
vdH. MS. 2, 188"; altfr. dans Deuiers, Jongleurs et trouv.
par Jubinal ^i. 101) in der weit anrichte, namentlich aber
wie Rom ein unersättlich geld vcj'schlingender abginmd sei.
vergl. Freidank 147/ LV/. Renner 213^ und Müller 3, XVI.
auch an lateinischen gedichten darüber fehlt es nicht; es
folgen hier einige aus der Zürcher handschrift welche bdb,
s. 293 beschrieben, und aus welcher dort schon s. 296 ei-
nes mit ähnlicher schelte und klage über den Numnius
{auch er persönlich zu verstehen) ist gedruckt ivorden. das
vorletzte hat aus einer Klosler-Neuburger handschrift, aber
in beträchtlich abweichender und nicht gerade befserer
s. 5" Coiilra Romanorum auariciam.
Ve tibi ronia uorax. absorbens ciincta caribdis.
Nullaque cum nunquam sis saturanda uomens.
Quod Caput secclesia; *■ le constituere priores.
Prouida cura minus, sed pia forte fuit.
Ydolatras paulus cuuctos profitetur auaros. ^
Non es auara qiiidem tu. sed auaricia.
Venaiem sapiens animam testatur auari.
Atque scelestius hoc asserit esse nichil. ^
A'cndere nuUa timet qui uendere sustinet illam.
Qua nichil in cunctis carius esse decet. *
lioc aprincipio morbo semperque hiboras.
Tales rectores sunt populusque tuus.
Strata ft-equens est hospitibus romana doloris.
Roma dolis plana est experiendo scio.
1. för ae hat die hs. hier und weiterhin q, 2. Ephes. 7, 5.
3. ecclesiasfic. 10, 9. 10. 4. die hs. docet
302 ROM UND DER PFENNING.
5'' Si tibi (jiiid remanet quod non rapuere dolosi.
Subripiet dolus, ha^c experiendo scio.
Illic invenies oracula delfica semper.
Ambiguosque deos. experiendo scio.
Quisquis habet causam, det munera. scripta requiral.
Ad firmamentuiu suscipit ambigua.
Vt facile infirmet quicquid firniauerat ante.
Scriptor. ab aduersa raunera parte ferens.
Proh dolor, atque pudor. pudor omnis religionis.
Omnibus in tanto ronia fit obprobrio.
\l clanianl cuncti. rome uenalia cuncta.
Peruectique iliis omnia muneribus.
Dicat enim ydolalram^ babilon tibi paulus aiiaruni
Non es auara quidem tu. sed auaricia.
Et sapiens perhibet nil esse scelestius illo.
Venaleni qui habet seque animamque suam.
IfJlos est romanis in causis cottidianis.
Si sonat ante fores. bona uita. sciencia. mores.
Non exauditur. si nummus. niox aperitur.
Audito nummo quasi uiso principe summo.
Dissiliunt ualua.'. nichil auditur nisi salue.
Accurrunt turbse. tola fit jjlausus in nrbe.
Papa siniul plaudit quia nemo libencius audil.
Nvmmus procedit. loquifur. pater audit oba^dit.
Omnia concedit. sine teslibus omnia credit.
Quicquid uult preslat. tamen hwc distincio restat.
\\ bene pensetur. numeratus. in igne probelur.
6^ Ignibus exustus. colitur pro marlire iuslus.
Siqne rogarentur. pauli - prius ossa darentur.
Gracior est petro. redil omnis gratia retro.
Ne petat abscessum paler hunc uocat ilico sessura.
Atque manu captat. captuni ' uicinius aptat.
Parte locaf dextra. sed pauper truditur extra.
Accipe. sume. cape. tria sunt gratissima. papa-.
Nil do. nil presto, nequeunt succurrere mesto.
1. Dicat yilolatram cü -». das pi/nkf hinter pauli. ^. aus capi
tum gebefsert.
ROM UND DER PFENNING. 303
13' MiN lerra siiiuimis rex est hoc tempore iiuinmus.
jVumninm niirantur reges, et ei famulantur.
Nuninio nenalis Tauet ordo pontificalis.
Nummiis in abbatum cameris retinet dominalum.
Nunimum nigrorum veiieratur lurba priorum.
Nunimus magiiorum iudex est eonsiliorum. ^
Euocat ad plenuin destercore immmus egenum.
Nummus adulatur nobis. post blaiida minatur.
Nummus nientitur. immnuis uerax reperitur.
Nummus periuros miseros faoit et perituros.
Nummus auarorum deus est. et spes cupidorum.
N. in errorem mulierum ducit amorem.
N. uenales dominas facit inperiales.
N. raptores facit ipsos nobiliores.
N. iter cwli claudit reseratque fideli.
N. emit uillas. struit istas. deslcuit illas. -
N. peruers« decrela facit sua perse.
N. si 3 loquitur pauper tacet. hoc bene scitur.
N. donalus dal honorem pontificatus.
N. corda necat. sapienlum lumina cecat.
N. ut est certum stultum facit esse disertum.
N. non modicus ficfos acquiiit amicos.
In nummi mensa sunt spiendida-* fercula densa.
Dazu steht noch am rande, senkrecht der länge des ge-
dichtes nach geschrieben, Ecce patet quique quod nummus
regnat ubique.
29'' Roma sitit. * siciensque bibit. bibit atque bibendo.
Plus sitit et bibit. ^ et bibit. et sitit. et siciendo.
Non minuatur ei sitis inmcnsa' rabiei.
Ni prius in roma distillent aurea poma.
Die gleichen verse auch s. 283 ' ; nur geht noch einer voran
Roma tenet morem non dum saciata priorem. und der zweite
(Plus sitit n. s. w.) lautet hier Quid faciat nescit. quia plus
sitis arida crescit. WILH. WACKERNAGEL.
1. wohl conciliorum, 2. illas — istas. 3. Et. IN. 4. sledida
5. Roma bibit sitit. 6. bibit et sitit.
30^
LIBER SENTENTIOLARUM.
Nachstehende 54 Inteinische reimsprüche sind aus einer
zürcherischen handschrift des zwölften Jahrhunderts ent-
nommen, tvafserkirche C ^Vo/s (vergl. bd 5 dieser Zeit-
schrift s. 293) ; ein theil derselben ko?nmt bereits unter
denen vor die Haupt aus einer gleichalten Wiener hand-
schrift in den altd. blättern 1, lOy. bekannt gemacht hat.
s. IV iM'ipiuiit diiiersarum prouerbia rerum.
Assidue gelidi flant exaffmibus euri.
Aureus ul cacabus sil uult argenteus uncus.
Anulus ex uitro uitreo debetur amico.
Byrrum sola feras licet est si nirabus omittas.
Bos presepis eget canis hunc absleniius urget. 5
Ante quod extilerit nurui socrus inuida noril.
Comnialer dautis nianui est maiius accipientis.
Conipar amat similem. quod aniatur aiuabit amantem
Caulibus occasu carel ortus uendilur orlu.
Credilur oimie capit quod cognoscil caput in se. 10
Discere contempsil qui non exordia sumpsit.
Effodil foueam uir iniquus incidel illam.
Est annosa canis uix assucfacla catenis.
En ouis illa uetus quam parua uidebitur agnus.
Föns SU? turbatur porcellus in hoc adaqualur. 15
Fit bonus auditor doctrine sepius auctor.
Für dum laudat equum. stabulo deflexit oceilum.
Grandinc tutus erit sibimel quirunque touabit.
Germanus latis fiel prec-iosior agris.
Humescit facile pluuia locus humidus ante. 20
Incaute cccidil temere quicunque cucurrit.
1. die handschrift exasinibus 2. fit uultargeus -4. est si aus
cum sit gebefsert. 6. nurus 7. manui aus mauus gebefserf.
8. Übel' quod noch qui 9. ortus] altd. bl. 1, 11,27 horti 12. in-
cidet in der hu. aus lapsus in gebefsert.
LIBER SENTENTIOLARUM. 305
Innueral propera catulo cauis hie quoqiie cauda.
In (liscendo lupiis nimis affirmans ait. agnus.
Jude lupi speres caudani cum uideris aures.
Iiifra qiiod fliuiium lurbet lupus arguit agnum. 25
Lela breui niueis plausil coniicula pullis.
Laudem nulla lapit dilectio que cilo transit.
Nemo uiam uelerem uel amici spernat aniorem.
Non geminis generis uua datur unica matris.
Nala iacens crescil nee scmpcr inulta putrescit. lU)
Non facile manihus uacuis occiditur ursus.
Ne data disluleris Ic Tonte renale leuantis.
Progenies auium mala fedal stereore niduni.
21'' Phi sonuit fuscum ridens ardaria furnum.
Prolempsin loculis facit ante talenta patenis. 'S'i
Perna uiri lenuis fumosa. dolorque potenlis.
Qvi petit alta nimis relro lapsus ponitur imis.
Qvod fiiri tulerit Cur. indempnis relinebit.
Qvod semel inmisit gula raro lupina remisit.
Qvod totiens rediit cassiim canis inde senescit. 40
()\'i miüit stullum differl sua commoda multum.
Qvi pauet exculmis slipulis non incubet ullis.
Qvisqvis arans seuit cum demone semen amittit.
Hie par über erit qui non seruire timebit.
Qvi cuiTit glaciem se monslrat non sapientem. 45
Stagnum litus edit. torrens properando recedit.
Callis et anticus tibi non uilescat amicus.
Passer adest tectis auibus reliquis procul actis.
Non est illa ualens que uidum slercorat ales.
Tangeutem cacabi maculat fuligo uetusti. 50
Sorice iam plena contingat amara larina.
Sedibus in mediis homo sepe resedit in imis.
Ridenli domino diffide poloque sereno.
Raro senem sensu: sed habes precedere cursu.
Est antiquarum über hie senlentiolarum.
22. propere — caude 25. arguit aus arguet gebefsert. 26. breuis
34. phustmn 36. Berna — famosa 38. gebefsert aus für. hoc
indempnis habebit. 47. Collis 48 {altd. bl. 1. 11,23). auibus
reliquis fe/i/t und e<! /xf dafür roiim gelafsen.
Z. F. D. A. VI. 20
306 LIBEK SENTENTIOLARUM.
KLMGES ZUR ERKLÄRUNG UND VERGLEICHLNG.
1 . aus der heimat wehet der wind unsiifs, weil er nämlich
heimweh ei'iveckt. nicht so den ininnesingern : diesen ist
er als böte der geliebten leillkommen: Raynouard Z^ 84.
318. vdH. MS. 1, 15^ Hehnbr. 1461.
2. ringe von glas {Theoph. presb. schedula diversar. ar-
tinm 343y". Lessing) oder mit falschen glassteinen be-
setzt {Freid. 126, 2. 373. Stricker 11, 26jf. Hahn: das
römische glas Eracl. 856 ineint antike gemmen von glas-
Jlujs) waren ein schmuck ärmerer leute und ihrer kinder
{fValth. 50, 12. Elisab. Diut. 1, 390): daher als be-
zeichnung von etwas iverthlosem Gott fr. Trist. 16874
(wachtelmäre 222?). unser spruch kann auf die gebrech-
lich kcit wie auf die J'alschheit gehen.
5. 6. vergl. die fabel vom neidischen hunde altd. wälder
2, 96.
8. man spricliel siclierliclien ein iej^licli snoclil sin gliciien'
Morolf 50\
13. twingst du den allen huni in l)ant, sn nialil du hiielen
dnier liant Morolf 51".
18. svvcr nach siner girde im selber donret. der mac wol be-
lialden allen sinen bou vil unverhagelel Titurcl ^Th&. swer
selbe witert swie er wil, den ensol der hagel slahen sel-
ten vdHag. MS. 2, 78''. er {golt) teilil weit vnd wiltirt
swie er so (so) wil so stal daz weiter Martina 10''.
20. söz regenot, so nazzent ti boumä altd. leseb. 124, 14.
24. thar er mer ulfs von, er et eyro sec Fafnis mal 35.
vergl. Edda d. br. Grimm 1, 200—202. Reinh. s. 419.
28. noch einmal in anderer fafsung z. A7.
29. lune mäht nicht mit eincro dohder zeuuena eidinia ma-
chon altd. leseb. 124, 11.
30. Wortspiel mit natta matte und natta beule, so dqfs ia-
cvns auf jene, crescit auf diese bcdeutung gienge, pufres-
lit auf beides zugleich? oder ist tacens zu lesen, und
blofs eine beule gemeint?
31. weniger passlich in den altd. bl. 1. 10, 6 anguis stall
nrsus.
33. in anderer fafsung turpis avis proprium quae foedal ster-
core nidum Mones anz. 7, 504. 67 und unten z. 49.
LIBER SENTENTIOLARÜM. 307
35. kein Sprichwort, nur wie etwa 22 eine sprichwörtliche
reilensart : er macht eine prolepsis in beuteln ehe er zu
geld in schilfsein kommt, gehl in schüfsein auch Ruodl.
3, 314, in scheffeln Grinwis und Schwellers lat. ged. 382.
38. diep stal diebe fFalth. 105, 25.
40. sotist vom wolfe : von unnützen gengen ist der wolf wise
altd. leseb. 834, 21. vergl. swie ich tuon, so ist ze groz
min missetät hie unde da. von schulden ist der wolf gra :
vvan swaz er in der werlte luot, ez si übel oder guot, man
hat ez doch für arc Heinrichs kröne 60. ist demnach
canis in lupus abzuändern?
42. vergl. swer da fürht daz in die helnie bizon, dem sol
niht in daz strö schizen Morolf 48''.
43. der teufel als siimann aus ev. Matth. 13, 39. vergl.
Jac. Grimms mythol. 964.
45. in anderer fafsung currilur in glacie vehementer ab in-
sipiente Mones ans. 7, 507, 137.
48. vergl. in Mones anz. 7, 504, 64 passere sub tecto re-
manente recedit hirundo.
50. aus einer salmansweilerischen hs. in Mones anz. 3,
33, 13.
52. vergl. wie sin wir versezzen zwischen frceiden nider an
die jämerlichen stat fValth. 13, 19. sus bin ich an die
blözen stat zwischen stüelen zwein gesezzen vdH. MS.
1, 307\ da von iu reht alsam geschiht als einem der bi
stüelen zwein saz in ein bäht, und er uf kein da niht sitzen
wolte Ulr. V. Lichtenst. 602, 23.
53. ridenti domino nee coelo crede sereno: ex facili causa
dominus mutatur et aura Mones anz. 7, 507, 132. vergl.
sin wolkenlosez lachen bringet scharpfen hagel Walth. 29,
13; in Heinrichs kröne 38 wird Keii ein morgenröt hei-
ler und ein vor ungewarnter hagel gescholten,
WILH. WACKERNAGEL.
20*
308
AUS DIETERICHS DRACHENKAMPFEN.
Einem vor hundert jähren gedrucklen bruchstückc des
gedicktes von Dieterichs drnchenkämpfen, das von denen
die sich um diese litteratur bekümmern in seinem verstecke
bisher unbemerkt geblieben ist, will ich den geringen räum
gönnen den seine Wiederholung kostet.
Johami Friederich Christ kommt in dem seltsamen ge-
misch das er Villalicum genannt hat {Leipzig 1746) auch
auf altdeutsche verskunst zu reden, und er redet davon
allerhand wunderliches, wenn man wunderlich nennen darf
was damals keiner b«>J'seren kenntnis widersprach und an
die verkehrten einfalle bei weitem nicht reicht die sich
neulich, nach einem Jahrhundert, an den ältesten deutschen
Versbau gewagt haben. Christ giebt dabei (s. 232^.), e
fragmento veteris nienibranae, quae in nianibus est probe scri-
pJa, das folgende bruchstück, das nach seiner meinung aus
dem heldenbuche {den Heroibus Volrami Escibacii) ist, von
mir aber, obwohl ich die Pfalzer handschrift nicht ver-
gleichen kann, unbedenklich als ein stück von Dieterichs
drachenkämpfen bezeichnet wird, da die sehr abkürzende
Umarbeitung Kaspars von der Röhn {s. 146) 7nit diesen
Strophen sichtlich stimmt. H.
was wil.
.... die vögeliu störten.
Das sie von den boomen flogen.
Vnd gesanges gar vergazen. 5
Vnd sieb vif hohe festen zogen.
Vnd do mit sänge sassen.
Von grünem laiibe waz ir lach.
(). festen verstelle ich nicht, vielleicht firste. montium cacumina,
oder felse.
AUS DIETERICHS ÜRACHENKAMPFEN. 309
Ob iergeut rauch von swerlen ging.
Der det in do kein ungeniach. 10
In zorne sprach her hiltebranl.
Were dem von berne min strit bekant.
Er mohle nun wol spoten.
Das ein einig Sarrazin.
Sich hat so lange erwerct min. 15
V^n ich in gantzen roten
Jm hude kaii gcsigen an.
Ist daz niht ein wunder.
Ich muste in vngestrafet lan.
Ich weiz wol vnd befunder. 20
Daz sich nun wert ein einig man.
Ich muste biz an minen dol.
In vn manigen vngestrafet lan.
Sie liefen aber einander an.
Da wart ez baz dan e getan. 25
Die ringe sach man risen.
Von iren s werten daz geschach.
Daz vil der starken nyten brach.
Von stahel vnd von ysen.
Des beiden brunige muste lan. 30
Durch freisen allenthalben.
Kein meister daz geheilen kan.
3Ieissel noch die salben.
Enhorten nach sinen siegen niht.
Er sprach dir enhelfe danne der vi(nl.) 35
Kein leit mir nu von dir geschiht.
Lsta in fronte membranae leguntur : haec a tergo manca
. . . n vfF den dag getr(agen.)
. . ene nun sorge si da hin.
. . ch si soltu den frauwen sagen.
Dirre werde helt vnstet für mich.
Getwerg nu hebe von h(in)nen dich. 5
(und sa)ge den frauwen mere.
. . nge daz ich si genesen.
13. 21. lies miD 35. gedruckt steht danuc
2. lies min 7, eiz] gedruckt steht crz. alle ergänningen sind
von mir.
310 AUS UIETERICHS DRACHENKÄMPFEiN.
(und hjeiz si hohes müdes wesen.
(ver)gangeu ist min swere.
(und) daz sie ir valwen locke reit. 10
(hind)er die oren strichen.
(und) vf ir krentzelin sin bereit.
(und) daz i maidelin blichen.
. . lazen vnd ir wengelin rot.
. . erhell wun frideschilt. 15
. . id nun sin vor den dot.
Daz getwerck von dannen ging.
Einen slig ez aue ving.
(ze) einen holen steinen.
(da s)az die kunige obe. 20
(ge)kleidet mit keiserlicheni lobe,
(sie) und ir megede reine,
(de) sie sahen daz getwerck.
(sie) fragten iz der mere.
(sie) ilten zu im vor den berg. 25
(wiez) in dem wähle were.
(daz) gctwerg mit zuhten sprach.
. . . zur mit fride ein ander hat.
(al iwe)r leid vnd ungemach.
Daz antworte nit die kunigin. 30
Ez Avere zit vnd m(öh)les sin.
Vi. es steht of 13. 14. vielleicht und daz si ir inüüdel bliclieu niht
läzen 16. 'Ih. lies vür 19. lies ze einem h. steine '20. lies
küniginne 'ib. es steht iltem 28. vielleicht iezuo mii 30. lies
des antw. im
311
Zr VOLÜSPA.
1. ORDNIWG UNI) ALTEK.
Die N'öluspa stellt sich ia die reihe der gedichte welche
aus älleru liederu durch die hand späterer bearbeiter zu eiueni
ganzen gestaltet wurden, sie darl" keinen anspruch auf den
namen eines uralten Volksliedes erheben, sie kann aber auch
nicht als ein reines kunstgedicht angesehen werden, wozu sie
Bergmann machen will.
Dem gedichte liegt ursprünglich der plan zu gründe eine
Schilderung der weltschöpfung und des Weltunterganges zu ge-
ben, lür beide gegenstände waren alte Volkslieder vorhanden,
zum theil nur in bruchstiicken, die der zusammensteller be-
nutzte, die Verbindung zwischen jenen zwei theilen bilden
die Vorzeichen und andeutungen auf ragnarökr. halten wir
dies fest, so wird es leicht sein die Unordnung in der stro-
phenstellung zu heben.
Nach zwei Strophen die sich durch das vordrängen der
persönlichkeil der vala, hinler der sich der uraarbeiter ver-
birgt, so wie durch die breiten Wiederholungen als jünger
kund geben, beginnt die Schöpfungsgeschichte, der anfang der
3u Strophe «;• tY//', eröffnet auch sonst eddische lieder: vergl.
Helg. 1, I. Godr. 1, 1. Brynh. 2, 1. Hym. 1. Rigsm. 1.
Gleich in den nächsten versen trilt die Verwirrung ein.
sie löst sich, wenn wir die verse söl pat ne vissi — hval
hau megins utti mit dar Biirs synir — mccran skopii ver-
binden und unmittelbar an die Schilderung des ginüngagap an-
schliefsen.
Das chaos ist beseitigt, Burs söhne beginnen ihr ordner-
amt, die zwerge werden geschaffen und auf Idavöllr sind die
Äsen in göttlicher heiteikeit thätig. die kindliche Sorglosig-
keit findet aber ihr ende als die drei Norneii nahen und das
erste menschenpaar geschaffen ist.
312 ZU VOLLSPA.
Der meiisclieiischöpfung schllelse ich die Strophe an
pä gengu regln öll d rökstöln,
gmheilög goä, ok um pat gtettuz,
hvart skyläu Aesir afrää gialda
edr skyläu goä öll gildi eiga,
die ich so übersetze, 'da giengen die rather alle aui' die ge-
richlssliihle, die hochheiligen gölter, und beriethen ob die
Äsen die hilfe entgelten oder alle gölter opfer haben sollten/
die götter berathen also ob das neugeschaffene menschenge-
schlecht nur dem engeren kreise der Äsen opfer für die be-
freiung {afrad Vegt. 5) aus der leblosen masse bringen solle
oder ob alle göttlichen wesen den genufs davon haben dürften.
Der erste theil ist cun zu ende, ihm schliefsen sich un-
mittelbar die hindeutungen auf den Weltuntergang an. die esche
^'gdrasill wird erwähnt, denn unter ihr ist Heiradalls hörn
verborgen, das beim einbrach der götterdämmerung erschallen
wird, der diaskeuast benutzt aber die crwähnung der esche
um bruchstiicke eines liedes einzufügen das die Verpfändung
von Odins augc besang, ich kann nicht leugnen dafs ich hier
überdies eine starke Überarbeitung vermute, die verse padnn
komn mejjar margs vita/uU sind sehr ungeschickt durch die
Wiederholung des padim koma an die vorhergehende strophe
angeknüpft; die Umschreibung des brunnens als ved Valßi-
äurs ist ganz aus dem geiste der skaldenpoesie.
Ich setze hierauf die begebenheiten welche den Untergang
der götter verschulden, den krieg der Äsen und Vanen, die
eidbrüchigkeit gegen den riesischen baumeister Asgards, und
JJaldurs tod. hieran schliefst sich die Schilderung der orte in
denen sich das verderben vorbereitet: es ist der saal des
Zwerggeschlechtes (salr Sindra (cttm^), das auch in hrafna-
galdur dem tode ßaldurs mit frcude entgegensieht, und die
liesenwelf. die Strophen welche die traurigen peinvollen orte
auf näströnd beschreiben sind unecht, von dem germanischen
glauben war die Vorstellung von höllenstrafen durchaus fern :
die todten bei Hei lagen im schlafe : die kalte nebelwelt steht
überdies in geradem gegensatzc zu der siedenden feuerweif
der kirchlich -mittelallerlichen Vorstellung, von strafen, welche
die missclhätcr nach dem tode leiden sollen weifs der Ger-
mane nichts: die erniedrigung welche der verhafsle Hunding
zu VÖLISPA. 313
in Vallhöll erfährt (ScTiii. 166^j ist weit von diesen quälen
entfernt.
Auf die Schilderung jener orte mufs die anfiihrung der
Ihiere folgen die bei dem Weltuntergänge thätig sind, zuerst
also wird gesagt wie Fenris geschlecht aufgezogen wird, hier
sind verse eingeschoben, ich lafse auf Fenrh kiiidir unmit-
telbar sat [)(()' ä haugi folgen, die breite des inhalts des
dazwischen liegenden bestimmt mich dazu: aufserdem enthält
die angäbe, der wolf werde in tröllsgestalt den mond ver-
schlingen, eine Unrichtigkeit, troll, das nur hier und in der
Zusammensetzung tröUhona Saem. 146" in der älteren Edda
begegnet, wird, so viel ich weil's, nie in der bedeutung wolf
gebraucht, der ausdruck tr'ölls hamr entbehrt also wenig-
stens der bestimmfheit die der mylhus sowohl als die alte poe-
sie verlangt, das verdunkeln der gestirne durch das blut das
der wolf um sich spritzt ist eine neue ertindung des dia-
skeuasten.
Nachdem (iarmr und die drei söhne erwähnt sind folgt
die beschreibung des anbriichs von ragnarökr. die Vorzeichen
welche in dem sittlichen verderben sich darstellen halte ich
für eine zuthat des christlichen anordners : die thätigkeit Lo-
kis, die eidbriichigkeit der götter sind die nordischen Vorzei-
chen, wie sticht auch die träge spräche von der scharfen ra-
schen darstellung der nächstfolgenden Strophen ab. diese ist
das beste zeugnis gegen alle vorher angezweifelten stücke :
hier ist der nordische geist noch ungeschwächt und unver-
mischt; er ist ebensoweit entfernt von matten darstellungen
wie von skaldischer dunkelheit.
Die Schilderung der neuen erde schliefst das gedieht, ich
wüste nicht weshalb die nächsten Strophen anzugreifen wären,
dafs die erde aus dem meere auftaucht ist wenigstens nicht
in der kirchlichen Überlieferung enthalten, nach den gedich-
ten von den fünfzehn zeichen verbrennt sogar das meer. da-
gegen finden wir die Vorstellung dafs die fluten den weltbrand
löschen werden auch bei dem skalden Arnor (skaldskap. 122)
und im cod. exon. 447, 1 1 ff.
Die beschreibung der zukünftigen freuden ist ganz ger-
manisch, grüne wiesen, fische und vögel zur jagd schmücken
wohl ein deutsches Elvsium, aber keinen christlichen hiuimel.
314 ZU VOLUSPA.
dessen Vorstellung aus der strophe sal ser hon atanda —
ij/idis niota herausbricht, so unecht wie diese sind die fol-
genden verse. die ganze bedeutung des weltbrandes nach ger-
manischer anschauung wird durch das gericht das auf der
neuen erde gehalten werden soll vernichtet, ragnarökr selbst
ist das urtheil welches den sündigen göttern gesprochen wird,
und die sühne ist vollständig durch den kämpf und brand voll-
zogen; darum kehrt Baidur von Hei zurück, das von oben
herabkommen des richtenden ist auch biblisch : Baldur, der
eigentliche golt der neuen weit, kommt von Hei herauf, die
ausdrücke semja, sakar (cggja (sakar (lei/J'a Godrhrm. 23.
s. sveßa Brynh. 1, 37. s. sclju trygdani.) und kaup begeg-
nen nirgend sonst in der älteren Edda, wie sehr steht auch
«ler ton dieser strophe von dem echten nordischen ab, wie
breit und matt ist er. die erwähnung des drachen der über
die weit fliegt zeigt sich auch als jung, die Vorstellung ge-
llügeltcr schlangen ist der älteren Edda fremd, das wort dreki
selbst erscheint unter den eddischen liedern nur im jungen
Solarlied. übcM'dies ist in der benennung desselben thieres
durch droki diniiiii und luidr J'rnnii ein arger Widerspruch,
den nur ein üherarbeitcr verschulden konnte der gedankenlos
nach stehenden ausdrücken haschfe.
Aus dem gesagten, hollc ich, wird sich die behau|ttung
als richtig erwiesen haben dafs V'öJuspa aus allen liederstücken
zusammengefügt und mit Jüngern Zusätzen versehen ist. ein
einziges alles lied kann ich nicht als gruudlage annehmen,
dagegen spricht sowohl die Verschiedenheit des tones in den
Strophen gegen deren alter ich nichts einzuwenden weifs, als
auch das fragmentarische in einzelnen iheilen, namentlich in
Sicni. 5. ich weifs sehr wohl dafs es eigenlliümlichkeit jeder
allen poesie ist die begebenlicilen nur anziideulen und eher
zu springen als ruhig fortzuschreiten, allein das äuge sieht
doch bei jedem sprunge das IVsle ziel vor sich ; hier aber ist
es ein sprung aufs geralliewohl. wie rathlos sich die hand-
schrillen sowohl als die ausgaben gerade in diesem mittleren
I heile des gedichles verhallen weifs jeder.
Es erhellt aber auch aus dem angeführten dafs Völuspa
in der überlieferten geslalt uicht auf das hohe alter anspruch
machen kann das ihr manche wohl noch zuschreiben, sie mufs
zu VÖLUSPA. 315
eiilsluuden sein als das christenllium bereits in den jNorden
eingedrungen war, also nach dem beginne des neunten Jahr-
hunderts, indessen dürfen wir sie auch nicht zu weit herab-
seien, in den versen welche Bragi dem alten Snorraedda
s. 175 beigelegt werden heilst tröU helhvelg himins, was
augenscheinlich aus der vorhin angezweifelten stelle der V'ölu-
spä (Saim. 6") genommen ist. anklänge an einzelne ausdrücke
unsers gedichtes zeigen auch die gedichte höfuähmsn und
so/tartorrek von Egil Skalagrimsson (938). wir werden also
wohl nicht fehl gehen, wenn wir die Vökispä in die erste
hälfte des neunten Jahrhunderts setzen.
2. KLEINE BEMERKUNGEN.
Ssem. 5". gudin Uli. s. Hrafnag. 23 (Hrafnagaldur hat
vieles aus einer schlechten hs. der Völ- in sich aufgenommen).
god öll Lokagl. 45. 55. über den gebrauch des sufligierlen
arlikels im nordischen s. gr. 4, 432, womit folgendes zu ver-
gleichen ist. n. sg. m. Harb. 3. Ilav. 71. n. sg. ni. Harb. 2.
13. 53. Lok. 58. Grip, 11. Sig. 2, 18. Fafn. 35. Godrhv.
20. g. sg. m. Harb. 54. d. sg. m. Harb. 3. 38. 51. — d. sg.
f. Harb. 7. Atlqu. 32. a. sg. f. Helg. Hat. 1. Harb. 7. 29.
53. — a. sg. n. Harb. l. 3. 13. 15. Oddgr. 21. g. sg. n.
Godrhrm. 23. n. pl. n. (Völ. 27. Hrafn. 23.) Godrhrm. 23.
a. pl. n. Lok. 53. Fiölsv. 14. — god, die heidnische Ibrni
des Wortes, gen, neutr., bezeichnet nicht die götterbilder, son-
dern die mächtigen lebensvollen göttlichen wesen. gud, gen.
masc, findet sich nur im Sölarl. und bezeichnet den christ-
lichen gott. vergl. myth. 12. 13.
Sffim. 4'. [)wi's. über das pronouiinalsufiix er, (e)s vergl,
gr. 3, 22. Rask. r)35. in der Edda findet es sich an folgen-
den formen, [m/i/is Hym. 3, 38. Helr. Brynh. 10. Atlm. 94.
102. Häv. 46. Lodf. 10. pat^- Helg. Hat. 2. Grip, 19, 20.21.
Godr. 1, I. Brynh. 2,1. Helr. Brynh. 10. Atlam. 39.88. 107.
Hav. 41. Lok. 65. peims (A. sg. m,) Häv. 3. peirs Grim. 33.
Runat. 27. pa'rs Völ. 19. 61. — par : pars Grim. 8. Harb.
58. Lok. 50. Sig. 2, 24- Brynh, 2, 11. 44, Helr. Brynh. 11.
Helg. Hat. 30, Häv. 68. — hrar .- hi^ara Völ. 25. Fafn. 17.
30. Helr. Brynh. 3. Allqu. 12, Atlm. 49. Lodf, 18,26. Runaf.
316 ZU VOLLSPA.
16. — hi^crr .- hvpis Fiölsv. 49. — setns Atlm. 108. —
pegars Atlm. 10.
Saem. 4*^. raldi kern/' Herfödur hringa ok men. über
den gebrauch von deila, vclja und kiosa habe ich folgendes
beobachtet, derlei theilen : cit hvärgi lez hößium deila gull
nä rar dir Brynh. 2, 37. era mer gulls vant i Gymis
g'ördum at deila fe födars Skiru. 22. vertheilen : pü kun-
nir aldregi deila vig med verum Lokagl. 22. pü kunnir
aldregi deila med mönmivi mal ebenda. 46. railtheiien, schen-
ken : Rigsni. 26. 42. Sig. 3, 8. aus der formel sukar deila
Brynh. 2, 32 entwickelte sich die bedeutung 'streiten' für deila
allein. — velju wählen, das theilen wird also vorausgesetzt :
Godhv. 7. Atlaqu. 4. Hrafn. 9. mittheilen, das gewählte ver-
schenken Helg. Hat. 42. Godrhrm.20. Atlaqu. 38. Lok. 7. —
kiosa kiesen, wählen: Helg. Hat. 4. Brynh. 1, 21. nii skaltu
kiosa; alls per er knstr umbodinn, sögn edr P'ögn. vergl.
Godhrm. 34. Allam. 27. 104. Vafprudn. 41. Fafn. 12. Grim.
8. 14. Lodf. 26. — s. rechtsalt. 34. Wackernagel zeitschr.
f. d. alt. 2, 542 ff. Benecke zu Iw. 4630.
Saem. 5^ pat man hon folkrig fyrst i heimi und pat
var enn folkrig f. i. h. — formelhafte und sprichwörtliche
stellen finden sich mehrere in den Eddaliedern, bei manchen
ist geradezu entlehnung anzunehmen. Völ. 38. Vegt. 16. —
Häv. 14. Brynh. 1, 30. — Häv. 20. Vaffjr. 10. — Häv.30.
Lok. 31.— Hav.65. Fafn. 17.— Hav.81. Runat.5.— Lodf.
10. Grim. 17.— Lodf. 16. Brynh. 1,26.— Rigsm.29. Brynh.
2, 2. — Helg. 1, 44. Völs. 10. — Grip.23.41. Godr. 1,18.
Godrunarharmr 2. — Godhrm. 41. Atlaqu. 39. — Atlam. 7.
73. — Godrunarhvöt2. Hamd. 3.~ Godrhv. 4. Hamd. 6. —
vergl. auch meine disserfation Spicilegium formularnm e.v
antiquissiniis Germanorr/m carminibus congeslarum.
Swm. 6^. röllum, ed. Havn. rollo. das nomen subst.
wirft, den dal. sg. ausgenommen, nie die flexion ab. bei dem
adj. geschieht dies öfters, vergl. d. s^. n. ha Grim. 17.
Groug. 12. Lodf. 10. ^vv/Godhrm. 2. n. pl. f. ilimmn Sol. 13.
hvitu Godhv. 4. döckni Sol. 58. a. pl. f. glwddu Sol. 31.
d. pl. f. gheddu Sol. 59. im acc. sg. verschlingen die auf
n auslautenden participia präteriti der starken verba, das Zahl-
wort einn und die pronomina possessiva die flexion. vergl.
7A VOLISPA. 317
a/(l/fi/i lii^sm. 1. Hav. 64. bhi7ifU/m Hyiidl. 46. Brynli. 1,5.
hirkinn Godhrm. 12. bilinn Helg. 1, 8. einn Hyndl. 5.
Völund. 8. ßrynh. 2, 63. Helr. Bryiih. 10. Atlam. 43. fal-
linn Godhrm. 25. gulUnn Völs. 6. 7ninn {)rymsqu. 3. Harb.
13. Fiolsv. 49. Fafu. 25. Helr. Br. 10. Atlaqu. 7. Godrhv.
17. queäinn Helg. 1,18. rädinn Fafii. 37. rüinn Fiölsv. 27.
sinn Hym. 13. Hav. 16. Sol. 24. Helg. Hat. 21. Godr. 1, 3.
Oddgr. 5. Atlam. 61. Hamd. 16. prünginn Iligsm. 4. pinn
[)rymsqu. 13. 20. Helg. Hat. 16. Lok. 17. Groug. 1. 4.
Hyndl. 5. Grip. 4. Sig. 2, 9. Fafn. 1. Atlam. 56.
Sa;m. 6''. teinn, gotli. tains, ahd. mhd. zein, ags. tan,
alts. ten. Wh. Grimm, runen 301 ff. — bäum Godhrm. 40.
zweig Fiolsv. 26 — 32. spiefs, gabel Hym. 1. Atlam. 83.
vergl. Eyrbyggjas. cap. 4. — Havateinn Fiölsv. 27 — 32. —
gambanteinn Harb. 19. Skirn. 33. zur erkläruug des dunkeln
gamban, ags. gomban (myth. 928) ziehe ich das sanskr.
Qambha felix, Indrae silex, herbei, wonach gambanteinn dem
glücksstäblin Anshelms vollkommen entspräche, vergl. Weber
Vcljasaneyasanhitä 1, 36. 37.
SaMn. 8''. Siirtr kann unmöglich mit Loki zusammenge-
worfen werden, wenn er in den früheren niythen nicht er-
scheint, so ist das sehr natiirlicli, denn er ist eine geburt
der jüngeren zeit, eine personilication des rauchumhüllten
weltbrandes. seine Verschiedenheit von Loki tritt deutlich
hervor, er sitzt als raarkwart in Muspellheirar, Loki liegt
in banden; Surtr reitet von Süden her über Bifröst, Loki
steuert von Osten her das schiff Naglfar ; Surtr kämpft ge-
gen Freyr und erschlägt ihn, Loki streitet mit Heimdali und
beide fallen, wie verkehrt es ist Surtr zum gotle der neuen
weltordnung zu machen hat Jac. Grimm schon nachgewiesen.
Saem. 9''. inoldpinur. Bergmann nimmt dies wort für die
weltesche. es ist dies falsch, pinur gehört zum stamme thina
than thhmni thunan tendere gr. 2, 56. es bedeutet also Span-
ner, moldpinur den erdenspanner, die weltschlange, er liggr
um öll land, die umgi'örd allra landa. skaldsk. 158. 178
heifst Midgardsormr stirdpimdl, sk. 215* begegnet pinurr
unter dem namen der schwerter, gleich den schlangennamen
Fafnir, Goinn und Nidh'öggr. — dcema heifst in der Edda
sprechen, reden, worüber sprechen: dcema um oder o/'Lok.2.
318 HEINZELEIN VON CONSTANZ.
Rfgsni. 29. ßrynh. 2, 21. Godhrm. 43. Lodf. 2. mit jemand
spreclien : d. vüt Harb. 9. 30. \ ölund. 29. wenn es urthei-
len iieifst steht sakcir dabei, >'()ls. 8. Godhrm. 3. — vergl.
zu unserer stelle Sn. 76 setjaz Im allir samt ok talaz vid
ok mi/niaz- ä rünar sinar ok rivda of tidindi, poe er fi/rriim
h'öfdu verit ok M/dgnrdsorni ok um Fenrisulf.
Sa?m. 9*^. fimhvl begegnet nur noch in Zusammensetzun-
gen als der Stärkung gleich regin^ tyr, got. ßmbulfambi
Häv. \Q^. fimbulhliod Kunat. 3. fimhuloetr Vaf|)r. 44. fim-
Imlpul iWww.ll . sk&ldsk.2lS. Jim bi//pi/Ir^ Hav. 81. Rünat. 5.
ich halte Jlmbul für den namen eines alten gottes und den
stamm dorn sanskr. paiiib ire, sc movere, verwandt, so dafs
also in ßmbuJ wie in Odin und Vishnu der begriff eines durch-
dringenden, brausenden wesens läge, fimbul ist auch name
eines llufses in der Unterwelt Sn. 4. fiß wäre eine jüngere
form, die sich zu fimbul verhielte wie fif zu fimf.
Sjem. 10''. vielleicht ist Gimill geradezn von gim abzu-
leiten nnd läfst sich dem Glitnir vergleichen, die Vorstellung
>'alliölls und des himmelsaales stimmt dazu, vergl. mylh. 777
und Herbort von Frizlar.
HALLE. KARL VVEINHOLD.
HEINZELEIN VON CONSTANZ.
Im kiinstblatte für 1847 nr 7 (26 Januar) beschreibt herr
dr Heinrich Merz ein in der schlofskapelle zu ßaldcrn im
Riefs befindliches altdeutsches gemälde auf goldgrund das die
anbeiung der weisen vorstellt und auf dessen rahmen mit ro-
Ihcr Schrift ringsum folgende verse geschrieben sind
Got here, diu aimcchtikeit,
an Ursprung vnd an ende,
zu hoch zu tief zu lang zu breit
ist su/ider alle wende.
du bist der hi/mniel rnd erde (reif
zumal in sine hende.
mit drien personen in ein got
geflochten rnd gedrungen,
du alter kunig sabaoth.
IIEINZELEIN VON CONSTANZ. 319
der (ürel warf betwungeu,
do du mit dinem blute rot
uns woldest wider ivtigen,
samlich der fenix in der gluet.
du hoher got gepriset
tete sam der pellicanus tuet,
der vns diu wol bewiset,
iven er mit sines hertzen bluet
die sinen kinder spiset.
gesriwen zo Balderine MOCCCyFyJl.
Iierr Merz giebt z. 10 wal, was dnickfehler sein mag, und
mit offenbaren lesefehlern 12 wugen für ivngeu, l2/euiri'ür
fenix, 16 om für diu. aus der allerdings 'räthselhaft ge-
schriebenen' zahl vermag ich, auch wenn ich MO statt für
millesimo für mc gelten lafse, auf keine weise 1472 zu ge-
winnen, sondern höchstens, wenn die beiden y und das da-
zwischen stehende v etwa als xxx zu lesen sein sollten,
1432. dafs diese Umschrift die drei ersten Strophen von Hein-
zeleins von Constanz gedieht von Joiiannes dem läufer und
Johannes dem evangelislen enliiält (Hag. 31S. 3, 408) bedarf
für die welche mit den altdeufschen dichlungen bescheid wifsen
kaum der erwähiuing.
In derselben schlofskapelle befindet sich noch ein anderes
bild um dessen flügel sich nach herrn 3Ierz 'theosophische rei-
me ziehen, wie es scheint von derselben band.' leider theilt
er sie nicht mit, weil er '\\\ diese verse nicht überall sinn
und Zusammenhang zu bringen weifs,' was doch andern viel-
leicht gelingen würde. H.
320
WICHTE L.
Johann Crämcr m/s Eschivege, augnstinermUnch und
probst des nonnenklosters zu s. Jacob in Kreiizbvr^g an der
IVerra, schrieb eine chronik des Petersklosters zu Kreuz-
burg, bis zum jähre 1514, wo er propter languorein cor-
poris aufhörte, herausgegeben ist die chronik von Christian
Franz Pauliini in seinem Herum et antiquitatum Germa-
nicarum syntagma (Frankfurt «. M. 1698). s. 303 erzählt
Crämer Anno domini MCCCXXXVI de virunculis, quos vulgo
wichtelmännerchen vocant, adniiranda ubique audinntur. in
ore lotius monasterii {d. i. des klostcrs zu s. Jacob) est
sequens historiola. Sibylle Cauterin, monialis, illustri ali-
quando die cum socia Spatenbergam praeteriens modicum stre-
pitum animadvertit. igilur retro videt, et ecce pusillus ho-
munculiis, isque senex, bene barbatus, hilari fronte, nivei
vullus ot caijillitii, dextra gestans album bacillura et bene
vestitus more rusticoruni, propius accedit detectoque capite
perhunianiter salutat virgiuem. imperterrifa ista gralias agit,
tunc ille quonam tendat sciscitafur. dicit ' vide' respondef,
' ne aberres. sunt ibi' (monstrans digito collem) ' varia bivia
quae non satis cautum seu ilineris peritum facile abducere
et seduccre possunt. sed confide, comitabor tc eousque et
tunc clarius monstrabo quo tulo ire possis. niulta audiverat
Sibylla de virunculis istis. inprimis quod neminem laedant:
ideo sine lerrore prolixius cum co loquiliir. inier alia rogal
cur non aliquando virgines visitet in monaslerio: velle eas
ova lac bulyrum placentas et similia promere. 'veniam' ail
ille, ' modo non vexer seu perturber ab aliis. hoc nemo ex
nostris impune tulit unquam.' venientibus tandem ad collem
istum, digilis porro monstrat quo sit eundum. sie. j)raemissa
salulalione, lausta ([uaecjue precans rcversus est ad Spateber-
f>"ani. (|uod |)os(ea Sibvlla foti convcnfui uarravit. H.
WIESBADER GLOSSEN.
321
(II)
sceidela Scaia. 91 T
ougappel Luzpoiuplüa.
ougrinch Liizerealz.
orsmero Oirungiuzol.
5 orcros Oirclaia.
naseloch Nascuzirz.
nasecros Nascunula.
snuz
catarrus Pusinzia,
kinne 3Ialetino.
10 backo sinz.
hübo Franix.
halsbein Kolecruziz.
greno Zizia.
elenbogo duguriz.
15 rist Nilzial.
cnugel Conix.
briistlefel ßurbefeleiz.
uent'cul9 Tilzia.
harn
lociü Fluanz. 911'
20 hegedruse Ainzglizia.
dich Crouh.
OS. bein Guuanz.
crus hein
menschen Cruniz.
scinkuii
tibi? Sciacruniz.
ceha
25 artula Misanz.
imf Ranzil.
^7'//;^ Hosinz.
Z. F. D. A. VI.
svei-o
iilcus Minscoi.
bladera Abiliz:
,30 uellun Bezeluii.
rugn Ruschila.
(III)
hcnga Galantiz.
scella
nola Toniziiia.
ritich Diriz.
balko
.35 Irabs Gorinz.
dil Sciloz.
pluteuin
gedile Zilozion.
rochlog
ipluuinm mizirzeis.
wedel Sparizin.
40 tapetc Tiiifzia.
p feilet Korischol.
uereivere Kolsinzio.
kermel Obirischa.
brache Fugeiiiz.
45 beinnich Jaschua.
7iarua Zizinel.
cappa Ganguzia.
huba Curchozia.
digel Pligizil.
50 essa Scaun.
cluft Cloisch.
meizel Guzim.
slistem Scanipla,
21
91
91
912^
322
WIESBADER GLOSSEN.
bihelm Ziehxi. 912^
55 hepa Kalziga.
snitdesahs Ranchniaz,
disla Zimiz.
assa Gugiziz.
rath Stigienz.
60 naba ßuchziz.
ritnga Reldiaz.
cadevi'ze Cauenel.
lanchwith Kichsis.
speicha Ischiazin.
65 storrum Furun.
spannagel Suzemel.
stina Scolmiz.
(VI)
egeda Gaiizida
silo Golziol.
70 egerda V^nib'eziz.
bracha Sealeis.
lant Ereiza.
eigen Zamzia.
rigelstab Strauuniz.
75 presdela Gruschiaz.
spula Zischel.
herletia Zubeiaz.
visza Giuliiz.
goUbj^acha Gozioaz.
80 weuel Ziziniz.
bligarn Blanschinz.
sciniin Lunizin.
drum Foriz.
speit Ploniz.
85 truha Buuinz.
ßahs Guruz.
werch Biriz.
wirden Ordeiz.
garn Vazunanz.
90 hasbel Almiz.
go
garnescra Vazitelz.
lin
rorlin Sc''agur.
95 stucha Schirizim 912'
witede Jenziz.
gernn Zanuziz.
nethde Nasunz.
soum glinziz.
100 houbetlovc hoilzirier.
linede Naschiz.
risa Rasinz.
hoibetduch hoilbaiz.
harsnur Ornalzanzia.
105 bortdun Curizan.
lederhosa 3Ioruucia
uezzel Zanchur.
scheid a Schaniz.
buckela Bichzin.
110 ranth Kuiz.
irqfun Zuzianz.
senecva Griziauz.
bolz Braliz.
schefde Bluschanz.
1 1 5 strala Ploschinanz.
craphfo Ciirschin.
shaft Spalun.
suzel Cumeriz.
sugir Ganzian.
120 ba?/ibest Amizdel.
ßtrbugc Zuzian.
leist Spuiz.
drath Zincuel.
bursta Gureix.
125 scuba Luiiza.
lo Bolis.
suerca Murscha.
WIESBADER GLOSSEN.
323
slif Schuuarz.
addermincp Laiganz.
130 pin Bizbio.
suuella Zazilliaz.
pressere Zabuz.
gebtitde Glucziminiz.
zubeda Gulsich.
135 tüigebutden Zanzimianz.
sruba Suzgulaz.
bersiha Flanischianz.
seckere Burskaldiz.
goAleta Gacniz.
140 vierdel Corizin.
carräda Fanuda.
zober Scliuldenuz.
sestere Marsic.
kanna Husic.
145 .v^o;-/" Gugurez.
trehdere Gulginz.
reif Omezin.
duga Larainic.
bodun Plu^'z.
150 kufa Bubenez.
puntlöch Zuchzizer.
zapfo Scilanz.
gruz C herin.
hopfo Anic.
155 Malz Baczanz.
schuf a Gunguliz.
bercorn Brisianz.
rappo Curschul.
pfal Splinz.
160 stecco Stainziz.
stupa Stoinz. 912'
dunch Zamzia.
denne Danis.
ßegel Planus.
165 wanna Susiuna.
scbb Sculiz.
sichelinch Spauiz.
stro Ralzoiz,
sprhi Guguniz.
Mi) futder Bauzimiz.
er in Aniziz.
herth Bonizunz.
branth Lischianz.
dupfen Amolic.
175 crmelifi Cranischil.
harsta Giruschaz.
becher Beoril.
vieddo Melzimaz.
hunecwirz Melzita.
180 senif Agriuz.
flado Pufeia.
kuchelin Cauizil.
krcpfelin Scraphi nz .
(VII)
nespelbom Pazunbu.
185 cutinbom Zuimzabuz.
Stada Gonizla.
ahor?ienbdm Schiro-
buz. 913"
nuzbbm Mirzimibuz.
nuz niuscata Muzimia.
190 galgan Gulgia.
gariofel Gareiza.
zitdewar Kunx.
gingebern Barschin.
lorbere Cririschia.
195 sitderuurz Magizuna.
Zucker Saxia.
grenstch Gischiz.
poleia Pluschia.
kuuenela Pigizia.
200 binevrrz Dugrul.
boberella Bouizia.
melda Sizia.
21*
324
WIESBADER GLOSSEN.
phefferci'ul Pabruz.
rresso Grachia. 913''
salbcia Scaliziz.
morcruth Scrurithil,
205 ruta Raiz.
kirvela Felischa.
jsopo Garoz,
dille Zugezia.
lauen de la Liniz
24J
\ haselvrrz Griiizia.
venechit Guris.
biuerrrrz Brumsil.
ringe la Fulzia.
gamandria Galschia.
210 bathenia Flauzia.
ocha
vvllena Orris.
frideles Zischia.
gundcreba Gauriz.
distel Diiniz.
nebeta Nischil.
250
1 kartdo Guriz.
denmarka Maschin.
ritgras Riaz.
215 steiüvarn Framiz.
sinza Giza.
douvvrz Dagezia.
hanif Aseruz.
sprincvvrz Spiriz.
cletdo Inbiz.
gena
255
de Fliisez.
wolfesgele Daschia.
za
minnecvrz Karinz.
wildemin Risclial.
220 berevvrz Briunz.
npelza Glaclixa.
berevvinka Perschil.
doi^th Sparzun.
sanikela Sanschul.
uersbotde Zingia.
huswrz Fenisgroiiz.
260
cazenzagel Frazinz.
loermiidu Karisiha,
kichern Giillox.
225 smergela Guska.
wichiin Circliza.
natscado Nasciul.
uiselun Kachzia.
huflatdechn Laufrica.
{VIH)
girol Biilchzia.
romcsseminza Gluziaz .
grife Argunizio.
230 matra 3Iarizima.
265
aro Laschiz.
hircescunga Gurizla.
elbiz Scaruz.
lunchiwt'z Puliclia.
iveho Sculez.
nessemrz Gaxuurinz.
hehera Glanizia.
snüdeloch Duziliuz.
stara Aschia.
235 priseloch Philzia.
270
dorndrerre Dorinschiz .
planza Dizia.
drosla Droziina.
bihn Pazia.
i.sfogil Asgriz.
bachminzu Flinsclia.
ruch Bacliiz.
loh Juziz.
quahtila Gabia.
240 rathdich Gragiz.
275
miepfa Bauscha.
WIESBADER GLOSSEN. 325
roiidil VVascIiiz. slocharo Alechiz.
nachdegaln Noisca. 285 rebcstuchil Purizimo.
wazersteha Agrizia. ha geig ans Halgia.
uinco Mosiz. birchuu ßazima.
280 ilisleluinco Erinosiz. rephun Raiza. 913'
ga
grasemug Birischa. .^y^j ^,,,.^^^ q^^^^
cunigeleu Roischo. ;^,^^.,^^v Digzo.
gel
warcgen Viperiz.
5. 'orcros und 7 '^ nasecros ]- knorpel des olirs und der iiase. Bremer
werterbuch 1, 881 näsekröse oberlhiil der nase. Wenzesl. Brack
vocabular. rerum (Argenl. 14811) bl. 8'' ÄT«4i-6e«'w cartiiago. — '^ cro-
sel carlilago niederdeutscb bei iXyerup synib. 202- 35*2: auch 370 ist
crosl zu lesen. - croscla Sehlettst. gl. in Haupts zeilscbrift 5,356*.
angeisächs. gl. in Mones quellen 317" ^nosugrisle. eine aodere form
crospel sprachschalz 4, 017. kriistila 4, 620. Trier, gl. 2, 29
(Sprachschatz 4, 620) hat nasacrusfala ioterfinium und 2, 37 crostila
carlilago. vergl. Diefenbach Wörterbuch vom jähr 1470 s. 61. 62.
6. im Sprachschatz 2, l'il nur der pl. naslocher. Nyerup symb. 261
naselocher.
8. '^'sjuiz, Teutonista 2i6* stiot mucus. der sprachsch. 6, 852 hat
snuzza eniunctoria.
y. einige zeileo weiter kommt in der handschrift nochmals vor mentü
Maletin.
11. " hitbo steht zwischen faux Gulzia und gnttur Gruzia und mufs
eine erhüfaung rundung im Schlund bedeuten, etwa den zapfen ; vergl.
fniffo sprachsch. 4, 833 und h'iibel passional 70, 16. 359, 49.
13. greno, zwischen barba Viba und facies Dulsielz, das bartbaar der
Oberlippe, es mufs ein schwaches masc. angenommen werden : der
sprachsch. 4, 327 hat keinen nom. sing., sondern grani und grauen
grenones. im mittelhocbd. ist gran starkes und schwaches fem.
vergl. Benecke zu Iwein 445. Diefenbach goth. wörterb. 1, 317. 318.
15. ' rist steht zwischen cubitus Jurstaniz und manus Vrzial. im mit-
telhocbd. bedeutet rist und riste, das als masc. fem. und neutr. vor-
kommt, den äufseren theil der band. Diutiska 2, 292 aus dem zwölf-
ten Jahrhundert von dem lengistin vingire unz an daz resti. Schwa-
be nspiegel 215, 3 sol die rehte hant in einem buoche ligen unz an
die riste (mit den lesarten daz riste daz rist den rist). Ulrichs
Wilhelm 113*^ nu begunde Rennewart rdmen Baldewines an die
hende — er traf daz riste; ein vil wenic erz versneit.
f die Wörter, die in Graffs Sprachschatz nicht vorkonimeu, sind mit einem stcrn
bezeichnet.
326 WIESBADER GLOSSEN.
16. '^ctwgel, zwiscbea pollex Pixel und unguis Salziox, der knöchel am
ßnger, altfriesisch knokele knokle, angelsäehs. cnucl, engl. knuckle>
Teutonista 144'" knoyckel.
20. hruf kratze sprachsch. 4, 1155.
30. 31. ^ ueltnn ^ riiga zwischen lepra Pasiz und Scabies Monzil, beide
Wörter, die hautkrankheiten bezeichnen müfsen, verstehe ich nicht,
man müste denn das letztere in ruda räude befsern.
32. '■ henga, zwischen sera Sparinzia und clavis Pioranz, mag die thür-
angel bedeuten, angelsächs. onga, althochd. ang-o sprachsch. 1, 345;
h ist, wie öfter im niederdeutschen, vorgesetzt.
37. '^ gedile im sprachsch. 5, 133 dil dilo dile.
38. '^ röchlog Öffnung den rauch durchznlafsen : impluvium steht in der
bedeutung von compluvium. Diefenbach wörterb. vom jähr 1470
s. 173 rauchloch lucanar. Dasypodius (.\rgent. 1537) 477* rauchloch
fumarium.
40. Tapete, Teutonista 270" tapyte, im sprachsch. 5, 348. 349 tepid
teppet; vielleicht ist das wort hier lateinisch
42. da '^' uerewere zwischen uenator Beluaiz uud t^nslator Yisiscolinz
steht, so ist die erklärung verwere nicht wahrscheinlich ; ich glaube,
es ist werbrrre negotiator gemeint, das auch in den Trier, gl. 12, 34
vorkommt.
43. hermel für eriuel vergl. 32 henga.
44. '^^ brache, Prager gl. in Haupts zeitschr. 3, 472 brage femoralia :
vergl. sprachsch. 3, 277. 278 brocha bruohha und in den Casseler
gl. G*, 2 bragas.
45. ■' beinich, denn so ist doch zu schreiben, steht auch in der hand-
schrift zwischen brache und narva und mufs so viel als beimcdt
seiu.
46. von narva fibulalura konnte der nominal, im sprachsch. 2, 1097
nicht beigelegt werden.
49. zu digel testa vergl. sprachsch. 5, 378.
53. 1. sb'fstein.
54. ^ bihelm folgt auf securis Sciria und Dolabrü Blinchzia und mufs
etwas ähnliches bedeuten, man könnte vermuten es sei bi'hel zu
befsern, allein es kommt helmakis bipennis (sprachsch. 1, 136) und
helmbarte (Herzog Ernst 4167) vor und es könnte helmblhcl anzu-
nehmen sein.
55. hepa falcastrum, sprachsch. 4,752 happa ; vergl. Sendschreiben
über Rcinh. fuchs s. 60.
57. disla für di'hsila sprachsch. 5, 12i.
58. assa für ahsa sprachsch. 1, 139.
61. ■' runga wagenrunge, stütze der wagenleitcr. Fromuiaun zu Herbort
1385. Diefenbach wörterb. vom jähr 1 i70 s. 134. 177 runge furcale
in curru.
62. '^ cadevizr. auch in der hnndsrhrift zwischen runga und lanchwith,
WIESBADER GLOSSEN. 327
muls ein sliick an dem wagen bedeuten, aber ich kann das wort nicht
erklären.
65. '^storrtni \A. von stoi'ro baurastunipf, hier stücke des wagens.
Wigalois 5795 an einen dürren starren leinet er sich. Reinbots
Georg 1453 ivurzetldse starren.
67. ^ stina, zwischen aratrü Ranchil und vonier Tiginz, versiehe ich
nicht, etwa das lat. stiva?
68. '^egerda ein ehemals bebautes, jetzt brach oder ganz öde liegen-
des feld. Spervogel MS. 2,229*: bei Hermann von Frizlar 178,9
gerte. bildlich bei Konrad von Fufsesbrunnen in der kindheit Jesu
95, 60 — 62 ir beider tische stuonden vol, wan tnan ir so ze vlize
pflac, daz ir niht vil in egerden lac.
75. * presdela, zwi.schen pergamenü Branischiaz und miniü Luschanz,
kenne ich nicht.
77. 78. herleva, sprachsch. 4, 1032 harlefa. gleichbedeutend damit vizza,
sprachsch. H, 733 ^za; vergl. Diefenbach goth. wörterb. 1, 373.
79. ^ goltbrdcha, auch in der handschrift zwischen vizza und we-
vel, scheint ein handwerkszeug bei bearbeitung des goldes ; vergl.
sprachsch. 3, 268. 269 gebrdcha caelatura, kaprdhtaz sculptum und
im Bremer wbrterb. 132 brake Werkzeug womit man flachsstengel
bricht.
81. '' bltgarn wahrscheinlich bleidraht.
82. scinum pl. von scina nadel sprachsch. 6, 499.
8i. ^ speit ein gerälh beim weben: im I3n Jahrhundert ist nach dem
plur. Spelten (Wolfr. Tit. 91, 4. Hugs Martina Diutiska 2, 121) der
sing, speltü anzusetzen ; vergl. zur gold. schmiede 350. gute frau
1705. Haupt zu Konrads Engelhart 2531. grammalik 1*, 566.
87. werch werg sprachsch. 1, 962. 963.
88. wirden, zwischen fusus Lizchaz und garn, ist wirfei, spinnwirtel
bei Schraeller 4, 165. sprachsch. 1, 1026. vergl. Diefenbach wörterb.
von 1470 s. 139. 282.
91. ^ garnescrago erkläre ich durch garnes kraeho garnhaken; vergl.
sprachsch. 4, 589 chracho. Brem. wörterb. 2, 862 krakke hölzerner
wirbel an der thüre.
93. '^ uingerhuth, sonst habe ich vingerhuot nur in Diefenbachs wör-
terb. vom jähr 1470 s. 97 und vyngerhait im Teutonista s. 290" ge-
funden.
96. witede kleidung, Trier, gl, 15, I witide vel lesa suppara; vergl.
sprachsch. 1, 776. 2, 250.
97. ^' gerun pl. von dem nicht sieber zu belegenden gero. vergl.
sprachsch. 4,225. rechtsalt. 158. 940. Schmeller 2, 62. in dem 12n
Jahrhundert ist ge're nicht ganz selten, zu den bekannten stellen führe
ich noch an Eilharts Tristant 4556. und Atbis B, 47. von den höfi-
schen dichtem des 13n Jahrhunderts gebraucht es, so viel ich weifs,
nur Wolfram Parzival 207, 20. VVilh. 79, 3.
98. nethde pl. von näf, der im sprachsch. 2, 998 nicht belegt ist.
328 WIESBADER GLOSSEN.
101. " tinede leinvvaud, wie 96 wi'tede.
wil in
104. nach hdrsniir folgt Kanulzial.
105. hortdun pl. von borto ; vergl. spracbsch. 3. 213.
101). '■" bücke la (buccula bei Ducatige) starkes und schwaches fem.
Äneide 8755 die buckele, Rotber 3496 eine buckelen acc, Wigalois
6560. Lichtenstein 296, 18 diu bücke/, Wigal. 7508 der buckel dat.
starkes mascul. buckel Nibel. 37, 2. Gudr. 16, 3. VVittich vom Jordan
Gotha, handschr. 3298.
111. 1. wäfan.
114. schefde, Trier, gl. 16, 27 scejti spiculum, was im spracbsch.
6, 460 als pl. eingetragen ist, aber das. 461 giscefti missile; ohne-
hin kommt 117 shaft vor.
116. ist scheftecrapho gemeint?, in den Trier, gl. 16,23 bastae cum
lunato ferro.
118. 119. ''suzel und ■- sugir, die in der handschrift neben einander
stehen und auf welche auch dort bombest folgt, sind mir unver-
ständlich.
120. '"bambest, hoUand. bambeis, bambaz aus einem glossar des 15n
Jahrb. bei Scbmeller 4, 78, wambis bei Hclbling 2, 1266. 3, 198,
wambois bei Herbort 902 4, vergl. die anmerkung von Frommann.
es ist ein Iheil der rüstung, daher auch bei Helbiing 1. 311. 2, 1226
ketejiwambi's.
122. leist steht vor subula IJrascha. spracbsch. 2, 251.
125. " scuba von sciuban, ein bausgeräth, vielleicht eine schrappe.
126. 16 gerberlohe, spracbsch. 2, 33 (sumcrlaten 33, 58). Scbmeller
2, 462.
127. sucrca lese ich suerza melanteria spracbsch. 6, 900.
128. '"' slif schlämm der sich beim gebrauch des Schleifsteins erzeugt?
vergl. Scbmeller 3, 437.
129. * addermincc, zwischen 5/// und pin, verstehe ich nicht.
130. ^pin, vor torquular Kailamanz, erkläre ich aus dem holländischen
pin nagel, zweck von bolz.
131. swella, im spracbsch. 6, 874 nur das neutr. swelli, mittelbocbd.
swelle fem. Iwein 6745 in den Icsarten ein neutr. wie in Strickers
Daniel 599. starkes fem. Bertbold in W. Wackernagels lesebuch
1.665,27. Renner 17189. schwaches fem. Eraclius 3796. passional
238, 27.
132. pressere preluni, spracbsch. 3, 368 pressiri.
133. '^ gebutde bülte, angels. butte, nord. bijtte: die althochd. form ist
butin, spracbsch. 3, 87. grammatik 3, 457, putinna, wo ein mittel-
bo<'hd. bäten vermutet wird: Renner 651, Dicfenbachs wörterb. von
1470 s. 101 steht hätte, Engelhart 6341, Bouer 48, 60 der acc. hüten.
vergl. hier 135 ungebutden.
13 4. '^ zubeda kübel zuber. Brem. wörterb. 5, 120 tubbe, bolländ.
fobbe, Ducange dupia. vergl. zobcr 142.
VVIESBADER GLOSSEN. 329
135. ■" ungebutden was nicht biitte isl? gefäfs anderer art? vergl. 133
gebutde.
130. '-sruba bürste, stumpfer besen, schwedisch *Ar?/ö<;a; vergl. Breui.
wörterb. 3, 698. 099, Schineller 3, 518.
137. ^- bersiha scheint schneidemefser hacke zu bedeuten und gehört
wohl zu btirsa scalprum, angels. byrs ; vergl. sprachsch. 3, 215. Fla-
nischianz aber ist wohl mit 104 Yianu?, flegel verwandt.
138. '^ seckere gehört wohl zu sech pflugschar sprachsch. 0, 89.
139. gelleta gelte, sprachsch. 4, 184 gellida.
1 40. vierdel ein mafs, wie Teutonisla 291". sprachsch. 5, 405. Diete-
richs flucht 8465. Renner 8255 vierdeil.
l'il. carräda, der strich über a zeigt keine kürzung an, sondern nur
die Verbindung mit der auT der folgenden zeile stehenden endsilbe
da. es mufs ein gefäfs sein, vielleicht in gestalt eines Schiffes; vergl.
sprachsch. 4, 466.
143. sestere sextarins sprachsch. 0, 153 sextari, Casseler gl. G'', 17
sestar, Dasypod. 424" sester, angels. sester.
146. tvehdere, sprachsch. 5, 520 hat trihtari und die Trier, gl. werden
angeführt, aber dort 15, 39 steht trahtwre: so in dem liederbnch
das man der Hätzlerin beilegt 35, 26. Schmeller 1, 473 Irechterc aus
alten glossen, Diefenbach wörterb. von 1 i70 s. 09 trichter. trechter
Brem. wörterb. 5, 100.
148. '^' ddga fafsdaube, bei Ducange sowohl doga als dova. wollte man
diigä annehmen, einen pl. masc. den man hier erwartet, so raüste
man den sing, dilc ansetzen, wozu das holländ. duig passt.
149. bodim fundus, wie in den Trier, gl. 15, 38 bei boden steht;
vergl. sprachsch. 3, 80.
151 ptnithlu'-ch spuntloch, in den Trier, gl. 15, 38 pfundloch spiracu-
lum ; aber jenes enthält das richtige; vergl. sprachsch. 3, 3i2. Die-
fenbach wörterb. von 1470 s 192. 193,
153. grüz, in der haadsebrift zwischen ceruisia Briczinz und hopfo,
ist wohl das geschälte getreide, körn das beim brauen des bieres
verwendet wird; s. Haupt zu Engelhart 1116. Eraclius 1077. Helm-
brecht 1757. urstende 115, 20. Hahn gedichte 130, 80. vergl. Sprach-
schatz 4, 343—45.
150. '^ schufa, in der handschrift zwischen malz und vinea Yischamil,
verstehe ich nicht: schuofe Schöpfeimer (fundgr. 1, 389) passt nicht
hierher.
158. '^rappo geringer wein, vocab. von 1477 rappe racemus und vo-
cab. von 1618 'rappes vinum ex acinorum folliculis aqua mistis et
expressis coufectum : laur beerwein' ; vergl. Schmeller 3, 117. Die-
fenbach wörterb. vom jähr 1470 s. viii und 7.
161. stupa auch in den Casseler gl. G", 7, sonst selten im althoch-
deutschen; vergl. sprachsch. 0, 015. im mittelhochdeutschen kenne
ich anfser dem in der grammatik 3, 459 angefiihrten Berlhold (W.
Wackernagel leseb. l, 002, 1) nur noch Helbling 15, 239. Heinz von
330 WIESBADER GLOSSEN.
Konstauz mianelehre '2225 und bei Neidhart MS. 2, 75'' stubenheie,
aus späterer zeit führe ich nur an Dasypod. bl. -478" stiib.
162. dunch, tunc unterirdisches gemach der weber, sprachsch. 5, 433.
vergl. z. gold. schmiede 173. Schmeller 1, 385.
172. herth ist hert; vergl. sprachsch. 4, 1027.
174. " ditpfen topf, bei Luther döpfen, in mitteldeutschen mundarten
diippen : das oberdeutsche wort ist haven ; topf als küchengeschirr
kommt im Sprachschatz nicht vor: im mittelhochdeutschen kann ich
es nur nachweisen in Eilharts Tristant 5438 mit pfannen und mit
topfen und im Morolt 2, 683. 691 milchtopf
175. ^crtiseltn kleiner irdener krug; vergl. sprachsch. 4, 616 eriisal.
M Elisab. (Diut. i, 389) krusein gehört wohl auch hierher, vergl.
Schmeller 2, 394. Diefenbachs wörterb. v. 1470 s. 85.
179. '■" huiiecwirz erklärt sich aus dem altdeutschen kochbach (Haupt
zeitschr. 5, 12. 13), wo die bereitung des meths gelehrt wird, sonst
«rscheint die Zusammensetzung nur uoch bei Konrad von Würzburg,
s. anm. zu der gold. schmiede 1363. wivz ist in den Snmerl. 42*
brasicia, bei Ducange brace, bracium malz, und das scheint auch im
Renner 16284. 16304 gemeint, iu Diefenbachs wörlerb. von 1470
s. 54 wirzc bracium und s. 239" wirz.
183. in der bedeutung von uncinus steht kraphili'n im sprachsch. 4,
597 : hier mufs krepfelin fiir das backwerk stehen, das seiner ge-
stalt wegen so heifst, Schmeller 2, 393. Dasypodius 367* krepflin
speis aus fleisch und brot.
187. ^ ahornenbo^'m <\oc\\ v,oh\ ahornboum : die Zusammensetzung habe
ich auch im mittelhochdeutschen nicht gefunden, erst in Diefenbachs
Wörterbuch von 1470 s. 216.
191. ^gdriofcl, Nyerup symb. ^32 cariojfer, deutsch- lateinische hexa-
meter in Haupts zeitschr. 4, 415, 68. Wenzesl. Brack vocab. rer.
bl. 52" kariofilus ?iegelboi/jn ; vergl. anm. z. gold. schmiede 838.
193. '^ gingebern 1. gingebero ingwer. Frankf. gl. gingibero zinzibero,
mittelhochdeutsche glossen in Nyerups symb. 331 gingebere ziziber
1. zingiber Ciyyi'ßeQif, Mones quellen 291* yngeber, Dasypod. 266"
gingiber. holländ. gimber.
195. sprachsch. 6, 168 sittirwurz elleborum.
197. grensieh, ebenso zweimal in den Frankf. gl. mit dem lateln. na-
men potentilla und ninpba. dagegen Trier, gl. 6, 31 grensinc nym-
pha;a ; .\dmonter vocab. in Haupts zeitschr. 3, 379" rosmarinnm nym-
phea. Mones quellen 284" grensinck stercus anserinnm, 288" ercu-
larius, '2%'' gresinck niphea l. nymphsa : Teutonista grensynck ;
vergl. sprachsch. 4, 333.
200. binewiirz sprachsch. 1. 1050. bei Nyerup symb. 389. 404 biiii-
wiirt.
201. ^ boberella, ich glaube pimpinelle ist gemeint, bibernel, Dasypod.
bl. 472 boborellen, holländ. bevernel, Mones quellen 290* bevenelle,
böhmisch bobrnjk. dagegen Trier, gl. 7, 13 und Frankf. gl. bibi-
WIESBADER GLOSSEN. 331
«e//a,- vergl. sprachsch. 3, 32*2. Diefenbach wörterb. vom jähr 1470
s. 211. auch ht popelle malva Nyerup symb. 407 anzuführen,
202. melda niaugüld, sprachsch. 2, 732 welta, Mones quellen 284*,
Diefenbach wörterb von 1470 s. 43, Tentonista s. 168* melde.
203. '^pfeffercriit, Frankf. gl. Diefenbach wörterb. von 1470 s. 244"
phefferkru{t) satureia nochmals in Frankf. gl. phefferkrut timbrags ;
heut zu tage wird auch lepidiura so benannt.
2Ö6. isopo, im sprachsch. 1, 480. 3, 864 ist isop angesetzt, aber nur
der dativ isipen aus dem 12n Jahrhundert belegt, also eine schwache
form. Frankf. gl. ysopo ysopus ; niederdeutsche glossea in Mones
quellen 293" haben ysope wie Nyerup symb. 330 und 407 isepe ;
auch Teutonista s. 136" isopo. in Strickers Karl iT und im passional
371, 22 besprengen mit i/sopö.
21Ü. ^ bathenia, auch in den Trier, gl. 6, 21 hetonia, aber im Sprach-
schatz finde ich es nicht. Frankf. gl. bethania bethanica (betonica),
Schlettst. gl. in Haupts zeitschr. 5, 339" bittonia, Nyerup symb. 407
betonie, Mones quellen 284*. 285* betomje, Sumerl. 60, 36 battunia.
vergl. deutsche mythologie 1159.
211. wullena, in den Trier, gl. 7, 1 wullina blandonia vel lanaria :
daraus im sprachsch. 1, 795. Frankf. gl. wlhina.
213. nebeta katzenminze, nepeta ; vielleicht soll es hier der lateinische
name sein: s. sumerl. iO". 58". Mones quellen 283". 290* und 321*,
wo in den angelsächsischen glossen nepeta statt nereta zu lesen ist;
vergl. sprachsch. 2, 819. 3, 866.
214. '^ denmarha ist gartenbaldrian, Valeriana phu, wovon Nemnich im
polyglottenlexicon der naturgeschichte 2, 1544 den namen denmark-
kraut beibringt: Frankf. gl. tenemarg Valeriana und /ewnew^arg- sam-
sueus (sampsucum, majoran).
215. steivvarn 1. steinvarn farnkraut polypodium sprachsch. 3, 694,
auch in den Frankf. gl. und niederdeutsch in Mones quellen 283 .
284". 291" stenvarn.
216. In douwurz ist wohl thau gemeint? der Sprachschatz 1, 1051 hat
aus Heinrici summarium (sumerl. 21, 36) tofwurz basilisca, die gegen
den bifs der hasilisken heilsam sein sollte: aber wie ist tof zu er-
klären? Nemnich nennt im Wörterbuch zu dem polyglottenlexicon 112
dovrusch doverkraut equisetum arvense : bei Dasypodius bl. 473
schafthäw equisetum.
218. '^Wolfes gele pflanzenname, wie heutzutage wolfsbart (Nemnich
2, 1468), den ich anderwärts nicht finde; vergl. rintgele arcola Ca-
lendula in Mones quellen 285". 286".
219. '^ minnewurz hier allein. Nemnich 2, 833 bat vnnwenkraut paeonia.
220. berewiirz, Trier, gl. 7, 14. sprachsch, 1, 1050. 3, 203 berinivurz,
Frankf. gl. berwrz. Mones quellen 285* barenwort, Nemnich 2, 134
bärenwurz bärentatze bärenklau heracleum.
222. ^ santke/a sanikel sanicula, niederdeutsch in Mones quellen 284",
und bei Dasypodius 473*. englisch sanicle.
332 VVIESBADER GLOSSEN.
'i25. "■ smergela, noch heute wird in einigen gebenden der scharbock,
feigwarzenkraut, schmergel genannt: in alten quellen habe ich das
wort nicht gefunden.
228. '" girol, suraerl. 22^' gires l. girel? macedonicum, eine pflanze.
TVemnicL 2, 1313 hat gierlein govlein gartenrapnnzcl.
2211. ''romesse minza, Mones quellen 291" romesch mynte pentastruin,
dagegen sprachsch. 4, 819 rosses minza mentastrum und sumerl. 23"
rosminze menta nigra ; Ziemanns wörterb. 327" diu rosses minze
nientsi silvestris ohne angäbe der quelle, noch heute ist nach JXemnich
2, 554 rossminze gebräuchlich.
230. '-'viatra, in der handschrift an derselben stelle, kann ich nicht
erklären: es hilft auch nicht dafs in den Fraukf. glossen unter den
pflanzen matir^na re . . . . ugia (nur so viel ist lesbar) vorkommt:
es scheint aber dasselbe wort zu sein.
232. '- litnchwurz doch wohl lungawurz, das heutige Ivngenwurz pul-
monaria aurea .\emnich 2, 148.
235. '-^ priselonch, brislauch binsenlauch aliium schoenoprasum, hol-
länd. bieslock, schweii. (gothländiscb) baislük, und so erklärt sich
das niederdeutsche biestlück cepulla in Mones quellen 283. ich be-
merke hier dafs biese im Athis 4, 44 unbezweifelt die niederdeutsche
form für binse ibinez) ist: Teutonista b;/ese juncus und holländisch
bics.
242. '^morcrtith Schwarzkümmel melanthium Admonter vocab. in Haupts
zeitschr. 3, 376: auch ist in den Lindenbrog. gl. das. 5, 572" mela-
niuin murcriit zu lesen, statt malamium mortcrut.
246. biuerwrz, sprachsch. 1, 1050 und Frankf. glossen bibirwurz cAslo-
reum; so wird noch heute aristolochia clematilis benannt.
2 47. '■" gamundria teucrium chamacdrys, Hadlaub MS. 2, 194". 194*.
195*. Haupts zeitschr. 2, 152 garnandrr, franz. germandree, niederd.
gl. in Mones quellen 201' gamander und so auch holländisch. Dasy-
podius bl. 473" gamanderlin.
248. '^'frideles ocfia erkläre ich Aarch friedelcs oiiga; es würde etwa
die pflanze bezeichnen, die man liebäugel nennt.
252. '^ sinza, in der handschrift zwischen olus Vrschianz und hanif,
verstehe ich nicht.
258. -^dorth trcspe Nemnich I, 684. 2, 435.
259. uersbotde ist beresboto zizania seehafer sprachsch. 3, 81.
262. wichtin scheint tvickun pl. von wickd. aber die Sehlettst. glossen
in Haupts zeitschr. 5, 826 setzen zu wichkun vicia, ebenso die Trier,
gl. 7, 34 zu wichun. die niederländischen in Mones quellen 293". 306
und Wenzesl. Brack im vocab. rer. bl. 35* zu wicken ; man wird also
nicht viciae befsern dürfen, was die glossen in INyerups symb. 388
und ein anderer beleg im sprachsch. 1, 727 gewahren, aber läfst sich
jene autfallende form als sing. fem. erklären? sollte man den col-
lectivbegriff als starkes neutrum angenommen haben ? Diefenbachs
wörterb. vom jähr 1470 s. 284 enthält vicia ein wicken und die
WIESBADER GLOSSEN. 333
Schienst, glossen haben an einer andern stelle 304'' sogar ein latein.
vicium neben wikkun. vergl. grainmatik 3, 374.
263. * uiselun folgt auch in der handschrift auf wichun : ich glaubt-
es ist der pl. von visela fisole phaseolns Nemnich 2, 935. Schnieller
1, 571. J'cselen bei Dasypod. 181".
267. weho, wi'o spracbsch. 1, 013, wo auch diese form vorkommt, wie
in den Strafsb. gl. altd. blätter 1,348.
270. '■■• dorndrewe neuntödter, \emuich 2, 323 dorndreuel. dagegen
Trier, gl. 5, 8 dorndriigil (spracbsch. 5, 228 ohne nachvveisung) fur-
furio, Strafsb. gl. in den alld. blättern 1, 348 dorndrdl fursarius I.
furfarius, wie auch Nyerup symb. 269 steht. Isidori etymol. IIb. 12,
s. 101 Areval. 'furfurio vocatus quod prius farre in farinam redacto
pasceretur.' vergl. Schnieller 1, 398.
271. drosla stimmt zu der angelsächs. form drösle, spracbsch. ö, 265
drosseta drosca droscila, sumerl. 47, 3 droskl lurdela, Neidh. 53, 5
Ben. Morner MS. 2, 167^' droschel.
273. ruch spracbsch. 4, 1149 hri/oh cornix, Walther von der Vogelw.
150, 52. Renner 1768 f.
274. quahtila, spracbsch. 1, 678 waktila; auch die niederd. glossen in
Nyerups symb. 209 (vergl. 345) schreiben quattele.
276. roiidil, Trier, gl. 5, 10 ro^ tilo cupuda, spracbsch 2, 487 rotil ro-
tila, und so auch die Strafsb. glossen in den altd. blättern 1, 348;
vergl. Schmeller 3, 167. Renner 5520. 21455 rotelwie.
282. cunigclen zaunkönig, Trier, gl. 5, 12 kunigli regulus, spracbsch.
4, 444 und Strafsb. gl. 34S kuninc pitrisculns, Nyerup symb. 209
cunenglen, Renner 19364 kiingelln.
283. warcgengel, Trier, gl. 5, II und Slrafsb. gl. 348 warchengil,
Nyerup symb. 268 wargingel, Frankf. gl. warkevgel crurisculeg3 .
danach im spracbsch. 1, 349, doch mit zweifei, nrxtev eiigil gestellt,
bei Nemnich 2, 323 heilst der neuntödter würgengel tvargengel, eng-
lisch ivierangle. diese erklärung des worts ergiebt sich leicht, aber
die ursprüngliche bedeutuog, glaube ich, ist in der hier überliefer-
ten form erhalten und warcgengel (andere Zusammensetzungen mit
gengil im spracbsch. 4, 104) bezeichnet einen in wolfsgestalt umher-
streichenden bösen geist, wüterich : hier ist der name auf den neun-
tödter angewendet, weil er die vogel erst aufspielst ehe er sie frifst.
vergl. rechlsallerth. 390. 733. 985. Reinhart fucbs .xxxvii. Schniel-
ler zu Muspilli 43. Benecke und Lachmann zu Iwein 4924. im nor-
dischen kommt die Zusammensetzung vealdganga angelsächs. veald-
genge vor.
285. rebestuchil sieht in der handschrift zwischen onocratulus Schnwil
und gallus Nazischo, soll also der name eines vogels sein, die Trier,
glossen 5, 16 haben rebeslichil buprestis stinkkäfer und auch bei
Nemnich kommt rehesticher cnrcuWo vor: man müste demnach einen
irrtbum des verfafsers unserer glossen annehmen, vielleicht ist eine
Verwirrung durch einen abschreiber entstanden, onocratulus nämlich
334 WIESBADER GLOSSEN.
geht, wie bemerkt, unmittelbar voran, und da dieser (sprachschal/.
5, 367) liorotuhhil heifst, so kann ungehöriges zusammengesetzt sein.
2Sy. l. hohdi'iba.
Die bibliothek zu Wiesbaden bewahrt eine wohl im drei-
zehnten Jahrhundert geschriebene pergamenthandschrifl welche
die werke der heiligen Hildegard enthält. Hildegard war zu
Beckelheim unweit Kreuznach im jähr 1098 geboren, und
starb 1179 als äbtissin in dem von ihr 1148 gestifteten klo-
ster Rupertsberg bei Bingen, umständliche nachrichten von
ihr liefern die Acta sanctorinn 5, 629—701, und aus diesen
geschöpft ist eine kleine schrift von F. Konrad Dahl (die hei-
lige Hildegardis. 3Iainz 1832) wo man zugleich die spätere
literatur angegeben und die sämmllichen werke der heiligen
verzeichnet Ondet. sie schrieb selbst nieder oder dictierte was
ihr der göttliche geist otfenbart«, und ihre vom pabst Eugen III
anerkannten und aufs höchste gepriesenen bücher standen, wie
sie selbst, lange in grofsem ansehen: auch der 3Iarner
(MSHag. 3, 468'') gedenkt ihrer. Dahl beschreibt jene hand-
schrift umständlich und gibt auch nachricht von einer zweiten,
ebenfalls in Wiesbaden befindlichen, die mit bildern geziert
und der schrift nach zu urtheilen bedeutend älter ist. obgleich
er sie (s. 23) jünger nennt, sie enthält aber nur das haupt-
werk, Liber Scivias simplicis hominis, das Hildegard im jähr
1148 angefangen und erst zehn jähre nachher vollendet hatte;
ihre erste arbeit, Liber divinorum operuni, fällt in das jähr
1147. in jener vollständigeren handschrift befindet sich ein
stück das bisher wenig ist beachtet worden, nämlich blatt
910' — 913 auf elf spalten mit der rothen Überschrift 'Ignota
lingua p simplicem homine hildegarde prolata' in fortlaufen-
den Zeilen eine Zusammenstellung von etwa neunhundert Wör-
tern, die einer unbekannten spräche zugehören, bei dem grö-
fsern theil ist eine lateinische erklärung übergeschrieben, bei
etwa einem drittel eine deutsche : nur in wenigen fällen sind
beide sprachen zugleich angewendet, ich habe im jähr 1833
vollständige abschrifl davon genommen, hier aber nur die deut-
schen Wörter mit den dazu gehörigen der unbekannten spräche
und den wenigen lateinischen herausgehoben. Graff hat bei
WIESBADER GLOSSEN. 335
seiner früheren anwesenheit in Wiesbaden zwar, wie man mir
sagte, die handschrifl in bänden gehabt, aber im Sprachschatz
keinen gebrauch davon gemacht; vielleicht hat er, weil auf
der ersten seile keine deutsche glosse vorkommt, die folgen-
den nicht näher angesehen, da i nur selten mit einem strich
unterschieden und daher öfter ungewiss ist ob iu oder t/i muCs
gelesen werden, so kann ich nicht dafür stehen bei der unbe-
kannten spräche überall richtig gelesen zu haben, die abschnitte
die durch grofse rothe anfangsbuchstaben bezeichnet sind, habe
ich bei meinem auszug durch eingeklammerte römische Ziffern
getrennt, ich will zunächst den inhalt der Sammlung angeben.
(I) den anfang macht deus j/^igonz-. angls Aieganz. scs
Xmienz. SaluatorZ//i//o;i2. diabolus/>^w«e/^'^. dann mensch-
liche Verhältnisse, besonders verwandtschaftliche, zuletzt
werden kranke benannt.
(II) lingua Ranzgia beginnt und sollte durch einen rothen
anfangsbuchstaben unterschieden sein, es ist aber noch zu
dem vorigen capilel gerückt und auf der folgenden seile
folgt dann ebenfalls mit einem gröfsern schwarzen anfangs-
buchstaben Caput MMoil. die iheile des menschlichen lei-
bes werden genannt, unter diesen auch uirile mbrü (über-
geschrieben ueretrum) Creuofiiz. testiculi Yirlaiz. loc^
uerecundie mulieris Fragizlnnz : zuletzt pes Fuscal. dann
folgen noch zehn namen von krankheiten, aber meist von
hautkrankheiten, darunter lepra Pas/z : den schlufs macht
Scabies Mo/tzil.
(III) kirchliche Verhältnisse beginnend mit papa Relionz.
cardinalis Karinz. und endigend mit heremita Orinschiel.
hieran schliefst sich, ohne dafs ein abschnitt angezeigt wäre,
iemplü Oplialm. monasterium Mn/izrhia. eccliä Crizia.
claustrü Clainzo. dann kirchliche geräthe, kirchendiener,
kirchliche kleidungsstücke : das letzte manut'giü Inchscola.
gleicherweise ohne absatz die weltlichen stände, impator
Perezüiuz. rex Rischol. p^nceps Peranz. palatin^ Scal-
tizio. marchio Malzienz. dux Scarduz. comes Zienz.
folgen handwerker, verschiedene stände, darunter fidicen
Gaurizio. mimus Scamizio. ioculator Balem'nz. saltator
Lizo. nanus Det'ezio. gygas Logizkal. das capitel schliefst
336 VVIESBADER GLOSSEN.
mit über linmo Prunischol. propriiis Baischuc. cliens Scal-
gonzys.
(IV; tages- und Jahreszeiten, dies mizh». nox Scaurin.
ich hebe die nioaatsnamen heraus, ianiiari^ Loizo. februa-
ri^ Scantido. marlhis Orm'scko. apriUs J[jn?itzo (oder^w/w-
zo). ma.ms Tin'szintho. mnms Archhulob's. iwYuxsZigionz.
augusüis GargischoL septeb' Scandidoz. ocloher Osci'lanz.
iioueber No/ischa. deceber Deiiizimn. den schluls dieses
abschnittes, der wie der erste keine deutsche glosse enthält,
macht cöpletoriü Niischa?iz.
(\ ) kleidungsstiicke und hausgeräth. camisia ö«/?e??5 steht
voran, sti7ia Scohniz zuletzt.
(VI; abermals verschiedenes geräth, feldfrüchle. waffenstücke :
wie es scheint, mit unrecht von dem vorigen getrennt, uo-
mer Tigi/iz ist das erste worf, krcpfelin Svraphinz das
letzte.
(VIF) ohne bezeichnung eines abschnitls, unmittelbar sich an-
schliel'send, bäume und pflanzen, den anfang macht abies
Lamischiz. ich merke an amigdalus Schalmüidibiz. easta-
nea Gramzibuz. ficus Gigunzibuz. laurus Clamizibuz.
platanus Goh'nzia. mirtus Scuanibi/z. am schluls iiiseliüt
Kachzin.
(VIII) vögel und insecten. zuerst grife Argumzio (kein
gröfserer buchslabc), ich nehme heraus pelicanus Flauriz.
psilacus BHzinus. das letzte wort ist cicada Cain'z.
Aus dieser Übersicht des inhalls ergiebt sich dafs die glos-
sen nach der weise der etymologien Isidors geordnet sind,
welche auch den Trierer glossen zum vorbild gedient haben,
indessen, wenn, wie natürlich bei ähnlicher abthcilung der ca-
pitel, manches wort vorkommt das zugleich bei Isidor steht,
so ist doch kein näherer Zusammenhang mit diesem ersicht-
lich : die abschnitte sind dort ungleich zahlreicher, an sich
umfolsender uiul anders geordnet, möglich dal's die Wiesbader
glossen unvollständig sind, denn es fehlen autTallender weise
die vierl'ürsigen thiere und fische, dagegen ist wohl einiger
Zusammenhang mit den Trierer glossen nicht abzuweisen,
beide haben eine anzahl wörter gemeinschaftlich, und es kom-
men einige bei beiden allein vor, witede 96. schefde 114.
pfuntlbch 151.
WIESBADER GLOSSEN. 337
Die deulsc'licn glossen zeigen eine eigenlliiiuiliclie, aber
nicht ganz feste behandlung der laute, bei den vocalen ist
folgendes anzumerken, e für ff, ^>7'^//o 13. h(mga32. hepa^ö.
herleva 77. e für / nur in trehdere 146. — «für ?e, dich1\.
f'rideles 248. ritgras 251 ; daneben vierdel 140. — ou für n
befremdlich in loch Q. 100. 151 und in roudil27h. dagegen
richtig ou in ougappel ougrinch 2. 3. soum 99. houbet 100
(daneben Ä02Äe^ 103). stovfl45. scob 166. bom IH4. \S7.
loch 234. — uo nur in dihh 103 : ungegründet in scfiba 125:
öfter, wie bei Hermann von Fritzlar, nur u, so in .snur 104.
furbi/ge 121. ki/fa 150. futder \70. r/z^Ä 273. hm/ 286.
287. aber ru'f26 verlangt einfaches //.
Bei den consonanten einmal inlautendes b für p in has-
belQO: anlautendes für w in bombest 120. inlautendes t> für
b in btuerwurs 246 : anlautendes in versbotde 259. v für //'
in 7iarva 46. pp für /?/" in appel2, dagegen craphfo 116: im
anlaut nur pf, pfal 159. phe ff cremt 203. — d für f anlau-
tend, digelA^. dunch 162. denne 163. dille 2U. di/ba 2SS
(daneben t7'uha 85) : inlautend schcidela \. bladera 2^. ivir-
dejt 88. scado 226. im mXani fd, sehe. f de 114: hd, trehdere
146. naehdegala 276 neben quahtila 274. /rf, wc/</ö 202.
td in snitdesahs 56. gebutde 133. imgcbutdcn 135. futder
170. zitdewar 192. sitderwurz 195. snüdeloeh 224. cletdo
254. ^f/ für einfaches Z^, in kartdo 250. t^ersbotde, ja die
Überfüllung nethde für we/e (denn das hochdeutsche a* kommt
nicht vor) 98 und rathdich für r«^?cÄ 240 (Frankf. gl. rt'-
thich). th für f/ im auslaut, r«?Ä (rota) 59. lanehwith {lanc-
roid sprachsch. 1, 745) 63: für ^ im auslaut fast regel, vin-
gerhuth 93. ;-«/;^Ä HO. drath 123. äcv/ä 172. branth 174.
morcruth 242 (neben crw^ 203). rfo/'/Ä 258, bleibt auch in
der Zusammensetzung punthlöch 151. im inlaut bathenia 210.
vergl. W. Wackernagel zu den Schlettst. glossen in Haupts
zeitschr. 5, 323. die Verbindung sc nicht selten, seinkuii 24.
scella 33. sci/iun 82. scäba 125. scob 166. scado 226: da-
neben scheida 108. schejde IIA. schuf a 156: aber auffallend
ist shaft 117 und sruba 136; vergl. gramm. 1^, 174. assa
für ahsa 58 und ro?nesse für röitiesche 229. — wie bei den
lingualen erscheint bei den gutturalen die aspirata für die te-
nuis, also auslautend eh für c, rinch 3. 34. dunch 162.
Z. F. D. A. VI. 22
338 WIESBADER GLOSSEN.
sichelinc 167; auch in der Zusammensetzung lanehwith ^d,.
inlautend ch für ck in wkhun 262. ferner ch für if in
lunchwurz- 232 und \\alirsclieinlicli in ocha 248. ch für das
althochdeutsche h auslautend in loch 6. 100. 151. dich 21.
inlautend für ch in cnu-
-ergl.
Roland XVII. graf Rudolf s. 6. endlich nnigga für i/n/cAa 2S0.
h ist vorgesetzt in hermol 43 und wahrscheinlich in henga
32. y« für M' in quahtila 274.
Dies alles zeigt eine schwankende hinneigung zu den laut-
verhältnissen des niederdeutschen, dessen einflufs wir auch
bei der betrachtung der einzelnen Wörter erkennen, während
das oberdeutsche entschieden vorherrscht, und da zugleich
einiges nach den Niederlanden deutet, wie batnbcst 120. jw///
130, so sind wir veranlafsl diese spräche an den 31ittelrhein
zu weisen ; die deulscheii Wörter mögen leicht zu Bingen nie-
dergeschrieben sein.
Welchen Ursprung haben diese seltsamen giDssen? dafs
sie von Hildegard selbst herrühren, darf man nicht bezwei-
feln : sie gedenkt ihrer in dem eingang eines andern werks,
des Liber vitae meritorum vom jähr II öS, und sagt, auch die
unbekannte spräche und schritt sei ihr durch unmittelbare gött-
liche eingebiing zugekommen, alles aber, erkliirt sie in ihren
briefen mehrmals (Acta sanlor. 5, 633), was sie schreibe habe
sie nicht durch die aufsern äugen und sinne, sondern durch
das innere lichl empfangen, ich habe keine veranlafsung den
wcrth und geliall dieser oll'enbarungen zu berühren, über wel-
che schon völlig entgegengesetzte urlheile sind gefällt worden:
ich will nur einige bemerkungen zu der unbekannten spräche
machen, die uns hier allein angeht.
welllicher hinsieht geordneten Volkes voraus und gewähren
Wörter für die unentbehrlichsten be-rrifre wie für die «rewöhn-
stige leben, wie man sie in den gesiebten einer überreizten
seele erwartet, kommen durchaus nicht vor. ja es lallt auf
dafs wir in dem zweiten capilel, wo die theile des mensch-
lichen leibes aufgezählt werden, Wörtern begegnen, die in den
gedanken oder in dem mund einer Jungfrau, zumal einer geist-
WIESBADER GLOSSEN. 339
liehen, nicht ziemlich erscheinen : doch sie schildert anderwärts
die Wollüste der männer und franen auf eine ebenso uner-
wartete weise ; auch ist an eine ähnliche glosse bei Herrad
von Landsberg (Diutiska 3, 212) zu erinnern, das siebente
capitel enthält eigene naraen für südliche gewächse z. b. ficiis
Gigunzibiiz, laurus Clamizibuz, platanus Golitizia, piper
Zusguel. das achte für ausländische vögel, pellicang Flnii-
i^iz, strulio Gugurunz, psitacus Bt'lzemts, pauo Zam :■/'/:
das würde nach einem in wärraern gegenden wohnenden volk
hinweisen.
Die spraclie selbst mufs vorerst ein räthsel bleiben, ken-
ner der slavischeii und orientalischen, denen ich das denknial
zeigte, Wüsten mir nichts darüber zu sagen, bei einer an-
zahl Wörter scheint mir lateinischer einflufs unverkennbar;
ich hebe nur das sicherste heraus (I) diabolus DiuueUz.
(n) ocnlus Luzeia (Iilx). auris Oir. nasiis Nascutil. collii
Kolezia. aruina f^ngu/zol (un^iien). harn loliü Fluanz (fluor).
(III) scella nola To m z w a (lonus). c?inlor Kanesi/iz. abbas
Abiol. monasterium Mofizclu'a. claustrum Claiiizo. lucerna
Luuzanz. liber Ubiz. iudex Iitn'z. uulgus flliscal (vilis).
(VI) bambest Amizdd (amicimen;. flama (so) Flagiir (Qag-
rare). meddo Melzimaz. hunecwirz Melzita. senif Agriuz
(acer). (VII) sanikela 5ff/wcī/. (VIII) nocticorax Noizbiz.
nachdegala Noisca. warcgengil Viperiz. ein\\'irkungen des
deutschen nur in wenigen Wörtern, (II) pes Fuscal. (III)
sw^ov Suuiz. (ni) ansa Zinkia {zinko). (W) ßado Pufeia
(niederdeutsch puffer, holländisch poffert poffertse). krepfe-
Jbi Scraphinz. drosla Droziina. anser Gagria (die gackert).
(III) comes Zienz könnte das romanische cue?is sein.
Des Zusammenhangs der deutschen mit den älteren Trierer
glossen habe ich schon vorhin gedacht, auffallend aber ist es
dafs sie offenbar nicht die sprachformen zeigen die in der
mitte des zwölften Jahrhunderts, wo Hildegard schrieb, gal-
ten: sie sind mindestens hundert jähr älter, die klosterjung-
frau mufs sie aus einem schon vorhandenen glossar geradezu
abgeschrieben haben.
Endlich mufs ich noch des unbekannten alphabets geden-
ken das Hildegard ebenso wie die unbekannte spräche durch
innere erleuchtung will empfangen haben, die Wiesbader hand-
22*
340 GL.EZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
Schrift liat es gleiclienveise bewahrt, und ich theile es hier
in einer nachbildung mit, bemerice aber ausdrücklich dafs es
weder bei der unbekannten spräche, noch sonslwo in der gan-
zen handschrift ist angewendet worden, es ist entweder durch
blofse Versetzung der bekannten buchstaben gebildet, A z. b.
wird durch B dargestellt und G durch S, oder es sind nur
ein paar striche und haken zugefügt: ich kann nichts darin
sehen als eine eigenmächtige grundlose erfindung. das wirft
freilich auf die unbekannte spräche ein bedenkliches licht.
WILHELM GRLMM.
r ^ n B 0 r :^ j y
f r 11 CV y ^ CV cfh
E!N GL^ZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
/// (Ici- adventszeit gehen in dem deutschen Schlesien
und in Glaz verkleidete pei'sone?i in den häusern herum
und erkundigen sich in der rolle heiliger wesen nach ßeifs
und ouff'dhrung der kinder. am gewöhnlichsten treten im
östlichen Schlesien und Glaz das Christkind und der alle
Joseph ?nit einander auf, im westlichen das Christkind
und der knecht Ruprecht, crsto'es wird von einer magd in
iveifsem buntbebändertem kleide dargestellt die mit ?nög-
lichst hoher stimme folgende verse singt
einen schön guten abend geh euch golt.
ich komm herein ohn allen spott,
ich will sehn ob die kinder fleil'sig beten und singen,
da will ich ihnen auch was schönes mitbrini^en.
GL.EZISCIIES CHRISTKINDELSPIEL. 341
der alte Joseph oder der kriecht Ruprecht erscheint in um-
gekehrtem pelze, mit fürchterlichem harte und einer tüch-
tigen rute oder keule. die kinder müfsen über die kcule
springen, loobei er sie ihnen in die beine schlägt.
In Liegnitz treten mehrere Chrislkindel zusammen auf;
oft ist noch eine Maria als kehrweibel dabei, die mit einem
grofsen besen vor ihnen her kehrt, zuweilen kommt da-
selbst mit dem Christkinde und dem Ruprecht der engel
Gabriel in einem kleinen viagen gefahren, mit dem er vor
den häusern hält, während jene hineingehen.
Dies sind die Übergänge zu deji adventsspielen oder,
wie sie in Schlesien heifseti, den Christkindelspielen, die
sich noch hier und da erhalten haben. in Költschen bei
Reichenbach treten darin auf Maria, Petrus mit dem schlü-
fsel und Gabriel mit der trompete, sie tragen eine wachs-
puppe als Christkind in einem gläsernen kästchen mit sich,
das sie in die mitte der stube auf einen stuhl stellen und
um das sie singend herum gehen.
Ich bin im stände hier ein sehr vollständiges Christ-
kindclspiel mitzutheilen, das vor ungefähr zwanzig jähren
in deti Mückenhäusern bei Habelschwerdt in der grafschaft
Glaz gespielt wurde, vielleicht auch noch gespielt toird.
ich habe es in Glaz aus dem munde einer alten magd nie-
dergeschrieben die aus jenem dorfe ist und es mir nicht
nur vorsagte, sondern auch vorsang und vorspielte.
Der wirl tritt auf in grünen hosen, einer rothcn borten-
weste, einen hut mit gold borten auf dem köpfe.
Guten abeud zu wünschen ich bin bereit,
weil jelzo kommt die adventzeit.
bei braven gasten lafs ich mich sehn,
drum thut der haushalter mit mir einkehrn.
Der haushalter tritt auf, dem wirte gleich gekleidet bis
auf silberborten statt der goldborten.
Der wirt.
Haushalter, ich sag dirs zu jeder zeit,
die tafel soll gleich sein bereit.
Haushalter.
Ja ja, mein herr, es ist ganz recht,
342 GLiEZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
Sie sind mein herr und ich der knecht,
wir haben beide geld und gut
und tragen beide einen bortenhut.
Es klopft, de?' haushalte!' sagt seinem herrn etwas ins ohr.
Wirt.
Wie ich von meinem haushalter hab vernommen,
so sollen kaiser und könig herein kommen ;
so will ich lafsen die tafel bereiten,
weil es geschieht zu späten Zeiten.
Der heil. Joseph im pelz, einen stock in der hand, singt
Ein schön guten abend geb euch gott,
ich komm herein ganz abends spöt,
ganz abends spot beim abendschein,
ich komme mit Maria und dem kindelein.
ich wollte euch ganz demütig bitten,
weil meine glieder vor kälte zittern,
und draulseii geht ein rauher wind,
ich wollte bitten, dal's sie mich lafsen eintreten
mit 3Iaria und dem kind.
Haushalter.
Na wart, alter! ich werde erst zu meinem herrn gehen.
(zvrn wirt) Herr, hier ist ein alter mann,
der will von uns eine nachtherberg hau,
wie ich aber an ihm sehn kann,
ist er ganz ein schlechter mann.
Wirt.
Was? das wären possen !
bleibt ihr draul'sen auf den golsen.
grofse herrn und gavalier*,
solche herrn kehrn ein bei mir,
denn bei uns gibts gut wein und hier.
Joseph.
Ach, mein liebster herr und freund,
ich wollte bitten, Sie wollten mirs nicht übel deuten,
meine bitte nicht versagen
und mein gewär nicht abschlagen.
um eine nachlherberge wil ich bitten,
weil meine glieder thun vor kälte zittern,
'"'' gabelierer, A. Grypinus in dir gel. dornrose.
GL.EZISCHES CHRISTKINDELSPIEL. 343
und (Iraufsen geht ein rauher wind,
ich wollte bitten, dafs sie mich lalsen eintreten
mit Maria und dem kiud.
Maria tritt auf in blauem altmodischen kleide, iveifser
schürze und haute, mit herabhängendem schleier. sie
trägt eine holz- oder wachspuppe.
Joseph,
(zu Maria). Ach liebste Maria, tritt herein,
keine herberge kann ich nicht bringen ein,
weil draufsen weht ein rauher wind,
so wollen wir doch einkehren mit dem lieben kind.
Maria,
{singt). Ein schön guten abend geb euch gott,
ich komm herein ganz abends spöt,
ganz abends spöt beim abendschein,
und ich trag das neugeborne kindelein.
[* Das Christkind tritt auf, buntgekleidet, ein weifses tuch
überm köpf, eine rute in der hand.
Ein schön guten abend geb euch gott,
ich komm herein ganz abends spöt,
ich komm herein getreten,
ich will sehn, ob die kinder (leilsig beten,
spinnen und singen,
da w'erd ich euch eine grofse bürde bringen,
werdet ihr aber nicht fleifsig beten, spinnen und singen,
werd ich euch eine grofse rute bringen.
Joseph.
Mein lieber Christ, wenn ich dir solt säen,
wenn die kinder aus der schule gehn,
bleiben sie auf allen gassen stehn,
die blätter sie aus den büchern reifsen
und in die finstern winkel schmeifsen,
solche possen treiben sie.
••* ich halte die eingeklammerten strophcn für ein späteres eiii-
schiebsel. ihr inhalt tritt abgesondert sehr häußg aiif. durch diese
annähme hebt sich auch der Widerspruch zwischen dem Christkinde
in der wiege, das dem hauptstücke angehört, und dem ertvachsenen
Christe dieser verse.
344 GLiEZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
Engel Gabriel in iveifsem kleide, das haar gepudert, eine
kröne auf dem köpfe, von der ein Schleier herabhängt.
Ein schön guten abend geb euch gott,
ich komm herein ganz abends spot,
ich komm herein in gottes band,
der engel Gabriel werd ich genannt.
Christkind,
{zum engel). Geh zu der lieben mutter mein
und frag, ob die kinder gehorsam sein.
Der engel fragt die mutter der anwesenden kinder and
erhält keine erfreuliche auskunft.
Christkind.
Nun hört, ihr lieben kindelein,
solche klage geht über euch ein,
ich will euch gar nichts geben.
Gabriel.
Ach Christ, ach Christ, sei nicht so hart,
und strafe nicht nach diesem wort.
Christkind.
Wenn der engel thut für euch bitten,
thut sich mein herz im leib erquicken,
ich will mich wiederum bedenken
und euch eine kleine gäbe schenken.
Alle singen.
Nehmt hin, nehmt hin die kleine gab,
weil ich jetzt weiter nichts bcfseres hab;
ich bitt euch, ihr lieben kindelein,
thut vater und mutter gehorsam sein,
so wird euch gott nach diesem leben
gewisslich auch in himmel nehmen.]
Maria.
Joseph, liebster Joseph mein,
hilf uns wiegen das kleine kindelein.
Joseph {nimmt das kind und legt es in eine wiege).
Wie sul ich denn doas kindla wiega,
koann kaum menn krumraa puckal biega.
druf drei hei ei.
liebes kindla schlof ok ei.
GL^ZISCHES CHRISTKINDELSPIEL. 345
Alle singen.
Lafst uns das kindelein wiegen,
das herz zum krippelein biegen,
o Jesulein, o Jesulein süfs !
und unser opfer bringen,
lafst uns dem kindlein lachen
und tausend freude machen,
o Jesulein, o Jesulein süfs.
Lafst ihm seine händlein und füfse,
seinen feurigen körper küssen,
lafst ihm doch jubilieren
und geistlich triumphieren,
0 Jesulein, o Jesulein süfs.
Die k/rten liegen mtf der erde und schlaf cn. dieengel singen
Gloria, gloria in excelsis deo,
ihr hirten steht auf und schlafet nicht!
hört ihr nicht die engel singen,
wie sie in den lüften schwingen,
sie singen immer gloria,
gloria in excelsis deo.
Erster hirte.
Bruder Steffa, hirste nich, woas dar engel soate?
Steffen.
Woas soat ar denn?
Erster.
Ar soate, es war a kind geboarn.
Steffen.
Hm ! kind derfroarn.
Erster.
Hm ! du äler a?sel ! kind geboarn. hm ! dar engel soate —
Steffen.
Woas? du hust a strump verloarn?
Erster.
{singt) Ich ging a bifsla schucka, *
ich schlech mich uf di seite,
" i'erg-/. das iveihnachtslied bei Hoffmann und Richter schien.
Volkslieder s. 330 J".
346 GL.EZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
(16 saeg ich zvve oale loite,
a harzlich schin kiudla derbei.
ich duchte bei menn sinna,
doas kindla stind mer oa,
wenn ich doas kint gewinna,
ich woagt a lammla droa.
{Die hirten pochen während des gesanges mit ihren stocken
auf die erde, die mit glöckchen imd maien verziert sind).
Steffen.
Ju, ich gleb dersch, ich gib ä zwee.
Dritter,
Li, ich gib a dreie.
Erster.
Nu brüder Sleffa, woas mennste denn, mer mechla daiii kindla
ens ditta. *
Steffen.
II du duinma socka,
mer warn duch nich doas kindla goar derschruoka,
mer warn wul ^s singa.
Erster.
Na stimm oa, oaler, na !
Steffen,
(singt) Wie ich bei menna schoafa loag
und mer der engel di botschaft broacht,
ho ha hö
do woar ich su fro.
Erster.
Brüder Sleffa, mer niechta wul dem kinda woas schenka.
Steffen.
Nu, do gim mer wul hin?
Erster.
Gi du ok erschta,
Steffen.
Nu guck ok.
Die hirten treten näher, sie haben umgekehrte pelze an,
pelzmützcn auf und stricke als giirtel um den leib ge-
bunden, der erste trägt ein lämmlein, der zweite einen
korb mit äpfelspaltcn, der dritte einen haushahn.
'■ tuten.
r.L^ZISCHES CHRISTKINDELSPIEL. 347
Der erste hirt.
Holla, holla,
war ich bäle zer lire iiei gefolla.
Ein schön guden abend geh euch golt,
ich komm herein ganz abends spöt.
{z,u dem kinde) singt. Kienes kindla, du, du, du,
du leist ju uf am wischla strü, strü, stru.
weil ich hoa oa dich geducht,
hoa ich der au woas mite gebrucht.
dö hoa ich nuch a lammla
vü ma jesjäriga slammla,
doas wil ich der tun schenka,
doals de tust oa mich gedenka.
Die liebe ist grüfs,
die gäbe ist klein,
ich wollte dich bitten, wenn du willst mit mir
zulrieden sein.
Zweiter.
Kienes kindla, du du du,
du leist ja uf am wischla stru, strü, strü u. s. f.
do hoa ich nuch a por späla
vum jesjäriga winder erhäla.
•* die liebe u. s. f.
Dritter.
Kienes kindla u. s. f.
dö hoa ich nuch a haushoan,
dar fri und spiete krien koan.
die liebe //. .y. f.
Maria,
singt. Joseph, liebster Joseph mein,
wo werden wir hinte kehren ein?
ha ha, ha ha hein,
kehren ein.
Joseph,
singt. Jungfrau, liebste Jungfrau mein,
ich weifs ein altes stalleleiu,
das wird wohl unser herberg sein.
ha ha, ha ha hein,
herberg sein.
348 GL.EZISCHES CHRISTKINDELSPIEL.
Maina.
Joseph, liebster Joseph mein,
was wird des kiiides wieglein sein?
ha ha u. s. f.
Joseph.
Jungfrau, liebste Jungfrau mein,
ich weifs ein altes krippelein,
das wird des kindleins wiegleiu sein,
ha ha ?/. s. f.
Maria.
Joseph, liebster Joseph mein,
was wird des kindleins wiudlein sein?
ha ha ?/. s. f.
Jungfrau, liebste junfrau mein,
ich weifs ein altes hemdelein,
das wird des kindleins windlcin ein.
ha ha u, s. f.
Maria.
Joseph, liebster Joseph mein,
wo werden wir hinle kehren ein?
ha ha //. s. f.
Joseph.
Jungfrau, liebste Jungfrau mein,
im himmel werden wir kehren ein,
lia ha //. .y. f.
Maria.
Joseph, liebster Joseph mein,
wer wird denn unser begleitcr sein?
ha ha u. s. f.
Joseph.
Jungfrau, liebste Jungfrau mein,
der engel wird unser begleitcr sein,
ha ha, ha ha hcin,
begleitcr sein.
Alle singen. Ach laufet ihr hirleu, lauft alle zugleich,
und nehmet Schalmeien und pfeifen mit euch,
lauft alle zumal zum kiudlcin iuD stäl.
DEUTSCHES CALENDARILIM AUS DEM XIV JH. 349
Wir gehen auf einem glühenden plan
und wünschen euch alle ein schön gute nacht,
fort hin, fort hin sieht unser sinn,
wir müfsen ja hinte noch weiter marschiern.
Der weg ist uns auf rosen gebaut,
wir wollen uns gehn nach dem himmel umschaun.
Gelobet sei Jesus Christus.
{Alle ah bis auf den wirf.)
fVirt.
Ach gott, was hab ich mir gedacht,
dafs ich bei spater finstrer nacht
die leute habe naus gejagt.
Hätt ich mir das gebildet ein,
dafs's Jesus, Maria und Joseph sollen sein,
hält ich sie lafsen kehren ein.
Jelzund cmplind ich ein grofsen schmerz,
den frag ich unter meinem herz
Nun will ich laufen was ich kann
und will auch meine müh nicht sparn,
ich will schaun, wenn ich sie könnt treffen an.
Adieu, (ab).
HALLE. KARL WEINHOLD.
DEUTSCHES CALENDARIÜM AUS DEM
XIV JAHRHUNDERT.
Das folgende calendarium findet sich in einer perga-
mcnthandschrift der königlichen bibliothek zu Kopenhagen
(thotlsche Sammlung, fol.) auf sechs blättern {mit der Über-
schrift XXXH), je ein monat auf jeder seile, der eigentli-
che calender auf der inner n hälfte der seifen, auf der äu-
fsern die im abdrucke theils den tagen zu denen sie ge-
hören theils dem ende eines jeden inonates hinzugefügten
bemerkunge?i. die monatstage sind auf ?^ö mische iveise
nach calenden u. s. w. angegeben an der stelle der zahlen
350 DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH.
</es abJruckes, links vo/i diesen die sogenannten sonntags-
buchstaben, loieder links die goldenen zahlen in i^ömischen
Ziffern, diese, das grofse A der sonntagsbuchstaben, wie
alles im abdrucke gesperrt gedruckte, ist mit rother tinte
geschrieben, alles übrigens von einer hand. übereinstim-
mend mit dein auf das \ie Jh. hindeutenden äufsern der
hs. beweist der h. fFenceslaus (28 sept.) daß die abfafsung
nach 1 305 fällt, und doch nicht allzu lange : die eben
diesem heiligen allein beigefügte nähere bestimmung zuo
Beheiin zeigt dafs sein dienst noch neu und, weniger be-
kannt war; er ist nie eigentlich canonisiert wordeji. die
mehrzakl der heilige?! deutet auf die gegend des mittleren
Rheines hin; besonders solcher sind viele deren reliquien
zu Köln aufbewahrt loerden.
Die ivenigen abkürzungen der hs. für unde (diese form
ist gewählt weil sie überall steht wo das wort ausgeschrie-
ben ist), -US, -er ,mid im folgenden abdrucke aufgelöst,
ßir u und ö ist uo und ou, für das mehrmals vorkommende
VigPia unbedenklich Vij^ilia gesetzt worden. — auffallend
wird marter sowohl für martyrium als neben raarleler für
martijr gebraucht, und beide zugleich für das femininum,
während nur einmal martelerin vorkommt, vielleicht veran-
lafsle hierzu ein zu gründe liegendes lateinisches calenda-
rium oder martyrologium, auf ivelches auch die lateini-
sche?} formen vieler ?iamen und anderes hi?ideulen.
Jaiiuarius.
Der Jenner hat X\Xt tage, der nione XXX.
1 . D a z i n g a n d e j a r d a z g o I b e s n i 1 1 e n ^^• a r t . 0 *
2. Sani Stephans ahler dag.^
3. Sani .lohans des ewangelisten alilei' tag.
4. Der kindelin ahler tag.
5.
8. Sani Krharles tag eines bischofes.
y.
10. Sani Panliis der erste einsiedel.
11.
12. Sani llyhiris ein hischol'.
DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH. 351
13.
14. Sani Felix ein bihler. liornunges crafM (bild*)
15. Sani Maurns ein abbet.
16. Sani Marcelle ein bebest.
17. Sani Anlhonie ein abbel.
18. Sant Prisca ein magl.
19.
20. Sani Fabian unde Sebastian niartelere.
21. Sani Agnes ein niagt unde ein maiteler.
22. Sani \ incencie ein niarleler.
23. Sani Emerentiana ein niarlelerin.
24. Sani Thiuioleus ein zweÜ'botte.
25. Sani Paulus bckerde.'
26. Sani Polioarpe ein bischof. 0
27. Sani Johans mil dem guldinen munde. ^
28. Sani Agnes ahler tag.
29. Sani Valerie ein bischof.
30. Sant Adelgunl ein magl.
31. Sani \'i"ilic ein bischof unde ein marteler.
Die sunne ist in dem wassere ''. In disem mo-
not so! men nüt lassen noch kein trang nemen.
Men sol aber guten win in nuhlern Irinken.
Dis sint natürliche sachen der allen mei-
slere des gestirnes von der sunncn craft irs louif-
fes zuo demmonote indemme jare. unde zuo dem
ersten von dem nie Jenner.
Dis zeichen ist der wassertreger, unde ist in dem Jen-
ner, wanne kelti ist ein muoler der fiihtjkeil. Da von treil
der monol wasser zuo dem erlriche, daz die fiihlikeit die in
boumen unde in grase sich hei verborgen, wider werde er-
nuvvert unde gespiset. Der Jenner heissel ein wasser Irager
daz ist ein eimer. wanne alse der eimer wasser zühel uz dem
burnen also isl es umbe daz ertriche da^ do vormales ist ver-
dorret von des summers kraft, daz ez sine natürliche fühle
wider unibezühet von des monotes kelli wegen, wan alse die
hitze ist ein muoler der dürre, also ist die kelti ein muoter
* eine zioeiköpßge vor einem tische stehende und mit beiden
münden trinkende figur. daneben ein brunnen mit einem eimer.
352 DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH.
der l'iilitl. uiide also der arbeiter den do türslet gar wol be-
darf des trankes daz er deste baz arbeiten möge, gelicher
wis daz ertriche daz vormales ist erschöpfet von der fiihti an
kynien uude an friihten bedarf gar vil wassers umbe daz es
anderwerbe beren möge.
Februarius.
Hornung XXVIII tage, der mone XXX.
1. Sant ßrigide ein magt.
2. Unser frowen iichnamestag.
3. Sant Blasie ein bischof unde ein marter.
4.
5. Sant Agathe ein magt unde ein marter.
6. Sant Vedaste unde Amandus bischofe.
7.
8. Sant Helene ein künegin.
9. Sant Apollonie eine magt unde ein marter.
10. Sant Scolastica ein magt.
H. Sant üesiderie ein bischof.
12. [nüt.«
13. Der hiute lasset dem tuot der ritte des ja res
14. Sant Veltins tag. Mertzen craft. Die sunne gat
15. in die vi sc he.*
16. Sant Juliana eine magt unde ein martelcrin.
17.
18. Sant Symeon ein bischof.
19.
20.
21.
22. Sant Peters tag alsc er habest wart. Hie vahel der
23. Vigilie. Lentze an.
24. Sant 3Iathis dag ein zwelfbottc.
25.
20. Sant Alexander unde XXIII marleler.
27.
28. Sant Leonhart ein bischof.
Der stunden des tages sint X. des naht es XIV.
M e u sei wissen daz nach dem s c h u r e t a g e ^
unde nach dem phingcstdage unde nach des hei-
'"" zwei durc/i ein band verbundene ßsrhe.
DEUTSCHES CALENDARIÜM AUS DEM XIV JH. 353
ligen crützes tagei" unde nach Sant Liicien ta-
ge" di ncheste inittcwoche so ist vrone vaste ^^.
Wer es abir.daz der vorgenannten tageeinre
an eine mitte vvochekeme, so ^^'ere die vronevaste
der nach über ahte tage.
Wissent daz der Hornung durch unde durch
gantz wedel ist. ^^
Indisem monot sol men ufdem turnen lassen.
unde sol men ouch trang nemen unde sol men
sweis baden unde guoten win trinken.
Februarius. Dis zeichen sint die vische. unde daz zei-
chen ist in dem hornunge. wan alse der visch von dem was-
sere wiirt erzogen unde erborn. Gelicher wis in disem raonote.
von der wesserigen l'ühte der erden so wart daz innerliche
saf daz do ist ein some aller kyme erborn unde erzogen unde
daz selbe saf der sunnen craft des mertzen ziiliet uf von der
erden, umbe daz de anderwerbe us der fiihte loub unde graz
unde fruht mit geordemte gange wider uf untspringe unde
wahse.
Martius.
Mertze hat XXXI dage. der mone XXX dage.
1. Sant Albine ein marteler. 0
2. Sant Simplicie ein bischof.
3. Sant Florian unde siner gesellen marteler.
4.
5.
6. Sant Fridelin ein bihter.
7. Sant Perpetua unde Felicitas megede,
8. Sant Cyprian ein bischof.
9.
10.
1 1 . Sant Candidus uode V alerius marteler.
12. Sant Gregorie der hobest.
13.
14. Sant Longinus ein ritter unde ein marteler.
15. Tage unde nehte sint gliche lang, unde gat
die sunne in den wider. Des abereilen
craft. (bild)
16. Sant Cyriax unde siner gesellen marteler.
Z. F. D. A. VI. 23
354 DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH.
17.
Sant Gertrud ein magl.
18.
19.
Sani Joseph.
20.
21.
Sant Benedictus ein abbet.
22.
23.
Sani \'iclorinus ein abbet.
24.
Vigilia
25.
Unser Crow en erne. '*
26.
27.
28.
Sant Regale ein magl. Ö
29.
30.
31.
Sani Widen ein abbel.
Der stunden des lages sint XII unde des n a h-
les XII.
I n d i s e ni ni 0 n 0 1 c s o 1 m e n n ü t lassen n o c h k e i ii
trang nemen. Men sol süsse ding in nuhtern es-
sen unde trinken, unde men sol baden unde sol
men abe boleien "^ trinken.
Mertze hat von natürlicher eigenschafl daz sunnenzeichen
aries daz ist ein Avider. unibe drie Sachen. Die erste isl.
wanne alse der wider under andern lieren zuo dem allerer-
sten suochet die ersten weiden, also ist es ouch von der sun-
nen crafl des mertzen. daz sü her für zühet den aller ersten
ertkymen. Die ander sache ist. wan rehte alse sich der wider
erhebet sinre hörner. glicher wis wurt erhöhet der sannen
crafl in disem selben monote. Die drille sache ist wenne alse
der wider die scheffclin herhält tuot. gelicher wis der sunnen
eraft in des merlzeu zeichen alles erlriche erhitzet unde veis-
sigel.
Aprilis.
Abrelle hat XXX dage. der mone XXVIII.
1.
2.
3.
4. Sant Ambrosie ein bischof.
5. Sant Celesl.inus ein bobesl.
DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH. 355
6.
7.
8. Sjinl Perpoluus ein l»isrli(>r.
0.
10. 0
1 1 . Saut Leo ein hobest.
12. Sant Jiilianus ein hobest.
13.
l/i. Sant Tyhurcius unde Valerianus marter.
Des meien craft. Unde gat die sunnc in
d en s tior. (hild)
15.
16. Sant Peter ein ewangelier.
17. Sant Eleutherins ein biscliol'.
18.
19.
20. Sant Fortunalus nnd siner gesellen marter,
21.
22.
23. Sant Georie ein niartelcr.
24. Sant Alexander ein marteler.
25. Sant Marx ein ewangeliste.
26. Sant Ruopreht ein marteler.
27. Sant Anastasius ein hobest.
28. Sant Vitalis ein marteler.
29.
30. Sant Kürin ein marteler.
Der stunden des tages sint XIV des nahtes X.
In disem monote sol men lassen zuo der me-
diodern unde men sol frisch fleisch essen, men
sol ouch trang neraen.
Aprilis. daz ist abrelle mit siner craft gelichet denime
Stiere. Avan alse de ertrich mit dem stiere wurt gehuwen.
unde geschicket zuo der friihte. Gelicher wis wurt von der
sunnen craft des ahrellen. der houme fühte unde saf zuor
hlfite unde zuo louhe gefurmiert. unde alse der stier ist un-
gezeme alse wurt ouch der sunnen craft zuo \leme monote
stetekliche verwandelt, unde alse der stier ist gar starg unde
doch nüt zuo vörhtende. alse ist ouch des sunnen influs in
23*
356 DEUTSCHES CALENDARIÜM AUS DEM XIV JH.
disem monote unde in disem zeichen gar in tribende daz di
inre craft herfiir werde gezogen di do vormales verborgen isl
gewesen.
Majus.
Der meie het XXXI tage, der mone XXX.
1. Sant Philippus unde sant Jacob zwelfboUen
unde sant Walburg ein magt unde nfia r te-
le rin). der vier lesse* eine.
2. Sant Athanasius ein bischof.
3. Die vindunge des heiligen criitzes. 0
4. Von unsers herren crone.
5.
6. Sant Johannes marter vor der laMnen porlen.
7.
8. Sant Victor ein marteler,
9. Die erhabunge sant Niclawes.
10. Sant Gordianus Epiniachus unde Sophie mar-
teler.
11. Sant Gangolf ein marteler.
12. Sant Nereus Achilleus unde Pancratius marteler.
13. Sant Servatius ein bischof.
14. Sant Bonifacie ein marteler.
15.
16. Brach raonotes craft. unde gat die sunne in
die zwei gliche, (biid**)
17.
18.
19. Sant Polentiana ein magt.
20.
21.
22. Sant Helena ein magt.
23.
24.
25. Sant Ürban ein hobest. 0 Hie vohet der summ er
an unde wer et untze sant Simpfrians dag.
26. Sant ßeda ein priester.
27.
* vergl. anm. 8.
'*"' ein knabe und ein rnä'dehcn einen stab haltend.
DEUTSCHES CALENDARIDM ALS DEM XIV JH. 357
28. S.inl Maxinuis ein bischof.
29.
30.
31. Sani Petronelle ein niagt.
Der stunden des tages sint XVI des nahtes VHl.
In dem meien sol men zuo der leberodern las-
sen, unde sol men ouch Irang nemen. unde früje
wasser trinken, unde den win mischen, unde kein
hoube(t) fleisch essen. In dem meien und in den
drien nach kommenden monoten soistguotslaffen.
Der sunnen craft zuo dem meien stat in dem zeichine daz
do heisset gemini, wanne alse under zweien Zwillingen, ist
natürliche gleichnisse alse ist ouch der sunnen crafl zuo dem
meien getempert zwiischent kelti unde hitze. urabe daz de üt
die irdensche craft beide an kymen unde an bluomen von
iiberiger hitze üt verdorre noch von der kelti üt erfühte. Zuo
dem andern mole wanne alse zwüschent zweien milteb(orejnen
ist ein gncdiger minnenklicher umbevang. Gelicher wis zuo
meien zit ist über alles ertrich ein glicher. wa(n) alles ert-
riche danne blüjet. unde die v(ogele) über al singent. unde
alse es ist ein u(r;sprung der gebürtc zweier Zwillinge unde
doch nüt ein ende, alse ist ouch der sunnen ingus z(\io) dem
meien aller berender dinge mit einander sache an den bluomen.
unde machet doch mani(ger) bände zil an der frühte.
Junius.
Der brach monot hat XXX tage, der mone XXIX.
1. Sant jNicomedes ein marteler.
2. Sant 3Iarcelle unde Peter marler.
3. Sant Herasmus ein marteler.
4. Sant Cyrinus ein bischof.
5. Sant Bonifacie unde sine gesellen.
6.
7.
8. Sant 31edarde ein bischof.
9. Sant Primus unde Felicianus marteler.
10. Sant Onufrius eins einsidel.
11. Sant Barnabas ein zwelfbotte. 0
12. Sant Basilidis Cyrinus unde sant Nabor.
13. Von unseres herren trifaltikeit.
358 DEUTSCHES CALENDARILM AUS DEM XIV JH.
14. Howe nionotes kraft. 0 Dis ist der lengeste
tag. unde gat die sunne iu den crebs. (bihJ)
15. Sant Vitus. 3Iodestus unde Crescentia.
16.
17. Von unsers herren fron lichainen
18. Sant Marcus unde Marcellinus marter.
19. Sant Gervasius unde Prothasius marter.
20.
21. Sant Alban ein bischof.
22. Zehen tusent marleler tag.
23.
24. Sant Johans tag zuo süngihten.
25. Sant Gallicanus ein marleler.
26. Sant Johans unde Paulus marter.
27. Der siben slefFer tag marteler.
28. Sant Leo ein bebest. Vigilia.
29. Sant Peter unde sant Paulus XH botten.
30. Sant Paulus gedenkunge.
Der stunden des tages siut XVIII des nahtes VI.
In diseni monote sol men niit lassen, men sol
latiche mit essiche in nühtern essen unde wasser
in nühtern trinken. Men sol ouch abe salbeiien
trinken unde abe ruten. unde sol men holder
bl ue te essen ^^.
(J)unius. Der sunnen crall zuo dem brachmonote von irme
louiffe (is)l gelich dem crebisse. wanne (ajlse der crebs hiin-
der sich gat. (u)nde ouch für sich. Gelicher wis (sla)t es umbe
der sunnen craft zuo (d)er zit daz sü zuo nimmet an der
(vr)ühte. unde hünder sich vahet an den (bl)uomen unde an
dem loube. unde (? sit) daz die sunne zuo der zit sich schei-
det unde verret von uns. unde von der höhte wegen gegen uns
so twinget sü uns rchle alse der crebs.
Julius.
Der Ho w e m o n o t h a t XXXI der m o n e XXX.
1. Sant Johans ahtede.
2. Sant Processus unde 3Iartinianus marter.
3. Sant Thomas erhebunge des XII botten.
4. Sant Uolrich ein bischof.
DEUTSCHES CALENDARIÜM AUS DEM XIV JH. 359
6. Sunt Peters unde sanl Pauls ahtede dag.
7. Sanl Willeball ein bischof.
8. Sanl Kylian unde siner gesellen marler.
1).
10. Der siben gebruodere sanl Felicilas kinden.
1 1 . Sanl Benedicli eins abbeles erhabunge.
12.
13. Sanl Heinricb ein keiser. 0
14.
15. Sanl Margarelha ein raagt.
16. Des ougusles craft. Iiie gal die sunue in den
lowen. (bild)
17. Sanl Alexius ein bihler.
18. Sanl Arnolfus unde Malernus bischöle.
19.
20. Sanl Alban ein marteler.
21. Sanl Arbog^ast ein bischol'.
22. Sanl Marie Magdalene. 0
23. Sanl Apollinaris ein niarlelcr.
24. Sanl Chrisliue ein niagt unde ein marler.
25. Sanl Jacob ein zwellbotle. Sanl Chrislol'l'el
ein marter.
26. Sanl Herasmus ein bischol'.
27.
28. Sanl Pantaleon ein marteler.
29. Sanl Marthe ein magt.
30. Sanl Abdon unde Sennes marteler.
31. Sanl German ein bischof.
Der stunden des tages s int XII des nahtes VIII.
In disem monote sol men niit lassen, noch kei-
nen trang neraen. burne wasser sol men in nuhtern
trinken, rute unde garwele unde steinbreche sol
men essen ^^. abe salbeien unde abe wermute sol
men trinken ^^.
Julius. Der sunnen craft in demme howemonote. ist gelich
von irme zeichine einem lowen wanne rehte alse der lowe ist
der aller hitzegisten naturen unde ouch zornes. Gelicher wise
ist euch der sunnen craft zuo der zit bürnende. unde erhitzende
alles ertriche unde rehle alse der lowe ist ein kiinig aller
360 DEUTSCHES CALENDARILM ALS DEM XIV JH.
der tiere. also iibertriffet denne ouch der sannen hitze die
craft unde mäht alles anderen gestirnes.
August US.
Der ougest iiet XXX dage. der mone XXIX.
1. Sant Peters banden, ö
2. Sant Stephan ein hobest.
3. Daz Sant Stephan fanden wart.
4.
5. Sant Oswalt ein künig.
6. Sant Sixtus unde sine gesellen marler.
7. Sant Afre unde ir geselleschaft raarter.
8. Sant Cyriacus unde sine gesellen marter.
9. Sant Romanus ein marteler.
10. Sant Laurentie ein marteler.
11. Sant Tyburicus ein marteler.
12. Sant Cläre ein magt.
13. Sant ^ politus unde sine gesellen marler.
14. Sant Eusebius ein bihter. Vigilia.
15. Alse unser frowe zuo himmel luor.
Des ersten herbesles monotz craft unde gut
die sunne in die magt. {bild)
16. Sant Arnolf ein bischof.
17. Sant Laurencien ahter dag.
18. Sant Agabite ein niarler.
19. Sant Magnus ein marteler.
20. Sant Bernliart ein abbel.
21.
22. Sant Thimolheus unde Simphorianus marter.
23. Sant Bartholomeus ein zweifbotte. Zuo sant
Bartholomeus tage vahet der herbest an.
unde weret untze sant dementen tage, unde
ist ouch der vier lesse eine.
24.
25.
26. Sant Hireneus unde Habundus marter.
28. Sant Rufus ein marteler.
27. Sant Augustinus ein bischof.
29. Daz sant Job ans uulhoubetit wart.
30. Sant Felix unde Audaclus marler. Ö
DEUTSCHES CALENDARIIM AUS DEM XIV JH. 361
31. Saut Pauliüus ein bischof.
Der stunden dirre tage sint XIV der nehte X.
Men sol in disem monote uiit lassen noch kein
Irang nemen. unde sol men nüt barfus gan. unde
keinen bier noch kein inettesol men trinken, abe
boleie unde wer mute sol men trinken.
Augustus. Der Ougest hat daz zeichen virgines. daz sint
megede. wanne sit daz ertriche ist muoter aller criiter unde
die sunne ist ein valier. unde sit de denne der sunnen craft
daz ertriche unberhaft tuot. alse daz noch (krut dwch-
striche?i) kyme noch Fruhl unlspiinget. darumbe ist dem ou-
guste zuo gegeben de sunnenzeichen virgines. unde ouch dar-
umbe wie doch ein magel nüt gebere ob sii maget belibel. ie
doch mag sü die geburt vil wol fuoren. Gelicher wis der sun-
nen craft. wie doch daz sü denne zuo male nüt nuwer Frühte
mache uf erden, ie doch so werdent die vordem Frühte von
des ougestes craft gefuorel unde geslerkel.
September, unde heisset der fule monot.*
Der erste herbestmonot hat XXX dage. der
mone XXX.
1. Sani Gylie ein abbel. Sant Verene ein magl.
2. Sant Anlhonie ein münich.
3. 0
4. Sant Bonifacie ein marteler.
3. Sant Quintin ein marteler.
6. Sant Magnus ein hihter.
7.
8. Unser frowen tag alse sü geboren wart.
9. Sant Gorgonie ein marteler.
10. Sant Protheus lacinlhas Felix unde Regula.
11. Sant (Justina ein magl durchstrichen).
12.
13. Sant Juslina ein magl.
14. Die erhebunge des heiligen crützes.
Des ahteden monolz »^ craft. uudc gat die
sunne in die wage, (bild)
15. Sant Nicomedes ein marteler.
'* rdlleindnöt? der die fruchte füllt, vcrgl. die erklärnng des su?i-
)iü/izeichens.
362 DEUTSCHES CALEiNDARILM AUS DEM XIV JH.
16. Sant Eufemie ein magt.
17. Sant Lampreht ein biscliof.
18. Sant Riegart ein keiserin unde ein magt.
19. Sant Felix ein marteler.
20.
21. Sant Matheus ein zweilbotte unde ein e wan-
geliste. 0
22. Sant Mauritie unde sine geselleschaft marler.
23. Sant Linus ein marteler.
24.
25. Sant Firmin ein marteler.
26. Sant Cleoplias unsers Herren Junger.
27. Sant Cosmas unde Damianus marteler.
28. Sant Wentzeler ein hertzoge us Beheim unde marter.
29. San t Mic hahel ein ertzengel unde aller heili-
gen engele tag.
30. Sant leronimus ein priesler unde ein lerer. [XU.
Der stunden dirre tage sintXIl der nelitc oucb
Indisem monote soi menalleding essen, geis-
sin unde scheffine milch sol men essen in nuhtern.
men sol ouch lassen.
September. Ilerbcst hat eigenliche daz zeichen libra daz
ist ein woge, wanne alsc men mit der wogen die biirden ver-
suochet. Gelicher wis der monot die (ruhte bewert unde be-
suochet. unde alse die woge eine bürde der andern gelichet.
also wurl des monotes dag unde naht ouch glich.
0 c 1 0 b e r.
Der ander herbestmonot het XXXI tage, der
mone XXIX.
1. Sant Remigius ein bischof.
2. Sant Leodagarius ein bischof undo ein marler. 0
3.
4. Sant Franciscus ein bihler.
5. Sani
6. Sant Gelruwe ein magt.
7. Sant Marx ein bihter.
8. Sant Symeon der gerehle.
9. Sant Dyonisie unde sine geselleschaft marler.
10. Sani Gereon unde sines gesellen marler.
DEUTSCHES CALENÜARIUM AUS DEM XIV JH. 363
11. Sant Vedastus iiiidc Eustasius marter.
12.
13. Sani Marcus ein hobest.
14. Sant Burchart ein bischof. Calixtus ein bobest.
15. Sant Aurelie ein magt. Hüte wedelt der win-
termonot '-'o unde gat die sunne in den tarant.
(^bild, feuerspeiender sko7yio?i).
16. Sant Galle ein bihter.
17. Sant Sigemunt ein künig.
18. Sant Lucas ein evangeliste.
19. Sant Januarius unde sine gesellen niartcr.
20.
21. Der eilf tusent niegede tag unde marter.
22. Sant Severus ein marter. 0
23. Sant Severinus ein bischof.
24.
25. Sant Crispinus und Crispinianus marter.
26. Sant Amandus ein bischof.
27.
28. Sant Syraon unde Judas zweifboten.
29. Sant Narcissus ein bihfer.
30. Sant Marcellus ein marteler.
31. Sant Quintin ein marteler.
Der stunden dirre tage sint X. der nehte XIV.
In disem raonote sol men lossen unde trübel
essen unde most trinken unde geisse milch unde
schoffe milch essen unde trinken.
October. Windemonot het scorpionen daz ist ein tarant.
wan alse der wurm mit dem swantze stiebet. Gelicher wis
der monot an dem ende mit unsicherre kelfi die lüte twinget
unde stichet. unde alse der tarant sich verbirget in dem hülen.
also entzühet sich denne der sunnen craft von dem erlriche.
daz do künllich ist daran, wanne die bletter denne risent unde
dorrent die grünen zwige.
November.
Der dritte her best monot het XXX tage, der
mone XXX.
1. Aller heiligen tag.
2. Aller seien tag. Eustachius^* unde siner gesellen marter.
364 DEUTSCHES CALENDARILM AUS DEM XIV JH.
3.
4. 0
5. Sant Victor ein marteler.
6. Saat Leonhart ein bihter.
7. Sant Florencie ein bischof.
8. Vier gekröneter marteler.
9.
10. Sant Martin ein hobest.
11. Sant Martin ein bischof. Der vier lesse eine.
13. Sant Cunibert ein bischof.
12. Sant ßricie ein bischof.
14. Sant demente ein marteler. { bild)
Des wintermonotz craft unde volral wedelt
hüte unde gat die sunne in den schützen.
IT).
16. Sant ülhmar ein abbet.
17. Sant Tecla ein magt.
18. Sant 3Iarlins ahter dag.
19. Sant Elisabeht ein wittewe.
20.
21.
22. Sant Cecilie ein junfro unde ein marter.
23. Sant demente ein hobest. An sant Clemenlen dage
des bobestes hebet der w inte r an. unde wer et
untze sant Peters tag in der vasten.
24.
25. Sant Katherina ein maget unde ein marler.
26. Sant Cuonrat ein bischof.
27.
28. 0
29. Sant Saturninus unde drier marter tag.
30. Sant Andres ein zwei hotte.
Der stunden dirre tage sintVHI. der nebte XVI.
In (1 i s e m m o n o t e s o 1 m e n z u o der h o u b t o d e rn
lassen, unde ouch zuo der leber odern. men sol
o u c h n ü t baden.
November. Wintermonot hat Sagilarium daz ist den
schützen, wan alse der schütze mit schössen die tierlin jaget
unde an vihtet. Gelicher wis dirre monot mit sinre kelti schos-
DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH. 365
sen. daz gewurme us tribet. und alse ein schütze zuo dem
ersten sinen bogen spannet daz er deste witer schiesse alse
wurt in disem monote di kelti gemerret daz die grosse hit(ze)
der erden, in die tieffe der erden vertriben werde.
Deceraber unde heisset volrat.
Der wintermonot het XXX dage. der mone XXIX.
1 . Sant Eloius 22 ein bischof.
2.
3. Sani Attele ein magt.
4. Sant Barbare ein magt unde ein marter.
5.
6. Sant Nicolaus ein bis(chof).
7. Sant Andres ahter dag. 0
8. Alse unser frowe enphangen wart.
9.
10. Sant Eulalie ein magt.
11. Sant Damasus ein bebest.
12.
13. Sant Lucie unde Odilie megede.
14. Jenners craft. (bi/d*)
Die sunne gat in den bog. Dis ist der kurtze-
ste tag in dem jare.
15. Sant Valerianus ein bischof.
16.
17. Sant Adelheit ein keiserin.
18.
19. Drissig rittere martel.
20.
21. Sant T ho man ein z weifbot te.
22. Sant Eugenie ein magt. 0
23.
24.
25. Der heilige tag zuo winnahten.
26. Sant Stephans tag.
27. Sant Johans dag.
28. Der kindelintag.
29. Sant Thoman von Cantelberg ein bischof.
* ein bock und ein einhorn in stofsender Stellung einander ge-
genüber.
366 DEUTSCHES CALENDARIUM AUS DEM XIV JH.
30. David des kiineges tag.
31. Sant Columbe ein magt. Silvester ein hobest.
Der stunden der nehte XVUI der tage VI.
In disem monot sol men nüt baden, men sol
ouch kein kole essen, zuo der hobt odern unde
zuo allen odern ist guot lassen.
Decemher. Hertmonot hat Capricornum daz ist der Steinbog.
wanne alse daz tier mit sinem hörne unibe stiohet unde umbe
wurffet daz ertriche umbe daz es sich ernere. alse tuot die
kelti in disem monote. daz sü alle ding durchstichet umbe
daz die natürliche fiihte üt erfule oder verderbe, unde alse
daz einhürne um des hornes wegen das houbet uf hebet, alse
stiget denne die sunne ouch w(ider) uf zuo berge.
AN3IERKUNGEN.
1. dies zeichen, welches sich im Jebniar nicht, im april einmal,
sonst in jedem monat zweimal ßndct, hat vielleicht, sowie die roth-
geschriebenen der tagnämen, eine beziehiing zu dem besondei'n fest-
cyclus der gegcud welcher das calendarium angehört.
2. ahter dag oder ahtede, der je achte tag nach einem feste,
seine nachfeier. in Schilters calendarium (thes. ant. Teuf. 1, 2
s. 73) gewöhnlich st. Johans {oder irer es ist) ahte.
3. Island. prellaDdi, nuriv. Ireltaudag, trettcnhelgen, schwed. tret-
toade, nicderd. dartiendendagh u. s. w. diese bezeichnung ist eigent-
lich richtiger als die des zwölften tages, da der löe dec. der erste
tag dieser rechnung ist. vielleicht trug man die bezeichnung der
vigilie dieses tages auf den tag selbst, so heifst auch der le Januar
mitunter der 7e tag (geieöhnlich richtig der Se), vergl. Haltaus ca-
lend. med. aevi s. 33 und iü.
4. neben der gewöhnlichen monatsrechnung läuft eine andere
alterthlimlichc welche jeden monat von dem eintritt der sonne in das
ihm hauiitscichlich entsprechende sonnenzeichen (d. h. in das des vor-
hergehenden monats) beginnen läfst, übereinstimmend mit der alt-
nordischen weise (vergl. FinnMagnusen, Specimen calend. gent., Edda
Swm. bd 3 s. 909 ff.), ivie mit der römischen (vergl. das von Finn
Magnusen s. 1020 angejahrte ciceronianische cpigramm) und den äl-
teren jahreseintheilungen , wovon sogleich, dabei ist aber zu bemer-
ken dafs der eintritt der sonne in jedes zeichen um durchschnittlich
8 tage zu früh gesetzt uu'rd, eine bekanntlich durch die mangelhafte
bercchnung des julianischen kalcnders entstandene ahweichung von
der Wahrheit, dadurch ist der umstand herbeigeführt dafs um eben
so viel tage auch die feststehenden anfange der vier Jahreszeiten
(11 febr., 25 mal, 24 aug., 23 nov.) von den durch jene irrige rech-
nung beweglich gewordenen anfangen der respcctiven sonnenmonate
DEUTSCHES CALEiNDARIUM AUS DEM XIV JH. 367
abweichen, während sie im beginn der julianischen reehnung naiüv-
livh mit ihnen zusammenßelen. so ist die scheinbar dreifache d. h.
auf drei verschiedene datcn fallende quarf alein fheilung im grunde
nur eine und dieselbe, der September nämlich heifst der erste herbst-
monat: beginnt man ihn nun der obigen bemerkang gemäfs nicht mit
dem \n des monates nach gewöhnlicher reehnung, sondern mit dem
eintritt der sonne in die Jungfrau, so ergiebt sich folgende j'ahres-
einlheilung.
1. stehendes datum nach der an- 2. wirklicher eintritt der sonne in
gäbe des calendariums {vergl. das resp. zeichen im jähre des
die genannten tage). calendar., nach jul. reehnung.
! beide daten 3, ent-
sprechend nach alter
art die 7nonafe zu
rechnen dem 1« des
Je nächstfol^'enden
monates.
übereinstimmend mit ägypt. vüm. griech. altnord. weise, vergl. Finn
Magnusen s. 1011/.
5. 'ut pagani tum gaudebant propter conversionem hieniis ad
vernae periodi appropinquationem — seculo nono primum a Christia-
nis obsercatnin inrenimus festum concei'sionis s. Pauli' F. Magnusen
s. 1060.
6. d. i. Chrysostumus.
7. dies scheint sich auf das zeichen des wafsermanns zu bezie-
hen, die erklärungen des calendariums schreiben von der oben be-
sprochenen art abweichend Jedem monat das sonnenzeichen zu dessen
anfang in seinen lauf fällt, der gewöhnlichen reehnung gemäfs.
8. bei dem \n mai, 24m sept. und \\n nov. ßndet sich die be-
merkung der vier lesse eine. der gen. plur. lesse kann nur einem
starken masc. oder neufr. gehören'"', bei dem freilich die schwache
form eine etwas sonderbar steht, aus der angegebenen zahl 4 und
den monaten mai scpt. nov. sieht man dafs von einem Vierteljahrs-
gebrauch die rede ist. man hat also den in lass, um das vermutete
wort sogleich zu gebrauchen, im febi'uar zu suchen, wo man ihn —
und zugleich die erktärung der ganzen sache — ohne zweifcl in der
zum \Zn hinzugefügten bemerkung ßndet der hiute lasset dem tuot
der ritt des jares nütt. es ist mithin vom aderlafs die rede, dies
kan7i sehr gut neben den bei Jedem monat gegebenen regeln über den
* rvenn man nicht ein apocopiertes n annehmen will, um ein fem. lese zu er-
halten, hierßir erinnert herr etalsralh F. Magnusen mich an die blumeniese des
in mai, an Petri Arautweihe und unser frauen würzweihe (1 und 15 aug.), vcrgl.
F. Magnusen s. 1102/ und in der Tidskriß for nordisk oldkyndighed, Zdet bind,
die abhandhing Den 1 nov. og den I august), und an eine vor hundert jähren
noch gebräuchliche holzlese im november {daher die ausdrücke leseholz, lesezeit,
vergl. Zink ücon. le.v. 1744. 1, 1653/.).
368 DEUTSCHES CALENDARILM AUS DEM XIV JH.
aderlafs bestehen: denn diese letzleren beruhen offenbar auf ver-
meintlichen allgemeinern diätetischen erfahrungen ; auf sie passen
die Worte der Zürcher hs. in Grimms myth. anhang s. xliv, und zit
halten erzenie ze gebenne. und zu den lessineu ist ouch nüt ze ver-
werfenne, während jene vier, bestimmten tagen ungehörig, mehr auf
aberglavben im eigentlichen sinne beruhen.
9. d. ?■. aschermittwoch.
10. 14 September. 11. 13 derember. 12. d. i. quatemherf asten.
13. der Schreiber des calendariiims hat in dreimaliger angäbe des
inondstandes r'iicksicht auf das eben laufende Jahr genommen, hier,
am 15« oct. und am 14« not'., an welchen tagen nach seiner angäbe
der mond des Je folgenden monates wedelt, diese mondrechnung ist
aber, wenn anders das dunkle wedel im fo'genden richtig erklärt ist,
nicht anders mit sich selbst in einklang zu bringen als durch die
annähme dafs der Schreiber die beiden mondberecfinungen mit einan-
der vermengte, indem er die erste bestimmung beim februar der
Wirklichkeit geniäfs {nach der epactenrechnung), die beiden andern
aber nur nach der goldenen zahl machte, vielleicht eben durch diese
verleitet, nämlich als goldene zahl für das Jahr dem er sein calen-
darium zunächst bestimmte hatte er I gefunden ; nach dieser setzte
er ohne weiteres den beginn des zunehmenden mondes {des wedeis)
auf den 15« oct. und 14« nov. ; beim februar rechnete er der wirk-
lichkeit nach die er vor äugen hatte und erhielt dann, wie die epa-
r.tenrechnung ausweist, einen neumond auf dem Z\n Jan. : also ßel
in Jenem Jahre ein vollständiger mondumlauf mit ausschlufs des in-
terluniuins genau mit dem monat februar zusammen, dies soll das
adjectiv wedel besagen, welches also die zwei phasen des abnehmen-
den mondes (der böse wedel) und des zunehmenden mondes (der gute
wedel, nach Grimms hierdurch bestätigter Vermutung myth. 2e ausg.
s. 674), mit ausschlufs der dritten, des neumonds, bedeutet, daher
abergl. 973 die drei gegensätze neumond, böser wädtl, abnehmender
mond, und myth. 'le ausg. s. 1223 in dem zusatz zu s. 674 die rech-
nung ein nuwe unde ein wedil, daz sint vier wochen, d. h. ein voll-
ständiger mondumlauf zugleich zeigt .sich hier dafs man Jedem
monat den mondumlauf zuschrieb dessen neumond zuerst nach dem
eintritt der sonne in das zeichen des vorhergehenden monats {vergl.
anm. 4) eintraj'. {ostersonntag ßel nach dieser rechnung in dem Jahre
an welches der schrciber dachte zwischen den 14« und den 20« april.)
14. festum annuntiationis, nicht zu verwechseln mit Mariac eh-
renlag 15« aug.
15. boleie von bol {Graff 3, 96) .* getränke auf zwiebeln gezogen
wurden vielfach als arznei gebraucht, vergl. z. b. Fuchsens new.
kreuterbuch Basel 1543 unter zwiebol. [vielmehr polet, pulegium. hpt.]
16. saWtile blüht im Juni und Juli, bolder {hollunder, sambucus)
und lattich im Juni.
17. garwele. garb, gcrwcl, sfratiotes millefolia. steinbreche,
VOM ANTICHRIST. 369
sau-ifraga ; die rothe blüht tun diese zeit, {hängt das tvortspiel über
abtlioii, rothe steinbreche, Grimm myth. anhang s. clxii. mit dem heil.
Abdun, 'iOn Juli, zusammen?)
18. 'salbet mit wermuot gesotten und getnmken heylet die rot-
rhuor^ Fuchs cap. 92.
19. wohl nur eine Übersetzung von october, ivie s. Fides (6oc/.)
übersetzt tvird s. Getruwe.
20. wintermonot scheint auf einem Schreibfehler zu beruhen, da
auf die übrigens verschiedentlich vorkommende jahreseinthcilung, nach
welcher der november der erste winiermonat ist, in diesem calenda-
rium weiter nichts hindeutet, so beginnt die altnordische und die
heutige norwegische rechnung den winter um die mitte des octobers,
d. i. mit dem \n nov. ältester rechnung, nach der oben erwähnten
Verschiebung, vergl. F. Magna sen s. 1015.
21. oder Eustathius ? das Heiligenlexicon {Colin und Frank/. 1719)
nennt an diesem tage iveder den einen noch den andern.
22. d. i. Eligius.
R. VON LILIENCRON.
VON DEM ANTICRISTE.
Swen wundert von dem Anticrist,
daz er also geheizen ist,
der merk an disem biiechelui
waz von im sant Auguslin
schribet; so verslet er wol. 5
daz man in also nennen scliol,
wan er an allen dingen
diu er mac voilebringen
wirt vestecliche wider Crisl,
der himel und erde schephaür ist. 10
Christus quam iif er trieb
gar diemüeteclich :
er kumt mit solher hochvart
diu nie mer gesehen wart.
Christus quam ze rihten 15
die Sünder und ze slihten
Die Handschrift {über die in dieser Zeitschrift 2, 9 gesprochen wor-
den ist) 1 . won, so immer. 10. himels zu schreiben ist leicht,
aber vielleicht nicht nÖthig. JFalther 35, 1 Liupolt, zwir ein fiirste,
Stfr und Osterriche. die hs. 15. riehen
Z. F. D. A. VI. 24
370 VOM AiNTICHRIST.
•swaz unrehte was :
fiir wäre schult ir wizzen daz,
der Anticrisl niht also tuot,
wan sin grozer übermuot 20
die guoten iiidert swä er mac :
der bösheit ie und ie phlac,
den eret er und ist im holt
und git im silber unde golt.
alliu tugent wirt im leit, 25
sin 1er wirl nuor von bösheit.
daz evangelje er verniht:
swen er h(Bret oder siht
der dar an gelouben wil,
dem git er leides also vil, 30
ez sin frouwen oder man,
daz nieman wol betrahten kan.
die guoten er verkeret,
des vindes dienst er mferet
mit so grözer valscheit 35
daz er den Juden danne seit,
er si der war Messias
der in gelobt ze kommen was
von gote in der alten e.
des tuot er ach unde wo 40
die in da für niht wellen hau,
kini, frowen, oder man.
Wer des Antieristes tlienar sint und ob ihl m^re
Antlcrist si daniie einer.
Xu merket waz er diener hat
und wer si sint, daz ist min ral.
und ob iht mcre Anticrist 45
si, werde, oder gewesen ist,
und sehen frowen unde man
ir eigen gewizzen an,
daz sin niht sin der Anticrist,
der leider uu vil manger ist, 50
oder sine dienser,
19. rul '2(5. lere '27. evangeli
VOM ANTICHRIST. 371
daz siu uiht gote werden sw?er,
als DomiciHiius
und Diocleciänus,
Herodes, Cypriänus, 55
Nero, Juliäniis,
Pilatus, Antiochus,
Pharao, Olibrius,
und manger der noch hiute lebt
und vesteclich von gote strebt. f»n
wan swelch mensche frävenlich,
er si werltlich oder geislich,
lebt wider die gerehtekeit
und boeslich sinen orden treit
und versma'ht daz guot ist, 65
er ist für war der Aulicrist
und ein diener Sathane,
vor gote verdampnet immer me.
Von des Anticristes ancvang'e.
Hie merket von sim auevanc,
und nieman habe des gedanc 70
oder sölhen arcwän,
daz ich von minem sinne hau
ihtesiht dar zuo geleit,
nuor daz ich min arebeit
hän mit lesen zuo getriben, 75
unz ich hän funden geschriben,
als uns der meister lerft seit,
daz er von der jüdischeit
her nach geborn werden schol,
daz schult ir gelouben wol, 80
des geslähtes von dem man
des name hat geheizen Dan,
als der wizsage sprach
daz er in dem geiste sach,
Dan werd ein wurm au dem wege 85
der da läget bi dem stege.
55. Cypranus 6'2. er fehlt. 74. min] mit 83. der wizsage:
genesis 49, 17.
24*
372 VOM ANTICHRIST.
als der slange läget
und in des niht betraget
daz er frowen unde man
niht ungeleidet läze gan, 90
also tuot der Anticrist:
swä der guote mensch ist
der den wec der wärheit
und den stec der rehfekeil
gerne wolte keren, 95
gotes lop ze meren,
die wirfet er vergilt an
der bösheit, als er wol kan.
Wie und von wem der Anticrist geboren wirl.
Ouch wizze daz er wirt geborn
(daz wil ich sprechen äne zorn) 100
von vater und von muoter
als boeser unde unguoter,
niht, als eteliche jehent,
von einer meil, die des nihl sehenl
noch vindent in den buochen, 105
ob si siu gar ersuochen.
diu werc werdent begangen
unde er wirt cnphangen
geborn in grözen sünden,
als ich iu wil künden. 110
swann er enphaugen werden schol,
daz weiz der übel vinl wol.
der vert in daz selbe wip
und besitzet ireu lip
und nicket in mit siner kraH 115
und würket eine wechselschafi
daz er sich vereine
mit im in alr gemeine,
als unser herre sinen geisl
saute, als du wol weist 120
und dir diu geschril't seit,
Marien zuo, der reinen meit.
lü*2. viule gnoter 115. niohpii
VOM ANTICHRIST. 373
daz er si überschatte,
mit gotheit ersalte,
von gote wurde swsere, 125
den heilant gebsere,
unsern Herren Jesum Crist,
als euch da geschriben ist,
also geschiht dem Anticrist,
als vor gesprochen ist. 130
der vint kumt in ein wip
and erviiilet iren lip:
er umbegit si gänzlic-h
unde haltet si gar vesledich,
liz und inne gewalteclich 135
er si besitzet sicherlich,
daz diu geburt die si hat
von irem man nach sinem rat
enphangen üf der erde
boes und verdampnet werde. 140
da von ist er nilit umbsust
genant ein sun der verlust,
wan er dar üf trabte
in aller siner ahte
wie er Verliesen möhte 145
menschlich geslähte,
und er selber wirt verlorn
ewiclich von gotes zorn.
\Va der Anticrist schol geborn werden.
Wie er geborn werden schol
daz habt ir gehoeret wol : 1 50
nu merket wä er werde
geborn üf der erde,
dö got unser heilant
sach diu jeemerlicheu baut
da mit uns bete gebunden 155
der vint zuo allen stunden,
er wolt erbarmherzeclich
komen üf daz ertrich
uns armen ze tröste,
daz er uns erlöste. 160
374 VOM AMICHKIST.
(laz moht anders uiht geschehen,
als ich die raeister hoere jehen,
nuor von menschlicher art.
wan ez also verschuldet wart,
und der ledic waire 165
der erbesünde swwre.
wä wair der mensch luiiden?
wir wären alle gebunden
mit der ungehorsam
froun Even und hern Adam. 170
Jesus Crist an allez meil
nam niht alein der sünde ein teil.
er nam die siinde gar üf sich :
6 herre got, des lobe ich dich.
er wolte mensche werden 175
geborn üf der erden
unde erwellc im ßefhie^m.
nähe bi Jerusalem,
da er inne wart geborn.
gegen uns des vater zorn 180
leit er abe gänzlich
und gap umb unser schulde sich.
diu selbe slal geheizen ist
ein stat des broles.
da wart geborn umb unser nol 185
der daz wäre himelbrol
ist da von diu cristenlieif
wirt gespisel und bereit
zuo den freuden ßwiclicli
die da sint ze himelrich. 190
also hat der vint erkorn
eine stat da wirt geborn
ein würz aller bösheit,
als uns diu geschrifl seit.
daz ist der boese Anticrisl. 195
der ofte vor genant ist.
diu stat ist Babylon genant.
in der werlde wit erkant.
183. 18i. vielleicht Reheizen is : brotis
VOM ANTICHRIST. 375
(1.1 siul zwo ander stete bi
die werdent im ouch bede tri, '-^^^^
Chorosaün Bethsäida.
den fluochet got und sprichet da
durch des wizsagen munt
'we w^' und tuol in kunl
waz in geschihl dar nach 205
daz in zuo bosheit ist so gäch.
da wirt er inne gezogen
und manic man von im betrogen,
da gewint der Anticrist
von aller hande zoubcriisl 210
meister die in spisenl,
Iferent unde wisent
fruo unde späte
nach des vindes rate
swaz nach bosheit mac geschehen. 215
ich hoere ouch die meister jehen
daz die vinde mit ir krall
sin in sinre geselleschaft
und im stsete zuo gesten
und fiirbaz nimmer von im gen. 220
Wie der Anticrist gen lerusalöm kunil.
Dar nach kumt diu veige fruht
gen lerusalem mit ungeuuht
mit freissamer grimme,
mit griulicher stimme.
in den tempel sitzet er 225
uf einen stuol und sprichet 'wer
sint die wider mir wellent sin,
nilit wellent wizzen wer ich bin?
des wären gotes sun bin ich.
swer eret unde erkennet mich, 230
allez daz sin herze gert
des wirt er von mir gewert.
swer aver des niht entuot
dem mach ich also heize gluol
daz kein kaniin nie wart 235
üf erde enzündet also hart.'
376 VOM ANTICHRIST.
er heizet wider macheu
in aller slahte sachen
den tempel den kiinc Salomöu
unserm herren werhle schön. 240
des ersten keret er zuo sich
kiinege und ander Fürsten rieh,
mit den mag er bedwingen^
die ander zuo im bringen :
da sumet er sich lützel an. 245
swä er mac oder kan.
die stete er alle stoeret
da er hat gehoeret
die Christus hat erliuhtel
und mit genäde erviuhtet. 250
er sendet euch durch alliu laut
sine boten säzehant
und sine prediga're :
die wernt der werlde swicre.
sin gewalt, sin valschiu 1er 255
wirt von dem nier unz an daz mer
und durch al die werlt gar,
daz sage ich iu offenbar,
dar nach tuot er zeichen vil,
als ich iu nu sagen wil. 260
diu bi uns nihl sint geschehen
noch gehoeret noch gesehen,
die boume bliient swanne er wil
und dorrent ouch zem selben zil.
daz mer wart nie so stille, 265
ob ez waer sin wille,
er machet daz ez wüete
und ziuhet wider in giiete.
er wandelt die näture
in manger slaht ligure. 270
er liiert daz weter swie er wil
mit winde regen schüren vil.
er tuot die toten ul' sten,
lebent üz dem grabe gen,
257. alle
VOM ANTICHRIST. 377
und ander zeichen äne zal, 275
daz diu werlt über al
vor vorhten also gar verzeit
daz vallent in irrekeit
(ich spriche, ob ez mac geschehen,
als ich die raeister hoere jehen) 280
ouch diu lieben gotes kint
diu von im erwelet sint.
wan swanne daz volc siht
so manic wunder daz geschihl,
so wirt von des vindes krall 285
niauic mensche zwivelhafl,
ez werden t zwiveln etelich
die nu mit gote vesteclich
habent sich verrihtet,
versiienet und verslihtet, 290
daz si vollekomen sint
und erwelliu gotes kint;
gedenkent ob er si Crist
der vor dem urleil künftic ist
ze rihten nach der rehtekeit, 295
als uns diu geschrift seit,
doch sint diu zeichen diu er tuol
mit sinem grozen übermuot
von des vindes bösheit,
von zouber und von valscheit. 300
si dünkent aver gar gereht
unde guot sine kneht
und die in grozen sünden sint.
an cristan gelouben blint.
Von der tlurcha-lituno-e des Aiiticrisles.
Dar nach wirt der Anticrist, 305
als von im geschriben ist,
von des boesen geistes rät
als wit diu werlt bevangen häl
durchaehle machen
von vier hande Sachen 310
279. Sprech 30i. An cristani
378 VOM ANTICHRIST.
über alle die sint erweit
und zuo der cristenheit gezelt,
mit gäbe zeichen eise
und mit des todes freise.
swer an in gelouben wil, 315
dem git er golt und silber vil.
den er also niht gewinnen mac,
dem tuot er drö naht unde tac,
daz im lieber waer der tot
danne leben in so grozer not. 320
den er also niht gewinnet,
wie schiere er sich versinnet
und reichet in mit zeichen an,
ez si wjp oder mau.
mag er siu danne gewinnen niht 325
mit zeichen noch mit anderm iht.
s6 bringt er siu in gröze not
und in den bitterlichen tot.
wan Sit diu werlt gestanden ist
unz üf die selben frist 330
wart nie so groziu triiebesal
als danne wirt über al.
Von der vorhlr die die iiute gex^ innent.
Do wirt nilit wan fliehen,
sich von dem wege ziehen.
nieman keret iu sin hiis ' 335
daz er iht trage dar üz.
der ab dem acker üf den berc
fliuhl, der würket beides werc,
da wirt dan niht anders an
wan daz ein ieglich Cristan 340
got und sine cristenheit
verlougen oder si bereit
zc liden isen oder fiur,
wurme, tier ungehiur,
oder anders marter vil, 345
ob er bi gotc bliben wil.
VOM ANTICHRIST. 379
diu jjemerliclie trüebesal
in der weilt über al
belibet vierdehalp jar,
daz schult ir wizzeii für war, 350
doch die tage gekürzet sint
dann umb die üz erweiten kint.
Iset des nilit unser herre got
von genäden und gebot,
so wier diu werlt alle enwiht 355
und würd daz Heisch behalten nihl,
daz ist der menschen krankheit:
niht anders mir min sin seit.
Wanne der Anlicrist oder der jung'isl tue
künftie si.
Swen wundert umb den Anticrist,
zuo welher zit er künilic ist, 360
oder umb den jüngsten tac,
ob er iht schiere komen mac,
der frag sant Pauls epistel des
ad Thessalonicenses.
ez si dann daz entwiche 365
vor von dem riebe
und ouch daz man künde
den menschen der sünde
und den sun der verlust,
so wirt die frage umbe susl. 370
nu merket waz dar nach get
daz ir die rede verstet.
Persiä nach dem künicrich
wurden andriu dem gelich.
ir iegelichez wol geriet, 375
fere unde guot biet,
daz roemisch rieh zem lesten wart,
daz nam üf an der vart
und begund sich meren
an guot unde an eren, 380
an gewalt unde an kraft,
352. wan? 365. 2 Thess. 2, 3. 373. Persay
380 VOM ANTICHRIST.
daz uuder siner h^rschaft
muosten sin gemeiniciich
alliu diu künecrich
die diu werlt mohte hän. 385
im wären ouch undertäii
alle diu geslähte
diu man gezeln mähte
in al der werlde landen
die Romser erkanden. 390
da von spricht sant Paulus,
der heilig apostolus,
daz in die werlt der Antikrisl
niht vor kiinl'tic ist
6 daz alliu kiinicrich 395
scheidenf von dem rremschen rieh
diu im vor gehorsam
alliu warn und undertän.
diu zit ist aver noch niht.
swie man leider wol sihl /«OO
daz daz roemische rieh
nu stfet so kränklich,
doch schult ir wizzen, liehen kint,
als lang die kiing von Frankrich sinl,
daz daz roemische rieh 405
niht zergßl gänzlich,
wan ez gehoerel siu an :
da von muoz ez die wile hcstän.
der leruT sprechent etelich
daz ein künc von Frankenrich 410
wirt besitzen gänzlich
daz selbe roemische rieh,
der wirt gewaltic unde groz,
der lesle under sin genoz.
swann er nu wol beschirmet hal 415
daz rieh nach erlichem rat,
so kumet er mit sinem her
gen lerusalem über raer
gevarn ül" den ölberc.
389. all' .ler
VOM ANTICHRIST. 381
er würket wunderlichiu werc. 420
er leit von im gar schöne
den zepler und die kröne.
da endet sich daz cristenluli
und daz roemische rieh.
und sprechent daz der Anlicrist 425
kumt in der selben Frist,
als sant Paulus gesprochen hat
und ouch vor geschriben stät.
ein mensch der sünden gofFent wirt,
ein wip in sünden in gebirt, 430
den verfluochten Anticrisl,
der ofte vor genant ist.
swie daz er ein mensche si,
im wont doch alliu bösheit bi:
er ist der sünde ein ursprinc : 435
er w ürket tiuvellichiu dinc :
er tuot des vindes wollen gar
beidiu stille und offenbar:
da von ist er sin liebez kint,
als alle boese liute sint. 440
er hat in menschen gestall
tiuvelischen gewalt.
ez werdent alle schätze
von bösheit und von tralze
in im verborgen, 445
der cristenheit ze sorgen.
er wirt an allen dingen
wider gote ringen
und wider alliu gotes kinl
diu in der kristenheit sint. 450
er hebet sich mit höchvart
über allez daz in gote wart.
über die göte gentium,
Apollinem Jovem Mercurium
(daz sint der beiden götte 455
der cristän gespötte),
über dise alle
erhoeht er sich mit schalle.
382 VOM ANTICHRIST.
und niht alein über siu,
ouch raere sag ich iu, 460
über die drivaltekeit,
als uns diu geschrift seit,
setzet er sich frilich
und sprichet 'wer ist mir gelich?'
wan, als vor geschriben ist, 465
ze Babylon der Anticrist
wirt geborn in der stat
als man gewizsaget hat.
hin ze Jerusalem er vert
in den tempel unde wert 470
swaz von Cristö wirt geseit,
wan ez ist im allez leil.
sin preputz besnidet er
und sprichet ' wizzet ir niht wer
ich si, so sag ich iuz zehant. 475
ich bin Cristus genant,
der iu 6 stunt gelobet wart,
nu bin ich komen üf diser vart
iuch ze samnen, swä ir sit
geteilet in die werlt wit, 480
mit helfe und mit rate
fruo unde spate
vor allem daz iu weiget an,
wan ich des wol gewalt lian. '
des frewet sich der Juden schar. 485
si kßrent an in alle gar.
si wsenent Messiam
sicherlich enphangen han.
si wizzen niht daz er ist
der tiuvel und der Anticrist. 490
nu merket wie man daz verstet
daz er in den tempel get.
der tempel da man von seit,
daz ist diu heilig cristenheit.
da sitzet in der Anticrist, 495
begerl mit allem boesem list
477. e fehlt.
VOM ANTICHRIST. 383
zuo der marter bringen
die guoten oder dringen
mit siner valschen lere,
daz siu im bieten ere, J'iOO
wan siner veigen hochvart
üf erlrich nie geliche wart,
daz houbel er an im treit
manger slahte bosheit.
daz ist den vint der hat erdäht 505
alle siinde unde bräht.
Ob tier Antlciist gsehellngeu kumt oder nilil.
Wizzet daz der Anticrist
niht githelingen künftig ist,
daz er zemäl die cristenheit
mit siner boeser valscheit 510
alle müge verliegen,
verderben unde betriegen.
zwen Propheten werut gesant
der werlt vor im die got bekant
und da zuo behalten hat 515
daz siu den liuten geben rät,
Enoch und Helias.
den wirt er tragen grözen haz,
wan si werdent lerent,
sterkent und bekerent 520
diu erweiten gotes kint,
swä siu in der werlte sint,
wie siu dem vinde gesigen an
der mit so mangem liste kan
an sich die werlt bringen, 525
mit unreht bedwingen.
dise zwene frume man
von den ich vor geseit hau
werdent predient offenbar
in der werlte vierdhalp jär, 530
und werdent diu isrelschen kint
von in, swä siu sint,
531. islrleisseii 532. nach von h\ feliU ein participium.
384 VOM ANTICHRIST.
von s6 grozer trüebesal
die si lident über al,
und setzent siu in statekheil, 535
daz in fürbaz nimmer leit
geschehen miige üf erde,
und ouch ervollet werde
daz wir geschriben \-inden
von Isräeles kinden, 540
ob allez ir geslähte
wser als unerphähte
als daz griez bi dem mer,
mit allem himelischen her
wirt ez behalten sicherlich 545
von gotes genäden ewecUch.
swann aber nü der Anticrist,
der ofte vor genant ist,
erfüllet sine predie gar
driu und ein halbez jar, 550
zehant mit zorn er grilet an
die zwen vor genanten man
Enoch und Helyam,
wan siu statte sorgsam
sint umb diu kristenheit gewesen : 555
da von lät er siu niht genesen,
er toetet siu, des ist niht rät,
als in dem huoch der tougen stal
geschriben 'ez göt üf ein tier
von dem abgrunde schier, 560
daz hebet gegen in den stril
und t(iet siu zuo der selben zit.'
swann er getnet die zwene man,
als ich vor gesprochen hau,
die dar nach geloubic sint, ^^^
man frowen oder kint,
machet er mit marter groz
aller martera're genoz,
oder abtrüUen,
daz siu die helle ervüllen. 570
540. isrles 546. gott 559. apocal. 11, 7.
VOM ANTICHRIST. 385
swer aver an in keret
und in mit dienest eret,
den zeichent er mit siner hanl,
daz er wite wirt erkant,
und alles des sin herze gerl 575
des wirt er von im gewert,
unz daz im in der helle grünt
für war wirt getan kunt
ach ach, w6 we,
ach und ach und immer we. 580
Von des Anticristes ende.
Kint, ir habt vernomen wol
wie und wä geborn schol
werden der Anticrist,
wie und w^anne er künftic ist.
dar nach merket nuor daz ein 585
daz ich an dem lesten mein,
wanne und wie er ende neni
und wie wol ez im gezem.
swann der veige Anticrist,
des tiuvels sun, der meister ist 590
aller bosheit offenbar,
hat gerichset vierthalp jär,
als da geschriben stät,
al die werlt betrogen hat
und die lieben gotes kint, 595
swä siu gewesen sint,
hat mit manger marter gröz
gemacht der martersere genöz,
getoet die forsten wunnesam,
Enoch unde Elyam, (500
und ander die des wirdic sint,
man frowen unde kint,
hat gekroenet sicherlich
unde gesaut zem himelrich,
dar nach kumt gotes zorn 605
über in, und wirt verlorn,
als Paulus apostolus
Z. F. D. A. VI. 25
38C VOM ANTICHRIST.
schribel daz in Jesus
sieht mit dem geiste, als er wol kan,
sines miindes lobesan. tilO
er sprichet 'seht, ich var da hin
von danne ich her komen bin,
zuo aller der angesiht
die mit mir habent pfliht,
zuo mines valer zeswer haut: 615
da wirt mir alliu freude erkant.
des schult ir alle frö sin :
ir komet schier zuo mir da hin/
die tiuvel zuo den lüften
füerent in mit giiften 620
als ob siu engel sullen sin,
ich sprich daz üf die triuwe min.
daz man wa'net sicherlich,
er var da hin ze hiraelrich.
so kuml der engel Michahel, <')25
sieht in mit libe und mit sSl
in der liefen helle grünt,
da wirt im ewediche kunt
w6 und ach, ach unde wß,
w6 we und immer we. 630
o siiezer herre Jesu Crist,
wan du der sünder loeser bist,
behüete uns vor dem selben we
daz da wert immer me.
amen.
Nach einer von horr/i ro/i Karnja/i //i/t^efhei/le/i nbschril't.
H.
387
HAUSEHRE.
, Den
kung zum JVinsbeken erläutern; sie überwuchs das mafs
vieiner ausgäbe und mag daher hier ihre stelle ßnden. einen
guten theil der zusammengetragenen beispielc hat schon
Haltaus in seinem glossare angeführt.
In der 5n Strophe des fVinsbeken, wie in der Über-
schrift welche die Berliner handschrift der 47« vorsetzt,
ist hüsere freigebige Verwaltung des hauswesens, gast-
freundliche bewirtung, die vor allem dem hause zur ehre
gereicht, ebenso scheint dies wort zu verstehen in einein
Spruche Rei?imars von Zweier MS. 2, 124 (Hag. 2, 199)
Der tören milte töre lobet.
swer daii dur toren lop sin guot vertoeret unde vertobet,
der habe der toren lop und si da bi an ere und äne guot.
diu minne hat ir toren ouch :
er (/. erst) wol der minne tore und rehler witze ein goucli,
swer wol gewibet ist und üf ein ander wendet sinen muot,
swer ouch turnieren minnet also s6re
daz er da bi vergizzet der hüsere,
dern hat der mäze niht behalten,
ein gnuoc turnieren daz ist guot:
ze vil an allen dingen tuot
bruch an dem lobe, sus sagent die wiseu alten.
ganz deutlich sind die folgenden stellen.
Konrad von fVürzburg G5 C {Hagens Minnes. 2, 325')
Hüser ist ein gnade
rieh diu fremden gast
üz vil sorgen wiset
und die wirte priset
baz dan al ir tugent.
sam daz golt cycläde
breitet sinen glast,
also kan si nieren
25*
388 HAÜSEHRE.
pris ob allen eren
iiödigeborner jugent.
da bi troestel si daz alter dem si Iröide enlsliuzet.
von hüsere wirde fliuzet
lobesain.
ir guot vvol erschiiizef,
wan ir giiete niuzet
will beid unde zam.
</er Meifsner 4 J {Hagen 3, SB'')
Husere dri dinc baben wil, als ich bescheide :
gnuoc edeler spise und guoten trunc (diu zwei diu prise ich
beide),
und daz der wirt zegegenwertic si,
daz gesinde [si] dienslhaft, willic, wol gezogen :
so heizet ez hüsere, daz ist war und ungelogen,
ist der wirt vrö, der gast wirt sorgen vri.
husere ist der besten lugende eine, seht, diu ie gewart
üf erden :
hüsere leschet siinde; hüser pflägen ie die edelen und
die werden :
hüsere sol sin offenbar und unverborgen;
hüsere sol enpfän den gast den äbent und den morgen :
solher hüsere wonet stelde bi.
derselbe 30 J (Hagen 3, 91^)
Swenn ich den biderben wirt da heime suoclie.
der gebe mir sineu gruoz, ob ers geruoche,
daz ich sin ere breite in der kristenheit.
ein vrcelich gruoz und ouch ein vriuntlich \ragen
ensol dem biderben wirle nimmer tragen :
sus vreuwe er sinen gast, so swindel im sin leil.
daz sint zwei vil edeliu gerihte
da mite ein wirt den gast am ersten vreuwen mac.
swaz man dar nach git von geschihte,
daz lobet der gast, der hüsere man wilen plilac :
des (der?) phlegenl noch die werden und die beslon.
swenn so der wirt ist vro mit sinen gesten,
so ßrent si den wirt der nach vil manegen tac.
Frauenlob s. 48 Ettm. sagt von Rahab die Josaas spaher
IIAUSEHRE. 389
den selben Ijc
behielt si ir hüserc
unde gap in lere.
diu slat verdarp, ir war nie niht von keiner siihte sere.
do genoz si des daz si si e lieplichen het enplangen.
dilz ist glich, swer husöre hat,
daz der wirt vri vor misselat.
an keiner slat
got in niht lat.
habt huser, so enpfahl iuch got in siner niinne Zangen.
derselbe s. 222 bi richer traht ein vüler dunst, daz heize ich
niht hiisere. nnd ebenso irird gemeint sein was er s. 243
von dem grqfen Ludirig twn Ottingen sagt, bösere kan er
walten, 7ind der Kanzler MS. 2, 244'' von dem adel,
du friihtic fröide gebender sfam,
din süeziu fruht ebt alle tage ist niuwe.
hüsöre und da bi rebtiu schäm,
bescheidenheit, manheit, zuht, milte, triuwe,
ditz sint die bernden esle din.
Hang von Trimberg im Renner s. 15'* der Bamberger aus-
gäbe
siiln si brot geben, daz ist in leit.
si sint selten milte wirte.
in einem dorl'e ein armer hirte
ga;b mere brotes zaller stunt
denne ir ein der hundert pfunt
oder m^re hat [sßre] beslozzen,
der wenic ieman hat genozzen.
swer sich fremder koste went,
nach hüser selten er sich sent.
Ottacker s. 26
der truhssez von Velsperc,
der so tugentlichiu werc
begienc mit bus^re,
so daz im niemen mere
dar an moht geliehen.
derselbe s. 352
herren Andre bat er sä
daz er mit im ze hiise rite
390 HAÜSEHRE.
uiide da von ime lite
hüsere unde gemach.
derselbe s. 431
und da Martha Jesu
manige ere erbot,
swenne im des was not
daz er zuo ir kam
und husere da nam
diu im güetlich wart erboten
unde sinen zweifboten.
Ernst von Kirchberg, bei JVestph. 4 s. 706
daz wort ist war und unverzaget
daz man von den Wenden saget,
kein volc man vindet nindert möre
daz so gröze hüsere
sinen gesten kan gebieten
und sich der friuntliche nieten.
/// der er zähhing vom kotzen 229 (Kol. cod. s. 151) der
alte ward
— gewiset in den sal
da er durch hüser manic mal
vil willeclichen het gegeben.
so läfst noch Goethe seinen Hoffegvt zum papagei sagen
ich dächte, ihr rettetet indess die hausehre und gäbt uns etwas
zum besten, ebenso ist sin hüs eren gemeint vom bruder
Werner 26 CJ {MS. 2. 164^
\i\ maneger under wilen guot dur giude bi den fröm-
den zerl,
den man da heime siht in grozen schänden,
swer beidiu top behalten wil, der er sin hüs. daz ist
min rat :
daz wazzer niender ist so guot so da ez üz von Sprunge gat.
die nngeßihrten stellen lafsen auch in einem bekannten
ausdrucke Walthers von der Vogeltoeide bestimmte bezie-
hung auf gastfreundlichkeit erkennen, 105, 23 man seit
mir ie von Tegerse, wie wol daz hüs mit eren ste.
Jlber auch ohne alle beziehung auf gastfreundlichkeil
oder beirirtung bedeutet hüsere die ehre des hausherrn. in
der erznhlung vom kotzen 265
HAüSEHRE. 391
so Diuoz er min herre sin
und ze tische obhalp min
nach hüses eren sitzen,
ivie es der würde des hausherrn gebührt. fVolfdieterichs
hegehren die ersten mej'serwürfe zu thun veriveigert Belian
mit den Worten nein, — hüsere muoz für gän, Pfäfzer hs.
hl. SV z= heldenhuch ron 1590 bl. 125*. in der hedeutung
ehrenvolles hausstandes oder lebens steht das wort hei dem
Suchensinn in Fichards J'rankfurtischem archiv 3,235
0 Söchensinn, gib frauwen rechte lere.
wiltii hüsrr mit eren liän,
so salin semlich orerünen lau ;
so wirt dir genzlich underlän
gotes hulde und diu hüsere.
Die ehre des hausherrn besteht aber vornehmlich darin
daj's er in seineyn hause frei schaltet, geschützt und schutz-
verleihend, hierauf bezieht sich im schioähischen landrecht
cap. 233 IVack. ein ieglich man mac einen sehter wol über
naht behalden joch mit wizzen, unde er sei in des morgens
lazen rifen. daz ist gesetzet durch des mannes hiisere. in
dem erweiterten texte ist noch hinzugefügt von der hiisöre
ist vil guotcr dinge komen. noch deutlicher ist hüsere das
recht uagefiihrdetcr ruhe und Sicherheit des hauses i?n 13w
artikel des Münchener stadtrechtes, in Auers ausgäbe s. 1 f.
waer auch daz ainer den andern anchlagt, er hab in haimge-
suocht mit gewaffeuter haut in seinem haus und hof, stet er
im des an laugen, so sol er imz pezzern mit v lib. du. und
dem richter sein puozz v lib. Ix da. : stet er aber sein mit lau-
gen, so sol er seinen aid dafür tuon, ez mach dann der an-
chlager war zuo im mit zwain die ez gesehen habent, die
des mit im swernt, des sol er geniezzen. rettet er aber sein
hauser an totschlach, er ist dem gericht nichts schuldig und
auch dem den er haimgcsucht hat. Haltaus s. 840 giebt diese
stelle aus Heumanns ausgäbe des haierischen landrechtbu-
ches s. 100: dort lauten die letzten worte und ouch dem
der in haym gesucht hat, ebenso in Frei/bergs samml. hist.
Schriften und Urkunden 4, 449, offenbar richtig, denn in
dem schlufssatze dieses artikels ist von dem klüger die rede,
nicht von dem Verbrecher.
392 HAUSEHRE.
Mit anderer wendung des begriffes ist husere die Ver-
waltung des hauswesens, das freie haiisherrliche schalten
mit haus und habe, in der Überschrift des 45n capitels des
schwäbischen landrechtes Wie lange ein man husere haben
sol und in der erzählung vom kotzen 20 beidiu sin hüser
und sin habe sinem lieben sun er seit.
Daraus zweigt sich die allgemeinere bedeutung des haus-
wesens ab. Schilter hat im glossare s. 272* aus dem Strafs-
burger bürgereide die ivorte — sine beste husere hie in der
stat Sträzburc zu haben ; andere stellen aus Strafsburger
Ordnungen und acten Oberlin s. 625, — frembde condem-
nirte personen welche ihre beste hausehr in der stadt nicht
hetten. — lit ein solicher knecht an veilera wurte zu zerende
und hat noch kein husere, weder fuir noch rouch. — weliche
aber ir höfe hie inne haben und doch ir beste huiser und ir
meiste wonunge de (da?) uls liaben. — und hielte kein huls-
ere bilz das 31. zu im kerne und by im were; da kauffle er
ein betl und iiij lylachen. andere stellen giebt Haltaus
s. 440/.
Heut zu tage ist hausehre fast nur noch in der bedeu-
tung brauchlich in der es Luther angewendet hat der ps.
68, 13 das hebräische r)"^z~m: so übersetzt, und die haus-
chre theilet den raub aus : die griechische Übersetzung giebt
•/Ml M^uiÖTtjTi Tov o'ixov difkf'a\}ui axvka, die lateinische vul-
gata et speciei domus dividere spolia. erfunden hat Luther
die anwendung des Wortes schwerlich : ich denke schon in
dem mhd. gedichte von den neun rittern MSH. 3, 441" irird
darauf angespielt, diu vrouwe min ist ein eren hüsgerüste.
hierher zieht Haltaus mit recht aus Megisers mir unzu-
gänglichem' libellus de proverbiis' (Leipz. 1605 s. 224J das
Sprichwort hausehr ligt am wcib vnd nit am mann. H.
393
ZWEITE HANDSCHRIFT VON GRIESHABERS
ALTDEUTSCHEN PREDIGTEN.
l^on den altdeutschen predigten welche Grieshahcr in
einer schöne?i ausgäbe bekannt gemacht hat war meines
lüijsens bisher nur die einzige handschrift des Herausge-
bers vorhanden, aus einer vergleichung des abdruckes mit
den altdeutschen predigten einer von dem hiesigen gehei-
men rath professor dr Nebel zu Augsburg erworbenen bo-
gengrofseii papierhandschrift in schwerem sogenanntem
mönchsband, welche hinter je?ien predigten (143 blättern)
noch des Magister Hainricus de Hassya tractat de confes-
sione deutsch (46 Ä/.), dann lateinische sermonen (47 bl.)
und fromme betrachtungen und dergleichen mehr (23 bl.)^
endlich ein lateinisch- deutsches vocabular vom j. 1429,
über ordiiiis reriun (31 bl.), enthält und auf der aufsenseite
des einbandes vorn die aufschrift Sermones domiuicales in
vu}gari in fine aliq' in latino CCCCXVII. trägt, ergiebt sich mir
eine zweite handschrift. sie icird gege?i oder um 1400 ge-
schrieben sein, und es lafsen sich an der durchgängig le-
serlichen Schrift zwei hunde unterscheiden, von denen die
zweite mit bl. 61 beginnt, jede blattseite spaltet sich in
zwei columnen von je 36 — 41 Zeilen, die stellen des an-
fangsbuchstabens der hs. und des einer jeden predigt sind
leer ; diese buchstaben, denen zu liebe jedesmal mehrere
Zeilen eingerückt sind, sollten später hinein gemalt werden,
die predigten selbst endigen mit bl. 142*; bl. 142'' sp. 1
bis bl. 143'' sp. 1 steht ein lateinisches Verzeichnis der in
den predigten vorkommenden geschichten. die predigtefi
beginnen bl. V mit dem kirchenjahre, so dafs also in der
handschrift auf einander folgt was bei Grieshaber 1, 155
— 167, 2, 1 — 150 u?id 1, \ Jf\ abgedruckt ist. aber die
beiden fastenpredigten bei Grieshaber 2, 66 — 82 hat die
hs. nicht, sonderti sie geht gleich von dem Sonntage Quin-
quag. auf den ersten sonntag in der vasten über, dage-
394 GRIESHABERS ALTD. PREDIGTEN.
gen lafsen sich die lücken in Grieskal/ers /is. am- dieser
zweiten ergänzen, es fehlt lidmlich bei Grieshaber ein klei-
ner theil der fredigt am ersten adrentssonntage, die am
zweiten ganz und die am dritten zum grasten theile, fer-
ner der kleinere theil der predigt am sonntage Rogate,
die am hi/nmel/ahrtstage (aufferttag, über Hiob 39,27) ganz,
die am sonntage Exaiidi fast bis zu ende und von der am
pfingstfeste nur der schlufs dien dan got allain, endlich der
graste theil der predigt am 8n sonntage nach pfingsten,
die am 9n sonntage nach pßngsten (über er. Luc. 16, 2
reddi rationem u. s. w.) ganz und von der am Idn sonnt,
nach pf (wie der Schreiber der hs. durch beisatz am rande
zählt; bei Grieshaber ist diese predigt die am 9n sonnt,
nach pf) der kleinere theil zu anfang und der gröste am
ende, nur die lücke in der predigt am 21n sonnt, nach
pf bei Grieshaber 1, 148 läfst sich aus dieser zweiten hs.
nicht ergänzen, denn diese, ivelche überhaupt mit Gries-
habers hs. nicht immer wort für wort übereinstimmt, son-
dern bald eine bei Grieshaber in der ausßlhrung ange-
wandte geschichte bald einen spruch oder eine lehranwen-
duftg übergeht, bald einige wörter oder selbst sätze mehr
oder minder bietet, bald auch in der Ordnung der tvörter
unbedeutend abweicht, fingt in der predigt am 13» (bei
Griesh. I2n) sonntage nach pßngsten bei der ausfühming
des vierten Schadens an mehr zu kürzen und wir erhalten
fortan in der hs., gleich als w^nn der Schreiber derselben
der langen mühe überdrüfsig gewesen, wäre, mit der pre-
digt auf den 16// (bei Griesh. 17//) sonnt, nach pf bis zu
ende der handschrift nur predigtskizzcji, welche dann in
ausjührung der einzelnen punkte am 18// (bei Gi^iesh. \7n)
sonnt, nach pf. und weiter von Grieshabei's text völlig ab-
weichen, übrigens folgt auf die predigtskizze über Serve
iiequam u.s.io. Matth. 18 (Griesh. 1, \A\ ff.) zunächst eine
über Est puer unus hie //. s. w. Joh. 6, 9, aber verschieden
von der über denselben te.vt handelnden predigt am An
fastensoirntage {Griesh. 2, 106 ff.), dann erst eine über
Reddile ergo que sunt cesaris cesari //. s. w. Matth. 22, 21
(Griesh. 1, 148), und endlich über Cum eiecta esset turba
'/. s. w. Matth. 9, 25 (Luc. 8, 54). womit die predigten
GRIESHABEKS ALTD. PREDIGTEN. 395
schlkfsen, indem der Schreiber sein Explicit über Deo gra-
tias darunter setzt, die abgerifsene stelle bei Griesh. 1, 83
^. 5 — 24 findet sich, so viel ich gesehe?i habe, in der
handschrift nicht.
Das in dieser Zeitschrift 5, 239 von Jacob Grimm und
5, 575 sowie in dem vonvort zu deti altdeutschen predig-
ten 2, VII von Grieshaber besprochene betrogen ist auch in
der papierhandschrift bl. 107'' sp. 1 und 2 durch bet°gen
abgekürzt, das von Grieshaber als beleg dieser kärziings-
iceise angeführte gespchen {Griesh. 1, 17 f.) ist in der pa-
pierhs. bl. 112*"' immer ohne diese kürzung geschrieben,
gesprochn. aber ^roz findet sich bl. 84^ sp. 1 (in dem bei
Gtiesh. 1, 29 fehlenden stücke der jiredigt am 5n sonntage
nach Ostern) gekürzt gl's. ebenso steht bl. 66*, 1 (Griesh.
2, 138 z. 21) pet° =3 Petro. übj'igens finden sich die ge-
wöhnlichen kür zungs zeichen häufig in der hs. am rande
stche.7i öfters befseriingen des Schreibers und kurze anga-
ben, zum theil zur Übersicht des im texte enthaltenen.
In vergleichung mit den eigenheiten der hs. Griesha-
hers merke ich nur einiges an. die häufigen bald alten bald
rohen end-a bei Grieshaber (vergl. 2, X\) finde ich in der
papierhs. nicht mehr, dagegen bietet diese noch hier und
da andere alterthümliche zum theil auch bei Grieshaber
häufige formen, wie pettot (Griesh. betot), anpettoten, pet-
toten in an, ladot (3 sg. prät. ind. bl. 35'', 2), vnsawbroten
(Gr. 1, 58 ferspiuwen), wainot (Gr. I, 61 z. 23 wainet),
solbot (6;r. 1,44 z. 36 salbot), miirmuroten (Gr. 1,49 ä. 25
murnieroten), mürmlot (hs. bl. 96'') chlaidot, ziichtigot, pei-
nigoten (bl. 138% 1), wimdrot, nackchot (bl. 35^, 2), fronten
(nur einmal, wo bei Gr. 1, 57, 23 vriiinden; sonst hat die
papierhs. frewnten) u. a. m. dahin rechne ich auch ver-
worrene formen der hs. wie erparmot (Gr. 1, 61 z. 23 er-
barmet), werot (bl. 96% 2), er derrettot (bL 74% 1), er wor-
tot (d. i. wartot, bl. 12l\ 1), er vvainat (bl. 120'', 1), vor-
derbat (d. i. verderbete, bl. 138", 1), spottat (3 sg. prät.
ind. bl. 35% 2. 35"', 1), spoltaten (bl. 35'', 1) u. a. m. *,
* steht hier a statt o: wainut vorderböl spotlöt spottoten? we-
Jiigstens bietet die hs. genazzen ( n: gaste, Gr. 1, 47 hat gemassen)
geliarsaiu aehs ii. a. statt genozen gehorsam olise. dagegen aber hat
396 GRIESHABERS ALTD. PREDIGTEN.
und participia frdsentis wie wainfmd {hl. 39", 1;, chlagund
(such in mit wainüde hercze vnd mit chlagüden äugen hl.
20"*, 1, vergl. Gr. 2, 14 z. 4), vastund u. a. was einzelne
^vorter angeht, so ist die von Schneller {hei Griesh. 2, VII)
besprochene partikel et der hs. Grieshahers in der papierhs.
dnrch dan oder dann, denn {Gr. I, 111), auch durch als
{Gr. 1, 59 s. 8) vertreten, der sporte {Gr. 1, 17. 21) durch
den zagel, tober {Gr. 2, 20) durch sumpprär, hirte {Gr. 1,
6/.) durch herter (wonehen aher auch hiert und hirt 2?or-
kommt)^ knüllen mit trefsen (Gr. 2, 37) f/wrcÄ vnchrawt.
/z/.y hinsichtlich der form auffällige Wörter in den stücken
welche in die lücken hei Grieshaher fallen, hehe ich voder
und vodern statt vorder und vordem hervor, voder in der
predigt am In adventssonntage hl. 6'', 1 der dritt tag der
haist ein tag der fre\vden vnd aller eren, das ist ein guter
tag : wann als der voder tag haist ein tag des zorns vnd des
jamers, also haist der ein tag der frawden, tmd vodern in
der predigt am 9n sonnt, nach pfingsten ühcr Lucas 16
{hl. 118% 1) er {s. Laurentius) sprach 'sich, chayser, den
schäcz den du an mich voderst den habent di'= arme lewt die
du vor dir siechst in die himelischn schacz chamer getragen.
die stelle für vorder hei Gr. 1 , 98 hietet die, wie bemerkt,
mitunter in der predigt kürzere papierhs. nicht, was die
einschiehsel Grieshahers betrifft, so bemerke ich hinsicht-
lich derer die ich verglichen habe dafs 1,2 ^.3 {hei Gr.)
die hs. hat das ich stözz meinen A-inger in sein seittn, 1, 20
z. 4 ich han euch noch vil ze sagfi, z. 19 da von mag mich
ewer chainer gestrafFn vnib die snnd. 1, 96 z. 32 vfi da vö
spricht aber das heilig ewangelium. fremdwörter endlich
scheinen de?n schreiher nicht ohne ausnähme verständlich
gewesen zu sein, wenigstens läfst sich dies bei mandäte
vei^muten, tvenn in der hs. hl. 75'', 1 {Gr. 1, 12) steht da
got an dem antloz tag as mit de iügern vfi mit in die man
dabei begangn. die andere stelle wo das ivort hei Gries-
haher vorkommt (2, 127), und welche der handlung des
pnpstes am samstage vor dem palmsonntage gedenkt, steht
sie (tiifh z. b. si wonten worheit gestroffö neben gestraffn) antloztag
statt wanton wärlieil frestrafeii antläztac.
(iRIESIIABERS ALTD. PREDIGTEN. 397
/// iler hs. nicht: die rede geht in ihr ohne auf enthalt
weiter.
Noch will ich nicht unerwähnt ItiJ'scn daj's die hs. nicht
selten w statt b setzt, s. b. wettrog wewert wesiczen wer-
herten wabilon, und umgekehrt b statt w, z. b. pebert
(= bewserel) versbelt (= versweif * ) bas gebesen geballig
albeg u. a., oder in eijiem wort beiderlei Verwechslung,
z. b. webart. ßir gleiche Vertretung beider laute bietet auch
die hiesige hs. der tochter Sion des bruder Lamprecht belege.
Eine kleine probe zur vergleichung mit Grieshabers
t€Xt, das ende der predigt am 5n sonntag nach epiph. (bei
Gr. 2, 44), möge hier den beschluj's machen. Ze dem vier-
denmal so suU wi^r merchen das engelisch anipt an den Wor-
ten das das heilig ewangelio {bl. 34', 1) spricht, das der
(/. der herre) sprach ' swenn das snit chumpt, so snllen di"^
sniter den raten zu piischeln pindeii, vnd daz man den in
fewer warf, aber den guten ehern den wil er legen haissen
in sein stadel. wer ist nu der raten? sich das sind all sun-
der, di"" schaident di^ heiligen Engel von den guten vnd wer-
fent si in das ewig fewr, das ist in di"" ewig verdampnuss,
vnd das sy ach vnd we ymmer schreynt. wer ist aber der gut
ehern? das siut di" guten vnd di^ gerechten vnd di*^ got mit
ganczem vleizz all ir tag habent gedient vnd di* habent ge-
peicht vnd gepessert als vil si möchten vnd als si ir peichti-
ger hies : di*' samment di" heiligen Engel an dem Jüngsten
tag in das ewig himelreich da si wunn vnd all frawd habent.
Nu pitt wir hewt den zarten got von himelreich das er vns
helf daz wir also hie leben auf diser weit, swenn das snit
chom, das ist der jungst tag, das vns dann di'' Engel auch
legen in den stadel der ewigen frawd. vnd das vns das wider
var des helf vns der vater vnd der {bl. 34% 2) sün vnd der
heilig gast. Amen.
Giessen am himmelj'ahrtstage 1847.
DR WEIGAND.
" vergl. nieder d. swelen welk machen, dessen wurzelverbum gr.
2, 39 nr 317 {ags. svelan). versbelt A-ootot? vor i« der erzählung von
dem verßuchten Jeigenbaum in der predigt am 8« sonnt, nach pj.
{lücke bei Griesh.) also gie er aines täges hin wider mit seinen jun-
gern vnd chöm aber zu dem veigenpawm. do was er mit wiirczen vnd
mit laub vü gar vii gar versbelt vn erdört.
398
MITTELHOCHDEUTSCHE LIEDERDICHTER.
1. Die Worte des Füllers MS. 2, 5P ro?i fViene icuvre
ich gerne hin witler an den Rin ziio der schienen, diuhte
es den k'dnic zit bezieht lierr vou der Hagen Minnes. 4, 411
mit recht auf könig Rudolfs belagerung von Wien vom 18n
october bis zum ende des uovembers 1276, über welche jetzt
Kopps Geschichte der eidgenössischen bünde 1, 157 — 164
nachzusehen ist. die heimat des dichters wird noch deutli-
cher als hier in der schlufsstrophe desselben liedes bezeichnet,
wil ieman gegeri E/s(hen lant, der so/ der lieben tuon be~
kant daz ich mich senen u. s. w. ich finde in Würdlweins
Monasticum Palatinum 3, 27 einen Woljramus Puller de
Mundeveit als zeugen einer im jähre 1251 von Rudolf von
Fleckenstein ausgestellten Urkunde über einen güterverkauf an
die ecclesiu Ulerinae vallis, d. i. an das kloster Eufserthal
nicht weit von Trifels.
2. Nicht 3Iatthias von Trostberg, der 1348 vorkommt
(v. d. Hagen 4, 412), ist der erste ritter dieses geschlechtes
der sich nachweisen läfst, sondern 7?. de Trostberch erscheint
als zeuge in einer zu Sempach II kal. febr. 1304 ausgestell-
ten Urkunde Rudolfs grafen von Habsburg, bei Herrgott Geneal.
dipl. 3, 587.
3. Der vonStamhoiin sieht in der Pariser liederhandschrifl
vor baierisclien oder österreichischen dichtem und \vii"d ebenfalls
in jene gegenden gehören, wo wir überhaupt die nachahmer
Neidharts wohl zunächst zu suchen haben. Adalbertus de Staini-
heim in den Göttweicher traditionen 3IB.29,2,61. Liupoli et
frater eius Adalbertus de Stamheim in einer Urkunde des
bischofs Regimbert von Pafsau, Lorch 1147, 3IB. 28,2, 108.
Liujwld de Stameheim MB. 7, 462. Stamheim wird schon
im achten jh. erwähnt 31B. 28, 2, 55. Chtinradits canonicvs
de Stamheim in einer Urkunde bischof Wolfkers von Pafsau
vom j. 1194 3IB. 28, 2, 263.
BRi:cnST. AUS KONR. V. WURZB. TROJ. KRIEGE. 399
4. Das Chronicon Colniariense bei Böhmer Font. rer.
Germ. 2, 65 erzälill de cisione vagabundi dicti Sece?'e. dies
wird kein anderer sein als Dietmar der Setzer, dessen sprach
von den kargen und von den milden herren (MS. 2, 120°)
der gedankenrichtung eines fahrenden mannes ganz ähnlich
sieht. H.
BRÜCHSTUCK AUS KONRADS VON WURZ-
BURG TROJANISCHEM KRIEGE.
Doppelblatl einer pei'gamenths. des \An jahrh. in klein-
folio zu zwei spalten von je 40 Zeilen, der Ponicknu-
schen öffentlichen bibliothek zu Halle gehörig, ivahrschein-
lich ehemals als rorsetzblatt benutzt. a?n obern rande feh-
len je drei bis vier verse. von bl. 2"* sind die enden, von
bl. 2' die anfange der zeilen abgeschnitten, das erhaltene
entspricht den versen 23480 — 23634 und 24274 — 24429
des müllerschen abdrucks. es fehlen mithin dazwischen vier
blätter, oder die beiden mittleren doppelblätter einer läge.
Abweichungen vom Müllerschen drucke: {bl. 1") 2.3482. Der iege-
licbes w. 83. do 86. zeime vng^. 89. erzv get 90. eiaes
94. Kriecheo 96. De der vil Imbesche P. 97. wurde . . kvnst
besweret 98. Hie wart d. trom beneret. 99. bezeichenlicher
23500. kvnegin 1. glantze 2. Ich ni. do si d. 3. bescheiden-
liche zeiner st. 5. Dv {so stets) 6. Troieren vn 7. zenuteii
9. hiez 11. leben 13. Vant 14. kindez {bl. l'') 17—19
fehlen. 20. ergraben 25. och a. sine b. 27. 28. Tr. v. im
kv nftic w. De wart erfüllet vö der vart D. s. d. kr. vlizzen
30. Swc 31. geseite bi dem selbe t. 32. vmb 33. beschei-
denheit 3-4. vart 37. wurde 39. diz 41. durh besehirmens
42. gehShit wart 51. da/. 54. nam einen 55. vel {bl.V)
56 — 59 fehlen. 60. Do nibt ergangen 61. De der vil tvge ndebere
62. kvmen 63. Son het .... genvme 65. iemerliche 67. He-
lenen 68. herzeliebe nach 72 svs nam dv vachil vü ir rtich
74. bezeichenliche ein e. 83. wiz 84. worte pris 88. wizza-
gvnge 90. do 91. begonde m. d. lebtagen 92. den fehlt,
{bl. 1<1) 95— 97 fehlen. 23601. d. s. erhub nah dirre vart. 3. der
Griechen 6. dv manigem 7. iemerliche ein 9. /,^az toc hie
langv rede von 11. Menelao 12. gestrichen 15. ir worben
starcke r. 16. riebe magen er. 17. hande 20. Kospere vn
400 ALTVIL.
22. dar liiezcn dise zwene 23. 24. kvmen : genvmen 2ß. same-
nvnge sollen 28. buche 29. 30. kernen : nemen 34. brahle
{b/. 2") 24274. eime 75. furle 76. seite 79. kvnige
82. für g&t 83. iv sage 88. gefugit 89. hie gesagit 91. wart
92. Sil 97. freuellichr- «J8. vfi not. 24304. von vns han
5. vNver toht' 9. hiezent iv {bl. 2'') 10—12 fehlen. 18. aleine
25. vfi 29. eime 30. ir blument vii ir 33. trage 37. ir /.
40. iv danne 41. vii also nach 43 Als iuw hohiv m . . . .
45. sol dv (6/. 2") 50 — 02 fehlen. 62. der rede fehlt. 63. swer
74. houediet 89. doh gesigen (bl. i-^) 90 —92 fehlen. 93. dez
95. gebot de Effigennia 98. wurde . . . wille 24401. eime
3. schonen brahte man 3. leben da v. 4. VG zeinem opfir wurde
braht 5. waren 6. gemeine vü algeliche 8. al d' 10. opfirs
13. in vn sante 18. gesluge 19. clare . . . gefuge 21. da si
22. vn\* dienet 23. wolte 2 4. einem.
Ha//f^. J. ZACHER.
ALTVIL
Der dunkele ausdruck altvil im Sachseuspiegel wird durch
zwilter erklärt, ohne zweifei nur durch falsche deutung aus
nltu vii. gegen diese erklärung ist, wie Jac. Grimm reclitsait,
410 bemerkt hat, die lateinische Übersetzung homuticio und
dafs in den bildern des Sachsenspiegels der altvil als ein klei-
ner mann erscheint, für den fall dafs doch ein zwitler ge-
meint sei wagt Grimm die Vermutung dafs alwile aus alwi-
dele zusammengezogen sei. aber dafs die lesart ahvile feh-
lerhaft und r richtig ist scheint mir der beiname Jilljil zu
beweisen. Markwart Allßl kommt um 1180 vor Mß. 2, 344,
derselbe 3IB. 7, 450. 8, 428. hierdurch wird altvilo auch
gegen die lesart antiile gesichert, atich stimmt zu alt- das
greisenhafte aussehen der zwerge , die wie die elben und
wichtel ja auch in den sagen und märchen immer alt erschei-
nen (vergl. Myth. 437 f.). es komml also darauf an für vii
eine erklärung zu finden. H.
401
ÜBER DEN
GESCHICHTLICHEN ZUSAMMENHANG DES
GOTHISCHEN CHRISTENTHÜMS MIT DEM
ALTHOCHDEUTSCHEN.
ANFRAGEN UND VERMUTUNGEN.
1.
In meiner sclirift über die cinwirkung des christenthunis
auf die ahd. spräche liabe ich versucht die gründung und aus-
breilung einer christlichen ausdrucksweise in hochdeutscher
spräche darzulegen, ich habe mich dabei streng auf das ahd.
beschränkt, weil ich auf möglichst sicherem grund und boden
bauen wollte, auch wohlwollende freunde haben geniissbilligt
dafs ich nicht wenigstens das gothische in meinen bereich ge-
zogen habe, da mein ziel durchaus nur die Übertragung des
christenthunis in die hd. spräche war, so wird die frage, in
wie weit hier das gothische in betracht komme, von der an-
dern abhängen, in wie weit sich ein einflufs der Gothen auf
die Übertragung des christenthunis in das ahd. nachweisen lafse.
das gothische steht bekanntlich zum ahd. nicht in dem Ver-
hältnisse der mutter zur tochter, sondern in dem der älteren
Schwester zur jüngeren, von einer directen herleitung des
ahd, aus dem goth. kann deshalb keine rede sein, dies würde
sich auch abgesehn von den bekannten historischen Vorgän-
gen schon hinlänglich aus solchen ahd. formen ergeben die
gegen die sonstige regel an alterthümlichkeit über das goth.
hinaufreichen, ich erinnere z. b. an die ahd. formen auf ines
in der ersten plur, der verba oder an die formen auf m in
der ersten sing. präs. und der zweiten und dritten schwachen
conjugation des ahd. * nichts desto weniger erklärt man in
* nur wenn die gescbichte uns nöthigte in den hd. stammen die
uachkuuimea der Gothen zu sehen (was bekanntlich nicht der fall ist),
würden wir uns nach besoudern erklärungsgründen dieser erscheinung
umsehen müfsen. aber auch dann noch würde ich lieber das hervor-
treten in einzelnen dialekten bewahrter formen annehmen als eine me-
chanische einwirkung der keltischen conjugation, wie Leo in seinen
übrigens wieder sehr lehrreichen ferienschriften (1, 248) thut.
Z. F. D. A. VI. 26
402 GOTH. UND AHD. CHRISTENTHUM.
grammatischer und elymologischer hinsieht mit vollkommenem
rechte das ahd. aus dem gothischcn. denn die augenfällige
Urverwandtschaft heider sprachen berechtigt uns in einer zeit
die sicli unsern blicken entzieht gemeinsame sprachformen für
das goth. und ahd. vorauszusetzen, ganz anders aber ver-
hält sich die sache, wenn von Vorgängen die rede ist die in
die bekannte historische zeit fallen, wie die bekehning der
Gothen zum christenihume. hier gilt natürlich keine berufung
auf Urverwandtschaft, sondern man mufs die Verknüpfungen
zwischen den golhischen und hochdeutschen stammen histo-
risch nachweisen, in bezug auf die christlichen hegrifife ist
also die Sachlage diese: in den hd. denkmälern des 9n jh.
finden wir dieselben theils ins deutsche übertragen, theils in
der ausländischen form in die deutsche spräche aufgenommen,
seitdem sind sie unter dem deutschen volke nicht wieder aus-
gestorben, sondern sie haben sich mit dem übrigen Sprach-
schätze fortgepflanzt, bei manchen ausdrücken wird man na-
türlich immer in zweifei sein, ob sie in der specifisch christ-
lichen bedeutung überliefert oder mehrere mahle von neuem
aus den Ursprachen des christcnthums ins deutsche übertragen
worden sind, bei andern dagegen ist die Überlieferung unbe-
stritten ; so z. b. bei dem worte hoilnnd, dessen versteinerte
form die fortpdanzung von der aiid. zeit bis auf die unsrige
verbürgt, ob unsere ahd. Sprachdenkmäler im späteren mit-
telalter noch gelesen worden sind oder nicht ist dabei ganz
gleichgiltig. die seil dem Iln jh. eingebürgerten ausdrücke
pflanzten sich jetzt von munde zu munde, von buch zu buch
weiter fort, die frage ist nun, dürfen wir die einbürgerung
der christlichen ausdrücke in die hochdeutsche spräche ohne
weiteres von Llfilas her datieren? so gestellt ist die frage
sicherlich zu verneinen, zweifelhafter aber wird die antwort,
wenn wir fragen, Sind die gothischcn ausdrücke für die christ-
lichen begriHe nicht auch von eindufs auf das hochdeutsche
gewesen? die frage wird theils auf kirchengeschichtlichem
theils auf sprachlichem gebiet zu entscheiden sein, auf beiden
gebieten aber ist sie mit grofsen Schwierigkeiten verknüpft,
die äufsere geschichte ist gerade in den hierher gehörigen
parlien sehr dunkel und die sprachlichen gründe werden sich
kaum über alle einwendungen erheben lafsen. bei der nahen
GOTH. UNI) AHD. CHRISTENTHUM. 403
verw.indtschaft der gothisclicn und ahd. spräche versieht es
sich nämlich von selbst dal's die Übersetzer fremder ausdrücke
sehr häufig in beiden sprachen dieselben Wörter wählen musten,
ohne dafs man daraus im mindesten auf einen wirklichen hi-
storischen Zusammenhang schliefsen darf, man denke sich
z. b. dafs gegenwärtig von demselben griechischen buche eine
dänische und eine schwedische Übersetzung gemacht werde:
die Übersetzer werden in unzähllichen ausdrücken überein-
stimmen, wenn auch der eine nicht das geringste von dem
andern weifs. es müfsen also noch andere gründe zu der
blofsen Übereinstimmung der worle hinzu treten, wenn man
auf einen wirklichen Zusammenhang der beiden Übersetzer
schliefsen will.
Der einflufs des gothischen auf die ahd. spräche könnte
auf sehr verschiedenen wegen vor sich gegangen sein, er
könnte ganz eigentlich literarischer art gewesen sein, d. h. die
Urheber einer ahd. literatur könnten die Schriften des Ulfilas
und seiner nachfolger vor sich gehabt und ihren ausdruck nach
ihnen gebildet haben, so könnte man die spuren einer gothi-
schen handschrift die noch im 9n jh. zu Salzburg vorhanden
war* in Verbindung bringen mit der literarischen thätigkeit
die schon seit dem 8n jh. in den bairischen klöstern, nament-
lich in Monsee, herschte. ebenso liegt es nahe im kloster
Bobbio in Oberitalien einen litterarischen anknüpfungspunkt
der ahd. schriftstellerei an die gothische zu suchen, aus Bob-
bio stammen die zahlreichen bruchstücke gothischer hss. die
jetzt zu 3Iailand, Rom und Wolfenbüttel aufbewahrt wer-
den.** und eben dieses Bobbio wurde um das j. 612*** vom
h. Columbanus gegründet, nachdem er mehrere jähre als mis-
sionar unter den Alemannen gewirkt und ihnen seinen schü-
'" Wh. Grimm in den Wiener jahrb. 1828 und Mafsmann in dieser
zeitschr. 1, 296. die über das gothische geschriebenen ahd. Wörter
(Wiener jahrb. s. 11) zeugen mehr dafür dafs der Schreiber nicht viel
vom gothischen verstand als dafs sie das gegentheil bewiesen.
** Mafsm. Skeir. s. 55. Ulfilas von Gabelentz und Lobe 1 s. xxxii ff.
*■** Mabillon Annal. o. s. B. i s. 296.
26*
404 GOTH. UND AHD. CHRISTENTHUM.
1er den h. Galliis zurückgelafsen hatte, sollte diese ansamm-
lung golhischer hss. in Bobbio nicht in bezug stehen zur be-
kehrung der Alemannen ? so lockend alle diese combinationen
aussehen, möchte ich doch nicht allzuviel gewicht auf sie le-
gen, denn warum hätte man bei solchen absiebten die go-
thischen -hss. nicht lieber im 7n 8n jh. nach S. Gallen ge-
schickt als sie endlich auszukratzen und als altes pergament
zu benutzen? warum knüpft sich an den besitz dieser goth.
hss., die man also seit dem 7n jh. in ihrer wahren bedeu-
tung erkannt hätte, nicht alsbald der versuch in S. Gallen
für die hd. stamme etwas ähnliches zu leisten wie ülfilas
für die Gothen? warum lafsen die anfange einer eigentlichen
ahd. litteratur zu S. Gallen noch anderthalb Jahrhunderte auf
sich warten und beginnen etwa gerade um die zeit als man
zu ßobbio die gothischen hss. nach kräften zerstörte?
Viel mehr als diese litterarischen beziehungen hat wohl
der lebendige einfluls des gothischen volkes zu bedeuten, so
lange es noch in Italien und Spanien in zwei mächtigen rei-
chen blühte, schon der zug Attilas mufs die hd. stamme in
vielfache berührung mit den Gothen gebracht haben. * noch
klarer aber werden die beziehungen nach der gründung des
ostgothischcn reichs in Italien, nach der besiegung der Ale-
mannen durch die Franken im j. 490 kam der südliche und
östliche theil des alemannischen volkes unter die botmäfsigkeit
der damals längst christlichen Ostgothen. ** wenn die Aleman-
nen nun auch nur bis zum j. 536 in dieser Verbindung blie-
ben, so müfsen sie doch in dieser zeit auch von dem chri-
stenthum der Gothen manchen einflufs erfahren haben, dem
umfange nach noch viel weiter greift die Stellung die Theo-
dorich der grofse den fürsten und Völkern seiner zeit gegen-
über einnahm, an Hernianfrid von Thüringen hatte er seine
* der slärksfc ankiiiipfuiifcspunkl ^^ür(l^ es nafiirlich sein, wenn wir
aunehinen (liiiften dafi uiiler den wurzeln des bairisclien slanimes sich
eine aldlieilunj? schon cbrisllicher Gothen befunden habe, vielleicht
bringt Jemand auch diese hypothese mit dem Salzburjjer codex des Ul-
tiias in Verbindung, aber jedesfalls wird man zugeben dafs wir uns
hier auf sehr unsicherem und viel bestrittenem boden befinden.
** die belege und näheren bestimmungeu in Stalins vortrefflicher
VVürtemberg. geschichte 1, 1 i9 ff.
GOTII. UND AHD. CHRISTENTIIÜM. 405
iiichte Auialabcrya vermählt und es ist schon oft auf die stelle
des Cassiodor* hingewiesen worden in welcher Amalaberga
den Thüringern wegen ihrer ganz besondern geistesbildung
angerühmt wird. Theodorich selbst hatte die Audifleda zur
gatlin, die Schwester des fränkischen Chlodwig**, der damals
einen groisen theil der hochdeutschen stamme beherschte. wer
weifs ob nicht durch diese Verbindung und durch den ver-
kehr mit den Westgothen, deren nördliches gebiet durch die
Schlacht bei Vougle im j. 507 unter Chlodwig kam, auch auf
die spräche der merovingischen Franken das gothische von
einigem einflulse gewesen ist, wenn sie, die freilich nur sehr
obenhin Christen geworden waren, die christlichen begriffe in
ihrer eigenen spräche wiedergeben wollten***, durch vermit-
telung der Franken könnte dann späterhin das gothische so-
gar auf die kirchliche ausdrucksweise der Angelsachsen eini-
gea indirecten cinfluls gehabt haben -j-.
3.
Wenn wir uns die art vergegenwärtigen wie das chris-
tenlhum unter den hochdeutschen stammen allmählich Wur-
zel gefafst hatte, so werden wir nicht zweifeln dafs ein gro-
fser theil der christlichen ausdrücke die wir in den ahd.
Sprachdenkmälern lesen schon lange vor der abfafsung dersel-
ben unter den hochd. stammen vorhanden gewesen sein mufs.
so lesen wir z. b. in der älteren vita s. Galli, als Columban
und Gallus nach Bregenz am Bodensee kamen, fanden sie die
dortigen einwohner als götzendiener : nempe desiderio de-
siruendi eorum superstitionem vir dei Columbanus iussit
Gallo ad pojmlum rccitare sermonem, qiiia ille inter alins
eminebat lepore latinitatis nee non et idioma (d. i. idio-
inate) illim gentis^. als sie schon vorher bei Tuggen am
'" Var. 4, 1.
** die belege kritisch geprüft bei Manso, Gesch. des ostg. reiches
s. 71.
c-** dagegen kaim man einwenden dal's die Gothen Arianer waren,
die Franken katholiken.
-|- über die Verbindung des fränkischen christenthums mit dem an-
gelsächsischen s. u. a. Schröckh, Kirchengesch. 16, 271.
it Perlz 3, 7, 24.
406 . GOTH. UND AHD. CHRISTENTHUM.
Zürcher see wohnen, docebant eos patrem et filium et spi-
ritum smictum adorare* . Gallus spricht also in deutscher
spräche über die hauptdogmen der christlichen religion. aber
auch er und sein älterer genofseColumban finden schon christ-
liche priester unter den Alemannen vor; z. b. den sacerdos
Williraar zu Arbon am Bodensee**, so werden wir mit
wirklich deutschem christenthum ziemlich nahe an die zeit der
ostgothischen herschaft hinangefiihrt. wie viel nun aber der
h. Gallus unter jenen Alemannen an christlichen ausdrücken
schon vorfand, wie viel er selbst erst einführte, darüber ha-
ben wir keine nachricht. und ebenso können wir nicht wi-
fsen wie viel von dem was Gallus vorfand in Verbindung mit
der ausdrucksweise der christlichen Gothen stand, im allge-
meinen dürfen wir voraussetzen däfs die hauptsächlichsten
ausdrücke des christenthums zuerst unter dem volke sich ein-
gebürgert haben, unter den hauptsächlichsten ausdrücken sind
aber hier nicht gerade die zu verstehen welche die tiefsten
Wahrheiten des christenthums bezeichnen, sondern vielmehr
die deren sinn am meisten in die äugen fällt, sobald es ein-
mal getaufte gab, entstand das bedürfnis sie durch einen ei-
genen ausdruck von den ungetauften zu sondern, sobald ir-
gendwo eine christliche kapelle aufgerichtet wurde, rauste man
sie wo möglich schon durch den ausdruck von den heidni-
schen hciligthümern unterscheiden, gerade unter diesen äufser-
lichkeitcn werden wir also vor allem die ausdrücke zu su-
chen haben die sich möglicherweise von den früh bekehrten
Gothen zu den übrigen deutschen Völkern verbreitet und unter
ihnen erhalten haben könnten, da die reste der gothischen
litteratur mit geringfügiger ausnähme nur aus stücken der bi-
belübersetzung bestehen, so sind wir über die gothischen aus-
drücke für das äufserliche des christenthums viel schlechter
unterrichtet als über die tiefere seite. es fehlen uns deshalb
* Pertz 2, «, 38.
■:>ii Pertz 2, 7, 9. nicht daiaur kommt es uns hier an, die frühe-
sten spuren des christenthums in diesen gegenden nachzuweisen, denn
diese reichen weit über die gothische hersciiaft in die zeiten des rö-
mischen reiches zurück, hier soll vielmehr nur die Wahrscheinlichkeit
dargelhan werden dals sich aus der gothischen zeit einzelne reste des
christenthums erhalten haben mögen.
GOTH. UND AHD. CHRISTENTHÜM. 407
die gothischen ausdrücke iür begriffe die ohne allen zvveifel
unzählliche male in gothischer rede vorgekommen sein mä-
sten, ich will nun, auf die geüihr recht gründlich widerlegt
zu werden, einige bemerkungen über einzelne golhische aus-
drücke wagen die in beziehung zu ahd. stehen könnten.
1. Die Scheidung von Christen und beiden muste dem
Volke zuerst in die äugen fallen, für die beiden hat Ulfilas
den ausdruck piiidus. dem entspricht zwar das ahd. diotd;
dies kann aber sehr wohl zufall sein, da beide wörter eigent-
lich nur 'die Völker' heifsen und auch ohne beziehung auf die
beiden in häuligem gebrauch waren, anders scheint mir der
ahd. ausdruck heidan (ethnicus, paganus) zu stehen. Ulfilas
hat davon das schw. fem. haipuö (EXX}]vlg Marc. 7, 26). bei
der eigenthümlichkeit dieses ausdrucks ist es kaum glaublich
dafs er zweimal für den begriff ethnicus gewählt oder gar
gebildet ward, viel wahrscheinlicher ist dafs er von denGo-
then zu den andern erst später bekehrten Völkern sich ver-
breitet hat, wobei natürlich unbenommen bleibt das Vorhan-
densein des ausdrucks heidan für agrcstis im allgemeinen
schon vor der gothischen einwirkung anzunehmen, nur dafs
auch die andern deutschen völker gerade diesen ausdruck für
ethnicus verwandten scheint mir gothischer einflufs. dabei
ist wohl zu bemerken dafs unsre ahd. quellen das sehr häu-
fige heidan nur im religiösen sinne verwenden, was darauf
hinzudeuten scheint dafs die Hochdeutschen es entweder von
aufsen schon in dieser specielleu bedeutung empfangen oder
dafs sie es doch schon in uralter zeit dazu ausgeprägt haben,
der ausdruck Christen kommt meines wifsens in unseren go-
thischen Sprachresten nicht vor, wenn er nicht etwa in der
vielbesprochenen zeile steckt die in der Wiener hs. 3527
über den gothischen alphabeten steht, wie, wenn das dritte
wort der zeile eine abkürzung von xristjaneis oder dem acc.
xristjanins wäre?* es wäre aus dem gr. XqkjiiuvoI ganz
* es versteht sich dafs man statt des u in dem dritten worte ein
n lesen miiste. ich würde diese conjectur nicht wagen, wenn nicht
Mafsmanu selbst (zcitschr. f. d. a. 1, 297) seiner erklärung noch sechs
andere möglichkeiten beifügte, die annähme dafs mau den gothischen
ausdruck für XQMviavoi abgekürzt geschrieben habe würde sehr un
wahrscheinlich seiu_, wenn die Gothen blofs die bibel in ihrer spräche
408 GOTH. UND AUD. CHRISTENTHUM.
ähnlich gebildet wie das Rumöneis in der unlerschrift des Rö-
merbriefes du Rumoixim. das d in Rumöneis ist nur aus-
nähme von der regel. der pluralische nom. xristjaneis oder
der acc. xristjanins könnte aus der verlorenen stelle act.
11, 26 genommen sein, je nachdem Ulfilas mit ei oder mit
dem acc. c. inf. nach varp übersetzt hat. — ist es erlaubt
auf diesem luftigen gründe weiter zu bauen, so möchte man
damit in Verbindung bringen dafs christani (christianus) im
ahd. nach der zweiten declination gebildet wurde, freilich ei-
ner ganz andern declination als die im goth. vorausgesetzte
vierte starke substantivische, dennoch könnte das im goth.
gehörte i auf die bildung des ahd. christani eingewirkt haben.
2. Das goth. daupjan findet sich in ahd. totifan wieder,
der grund warum ich hier eine alte goth. einwirkung anneh-
men möchte ist dieser : das goth. daupjan zeigt sich uns noch
in der ursprünglichen allgemeinen bedeutung, jah af mapla
niha daupjand ni matjand {luv ,u>; i^uTtiiraovcai ovx in&tQviJiv)
Marc. 7, 4. pammei ik iifdaupjands pana hloif giba (J) fy(o
ßäipag To xiKuf-ilov int domo)) Job. 13, 26. dagegen hat das ahd.
totifan in unsern ahd. quellen nur die sacramentale bedeu-
tung. *
3. Das weitverbreitete ahd. pfajfo, mhd. pfaffe, findet
sich zwar auch im Intoin der römischen kirclie für bischof
(s. papa bei Du Fresne), aber von einer solchen ausbreitung
des Wortes wie wir sie schon im ahd. finden, wo es für cle-
ricas überhaupt steht, ist keine rede, nimmt man dies zu-
gehabt hätten, in der dieser ausdruck so selten vorkommt, da wir aber
wifsen dafs die gothischen priesler noch eine ganze anzahl religiöser
bücher in der Volkssprache geschrieben haben, so ist das häußge vor-
kommen und deshalb die abkürzung des Wortes xristjaneis sehr wahr-
scheinlich, ob das vorausgehende ho die abkürzung von hiudo (gen.
pl. von biiida) ist? gerade die apostelgeschichle, in der das worl i'&iij
so oft vorkommt, konnte den Schreiber am ersten bestimmen eine viel'
leicht übliche abkürzung anzuwenden, vielleicht fand auch der Salz-
burger excerptor die worte frauja piiido schon beisammen, so könnte
man z. b. an Rom. 3, 29 denken, wenn man Rom. 10, 12 vergleicht,
und wenn da nicht, so konnten sich noch Jerem. 10, 7, ps. 47, 9. 82, 8
die Worte fravja hiudo beisammen finden.
* stellen \\'\c Hjmn. 2, 2, 4 darf man nicht dagegen anführen, sie
übertragen vielmehr die geistliche bedeutung erst wieder metaphorisch
auf die natur, nach dem Vorgänge des lal. baptizans.
GOTII. UND AFID. CHRISTENTHUM. 409
sammeii mit der iiithlaufnalime des lal. sacerdos* in die ahd.
spräche, so sieht man dafs das wort pfaffo schon im besitz
war als die ahd. litteratur in demselben Jahrhundert mit dem
stärkeren rcJmischen einflul'se ihren anfang nahm, erlaubt uns
dies an gothisch-arianische;;«/;^/« zu denken die den römisch-
katholischen saceinlotes auch unter den hochdeutschen stammen
vorausgiengen ? der ausdruck j)npa findet sich ins Gothische
aufgenommen im Calend. Goth. (II, 1 s. XVIII bei Gabelentz
und Loebe) und in den Unterschriften der neapolitanischen
urk. (s. 14, 89 bei Mafsmann).**
4. Das ahd. wort kiricha ist aus dem griechischen v.v-
Qianöv (domus domini) herüber genommen***, auf welchem
wege das wort den hochdeutschen stammen zugekommen sei,
darüber wird gestritten, schon der alteWalafridSlrabo (f 849)
in seinem buche de rebus eccl. c. 7 ist der meinung, die
Deutschen hätten das wort durch vermittelung der Gothen er-
halten, in neuerer zeit hat Jacobson in einer reichhaltigen ab-
handlung über das wort kirche y die herleitung aus hvqiu-
■aÖv zu erweisen, dabei aber die vermittelung der Gothen zu
bestreiten versucht, er zieht es vor das wort nv()iaaöv von
den Griechen zu den Briten und durch diese zu den Deut-
schen wandern zu lafsen. prüfen wir die gründe die er ge-
gen die gothische vermittelung geltend macht.
a. Ulülas behält yv^jtog (xvQie u. s. w.) nicht bei, son-
dern übersetzt es durch frauja. daraus läfst sich für die
'■* nämlich in einer ahd. umhildung des lat. Wortes, im übrigen
vergl. Einw. des christenth. s. 299.
** bei VValafrid Strabo de reb. eccl. c. 7 ist schwerlich ;;a/>5< zu
lesen, obwohl auch der abdruek in der Lyoner Maxinia bibl. patrum
15, 184 diese lesart wiederholt, die Einw. des christenth. s. 397 anm.
3 ausgesprochene Vermutung, dal's das * in hahcs mit dem s in naiia?
zusammenhänge, gebe ich auf, indem ich der ansieht meines verehrten
lehrers Jac. Grimm beitrete, der dies s aus dem altfranz. li papes er-
klärt.
«>s einen versuch das wort aus einer keltischen wurzel abzuleiten
findet sich in Leos Ferienschriften 1, 54. Leos scharfsinniger erörte-
rung beizustimmen hindert mich besonders der umstand dafs die Kel-
ten selbst (nach Leos angäbe) das wort in dem sinn von kirche nicht
gebrauchen.
t H. F. Jacobson, Kirchenrechtliche versuche 1, 58 ff. vergl. Ber-
liner Jahrb. f. wifs. kritik 1846 n. 105.
410 GOTH. UND AHD. CHRISTENTHUM.
Übersetzung oder beibehaltung des Wortes y.v(t(,a'/.ov duiThaus
nichts folgern, die Gothen haben öfters ein grundwort über-
setzt und ein davon abgeleitetes, wenn es eine specielle be-
deulung hat, in der fremden form aufgenommen, z. b. legere
(cipayiyi'axjy.eii') geben sie durch siggvan Luc. 4. 16: dagegen
wird lectio in der form laiktjö* beibehalten.
h. Das wort v.vQi<xy.ov kommt in unsern gothischen sprach-
reslen nicht vor; dagegen hat Ulfilas in einer grofsen menge
von stellen das gr. t-Ay.h]aiu in der form aikklesju beibehal-
ten, dieser grund sieht sehr schlagend aus, erweist sich aber
bei näherer besichtigung als ziemlich schwach, die sämmtli-
chen stellen des neuen testaments in denen aikklesjo vor-
kommt beweisen gar nichts, denn was hiefs 'AVQiay.öv? ein
gebäude für den christlichen gottesdienst errichtet, dergleichen
gebäude kommen aber im neuen testamente nicht vor. folg-
lich hatte Ulfilas hier gar keine gelegenheit das wort -Av^ia-
y.öv anzubringen, denn dafs schon die Gothen die bedeutung
des gr. yv()iuY.öv in der weise erweitert haben wie dies spä-
terhin mit dem hd. kiricha geschah, dies anzunehmen sind
wir durch nichts berechtigt, hätten wir von der christlichen
litteratur der Griechen nichts übrig als die originale unserer
gothischen sprachreste, so würden wir das gr. y-vgiaxäv eben
so wenig belegen können wie wir es jetzt im gothischen kön-
nen, und doch war den Griechen des vierten Jahrhunderts
yoi)iuy.öv für das kirchengebäude neben fxxbjnia ein ganz ge-
läufiges wort.** so bleibt nur die stelle im Calend. Goth.***
die man allenfalls so erklären kann, keineswegs aber so er-
klären mufs dafs die anwendung des Wortes xcfjiaxof möglich
gewesen wäre, die stelle laulcl gf/mwf)/ manjtre Jtize bi
verckofi papcni Jah batrin hilaif aikklesjöns fullaizos ana
gutlnmlai gabvannidaize. die worle aikklrsjons fulldizös
werden sehr verschieden gedeutet, übersetzt man fulls mx\
allgemein, katholisch -f-, so dafs aikklcsju/is fullaizos so viel
als ecclesiao cntholicac und abhängig von bilaif (amlsgenofs
* Ulf. von Gab. und Loebe 1 s. xxiv.
''^'^' s. Jacobson s. 87 If. Suioer Thes. ecci. unter vi,v{ji(i.xöv .
•*"= Ulf. V. Gab. und Locbc 2, 1, 18.
i so wieder Gabelenlz und Loebe 2, 1, 20(3.
GOTH. UND AHD. CHRISTENTHUM. 411
gahlaiban) * ist, so erlnilt man einen sinn bei dem vom kir-
chcngebäudc keine rede ist und der mithin kvqiukÖv in der
bedeutung die es bei den Griechen hat gar nicht zugelalsen
haben würde, wer dagegen aikkle.sjuns fuUaizös für in plrjta
ecc/es/a** nehmen will, der wird doch zugeben niüfsen dals
auch dann aikklesjöns fullaizus ebenso gut heifsen kann 'in
voller Versammlung' wie 'in gefüllter kirche.' bei dieser auf-
falsung wäre aber der gebrauch von nvQtunöv wiederum aus-
geschlofsen. doch zugegeben dafs aikklesjöns fullaizös wirk-
lich heilst in templo pleno, was ist damit anderes bewiesen
als dafs die Gothen ihr aikklesjo auch für das kirchenge-
bäude verwandten, gerade wie die griechischen zeitgenofsen
ihr ixuhjalu auch für das gebäude gebrauchten, so gut aber
wie diese neben fxxhjcjla in dieser bedeutung noch -/.vijiuxöv
hatten, ebenso gut können die Gothen neben ixxXijola auch
xvQiuxöv entlehnt haben, und dafs in der einzigen stelle in
der wir xi>qiocxÖv möglicherweise erwarten könnten der andere
ausdruck ixxXr,(ilu gewählt ist, das soll doch wohl die mög-
lichkeit dafs die Gothen für das christliche gotteshaus noch
einen zweiten ausdruck hatten nicht unwahrscheinlich machen?
weiter aber war hier nichts zu erweisen als dafs sich aus
unsern gothischen sprachresten der beweis nicht führen läfsl
dafs die Gothen den ausdruck xrQtuKÖv wahrscheinlich nicht
hatten. — sehen wir nun zu, was sich für die gothische ver-
mittelung bei der herübernahme des gr. xr^/«xoj/ in die an-
dern deutschen sprachen sagen läl'st. eine hauptschwierigkeit
bei der herleitung des deutschen kiricha aus dem gr. kvqiu-
•<nov macht die Umwandlung des geschlechtes, für die sich kein
rechter gruud angeben läfst. denn •/.vqiuv.öv ist bei den Grie-
chen der Jahrhunderte von denen hier allein die rede sein
kann durchweg neutrum und erst im elften Jahrhundert findet
sich ganz vereinzelt das fem. t] xvqiux/]. *** woher nun die
* Ulf. V. Gab. und Loebe 3, i, 64,
** Mafsmann Skeir. s. 95.
"** Suiccr im Thes. eccl. unter xigiam] zweifelt ob das fem. in die-
sem sinn gebraucLt worden sei. nun bat zwar Bekker in seiner aus-
gäbe des Cedrenus 1 s. 497, 15 und 3 s. 373, 8 (s. den Ind. gramm.)
die form des xvQiaxTj gelten lafsen ; aber Cedrenus ist ein Schriftstel-
ler des elften jh.
412 GOTH. UND AHD. CHRISTENTHÜM.
Umwandlung des neutr. xv^iaxöv in das fem. kiricha? sie
würde sich durch die vermillelung des gothischen ganz ein-
fach erklären, Ulfilas macht aus griechischen neutris schwache
feminina. so wird aus avuyyahov das goth. fem. aivaggelju.
das gr. '/.v^Lu-jiöv mufs also bei den Gothen gelautet haben
kyriako, gen. kyriakuns ; das entspricht aber der grammati-
schen form nach ganz dem ahd. kiricha, gen. kin'chun.
5. Beide Wörter in sanctus Spiritus drückt das ahd. zwie-
fach aus, sanctus durch wik und keilag; spiritiis durch dtum
und geist. die beiden ersleren, offenbar alterthümlicheren,
will und ätum, stimmen zum goth. veihs und ahma, die bei-
den letzteren, heilag und geist, zum ags. hälig und gast.
ist es Zufall oder darf man eine geschichtliche beziehung an-
nehmen ?
6. Das partic. von ncrjan tritt im ahd. ganz in den hin-
tergrund gegen das von heila?i in der bedeutung salvator,
Jesus, ersteres stimmt zum goth. nasjands, letzteres zum
ags. haclend. wie steht es mit der historischen beziehung?
haben die ags. missionare hier nachklänge des gothisch - deut-
schen christenthums vorgefunden die sie durch eine ausdrucks-
weise verdrängten welche sie im hochdeutschen der angel-
sächsischen nachbildeteu?
Doch nun wird man der Vermutungen genug haben, sie
geben sich für nichts als was sie sind und werden sich ebenso
gern stützen als widerlegen lafsen. so viel bleibt gewifs, der
urkundliche bodcn für eine christliche ausdrucksweise in hoch-
deutscher spräche beginnt erst mit den ahd. Sprachdenkmälern
des achten Jahrhunderts.
Erlangen. II. VON RAUiAlER.
413
DAS ALTE STADTRECHT VON MERAN.
Obwohl die Städteordnungen des mittelalters der naiur
der sacke nach in vielen pwikten sich berühren und wie-
derholen, so besitzt doch in der regel jede derselben ihre
besondern eigenthiimlichkeiten, die unsere kenntnis der Sit-
ten und geivohnheiten gewisser Zeiten und des gemeinde-
wesens überhaiipt zu erweitern geeignet sind, die mitthei-
lung des nachstehenden erst kürzlich aufgefundenen stadt-
rechtes dürfte daher nicht umcillkovimen sein, hei^r Mat-
thias Koch, der in seinen beitragen zur geschichte der
Stadt Meran {Nalionalkalender für Tirol 1846, Innsbruck
bei ff^agner) dessen existenz noch bezweifelte, hat es spä-
ter im archiv zu Meran selbst entdeckt und mir seine ab-
schrift freundlich mitgetheilt.
Stuttgart 14 august 1847. FRANZ PFEIFFER.
II.
Daz erste gesetzetle ist daz :
Alle die veile habenl bröt und ka'se und fuoter und smalz
und salz und honic und magen und unslitkerzen und wilt-
praet und smalsiit und obez und knoflach und unslit und hiie-
ner und eier und smer und bar und vadem und griuze und
nuzzen und kesteu und swaz so getan klein kost daz ist,
und swer der ist der daz veile hat, si haben hiuser ze erb-
rehte oder niht, oder alle ander die da gädemler sint: die
sullent koufen und mugent koufen nach der fruomessen ersten
glocken, die man liutet ze ^töu anipt ze sant Nicolaus, und
vor niht. aver holz und höu und strouw sullent und mugent
si koufen fruo oder spät swenne sie vvellent; und sol man
daz veile haben üf dem platze ennent der brücken, und milch
und krut sullent und mugent si koufen ouch swenne si wel-
lent fruo oder spät, und sol man daz anderswä nindert kou-
fen noch veile haben wan uf dem obezplatze vor der münze,
und swer daz übervert und brichet, als ofte und er daz tuot,
der ist ze pene gevallen zwei pfunt und fünf Schillinge, halbiu
/il4 STADTRECHT VON MERAN.
dem gerihte und halbiu der stat. swaz ein biirger koufen wil
daz veil ist, ez si körn, fuoter, kwse, wildez oder zamez,
grawez oder linin tuoch oder swaz ez ist, daz sol der gä-
denilcr * im läzen unde da von sten und in daz lazen koufen
bi pene fünf pfunde und fünf Schillinge, halbiu der stat und
halbiu dem gerihte. und swaz ein burger des kouft, daz sol
man im hin heim füeren und tragen.
Ouch ist erfunden, daz ie der wirt oder gastgeber sinem
gaste sagen sol, daz der gast sine koufmanschaft sol veile
haben hie vor üf sinem laden als lange hinz daz man die
fruomessen singet oder sprichet datz sant Nicolaus: und in
der selben wile sullent burger koufen und keine gädemler.
aftermälen nach der fruomessen sullent und mügent koufen
burger und gädemler.
Und ob dehein gastgebe wa're, der heimlich in sinem hüse
von sinen gesten iht in koufte und er daz sinen gehusen** mit
teilen wolte oder in ze gunsl koufte, und wirt er da mite
begriffen äne gevaerde, der hat daz guot verlorn daz er kouft
hat, und daz sol gevallen halbez dem gerihte und halbez
der stat.
Daz sint diu gesctzede von dem körn.
Ez sol nieman, burger noch gädemler noch ander ieman,
keinerleie körn noch smalsät uzerhalbe der stat noch indert
anderhalben iht koufen noch verarren***, daz man zuo der
stat füeret oder treit veile, wan niur aleine üf dem kornniarkf
an in den zwein frien jarmerfen, bi flust des selben kornes.
halbez gevalle dem gerihte und halbez der stat. und ob der
kouf geschehen ist mit worten unde die pfennige dannoch niht
vergolten sini, dennoch sol der kouf der pene gebunden sin,
ob der hingeber siniu reht darnach tuot daz erz verkoufl habe.
** gädemler, inq^uiliniis, vcrgl. Frisch I, 312'".
*^"* der gebuse hausgenofs.
=>eo verarreu, durch geben oder nehmen von einem dränget d ver-
bindlieh machen, Schmeller 1, 90.
STADTRECHT VON MERAN. 415
oder ob er sm mit ander ieman überwarl* wirt. ouch sol
kein bur^er noch <:;ädeniler niht raer kornes koufen dan er in
sinem hüse bedarf ane g;eva?rde, und durch keinerleie fürkouf,
bi pene ie des mutten zweier pfunde und fünf Schillinge, hal-
bez dem gerihte und halbez der stat. ez sol kein burger noch
gädemler der veilez brot bachen wii niht mer kornes in kou-
fen dan ie ze zwein bechen **. und alle die wile daz er daz
brot unverkouft hat sol er kein körn koufen, an in den zwein
frien jarmerkten aleine, bi pene zweir pfunde und fünf Schil-
linge, als ofte ez gebrochen wirt, halbez dem gerihte und
halbez der stat. ez sol ouch kein burger noch gädemler noch
ander ieman kein körn in koufen durch fürkoufes willen, an
aleine die brötbechen, die gen hof bachent: die mugent mer
körn koufen swenne sin not ist, so diu herschaft hie ist.
und swenne si daz koufen wellent, so solnt si tuon nach der
drizehener rät, äne gevaerde. ez sol ouch kein kornmezze
noch sin kneht niht me kornes in koufen dan er üf sinem
tische bedarf, und sullent ouch an körn noch an fuoter mit
nieman kein teil noch geselleschafl bi irem eide niht enhaben
und bi p6ne ires amptes, wenne daz geschiht und sich mit
der warheit ervindet. ouch sol man den burgern ir körn daz
sie koufent da heim in ir hilse mezzen, an aleine den die
brot vaile habent, den sol man daz körn mezzen üf dem
kornmarkt, ouch sol man, weder burger noch gädemler, kein
körn niht koufen bi der naht, wan niur bi schoenem liebten
tage, bi pene zweier pfunde und fünf Schillinge von ie dem
mutte, halbez dem gerihte, halbez der stat. würde aver einem
burger des kornes iht überic daz im niht geviele oder er des
niht bedörfte, und verkouft er daz, daz sol im sin an allen
schaden.
m.
Daz ist daz gesetzede über daz brot.
Ez sullent vier man, die dar zuo erwellet werdent, alle
zit, als ofte und sin not geschiht, daz brot beschouwen unde
*^- überwseren, überzeugen, überführen.
*=-■ beche, u'as auf einmal gebacken ivird.
/il6 STADTRECHT VON MERAN.
besorgen bi iren Iriuwen dar n;ich und daz körn ganc hat,
ob ez ze klein oder ze lihl si an der gr(jeze oder an der
giiete. und swä si ez ze kleine oder ze lihle vindent, da
sullcnt si daz selbe brot uf hefen gar unde gänzlicli und sul-
lent die zwei teil geben in daz spitäl und daz ander dritteil
an den hornval*, den üzsetzigen ; und als ez die XIII des rä-
tes mit den brotschouwern schaffent, so suUent sie ez schou-
wen und sullent ez handeln äue geva^rde. swer ouch daz
bröt, so die schouwer zuo gent, ab wege bringet, der soi ze
pene geben zwei plunl dri Schillinge, und ist daz er daz selbe
bröt verkoufet, der kumt in die selben pene, wan erz niht
yerkoufen sol bi der selben pene. und waz ouch die selben
brötbeschouwer brotes nement und absagent, daz selbe bröt
sol man alter des niht verkoufen, swaz des ist, ez habe der
beche lif der laten oder inrehalbeu des laden, bi pene zweier
pfunde dri Schillinge, und swer die brötbeschouwer übel han-
delt, ez si mit worten oder mit werken, der sol geben ze
pene fünf pfunt, halbiu dem gerihte und lialbiu der stat, uu-
verzigen unde ze behalten dem sin reht hinz dem dem ez
mit gereht wirf.
IV.
Daz ist daz g^eselzedc über den win.
Ez sol mcnniclich der win schenken wil gänzlich daz ge-
salzte maz geben ze allen ziten anc underlaz ; und sullent
ouch gleser und beclier haben dar in daz maz voUicIichcn
ge. [ouch sullcnt si bi halber und ganzer patzeiden** und bi
halben und ganzen vierteilen win zuo koufen geben menniclich.
ez sol ouch kein leitgebe nach der winglocke niht schenken
noch win geben in dem leithüse wan aleine dem rihter und
für daz leithüs menniclich ; an sine herberge hin heim swer
win nemen wil, dem sol man in geben, ez sol ouch kein
leitgebe nach der winglocken kein spil lazen geschehen weder
umbe bereite plcnnige noch umb ledigiu. swclhez ouch under
" hornval, ein hüchsl seltenes wort, vergl. horogibruader bei
Otfried und Manier MS. 2, 153". gramm. 1, 461. Oberlin 694.
"* die patzeiden, südtyrolisches getränkmafs, als theil einer um.
Schmeller 1, 303.
STADTRECHT VON MERAN. 417
(lisen obgenanten gcselzeden des wines ein leitgebe überverl,
der ist gebunden ze geben ze pene als ofte ez iibervarn wir!
zwei jifunt und dri Schillinge, halbez dem gerihte und halbez
der slat. ez sol ouch nieman in der stat win schenken denn
aleinc der waht und stiure git. wolte aber ander ienian
schenken in der stat der waht noch stiure niht git, der sol
gehen an die stat von ieglichem fuoder ein pfunt Berner. ez
sol meuniclich der schenken wil daz raaz geben wie er wil,
doch über ein zehen niht, und sol doch geben daz gesworne
mäz, ez si denae daz die drizehen ein anderz mit in schal-
fent oder ordenl. mau sol ouch den Kriechel und Romäner
schenken ein ganzez trinken umb zwene zweinziger und ein
halbez trinken umb einen zweinziger, und Mallasier ein trin-
ken umb dri zweinziger und ein halbez trinken umb ander-
halben zweinziger. und wenue man die wine her ziuget und
in leit unde die schenken wil, daz sullent si niht tuon, ez
sin denne der drizehuer dri da hi. und ob si daz überlüe-
ren, wenne sich daz erfünde, der ist komen umb den win,
halber dem gerihte und halber der stat. und ob er also daz
mäz niht gicbe als oben geschribeu stet, so ist er komen
von ie dem Irinken umbe zwei pfunt, dri Schillinge.
Daz ist daz gesetzede über daz (leisch.
Ez sol kein fleischhäckel keinen nieren niht machen an
keinem vihe, jungem oder allem, wan als ez got gemachet
hat, mit keinerlei gemachte, und ouch niht üf bhejen. si sul-
lent ouch keine hoden ab den reralern * noch ab den kastroun **
niht ab sniden, und sullent si an den stücken verkoufen dar
au si sint. si sullent ouch keine sü niht slahen, veile ze
verkoufen under der fleischbank. ouch sullent si kein nunne ***
noch kein rint niht absiahen noch üf tuon, ez sin denne die
dri da bi die dar zuo gesetzet sint oder gesetzet werdent,
oder ir einer, si sullent ouch kein unzitigez vihe niht abne-
* remler, rammler, schaj während der brunstzeit.
^^* kastroun, kastrun, castrierter widder.
**"" nunae, castriertes schwein.
Z. F. D. A. VI. 27
/iI8 STADTRECHT VON MERAN.
men, ez si kalp, kitze, lamp, spiinnevärle oder swelher
hande ez si. ouch sullent si kein phindijjjez swin nocli schel-
migez rint niht verkoufen under der fleisclibank, bi pene fünf
pfnnde, lialbiu dem gerihte und halbiu der stat. si sullent
ouch keine warst niht machen danne mit dem fleisch daz von
dem swine komen ist. si sullent ouch kein ingeweide noch
kein bluot noch keinerlei unsüberkcit, von swelherleie sache
daz si, in den bach niht werfen noch ander ieman ze * Ver-
heugen, die daz von in kouften. si sullent ouch eim iegli-
chen der fleisch koufen wil, ob er dar nach fraget, sagen bi
irn Iriuwen an allez gevsrde wenne daz fleisch geslagen si
und welher hande fleisch ez si. si sullent ouch daz fleisch
niht anders zieren noch machen danne üeblich rizen uf dem
rücken mit dem mezzer. und swelhcz der einez si übervarni,
als ofte daz geschiht, als ofte sullent si gevallen sin in pene
zwei pfuut und fünf Schillinge, halbiu dem gerihte und halbiu
der stat. si sullent ouch eim ieglichen ze koufen geben ein
lialbez stücke, swelher leie ez si, anc rindrinez aleine, bi der
vorgenanten pene. si sullent ouch eim ieglichen ze koufen
geben ein puggel, ez si von kitze oder von lamp, dar nach
und er koufen wil oder mac. si sullent ouch kein smecken-
dez fleisch, swelher hande ez si, niht verkoufen bi der vorge-
nanten pene. swelher ouch den drin fleischhäckeln an irn eit
reite, daz sich mit der warheit ervindet, der sol gevallen sin
den burgern ze pene fünf pfunl, unvcrzigen des rililers relit
und ouch des dem ez mit gerelit wirl.
VI.
Lrabe pfanl diu man riten sol unde pfant diu man füe-
ren sol unde pfaul diu man tragen sol, daz sol der veillra-
ger, er oder sin kneht, iu der stat lif und uider tiion ane
gev.Trde, dar umbe daz diu selben pfant einem ieglichen
dester baz vergolten werden, und ob daz w*re daz iht an
pfanten diu man üf vrien niht verkoufte kein übertiure**
belibe über daz gelt dar umbe er diu pfant verkoufle, und
ob der daz niht nwme hin wider des diu pfant sint gewesen
■■ [ze werfeuiie veilicngeii? Hpt.] *~ überliure, mehrerlös.
STADTRECHT VON MERAN. 419
uiidc dem ez billich werden solte, inre vier/.eheii Uigen, so
sol er* diu übertiure des gelles legen hintz einem gemeinen
piderben burger an Meran, und sol da ligen als lange uuz
daz der üz kumt dem diu übertiure des geltes billich werden
sol 5 dem selben sol ez geantwurtet werden.
Ouch sol der veiltrager in sinem gewalte nilil behalten
ezzendiu pfant ** : er sol diu heizen antworten hinz einem ge-
meinen gastgeber an Merän, an aleine swin oder ander klei-
nez viehe sol unde mag der veiltrager wol behalten.
Ouch sol der veiltrager nemen ze lone waz er mizzet
mit Miinicher ellenstabe von hundert eilen gräwes tuoches,
von dem hingeber einen Schilling und von dem koufer ouch
einen Schilling, und von dem zwilich gelich als vile. von
hundert eilen lininen tuoches sol er nemen sehs Berner***
von dem hingeber, und von dem koufer sol er nemen ouch
sehs Berner.
Ouch sol der veiltrager nemen ze Ion, so er liäringe
oder dürre vische zeit, von dem hingeber von einem hundert
häringe oder dürrer vische einen \'isch äne geva^rde ; und
ob sie ander ieman selbe zeln wolte von den koalliuten, dan-
noch sol im da von werden sin Ion von der zale.
VII.
Daz sinl diu gesetzede diu den veiltrager angehcerent
uf sin ampt.
Nach Kristi gebürte tüsent unde driu hundert jär unde
darnach in dem siben unde drizigesten jär (1337J, des Sams-
tages an sant Andres abent habent gesprächet her Otte der
Bon, Thomas der Stapfei, Uolrich der schriber, meister Al-
breht der snider, Thomas Meister, Dietmars sun, meister
Wigant der schuolmeister, Eberle der sun, Fritz der sun,
Geöri der sun, sin sun, Thomas der smit, Fritz der Seibisch,
* er, der feillrüger.
** ezzeudez pfant, vieh und was sonst, zu pfände genommen oder
gegeben, genährt werden mufs.
*=■■"" Berner, Berner -pjennig, denarius Feroficnsis, wovon m 14n
Jahrh. 12 einen Schilling, 240 ein pfund machten.
27*
420 STADTRECni VON MERAN.
Engelle V^nde, Davit der noder*, dise burger von Meran ;
Heinrich Unihus, Heinrich Igels, Th. Chöverle, die ze disen
Sachen ze bekennen gesament worden, üf vorgerihl erteilt
waz zc sprechen über des frien marktes reht.
Swer ein pfant ab dem markte nimt mit gewalt daz üf
in drüf gesant wirl, der hat gewalt begangen unde den markt
gebrochen und ist dar umbe minen herren libes unde guoles
vervallen.
Swer ouch uf ein pfant bietet daz ilf dem markte get,
imd im daz umbe daz selbe gebot belibel, und er die pfen-
nige niht git umbe daz selbe pfant, der ist umb ein frävel
komen als ofte die pfennige an in gevordert werdent, einest
im tage, unde diu selbe frävel (git?) 4 pfunt.
Swer ouch ein pfant üf den markt sendet unde daz ver-
kouft unde daz selbe pfant dem koufer niht antwurlel ze der
zit und erz antworten sol ze rehte, der ist ouch umbe die
selben frävel komen, als ofte der koufer daz pfant an in vor-
dert, einest im tage.
Swer ouch ein pfant üf dem markt verkouft und daz liu-
rer git danne ez im stet unde sin gülte ist, der sol die über-
liure datz dem veillrager läzen, daz si dem geller wider ge-
boten werde unde daz er si da vinde. swer ouch des niht
tuot, der sol jenem üf den der schade gel sinen abe tiion
und den schaden selbe gelten und liden. und kunipt daz für
gcrihte, swaz danne von gerihl banne** gcvallcnt, die sol
der rihter haben und anders niht.
Swelch leilgebe ouch winpfant koufen wil, der sol des
ersten die burger dar zuo nemen, einen, zwei, dri oder viere
oder me, daz die bekennen, ob ez ein solch pfant si daz üf
den markt ze senden si oder susl üf dem laden ze verkou-
fen. und swie si inz heizent verkoufen, üf dem markte oder
sust, also sol erz verkoufen, also doch daz dem gelter diu
übertiure wider gevalle. get aver im ander verkoufungedespfan-
des iht abe, dar umbe mag er sinen gelter für baz pfenden unde
benoeten unz üf ganze wernüsse siner gülte. diser sache aller
sint die vor genanlen burger alle liberein (komen), daz frier
markt disiu vorgeschriben reht hat und haben sol.
* noder, notar.
••* banne, gesetzliche gerichissjwrteln.
STADTRECIIT VON MEKAN. 421
VIII.
Duz ist, der Ion den ein ieglicli veiltrager nenien sol von
dem vorgesciirihcnen pfanlverkoufen, und niht mer.
Von einem rainischen (rinischen?) grözen rosse daz ver-
koufl wirl und niht geloeset wirt sehs zweinziger ; wirt ez
geincsel, sol er nemen dri zweinziger. von einem hengist
der verkoult wirl und niht geloeset vrirt sol er nemen dri
zwcinziger; wirt er geloeset, sol er nenien anderhalbe zwein-
ziger. von einem ohsen der verkoul't wirt und niht gekesel
wirt zwene zweinziger; wirt er geloeset, sol er nemen einen
zweinzigcr. von einer kuo oder von einem stier ouch als
vil, von einem swin sol er nemen daz verkoult wirt einen
zvveinziger; wirt ez geloeset, sol er nemen einen zehener.
von einem l'uoder win sol er nemen einen zehener 5 wirt ez
geloeset ouch einen zehener; und ob des wines minre ist,
sol er nemen ouch einen zehener. von urbor sol er nemen
einen zweinziger; wirt ez geloeset, sol er nemen einen ze-
hener. von guote daz under einer mark ist sol er nemen
einen zehener, und waz über eine mark ziuget, ez si wenig
oder vil, ez werde verkoult oder niht, sol er nemen einen
zweinziger. von geizen, von schälen oder swaz so getanes
kleines vihes ist, ez werde verkoult und niht geloeset oder
geloeset, sol er nemen einen zehener.
IX.
Daz sint diu g^esetzede über dez wininezampt.
Daz die winmezzer von bürgern und gädcmblern an Me-
räu die wallte und stiure gebent ze löne nemen suUent von
einer ürn* M'ines, swa sie die mezzent in der stat, niur vier
I5erner. von einem fuoder wines in dem winmönde üzerhal-
ben der stat oder in der stat einen zweinziger. von den
gesten in der stat oder üzerhalben der stat in dem winmönde
oder vor dem winmönde sullent si nemen ze lön einen zwein-
ziger von ie einem fuoder wines. von einem ieglichen vazze
daz si mit wazzer mezzent sullent si nemen ze lön niur
* üru, ein gelränkmafs von 40 vierteln, vergl. Schmeller 1, 109.
422 STADTRECHT VON MERAN.
einen zweinziger, und ir knehle die daz wazzer schepfent
sullent nemen ze Ion niur einen zweinziger. von einem iegli-
chen mutte Öls oder lionic sullent si nemen ze Ion einen
zweinziger, und von ir ietwederm von einem halben mutle
einen zehener; und von einer gelten öls oder honic sullent
si nemen vier Berner. von einem halben fuoder wines sul-
lent si nemen einen zehener ze löne. swenne si hin für die
stat in daz göu ürn, patzeiden, pottigen bi einem fuoder pfeh-
tent, da sullent si von nemen ze Ion von ie einer ürn sehs
zweinziger und von ie einer pottigen, da si daz fuoder in
mezzent, dri zweinziger.
Ouch sullent si haben von patzeiden, pottigen, ölmulle,
gelten und Stangen und kuofkar genuog, dar umb daz nieman
dar an gesumet si, swenne man ir bedarf, an geva^rde. si
sullent ouch haben den kezzel dar in alle winmäz und ölmaz
bezeichent sint, dar umb daz ie dem man rehte gemezzen
unde gepfehtet werde sin maz.
Ouch suhlt die winmezzer von Mariingen und von La-
nan, einer von Mariingen und einer von Lanan, iegliclier alle
jär sehs kriuzer von einer ürn ze pfehten.
Die winmezzer sullent ouch nemen von ein fuoder wins
in ze läzen seiis zweinziger und von ein fuoder liz ze ziehen ein
pfunt Berner.
Si sullent ouch warten uC den wal lag unde naht, als ob
keinerlei für üz ka'me, daz der walen vcriiglich ge, und si
sullent in ouch alle samestage ordenilich mit einer houwen
rumen durch die ganze stat abe.
Si sullent ouch sla-te und empziglich warten mit allem
irem ziuge, schelfer, Stangen und ander, ob liur uz koeme,
daz si da mit bereit sin.
X.
Daz ist daz aesetzede über daz fiioter.
o
Ez sol weder burger noch gädcmler noch ander icman
in der stat üf kein (uoler niht lihen vor hin, noch vor hin
koul'en noch verarrei», wan daz man daz fuolcr sol lazen
füeren unde traijen in die stat üf den kornmarkl. ez sol ouch
STADTRECHT VON MEUAN. 423
nieniau liir die slat dar nach nilil rilen noch gen noch keinen
knehl noch holen darnach nihl senlen uf die straze durch kou-
l'ens willen, ez sol ouch menniciich daz fuoter nindert an-
derswä koulen, an als vil als ein herre oder ein hurger oder
ir holen kanuen und fuoter koufen wollen in der vrist und
ein gädemler in dem kouic w«r oder koufl ha'l, so sol er da
von slen und im daz lazen an alle Widerrede bi pene fünf
pfunde, halhiu dem gerihle und halbiu der slat. ez sol ouch
daz selbe fuoter uieman, ez si burger oder gädemler, nimmer
koufen wan bi dem lichten laue, ez sol ouch nieman üzer-
ieman üzerhalhen der slat pllililteil noch gemein noch gesel-
leschafl nihl haben, ilf in ze koufen, bi pene des fuolers und
zehen pfunde, halbiu dem gerihle und halbiu der slat. ez sol
ouch kein hindergädemler kein fuoter niht koufen bi pene
zweir pfunde und fünf Schillinge von ieglichem mutte*; und
sol man den burgern daz fuoter in iriu hiuser läzen füeren
unde da mezzen, und andern liuten üf den kornmarkt, swaz
fuoter ouch die gädemler koufen, daz sullent sie offenlich veile
haben in poligen iu den vordem gädemern und niht hin hin-
der bergen und üf liurunge behalten ; und sol an dem mutte
gewinnen niht raer danne einen zweinziger. und swer wider
dilzc gesetze tuot unde daz fuoter hin hinder birget oder ver-
lougent und niht offenlicheu in poligen in sinem gadem veile
hat, der ist umb daz fuoler komen und ze pene zwei pfunt
und fünf schillige, halbiu dem gerihle und halbiu der slat.
ez sol ouch menniciich, ez si gastgeber oder gädemler, daz
fuoter verkoufen und geben hi einem rehten vierteil (der seh-
siu?) gen an ein ster**, oder bi einem vierteil, der ahtiu
gen an ein ster,
^' inuete //*.
••"' daz ster (stär), ilal. slaru, nes'jui/nodius, gefreidemaß = i
/yie/ier melzv/i.
424 STADTRECHT VON MERAN,
XI.
Daz ist daz gesetzede über daz fiwer.
Swenne daz fiwer üz kumt, so sol ie von der fiurstal,
ez si burger oder gädemler oder ir gewisser böte, da hin ke-
rnen mit einer fiurhäken oder mit einer akes oder mit einem
schaff wazzer und sol helfen retten, swer daz niht tuot, der
sol geben ze pene eehen pfunt Berner, und sol diu pßne ge-
vallen der gemeinschaft der stat. und ist daz keinem sin
hüs abgebrochen wirt durch rettunge des fiwers, dem sol man
sin hüs wider machen mit der selben pene. möhte diu pene
niht gelangen, so sol im diu gemeine dar zuo helfen dannoch.
koeme aver ieman daz fiwer ze nähen üf, an dem andern oder
an dem dritten oder an dem vierden oder an dem fünften oder
an dem sehsten hüse üf, der sol umb die pene niht komen.*
in swes hüse ouoh daz fiwer üf kumpl, der sol sin tor üf
werfen und niht versperren und sol ouch schrien ' fiwer !
fiwer!* daz man rette, swer daz niht luot, der git ze pene
fünf und zweinzig pfunt der stat.
XII.
Daz ist daz gesetzede über diu da die sträze
unsAbernt.
Ez sol nienian bi tage noch bi naht keinen harn noch
hüspaht noch unsüber gespüele noch keine unsüberkeit, swic
daz genant ist, her füercn in die stat, noch in die straze niht
w^erfen noch tragen, heimlich noch olfenlich, bi pene zweir
pfunde und fünf Schillinge, halbiu dem gerihtc und lialbiu
der stat.
Dar nach sol kein ovenkneht noch ofnerin kein vackel-
lieht tragen bi tage noch bi naht, an alcine in der laterne,
bi der obgenanten pfene dem gerihte unde der stat.
■' d. h. soll keinv strafe zahlen, wenn er nicht auf der brandstä'ffr
erscheint.
STADTRECIIT VON MERAN. 425
XIII.
Daz ist daz g^esetzede über die g^emcinen froiiweii.
Ez sol kein gemeine fröuvvele keinen frouwenmantcl noch
kursen niht tragen noch an keinen tanz g6n da bürgerin
oder ander erbare frouwen sint; und suUent ouch üf irn schno-
ben tragen ein gelwez vänle, da mit man si erkenne, und
suUent niht vehe vedern tragen noch silbergcsmide. und swel-
hez diser sachen ir ainiu des übervert, der sol man daz ne-
nien. und wer daz tuot, dem sol daz sin an allen schaden
gen dem gerihte und gen den burgern.
Dar nach suUent die offen pfeffinne sin in den obgenanten
penen.
XIV.
Dar nach ist erfunden, daz nieman sol kein linlach noch
ander gewant an die schranken üf der brukken henken bi
p6ne zweir pfunde und fünf scliillinge, iialbiu dem gerihte und
halbiu der stat.
XV.
Daz ist daz g-esetzede über die gädemler
die in die stat ziebent und veile wellent baben; die suUent
am ersten, ent si iht koufen oder verkoufen, sich den bur-
gern ze erkennen geben, ob si in gunnen wellen ze koufen
oder verkoufen. und swelher des niht ta'te oder überfüere,
dem sol man nemen waz er veile hat. ouch sol in der korn-
mczzer kein körn mezzen noch salz, noch der veiltrager kein
tuoch mezzen. ist aver daz in daz die burger erloubent und
in sin gunnen weUent, so sol man si läzen veile haben und
sol man in mezzen als andern gädemlern. ouch sol in daz
ir hofwirt in des hüse si sint ze wizzen tuon.
XVI.
Daz ist daz gesetzede umbe den wee
der durch die münzen gel an die fleischbank, daz in den sel-
ben wec bi tage noch bi naht iht unsübers geworfen noch
426 STADTRECIIT VON MERAN.
gozzen werde, neinlich üz den drin hiiisern diu zwischen der
münzen und des Slitz^ern huse ligent, bi pfene zweir pfunde
und drier Schillinge, halbe dem gerihle und halbe der stal.
XVII.
Daz ist daz ^esetzede über daz underköufelanipl an
Meran.
Von einem fuoder wiu daz verkouft wirt ein zweinzi-
ger, halber von dem köufer und halber von dem hingeber.
von ie dem stücke gevärwetes gewandes von wolle zweue
Schillinge, einen von dem hingeber und einen von dem köu-
l'er. von ie dem stücke barchent einen zehener, halben von
dem hingeber und halben von dem köufer. von ie dem Zent-
ner wahs, kupfer, bli, zin einen zweinziger, halben von dem
verkoulcr und halben von dem köufer. von ie dem pfcrde
daz verkouft wirt vier zweinziger, zweue von dem verkou-
lcr und zweue von dem köufer. von ie dem soume isen ei-
nen zweinziger, halben von dem köufer und halben von dem
verkoulcr. ouch suUent si den geslen helfen win koufen unde
den geslen fuore gewinnen, soumrosse, den selben win ze
fücren, also daz man in gebe von ie dem fuoder daz man
in der stat an Meran verkouft einen zweinziger, halben von
dem vcrkoufer und halben von dem köufer. von ie dem fuo-
der win daz man verkouft uzerhalben der stat zwene zwein-
ziger, einen von dem verkoufer und einen Aon dem köufer.
aver die burger die ir wiiie in der stat vcrkoufenl sini niht
gebunden den underkoufen ze Ionen. Avanne die underköu-
fcl helfent gestcn pfert zuo winfuorc gewinnen, so suUcnl si
nemen von den koufern ze lono zwene zweinziger und von
ie dem fuorman der diu pfert lihel ouch zwene zweinziger,
si gewinnen vil pferl oder wenic.
Also daz ditze ampt alle underköufcl üebcu unde luon an
allez gevan-de unde daz si keinen kouf mit der haut dar sla-
hcn noch bestieten, ez werde ß geben saut Nikiaus kirchen
an Meran der goles pfennic, ein zweinziger. und ob die un-
derköufel der obegenanten koufmanschaft selbe koufen wel-
len, daz mugent si wol luon äne gevterde, und sulleut dar-
STADTRECHT VON MERAN. 427
Ural) an ir cide den si tiioiil über ir ampl niht gearquaiiel wer-
deti von den buif^ern und ander ienian. uudc den Ion den die
underköulel nemenl, den sullent si mit einander geliche Iciln
;ui allez geva'rde ; unde bi weihen kouCen oder verkoulen ir
ein nilit engegen gesin möhte, so sol der ander da bi sin,
ze übertragen den andern äne gevserde.
Oucb sullent si haben daz isen da mit man pfehten sol
unde mezzen die ellenstab ze einvaruem gewande, und darzuo
unde da mit ein brenisen da mit man ze ietwedrem orte üf
die ellenstab brennen sol ein kriuze. und sullent ze den zwen
vrien jarmcrkten ze plingesten unde sant Martins tage ie dem
gaste geben und antwurten einen niuwen ellenstab, der ein
varwez gewant snidet und veile hat. und sol in den gast
geben umb einen ellenstab einen zweinziger, oder ander, swer
der ist, der in gerne hat oder haben muoz, den sol mau in
geben ane gevaTde.
XVIII.
Daz ist (laz gesetzede über daz gebütelampt an
Meran.
Ez sol ein ieglich gebütel, swen er in der stat fiirge-
biutet, von einem ieglichen der vvahte und stiure git nemen
ze löne von einem fürgebot einen zehener; und von dem
der niht wahte unde stiure git sol er nemen einen zweinzi-
ger, üz genomen burgerknehte und antwürkerknehte, der sol
ir ieglieher ouch geben niur einen zehener. und swaz er
datz einem burger gastgeben oder gädemler oder antwürken
verleit und verbiutet, von einem der waht und stiure git sol
er nemen ze Ion einen zehener, und der niht waht und stiure
git oder ein üzerre man ist, sol er nemen ze Ion einen zwein-
ziger. er sol ouch nemen ze Ion von einem ieglichem dem
er von gerihtes wegen pfant sol antwurten dri zweinziger,
und von dem er ouch von gerihten wegen gewer sol antwur-
ten, ez sin varndiu* pfant oder urbar, niur in der stat, dri
zweinziger. er sol ouch nemen ze Ion von einem ster fuo-
ter, ez si liaber oder fuotergerste von dem hingeber niur
* v~ndiu die hs.
428 STADTRECHT VON MERAN.
einen ßerner; unde von einem ster salz sol er nemeu ze Ion
von dem hingeber ouch einen Berner.
Swenne ouch der gebiitel wahter gewinnet die in der
slat an Meran wachent, da von sol er eines wahters Ion üf
nemen für sine müe. er sol ouch der stat sweiner unde hor-
tcr gewinnen, ir vihe, swin unde rinder ze hüeten. den sel-
ben sol ein ieglicher der swin oder rinder für tribet gebn
kost unde Ion. swelher daz niht tuon wolte, den sol er dar
umbe pfanten und sol ouch da von üz nemen sin reht.
Swenne ein burger oder einer der waht und stiure gil
mit einem andern burger oder inswze der waht und stiure
git iht ze schaffen hat mit dem rehten, daz der gebütel im
die burger samnen sol, daz sol der gebütel tuon : da von ist
man im niht schuldic ze gebn. hat aber ein burger oder einer
der wallt und stiure gil ze schaffen mit einem üzern man
mit dem rehten, und im dar zuo der gebiitel die burger samnet,
so sol er im geben zwenc kriuzer und niht mer.
XIX.
Daz ist daz gesetzede umbe daz verinaclien
diu vordren tor in der gazzen bergeshalben, da man in den
zwein vricn jarmärklen aller leie gewant unde kramen vcile
hat, daz nieman sin vordrez lor her üz in die slrazen über
die nuosche* weder mit gewant noch mit ander ihliu versia-
hen oder verschrenken noch vermachen sol, bi pene fünf
pfunde und dri zweinziger, lialbiu dem gerihle und halbiu
der stat.
XX.
Daz ist daz üe.^etzede über die leit«>ebcn
die da win schenkent, ez sin burger oder gädemler, an Me-
ran, ez si umbe Ion oder eigen win, swer den trinken wil
in dem leithüse oder üzerhalben des leilhüses under dem tor
des selben leithüses oder üf dem laden des hüses, swic man
den win schenket, der sol den win gellen mit bereiten pfen-
nigcu oder, ob er pienuige niht enhal, so sol er dem winschen-
" nusscbc hs.
STADTRECHT VON MERAN. 429
ken solhi» pfanl. da lazeii da von er suis jifclles gewert Aue
geva;rde, swellier leie pfanl daz sin, ane messcgevvanl und
waz zuo dem aller gelioerel und ungebunlenz garn und nn-
gegerwele liinle oder vel üz dem eschen* und bluoligez ge-
want, oder swaz so getanes dinges ist daz ein leitgebe niht
nemen sol. oder er setze im einen bürgen äue gevaerde nach
wines relit, der im pfant gebe und antwurte über nahl ze
bereiten nnde des anderen tages ze verkoufen ze voller werunge
sins gelles. w«r aver er solher man der niht gelten möhte
oder wolle, den mac der leilgebe wol pfenlen ob er wil. ist
ab er ein** solher man der wol gellen mag unde dar zuo
gesezzen ist unde den win des er schuldig ist ze gellen niht
giltel und gel da mit iiz dem leilhus ane des leitgeben ur-
loub unde kumpt des andern tages, vor ert man ze sant
Nikiaus kirclien gar ze fron ampt geliutel hat, hin\^ ider in
daz selbe leitgebhüs unde giltel dem leilgeber sin gelt mit
Pfennigen oder pfanlen da sich der leitgebe an lat genüegen,
wol und guol. geschaihe des aver also niht, so ist er ge-
vallen ze pene fünf pfunt unde dri zweinziger, halbiu dem
gerillt und halbiu der stat. ist aver er ein üzerre man der
niht wähl und sliure git, der ist komeu umbe fünfzic pfunt
gen dem gerihle. danuoch sol er dem leitgeben sinen win
gelten.
XXI.
Swelher onch der liute die in der stat gesezzen sin, ez
sin burger oder ander, den andern wundet, da von sol dem
gerillte gevallen fünfzig pfunt. swer ouch ez si, burger, edel
oder unedel oder swie er geheizen ist, keinem an Meran, er
si rieh oder arm, üf unzuhl in sin liüs git oder loufet oder
ieman dar in jagt, der flühtig wirl, mit nachvolgende, kumpt
er innerhalb des trupfstals, so sol er geben ze halber buoze
dem er nach volget 25 pfunt Berner, dem gerillte 25 pfunt,
unde dem wirte under des trupfstal er kumpt, sol er ouch
geben 25 pfunt. kumpt aber der der in da jagt für baz unz
über daz drischuvel, *** so sol er ze ganzer buoze ieglichem
* vergl. äscher Frisch 1, 38^'. ** ist aver ein fis.
=^*- dristhubel ks. {ahschrij't). schwelle.
/i30 DIE MEROVINGISCHE STAMMSAGE.
geben 50 pfunl. wa'r oucli ez ein solher man der daz niht
vergellen mölile und ungewis darzno wa're, koment die bur-
ger darzuo, die sullenl denselben uf haben, ob si niiigent, unz
an daz geribte. wolle aber sich derselbe weren unde sich
niht lazen uf haben noch vähen, geschaehe danne der ahl von
den bürgern, ez wahren wunden oder totschlag, dar umbe
suUent die burger in unser ungenäde niht gevallen unde sul-
lent ouch uns und unsern rihtern dar umbe ungebunten sin
daz selbe mit ?ehte ze biiezen. dar umbe ist ein brief und
nmb ander gesetzet von kiinig Heinrichen, des datum lütet
1317 sambslag vor sant Vitslag.
DIE MEROVINGISCHE STAMMSAGE.
Die fränkischen genealogien (Pertz 2, 307. Bouquet 2,
695 IT.), über die kürzlich ausführlicher Sybel Königthum
s. 1781". gehandelt hat, sind besonders über den Zusammenhang
Chlojos und Childerichs uneins. man hat darnach es bezwei-
felt ob jener auch ein 3Ieroving sei^ seinen angeblichen va-
terFaramund hatVVaitz (Sal. recht s. 80, vergl. Sybel s. 17(5)
gewiss mit recht ins gebiet der sage verwiesen, aber den
Merovechus hält er als einen historischen namen fest (V^er-
fafsungsg. 2, 37), Sybel dagegen verwirfl ihn.
Gregor läfst es zweifelhaft ob 31erovech der söhn Chlojos
gewesen, die sage behauplet, er sei der söhn der frau Chlojos
und sein nachfolger, eine genealogie macht ihn (bei Chiltlel
Anaslas. Child. s. 14) zu einem blofscn verwandten, eine
zweite zum neffen, eine dritte zum eukel Chlojos, eine vierte
zu einem söhn eines andern 31erevius und nachfolger Chlo-
jos, eine fünfte zum solin des Theodemir. die meisten ge-
nealogien, Gregor mitgerechnet, stimmen aber darin überein
dafs er der vater Childerichs gewesen ; eine, die sangallischc
bei Pertz, nennt ihn als seinen urgrofsvater ; endlich in einer
sehr alten wird er überhaupt gar nicht erwähnt.
V^on seinem leben und seinen thaten wird nichts erzählt;
nur das Chronicon Quedlinburgense bei Perlz 5, 33 will wi-
fsen dafs er die Merwigisburg zu Erfurt gegründet habe, wo
später sanct Peters münster erbaut ward. Merovechus soll
DfE MEROVINGlSCnE STAMMSAGE. 431
dem fi^osrlilcclil den iiamen gegeben haben; aber der cpony-
niiis niuls diii'chans anders gelieil'sen haben, allein der Beowiill
5837 kennt nach Kemble Mrrer/o/'/ig-f/s, nach Thorkelin ^f('-
i-cr/oh/'/igas, nnd versieht darunter die Franken, wie unter
Sc/'ldingas die Dänen, Sc/////ti^f(s' die Schwaben ; aber frän-
kische Chronisten, die doch sicherlich hierin dem gebrauche
des Volkes folgen, kennen nur Merovingi, Mermvingi, Mer-
wimgi, Merunng?\ niemals Meruinkliingi, wie doch der name
lauten müste, wäre Mprorechiis, Meroreus Stammvater, die-
ser name ist componierl wie Chlodori'chus, C/i/oclorci/s, und
sein letzter iheil, in gothischen, besonders häuHg aber in alt-
fränkischen namen, dort als ?-///, hier als vechu, ven, vilw
gebräuchlich, ist das alln. rt- oder vi, ahd. alts. tvih {wihii?),
ags. veo, reoh idolum, nenius Myth. 58, ein compositions-
wort wie loh und alnh; vgl. Schmidts Zeitschrift für gesch.
8, 210. wenn Mi-rorerhii also nicht der mythische epony-
mus des geschlechls sein kann, so mögen die genealogien doch
recht haben die behaupten dafs ein Meroving, der immerhin
Childerichs vatcr mag gewesen sein, in der zeit zwischen
diesem und Chlojo so geheifsen habe, wie denn der name
später noch viermal in dem königsgeschlecht vorkommt, Wajtz
verfafsungsgesch. 2, 37; aber sicherlich ist der name C^lo-
dobadus, der neben 3Ierovechus vorkommt, noch viel weni-
ger erfunden und verdächtig, man wird aber darum ihn ebenso
wenig als den 3Ierovechus in die gerade reihe der fränkischen
könige mit Sicherheit stellen dürfen, sondern der Überlieferung
schwebte offenbar eine zeit des interregnums und der Verwir-
rung vor, wie man aus dem von Childerich erzählten noch
deutlich erkennt.
Der name des eponymus der Merovinge mufs einfach
Meru {Mitro), gen. Merwes {Meruioes, Merowes), gelautet
haben. Waitz denkt bei Mörovingi wieder an die alte er-
klärung aus man', mare meer, aber der uralaut ist im fünf-
ten und sechsten Jahrhundert und vollends in eigennamen kaum
möglich (vergl. zum sal. recht s. 272) und wie sollte tnaj'i
zum ableitenden lo kommen? Ettmüller (zu Scöpes vids. v. 4)
setzt mit unrecht iW^Vo/'?//^' an; das müste ein späteres i/rf/v/-
loing- ergeben, weil ags. und altfries. umlaut r nicht allfrän-
kisch ist; richtiger erscheint die annähme eines alten adj.
432 DIE MEROVINGISCHE STAMMSAGE.
merw = altn. iniör, teuer tenellus, was aber dann in den
alid. vKirawi, ?««;v/w/ sonderbarer weise die ganze ablautreihe
durchliefe, ohne die bedeulung zu verändern, allein die Hist.
epitoiii. c. 9 erzählt ja einen mythus vom Ursprung des Me-
rovechus, 'fertur super litore niaris aestatis tempore Chlodeone
cum uxore resedente meridie uxor ad mare lavatum vadens
terretur a bestia Neptuni, qui 3Iinotauri similis eam adpe-
tisset; cumque in continuo aut a bestia aut a viro fuisset,
concepit ac peperit filium 3Ieroveum noraine, a quo reges
Francorum postea 31erovingii vocantur. ' gewiss mit unrecht
ist diese erzählung mit jener fabel nach der die iVIerovinge
'an dem rucke tragent borsten sani swin'* in der 31yth. 364
zusammengeCalst. die bestia Neptuni ist ohne zweifei ein
nichus in thiergestalt, vergl. die Myth. 465 angeführte stelle
der Miracula s. Matthiae ; und wenn er in dieser dem Mino-
tiiurus verglichen wird, so ist gewiss nicht an ein nieer-
schwein, wie 31yth, 364 geschieht, zu denken, sondern, wie
einst in den deutschen sagen, an einen stier, als stier erscheint
bei Osterrode zu zeiteu ein wafserleufei, Harrys 2, 76, und
bei Scheuen in JNiedersachsen steigt ein solcher auch aus ei-
nein Sumpfloch hervor und begattet sich mit den kiiheu der
herde, ebend. 5, 79; vergl. Kuhns Mark. sag. nr 155. als
nach einer holsteinischen sage (Deutsche sagen nr Ü6) eine
am strande wandelnde heilige von übermütigen dorfbewoh-
nern verhöhnt wird, kommen tags darauf zwei ochsen, wüh-
len eine sanddüne auf, nachts erhebt sich ein stürm und das
dorf wird verschüttet, deutlicher redet die entsprechende dä-
nische sage bei Thiele 2, 257, vergl. 36; da ist es eine
wafserfrau die grofse rinderherden am strande weidet, end-
lich Frotho III soll nach Saxo 5, s. 256 31üll. am strande
sitzend von einer zauberin in gestalt einer meerkuh gelödtet
sein, die Symbolik liegt auf der band, wenn der griechische
Pegasos das qiiellross ist, das ross durch Poseidons dreizack
aus dem boden gelockt wird, der nichs in unsern volkssageu
sie ist eiilwcdcr eine von den giwüliulicl)cn müiRlisfabeln, aus
niisverständnis, vit'lleiclit der stelle bei Claudiaiius caim. 5, eiitspruii-
j;en, oder wäre sie voliismäfsig, so ist es wohl nur eine lioborede ge-
pen die reges crinili, und dann vielleieht, wie andre ähnliche, aus allen
neidliedern gellol'sen.
DIE MEROVIiNGISCHE STAMMSAGE. 433
aucli als ross ersclieiiil, so ist ofFenbar die springquelle oder
die lioehaiirschäiiinende welle mythisch aufgefal'st. das ross ist be-
kanntlich in anderer Verbindung mit dämonen der luft ein bild
des schnellen windes ; so muste auch Uhland Sagenforsch. 1,
100 die schwarze rinderherde Thryms für einen dunkeln
Wolkenzug halten, allein wenn vier riesige stiere nach dem
mvthus den pflüg der meergöllin Gefjon ziehen und so See-
land von Schonen abgetrennt wird, so irrt VVilh. Müller Zeit-
schrift f. d. a. 1, 96 sicherlich, indem er sie für Sturmwinde
erklärt : es sind vielmehr mächtige flutwellen, brandende wo-
gen ; die Symbolik ist in jenen sagen keine andre, ähnlich
wie in der merovingischen sage überfällt ein meermann eine
am strande wandelnde königin nach jenem gedieht vom meer-
wunder in Caspars heldenbuch ; man mufs also wohl den nich-
sen dieselbe lüsternheit wie den elben beigemefsen haben,
nun aber tragen solche wesen, wo sie in die heidensage oder
sonst in mythen eingreifen, stets bestimmte namen. daher ist
der schlufs nicht abzuweisen dafs, wenn der wafsermann in
Stiergestalt der mythische Stammvater der 3Ierovinge ist, er
auch Meru, 3ierw geheifscn haben mufs, dafs dann aber, wenn
so bei den salischen Franken ein wafser- oder flufsgott die-
ses namens gefunden ist und nun bei ihnen an der alten nörd-
lichen grenze ihres laudes ein ilufs die 3Ierwe genannt vor-
kommt (so hiefs bekanntlich der lauf der vereinigten Waal
und Maas bis ans meer), Leo doch wohl nicht so unrecht
hatte, als er (Universalgesch. 2, 28j den namen der Mero-
vinge von dem des flufses ableitete. Waitz a. a. o. meint,
diese erklärung könne nicht in betracht kommen ; ich glaube
keine andre.
Jene alte genealogie (bei Duchesne 1, 793) die den Me-
rivius den söhn eines andern Merevius nennt will also wahr-
scheinlich nichts anderes sagen als was der mythus, wie er
uns überliefert ist, verschw eigl, der sogenannte könig Mero-
vechus, so wie die spätem dieses namens, setzen ebenfalls den
genealogischen mythus voraus; ob auch die namen anderer
Merovinge? kein compositionswort ist unter ihnen gebräuch-
licher, als jenes adjectiv Chlod-, ahd. Hlud-; vergl. Hludio,
Hludung, Hludharius, Hludokis, Hludmär, Hludolf, Hlu-
dolt, Hludiperht, Hludiwic in alten baier. Urkunden, abge-
Z. F. D. A. VI. 28
434 DIE MEROVINGISCHE STAMMSAGE.
leitet aus der wurzel Jih'iip hldup hlup, die noch in manchen
Wörtern (vergl. Craff 4, 1096fF.), in denen meistens der con-
sonant weggefallen, durchblickt und genau dem griech. y./.vfip
entspricht, wird es nach dem regelmälsigen Übergang der as-
pirata in die media genau auch das griech. x/.vTÖg sein ; s.
Schmidts zeilschr. 8, 264. den sinn des verwandten klt/l
sonorus (altn. hl/'udr tacilurnus) darf man ihm schwerlich un-
terlegen, also auch nicht eine entfernte beziehung auf den
mythus darin finden ; aber es sichert den Chlodobadus (Äh-
TÖf-iuyng), den angeblichen vorfahren des 3Ierovechus, der fa
milie der Merovinge. nun aber hat Hermann Müller Lex sal.
s. 8 den namen C/t/dj'o * gewiss richtig aus hlfl/a/i mugire,
boare gedeutet und durch p'oiji' uyuVög übersetzt; ahd. H/öJo
und überhaupt sonst ist der name nicht nachweisbar, aber
gerade darum möchte ich den grund für ihn in dem gesclilechts-
mythus suchen: h/o/aft, mhi. /ünjen, wird nur von thierstim-
men gebraucht, hängt aber etymologisch auch wohl mit jener
wurzel ///////» zusammen, nur dal's der consonant weggefallen,
endlich beweist auch der Stabreim mit Chlodobadus u. s. w.
dafs die Chronisten recht jiaben, wenn sie Chlöjo zu den
Merovingen zählen, die annähme ist wohl unbedenklich dafs
jener mythus von ihrem Ursprung weit älter ist als Chlöjo,
und die historiker, verleitet durch den namen des 3Ierov('clius.
der den mythus selber voraussetzt, ihn nur an diesen geknüpft
haben, von dem sie. ohne das nichts zu bcriciitcn wüsten, zu
Tournay ward im jähre 1()53 in Childerichs, seines sohues,
grabe ein kleiner goldener stierkopf gefunden, der einst einen
theil des königlichen haarschnmcks ausgemacht hatte, denkt
auch niemand mehr mit Chilllet (Anastasis Cliilderici s. 140)
dabei an den ägyptischen Apis, eine mythische beziehung des
Stücks wird immer die wahrscheinlichste sein, trugen doch
die Aestier und die Deutschen, als Frowas oder ihres bruders
zeichen, die J'oniiaa a/ironnn — id pro armis omniumque
tutela securum deae cullorem etiam inter hostes praeslal
Germ. 45 — : warum nicht auch ein 3Jeroving ein bild sei-
nes göttlichen ahnhcrrn? vergl. Germ. 7. histor. 4, 22. es
braucht wohl nicht erinnert zu werden dafs die 31erovinge selbst
" Chlo^it) l)ei Gregor ist wie Agcttvs. Aegidnis statt Aeliux; die
später gebriiiicliliehere form Chlodio ist jenes alid. Hiudio.
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 435
so gut wie ihr volk von dem als stier dem wafser entstiege-
nen gründer ihres Ji.öniglichen geschlechts und ihrer art nur
eine durchaus würdige Vorstellung gehabt haben können, die
nicht nach dem tone der erzählung der Histor. epitom., noch
nach dem heutigen Volksglauben, sondern nach antiken Vor-
bildern will wieder erkannt sein.
K. xMÜLLENHOFF.
DIE AUSTRASISCHK DIETRICHSSAGE.
Dal's es über mehrere Merovinge historische lieder gege-
ben beweist nicht nur ein sogleich anzuluhrendes zeugnis,
sondern eine Zusammenstellung und Untersuchung der vorhan-
denen sagenresle würde auch zugleich den nicht geringen
umfang des sie betreffenden epischen Stoffs darthuu. es ist
aufserdem wohl das wahrscheinlichste dafs die barbara et an-
licjuissima carmina quibus veterum actus et bella canebantur,
die Karl der grofse sammeln und aufzeichnen liefs, vor allem
solche lieder waren in denen die thateu seiner vorfahren im
reich gefeiert wurden, die folgende Untersuchung wird dar-
auf ausgehn nachzuweisen dafs ein paar hauplcharaktere un-
seres epos der reihe der 31erovinge angehören.
Der poeta Saxo wünschte, so wie Karls rühm den aller
seiner vorfahren überstralte, so auch durch seine lateinischen
verse die altern deutschen gedichte zu übertreffen in denen
man die frühern könige gefeiert hätte, die merkwürdige stelle
5, 117 (Pertz 1, 268)
est quoque tarn notum : vulgaria carmina inagnis
laudibus vitis avos et proavos celebrant,
Pippinos Carolns Hludovicos et Theodricos
et Carlomannos Hlolhariosque canunt
ist bereits von Wilh. Grimm Heldens. 27 ausgehoben, der
plural ist ohne zweifei nur ein rhetorischer, aber w enn auch
nicht, es ist ein gesetz der volkspoesie dafs sie sich nur dem
geschichtlich bedeutenden zuwendet und dessen gedächtnis be-
wahrt ; vor allen andern seines namens mufs daher der Theo-
dricus der älteste und tüchtigste söhn Chlodovechs sein, der
nach seines vaters tode zuerst die deutschen länder jetzt un-
28*
436 DIE AÜSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
ter dem namen Austraslen vereint besafs und hier die grän-
zen seines reichs erweiterte durch Zerstörung des thüringi-
schen, neben ihm stand und wirkte sein tapferer söhn Theo-
debert, vondem Agathias s. 21 derBonn. ausg. sagt ToX^ir,Tiug ra
yao r\v tq r« f^iähoru xui Tu<ju'/o)dt]g y.ai nf'oa xov uvuyy.aiov ro
qü.oxhdvi'oi' y.fxTi^u.'^io^, und Gregor 3, 1 nennt ihn elegantem
et utilem und rühmt 3, 25 seine gerech tigkcit und milde; of-
fenbar ein mann ganz nach dem herzen unserer heldendich-
tung. zur herschalt gelaugt verfolgte er noch eifriger seines
Vaters bestrebungen und sein reich stand in bezug auf Deufsch-
land an ausdehimng kaum dem Karls des grofseu nach, für
die deutschen stamme sind diese beiden, Theodorich und Theo-
debert, unter allen Merovingen die bedeutendsten, bedeuten-
der selbst als Chlodevech. wenn nun das deutsche epos in
poetischem parallelismus ein paar austrasischer Dietriche als
vater und söhn aufstellt, so dürfen diese gewiss nur auf jene
bezogen werden ; denn gleichnamige historisch bedeutende per
soncn fallen erst in eine zeit wo, wie wir wifsen, wohl histo-
rische lieder entstanden, aber nicht mehr die grofseu epischen
Stoffe, einflufs könnten diese epigonen dennoch wohl auf die
sage geübt, aber nicht mehr die grundlage für sie hergegeben
haben, es ist auch ohnehin nicht wohl denkbar dafs die poe-
sic den burgundischen Theuderich II und den austrasischen
Theudebert II jenen altern dieses namen vorgezogen und sie
über diese gestellt hätte, da sie doch theils den eigentlich
deutschen Völkern ferner, theils auch an wahrer bedeulung
eine ziemliche stufe niedriger stehen, in bezug auf die altern
Theuderich und Theudebert aber ist gleich von vorn herein
anzuerkennen dafs, wurden sie gegenständ der sage und des
epos, bei der ahnlichkeit ihrer namen, bei ihrem engen histo-
rischen Zusammenhang, der gemeinschafl ihrer thaten und der
gleichheil ihrer bestrehungen, es nicht ausbleiben konnte dafs
facta die historisch nur mit dem ersteren in Verbindung ste-
hen auf den zweiten übertragen wurden oder umgekehrt.
Bezeugt der poeta Saxo im allgemeinen dafs der auslra-
sische Theuderich in liedern gefeiert war, so bezeugt schon
der ältere Travellers song v. 47 in der aufzählung einer reihe
altdeutscher volkskönige und beiden durch die werte Theudric
veöld Fro//cifm dafs derselbe auch, oder, wenn der namen-
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 437
Wechsel mit seinem söhn vorgegangen wäre, dafs dieser eine
hauptperson des deutschen epos war. alle historischen ele-
mcnte dieses gedichtes, selbst seiner interpolationen*, die Stel-
lung der deutsclien vöIker und die erwähnten historischen per-
sonen fallen spätestens ins sechste jahrh. (vergl. Nordalb.
stud. 1, 162), beweiscs genug dals der genannte Theodric je-
ner Sühn Clilodovechs oder auch Theudebert sein raufs.
Gegen das jähr 520 fiel der dänische oder jütische könig
Chochilaicus plündernd den gau der Hattuarier, das heutige
(jJeldern, an. auf Tlieuderichs hefehl eilte Theudebert mit einem
beere dahin, schlug und tödtete den könig und jagte den fein-
den die beule wieder ab. nicht Outzen (Kieler blätter 1816
bd. 3, 312), wie Leo über Beovulf s. 5 meint und darnach
Haupt Zeitschrift 5, 10, sondern erst ein jähr später entdeckte
Grundtvig (Dannevirke 1817 bd. 2, 284 ff.) die identität des
Chochilaic und Hygelac im Beovulf, ferner die der Hattuarier
und Helvare, die zweimal in diesem gedieht genannt werden
Beov. 4720. 5827 ; ebenfalls kommt der allgemeinere name
der Franken vor 2420. 5819, einmal werden auch die Me-
revioingas (Merovingi) 5837, dann neben Franken oder Hetva-
ren die damals schon zum fränkischen reich gehörenden Fri-
sen 2414. 4709. 5003. 5819. 5826, endlich noch /^//^»v?* er-
wähnt 5000. 5823. wer sind aber diese? man hat wunder-
bare erklärungen versucht: Leo s. 10 hat auf Kuik gera-
then, obgleich ags. h und g niemals altfränk. oder mnl. k und k
sein können ; Ettmüller (zu Scöpes vidsid v. 28 und Beov.
s. 21) hält die Hucingas und Hugns für identisch und für
die alten Chauci, obgleich auch hier weder die consonanten
noch die vocale zusammen stimmen, das chronicon Quedlin-
burgense (Pertz 5, 31) aber sagt 'olim omnes Franci Hugo-
ftes** vocabantur a suo quodam duce Hugone.' ich wage keine
erklärung des räthselhaflen namens, verschweige jedoch die
Vermutung nicht, die sich sprachlich durch den wegfall des
consonanten rechtfertigen läfst, dafs das Hünaland der edda-
lieder nicht allein geographisch das land der Hugones Franci
sein könnte ; freilich ist dabei auch Htm, der mythische fürst
'■* in einer solchen wird Alboin in Italien erwähnt, um 570.
'■** man declinierte also stark und schwach, ags. Hugos und aits.
Hiisun, sowie Gothi und Gotliones.
438 DIE AÜSTRASISCFIE DIETRICHSSAGE.
der Hetvaren im Travellers song, zu berücksichtigen, so viel
ist nach jenem zeiignis der Quedlinbiirger chronik und ans
den stellen des Beovulf deutlich, dafs jener name eine epische
benennuiig der Austrasier war.
Vielleicht ist im Beovulf ein doppelter kämpf der Geäten
in den untern Rheingegenden, ein glücklicher mit den Frisen,
ein anderer unglücklicher mit den Franken an der 3Iaas, zu
unterscheiden, was jedoch die sage nicht mehr deutlich aus
einander hielt, denn so begreift es sich eher dafs der name
des von Beovulf erschlagenen Huga cempa Dägliräfn (Beov.
4998), der dem Frisenkönig diente, allein im gedächhiis blieb;
doch merkwürdig ist es immerhin dafs im gedieht der fränki-
sche könig oder königssohn gar nicht genannt wird, eine
erinnerung an Chogilaics räuberischen anfall erhielt sich in
den Niederlanden noch lange (Zeifschr. 5, 10); aber in unserm
epos ist davon keine spur mehr zu entdecken, denn wer wird
wohl den kämpf des osfgolhischen Dietrichs von Bern, der
durch das \'erona-Bonn an den Liilcrrhcin gelangte, mit Ecke
und Fasolt historisch deuten wollen? auch für die Vermutung
dafs er liier an die stelle des auslrasisclien Dietrich getreten
sei wird kein rechter grund aufzubringen sein. jedoch bei
einem solchen zusammentreHen zweier gleichnamigen beiden
auf einem und demselben local wird man allerdings berech-
tigt sein der sage des einen später wenigstens berühmteren
manches abzuziehen und dem andern wieder zuzuwenden,
gleich in Ecken austahrt sind mehrere beiden mit Dietrich
von Bern in Verbindung gesetzt die nicht nur der rbeinfrän-
kischen sage, sondern auch zum theil selbst der alten mero-
vingischen beizuzählen sind.
Helferich von Li'/nc, den Ecke im walde liegen findet,
erzählt (str. 57 Lafsb.) selbst, er sei seihe riei^de ron dem
Rvie ausgeritten durch willen schaener wibe; da begegnet
Dietrich v«)n Bern ihnen und erschlägt seine drei begleiter,
die er der feigheit anklagt, und verwundet ihn selbst so schwer
dafs er den lod erwartet, doch kommt er später mit dem leben
davon, er sagt von seinem rosse (str. 66 Lafsb. str. 63 Easp.
V. d. Röhn) ez hat mich martege raste
getragen mit den kreften sin
enzwischen Kölne und Spire.
DIE AIJSTRASISCHE DIETKICHSSAGE. 439
jenes Lime, das bei Caspar von der Röhn Lone genannt wird,
ist jedoch wolil nicht auf die Logenaha, den Lahngau, zu be-
ziehen, sondern das ueustrische Laudunum, das heutige Laon
in der nähe von Soissons und Rheims ; daher konnte Helfe-
rich, wie Walther von Lcngcrs und von Kerlingcn heifsl, auch
im alten druck (Heldens. 221) von Lütringc genannt werden,
ich halte ihn für den heriichtiglen Meroving Chilperich von
Soissons (561 — 584) der durch Sigeberts erniordungAustrasien
an sich rifs. auf ilni auch hat man gewiss mit recht jenen
köuig Hialprckr gedeutet bei dem der V'ölsung Sigurdr nach
nordisclier sage aufwächst; nach Sicni. 171. 183 müfsen wir
ilju in Frakkland denken, bestimmter noch spricht dies Nor-
uagestssaga c. 4 aus; nach Snorr. 138 herschte er d Thiödi,
was nach Biörn und (jlrinim (gramm. 1, 19) Frankreich be-
zeichnet, obwohl P. E. Müller (sagabibl.2, 57) und die Kopen-
hagener gelehrten darunter Thy in Jütland verstehen ; nach
\ ölsungasaga c. 21 ist Hialprekr in Dänemark, obwohl man
im 13n jahrh. vom fränkischen Ilelfrich wenig genaues mehr
zu erzählen wusle, so mufs er doch einst bedeutender gewe-
sen sein, je ehrenvoller noch sein name ist. es war fast nichts
mehr übrig als eben dieser name, und, wie das häufige
beispiele lehren, man stellte einen solchen bald hier bald dort-
hin ; es kann ja vorkommen dafs sogar in demselben gedichte
dieselbe persou in zwei verschiedenen gestalten neben einan-
der oder auch auf Seiten zweier feindlichen parteien auftritt,
vergl. Jac. Grimm in dieser Zeitschrift 5, 4. daher sehe ich
lieinen grund dafür mit Wilhelm Grimm Heldens. 269. 270
den alten freund Dietrichs, der in Dietrichs drachenkärapfen
vorkommt und ebenfalls Helfrich von Lü?ie oder von Laue
heifst, für verschieden von dem gleichnamigen gegner Dietrichs
in Ecken ausfahrt zu halten ; und schwerlich wird Aqt Helß'ich
von L'dlringe in der Flucht 5138, der mann Etzels, ein an-
derer sein; ja vielleicht ist der gleich neben ihm genannte
in der Rabenschlacht (Heldens. 199) häufiger vorkommende
Helfrich von Lundcrs nur fälschlich von ihm unterschieden
und Lunders nicht London, sondern mit Lune, Laudunum,
verwechselt.
Helfrichs bruder heifst Ludgast (Lafsb. Casp.) Ludegasty
Lugegast (anh. zum heldenb.). man schreibt den namen Liu-
440 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
degast; dieser und daneben Liudeger kommen im epos häu-
figer vor; sie sind aber nicht so ohne weiteres den namen
Liutgast, Liutger gleichzustellen, sondern es nahm jenes alt-
fränkische Chlod-, ahd. Hlud- später, als es nicht mehr ver-
standen ward, so wie Hugo zu Hüc ward, eine falsche länge
und darnach den uralaut an. auch Ludegast der starke ge-
hörte wie Helfrich in das Grippigenland zu Köln und Ach
nach dem anhang zum heldenbnche.
Der alte druck Heldens. 221 nennt Ortwin (in Lafsb.
hs. ohne beisatz), den zweiten begleiter Helfrichs, von Mentz
Ortwein der reich; Caspar v. d. Rhön vo?i Meintz ein degn
tuguntleich: der anh. zum heldenb. Ortwi/n von Bi/nn. einen
Ortwin von 31e{z kennen die Flucht und die Rabenschlachl (Hel-
dens. 202.212), auch der Alphart (Heldens. 2.39), als Dietrichs
mann nebst andern Rheinländern, die wie jener auch an ei-
nigen stellen in der Nibelunge noth als unwichtige nebenperso-
nen unter Günthers dienslmannen auftreten, merkwürdig un-
terscheidet der Biteroir (Heldens. 130) einen altern Ortwin
von 31etzen von einem Jüngern und deufi^t Verhältnisse an
die den historischeu charakter des beiden nicht verkennen la-
fsen. es ist jedoch zu wenig detail aus der altfränkischen ge-
schichte uns überliefert und ein mann dieses namens wird, so
viel ich weifs, nicht mehr genannt: vielleicht wird er aber
aus der spätem geschichte dieser gegenden nachweisbar sein,
ob er 31ainz oder 31elz angehört kann die sage unmöglich
mit Sicherheit wifsen ; genug dafs er ein austrasischer held
und in der geschichte seiner heimat einst wichtig genug war
um gegenständ der poesie zu werden. Metz scheint an ihn
ein befser begründetes anrecht zu haben, das bruchstück von
Walther und Hiltegunde str. 4. 7. erwähnt den Ortwin von
Metz und zeigt ihn auch in einer ganz cigenthümlichen Stel-
lung zu Günther von Worms ; im latein. Waltharius fällt
Gamelo (der alte) von 3Ietz känipl'ond für Giinlher: er ist
wahrscheinlich schon jener Ortwin der alte, Grimm Lat. ged.
s. 116. darnach ergäbe sich uiigelähr die grenze bis zu wel-
cher der historische Ortwin in austrasisch-rheinischer gegend
gesucht werden könnte.
Als den dritten gesellen Helfrichs nennt nun das gedieht
von Ecken ausfahrt den Hüc von Tenemarke ; im Alphart
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 441
stellt er auf Dietrichs seite (Heldens. 239) ; im anhang zum
heldenb. heilst er vo?i Mentz. nach der Verbindung in der
er erscheint niufs auch er ein fränkischer held sein und das
Dänemark so aufgefafst werden wie beim Ogier le Danois,
wie in der Kudrun (Zeitschr. 6, 63. 64), wie wenn Iring
von Lütringe Hawarts von Dänemark dienstmann heifst Klage
200. Bit. 7725. Heldens. 116, oder wenn Hug und Wolf-
dielrich, deren heimat sogleich nachgewiesen werden soll, nach
dem gedieht von VVolfdietrich und Sabene aufser Griechen und
Heunen und Polenland auch Dänemark behersclien. eine be-
ziehung jenes Hüc von Tenemarke, wenn auch nicht auf den
wie es scheint willkürlich erfundenen dux Hugo der Quedlin-
burger chronik, so doch auf den alten beinamen der Franken,
wird daher hinreichend begründet sein.
Das bestreben der sage gothische und fränkische beiden
mit einander in Verbindung zu setzen, wie es so eben beob-
achtet ward, hätte aber nothwendig bei der namengleichheit
der haupthelden schon frühzeitig zur vollständigen vermengung
beider kreise führen müfsen, hätte man nicht auf Unterschei-
dung bedacht genommen, die Quedlinburger chronik (Pertz
5, 30) nennt nun den söhn Chlodevechs Hugo Theodoricus;
auf der folgenden seite, wo sie auf den Ostgothen Theodorich
zu reden kommt, bemerkt sie dafs dieser Amulung Theoderic
genannt werde, und wie sie dann gleich darnach die Zerstö-
rung des thüringischen reichs durch den Hugo Theodoricus
und die Sachsen erzählen will, fügt sie hinzu ' Hugo Theo-
doricus * iste dicitur, id t?X Francus, quia olim omnes Franci
Hugones vocabantur.' Hugdietrich bedeutet also den fränki-
schen und es ist sehr zu beachten dafs dem historischen Me-
roving dieser name nur dann beigelegt wird, wenn die ge-
schichtschreiber der volkssage folgen ; denn auch Widukind
1, 9, indem er ausführlicher und befser als die Quedlinburger
chronik die sächsische sage von der Zerstörung des reiches
Irminfrids erzählen will, hebt von einem fränkischen könig
Huga an, nach dessen tode sein söhn Thiadricus von den
Franken erwählt sei. es kommt aber nunmehr alles darauf
" die Heldens. 33 aDgeFührle Sachsenebronik (Leibnitz 3, 281)
folgt im gaozeo Widukind, bat aber daneben die Qnedlinburger cbro-
nik benutzt.
442 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
an Lachmauns Vermutung Heldens. 33 zu rechtfertigen und
naclizuweisen dafs auch die sage vom Hugdietrich und seinem
söhn, wie sie in späten gedichten des dreizehnten Jahrhunderts
vorliegt, wirklich noch demente altfränkischer geschichte ent-
hält und austrasischen gegenden angehört.
So sehr verschieden auch in allem übrigen die beiden
auf uns gekommenen darstellungen der sage sind — sie ist
bekanntlich in ihrer altern reinern gestalt bis jetzt allein durch
den auszug Caspars von der Röhn aus einem gedieht bekannt
das in einer Ambraser handschrift nach Hormayr (werke 2,
256. 257; vollständig erhalten, aber leider immer noch nicht
veröffentlicht ist; jünger dagegen (vergl. Heldens. 235) ist
die gestalt der sage in dem gedieht von dem in ältester fa-
isung (wo noch einzelne lieder zu erkennen sind) nur einige
theile, gedru(;kt in dieser Zeitschrift 5, 401 ff., übrig sind, das
aber vollständig, wenn auch sehr erweitert und überarbeitet,
bis jetzt allein im alten heldenbuch vorliegt - — es kommen
dennoch beide darstellungen darin überein dafs nach dem tode
des Hugdietrich eine fheilung seines reichs unter seine söhne
vorgenommen wird, bald darnach wird dem Woifdietrich (ob
der älteste oder der jüngste söhn ist zweifelhaft, nur über
seine wunderbare heldenjugend ist man einig) von seinen brü-
dern vorgeworfen, er sei ein kebskind, ein bankhart, daher
unberechtigt zur herrschaft; sein erbe wird ihm genommen
und er raufs flüchtig ins elend gehn, kehrt aber später wieder
zurück, erstreitet sein reich und nimmt seine brüder gefan-
gen, dies ist der ramen der ganzen fabel in beiden darstel-
lungen, und hierin liegen die liislorischon elemenle. man er-
innere sich nur des gleich anfangs bemerkten, die sage un-
terscheidet zwar die namen des vaters und sohnes nicht melir,
wie es historisch wäre, durcli das zweite conipositionswort,
sondern durch ein charakterislisches beiworl, offenbar aber
nur um, ganz dem stil der allen poesie gemäfs, den paralle-
lismus zum einmal gewählten namen Hugdietrich herzustel-
len, sie scheint auch einen wesentlichen zug der histoiisch
dem vater angehört auf den söhn zu übertragen. Thcudericus
war (!!hlodovechs söhn von einem kebsweib, Gregor 2, 28,
und gerade dies ist auch das haujitmofiv der handlung in jener
sächsischen sage sowohl bei Widukind als im Chron. Qucdlinb.
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 443
nach seines valers tode theilt er mit seinen drei brüdern das
reich, empfangt selbst den grölsern theil, und als Chlodomer
lallt, erweitert er diesen noch, nicht ohne streit mit den noch
lebenden brüdern. aber anch seines sohnes Theudeberts ab-
kunll ist zweifelhaft; standesmäfsig scheint Theuderich sich
erst im jähre 522 mit der Burgunderin Suavegota vermählt
zu haben, als Theudebert schon erwachsen, ebenfalls ist Theu-
deberts söhn Theudovald aus einer nicht standesmäfsigen ehe,
Gregor 3, 27. als nun Theuderich starb und die oheime Theu-
deberts sich erhoben und ihm sein reich nehmen wollten, ille
muneribus placatis a leudibus suis defensatus est et in regno
slabilitus, Gregor 3, 23. aus diesen elementen läfst sich nun
sehr wohl die sage entstanden denken, es ist nur eine con-
traction vorgegangen, wie sie sich häufiger beobachten läfst.
Die sage bildet immer nach einfachen ethischen motiven
sogleich das historisch -lactische um, das aber dann, je be-
stimmter jene hervorgekehrt werden, allmählich mehr und mehr
eiuschwindet und zuletzt oft gänzlich bis zur uukennllichkeit
verloren gehen kann, ohne zweifei halte sie im achten und
neunten jh. noch reichlichere iiistorische bestandtheile ; so konnte
der krieg durch den Hugdietrich nach der altern darstellung
abwesend ist, als ihm sein söhn Wolfdietrich geboren wird,
in frühem Jahrhunderten bestimmter als der mit dem thürin-
gischen Irminfrid oder mit Hugileih bezeichnet sein, und so
könnte man für die doppelehe Wolfdietrichs mit dem schönen
zauberweib Sigeminne und der Liebgart, der nachgelafsenen
wittwe Orlnits von Lamparten, obwohl alles dies in den ge-
dichten lauter mythus ist, doch einen historischen grund an-
nehmen : Theudebert vermählte sich zuerst mit der schönen
Deuteria und verstiefs diese dann (Franci contra eum valde
scandalizabantur), um die ihm seit sieben jähren verlobte lan-
gobardische königstochter Wisigard zu heiraten, man erin-
nere sich nur dafs die Hygd, die gemahlin Hygelacs und Of-
fas, im Beovulf noch ganz unmythisch erscheint, dann aber
in der spätem anglisehen sage ( Vitae Offae I et IT in Watts
Matth. Parisiens. vergl. 3Iyth. 394. Schleswig-holst. sagen
nr 3) ganz mythisch geworden ist. doch dies sind gefähr-
liche beispiele, die man zum beweise historischer demente in
der sage niemals benutzen darf, und wenn wir ein solches
444 DIE AÜSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
verfahren in der deutung der Nibelungensage zurückweisen,
so legen wir auch hier kein gewicht darauf.
Auch die annähme eines zwiefachen historischen einflu-
fses auf die Hug- und Wolfdietrichssage, wie er doch wahr-
scheinlich im zweiten theil der Nibelungensage stattgefunden
hat, obwohl wir anfangs daher auch die möglichkeit desselben
einräumten, ist jetzt entschieden zu verwerfen, man urlheile
selbst, nach Childeberts II. tode (59G) theilen seine jungen
söhne Theuderich und Theudebert; jener empfängt Burgund,
dieser Austrasien ; beide sind streitbar genug und führen wie-
derholt kriege mit ihrem vetter Chlothari, Fredegundens söhn,
auf anstiften der Brunihild aber gerathen sie bald in streit
mit einander, Theudebert Avird unechter abkunft beschuldigt,
in furchtbaren schlachten CFredegar c. 38) geschlagen flieht
er, wird eingeholt und gefangen gesetzt; Theuderich reifst
Austrasien an sich, stirbt aber kurz darnach 613. obwohl
in namen und einzelnen dingen Übereinstimmung, so ist im
ganzen die Verschiedenheit doch so grofs dafs auch nicht ein-
mal eine einwirkung auf die sage, geschweige denn ihr Ur-
sprung daher denkbar ist, und wir nunmehr, weil eine an-
lehnung an noch spätere historische ercignisse ganz unmöglich
ist, mit noch gröfserer sicherheil unsern epischen stolf auf
die geschichte Theuderichs und Theudeberts des ersten dieses
namens beziehen.
Freilich scheint es dafs wir aus der geschichte Theude-
berts II eine erklärung der llucht Wolfdietrichs gewinnen
könnten, allein ein kurzer rückzug Tlieodorichs des Osfgo-
Ihen wird in der sage zu einem drcilsigjährigcn exil, und es
wird richtiger sein jene crlindung der sage rein aus ihrem
bestreben ein ethisches motiv zu vollständiger anschauung zu
bringen herzuleiten, wir wifsen dafs Theudebert durch die
treue seiner dicnstuianncn im reiche erhalten ward, und diese
treue der dicnstmannen und des herrn wiederum gegen sie
ist es gerade was sie aufgriff und in reichster und kräftigster
entfallung ihrer poesie in einem wunderbaren heldenleben dar-
stellte.
Beide darstcllungen verlegen das reich des Hug und Wolf-
dielrich nach Griechenland, aber wenn die jüngere einem
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 445
köiiij^reich zu Conslanlinopei ein andres zu Salnccke* gegen-
iibcrslellt, so ist deutlich dafs dies erst nach dem jähre 1204
in der sage angenommen sein kann ; damals nämlich ward in
Constantinopel das sogenannte lateinische kaiserthum gegrün-
det das bis 1261 bestand, und daneben durch Bonifaz von
Montferrat das königreich zu Thessalonich ; früher fand mei-
nes wifsens diese theiluug des landes niemals statt, die ältere
darstellung scheint zwar das reich zu Salnecke nicht zu ken-
nen, wenn auch Caspar einmal str. 205 den Wolfdietrich von
Salnecke nennt; doch die ganze Versetzung der sage nach
Griechenland kann frühestens erst mit dem zwölften Jahrhun-
dert eingetreten sein, als gleichzeitig so manche andre unter
der band roher spielleute ein ähnliches Schicksal hatten (llel-
dens. 357. vergl. einleit. zu Kudrun s. 87. 93). sollte aber
bis dahin die sage es festgehalten haben dafs Hug und Wolf-
dietrich ein Ostreich, wie Theuderich und Theudebert Austra-
sien, besefsen hätten? so wäre nicht viel meiir als ein ver-
zeihlicher irrlhum vorgefallen, aber das reich Hugdietrichs
umfafst nach den altern Überlieferungen auch Heunenland, Po-
len und Meran d. i. Dalraatien und Croatien, wie Hormayr
(Werke 3, 208. 209) nachwies, länder die zwar um die mitte
des zwölften jahrh. die griechischen kaiser erobert hatten, die
aber 1180 Bela 111 dem ungarischen reiche wieder gewann,
die jüngere darstellung zählt ferner noch Galizien zum reich
Hugdietrichs; was str. 261 der Wiener hs. mit Pei/ der ypp
hindmi (im heldenb. dr. von 1590 widreii und xiijperian)
gemeint sei wird erst weitere vergleichung von handschrif-
ten ergeben, genug, da Ungarn, Polen (Galizien) und Dal-
matien zusammen nie zum historischen griechischen reich ge-
hörten, wohl aber das damalige ungarische ausmachten, zum
theil auch in einer gewissen abhängigkeit von Deutschland
standen, so ergiebt sich zwischen den endpunkten Dänemark
(am Rhein) und Constantinopel ein mittel wo die sage doch
nicht ganz aufserhalb des deutschen gesichtskreises zu stehen
scheint, von wo aus sie aber in jenem Jahrhundert leicht öst-
'■^' in der Wiener hs., im 4u bände dieser zeitschiilt abgedruckt,
wird durchweg Saluekke gelesen, doch wird es schwerlich etwas an-
deres sein sollen als Thessaionich.
446 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
lieber wandern konnte, dafs sie aber auch noch kurz zuvor
ihre statte in Deutschland hatte lälst sich darthun.
Auf den Zusammenhang der sage vom llother und Oserich
mit dem WolFdietrich haben bereits von der Hagen und Wilh.
Grimm hingewiesen. Kother, könig zu Rom oder zu Bare in
Apulien, dem gewöhnlichsten hafenort deuischer kreuziabrer,
ist wahrscheinlich der langobardische könig Rothari. aber
nichts weiter als dieser name ist von longobardiscber Über-
lieferung in der sage zu entdecken, es wird vom Rother eine
der so häufigen gefahrvollen brautwex'bungen erzählt ; dieselbe
sage ist wenig passend dann auch an Etzels Schwiegervater
Oserich geknüpft, eigenthümlich gehören diesem brautwer-
bungsmythus drei oder vier riesenbrüder an, jeder von be-
sonderer art und bedeutsamen eigenschaficn; aber so sehr ist
der ursprüngliche Zusammenhang schon verwittert dafs nicht
einmal diese riesen mehr jeder seine besondere nothwendige
stelle in der handlung beibehalten haben, die hcimat, die ih-
nen sowohl im Rother als in der erzähluiig der Thidrekssaga
beigelegt wird, beweist dafs der mit ihnen zusammenhängende
mylhus, sagenhaft umgebildet, einst in Norddeutschland loca-
lisiert war, und damals wird er eben so wenig mit dem Lan-
gobarden als mit dem Wilzenkönig* etwas zu thun gehabt
haben, mit diesen beiden epischen namen sind aber noch ele-
menle einer andern sage verknüpft, die uns zunächst angeht,
sowohl Rollier als Oserich, als sie sich an» hole des iVindsc-
seligen braiitvaters belinden, treten unter dem namen Dietrich
auf, und als Rother das erste mal zurückkein-t, zieht er von
'■ dafs Osericb (Osantrix) dies ist wird eine neue vollstäudig:e
ausSfibe der sogenannten Villiinasapa, die mein freund R. von Liliencron
vorbereitet, dartbun. als in dieser zeitscbrift (i, 64 «ine neue deutung
des namens Viliviuus, Villcinaland versucht ward, liefs icb micb durcb
Ilafos Übersetzung und Pcringslviölds ausgäbe verleiten und übersah
dafs schon P. E. Müller Sagabib. 2, I8Ü angiebt dafs die beiden voll-
ständigen Kopenhagener handschriften durchweg, wie Liliencron bestä-
tigt, niftniis und Filtinaland haben, und in der that, rechnet man
einige nordische zuthaten in der saga ab, so ist das Villinaland offen-
bar das land zwischen Norddeutschland und Polen, also das nieder-
derdeulsche Viltciialand, und das land der // V/ze, wohin nach Dietrichs
nucht (Heldens. 187) Ermenrich seinen sohu sendet, ist genau dasselbe,
es ist nunmehr ganz aDmöglich bei den angeblicheu \ ilkinus noch an
Vulcanus zu denken.
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 447
Bari über Bern (Verona), dann über die berge nach Deutsch-
land, sl reitet wider die empörer in liif lande und hält dann
daselbst gericht, Holher 3097 ; auch zuletzt sitzt er nicht mehr
zu Honi oder liare, sondern im Iräukisclien lande zu Aachen
5021fr. und gilt für den vater Pippins, grofsvater Karls des
grol'sen. dal's Rother hier an die stelle des austrasischen
Dietrich, nicht aber des ostgothischen gesetzt ist, ist klar ;
so wie Pippin die ganze reihe der Arnulfmge vertritt, so steht
Ilotlier-Dietrich collecliv in dieser sagenhaften genealogie für
alle Merovinge. die erzählnng der Thidrekssaga ist vielleicht
nur eine ungenaue auffafsung und willkürliche Übertragung des
inhalls des gedichts von» Rother auf den Osantrix; wenigstens
blieb das gedieht nicht ohne einllul's auf die erzählung der
saga. die Verknüpfung aber so verschiedener bestandtlieile,
wie sie in dem gedichtc stattfindet, und die wendung die hier
einem mytlius von einer brautwerbung gegeben wird, scheint
gröstentlieils nur die eigne neue erlinduug des verfafsers des
gedichtes selbst, eines rheinländischen spielmanns, zu sein,
wie dem aber auch sei, sowohl ein willkürlich schaltender
dichter als auch die allmählich bildende sage mufs im zwölf-
ten Jahrhundert, als das gedieht oder sein inhalt sich gestal-
tete, die aüstrasisclie Dietrichssage noch innerhalb der gren-
zen Deutschlands vorgefunden haben.
Hugdietrichs treuer rathgeber oder sein erzieher, ver-
trauter und verwandter ist der alte herzog Berchtung von
Meran. er wird auch Wolfdietrichs erzieher und pdeger, und
nach Hugdietrichs tode ist er es gerade der mit seinen sech-
zehn söhnen die eigentliche idee der ganzen fabel veranschau-
lichen soll ; sechs von ihnen fallen im kämpfe, und als Wolf-
dietrich nun flüchtig die übrigen mit dem vater in der gewall
seiner feinde lafsen mufs, sind seine elf treuen dienstmannen
immerfort seine klage und all sein trachten gehl mehr auf
ihre befreiung als auf die Wiedergewinnung seines reichs. die
Wolfdietrichssage kann ohne Berchtung und seine söhne nicht
gedacht werden.
Nun aber kommt auch im Rother ein alter graf (466)
oder richtiger herzog (69.3 ff.) Berchter (Mafsmanns anm. zu
452 ff. 725; Bercher 566 ; Berker 1351) vor, der erzieher
und rathgeber Rothers, dem auch dieser von seinem vater auf
448 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
dem todbette empfohlen ist ; von seinen sechszehn söhnen fin-
det sich eine dunkle spur 5125. unter den zwölf boten die
Rother aussendet, und die gefangen gesetzt werden, sind zwar
nur sieben söhne Berchters, dieser erwähnt aber selbst 409
ihrer zwölf, man sieht, hier ist Verwirrung (Heldens. 53)
oder Willkür, und genau besehen, so spielt der alte Berchter,
im Hug- und Wolfdietrich so unentbehrlich, im Rother dage-
gen eine iiberüüfsige rolle, offenbar ward die gefangenneh-
mung der boten Rothers der anlafs ihn hier einzumischen
und jene boten wenigstens zum theil für seine auszugeben.
Osantrix sendet erst sechs namenlose ritter, und als diese ge-
fangen gesetzt, mit einer zweiten bolschaft seinen brudersohn
Hertnit selbzwölfte aus : dann, als diese dasselbe Schicksal
trifft, macht er erst sich selber auf mit den riesen : hier ist
der Berchter unbekannt, durch die einmischung desselben aber
und seiner söhne tritt in Rother eine Verdoppelung der mo-
tive ein, wie sie keine alte reine sage kennt, indem des kö-
nigs sinnen und trachten zwischen dem verlangen nach der kö-
nigstochter und der treue gegen seine dienstnianuen getheilt
ist ; beweises genug dafs Berchter nur aus der andern sage
heriibergenommen ist. *
Seit 1117 nannten sich die dogen von Venedig herzöge
von Dalmatien und Croatien, seit 1180 auch ungarische prin-
zen, Ilormayr Werke 3, 182. 183; denselben titel führten ohne
das land zu besitzen seil 1140 die Dachauer grafen, zwei-
mal in Urkunden von 1152 und 1158 werden sie auch mit
dem gleichbedeutenden von Meran genannt, a. a. o. 149; aber
erst als ihr haus 11 80 ausstarb und der titel auf das verwandle
des grafen Berthold IV von Andechs mit dem jähr 1181 iiber-
gieng, ward die benennuug nach Meran gebräuchlicher, a. a. o.
167. 177. Heldens. 53: 1248 erlosch auch dieses haus und
damit zugleich der titel. nun ist der name Berlholds gewiss
nicht von einflufs auf unsere sage gewesen, ** wohl aber kann
man die einwirkung der historischen Verhältnisse darin erkennen
* andere ähulichkeiten beider gedichte, z. l). die beziebung auf den
Orient, dals beide beiden zuletzt sich münchen u. dergl., beruhen nicht
auf der sage, sondern auf dem stil der spielniannspoesie.
** Berthold III war damals noch jung als er den herzoglitel em-
pfieng.
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 449
dal's im Rotlier Bercliter herzog von Meraii ebenso wie die
üacliauer und Andeoliser grafen ein vasall des römischen kai-
sers und deutschen königs ist; denn als solcher wird Rolher
dargestellt, wie aber bereits bemerkt ward, wird im Hug- und
WoUdietrich dagegen in Übereinstimmung mit der wahren
historischen Sachlage Meran entweder zum griechischen oder
zum ungarischen reiche gerechnet, dies scheint die ältere,
wahre meinung der sage zu sein, wenn sie Berchtung von
Meran der Dietriche von Griechenland dienstmann sein läfst.
in merkwürdigem Widerspruch damit steht jedoch str. 272 der
Wiener hs., wo die beiden von 3Ieran kommend durch das
Eppaner thal (ze egpan in das tau 1. ze Eppan in däz tal*)
reiten; der dichter muls an das nahe tirolische Meran ge-
dacht haben, das, ein marktflecken der grafen von Tirol, erstseit
1239 in Urkunden vorkommt (Hormayr a. a. o. 200), aber
nie herzögen den namen geliehen hat. auch die ältere dar-
stellung, wo Berchtungs bürg Lilienporte (Hormayr a. a. o.
257; bei Caspar liparte) heilst und eine veste SchiUes (bei
Caspar vtenigstens slr. 143) erwähnt wird, mag an tirolische
örter oder besitzungen der deutschen herzöge von Meran ge-
dacht haben, aber in immerhin so späten ge(fichten könnte
ein misverständnis der in ihnen behandelten sage nicht im
mindesten verwundern : verfolgen w ir jedoch die übrigen spu-
ren der sagen von Berchter und seinem geschlechte, wird je-
nes schwanken des locals gewissermalsen gerechtfertigt er-
scheinen.
Jene Vermutung dafs die ähnlichkeit der Rothersage mit
der von Wolfdietrich hinsichtlich der gefangenschaft von elf
oder zwölf dienstmannen zu der einmischung von bestandlhei-
len die letzterer allein angehören verführt hat, und so Berch-
ter zum vater des boten Rothers ward, wird dadurch unter-
stützt dafs die namen seiner söhne in diesem gedieht von
denen die ihnen im Wolfdietrich beigelegt werden völlig ver-
schieden sind, man könnte versucht sein sogar die beiden
angeblichen söhne Liuppolt von Meildn Roth. 3439. 4190.
4358, der in keinem andern gedichte erwähnt wird, und
Erwin, von dem das gedieht selbst nichts mehr als den kah-
len namen augiebt, für blofse erfindungen des dichters zu hal-
*■ das heldenb. druclc von I59Ü liest zu Sippen in das tal.
Z. F. D. A. VI. 29
450 DIE AÜSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
len. dem zweiten söhne wird mit ausnehmender freigebigkeit,
die jedoch in der spielmannspoesie sehr gewöhnlich ist, von Re-
iher Spanien 4840, dem ersten Liuppolt aufser Kerlingen noch
Apulien und Sicilien verliehen, obgleich diese beiden länder
damals als der dichter lebte noch nicht und ebenso wenis
in der band deutscher könige oder kaiser standen als jene ;
alt kann dieser zug natürlich nicht in der sage sein, jedoch
tritt ein Erwin, freilieh mit dem zusatz voji Else?i Troie, in
der Piabenschlacht und Flucht unter Etzels beiden als Irings
bruder, Rabenschi. 543, und ebendaselbst str. 724 auf Er-
menrichs Seite nur mit verändertem namen ein Re?itwin von
Elsenf Troie auf, und dieser name w«ist wegen des Troie
ohne Zweifel auf fränkische, ja wohl auf die Wolfdietrichs-
sage selbst hin, wo wenigstens des beiden geliebte Else und
ihre bürg und ihr land ze alten Troyen heifst. von einem
dritten söhn erzählt Berchter 469 dafs Rother (Dietrich) ihn
über die Elbe* mit einem grofsen beere gesendet habe und
dafs er dort gegen die beiden kämpfend in goltes diensle ge-
fallen sei. auch hier weisen namen und local auf fränkische
sage und vielleicht merovingische zurück, nur dafs, wie einst
gegen die Sachsen jenseits des Rheins, jetzt der zeit der
kreuzzüge gemäfs gegen Wilzen und Wenden gekämpft wird,
alle diese uotizen, wenn nicht willkürlich erfunden, sind im
besten falle also bruchstücke von sagen die ursprünglich gar
nichts mit dem langobardischen Rotlier zu schallen hatten.
Ungleich wichtiger sind andere sagenreste die uns das
gedieht von Rotlier erhalten hat. für die zeit seiner (Dietrichs)
abwesenheit wird Amelger von Tengelingen als reichsverwe-
ser, jedoch nicht in Rom, sondern in Deutschland oder viel-
mehr in Baiern bestellt, denn jenes Tengelingen ist entwe-
der das heutige Tengling zwischen Regensburg und Straubing
{Otto et Sigihart de Tengilingen iMeichelb. nr 1277, c. a.
1100) oder eher noch das salzburgische gleiches namens
(Tengihilinga Kleinmayrns Juvav. s. 2G a. 788). Amelger
wird sogar könig genannt 2953 ; er ist mit Rotlier (Dietrich )
und Berchter verwandt, in ft-ühern jähren hatte Elvewin
(Albwin), ein herzog vom Rhein, ihn aus seinem lande ver-
'" den santes du vbcr elve: Malsiiiann denkt an die Alpen; Wilh.
Grimm Heldeus. 52 sogar an Syrien, was sicherlich ein irrlhum ist.
DIE AUSTRASISCHE DIETRI^HSSAGE. 451
trieben, aber Berchtcr lialf ihm, erschlug Elvewiii iinftl gewann
Ainelger sein land wieder, 3415. nun stirbt er noch ehe Ro-
Iber (Dietrich) zurückgekehrt, da empören sich sechs mark-
gralen und verwüsten das ganze reich : sie woikn statt des
unbeerbten Rother (Dietrichj Hademar, den mächtigen herzog
von Diezzen, zum könige haben 2939 tf. zwar hat nach die-
sem ort niemals einer den herzogtitel geführt, aber es war
der Stammsitz jenes machtigen geschlechts das, eine Fortsetzung
der altbaierischen Huosi, in seinen zweigen der Dachauer und
Andechser grafen im zwöUten Jahrhundert, wie wir sahen, den
herzogtitel führte (Hormayr, Werke 3,37. 56 ff. 1, taf. VIII).
den eaipörern widersetzt sich nun W'olfrat, Amelgcrs söhn,
mit andern getreuen, und als Rother (Dietrich) zurückkehrt,
dauert die fehde noch an, aber man erfährt nicht genau, wie
sie abgelaufen, denn obgleich Rother über die berge kom-
mend in Baiern von Wolfrat empfangen wird 2970 ff., so ist
er nach 3096 doch mit seinen feinden zu lliflando :
dar rigU der gode keyser .
Wide will unde weisin.
3285 kommt er wieder nach Bare zurück, und bei dem nun
folgenden zweiten zuge nach Conslantinopel begleitet ihn
Wolfrat mit einem grofsen prächtigen beere von Baiern 3570 ff.
später empfängt er zum lohne für seine tapferkeit, die wieder-
holt gerühmt wird, Österreich Polen und Böhmen 4863. wahr-
scheinlich ist er daher kein anderer als der Wolfrät uz Oster-
lande der nach dem Biterolf (Heldens. 140) Astolts zu Me-
delicke oder Mütären bruder sein soll; sie kämpfen daselbst
7686. 10283 mit Gelfrät und Else aus Beierlant. sowohl
Berchter als auch Rother stehen hier, trotz jener erwähnung
Riflands und eines herzogs vom Rhein, offenbar ganz inmit-
ten baierischer händel. es mag daher an die alten agilolfin-
gischen Theodebald *, Theodebert und Theodone erinnert wer-
den, von deren einem es wenigstens sagen gab; und wie er
darin mit dem ostgothisclien Theodorich wechselt (Grimm,
Reinhart f. L. LI), so wird auch das mittelglied zwischen einem
baierischen Dietrich und dem Rother nur der austrasische glei-
ches namens sein. Berchters Verflechtung in diese sage kann
** einen Diepolt (d. i. Dietpalt) von Beiern nennt die Rabenscbl.
Str. fi5.
452 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
aber nicht durch die annähme erklärt werden dafs er, wie er
liinsichtlich Merans sich sclion mit den Andechsern berührt,
so auch hier an der stelle eines altern dieses geschlechts
steht; sein gegner in der sage gehört gerade diesem hause
an, schwerlich aber seine freunde Amelger und Wolfrat von
Tengelingen ; überdies fällt der älteste andechsische Bertholt
erst ins elfte Jahrhundert, nur das darf man aus dieser eigen-
thümlichen Verbindung baierischer sage mit jenem beiden un-
sers epos schliefsen, dafs in diesem ihm längst, und zwar in
folge seines Zusammenhangs mit Hug- und Wolfdietrich, eine
Stellung in östlichen gegenden angewiesen war, wenn auch
nicht zu Meran, so anderswo.
Im Wolfdietrich wird der alte ßerchtung als ahn des ge-
treuen Ekkehart und der VViilfinge hingestellt, Heldens. 231.
233. seine beiden ältesten vorzüglichsten söhne sind Hache,
Ekkeharts vater zu Breisach am Rhein, und Herbrant, Hilde-
brands vater zu (Jarten in Lamparten : an diesen schliefst
sich noch ein jüngerer söhn Albranl. offenbar nach gewöhn-
licher cntstellung ein älterer namcnsgenaunter Hadebrands;
er emplangt Brabant. aber der erste gehört einem thüringisch-
alemannischen mythus an, worüber an anderm orte, und der
zweite der gothischen sage, doch ist jener Pragmatismus nicht
ungeschickt, die Verbindung mit Berchtung kann immerhin von
ziemlichem alter, wenn auch nicht ursjjrünglich sein. Berch-
tung weist durch seinen nanien so gut wie Amelung und Ni-
belung auf ein eigenes gleichnamiges geschlecht hin ; unpas-
send trägt er. der Stammvater, nur einen namen mit |)atronv-
mischer endung. voizuzielien scheint der im Rother gebräuch-
liche name Berchter. so lieifst auch einer der söhne im
Wolfdietricli, Heldens. 233, und gerade dieser empfängt Meran;
ein anderer Berchtujig Kernden, ein dritter Berchtwin Sach-
sen, ich stehe nicht an ein geschlecht der Berchtunge an-
zunehmen, dessen reihe freilich zerrifsen ist, aber folgen wir
der spur des namens, so gehören alle aufser dem schwäbi-
schen Berchlold, Heldens. 138, olfenbar einem Zähringer der
sage, jenem räume an wo wir bisher den Berchter und Berch-
tung und die mit ihm zusammenhängenden sagen landen
und wo wir ihm auch einen sitz von altersher zuschreiben
möchten.
D[E AUSTRASISCHE DIETUICHSSAGE. 453
Aul die slelleii des BiteroU", die wohl auf unsere sage
bezogen werden niiilscn, machte bereits ilorniayr aufmerksam
a, a. o. 255 ff. auch hier kommt schon ein herzog von Meran,
nämlich Schrutan, im dienst bei Etzel vor, Heldens. 142. als
gegen die Burgunder gerüstet wird, räth Biterolf zu Ermen-
rich zu senden und ihn zur hilfleislung aufzufordern ; da wer-
den neben den Hertungen als Bcrkers kinder die fürsten zu
Meyldn genannt, 4(>01 ; sie heifsen Rienolt (d. i. Reinolt,
Reginoll) und tio/uhlt, begegnen uns in andern gedichten un-
ter etwas veränderten namen und in andern Verhältnissen wie-
der, Heldens. 145. 209, und werden wahrscheinlich schon im
Travellers song ixhlia'dhn'e m\{\ Ro/idhere (neben Rumslanr=:
Rimstein, Bit. 4773. Thidrekss. c.12()) unter Ermenrichs man-
nen erwähnt; denn die namen bedeuten ganz dasselbe, aul'ser-
dem wird neben ihnen im Biterolf 4759 ein Berchtu/tg' auf-
gefordert, der junge genannt 5191. 5667, und herzog zu Raben
oder Lamparten, ebenso ein junger Sabenc, Sibichen söhn,
Heldens. 145; von dem altern wird alsbald die rede sein.
Berchtungs leute und die von Meylan kämpfen dann 8802.
8962 mit denen Nantwins von Baiern ; sonst finde ich nichts
von diesen epigonen erwähnt was auf alte echte sage hin-
deutet, nur des Paltrani von Alexandrien, königs von Apu-
lien, Bit. 2556. 2670, sei noch gedacht, da bei Caspar von
der Röhn ein könig Paftrain Berchtungs (Puntungs) schwager
ist. im Alphart 73 werden unter Dietrichs beiden Hache der
junge, Bange (1. Bonge, Wolfdietrichs bruder?), Ortioin (von
Metzen?), Berchter der starke und Volkvnn (Nantwins von
Baiern bruder?) nach einander aufgezählt, und bei Ermenrich
ein herzog Berchiram iion dem berge (Tirol?) genannt,
Heldens. 237. 238; in der Flucht 429 unter andern italischen
und östlichen beiden ein Perchti'am, dann 470 Belichtung
Wifslans von Griechenland söhn; ebendaselbst und in der
Rabenschi. Heldens. 192 unter Dietrichs mannen ein herzog
Berchtram von Pole, Randolt von Ancone, Berchter und
Sabene ein herzog und markgraf zu Bern und Mailand, den
Dietrich hier belehnt haben soll, bei Ermenrich dagegen Sa-
bene Sibechen söhn; dann bei Etzel Heldens. 198 ein Baltram
ohne beisatz, ferner ein Dietrich von Kriechen, ohne zwei-
fei unser Hug- und Wolfdietrich odei* (gemäfs der altern dar-
454 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
stellun«,'; einer seiner briider: aufserdem noch die schon er-
wähnten Erwin von Elsen Troie und die Helfriche von
Lütringe und von Lunders: allein in der Rabenschlacht, Hel-
dens. 212, bei Etzel mit andern baierschen und östlichen bei-
den ein herzog Berchtram von Salnicke und ein markgral'
Berchtung-, ein naher venvandter der Herrat und Tibalts von
Sihenhärgen, Heldens. 104. diese Berchtunge, ßerchtrame
und Berchtere nebst Baltram denke ich mir als zersprengte
glieder jenes geschlechts das allein in der austrasischen
Dietrichssage seine unverrückbare stelle hat: dals sie nach
Italien gelangten ist vermittelst der ostgothischen Dietrichs-
sage und deren Verflechtung mit der von Ermenrich begreif-
lich ; dals sie auch in Etzels dienste traten noch weniger zu
verwundern, gerade dasselbe schwanken in hinsieht der geo-
graphischen angaben findet bei jenen namen statt, wie wir es
schon in der Dietrichssage beobachteten: sie verbreiten sich
über den ganzen osten, Griechenland, Polen und das ungari-
sche reich, neigen sich aber auch auf die deutsche seite und
deuten auf Tirol, Baiern und Franken hinüber.
Zwar ist es bekannt dals die sitte dem namen der per-
son noch den ihrer heimat oder ihres besitzes als stehenden
beisatz hinzuzufügen erst mit dem elften Jahrhundert aufkommt ;
aber doch auch die ältere poesie hatte ein ähnliches, was frei-
lich von titelniäfsiger Steifheit weit entfernt war: sie unter-
liefs es nicht sowohl von der abkunfl als auch von der hei-
mat ihrer beiden bescheid zu geben, und was ihre angaben
über letztere betrilft, so setzt sie darin natürlich immer be-
stimmte ethnographische und historische Verhältnisse voraus,
mögen die personen nun ursprünglich selbst historisch oder
aber mythisch sein, nun ist es bekannt dals Theuderich viel-
leicht schon die Baiern unterwarf, dals gleich nach Theodo-
richs des Ostgothen tode den Franken ein grofser theil des
heutigen Tirol zufiel, dals Theudebert von hier aus provinzen
die bisher zu Italien gehörten angrifl", mit den Langobarden
in Pannonien kämpfte und sie zinspilichtig gemacht haben
soll ((iesta Franccu'. c. 26, vergl. Gregor 3, 32), so dafs er
in seinem briefe an den kaiser Justinian sich einer herschaft
rühmen konnte die sich vom nördlichen ocean bis zur (ost-)
grenze Pannoniens an der Donau entlang erstreckte, und er
DIE ALSTR.\SISCHE DIETRICHSSAGE. 455
von hier aus im verein mit Langobarden und Gepiden (in
Ungarn) daran denken konnte das griechisclie reich selbst
anzugreifen, als der tod ihn ereilte, auf diesem Schauplatz
seiner thaten mag die sage frühzeitig dem ersten dienstmann
den sie ihm zuschrieb und dessen geschlechte eine statte an-
gewiesen haben, als Slaven, Avaren und Ungarn in diese
länder einrückten, wechselte sie dem gemäfs mit den namen
der Völker. abe# wie wir sahen kann sie höchstens erst mit
den fünfziger jähren des zwölften jahrh. Berchtung den titel
eines herzogs von Meran beigelegt haben; sie mag aber früh-
zeitig geschwankt haben ob er auf die deutsche seite etwa
als markgraf oder auf das jenseitige gebiet an seines herni
statt über die fremden herrschend zu stellen sei. wenn nun
endlich Caspar von der Röhn sein original richtig benutzt,
so sagt die ältere darstellung auch noch nicht dafs Hugdietrich
sein reich in Ungarn und Griechenland erblich von seinen
vorfahren erhalten habe, sondern vielmehr dafs er es erobert ;
dies wäre also nur eine sagenhafte Übertreibung des histori-
schen, und um so eher ist es begreiflich, wie die sage, die
doch im zwölften jahrh. noch Dietrich als herscher im austra-
sischen Frankenlande kannte, dies vergefsen und der roman-
tik und geschichte der zeit folgend ihn alsbald ganz als erb-
lichen könig zu Constantinopel betrachten konnte, wie dies
in der jungem darstellung geschieht, in dieser wird auch Hug-
dietrichs vater Anczrus Wiener hs.. Antis, Attenus Hel-
dens. 230, genannt; ein entstellter name, vielleicht der grie-
chische Alexius?
Auf die angegebene weise, glaube ich, erklärt es sich ein-
fach sowohl wie als auch zu welcher zeit die wunderbare Ver-
setzung einer deutschen heldensage in ein fernes land vorge-
gangen ist; dazu musten die alten historischen erinuerungen,
die in der sage selbst hafteten, selbst sogar mitwirken, es
fragt sich nur ob solche historische elemente sich noch wei-
ter verfolgen lafsen. ist Berchter oder Berchtung eine histo-
rische person? der einzige dieses namens der, so >'iel wir
wissen, mit Theuderich und Theudebert in einer gewissen,
jedoch nur entfernten beziehung steht, ist der unglückliche
Bertharius von Thüringen, den sein bruder Irminfried ermor-
den hiefs; dieser. beraubte dann mit Theuderich und Theude-
456 DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
bert verbündet seinen zweiten bruder Baduricus des reichs.
es kann aber keinem vernünltigen in den sinn kommen dar-
aus unsere sage abzuleiten, dal's sie nämlicb eine person die
historisch fast keinen Zusammenhang mit Hugdietrich hat zu
ihm in ein solclies Verhältnis gesetzt hätte wie Berchtung zu
ihm hat. da findet sich nun (Fredegar c. 24. 25) bei Theu-
derich II von Burgund ein majordomus Berthoaldus genere
Francus, moribus mensuratus, sapiens, cautu», in proelio for-
lis, fidem cum oranibus servans, ganz wie der alte Berchtung;
er fällt aber noch in demselben jähre da er zu seiner würde
erhoben durch die nachstellungen des Protadius und der Bru-
nichild in einer schlacht. ferner hiefs der cubicularius dessel-
ben burgundischen königs Bertharius, der, als Austrasien von
Theuderich erobert ward, sich sehr auszeichnete und den flie-
henden Theudebert ereilte und gefangen nahm, Fredegar c. 36.
38. man wird auch noch in der spätem fränkischen geschichte
bedeutende namen finden die an Berchter oder Berchtung erin-
nern, aber wir überlafsen diese dinge lieber andern, die die
Nibelungen aus dem Tacitus herauslesen oder auch aus der
geschichte jener Brunichild oder gar aus dem lügengewebe
später belgischer Chronisten deuten; diese mögen auch hier
ihr heil versuchen, wir meinen an der grenze des histori-
schen zu stehen, wo es sich mit dem mythischen verbindet
und so zur epischen sage wird, das sichere kennzeichen aber
dafür dafs Berchtung und sein geschlecht mythisches Ursprungs
sind, liegt darin dafs ihm in der altern echten sage ein ihm in
jeder hinsieht widersprechender cliarakter gegenübersieht. Sa-
bene und Berchtung stammen eben so gewiss aus einem my-
thus wie Sibeche und Ekkehart oder in anderer art Hageu
und Siegfried.
Die jüngere darstellung weifs nichts mehr von Sabene.
sie schildert den Hugdietrich als einen zierlichen mädchen-
haften Jüngling, der in weiblichen handarbeiten sich die gröste
geschickliclikeit aneignet, um ganz für ein mädchen gehalten
zu werden und so auf den thurm zur Hildeburg zu gelangen,
es mag hier immerhin der rest eines alten myllius erhallen
sein: Odin niuunt die gesfall eines allen weibes an, um bei
der Rindr zum zweck zu kommen, aber so sehr ist diesem
theile jener darstellung unserer sage jedes gefühl für das alle
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 457
und echte entschwunden dals sogar der angebliche könig Wal-
gunt von Salnecke einen namen empfangen hat der nicht ein-
mal ein niannsname ist, und keineswegs kann früher jener
mythus die ganze sage von Hugdietrich ausgemacht und die
gestalt gehabt haben in der er überliefert ist. viel würdiger
erscheint der held in der altern darstellung. er hat sich weite
reiche unterworfen und ist abermals auf der heerfahrt, als
sein dritter söhn Wolfdietrich geboren werden soll. Sabene,
der treulose rathgeber, ist bei der königin als hüter, er stellt
ihr nach, verleumdet sie dann bei ihrem geniahl, das kind
wird ausgesetzt, von wölfen gesäugt, von Berchlung errettet
und aufgezogen, man sieht es dafs jener uralte mythus der
zum iheil von dem anglischen OlFa (Schleswig-holst. sagen nr3),
von Siegfried in der Thidrekssaga, in der legende von Geno-
vefa, und theilweise noch von vielen andern beiden in ver-
schiedenen Variationen erzählt wird*, hier aber in reicher epi-
scher fafsung erscheint, zu diesen innern gründen für das alter
der Überlieferung kommt noch ein historischer grund. denn
wenn es wahr ist dafs der mythische Berchtung mit seinem
geschlecht nur das historische factum der treue der dienst-
mannen Theudeberts, die ihn im reiche seines vaters gegen
seine oheime schützten, zu vertreten hat, so hat auch der my-
thische Sabene eine historische berechtigung. jenem thüringi-
schen Irminfrid dei- auf anstiften seiner gcmaliiin seinen brü-
dern reich und leben nahm und seinem verbündeten den ver-
sprochenen antheil vorenthielt, dem giebt die sage als treulosen
rathgeber den göttlichen heroen Iring, und dem überaus krie-
gerischen und gefiirchteten** Gothenkönig Ermenrich, den sie,
wohl in Übereinstimmung mit der geschichtlichen Wahrheit,
selbst einen wölfischen treulosen (värlogan Travell. song)
nennt, dem stellt sie nach einander unter verschiedenen na-
men mehrere treulose rathgeber zur seile, so war auch Theu-
derich in verdacht den Irminfrid, der auf treu und glauben zu
ihm gekommen, von der Stadtmauer von Zülpich gestürzt zu
haben und Gregor 3, 7 erzählt, wie er eben nach beendigung
des thüringischen feldzugs seinem bruder Chlothachari nach
* vergl. die aogerdbi-teii stellen zu den Schleswig-holst. sagen nr5I3
s. 523.
** so Arnmian.
458 DIE AÜSTRASISCHE DIETRICHSSAGE.
dem leben getrachtet, und fügt dann hinzu 'in talibus enim
dolis Theudericus multuni callidus erat.'
Ganz entscheidend endlich für das alter der Verbindung
von Sabene und Hugdietrich ist ein bisher übersehenes Zeug-
nis, eben in jenem ags. gedieht das uns schon das älteste
Zeugnis für die austrasische Dietrichssage lieferte zählt der
Sänger Vidsid die beiden auf die, wie er selbst mit eignen äu-
gen erfahren haben will, das ingesinde {inveorud) Erraenrichs
ausmachten ; er nennt zuerst Hedca und Beadeca (ahd. Ha-
duhho und Patuhho), über welche ich auf einen aufsatz in
Schmidts zeitschr. für gesch. bd 8, 249 verweise, dann die
Harlungen Eraerca und Fridla nebst dem weisen und guten
Eästgota (Ostrogota*), den vater Unvens: darauf Secca und
ßecca, den altn. Bikki, und nun endlich .S'e^o/ö wnATheödric :
denen folgen Heathoric und Sifeca, dieser Sibeche und jener
vielleicht der Friderich der sage, darauf Hlithc und Incgen-
theov, Eädvine und Elsa, Ägelmund und Hüngär, A'ulfhere
und Vyrmhere. unter letztern befinden sich offenbar lango-
bardische beiden ; überhaupt aber, wenn auch die übrigen ge-
nannten zum grofsen theil später noch oder andern Zeugnissen
gemäfs mit Ermenrich in naher Verbindung stehen, so ist im
ganzen die aufzäh lung doch so beschaffen dafs wir keineswegs
genöthigt sind anzunehmen Seafola und Theodric hätten nach
der ags. sage des achten jahrh. in einem solchen Verhältnis
zu I^]rmeiirich gestanden, wie Sibeche und die Uarlunge nach
der deutschen oder Bikki und Randver nach der allnordi-
schen; dann müste auch Tlietidric hier nicht gleich Hug-
dietrich sondern W'olfdietricli sein und Ermenrich hätte in
ags. sage an seines vaters stelle gestanden, wir müfsen ge-
stehen dafs wir eine solche Verschmelzung beider sagen, der
gothischen und fränkischen, im achten Jahrhundert uns nicht
denken können, und halten dafür dafs jene aufzählung nicht
viel mehr als eine ziemlich willkürliche Zusammenstellung be-
rühmter heldenpaare ist, bei der in einigen gliedern offenbar
der gedanke leitete solche zu nennen die sich zu einander
enituil Ainalus fflicitale, Uilrvgvta patientia, Alhala mansue-
ludiiie, Munilarius aequilale, Unünundus forma cet. Cassiod. 11, 1.
vergl. Jord. c. li Ostrogolha ^eiiuit L'nicl (Uiiiof, l iinuil codd.) d. i.
Ihirr'/i.
DIE AUSTRASISCHE DIETRICHSSAGE. 459
verhalten wie Hiigdiptrich und Sabene. SeaJ'ola ist deutlich
nur eine andere form des nilid. Sabene, das ich ahd. nicht
nachzuweisen weil's, wohl aber die jenem ags. Seajola ent-
sprechende Sauitlo (Meichelb. nr 17, a. 770), Sabulo (ebend.
nr 390, a. 819); man vergleiche noch Snvalinheim (cod.
Laureshani.), ferner die Sabalingii bei Ptolemäus auf der
kimbrischen chersones und den einfachen namen des gothischen
heiligen Saba. die identität des Seafola und Sabene aber
sichert zugleich die schon stillschweigend gemachte annähme
der des Theodric und Hugdielrich. Sabene ist in dem theile
des epos der von Hugdietrich handelt wichtiger und bedeu-
tender als in dem andern, obgleich er es ist der auch Wolf-
dietrichs briider zur Ungerechtigkeit verleitet, wofür er zuletzt
schwer büfsen mufs. ist aber der an zweiter stelle genannte
Theodric Hugdietrich, wird der erste ohne zweifei derselbe
sein.
Über den übrigen mythischen inhalt der sage wird keine
Untersuchung thunlich sein bevor es gelungen ist die histo-
rischen haltpunkte der mit ihr verschlungenen Ortnitssage fest-
zustellen und bis vor allem das ältere gedieht der Ambraser
handschrift und daneben eine vollständige auf vergleichung
der handschriften gegründete neue ausgäbe des Wolfdietrichs
des heldenbuchs vorliegt, die nach dem vorbilde der Lach-
mannschen Nibelungen die Verschiedenheit der texte anschau-
lich darstellt, möchte es diesem aufsatze auch gelingen auf
die Wichtigkeit und den innern verborgenen werth dieser ge-
dichte, für die schon ganz andere stimmen gesprochen, von
neuem aufmerksam zu machen und zu ihrer Veröffentlichung
ermunternd mitgewirkt zu haben.
Kiel am 25 sept. 1847. KARL MÜLLENHOFF.
460
NIORDHR. NORDHR. NIORUN. NORN.
NEORXÜ.
Dafs Niürdr meergotl bedeutet geht zur geniige aus den
nachrichten hervor die über ihn erhalten sind, es ergiebt
sich aber auch aus seinem nainen. der stamm desselben ist
nir, der sich in dem sanskr. nira * aqua wiederfindet ; die
ableitung ist ä (p) sanskr. da, welche die bedeutung 'enthal-
tend, in sich falsend' hat. NiUrdr heilst also der wafserbe-
hälter, das meer, wie auch im sanskrit ?itradhi für oceanus
wirklich begegnet, verstärkend gleich itjr und irmin tritt
niard auf in niardlCw Fiölsv. 27, niardrad Thorsdr. 7,
Niardrili, dem namen einer bucht am Rosmhvalanes auf
Island.
Derselbe stamm liefert noch andere bildungen. indem er
in die //-klasse tritt, entspringt durch dasselbe sufßx [j, d aus
ihm nai'irp.s, iiordr, für das ich ebenfalls die bedeutung meer in
anspruch nehme, so dafs also ' gen norden' ursprünglich ' meer-
wärts' hiefse. die bedeutung meer scheint mir noch in dem
compositum nordhvalr Skaldsk. 219' vorhanden zu sein.
Auch in der «-klasse erscheint das wort, aus einem ur-
sprünglichen 7iar entstand durch umlaut jieri das meer, wel-
ches wort sich in dem altn. nerungr und den preufsischen
nchrungcn mit ableitung versehen findet, zusammengesetzt
erscheint es mehrfach in eigennamen. so in Noripraht (Schan-
nat Trad. Fuld. a. 817), wozu Nnrtpraht zu vergleichen ist,
ferner in iV^ero// (Dronke Trad. Fuld. s. 170. 173) Neri/it/l
(Schannat a. 817), vergl. ?sarthildis im Polypt. Irminonis
s. 222. jenem nenhigr vergleicht sich der name Nordunc
(Dronke s. 38), den namen Nordi wwAyordo (Dronke n. 165,
c. 59) aber Nein Fornaldars. 3, 3911". einen mythischen Nej'i
müfsen wir nach Helgaqu. I, 4 annehmen, wo die norne
Urdr Nem nipt heifst; die nornen sind nach namen und be-
■"■ sansltr. / ist in gennanischen «orten besonders vor r häufig in
i übergegangen, vergl. vira vtiir, kt'ra hair-thr.
NIÖRDim. NORDHR. NIÖRUN. NORN. NEORXU. 461
(leulung töchter des meeres. über Nur und Nörri, den va-
ler der nacht, handle ich in meinen sagen von Loki. das
einfache Norr erscheint als eigenname Fornaldars. 2, 3 — 5.
17. 20. Islendingas. 1, 256.
Durcli das suffix -im, das im nordischen zahlreiche ab-
stracte substantiva bildet, entstand aus dem stamme ?nr das
wort möt'un. es begegnet unter den namen der Asynnen
Skaldsk. 211'' und als tröllquennaheiti Sk. 210''; ferner ist
nach Alvism. 31 draumniorun der name der nacht bei den
Zwergen, woraus das isländ. nmrunardrop pollutio nocturna
sich gebildet hat. Jiiörun (die Schreibung niörun verwerfe
ich hiernach) ist also nach den stellen der skalda ein gött-
liches wesen, nach dem wortstamme eine gottheit des Walsers
oder des meeres und Rafn vergleicht mit recht das griech.
v^^tt^ (Kräkumäl s. 137). diese bedeutung verblafste und
wich der schwächeren Trau' oder 'Jungfrau', di.e wir in den
Verbindungen draumniorun, in vinkers ni'önui Krakum. 20
und proingläds dj)nn niörun Niälss. sehen, auf gleiche weise
ist Niördr zu der allgemeinen bedeutung mann geschwächt
(geirniürdr Godhv. 8. hregg?iiördr Sk. 161), wie dies be-
kanntlich auch andern gölternamen begegnete.
Aus dem stamme naur, nor bildet dasselbe suffix den
namen der schicksalsgöttinnen, norn, die also, wie auch ihr
wesen beweist, ursprünglich riesische wafsergöttinnen waren,
ihr amt als bestimmerinnen des geschickes wird durch die gäbe
, der Weisheit und voraussieht vermittelt welche allen wafser-
gottheiten inwohnt.
Einmal mit schwierigen Worten beschäftigt ziehe ich noch
das verzweifelte angels. neorxu (neorxena vong) herbei, ich
leite es von demselben stamme wie die vorhergehenden worte
her und halte es für den angels. namen der nornir, so dafs
also neorxena vong nympharum pratum, Idisia viso, bedeutet
hätte, woraus sich, vielleicht mit tief mythischer erinnerung
an das eddische Ida völlr (Idr :=. Mun, idun?), die bedeu-
tung des biblischen paradieses gestaltete.
HALLE. KARL WEINHOLD.
462
FRAU KEIN WILDES THIER.
Oberschlesisch-slavisclie hochzeitsgebräuche, welche mir
für meine Sammlung schlesisclier sagen, märchen und gebrau-
che von herrn schullelirer J. Loiiipa in Lubschau bei Woisch-
nik mitgetheilt wurden, geben den beweis dals die von Jac.
Grimm zeitschr. f. d. a. 2, 192 unter der Überschrift 'frau
kein wildes thier' ausgehobenen redensarten auf einer höchst
lebendigen grundlage beruhen, die sich auch in die slawischen
Stämme hinüberbreitet.
In der Lubschauer gegend sind bei jeder hochzeit zwei
Starosten (hochzeitsführerj zugegen, deren älterer für den bräu-
tigam, deren jüngerer für die braut spricht, nach einer pos-
senhaften rede des älteren starosten wird dem bräutigam aus
der kammer ein alles weih zugeführt das in ein weifses tuch
gehüllt ist und sich lahm stellt, er wird dabei gefragt, ob
das die braut sei, worauf der jüngere slarost antwortet, das
sei nicht die braut, sondern ein thier. hiernach wird eine
von den brautjungfern gebracht, sie dreht sich vor den staro-
sten um und entwischt rasch wieder in die kammer. der
Starost sagt, das sei ein scheues Ihierchen, die braut könne es
nicht sein, nun wird durch die zweite brautjungfer dem bräu-
tigam auf einem teller ein grüner zweig und ein kränz ge-
bracht, das ist das zeichen der nahen ankunft der braut, jene'
spricht dabei
Mloda pa/ii ivienicc postnia.
o dukat sif postaj'ac kazala.
mloda pani z komory Jiie tvyidzie,
püki dukat za wieniec nie h^dzie.
d. i. die braut den kränz hier sendet
und bittet dafs man einen dukaten spendet,
die braut wird in der kammer sitzen,
so lange nicht wird ein dukaten blitzen,
der bräutigam legt hierauf einen oder mehrere thaler auf den
teller*, die braut wird herausgeführt und von dem bräutigam
"-■ Kechtsalterth. s. 423.
FRAU KEIN WILDES TRIER. 463
als die rechte anerkannt, die starosten halten ernste reden,
die eitern geben den segen, der bräutigam dreht sich mit der
braut dreimal um und der zug gehl in die kirche. abends
gegen elf uhr wird der braut die haube aufgesetzt, wobei alle
Trauen und Jungfrauen mit ihr singen und tanzen, in Rosen-
berg hält jede frau beim hauben {cepiny) und dem tanzen ein
Stückchen licht in der band, hierauf wird die braut von den
weibern in das haus des bräutigams begleitet.
In der Kreuzburger gegend schickt die braut dem bräu-
tigam vor der trauung, sobald er in ihrem hause angelangt
ist, einen apfel, dann ein herz von pfefferkucheu und darauf
ein Schnupftuch, einen grünen zweig und einen kränz, die
brautjungfer die es bringt spricht dabei
Moi mili pa/iowie starostowie,
■paniv.zowic i drwiboivie
i ty panie mlody ! ja tu jest z tym unn -
?te(:zkiem od paniej mlodej poslana,
CO go sama mloda pani ivHa
i nad nim sif trudzüa
i Izami pokropüa.
cztery nocy nie spala,
cztery hoiecie spalüa,
CO sip nad nim turbowala.
nie byla iadna prozsnaczka^
nie sziikala po wsi ziöleczka,
zaszla do sweg-o ogrödeczka,
narwala swego ziöleczka.
sto diikatüw nie polo zycie,
mlodej pani nie obaczycie.
pojdzie ona do swego ogrödeczka,
b^dzie ivianki wila
i bfdzie taka pann^,
jako przedtem byla, i ja znig.
d. i. meine lieben herrn hochzeitführer, Jünglinge und hoch-
zeitbitter und du bräutigam, ich bin mit diesem kränzchen
von der braut abgeschickt, das sie selbst gewunden und sich
mühend mit thränen benetzt hat. sie hat sich gemüht, denn
sie war arbeitsam und durfte nicht im dorfe das kräutlein be-
suchen, sie gieng in ihr gärtlein und pflückte da das kraut-
464 FRAU ZUCHT.
lein, legt ihr nicht hundert dukaten auf, sollt ihr die hraut
nicht zu sehn bekommen, sie wird in ihr gartlein gehn. wird
kränzlein winden und eine Jungfrau bleiben, wie sie vordem
war und ich mit ihr.
Der bräutigam giebt hierauf einen thaler, das mädchen
begnügt sich nicht damit und es wird gehandelt, bis der bräu-
tigam mehr auflegt, die brautjungfer geht ab und wie in Lub-
schau erscheinen nach einander ein altes weib, eine braut-
jungfer und endlich die braut, welche in ein weifses tuch ge-
hüllt ist. beim zuge in die kirche haben alle gaste kleine
stücke kuchen in der band, welche sie unter die menge wer-
fen (^vergl. aberglauben 426).
K. VVEINHOLD.
FRAU ZUCHT.
Jacob Grimm hat in der 3Iylhologie 846 — 848 nachge-
wiesen wie die zuht gleich der liiuschc, vmze und schäm
personificiert erscheint, hochzeilsgebräuchc des deutschen Schle-
siens geben weitere belege für die frau ZucliL
Der braut sind am hochzeitstage ihre nächsten freundin-
nen als züchf Jungfern und eine ehrsame frau, zuweilen ihre
mutter, als züchtfrau oder frau Züchten beigegeben, die frau
Züchten übernimmt am ganzen tage alle reden für die braut
und an sie hat der bräuligam vor der trauung noch einmal
seinen heiratsanlrag zu richten, derselbe fährt mit den züch-
jungfern in das haus der braut, um sie zur kirche abzuholen,
wobei ein frühstück eingenommen wird, welches das züchten
heifst*. zur kirche nimmt die züchtfrau zwei kleine rosma-
rinkränze in der gröfse eines zweithalerstückes mit, die sie
dem brautpaare auf den köpf legt, bei tische stattet sie im
namen der braut den 'allerschönsten' dank für jedes hochzeits-
geschenk ab und hat allein das recht, der braut kindersachen
und dergleichen vorbedeutende geschenke zu übergeben (Rei-
chenbach. Fürstenau bei Kaath).
* der Spruch der dresoher beim vierschlag ist im Reichenbachischen
'komm zum zühten.' über die fränkische bedeutung von züchten s.
SchmcUer baier. wb. 4, 247.
CHROiNOLOGIE IM PARZIVAL. 465
]ii der ge<j,end von Hainau sitzt bei tisclie zur rechten
der braut der brautgesell, zur linken des brautiganis die ziiclit-
Irau; die ziichtjungl'ern machen mit den männlichen gasten
bunte reihe, dem braulpaare gegenüber, das in der mitte der
einen tischseite sitzt, sind die ehrenplätze. im gange des
hochzeitelseus sucht die züchtfrau plötzlich mit einem weifsen
luche der braut den köpf zu verhüllen und ihr dabei den kränz
zu entreilsen. der brautgesell, dem die züchtjunglern unter
lautem geschrei beistehn, wehrt die züchti'rau ab, die aber
nicht nur diesen versuch öfters wiederholt, sondern aucli das
tuch dem bräutigam überwirft und ihm eine samlmütze auf-
zusetzen sucht, der brautgesell und die züchtjungfern wehren
sie ebenfalls hiervon ab. auch dieser gebrauch heilst züchten.
K. WEINHOLD.
CHRONOLOGISCHE BESTIMMUNG DER
BEGEBENHEITEN IN WOLFRAMS
PARZIVAL.
Ob jemand sich schon der mühe unterzogen hat den chro-
nologischen Zusammenhang in Wolframs Parzival ausführlicher
darzulegen, und wie ihm dieser versuch gelungen ist, weifs
ich nicht ; auf jeden fall aber schien mir dieses grofse gedieht,
welchem ich meine schwachen kräfte, durch ermunternden
rath bewährter sprachkenner gestärkt, zugewandt habe, es
werth, einen dem verfafser desselben von achtbaren stimni-
führern gemachten und in den neuesten literaturbüchern fort-
tönenden Vorwurf, als reihe er oft begebenheiten an begeben-
heiten ohne inneren Zusammenhang, ohne ziel und beweg-
gründe, gebührend abzuweisen.
Zu diesem zwecke enthält Parzivals leben nach seiner ab-
reise von haiise im frühjahr (124, 25 — 30) folgende momente.
Ir tag. Parzival reitet den tag über längs eines baches im
walde Brizljan und bleibt die nacht daselbst (129,5 — 15).
2r tag. er kommt zur Jeschute (129, 16 — 132, 24), zur
Siguue (138, 9 ff.), am abend zu einem fischer, bei welchem
er die nacht bleibt (142, 11 — 143, 15).
Z. F. D. A. VI. 30
466 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
3r tag. am morgen führt ihn der fischer in die nähe von
Nantes 043, 16 — 144. 16. 165, 18. 19); dann allein wei-
ter reitend kommt er mit Ither zusammen, von diesem an
Artus hof und nach Ithers besiegung gegen abend zu Gur-
nemanz (144, 17 — 161, 23ff.). nacht (166, 6ff.).
4r — 17r tag. zweiter abend bei Gurnemanz (175, 19). im
ganzen vierzehntägiger aufenthalt bei demselben (176, 29
— 177, 9. 10).
18r tag. in einem tage reitet Parzival von Graharz (der bürg
des Gurnemanz) nach Brobarz, dessen hauptstadt Pelrapeir
ist (180, 17 ff.), in der nacht klagt Condwiramur dem
Waleisen ihre noth (191, 17 — 196, 8).
19r tag. Parzival siegt über den seneschal Kingrnn (196, 20
— 199, 14), welcher, als gefangener der Cunneware an
den hof des königs Artus entsandt, diesen im walde Brizljan
im jagdhause Karminal antrifft (206, 5 — 207, 3). — bei-
lager zu Pelrapeir (201, 19).
20r 21r tag. vermählungsfeier zu Pelrapeir (202, 25 —
203, 11).
22r tag. Clamidc belagert die stadl (203, 12 ff.).
22r — 25r tag. zwanzig der seinen, lebendig gefangen, wer-
den nach drei tagen früh morgens enllafsen (207, 25 —
209, 14).
Zweikampf zwischen Parzival und (Hamide (209, 15ff.J.
dieser wird besiegt, reitet zu Artus gen Löver, wo er die
lafelrunder auf dem plane bei Dianazdrun am pfingstfcst ver-
sammelt fiiulel und veranlafst den Parzival aufzusuchen (216,
3 — 222, 9. 280, 1 — 18).
Eine zeit lang blieb Parzival zu Pelrapeir, baute wüstes
land an, turnierte viel und kämpfte tapfer an den grenzen
seines landes (222, 10 — 223, 14).
Eines morgens (um 3Iichaelis, s. unten) reitet er allein
fort, um zu sehen wie es seiner mutter gehe, wohl auch um
abenteuer aufzusuchen (223, 15 — 30. 491, 26. 27).
Nach seiner abreise von Pelrapeir bekotmnt Parzival
seiner eignen aussage zufolge Condwiramur Immeji fünf
Jahren nicht zu sehen (799, 1 — 3).
Ir tag. den ersten tag kommt er bis Munsalväsche, wo er die
wunder des grales schaut und übernachtet (224, 1 — 242, 12 ff.).
CHRONOLOGIE IM l»ARZIVAL. 467
2r tag. am nächsten morgen reitet er wieder fori (245, 28 (F.),
kommt zu Sigune (249, 11^ — 255, 30), kämpll an diesem
heil'sen tage (256, 5. (5) mit Oriliis und versöhnt ihn mit
seiner gemahlin Jeschule, indem er vor Trevrizents klause
auf einer heiligthumskapsel die Unschuld derseihen beschwört
(256, 11 — 271, 9); dann nimmt er abscliied (271, 10—24).
Orilus und Jeschute reiten zu Artus, den sie gegen abend
am Plimizöl antreffen (272, 28 — 279, 30). Artus, der vor
acht tagen von Karidöi aufgebrochen war, um Parzival,
den besieger des Ithcr, Kingrun und Clamide, aufzusuchen,
lagert am Plimizöl. Parzival kommt dorthin und bringt die
nacht im walde zu.
3r tag. am morgen, hei den blutstropfen im schnee, besiegt
er Segramors und Keie und wird von Gawan der tafei-
runde zugeführt, wo den hochgeehrten ritler Cundrie ver-
flucht, so dafs er noch an demselben tage fortreitet (280,
1 — 330, 30), nachdem er Clamides befreiung und Vermäh-
lung mit Cuuneware bewirkt hat (326, 15 — 327, 30.
336, 7—30).
Während dieser scene am Plimizöl wird auch Gawan
durch den landgrafen liingrimursel von Schanpfanzun heraus-
gefordert sich nach 40 tagen zu einem Zweikampfe vor dem
könig von Askalon in der hauptstadt Schanpfanzun zu stellen
(319, 20 — 325, 16). auch er rüstet sich zur abreise an
demselben tage (335. 646, 14 — 18). der weg nach Schan-
pfanzun führte über Bearosche (432, 11 — 23).
Bei der belagerung von Bearosche hilft Gawan den be-
lagerten; Parzival dagegen, vor drei tagen angekommen
(383, 29), kämpft bei dem äufsern beer unter könig Meljanz
von Liz (383, 23 — 384, 13. 388, 8 — 393, 6. 398, 1—6),
dem eine schar vor jähren gefangener Berteneisen dient, de-
rentwegen Parzival wohl am kämpfe theil nahm (382, 12 —
383, 5). wann dies geschah läfst der dichter unentschieden
(339, 12—14); doch waren noch keine vierzig tage seit der
scene am Plimizöl verflofsen (7s buch).
Zu Schanpfanzun * hat Gawan einen angriff des königs
Vergulaht auszuhalten (8s buch) ; Kingrimursel aber schliefst
'"•' 40 tage n.ich der scene am Plimizöl, 43 nach der abreise von
Pelrapeir.
30*
468 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
mit ihm einen Sonderfrieden, wonach ihr Zweikampf nach ei-
nem jähre zu ßarbigöl vor dem köni^ Meljanz gefochten wer-
den soll (418, 9 — 25). bei dieser Gelegenheit gesteht Ver-
gulaht dafs 'in diesen wochen' ihn ein ritter im walde Läch-
tanris vom pferde gestochen und verpflichtet habe ihm den
Gral zu erwerben oder in Jahresfrist der königin zu Pelrapeir
Sicherheit zu bringen, auf den Vorschlag der königlichen ralh-
geber mufs der eben anwesende Gawan das wort geben dies
gesehäft zu übernehmen (424, 7 — 426, 10. 18 — 21. 428,
19 — 26). derselbe enlläfst hier seine acht verwandten edel-
knaben nebst den knappen in die heimat zu Artus (429, 2
— 430, 16. 432, 7 — 28) und reitet allein nach dem grale
(432, 29. 30).
YjU Bnrbigül*, der hauptsladt des königreiches Liz
(385, 2. 3), wollte Vergulaht den kämpf mit Gawan beste-
hen, aber sowohl Vergulaht als auch Kiiigrimursel versöhnten
sich mit jenem, darauf schieden Vergulaht und Gawan von
einander, damit jeder besonders nach dem grale forschte
(503, 5 — 24). was zu Barbigöl vorgefallen erzählte an Ar-
tus hofe könig Meljanz von Liz (646, 4. 5): die ereignisse
von Bearosche waren durch die ankunfl der hier freigelafse-
nen Berleneisen, sowie die von Schaiipfanzun durch Gawans
heimgesandte knappen dem köiiige der lafelruude scijoii früher
bekannt geworden.
Nach manchen abenteuern zu ross und in schiffen zur
see, wozu auch gerechnet wird dafs ihm das von Anforlas
geschenkte gralssdiwert im gefecht zerbrach, in dem brunnen
Lac bei Karnant aber wieder ganz ward (433, 1 — 434, 30),
kam Parzival in einen wald, fand dort Sti>;um'n in einer neu
erbauten klause, wo sie den leichnam des Schianalulander in
einem sarge hegte (435, 1 — 443, 4), traf beim weiterreiten
einen gralsritter an und besiegte ihn (443, 5 — 445, 30).
nachdem er noch eine zeit lang (die wochenzahl ist unbe-
kannt, 446, 3 — 5) auf abenteuer ausgezogen, begegnete ihm
eines morgens, während schnee gefallen, ein alter ritter
nebst gefolgc, welche, weil es charfreitag war, die alljähr-
liche bufstahrt zu dem einsiedler Trevr/se/it gemacht hatten
•' 1 jähr 40 tage seit der sceiie am Pliniizöi. 1 jähr fi wcirlicn
1 tag seil der alircise von Pelrapeir.
CHRONOLOGIE IM PARZIVAL. 469
und den Waleisen bewogen bei demselben gleicht'alls hilfe zu
suchen (446, 6 — 502, 30). laut Trevrizents aussage (460,
16 — 23) sind verflofsen seit dem tage an welchem Orilus
mit Jesckute versöhnt tcorden bis zu Paniiwls ankunft bei
Trevrizent am charfreitage 4V2 jähr und 3 tage.
Bis oslern gerechnet macht dies 5 tage über i^i jähr,
von der scene am Plimizöl aber nur 4 tage darüber.
Wenn auch das dalum des Osterfestes beweglich ist, so
scheint Trevrizent doch, wie es noch jetzt allgemeiner brauch
ist, bei jener rechnung von 4V2 jähren und 3 tagen ostern als
den anfang eines Vierteljahres (1 april), wenigstens für den
V2 jähr davon entfernten Zeitabschnitt genau den 29n Septem-
ber (31ichaelis) angenommen zu haben.
Hiernach war die scene am Plimizöl 4 tage vor Mi-
chaelis d. i. am 25n September, der ungewöhnliche Schnee-
fall (281, 12 — 22. 493, 4—6) nach einem heifsen tage (256,
5. 6), der sumerliche sne (489, 27), also möglich, und
Parzival reiste von Pelrapeir ab eine wache vor Mi-
chaelis; ferner waren die Zweikämpfe zu Schanpfanzun und
Barbigöl auf den 4/^ november angesetzt.
Seit Parzivals abreise von Pelrapeir bis zu seiner an-
kunft bei Trevrizent verflofsen
2 t. -I- 4V2 j. 3 t. = 4V2 j. 5 t.
Seit der abreise von Pelrapeir bis zur abreise von
Trevrizent (nach einem fünfzehntägigen aufenthalt, 501, 11)
41/2 j. 17 tage
Eine lücke (19 tage, s. unten).
Parzival siegt vor Logrois über die diener der Orgeluse
und sticht zwischen Logrois und der kampfwiese fünf ihrer
ritter ab. die Vermählung mit der herzogin verschmäht er.
wohl noch an demselben tage wird er über das wafser Sabins
gefahren von Plippalinot, dem er die rosse jener fünf ritter
giebt, erfährt aber, rastlos nur nach dem grale forschend,
nichts über die in dem nahen zauberschloi'se Schastelmar-
veil gefangen gehaltenen trauen (559,9 — 23. 618,19 —
619, 24).
Ir tag. eines morgens findet Gawan den verwundeten Urjans,
kommt zur Orgeluse, kämpft mit Lischois Gwclljus, wird
470 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
vom fährmaune Plippalinot übergesetzt, hört vou ihm dafs
tags zuvor Parzival von ihm übergel'ahren sei, und über-
nachtet bei Plippalinot OOs buch, 504, 1 — 552, 30;.
2r tag. am folgenden tage besteht Gawan die abenteuer zu
Schastelmarveil und schläft die nacht dort (11s buch, 553,
1 — 582, 30;.
3r tag. der erwachte Gawan besiegt auf der kampfwiese den
turkoiten Florant (625,2 — 5 — 653, 16), holt der Orgeluse
aus dem Klinschorwalde einen kränz, mufs aber erst könig
Gramoflanz einen Zweikampf nach 16 ia^en auf dem plan
vor Joflanze zusagen, wozu Artus mit seinem gefolge als
Zuschauer eingeladen werden möge, der in acht tagen schon
von Berns an der Korka im lande Löver eintreffen könne,
nun bcgiebt sich der beglückte Gawan mit Orgeluse nach
Schastelmarveil. dort beordert Gawan einen boten an Ar-
tus (625, 1 — 626, 30). festlich ward der tag beendigt
(12s buch).
Zu Schastelmarveil schläft Gawan mitten in den tag hinein ;
er erwacht um die vesperzeit (628, 1 ff.), es wird gespeist
(636, 15ff.\ der lag sinkt (638, 1 ff.)- lanz (639, 4ff.).
schlaf (640, 13 — 644, II).
Eines morgens früh (026, 17. 644, 12 ff.) überbringt Ga-
wans eiliger (626, 23. 648, 6. 7) böte an Artus den brief
zuerst der Ginover. diese sagt fdnftehalh jähr und sechs
Wochen ist es seit Parzival nach dem gral ritt, da wandte
sich auch Gawan gen Askalon. daraus folgt
4J/2 j. 6 w. von der scene am Plimizöl ])is zur ankunfl
des boten bei Ginover.
4V2 y. 2 taii;e von der scene am. Plimizöl bis zu Par-
zivals ankunfl hei Trevrizent (— 4V2 j. 3 tage von Orilus
Versöhnung bis zu Parzivals ankunft bei Trevrizent).
40 tage von Parzivals ankunft bei Trevrizent bis zur an-
kunft des boten bei Ginover.
— 15 tage auf enthalt Parzivals bei Trevrizent.
25 tage seit Parzivals abreise von Trevrizent bis zu dem
tage wo Gawans böte zu Ginover kam.
(+ 3 tage) angenommen, der böte ritt in 2 tagen (und
2 nachten) hin, erschien also am dritten morgen in Artus
CHRONOLOGIE IM PARZIVAL. 471
iager, so geschah Parzivals überfahrt bei Plippalinot (3 + 3
tage) 6 tage früher; demuacli betrug die oben angedeutete
l'dcke :
4% j. 6 w. minus 6 t. := 4V2 j. 5 w. 1 t. 25 t. (s. oben)
oder
— 4V2 j. » " 17 t. 6 t.
19 t. 19 t.
ferner bleiben nach derselben annähme bis zu dem für den
Zweikampf zu Joflanze anberaumten tage 13 tage übrig, also
beginn des Zweikampfes zu Joßanze
4V2 j- 6 w. -|- 13 t. seit der scene am Plimizöl (25 sept.)
oder 3 t. + 4Vo j. 6 w. -f 13 t. — 41/2 j. 8 w. 2 t. seit
Parzivals abwesenheit von Pelrapeir (22 sept.), d. i. am
20/i mal, als dem ersten pßngsttage, wenn für ostern
der erste april angenommen wird, dafür sprecheu die stel-
len 610, 12—18. 625, 16—18; ferner 216, 3 — 15; auch
525, 12tf.
Nachdem Ai'tus und alle herren und frauen der tafeirunde
zugesagt haben dafs sie vor der zum kämpf anberaumten zeit
zu Joflanze eintreffen würden (654, 20 — ^22), kehrt der böte
baide (651, 17. 652, 29) nach Schastelmarveil zurück; in
wie viel tagen kann der dichter nicht angeben (652, 23 — 25).
eines morgens (655, 4 ff.) sehen Gawan und Arnive, in einem
fenster des zauberschlofses sitzend, von Logrois her Artus
mit den seinen ankommen (661, 6 ff.); er lagert während der
nacht jenseit des Sabins (663, 9 — 14. 667, 1—3).
Am folgenden morgen zieht Artus beer nach Joflanze,
Gawan mit den seinen ihm nach. Artus läfst seine leute die
herberge beziehen, nacht (667, 4 — 676, 10).
Des morgens vor tage bezieht Orgeluses ritterschar den
plan. Artus schickt boten zu Gramoflanz nach Rosch Sabins
und ersucht ihn sich zum Zweikampf einzufinden. Gawan
rüstet sich insgeheim und reitet allein ans ufer des Sabins,
um sich zum streite zu üben, trifft dort aber mit Parzival
zusammen, ohne ihn zu kennen (676, 11 — 678, 30).
Kampfscene zu Joflanze während der pßngstwoche
(20 — 27 mai; 4V, j. 8 w. 2 t. bis 4% j. 9 w. 1 t.
seit Parzivals abreise von Pelrapeir).
Ir tag. Gawan kämpft mit Parzival. des Artus mit Gra-
472 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
moflanz zinnickk ehrende boten maclien dem streite ein ende.
Parzival wird unter die tafelrunder wieder aufgenommen,
nachtruhe (679, 1 — 702, 30).
2r tag. Parzival besiegt den Grantoßnnz. der auf mor-
gen vertagte Zweikampf zwisciien Gawan und Gramoflanz
kommt nicht zur ausführung. drei hochzeiten und freuden-
feste bis tief in die nacht hinein (703, 10 ff.).
3r tag. vor tagesanbruch schied der traurige Waleise heim-
lich (732, 1 — 733, 30). Parzival kämpft mit Feireßs
(734, 1 ff.), der sein am meere am 'wilden hafen' liegen-
des beer vor tage verlafsen hatte (754, 2. 753, 3. 14.
821, 13), und führt ihn in Artus lager (753. 25 ff.), in
Gawans zeit wird früh gegefsen, weil Parzival und Feirefiz
noch nüchtern waren (760, 7 ff.). Parzival nennt seine be-
siegten (771, 23 — 772, 30). nachttrunk und schlaf (774,
26. 27).
4r tag. fesfgelag der tafelrunder zur aul'nahme des Feireliz
(774, 13 ff.). Avährcnd des mahles bringt Cundrie die frohe
botschaft dafs Parzival zum könig des Grales ernannt sei,
auch dafs ihm Condwiramur nach seiner abreise zwillings-
söhne geboren habe (781, 17—22. vergl. 743, 16—20).
5r — 7r tag. Feirefiz läfst von seinem beere geschenke ho-
len, um sie zu verlheilen : in drei tagen kommen sie an
(785, 1 — 786, 28).
Nachdem nun Parzival überhaupt 7 tage zu Jotlanze ge-
blieben, reiste er (4V2 j- 9 ^- I l- seit seiner abreise von
Pelrapeir), von Feireliz und Cundrie begleitet, nach Munsal-
väsche (784, 24—27. 786, 30).
Wie weit es von Joflanze bis 3funsalväsche sei, weifs
der dichter nicht (792, 10 — 15). es könnten aber doch die
fragen aufgeworfen werden 1) wie lange Cundrie auf dieser
strecke möge geritten sein, 2) wie viel zeit die drei reisen-
den nun gebrauchen werden, 3) ob nicht aus den stellen des
gedichtes, in welchen von den einwirkungen gewisser plane-
ten auf den krankheilszustand des Anfortas die rede ist, we-
nigstens die Jahreszeit oder der monal von Parzivals ankunfl
zu Munsalviische bestimmt gefolgert werden könne.
1) nach 470, 1 — 30 mülsen wir annehmen dais Cundrie
am charfreitage, sobald der göttliche v>il\e durch die inschrift
CHRONOLOGIE IM PARZIVAL. 473
am grale offenbart worden, forteilte um dem Parzival seine
berufung zu melden ; sonach ergäbe sich von jenem tage
bis zum tage ihrer ankuiift zu Joflanze, dem 4n des kampf-
festes (der püngstwoche; ein Zeitraum von 54 tagen oder 7
Wochen 5 tagen, ob die gralsdienerin aber ihren neuen her-
ren auf um wegen ausforschend so lange suchte oder von Mun-
salväsche gerades weges in ganz kurzer zeit nach Joflanze
kam, darüber spricht sich das gedieht nicht aus; jedesfalls
reiste die botin tag und nacht, für die Schnelligkeit und be-
schwerlichkeit ihrer reisen giebt die stelle 318, 23. 24 einen
mafsstab, wonach sie den am Plimizöl versammelten erklärt
dafs sie, so grofse pein ihr auch die reise nach Schastelmar-
veil machen möchte, doch noch an demselben tage dort sein
wolle (vergl. auch 442, 27 — 29). da nun jenes zauberschlofs
unweit des Sabins lag (534, 29 ff.), und jenseit dieses flufses
ebenfalls in geringer entfenmng der plan von Joflanze (667.
668), da auch in einem tage und einer nacht die ebene am
Plimizöl von Munsalväsche aus erreicht w erden konnte (796,
28 — 799, 16), gesetzt dafs man den weg von Munsalväsche
nach Joflanze über diese ebene nehmen muste, so konnte
Cundrie schon in 2 oder 3 tagen das ziel erreichen.
Erwägen wir nun dafs Parzival an dem letzten charfrei-
tage, wie er bei Tre\Tizent eintraf, noch keineswegs für ge-
rechtfertigt und des gralkönigthums würdig gelten konnte, dafs
er aber am ersten ptingsttage, nachdem er den gefeiertsten
aller ritter, Gawan, überwunden hatte, von sämmtlichen ta-
felrundern öffentlich wieder für ein mitglied ihres ordens er-
klärt worden, so ist es am natürlichsten anzunehmen dafs,
übereinstimmend mit jenem weltlichen gericht, auch das got-
tesurtheil der gralsinschrift zu 3Iunsalväsche sich an demsel-
ben tage für Parzival aussprach und dafs Cundrie die nach-
riebt von diesem wichtigen ereignisse in dreien tagen dem
beglückten überbrachte.
Wie sehr diese ansieht mit dem bestreben Wolframs in der
eigenthümlichen feier der feste, namentlich des pfingstfestes,
andere dichter zu überbieten übereinstimmt brauche ich kaum
zu erwähnen (vergl. 281, 16 — 22 und die anm. dazu im
Potsdamer programm vom j. 1845). wie in der scene am
Plimizöl durch Schürzung des tragischen knoleus, so hat er
474 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
in der zu Joflanze durch überraschend erfreuliche lösung des-
selben den preis davon getragen.
2) indem Parzival mit seinen beiden begleitern nach Mun-
salväsche abreisen will sind 4Vj j. 9 w. lt. seit seiner ab-
wesenheit von Pelrapeir verflofsen und er bekommt, wie er
799, 1 — 3 selbst sagt, seine gemahlin erst binnen fünf jäh-
ren zu sehen ; es vergehen also bis zu diesem Zeitpunkte noch
16 Wochen 6 tage, da wir Joflanze, wie Schastelmarveil, in
Asien hinter Askalon zu suchen haben, und da wir anneh-
men müfsen dafs die reisenden schicklichkeits und ehren hal-
ber in mäfsigen rasten nur bei tage werden gereist sein, so
schnell auch sonst Parzival und Cundrie in der noth auf ih-
ren ausgezeichneten gralthieren einzeln zu reiten gewohnt
waren und von wie edler race auch des Feirefiz pferd sein
moclite, so läfsl sich doch wohl denken dafs ein grofscr theil
dieser 16 w. 6 t., oder die ganze summe, einen tag abgerech-
net, auf die hinreise ins gralreich verAvandt wurde, um so
mehr, da man jetzt nicht den näheren aber öden und unbe-
kannten weg durch den wald Läprisin über Carcobra nahm,
welchen durch des Anfortas vermittelung Feirefiz auf der
rückreise, mit zahlreichem geleif und guter pflege vom burg-
grafen zu Carcobra versehen, einschlug (821. vergl. 736,
23 — 27).
Parzivals ankunf'l zu Munsalväsche ward Ursache grofser
Veränderung: dem Anfortas braclitc sie erlösung von seinem
elend, allen lempleisen nach vielen jammervollen tagen eine
neue epochc der herrlichkeit und freude, dem Parzival selbst
aber das königthum in diesem heiligen reiche, als ehrenlohn
beharrlicher lugend.
Nun fehlte ihm nur noch eins zum vollgenufse seines
glückcs, seine galtin. aber auch diese hatte ihm die unsicht-
bare band des himmlischen vaters nahe gebracht, um auch
ihre Iraner und Sehnsucht mit dem entzücken frohes Wieder-
sehens zu belolinen.
Haum hat nämlich Parzival zu 3Iunsalväsche durch einen
templeisen erfahren dafs Condwiramur zu ihm unterwegs am
Plimizol sei (797, 13-15), so eilt er. den Feirefiz zurück-
lafsend. ihr mit einem Iheile des gralsheeres entgegen, kehrt
CHRONOLOGIE IM PARZIVAL. 475
unterwegs bei Trevrizent ein und reitet noch in der nacht
weiter (797, 13 — 799, 15).
Am morgen endlich, nach verlauf von 5 jähren, sieht er
seine gemahlin wieder und bei ihr seine zwillingssöhne zum
ersten male, im walde von Terre de salväsche, unweit des
Plimizöl, wo ihm einst die blutstropfen im schnee den schwe-
ren kämpf bereitet hatten (also eine woche vor Michaelis),
die knaben, etwa 4V2 j- alt, jedesfalls noch nicht 5 j. alt
(weil sie nach des vaters abreise geboren waren), lagen auf
dem bette, ganz blofs (es war also nicht kalt), nachdem
Kardeiz, als erbe der welllichen reiche Parzivals, mit seinen
kleinen bänden (803, 19) den vasallen die belehnung ertheilt
und man auf einer grasiläche am Plimizöl (dieses mal lag
dort kein schnee) eilig ein friihmahl eingenommen halte, ward
Kardeiz mit dem beere von Brobarz durch seinen grofsoheim
und erzieher, herzog Kyot, wieder heimgeführt, der andre
söhn Parziv^als, Loherangrin, folgte seinen altern nach Mun-
salväsche nahe am wege fand man spät abends Sigune als
leiche in ihrer klause; sie ward neben Schianatulander ein-
gesargt, in der nacht kam man zu 3Iunsalväsche an, wo
Feireliz unter angenehmem zeilvertreib (juit kurzwile 805,
19. vergl. 820, 17) die zurückkehrenden erwartete, festlicher
empfang und prächtige bewirtung (799, 16 — 816, 8).
Am morgen ward Feireliz getauft (816, 9ff.).
Überhaupt genofs derselbe freuden und kurzweil dort bis
zum lln tage: am 12n reiste der neuvermählte mit seiner
gemahlin ab (820, 17 — 21). sie musten deswegen einen neuen
weg einschlagen und zwar auf Carcobra zu. dieses lag an
der miindung des Plimizöl ins meer (497, 8 — 10), zum bis-
thum Barbigöl gehörig, welches zugleich die hauptstadt vom
königreiche Liz war (385, 2. 3). Anfortas gab ihnen das
geleit, und als er abschied nahm, entbot er durch Cundrie
dem burggrafen jener Stadt die ankommenden von dort durch
den wald Läprisin in den 'wilden hafen' zu weisen, nach
ritterlichem empfange führte sie der burggraf bald weiter, bis
sie, nachdem man noch manches land durchzogen, den anger
von Joflanze erreichten, dort fanden sie noch einen theil der
leute vor welche das fest mitgefeiert hatten, aber die ver-
schiedenen fürsten waren in ihre länder, Artus gen Schamilot,
476 CHRONOLOGIE IM PARZIVAL.
fortgezogeu. Feirefiz eilte sogleich weiter nach dem hafen,
wo sein heer trauernd seiner ankunft harrte, erfuhr hier zum
tröste seiner neuen gemahlin den tod der indischen, namens
Secundille, entliefs den burggrafen und segelte mit seinen ge-
treuen nach Indien, von wo seine begleiterin Cundrie mit
erfreulichen nachrichten nach3Iunsalväsche zurückkehrte (820,
28 — 823, 10). man könnte es bedenklich finden dafs Feirefiz
so lange von seinem beere abwesend ist. dieses wohl erwä-
gend läfsl der dichter ihn schon 753, 1—24 in der Unterre-
dung mit l'arzival sich rühmend sagen welche gewalt er über
seine leute habe, dafs sie geduldig seiner harren würden,
wenn er auch ein halbes jähr von ihnen entfernt bliebe, da-
mit scheint uns Wolfram ungelahr die zeit anzudeuten welche
von des mohrenkönigs erscheinung zu Joflanze bis zu seinem
wiedereinlrefFen bei dem beere nach der rückkehr von Mun-
salväsche verflofs, nämlich
Wochen tage
4 auf dem wege vom beere nach loflanze und
während des aufenthaltes daselbst (754, 2
und 78G, 20).
IG CO 5(?) auf der reise nach 31unsalväsche.
11 zu Munsalväsche.
? ? auf der nickreise über Joflanze zum beere.
18 w. 6 t. -f- ' ^^ • '■ t- = «6 Wochen oder 'A jähr.
es bleiben also 7 w. 1 t. für die rückreise von Munsalväsche.
3) zum schlufse haben wir noch die stellen des gcdich-
tes zu besprechen welche von dem einflufse handeln den ge-
wisse Sterne durch ihre Stellung und bewegung auf den kran-
ken Anforlas übten, ob dieselben etwa ein moment abgeben
zur bestimmung der zeit in welcher Parzival zu Munsalväsche
eintraf, es sind folgende, 489, 24 - 490, 12: 491, 5;
492, 23 — 493, 6; 789, 1—11. hier heilst es 490, 3 — 8
und 491, 5 nur im allgemeinen dafs die Wiederkehr und der
entgegengesetzte lauf gewisser sterne, insbesondere der mond-
wechsel dem Anfortas grofse schmerzen verursachte.
Genaueres lesen wir 489, 24 — 490, 2. 9—12 und 492.
23 — 493, 0. Parzival erfährt von Trevrizenl. der planet Sa-
turn sei gerade an dem tage erschienen an welchem er einst
zu 3Iunsalväsche gewesen, und wie derselbe mit i>rofsem frosi
CHRONOLOGIE IM PARZIVAL. 477
zu kommen und in Anforlas wunde durch eine eisige kälte
sich anzukündigen pllegte, so hätten damals die schmerzen
dem unglücklichen wehe gethan wie nie zuvor; in der fol-
genden nacht sei, ungewöhnlich früh im jalire, schnee gefal-
len, der dichter sagt ausdrücklich 493, 4 — 6 dem sne waa
ninder als gdch, er viel alrerst an der andern naht in der
s^umer liehen mäht; er nennt den schnee 489, 27 sumerlichen
sne, wie es auch 281, 14 heifst ez enwas iedoeh niht snewes
zit. Simrock ist also wohl in irrthum, wenn er 489, 27 von
'spätem frühlingsschnee' redet und von jener merkwürdigen
nacht Avelche der scene am Plimizöi vorhergieug 493, 5. 6
behauptet dafs 'mit ihr der lenz begann.' übrigens müfsen
wir den dichter bewundern, mit wie feiner kunst er das natur-
ereignis des sommerlichen Schneefalls auf die Schicksale des
Parzival, des Anfortas und so vieler mit ihnen in Verbindung
stehender personen einwirken liefs. endlich 789, 1 — ^11 be-
zieht sich allerdings auf den tag an welchem Parzival und
Feirefiz zu Munsalväsche ankommen, aber wenn wir hier
auch die astrologische bemerkung lesen, Mars und Jupiter
seien zornglühend in ihrem lauf dahin zurückgekehrt von wo
sie ausgegangen, so läfst sich doch aus derselben hinsichtlich
der Jahreszeit oder des monats, wann dieses phänomen er-
schienen, kein schlufs ziehen; denn die annähme dafs die
genannten slerne hier (wie 782, 1. — 16) als planetengötter
figurierten, Avelche gewissen bildern des tiiierkreises und mo-
naten des Jahres (Mars dem april und november, Jupiter dem
merz und december, Saturn dem Januar und februar) vorstän-
den, widerstreitet den übrigen chronologischen angaben des
gedichtes und dem Charakter des christlichen dichters.
Es hat dem verfafser des Parzival also nicht beliebt uns
über das chronologische seiner dichlung bis ans ende fortlau-
fende genaue rechenschaft zu geben, dies stimmt auch ganz
mit seinem plane überein je näher dem schlufse des epos
desto rascher und durch episoden ungestörter die facta sich
abwickeln zu lafsen (734, iff.}; aber doch wollte und konnte
er der nebenabsicht dem berechnenden verstände beim genufse
der Schönheiten seines werkes einen antheil an thätigkeit durch
Zahlenangaben zu gewähren nicht ganz entsagen, weil diese
beschäftigung seiner eigenen zum geheimnisvollen und zum
478 MARIENLIEDER.
grübeln geneigten natur ein bediirfnis war. um daher beide
zwecke zu vereinigen schlofs er die letzten erzähiungen in
den weiten rahmen unbestimmter allgemeiner zahlengröfsen
ein. dadurch gewann er den wohlberechneten vortheil dafs
sowohl seine darstellung als auch die phantasie der zuhÖrer
sich auf einen weiteren gebiete poetischer freiheit bewegen
durfte und diese dem realzusammenhang der begebenheiten um
so gespannter folgen konnte ; ja sogar, indem er sein mysti-
sches gedieht bis zu der mittelalterlichen sage vom priester-
könig Johannes hinabführte, verschaffte er demselben durch
die weite aussieht in die historischen ergebnisse der folgezeit
einen eben so hohen schein von Wahrheit und realer bedeu-
tung als er durch herleitung der meisten ausgezeichneten per-
sonen seines heldengedichtes von dem feengeschlechte 31aza-
dans ihm eine ideale überirdiscjie grundlage gegeben hat, auch
hierdurch lehrend wie durch zurückführung auf einen höhern
Zusammenhang und Ursprung viele gegensätze und sich be-
feindende elemenle eine friedliche lösung und Aersöhnung
finden.
POTSDAM. RÜHRMUND.
3IARIEi\LIEDER.
I.
Gelobt si di tzit der svzen nacht
Inder ihesus der lichte tac
von einer rosen ane dorn
So wundirlichen wart geborn.
Lop si der liben mvter sin 5
Di vns hat bracht ein kindelin
So tzart vnd ovch so minnenclich
Das nie ward geborn sin glich,
lop si der tvginlrichen mait
von aller miner craft gesait. 10
Dv bist czv trwen vn vorzait,
Diu kint wen is dir wol behalt.
Der himilichsen engil schar
lies hiinelischen
MARIENLIEDER. 479
Dich löblichen lobin sal
Wcnne er aleine hat erkorn 15
des stillen kindes zorn
Dich lip ZV einer mvter sin,
Des vrev sich das herze din.
0 rose in blvete immer rot,
Nimant volendin kan din lop, 20
wenne dv bist vrei der svndin we:
Des xrev dich hvte vnd iramernie.
Sin rainnenclicher aneblic
Dir sentet siner minne stric,
Des mvst dv wesin vreudenrich. 25
Nv bit den zarten heimelich.
Nv inder krippen wunderlich
Noch dineni willen wolde sin
Das keiserliche kindelin.
Nv sich is an vnd vrewe dich. 30
Nv sich an, wi der minne kraft
gevangen hat sin wilde macht,
Das er begriflichen wordin ist
Den vor begreif nie kein list.
sin deiner lip ist liligin var, 35
glich ist sin mvnt rosin gar,
Zv kisin in nv neiga dich ;
Nim in mit vrevdin vnde sprich :
0 rose von iervsalem,
0 lilige von betlehem, 40
von nazaret ein blvmilin,
bis willenkvmen der sele min.
0 allir miner vrevden kil,
Alles mines hertzen spil,
0 svzes kint, 0 über svn, 45
Nv bis hevte willenkvmen mir;
Ovch bin ich ein mvter worden dir,
Dv schepher vfi herre min,
14. auf diesen vers mufs vers 16 folgen, der zu lesen ist des stillen
kindes äne zorn, dann vers 15 h. s. f. 2i. über c in minne rasvr.
28. lies nach 37. küssen 38. e in vrevdin aus o corrigiert.
47. ein ist in die hs. hineincorrigiert. r in dir durch rasur aus n.
MARIENLIEDER.
ich tochter vnde dirne din.
her, aller selde selikheit öO
gerl diner brvste svsikheit.
Nv, mvter aller vrowen.
wol phlic VHS des newen.
0 aller svndin troesterin,
Dvrch alle dise vrovde diu 55
ker dine gvete her zv mir.
Eia vil svze mvter mir,
Er hoera nv di bete min:
So wil ich immer lobin dich.
Er hora milde vrowe mich, 60
Di mvlerlichen oren din
Neiga vnd hora di bete min ;
La mich nicht trowren von dir gen,
wilt dv das ich mvge besten.
gip mir den aller edelsten, Gö
gip mir den aller schönsten :
So werd ich lip von innekeit,
svze von siner svzikeit,
edil von siner edilkeit,
schon von siner Schönheit. 70
11.
1 Vrev dich, maria, diner gcburle :
der heilige gcist dich vmbegurle
Indiner mut libe sark
mit siner crefte di waz stark.
Durch dise vreude er vrewe mich
an miner sele, des bite ich dich.
2 V^ev dich, maria, wen din grüz
ist vnser sutheu wrden biis.
Den dir brachte gabriel :
des sprichet din lop ezechiel.
50. her auch im inarienlied II, 13, !1. 58. hinter di ein n radiert,
vergl. 62.
1, 3. hinter niiil die abkürzttng * vergeßcn. 2, 1. lies wen
2, 2. suhlen
MARIENLIEDER. 481
Durch dise vreude er vrewe mich
an niiner sele, des bit ich dich.
3 Vrev dich, maria, wen din kint
bekante iohannes also blint
vnd vngeborn indinem libe,
diz wndert got an aldem wibe.
Durch dise vreude u. s. v;.
4 Vrev dich, lichte gotheit p
ansich zoch vnser menschen cleyt
Indiner kevschen kemenate,
daz geschach vil wnderu drate.
Dur dise vreude u. s. w.
5 Vrev dich, maria, alle vvort
beslusestu sam einen hört,
Di hirten vondir kosten vtu,
do din sunne in luchte zv.
Durch dise u. s. w.
6 Vreu dich, wen diner ougen stern
sahen kint mit vreuden gern,
Do is von dir geborn wart,
selb drit iz zvdir waz gekart.
Durch dise u. s. w.
7 Vrev dich, maria, kuneginne :
dry kunige dich mit cluger sinne
Suchten snel gar vlizzeclich,
ir gäbe dutet zeichenlich.
Durch dise //. s. w.
8 Vreu dich, maria, do du queme
inden tempel du vil geneme,
Dich vnd din kint cristus von syon
enphink mit vreuden symeon
Durch di u. s. w.
9 Vreu dich, maria, vil wol gezirt,
symeon von dir prophetizirt,
Daz eyn svert din herze sneyt;
nv sint benumen dir din leyt
Durch dise u. s. w.
4, 4. wunderndräte
Z. F. D. A. VI. 31
482 MARIENLIEDER.
10 Vrev dich, raaria, riches wndes,
der dir erschein von herzen grundes,
Do din kint vorlorn was,
in der iuden schul iz saz.
Durch di u. s. iv.
\\ Vrev dich, maria, wen du wrde,
gar an alle swere bürde,
Mit samt dinem kinde in geladen :
wazzer wart win an allen schaden.
Durch dise u. s. iv.
12 Vrev dich, maria, dioer hineverte,
wenne gote nimant daz eowerte;
Her queme selber dir zv lone
vnd sezte dich vf der eren trone.
Durch di v. s. w.
Di vreude di hi sint genant,
di sint dir, l'rowe, baz bekant
waz ich da mite meyne,
du kuniginne reyne.
bichte, buze an mir vor newe,
vnd gip mir rechte rewe.
an minen lesten ende
dine genade mir sende
vnd wis min geleile,
min sele di gereite
durch diner vrevden wnne.
nv bitte, swer da kunne.
III.
Ave maria.
gegruzel sistu du, marie,
Schoene maget vrie,
Geborn von kuneclicher arf :
Genemer mait nie wart,
den du werliche bist :
von dir gol geborn ist.
11, 4. wia in der As. abgerieben und verwischt.
MARIENLIEDER. 483
Gratia plena.
Maria, alse genaden uol,
die cristeuheil dich loben sol, 10
wen du got gebere
an aller bände swere
vn doch raaget were :
Daz ist ein wnder vil groz,
des hastu mait keine genoz, 15
Indes himels schone
dich loben der engel gedone.
Dominus tecum.
Maria, got ist mit dir:
also wis vrowe mit mir 20
durch dine barhercekeit,
du host den fluech nider geleit.
Der vns allen was gegeben,
vn hast vns braht an daz leben,
des ende nimmermer zuget, 25
Sunder immer me in vroden stet.
Benedicta tu inmulieribus.
Maria, gesegente vor allen A^-iben,
Nu gerueche von mir triben
mines hercen brodekeit 30
die miner sele ist A-il leit:
des bit ich dich innecliche.
du bist in himelriche
aller engel ^Towe.
kuneginne, nu schowe 35
Der cristcnheit groze not
durch dines lieben kindes tot
Den er andem cruee leit
durch des menschen selecheit.
Et benedictus fructus uentris tui. 40
die du mit meitlicher zut
gebere, gelobet si.
mach vns uon sunden vri.
12. die hs. aü'e wie sw*e 14. die hs. wnd'e 21. lies barm-
herzekeit 26. die hs. Süd*e 41. vor diesem verse fehlt offenbar
ein vers mit einem reime auf zuht.
31*
484 EINIGE MITTELDEUTSCHE WORTEK.
Du bist die rose ane dorn,
von allen meiden vz erkoren: 45
des laz vns geniezen
vnde geruche ul' zliezen
daz vrone hiraelriche,
dar wir vroliche
niuzen niitdir immer sin : 50
des liiir vns reine kunegin. amen.
47. üf sliezen
Ans der pergamenthandschrift 878 der umversitäts-
bibliolhek zu GieJ'sen. die hs., welche einen heiligenca-
lender und ein deutsches brevier enthält, zählt 175 blätter
und trägt auf bl. 2' von späterer hand die jahrzahl 1342.
das marivnlied I ist von einem andern Schreiber als dem
der hs. auf bl. 1 '' und 2^ sauber und deutlich eingeschrie-
ben, vm den räum vor dem heilige/icaleudor nicht unbe-
nutzt zu lafsen. das marienlied II, tvieder von einer an-
dern hand, füllt den am schlaf sc der hs. bl. 174' — 176''
gebliebeneu räum. Il[ steht bl. \7\^ — 172''.
GIESSEN. DR WEIGAND.
EINIGE MITTELDEITSCHE WOIITER.
Veratidern. in den Marienlegenden 7, 63 ff. lesen wir
eyd, nu will verandern dich und eine brat über mich an
dines herzen liebe zien. der herausgeber erklärt verandern
durch verändern ; in dem von Wh. Müller herausgege-
benen nihd. wörterbuche Ueneckes ist die stelle nicht ange-
führt, sich verändern bedeutet hier sich verheiraten, wie das
Wort z. b. in der Wetterau, wo man sich veranuern oder
Deränern ausspricht, noch gäng und gäbe ist. Erasmus Al-
berus Wörterbuch (1540) hat nach wctterauischem Sprachge-
brauch 'eloco, ich verander, filiam scilicet\ und früher wie
im 16n jh. schrieb man auch sich verendern in jener bedeu-
tung. vergl. Oberlin 1, 1718, wo aber das wert irrig vom
eingehen einer andern ehe verstanden wird ; es drückt das
eingehen der ehe überhaupt aus.
EINIGE MITTELDEUTSCHE WÖRTER. 485
Unbate kommt bei Herbort 717 und 2296 vor. es ist,
der unbarrc und unbare ausgesprochen, in der VVetterau bis
über die Lahn geläufig und bedeutet 1) ereignis, Handlung,
zustand, die öiFentliches ärgernis geben, hiernach vvei'den die
stellen bei Herborl sich erklären lafsen. 2) übermälsige,
gleichsam ungehörige, menge, den grundbegriff zeigt mni.
ombate detrimentum (gramm. 1, 494 2e ausg.), eine Zusam-
mensetzung mit bäte, bei Herbort 2697 auch bade, förderung,
vortheilbringen, vorlheil. in der Wetterau wird für dieses
bäte gesagt ds gebatt d. i. das gebale, und den begriff des
verbums drückt Aiberus sehr richtig aus, wenn er in seinem
wörlerbuche schreibt ' batt proficit.'
Binckenbangk heifst ein teufel im Alsfelder passions-
spiel* zeitschr. f. d. a. 3, 489. 490; 493 fehlt er aber in
der aufzählung der teufel. der name scheint ' spielteufeF zu
bedeuten, zwar geht aus den worten dieses teufeis nichts
hervor, wenn man nicht 489, 324 — 327 an luoder denken
will ; aber es heifst ein in der VVetterau noch sehr übliches
einfaches kinderspiel zu gewinn oder verlust binklebank. eines
der spielenden nimmt in die eine band um so viel man spie-
len will, macht dann beide bände zu, schwingt sie einige
mal um einander und hält sie dem andern hin mit den Wor-
ten 'binklebank, in welcher band?' räth der andere nun die
band in welcher der gegenständ des Spieles ist, so erhält er
diesen als gewinn ; räth er die leere band, so mufs er dem
ersten so viel geben als dieser in der andern band hat. dar-
aus erklärt sich auch eine stelle die ich mir vor mehr als
zwanzig jähren aus einer Rachel beigelegten satire ausge-
schrieben habe, aber in Schröders ausgäbe nicht finden kann:
(das weib; 'hat in einer band, gleichwie die kinder pflegen
Zu spielen pinkewink, lust leben fried und segen, Und in der
andern band zorn tod fluch hafs und zank. Ach, solches
jiinkewink bringt schmerz sein lebenlang. Wer diese band
ergreift, der kriegt nicht nur die bände, Ja vielmehr haus
und hof voll kreuz und voll elende.' sat. 8, 399 steht, dem
herausgeber unerklärlich, die pinkebank, und es ist wohl da-
'■■ in einem osterspiele dessen hs. in der stadtkirche zu Friedberg
in der Wetterau in einer kiste bei den spielgewändern gefunden wurde
kommt unter den teufein dieser teufel nicht vor.
486 EINIGE MITTELDEUTSCHE WÖRTER.
mit dasselbe spiel gemeint, welches früher auch ein gliicks-
spiel erwachsener gewesen sein mag.
l^regen, Jrege?t, fragen, verzeichnet Wh. Wackernagel
in seinem altd. Wörterbuch, es steht z. b. auch bei Herbort
4368. 8086. 17699, wozu granim. 1, 970 2e ausg. zu ver-
gleichen ist und Sommer zu Flore 3494. wetterauisch ist
mir freje d. i. f regen üblich, mc\\i fragen, was dort hoch-
deutsch klingt; prät. ind. frekt d. i. fregte, part. prät. ge-
frekt d. i. gefregt.
Kerren, gerren. die Hätzlerin I, 35, 16 hat erst hebt
sich greyn vnd kerren. dies stimmt hier mit dem in der
Wetteran sehr geläufig starken verbum gerrn (prät. ind.
ga^rr, part. prät. gego^^rrii, d. i. gerren gar gegorren),
laut weinen, iiberein. vergl. kerren bei Oberlin 1, 778.
Grellen steht in den 3Iarienlegenden 24, 275, iraltvi-
schere die durch leide swere für netze trugen grellen,
und der herausgebcr fragt ob grellen scharfe gebogene haken
ausdrücke und zu krallen gehörig sei. mir scheint der sing.,
wenn er grelle lautete, eine nebenform mit umlaut von dem
wetterauischen fem. grall oder gralle d. i. die grall oder
gralle, dem landüblichen worte für die zwiesel, welche bei
den räubern in jener stelle zum fange gedient haben dürfte,
vergl. übrigens die graitel bei Schmeller 2, 124. gral bei
Frisch 1, 365M"., grelle 371% kraal kratt bei Schmidt We-
sterw. id. 88.
liiile Athis C* 87 ist das weUerauische die kauL kugel,
früher, wie Alberus Wörterbuch und fabeln zeigen*, für jede
kugel gesagt, jetzt nur von der schiebekugel, während die
zum schiefsen gebrauchic kugel heifst. in der obigen stelle
entspricht kluz 88.
* im wörterburho ' plumlmla .i. plunibala pila bleikaul. — globus
ein kugel, kau/. — heinisphaeriiim ha/bif kaul.' in den fabeln 16.
s. 58 dir ausgäbe von l.löO 'er war nicht faul vnd bracht mit sich
ein bieten kaul. vergl. auch die kaute Krisch l, 504. von den schu-
I'sern des kin.U'ispiels koninU kci/lrheii sc/iicfsen auch in Luthers
schreiben an die burp^ermeister und rathsherrcn aller städtc Deutsch-
lands vor. Campe hat haiilieht , kaulii', kugelifht, und kaitlhuhn (wet-
terauisch käuler) heilst das hinten kufjeliclit aussehende huhn ohne
Schwan/..
SEGENSFORMELN. 487
Krlsten, W. Wackern. altd. leseb. CLVIII. vergl. h^eisten
Sclinieller 2, 396. Wetterauisch sagt man h-eston, laut stöh-
nen, es ist wohl dasselbe wort; ich weils aber das c der
Stammsilbe mit ei, mhd. i, nicht in einklang zu bringen und
vermute eine lautabweichung.
Müche Frauenlob spr. 335, 2, ein sonst nicht vorkommen-
des Avort, dessen bedentung von dem herausgeber vermutet
wird, ist die sogenannte mauke, eine den fufs lähmende krank-
heit der pferde und vom spath, mhd. spät, verschieden.
Sife, Wh. Grimm zu Wernher vom Niederrhein 37, 25
und zeitschr. 1, 426. bei Wernher bedeutet das worl wohl
ein von abfliefsendem quelhvafser oder dauernder näfse durch-
zogenes sumpfartiges gelände, gewöhnlich mit geringem grase
bewachsen, wie der name noch häufig, bald die seife bald
der seife bald das seif oder seifen geschrieben, in der Wet-
terau, in Oberhessen, dem Hinterlande, auf dem Vogelsberge,
Westerwalde fvergl. Schmidt Westerw. id. 217) u. s. w.
vorkommt, er ist aus dem wurzelverbum ags. sipa/i. fries.
sipa, triefen (gramm. 1, 41 4 f. 3e ausg.) abzuleiten.
GIESSEN. DR WEIGAND.
SEGENSFORMELN.
WASSERSEGEN UND WUNDSEGEN.
(roth) Diss ist der wasser segen das gewar ist vnd vil
gross wunden da mit gehailt sint. (schwarz) In nomine p.
et f. et s. s. et benedicat aquam {roth) Et dicat {schwarz)
Der got der für wasser luft ertrich geschuf vnJ alle creatur,
der gesegen dich wund vnd wasser gut bi des hailigen Cristes
blut vnd bi der hailigen karitat, das du din swellen und din
sweren laussist sin vnd wellist hailen von grund. also tet du
selb wund die Longinus der iud vnserm herren durch sin reht
siten stach, du gebar noch geswar nie, noch gesurt noch ge-
fult nie, noch slüg enkain übel dar zu nie von enkainer lay
geschiht. also muss der wunden beschehen, das werd war
in gotles namen. amen, (roth) dicat ter et semper vnum
pater noster et aue Maria et iactet aquam in wulnus cum
manu.
488 DES TANHAÜSERS HOFZUCHT.
ROSSTRITTSEGEN.
(roth) Diss ist der trit segen der ross. dicat {schwarz)
In nomine p. et f. et s. s. Ich wider trit den trit mit dem
trit den vnser hergot an das frone crütz trat, (rotk) dicat
ter et semper vnum paler noster et aue 3Iaria et sanciat
crucem cum pede.
WUiNDSEGEN.
(schwarz) Rist mess (so) lat ich (so) disiv vnden (/.
wunden) segnen: ich (? Jesus) crist der jung der haili disiv
wnd. dicat ter "f f f.
^us der papierhandschrift 100 der unirei^sitätsbiblio-
thek zu Giefsen bl. 34'' {nach der blaUzahlung in Adrians
katalog bl. 36''). die hs. ist aus dem \An jh. den letzten
hat eine jüngere hand hinzugefügt.
DR W EIGAND.
DES TANHAÜSERS HOFZLCHT.
Er dünket mich ein ziihtic nian.
der alle zuht erkennen kan,
der keine unzuht nie gewan
und im der zühte nie zeran.
der zühte der ist also vil, 5
und sint ze manegen dingen guot:
nu wizzent, der in volgen wil,
daz er vil selten missetuot.
die Sprüche sint von grozer zahl,
die halten sol der edele man, 10
und sint von manger ungenuht.
die man dar an erkennen kan.
diu zuht ist sicher liulen guot.
und swer der zühle rehte luot.
Die hs. Daz ist des lanhawsers getiht vfi ist gut hofzuchl. 6 steht
Zwischen 7 und 8. 10 nach 11. mangc 1.1. leitliii \k. für
swer Jast immer wer.
DES TANHAUSERS HOFZUCHT. 489
der sich vor unzuhl hat behuot. 15
den machet got vil hochgemuot.
da von rate ich miuen friunden daz
daz si der unzuht wesen gehaz.
der siner zühte nie vergaz,
wie selten rot er ie gesaz. 20
ze dem ezzen sult ir sprechen sus.
als ir dar zuo gesezzen sit,
'gesegeue uns Jesus Christus/
gedenkt an got ze aller zit,
swenne ir ezzt, so sit gemant 25
daz ir vergezzt der armen niht;
so wert ir gote vil wol erkant,
ist daz den wol von iu geschiht.
gedenket an die grozen not
der weisen, swa die sin da bi: 30
durch got so gebt in iuwer bröt,
so wert ir vor der helle fri.
kein edeler man selbander sol
mit einem leffel süfen niht:
daz zimet hübschen liuten wol, 35
den dicke unedellich geschiht.
mit schüzzeln sufen niemen zimt,
swie des unfuore maneger lobe,
der si frevellichen uimt
und in sich giuzet als er lobe, '»0
und der sich über die schüzzel habet,
so er izzet, als ein swin,
und gar unsüberliche snabet
und smatzet mit dem munde sin.
sümliche bizent ab der sniten 45
und stözents in die schüzzel wider
nach gebürischen siten :
sülh unzuht legent die hübschen nider.
15. hat fehlt. 17. mein frewdfi 18. wesn der vnzucht
22 nach 23. 25. Wenn 26 ?iack 27. Daz ir den ariü ver-
gezzent niht 29. grozz 30 nach 31. Den waisn wa
33. edelo 34 nach 35. 38 nach 40. vnfiir doch mani-
ger 1. 42 nach 43. 43. snalt 46 nach 47. stozzentz
490 DES TANHAUSERS HOFZLCHT.
etlicher ist also gemuot,
swenn er daz bein genagen hat, 50
daz erz wider in die schüzzel luot:
daz habet gar für missetät.
die senf und salsen ezzent gern,
die sulen des vi! flizic sin
daz si den unflät verbern 55
und stözen niht die vinger drin.
der riuspet, swenne er ezzen sol,
und in daz tischlach sniuzet sich,
diu beide ziment niht gar wol,
als ich des kan versehen mich. 60
swer snüdet als ein wazzerdahs,
so er izzet, als etlicher phliget,
und smalzet als ein Beiersahs,
wie gar der sich der zuhl verwiget.
der beide reden und ezzen \sil, 65
diu zwei werc mit ein ander tuon,
und in dem släfe reden vil,
der kan vil selten wo! geruon.
ob dem tische lät daz rehten sin,
so ir ezzent, daz sümliche tuont : 70
dar an gedenkent, Iriunde min,
daz nie kein site so übele stuont.
swelch man daz brot legt an den lip
und snidel sam diu kranken wip 75
und werde in brähl ein empelin
mit salze, swenne ir ezzen gef,
so sület ir nihl grifen drin
mit blözer lianl, daz übele stet. 80
ez dunkel mich groz missetät,
50 nach 51. Wenn 51. er 53. salzn 5i iiach 55.
56. n ht (1 vinger {so) 57. Der räwspet wenn 58 nach 59.
62 nach 63. 03. payr sachs 66 nach 67. mit anandtr
68. Vn in den slaf wil r. v. 70 nach 71. 71. frawd
74 litid 76. keine lücke in der hs. 77. enpelein : s. Scitmeller
1, 58. 78 nach 79. Mit .saltz wenn ir ezzen weit
DES TANHALSERS HOFZUCHT. 491
an sweme ich die unzuht sihe,
der daz ezzen in dem munde hat
und die wile trinket als ein vihe.
etlicher blaset in den tranc; 85
des spulgent sümeliche gern :
daz ist ein ungewizzen danc:
der unzuht solte man enberu.
etlicher über den becher siht
so er trinket ; daz enstet niht wol : 90
den habet für einen degen niht
dii man den besten haben sol.
6 daz ir trinkt so wischt den munt,
daz du besmalzest niht den tranc:
diu hovezuht wol zimt alle stunt 95
und ist ein hovelich gedanc.
zwischen den trabten mac ein man
wol trinken, ob im not beschiht,
ob er daz tranc gehaben kan,
daz allen liuten flieget niht. 100
sw er den vinger üf daz mezzer leget,
so er snidet, als ein kürsner pfliget,
wie selten sich der wol gereget
da man den beiden an gesiget.
und die sich iif den tisch legent 105
so si ezzent, daz enstet niht w^ol :
wie selten die die lielme wegent
da man frouwen dienen sol.
ir siilt die kel ouch jucken niht,
so ir ezzt, mit blözer hant: 110
ob ez aber also geschiht,
so nemet hovelich daz gewant
und jucket da mit: daz zimt baz
denn iu diu hant unsuber wirt.
die zuokapher merkent daz, 115
swer siilhe unzuht niht verbirt.
82 nach 83. wein 83. deu mund 86 7iac/t 87. 90 >iac/i 91.
siel 94 nach 95. 98 nach 99. lOi'. Der allS 1U2 nach 103.
106 nach 107. stet 107. W. s. die beim w. 110 nach 111.
ezzeot 11 i nach' 115. Den e\v die h. niht vns. w.
492 DES TANHALSERS HOFZÜCHT.
ir sült die zeiide stiiren niht
niil mezzern, als etlicher tuot
und als siimlichen noch geschiht :
swer des phliget, daz ist niht güot. 120
swer mit leffeln ezze gern,
kan er da mit niht heben üf,
der sol den unflat verbern
daz erz iht schieb mit vingern drüf.
swer ob dem tisch des wenet sich 125
daz er die giirtel witer lät,
so wartent sicherliche üf mich,
er ist niht visch unz an den grät,
swer ob dem tische sniuzet sich,
ob er ez ribet an die hant, 130
der ist ein gouch, versihe ich mich ;
den ist niht bezzer zuht bekant.
ob daz geschihet daz man muoz
drin setzen ein schiizzelin,
in wirdet alier ziihte buoz, 135
grifents mit ein ander drin.
swer mit bröte ezzen sol,
der mit dem andern ezzen wil,
der sol daz behüeten wol,
ob er tugent hat s6 vil. 140
ich hoere von siimlichen sagen
(ist daz war, daz zimet übel)
daz si ezzen ungetwagen :
den selben miiezen erlamen die kuübei.
etliche sint so Iroelich gar, 145
si ezzent, also danket mich,
daz si niht nement ir munde war
und bizent in die vinger sich
und in die zunge, hoere ich sagen.
118 nach 11'.). 122 nach 123. 124. auf 125. 129. ob den
126 nach 127. 128. frisch an: vergl. 264 und zum Winsbekeu
r)2, 7. 130 Hflc/i 132. 134 nach 135. 13.j. In wirt aller zuclil pu/.
136. Greilfenlz mit anander drein 137. mit prot : brot in die brühe
im schüfselein tauchend? oder fehlt eine Strophe? 138 nach I3i».
142 na<:h 143. 143. vmbelwagn 146. nach 1-47. 147. irs
DES TANHAÜSERS HOFZUCHT. 493
150
wem wil der den schaden klagen?
nu pillige wol der ziihte diu :
als diu gemazze trinken sol,
ungäz soll du die wile sin: 155
daz ist hovelicli und zimet wol.
swer den unflät von der nasen ninit
und vonn ougen, als etlicher tuot,
in diu ören grifen niht enzimt,
so er izzet, diu driu sint niht guot. 160
ez ist selten nimmer guot,
der mit dem andern ezzen sol,
daz er dem gemazn unrelite tuot
mit iiberezzen, ez zimt niht wol.
gen der naht sol niemen ezzen vil 165
der wol des morgens gezzen hat :
swer sich dick iiberezzen wil,
dem wirt des söten selten rät.
von iiberezzen kumt vergibt
und überic krankheit, beere ich jehen : 170
von fräze Sünden vil geschibt,
von trinkn ist arges vil geschehen.
ein bunger der ist bezzer wol
dan der spise ezzen alze vil :
ez ist wwger daz man bunger dol, 175
der niht siech wesen wil.
von iiberezzen kumt vil not
ze vasnabt unde ze ostertagen:
manec lüsent sint von ezzen tot,
daz in verdürben gar die magen. 180
swer dar umbe versalzt sin brot
daz er vertrinket sin gewant,
15Ü und 151. keine lücke. 154 nach 155. 157 — 160 in dieser
Ordnung. 11^8. Vn von den augü als etleich lut 162HacA163.
164. ez] dz 166 nach 167. 169. vergift 170 nach 171.
171. Von frazz vil s. g. 173. isi fehlt. 174 nach 175.
Wan d. sp. ezzn ze vil 175. meger I7(). Wan 177. 178 nach
179. 181. War dar umb versaltzt s. br. i^% nach J83
494 DES TANHAÜSERS HOFZÜCHT.
kumt er da von in gröze not,
der muoz ein töre sin genant.
swer äne durst wil trinken vil 185
der naehent wol dem tode sich,
und vil an liunger ezzen wil,
der lebet niht lange, dünket mich.
swer ouch lützel schiubet in den raunt,
als grozer hunger in bestet. 190
er wirt vil selten wol gesunt,
dem ez die lenge also get.
vil liute sint an hunger tot,
und waz des selben noch geschiht!
von durste lident manege not, 195
die doch von durste sterben! niht.
got gesegeue uns den tranc ;
der nie gewan anevanc
und nimmer mac ende nemen,
der laze uns den tranc wol zemen. 200
hie vor sprach her Fridanc,
guot win si der beste tranc ;
des noch der Taiihüs«re gibt:
vil beiden des geloubent niht.
ir siilt die heizen spise 205
vermiden, sit ir wise,
swie gröz ein hunger iuch best6 :
diu bile tuot vil manegem we.
diu Wirtschaft ist gar enwiht.
swa diu spise ist kranc ; 210
ez mac ein Wirtschaft heizen niht,
ist da niht brot noch tranc.
swer machet eine höchzit,
swie manige trabt man git.
da mac kein Wirtschaft sin, 215
da ensi guot brot unde win.
186 nach 187. 190 nach 191. Als in der grozz bunter festet
192. Den 194 nach 195. Vn wez 201. freydank: in einein
verlorenen spruche, oder ist es ungenaue erinnerung an 95,2^..'
204. lanhawse 205. pit 210 nach 211. 213. vergl. Freidank
15, 15^'. 214. Vil wie inanig 216. Da sei
DES TANHAUSERS HOFZUCHT. 495
swä man des schächzabels gert
und swä mauz von hunger inert,
da mac kurzwile gevallen niht
und ist diu Wirtschaft gar enwiht. 220
diu lazheit reizet nianegen man
daz er guotes niht enkan :
daz wirt ein ewiger tot
und bringet manege sele in not.
nu lät iu die zuht behagen 225
6 daz si komen zuo ir tagen
den kinden sol manz niht versagen.
swer alle zuht behalten kan
und lat die unzuht under wegen, 230
der wirt vor gote ein lieber man,
mac ers an sinen tot gephlegen.
swer alle zuht kau bewarn
und volget nach der zühte wol,
des sele mac vil wol gevarn, 235
so der lip sterben sol.
vlorn wirt kein wol gezogen man,
kein ungezogen man der kan
ze himelriche nimmer komen,
also hän ich vernomen. 240
kein slunt wirt nimmer wise gar ;
des nemt an mangem fräze war.
niht guotes sinnes hat der slüch
der niht aht wan üf den buch,
überic spise und trunkenheit 245
217. Wa — schachzagls. diese stelle wird erklärt: durch eine ini Ren-
ner 65^, got, lä mich nimmer da gesitzen, da man mit brotes snitzen
schächzabel ziuliet ob den tischen, müht ich ein künic da erwischen
oder ein roch, so füere ich wol -. mit vendeu wird ich [da] selten voi,
vom hin und herziehen der hrotstückchen auf dem tische eines gei-
zigen, nach JFackernagels erklärung in den Beiträgen zur gesch.
und litt. {Aarau 1846) 1, 38. 218. Vü wa mans : diese zeile ist
mir nicht deutlich. 219. Da mag div kurtzweii 225. wol be-
hagen 220. ob hier die lücke anzunehmen ist oder nach einer an-
dern zeile ist unsicher. 230 nach 231. 234 nach 235.
237. Verlorä 241. stnnt
496 DES TANHAl SERS HOFZUCHT.
ez wirt im an dem alter leit
und machet tumber liute >'il.
swer in der jugent wirt ein slücli
und mit fräze an sin alter kumt, 250
wirt im da von ein grozer buch,
wie lützel daz der sele frumt !
ein man sol guot und arc vertragen
und da bi ziihteolichen leben,
und sol da von niht gar verzagen, 255
gät ez im under wiln niht eben.
dem nie wart we, dem wart nie wol,
der frume ez allez Hden sol,
als ime liep od leit geschach.
beide liep vnd ungemach. 260
der Tanhüsaire gemachet hat
die rede mit sümücher rät.
ez löret wol für missetät
der niht ist visch hiz an den grät.
246. keine lücke. 2-^9. Wer ez in 250 nach 251. 254 nach 255.
25y. Als nie lieb noch leid geschach 261. D. tanhawser gmachel h.
262 nach 263. Der red mit sümleicher rat 264. frisch pis an
gr. nach 264 Dise gut ler hat ain ende Got an vns alle vnzuhl
wend. amen.
Aus (/er Iflener hs. 2885 bl. 39'— 41'. die hs. ist
von papier und im jähre 1393 in Insbruck geschrieben:
s. Hojfmanns Verzeichnis s. 93jf. die Umstellungen der
Zeilen teer den, hoffe ich, trotz ihrer menge durch ihre
nothwendigkeit überzeugen, in einigen quatrains wüste
ich die reiinverschränkung, die ohnehin in den durchge-
reiviten aufgegeben ist. nicht anzubringen. auffällig
durch einen klingenden reim und vielleicht unecht sind die
Zeilen 205 — 208. H.
497
VON DER ALTEN MÜTTER.
Volnit hat getihtet,
gcl'üeget unde gerihtet
em gemellichez maere.
man saget daz ez war wa-re
unde wilen geschach, 5
des mir ein rilter jach,
in der stat ze Niierenberc,
da dicke wunderlichiu werc
geworht hänt die Swäbe
mit herlicher gäbe. 10
nu hoerent aber fiirbaz.
ze Swäben ein frouwe saz,
diu was edel unde rieh,
si was wol den frien glich
unde ouch zuo ir tagen komen. 15
daz alter bete ir benomen,
daz si weder horte noch sach,
und doch wider die liute sprach
allez daz si solle,
so si ez tuon wolle. 20
der tot het ir den man benomen.
von in zwein was bekomen
ein sun den ir der vater liez.
swaz in diu frouwe tuon hiez,
des ahte er niht vaste. 25
er het in staeter tugent raste:
des fleiz er sich in allen wis.
des gewan er lop unde pris,
daz man im des besten jach
swä man in horte oder sach. 30
des vlouc sin lop über velt.
Die lis. Daz mer von der alten muoter. 3. gemechleichs
8. wunderleieh 14. der freyn 20. wolle 24. Waz
26. staeter fehlte hefser. 27. aller 30. War man h.
Z. F. D. A. VI. 32
498 VON DER ALTExN MUTTER.
er vertel siner huobe gelt,
als dicke geschiht durch werdekeil.
daz was siner muoter leit.
er wolle nie nach ir Iwingen 35
zuo ir siten sich län bringen,
daz er hieze ein broesenaere.
des machte er ir daz schrin isere.
swä er den schätz an kam.
an sich er den nam. 40
er kleite sich und sine knehte
und sine muoter von rehte.
daz nam diu muoter niht verguot,
als raanec unwisiu frouwe tuot.
si sprach dem sune boesiu wort. 45
er kerte sich niht an ein ort :
er vertet swaz er gewan,
als ein ander crbsere man.
eines gedahtes ir zehani,
und koeme der keiser in daz laut. 50
so wolle ich minen sun beklagen,
ich mac ez lenger niht vertragen :
min leben ist so ängesllich.*
duo kom euch keiser Friderich.
dö diu muoter het vernomen 55
daz der keiser was komen,
des was si unmäzen fro.
zuo ir sune sprach si do
'sun, ich wil gßn hovc varn.
da hin soll du mich bewarn. 60
ich gespra'che den keiser gern :
des cnmac ich niht cnbern.
muoter, waz well ir dar?
ich wirbe wol iur botcschafl gar,
und blibt hie heime immer nu> ; 65
iu luot diu tagereise w6.'
;{5. Er woll in nach '.\6. sich \dn fehlt . 37. prösncr: der div
brosamen tpart^ 38. Dar 39. \\ a 4G. bekertc?
47. waz 50. inz I. 54. Du Gl. Ich hesjtrach GS. Er
sprach m.
VON DER ALTEN MÜTTER. 499
si sprach 'ich inuoz ie dar
klagen, wis an angest gar.
der dich beklagen wolle
und daz tuou niht ensolte, 70
dem würde ich nimmer holt.
er sprach ' muoler, habt gedolt
und Sit guotes muotes.
iu zerinnet nimmer guotes.
wir haben noch eigen habe 75
unde hegen uns wol dar abe.
stet ez einem hiur ze väre,
er überwindetz aber ze järe.'
si sprach sun, ich muoz ie dar
klagen, wis an angest gar.' 80
inuoter, ich hille iu dar:
daz sol geschehen äne vär."
er gedähte dazs in wolte beklagen,
daz er schiere solte dagen.
eines tages do man gaz 85
und der keiser ze gerihte saz,
er brähte sine muoter für
und kam für des sales tür.
die mit im wären komen dar,
die hiez er varen anderswar, 90
ez wäre in liep oder leit.
nu seht umb eines ritters kleit,
wie daz gesniten si :
roc unde suckeni
diu hete er beidiu an ^ 95
zwene ermel hieugen dran
nider zuo den eilenbogen,
des wart diu muoter betrogen.
der sal was liute vol.
'muoter, als ich iu sagen sol, 100
ein rede tuon ich iu bekant:
als ich iu gibe in iuwer haut
08. piz 70. tuon] du im 72. gedult 77. ainen hewr ze war
81. Er sprach lu. 84. Daz ez schier soll tagn 91. im
94. suckaney 101. ich ir b.
32*
500 VON DER ALTEN MUTTER.
die ermel der suckenien.
sone sult ir niht verziehen.
ir sult iuch vaste an mich haben, 10.">
daz iuch niemen von mir schabe.'
si sprach 'sun, daz si getan.'
dö sach er einen ritler stan.
des kleider waren gesniten
rehte nach sinen silen : 110
ein teil er im geliche sprach,
als uns daz maere verjach.
er wolle ouch für den keiser gan
und sine sache hoeren lan.
der rilter künste riebe 1 1 5
der nam behendecliche
des selben rilters muoder.
er gap ez siner muoter.
da hallel iuch als ich c sprach;'
und l'iior er schalTen sin gemach. 120
durch den sal was ez enge,
do si kam an daz gedrenge.
wie vaste sie an im hienc.
daz er ir niht engienc !
si nam in bi dem ellenbogen 125
und wolle in für den keiser zogen,
der rilter der sach umbe sich,
frouwe, war umbe zieht ir mich?
ich w:en si liilzel gosihi :
si tuol ez umbe sust niht 130
sprach ein rilter, stuont da bi :
' lat si iu volgen, swer si si.
der ritler dahte niht dar an :
diu muoter volgle vasl hin an,
biz si für den keiser kam. 135
unde si vil rehte vernam
daz si ander liule hörte sagen.
103.
suckeneyeti 10 S. Sc IO.t. e\v
114. Vfi
1 wolt sein
118.
müder " IHK Du halt niicli 13'2.
in fohlt.
133. gedacht
134.
vaste (lan?
VOiN DER ALTEN MÜTTER. 501
do diu frouwe klagen beguiide,
mau hiez sä ze stunde 140
die liute swigen über al,
als man ze rehte tuon sal
uiide ez gar wol zimt
daz man frouwen klage verninil.
si rief vil lüte unde sprach 145
' herre, leit und ungemach
daz klage ich iu unde gote,
daz mir der tiuvels böte
min guol hat vertan,
daz ich niramere hän 150
wol hundert huobe landes ;
di Stent noch hiule phaudes
und werdent nimmer mere min :
ja des muget ir swerende sin.
hei miner schulde immer mere! 155
'frouwe, waz wirret iu mere?'
'ich sol ez wol sagen dir,
daz da wirret mir.'
'weder hän ich iu den win vergozzeu
oder hän ich iu den speht erschozzen 160
oder hän ich iu den Rin verbrant?
ir habt mich unrehte erkant:
iuwer sinne toup sint:
ich wart nie iuwer kint;
wir sin als nähe mäge 165
.ils Ache unde Präge.'
seht, herre, waz er mir ta;le,
ob ich iuwer niht haete.'
der ritter der sach umbe sich
(ez dühte in unbillich), 170
ob er ieman erkande
daz erm ruofte unde in nande.
die si do bekanden beide,
die vergäzen ir leide :
ez duhte si gemellich ; 175
si lachten unde verbürgen sich.
150. nimmer 154, möcht er [61. vgl. Schmellef'i, [02. 165. nahn
502 VON DER ALTEN MÜTTER.
(16 sprach des keisers kappelAn
ditz ist iibele getan,
uns saget 3l6yses eine lere,
swer vater unde muoter ere, 180
daz der sa;lic werde
hie lif der erde. '
dem keiser wart vil zorn
fdaz w*re hezzer verhorn) :
zornicliche er sprach, 185
do er in an sach,
' nu seht an disen herren :
er wil laster meren.
eines dinges mich wundert,
daz ir iuwer muoter von iu sundert. 190
ich gebiute iu bi minen iiulden
unde bi iuwern schulden
daz ir si fiierel ab wege
und habet ir miieterlichcii phlege.'
der ritter dahte in sinie muot 195
'dir ist niht s6 guot,
der tievel hat si dir beschert,
du bist der ir sich niht erwerl.
min gelücke ist eren wert.'
do hiez er bnngen ein phcrt : 200
niht lenger si do hiten.
si sazen uf unde rilen.
dö si gerilen ein wilc,
des wcges eine mile,
do begegenten in ander herren. 205
die begunden gegen im klaren
und fragten in der ma*re
und wer ze hove wsere.
waz rarere ze hove si,
daz sage ich iu : habt hie bi. 210
Sit daz got die erde geschnof
und den himel dar üf,
und daz mer dar unibe gie.
180. Wer 191. mrin 194. Vii ir iiiiiterlcichii phlegel
195. gedacht '205. bcpent '206. in 209. Er spnich waz
VON DER ALTEN MUrrEll. 503
S(» erv'orschte ich bezzer ma*re nie.
'saj^ent, licrre, fiirbaz, 215
waz maere siiit daz?'
swer sine muoter hat verlorn
(daz spriche ich ane zorn)
vor drizic järn, der vindet sie.
ich fiiere die mincn hie : 220
in drizic jarn hän ich sie nie gesehen ;
des wil ich in der wärheit jehen. '
du sprach ein rilter 'nein',
des früniekheit dar an schein,
entriuwen, daz geloubet mir, 225
die frouwen die erkenne wir.'
er sprach diu muoter ist min.'
'nein' sprach er, ez mae nihl sin.
der ritter werte sich niht s6re,
wan ein hitzel durch sin ere, 230
ob daz maer ze hove kaerae
daz man im sine muoter naeme.
der ritter reit mit grözer klage,
von der gemellichen sage
der keiser lachte starke. 235
ein ros von zweinzic marken
daz hiez er dar bringen ;
er gap imz für sin twingen.
ir dünket mich ein man guoter:
daz ros habt in für iuwer muoter: 240
ich wil iu imer bereit sin
swä ir bedürfet min. '
ditze maere hat ein ende
got uns alle klage wende.
217. Er sprach wer 219. der vind sei hie 235. 236. stark:
mark 242. Wa 244. wend. amen.
^us der s. 496 erwähnten ff^tener handschrift hl. 47'' — 50\
H.
504
PYRAMÜS UND THISBE.
Künde ich sprechen oder sagen,
sone wolle ich nihl verdagen,
sagen von einem maere
(daz ist also gewcere
unde sicherlichen war, 5
niht gelogen umbe ein här)
von der minne meisterschal'l.
der gewalt unde ir kraft
hie vor in alten ziten
in aller werll so witen 10
was s6 gar geza,'me
und also gar gena'me
daz eiuez durch daz ander starp
und in der minne bände verdarp,
als ich von zwein hörte lesen 15
unde wol war mac wesen.
triegen liegen ist so wert
daz nieman guoter minne gert
noch sta'te triuwe wil tragen.
da von wil ich iu sagen 20
von einer ganzen IViuutschaft
unde üuch von der minne krall
diu vor ze einem male geschacli.
als uns diu wärheil verjach.
zc Babilönje warn gesezzen 25
zw6ne künige vermezzen,
die beten beide kint niht me
wan Pyramum und Tysp6.
Die hs. Von Pyramo vii Tispe Den zwein liebfi geschah \il we.
2. So 11. Waz cz so 12. als 18. 19. Daz iiiemanl anders
nit Rcrl Guter minne noh slet t*w tragü : die verbefserung so verderb-
ter Zeilen in einem gedickte weder guter zeit novli gebildeter ktiiixt
muj's unsicher bleiben.
PYRAMUS UND THISBE. 505
1)1 ein ander sluonden ir hüs.
der knabe der liiez Pyranius. 30
die lierren wären beide fro.
der zweier kint seit man dö
si waeren so gar wunniclicb
daz in nieman wsere gelich.
si wurden eines tages geborn 35
und wurdn in einer naht verlorn.
si begunden ein ander minncn
e si sich künden versinnen,
e si sehs jär wurden alt.
ir herze wart von minne kalt, 40
und wolt vor hitze verbrinnen
von ir statten minnen.
ditz triben si wol zehen jär
e sin die liute uämen war:
si begunden ez ze hove sagen. 45
si woltenz lenger niht vertragen.
daz wart den kinden leit,
als uns daz buoch seit.
des köran diu kint in uugemach
und wurden beide an fröuden swach : 50
ir ietwederz wolle erlachen nie.
was ez daz mans zesamen lie,
ietwederz zuo dem andern sprach
we mir w6 und immer ach!
wes habent si sich versuunen 55
daz si habent begunnen
uns von ein ander scheiden?
wes wil man uns leiden
des nieman solle ahlen noch,
und wahren wir vil alter joch 60
an Übe und ouch an muote.
ach süezer got der guote,
ditz muoz uns gen ze herzen
und macht uns grozen smerzen.
stund 33. set 37. s
b. anander 41.
woltn 42. Von
sleter minne 4i. nein
46. nicht lenger
52 Ez daz man
saüT lie 37. ze schaidn
506 PYRAMUS UND THISBE.
waz ist daz unser herze kelt, 65
da von der lip s6 gar verseil?
und ouwe, Minne, waz bist du
daz du uns so sere keltest nu?
und sollen wir dich strafen,
wir schriren über dich wäfen, 70
wan wir niht minnen kunnen
noch sin nie begunnen.
ouwe herze und sinne,
wie miieze wir brinuen,
uns miden vor den liuten ! 75
waz sol daz bediuten?'
solhe rede und dannoch me
mit so grozem herzen we
si mit ein ander retten
swann si sin State betten. 80
si wären so s6re behuot,
swie flizic was ir sendcr nuiot.
daz si niht mohln ein ander zuo
weder späte noch fruo,
weder naht noch tac, 85
wan da ein mure lac
diu die Fürsten von ein ander schiel :
si niohten anders komen niet
ze reden wan durch eine want
vil hoch da diu mürc schrant. 90
des versach sich nieman.
ze allen zilen komcns dran :
ietwedcrz nan« des andern war
hinz daz im diu naht gar
benara die kurzwile. 95
reht als von einem phile
ir herze warn versferel,
ir sendez leit gemßret,
swenn si dannen muosten gän
»)G. verseil z= vei'sehvet /f/r versalwel? 79. rctctfi 80. wann
— Iielil 82. wie 83. aoander 87. Div die fest: ich denke
die 26 erwähnten zwene künigc von anaoder 98. In
PYRAMUS UND THISBE. 507
und si einander muosten län. 100
diu naht wart in nie so lanc :
als sere si diu niinne twanc.
in ir munt gar wenic kan
des si ze spise solten hän,
weder äz noch tranc, 105
diu Minne tet in manegen twanc.
si warn vil nähe verdorben
und in der niinne erstorben.
ditz niohten si niht liden me.
da von sj)rach frouwe Tyspe 1 1 0
Pyramus, min liep äniis,
mäht dii niht sin also wis
daz du uns gebest einen rät
in der sache als ez nü stät?
wan mannes kiinne wiser ist 115
(so vint uns etelichen list)
und sterker danne der wibe.
ez mac niht rae beliben,
wir müezen zuo ein ander komcii ;
oz muoz uns immer fromen' 120
sprach diu frouwe Tyspe :
nach diner minne ist mir we.'
' Tyspe, liebe frouwe min,
min sin ist kleiner dan der diu.
nu gip uns, frouwe, dinen rät. 125
min freude alliu an dir stät;
du bist mins herzen wunne,
ein Spiegel als diu sunne.
ich hän keinen rät dan den din ;
swaz du mir ratest daz sol sin.' 130
do sprach diu reine guote
betriegen sul wir die huote
noch hinaht vor der hanen krät:
so wirt unser vil guot rät.
der mäne ist luter unde klär; 135
103. kam 1Ü5. azz i0(j. dank 111. über 112. als
119. aiiander 124. da der dein 125. Du 130. Waz
133. Iiane
508 PYKAMÜS UND THISBE.
uuser nimt niemen war;
Venus, der minne raeisterin,
diu tuot uns lihle ir hilfe schin.
swer ie getrüte der genas :
wir sulen dar zuo niht siu laz. 140
ein boum vor dem walde stäl,
da man ab der strazen gät
von der stäl niht verre :
da kan uns niht gewerren.
üf die liebten beide 145
suln wir ilen beide
so wir die wile niügen bän ;
daz sule wir durch niemen län.
do sprach der schoene jüngelinc
mir gevellet wol daz dinc 150
daz du uns nu hast geraten :
des volge ich dir vil drate.
und ouwe, siieziu minne
du hast ouch mine sinne,
Tyspe, gar in diner bant ! 155
dar umbe si min s61 diu phant
daz ich durch die minne din,
möht ich ein keiser gesin,
dir wolte ich wesen undertan :
zeinem knebte seit du mich bau. 160
nach dem unde ez nü stat
hast du geben den besten rät. '
also schieden si von hin,
und beten 'doch manegen sin.
doch wären ir gedanke groz, 165
ir herze liten manegen stoz,
diu zit gie in mit sorgen hin,
si beten manegen grözen pin.
(16 nü kom üz diu zit
diu dem tage ein ende gil 170
und man si gen släfen hiez
IM), ilt-r {jcwiif^le. der ^enas die wile er uovcizaget was Liedvrsaal
'2, 701. 15 i. auch gar mein sinne 157. üz ist durch
ittli. von dan in 165. gedenk.
PYRAMUS UND THISBE. 509
und man in die wite liez
lind in dem hiise über al
niemen horte keinen schal
und männidich slafen was, 175
si waren beide niht ze laz
unde waren wol behuot;
si stalen sich von der huol.
Tyspfe diu tugentriche
diu was vil ungeliche 180
komen üf die sträzen
e sich moht abe geläzen
Pyramus ab der murc
dö diu frouwe kam an die stat 185
do si im daz zeichen geben hat
und si des herren niht envant,
daz houbet nam si in die hant
[si sprach] ouwe, lieber herre min,
wä mäht dii so lange sin? 190
wie ist mir diu zit so lanc.
got gebe uns guoten anevanc.
do si zir selber also sprach,
einen lewen si komen sach.
er gie zuo dem brunnen sä. 195
der boum was vil nähen da
da diu frouwe under saz.
ich wil ez in bediuten baz
war urabe er zuo dem brunnen gie
und sich von dem walde lie : 200
er het ein rint gezzen.
do was diu frouwe gesezzen,
biz daz er uf den brunnen gie,
die frouwe ir kleider vallen lie
und flöch vil wunderbalde 205
hin gen dem wilden walde :
da verbarc si sich schone,
aller lügende ein kröne,
der lewe zuo den kleidern gie,
175. Vü aller ineaikleicli 193. selb
510 PYRAMUS UND THISBE.
mit bluotegem munde er sie gevie, 210
von ein ander er si zarte,
mit bluote er si bewarte.
dö kam gegangen Pyramus:
vertwelt het er sich in dem hüs:
er vant diu kleider bluoticvar. 215
gar balde nam er ir war ;
mit den armen er si umbe vie,
als sie der iewe ligen iie.
OAV^ mir liiute und immer we!
ich muoz von schulden sagen nie. 220
ach got, wer künde gesagen daz
waz leides in sim herzen was?
üz dem houpt brach er daz har
mit den henden, daz ist war,
daz gcwant ab dem libe. 225
ez wart nach einem wibe
nie so groz ungehabe.
mit den nageln zarte er abe
daz fleisch mit der hiute.
er sprach 's6 we mir hiute ! 230
we daz ich ie wart geborn !
durch mich hat si den lip verlorn.
min wip was si nie worden noch :
si het s6 groze triuwe doch
als wir tüsent jar oder m6r 235
in ganzer liebe gelebten her.
o Tyspe tugentriche,
wer wart dir ie gcliche
an zuht, an lugent, an sa'lekeit?
got het vil gar an dich geleit 240
swaz er ie ersinnen künde,
Sit diu werll leben begunde,
an allen guoten wiben.
ich mag ez lan beliben,
din lop, diu zuht, din groziu tugenl 245
wart nie gesehen in solher jugent,
214. Veniuell hat 0*22. Wes 236. gelebt her 2 41. Swaz er
ye het versuiiiieu 2i2 leben chundc 24ti. solhc
PYRAMUS UND THISBE. 511
noch niemen möhte haben gezall,
er wtere wise jiinc od alt,
waz au ir grözer tugeut lac
und waz si wisheile pblac. 250
we mir, herre, diser not!
ist diu frouwe durch mich tot,
daz weist du wol, got der guote,
daz wende ich mit minem bluote :
und weste ich wer ez hete getan, 255
er müeste mir daz leben hin,
ez wa;re man oder tier,
ez würde im vergolten schier.
sist du ein tier, so kum her
und bestant mich' sprach er. 260
als er daz wort voilesprach,
den lewen er komen sach.
er ruofte in an mit grimme,
mit senelicher stimme.
sprach er ze im 'du grimmez tier, 265
ez wirt dir vergolten schier
daz du mir hast getan :
ich muoz dich und du mich bestan.'
daz wart fiirbaz niht gespart.
vil grimme er üf den lewen wart. 270
er stach den lewen, daz er gal,
durch daz herze hin ze tal.
also lac der lewe tot,
erstochen in dem bluote rot.
owe, frouwe Tyspe, 275
waz was ich niht komen e?
owe, liebiu frouwe min,
und möhte ich für dich tot sin !
Sit des niht geschehen ist,
so lebe ich doch keine frist, 280
ich welle doch durch dich sterben.
möht ich aber e erwerben
umb dich, süezer herre Crist,
248. oder 2 49. grozzo 264. mit seiner leicher stimme
270. War waz
512 PYRAMUS UND THISBE.
wan du unser schepfer bist,
unser herre und unser got, 285
durch din miltez gebot,
daz du unser seien liezest sin
hi ein ander, swfi der wille din
si hin senden wolte.
wan daz da niht ensolte 290
daz wir mit fröuden lebten noch
äne swffir, so wil doch
sterben, frouwe, durch dich,
daz du niht varest ane mich
swii er uns hin senden welle, 295
ze dem himel oder zer helle.'
als er daz wort volgesprach,
sm swert er durch sin herze stach.
mit dem selben kom gegan
diu frouwe von dem walde dan 300
her wider da si diu kleider lie.
herzen leit si dö gevie,
do si die warheit ervant
unde ir rchte wart hekanf
daz sich Pyramus hei erstochen 305
und sin leit da mite gerochen
durch ir willen, do sin vant,
do bete er ir gewant
umbevangen mit den armen.
[si sprach] 'herre got, la dir erbarmen 310
die ja'merliche not.
min lieber amis ist tot.
lebst du noch, so sprich ze mir,
wan ich was ie getriuwe dir,
Sit ich mich erste künde verstün, 315
mit ganzen triuwen ane wan.'
si tel so jämmerliche
daz nie wart geliche
mit klage umb keinen menschen nie
als frouwe Tyspe bete hie. 320
288. Pei anander wn 293. frouwe fe/ilf- 307. si
310. (lir.s
PYRAMUS UND THISBE. 513
sus hörte er si wuofeii,
in herzen leide ruofen.
swie sere er mit dem töde ranc,
doch er sin ongen ilf twanc
nnd sach si jamerlichen an 325
vor im weinende stän.
sin reden was gar da hin :
daz wart der frouwen ungewin.
also sach si in sterben
nnd durch ir minne verderben. 330
[si sprach] ' herre got, la dich erbarmen
über mich vil armen.
daz ist ein not vor aller not
daz ich niuoz sehen dincn tot
und ich dir niht gehelfen mac 335
und alliu tugent an dir lac
und ich von liebe scheide:
daz tuot mim herzen leide.
ach süeziu reine bernde tugent,
miltez herze in reiner jugent, 340
iiz erweltiu minne,
waz gap dir ie die sinne
daz du dir daz leben hast genomen ?
war urab was ich niht e komeu?
daz muoz mich immer riuwen ; 345
min leit daz muoz ich niuwen
an mir selben, daz ist war
und niht erlogen umbe ein bar.
ich was dir liep und niht leit
und was daz niht kunterfeit. 350
des sol ich niht vergezzen,
ich muoz dir wider mezzen
reht als du mir verlihen hast.
diu tot ist mir ein überlast,
daz tot mit töde gelten muoz; 355
mir wirt anders nimmer buoz
323. Wie 324. ougen üf] aus über- auf 332. mich Zispe vil
333. ist/eÄ/<. 337. von hertzen Hebe 338. meinen 3'.1. Frnu
Venus auz 349. lieb vii du mir sa 350. gunlerua
Z. F. D A. VI. 33
514 PYRAMÜS CND THISBE.
(laz ich dich verloren han.
ow^, wie sol ez mir ergän !
min herze ist mir ze herte
ze diner todes verte : 360
ich solte sin vor leide tot,
dö ich dich sach in diser not.
swer sich nu rehte kan verst^n
in ganzer minn, wie kan der lan
daz er mir niht hilfet klagen 365
daz hie ze töde lit erslagen
mines herzen wünne.
swer mir des nu j^iinne.
dem müeze nimmer ergan
dar umbe er sich miiez also hän. 370
swer nü mit minne si begriffen
oder mit herzen liebe besliffen,
dem müeze ez ze herzen gan.
diu minne kan niht maze hän.
adel, schnene und richheit, 375
gewalt, Sterke und wisheit,
und swaz man singet oder seit,
und swaz ein mensche fröude treit,
der wirt vil gar vergezzen.
swen minne hat besezzen. 380
wo mir, ach und immer w^,
mir vil armer Tysj)e!
war umb sach ich niht ander leit?
wan ez mir in min herze sneil.
von dinem tode ist mir we : 385
min herze srailzet als der sne.
swie wenic wir haben gelebt,
diu minne hat uns überstrebt.
des leides wirt mir nimmer rat :
din tot mich niht leben lät: 390
von dinem löde ist mir w6:
an dich wil ich niht leben nie.
361. von laidc sein 3(>y. nymmer widcrtarü 370. also müz
klagü 372. penissn 373. ez furpaz ze 379. man da von s.
380. Swcm 388. über.strest 389. mir fehlt.
PYRAMUS UND THISBE. 515
ach min liebiu muoler.
künic vatcr guoter,
iuwer groziu huole 395
kuml uns nilil ze guote.
iuwer vorhte hat uns vlorn.
we mir daz ich ie wart geborn !
din minne gät mir ze herzen:
ich wii des todes smerzen 'iOO
iiden hie an diser stunt :
ich mac niht lenger sin gesunt.
kein dinc mac daz erwenden;
min leit daz muoz sich enden.
si hieis in unde kiiste, 405
vil wol si des gelüste,
si huop üf ir heude
ein wenic vor ir ende,
si sprach 'owe, siiezer gol,
nü tuo daz durch din gebot 410
und durch die grözen mille din
und laz uns dort beinander sin
in jener weit, des bite ich dich,
siiezer got, des wer mich.
und würde uns ein grap bereit, 415
des w«rn die seien vil gemeit.
müge, herre, daz gesin,
so tuo mir ein zeichen schin
ob wir ze gnade niügen komen
und ob ez uns müge gefromen.' 420
ein gröz zeichen dö geschach,
do sich l'rou Tyspe also räch.
ein bo.um stuont da, hiez mörus,
dö daz zeichen geschach alsus :
man seit uns für die wärheit 425
daz der boum sit immer treit
rot obez, daz e was swarz,
und hat einen balsemsmac.
Tyspe diu rehte gelriuwe
i05. chüstn 411. grozz 412. pei naader 414. gewer
423. da der hiez ra. 428. Iiet fehlen zwei verse?
33*
516 PYRAMUS UND THISBE.
mit grozer janiers riuwe /i30
mit beiden armens umbevie
daz swert daz durch in gie
vil wiindermanlichen ;
si stach ez krefliclichen
mitten an die werde brüst 435
imde erzeigte ir herzen lust ;
si stach sich durch ir herze
und leit des lodes smerzen ;
si viel hin üf den warmen
und umb vie in mit den armen. 440
also sint sie hie gevarn :
got müez die seien dort bewarn.
do ez morgens tagete
und man ze hove sagete
daz nieman die selben kinde 445
dalze hove künde vinden.
do wart vil groz ungehabe.
si suochten uf unde abe.
hiz in dö kömen ma're
wie ez ergangen w.ere. 450
wer möhte nü gesagen daz,
wie w6 ir niuotr und vater was
daz ir kinl nü lagen tot,
erstochen in ir bluote rot.
si schriren lute und wiefen, 455
ze gole si d»') riefen
daz ir jämer unde ir gal
in den lüften wider hal.
beide man unde wij)
klageten ir lip. . 460
ez künde nieman gesagen
von den jaemerlichen klagen :
da von wil ich geswigen sa
wie ez ergangen ist aldji.
doch wil ich iu fiirbaz sagen 465
wie diu kint wurden begraben.
■U5. Itiiitl 452. vü iiTu
430. grozz
431. arm si in viiib vic
valor 455.
lawt Waffen 456. rufftfi
zu NEIDHAKT. 517
ein grap wart in bereit
dar in si wurden geleit. ^
verneint alle besunder
wie ein grozez wunder 470
geschacli in kurzer frisl,
als man ez noch von in iist.
ein winrebe wuohs uz dem grabe
vil hoch und lie sich her abe
ze der andern siten in daz grap ; 475
ir schalen si dar über gap.
durch daz wunder man daz grap lit" brach,
daz wip und man daz wunder sach
daz diu selbe rebe hie
von einem in daz ander gie. 480
do si gesähn daz wunder,
daz dühtes alle besunder
ein vil grozez zeichen
und begunden alle smeichen.
daz grap dakt man wider zuo, 485
umb ir seien bätens späte unt fruo.
ditz ma?re ist hie üz gezalt:
gut mache uns mit fröuden alt.
480. Von aitieii grab in
Aus der s. 496 crwäluiten Wiener handschrij't bl. 20' — 24*.
H.
ZU NEIDHART.
GRIESHABERS BRÜCHSTÜCKE.
Die obej^en hälften zweier j)ergainentbUittcr in octav,
mit zierlicher schrift des vierzehnten jahrhu?iderts, von
dem besitzer, henm professor und geistlichen rath Gries-
haber in Rastadt, der ihrer in der vorrede seiner ausgäbe
altdeutscher predigten I s. XI schon erwähnt hat, mir
freundlich mitgetheilt. die fünf letzten Zeilen des zwei-
ten blattes von einer andern ha?id. die beiden blattzahlen
Lvij und Lxiiij, oben auf der rückseite der blätter, zeigen
den umfang der handschrifl, die wohl nur neidhartische
518 ZU NEIDHART.
und dem Neidhart mit unrecht beigelegte lieder enthielt.
die eingeklammerten ^ursivbuchstaben sind in der hand-
schrift klein geschriebene Vorschriften für den maier.
H.
bl. V
saste io. nach dem sin. vf sin lioubt in fremdelin. *
nach deme nuweii höbe din. vi den zen sleif er
hin. Da waz daz niyn best gewin. daz der bech"
nider. Vber die ougen vnd den mvnt m** sine
busem sich stortz. der da vor den reyn trat
so vppeclich gescortz. der wart mit hare vber
den tantz vnhobelich gehorlz.
(/) Rewet vch wol gemvlen kinl. vns wil des***
suzen meyn wint. ergetzen der leide, die
vns der trübe winter kalt hvre hat getan Fre
wet vch gen der lieben zit. iz grvnet schone
widerstrit. der walt vnd die beide, dicke ....
nach leide kvmpt . . . da gedenck
mvte machet alt. hoher mvt kan
bl. l*- .Lvij.
verslan. wie daz krenzelin sie getan, so schone
geschickel. keiner blvmen ist so vil so der brvne
da. Niemant mirz verkern sol. iz enwart nye
krenzelin mir so wol. zv Ireuden gestricket, wer
daz krenzelin vf treit der wirt nfimer gra. Se-
lig sie daz angerlin. da die blvmen entspringe,
da mag auch vil wol der reif gewabsen sin. sie
sal niemant mere dan mir lan gelingen, (w')em
von liebe llep geschiet. vnd die liebe liebiz git
dem lieb wol geliebet, der mvz von liebe liebis
iehen liep machet schon liep. Die liebe machet
wol gestall. liebe ist ein rehter liebe walt.
. . . liebe verdiebet. liebe mvter liebis kint de
liebiv ki wip. liebe swester bruder
. die liebe, liebe an rechtem
* Hagens MS. X -'05''.
*■** m ist wohl als in zu nehmen.
"•--'■ Hagens MS. S, 206".
zu NEIDHART.
M9
Ol. T
t vch drinken geben, ia ich lieber h*re gnade '
. m leben. Ich bin gegangen nivdc her von
. stat. mit grozen noden ich die frovve dez
daz sy mich drime lieze er sprach nv drin-
. . ast myn rat. (.s)it ir ein gast von wy^ue
. . . l vns nvwe mere. wez beginnet her
. rt aller lügende lere. Vnd ticht er uvme
invz im geschant. Hetfe ich in hie vnd auch
frvnd her Ebirzant. ich gebe uch dez my
. e er würde von vns geschant. (J)a ich
herre durst ich iz vch gesagen. sy tri'^ben
bl. 2*^ .Lxiiij.
mvtich engelmar. Vnd daz ich miden m .
vnbescheidenheit. Hette mir die frowe v .
men nalden nyl geseit. vnd von der t . .
mit dem beche iz wer mir würden leit , .
D* monch {ayn rande)
(/)ch wil mich aber freuwen gen dem mei
wil mich gar vppiklichen zweien, so r . .
vnd mine gesellen beide. Ich han der lie
dient her so lange, oft vnd dicke mit . .
nüwen gesange. ich brach ein liecht . . .
* Hagens MS. 3, 294*.
** Hagens MS. 3, .295*.
t Hagens MS. 3, 302".
520
GOLDEMAR
VON ALBBECHT VON KEMENATEN.
1 Wir han von hehlen vil vernomen bl. 127'^
die ze grozen striten sint bekomen
bi hern Dietriches ziteu.
si begierigen degenheit genuoc,
daz einer ie den andern sluoc. 5
si wollen niender biten.
si wwrn ze striten wol bereit.
ir schilt ir helme veste
manegen kumber do erleit.
man sprach, er twte dez beste 10
der mangen äne schult ersluoc ;
da von ir lop gepriset wart,
so man die toten von in truoc.
2 Nu merkt, ir herren, daz ist reht,
von Kemenaten Albreht
der tihte ditze msre
wie daz der Bernsere vil guot
nie gwan gen frouwen höhen nmol. 5
wan seit uns daz er w;ere
gen frouwen niht ein hovelich man :
sin muot stuonl im ze strite,
unz er ein frouwen wol getan
gesach bi einer zite, 10
Die Itailäschrijt 1, 1. Iiand i. her 5. daz] do C). si wollen
nieergeot (biten /e/i/^) 7. sü wlirinl 8. ir silt ir helinme vesle :
vielleicht ir heim vil vesle. 9. mänig kumber erleid 10. tat das
13. im
2, 1. merkent 'i. kemmenalen .1. lilet disse i. richtig ist
diese teile schwerlich, vielleicht wie der Bernaere harle guol. im
Kckenliede steht zweimal, 86 und 238, do sprach der Bernaer harte
guot, freilich ohne Sicherheit ob es nicht ursprünglich hie/s dö sprach
der Berniere guot. 6. wen 7. hofelicher 10. bi einen ziten
GÜLDEMAR VON ALBRECHT VON KEMENATEN. 521
diu was ein hoch geiupliu meit,
diu den Bernsere do betwanc,
als uns diu avenliure seit.
3 Her Dieterich von Berne reit, 128*
die rehten straze er dicke vermeit ;
dö kert er gen der wilde.
man seit von siner degenheit
waz er not in striten leil 5
ze walde und üf gevilde;
wir beeren wunder von im sagen
daz er so vil geva;bte
daz maoeger.wart von im erslagen
und ouch gen Berne braebte 10
beidiu gevangen unde verwunt
die er mit degenheit betwanc :
im was ze slrite kunt.
4 Do wart dem tugenthaften man
von grözen risen kunt getan,
die wahren in dem walde,
da liinde man si zaller stunt.
daz birge beizet Trütmunt; 5
dar gäbte der degen balde,
er sprach, er wolde gerne sehen
die risen ungefüege;
waz kumbers im da möhte bescbehen,
ob iegelicher triiege 10
ein Stange gröz und dar zuo lanc.
diu wunder wolte er gerne spehen ;
sin manheit in dar zuo betwanc.
5 In dem wald da vant er einen berc; 128'
den bäten gar wildiu getwerc
erbüwen unde besezzen;
bi dien er eine maget ersach,
11. hö gelopte 12. da 13. aufetüre
3, 3. gea dem walde 9. Manig ohne daz II. buide gefan vud
verv\ ud 12- betwanc fehlt.
4, ä. das gebirge : Eckeniied 163, 1 ditz birge. 9. jm da von
1 1 . zuo fehlt.
5, 4. bi die er
522 GOLDEMAR
daz im sin herze des verjach,
dem edleu helde verraezzen,
ern sseh nie wip so wol getan:
des frönte sich der guote.
man wolte in si niht sehen län:
si was in grözer huole. 10
die stige verträten im diu twerc,
die schoenen frouwen vkol getan
fuorten si mit in den berc.
6 Des wart her Dietrich gar unfro.
mit guoter rede und ouch mit dro
sprach er ze den getwergen
sagt, waz ist iu von mir geschehen
daz ir mich die frowen niht lazet sehen 5
und ir si heizent bergen?
ich nim ez üf die triuwe min
daz ich iu niht schaden wolte.
möht ez mit iuwer huide sin 129"
daz ich si sehen solle, 10
da für n«m ich niht tüsent marc'
der riche künie Goldemär
die frouwen hinder sich verbarc.
7 Do daz her Dieterich ersach,
mit sendem muote er gäbe sprach
sagent mir von der frouwen,
und wä ir si habent genomen
od wannen si si her bekomen. 5
ich sihe hie niht verhouwen
enweder schilte noch den gßr:
der ist hie niht zerbrochen:
daz riwet mich hiute und iemer m6r.
kein spcr hie lit zersloclien, 10
als man durch schoene frouwen tuol.
5, 6. helde] fürsten 7. er gesacb 8. des froht er in sinein niülc :
7, 9. ist niht unzweifelhaft riwet odei- riut; also schien friiate sicher
und der entstellte vers danach zu ändern. 11. petwerg
12. wol gentan
6, 1. Dieterich 5. lassen 12. Goldmar
7, 5. oder — her her 7. weder 9. niht — iemer nie
11. schonen
VON ALBRECHT VON KEMENATEN. 523
sol mir min sper hie blibeii ganz,
des tiürt mir iemer nie der muot.
8 Od ist kein her hie nähe bi
der gwaltic dirre frouwen si,
der bewis mich durch sin ere
ob si im nihl des habe verjehen :
so kund mir lieber niht geschehen ; • 5
ich fröu mich swar ich kere.
oder ist si durch mannes lip
gevarn in ditz gewilde, 129''
als hie vor täten schoeniu wip,
ob si des niht bevilde 10
und daz si fuorn durch werde man,
und hat min frouwe den selben muot.
so wil ich trüren varen län.'
9 Goldemär spranc für den berc.
ein richer künec was daz getwerc,
gewaltic wilder Hute.
er sprach nu hoerent, riter guot,
ir mugt wol hän eins lewen muot: 5
vernement waz ich iu diute.
ich bin iu, herre, daz ist war,
ze strite niht gewahsen.
iwern schilt und iuwern heim so klär
den lüerent hin zen Sahsen. 10
da zerbrechent iuwer sper;
ir vindent strites an mir niht'
sprach Goldemär, der künic her.
10 'Doch wil ich iu hie machen kunt,
went ir vernemen in kurzer stunt
13. dz truret
8, 1. Oder 6. war 8. her gefarn 11. füren
9, 1. Goldmar 3. luten 4. er sprach horent ir riter vil gut
8. ze strit nüt wol g. 9. schilt fehlt. 10. zu den S. leben des
h. Sturm Pevtz 2, 367 feroces Saxones, Gudr. 366, 4 sam einem wil-
den Sahsen oder Franken, 1503, 4 einem wilden Sahsen, Lohetigrin
s. 150 von einem wilden Sahsen, Helmbrecht 422 vater, einen Sahsen
züget ir lihter danne mich. 11. da zerbrechen {die letzten zwei
huchstaben undeutlich) ir uwer sper
524 GOLDEMAR
von miner irouwen künde
weut ir beliben schänden fri
mit swerten unverhouwen,
so merkent wie der sache si
von miner juncfrouwen.
diu hat mich für den berc gebe *
mit ir. .
gebe : wahrscheinlich gebraht. die Jolgenden beiden würter
mit ir.. sind ganz undeutlich.
Goldemurs gedrnkt der anhang des heldenhuches -. des
Berners erst weib hyefs Hertlin, was eins frumen künigs von
Portigal tochter: der ward von den beiden erschlagen, do
kam Goldemar und stal jm die tochter. do starb die alte
künigin vor leide, do nam sy der Berner dem Goldemar wi-
der mit grofser ai'beit. dannoch belyb sy vor Goldemar ma-
get. do sy nun gestarbe, do nam er Herrot küuig Etzel
Schwestertochter, auf dieselbe sage oder auf dasselbe ge-
dieht spielt eine stelle im Reitfried von Braunschweig an
{Wh. Grimm D. heldens. s. 274), in mohten sicherlich niht
geliehen sunder var die risen mit den Goldemar, daz riebe
keiserüche getwerc, den walt vervalte und den berc hie vor
den Wülfingen. mit irahrscheinlichkoit hat man vermutet
dafs dieser zwerg Goldemar in dem hausgeiste Goldemar
wieder ei'scheine von dessen treiben auf dem Hardcnsteine
an der Ruhr Gobelinus Persona erzählt.
Die entdecliung eines bruchstückes das ohne zweifei
den anfang Jenes gediehtes enthält wird der unermüdlichen
aufmerksamkeit verdankt welche der freiherr Hans von
Aufsefs den denkmdlern unseres alterthumes widmet, und
seine zrivorkommende gefälligkeit hat mich in den stand
gesetzt dieses in mehr als einer hinsieht tnerkwürdige
bruchstück bekannt zu machen.
Es ist in einer papierhandschrift in octav versteckt
die gröstentheils ärztliche Vorschriften von einer hand des
\kn jh. enthält, die vier blätter auf denen es steht, so
VON ALBRECHT VON KEMENATEN. 525
gehören dem 14/^ jh. an
und sind von baumwollenpapier . die neun ersten Strophen
und der anfang der zehnten stehen auf den drei letzten
blättern eines quaternio {von hl. 127'' his 129'' der ganzen
handschrift), die folgenden zeilen {auf hl. 122" der hs.)
beginnen die erste seile desselben quaternio : nach diesen
Zeilen folgen (bl. 122" bis 127^) zuerst ärztliche Vorschrif-
ten für flauen (4 seilen), dann ein kräuterverzeichnis mit
deutschen und lateinische?} bencnnungen (7 seilen), die läge
der unterbrochenen poetischen handschriß, deren erste seile
wohl der tiiel einnehmen sollte, ist also umgebrochen und
nach den drei ersten zeilen der zehnten strophe sind die
beiden blätter die ursprünglich das innere doppelblatt des
quaternio bildeten weggelafscji worden, tveil an ihnen kein
weifses papier mehr zu benutzen war. — abgesetzt .und
die Strophen, aber nicht die verse.
Albrecht von Kemenaten' war bisher nur durch zwei-
malige erieähnung bei Rudolf von Ems in der geschickte
der deutschen dichtkunst bekannt, in dem gespräche das
Rudolf in seinem Wilhelm mit der Aventiure fährt ge-
denkt er Alhrechts nach dem Stricker und Gottfried von
Hohenlohe und vor dem Türheimer mit folgenden tvorten
{Hagen MS. 4, 869"), ouch haete iuch mit wisheit her Al-
breht baz dan ich geseit, von Kemenät der wise man, der
meisterlichen tihten kan ; an den soldent ir sin komen, und
im Alexander führt er ihn abermals auf, zwischen Kon-
rad Fleck und Heinrich von Leinau {Hagen 4, 867"), von
Kemenat her Albreht, des kunst gert witer schouwe, denn
so ist zu befsern was die handschrift {Münchener cod.
Germ. 203 bl. 30) giebt, der kunst getät widerschö\ye.
Es überrascht den Kemenater jetzt als erzähler einer
sage von Dieterich von Bern kennen zu lernen, ich sehe
aber nicht den mindesten grund daran zu zweifeln und
etwa zu vermuten dafs das gedieht vom zwergenkönig Gol-
demar sich mit dem namen dieses gewiss nicht sehr be-
kannten dichters irrig oder lügenhaft brüste, tvie abfafsun-
gen anderer gedichte des deutschen Sagenkreises mit dem
namen Wolframs von Eschenbach oder des von Lachmann
mit recht aber mit geringem erfolge mythisch genannten
526 GOLDEMAR
Heinrich von Ofterdingen. wäre kein dichtername genannt
oder tüilsten wir nicht wann Albrecht lebte, so würde man
freilich dieses bruchstück ivohl kaum in die erste hdlfte
des dreizehnten Jahrhunderts setzen, da die ansieht herscht
dafs die ganz gleichartigeii gedichte Sigenot und Ecken-
lied frühestens aus der letzten zeit dieses Jahrhunderts
herrühren, aber auf sicheren gründen beruht diese ansieht
wohl nicht; wir haben bisher nur nicht gewust dafs theile
der Dieterichssage schon früher in diesem tone und in die-
sem lebhaften aber ungebildeten stile von schwäbischen dich-
tem erzählt wurden.
Von schwäbischen dichtem oder von einem schwäbi-
schen dichter, denn die ähnlichkeit des bruchstückes das
ich der kürze wegen Goldemar genannt habe mit Sigenot
und Eckenlied ist so grofs dafs man sich versucht Juhll
alle drei gedichte einem verfafser zuzuschreiben. Kobei^-
stein sagt zwar {Grundr. s. 239) 'allerdings hat der Si-
genot alle reimungenauigkeiten die sich im Eckenliede vor-
finden, dabei aber noch ihm eigenthümliche. ich glaube
daher eher dafs er von einem fahrenden zu dem bereits
vorhandenen Eckenliede als eine art von einleitung hin-
zugedichtet isf ; allein diese Vermutung stützt sich nicht
auf genügende Untersuchung, im Eckenliede ist mehrmals
s mit z gebunden, str. 44 wis : fliz, 45 hiis : uz, 101 saz :
was, 114 was : naz : die participia verduocht : nnersuochl
bilden 86 stumpfen reim: die apokopierten präterita ver-
suochf. : geschuoht (^mie statt gesuoolit zu lesen ist) sind 148
gebunden und ebenso stehen im reime der liocligeinuot 22,
der ellenricli 43, die präterita gert 50, hat 68, lebt 95,
erbart 102, jagt 164, der nom. ^r statt ere 67; es reimt
dort : unervorht 120; hör : her 97, h6r : sw?r 206, versfert:
ern^M't 181 : alle diese freiheiten werden im Sigenot nicht
gefunden, aber es ist allerdings flicht zu erwarten dafs
alles was sich in den erhaltenen 245 Strophen des Ecken-
liedes fndet auch in den 44 Strophen des Sigenot sich zeige.
Übereinstimmung beider gedichte erscheint in der häuf gen
bindung eines langen a 7nit einem kurzen, in den reimen
Dielerich : mich, Eggericli : mich Sig. 7. 41, mich : rieh.
Dielerich : mich Eckenl. 26. 69, und in auffallenderen frei-
VON ALBRECHT VON KEMENATEN. 527
heitert des reimes. im Sigenot ivird auslautendes ii nicht
gerechnet in aleine : weinen 13, vielleicht auch in molten:
wolle 24 : dieselbe ungenauigkeit kehrt im Eckenliede wie-
der, recken : Ecke 2, lange : ergangen 58, : hangen 183,
ringe : gelingen 77, : ungelingen 133, mere : rSren 110,
läge : tragen 115, gefristen : liste 119, widere : nideren 193,
banden : ande 221. im Sigenot 34 ist Bernsere mit 16re ge-
hunden, im Eckenlied 129 ere mit ßernajre, und 13 eren
mit volmseren, wen7i ich richtig verbefsere wan sol sin lop
volma'ren. daneben hat der Sigenot ivenig oder nichts ei-
gen thiimliches an freieren formen im reim, zerbras ßir
zerbrast (: gras) 42 ist eine bei schwäbischen dichtem nicht
eben seltene apokopierung und im Eckenlied fehlt eine
solche foi*m gewiss nicht aus absieht oder gewöhnung,
sondern aus zu/all. die reime turne : wurme 26, enzür-
nen : würnien 28 haben im Eckenliede allerdings kein ge-
nau entsprechendes gegenstück, allein im auslaut ist n ßir
m beiden gedichten gleich geläufig, aus dcfi reimen also
läfst sich die annähme nicht widerlegen da/s das Eckenlied
ron dem verfafser des in ton und stil völlig gleichen Si-
genot herrühre.
In den wenigen Strophen die uns von dem Goldemar
erkalten sind wird man entscheidende erscheinungen des
reimes nicht erwarten dürfen : Übereinstimmung mit beiden
gedichten zeigt sich in mau : getan : lau 2. 4. 8, mit dem
Eckenliede in sper : her 9. aber der stil dieser Strophen
ist derselbe, ebenso kräftig und frisch, ebenso unausgebil-
det und eckicht tvie in jenen gedichten. auch im einzel-
nen fällt manche ähnlichkeit auf der vers Gold. 5, 1
den häten gar wildiu getwerc ist von gleichem bau wie Sig.
21, 9 den büten vil wildiu getwerc, Eckenl. 81, 5 do fuor-
tenz zwei wildiu getwerc. nicht alle dichter lieben das
adj. klär das Gold. 9, 9 vorkommt, Sig. 22, 9, und häufig
im Eckenliede. Gold. 9, 5 heifst es ir mugt wol hän eins
lewen niuot, Sig. 12, 9 selbe hat er eins lewen muot,
Eckenl. 55, 13 er hat eins lewen muot, 120, 9. 10 dö het
her Dietrich unervort eins lewen muot gewunnen.
Sigenot und Eckenlied sind unzweifelhaft schwäbische
gedichte : die beweise lafsen sich häufen ; ich mache hier
528 GOLDEMAR VON ALBRECHT VON KEMENATEN.
nur aufmerksam auf hert {Eckenl. 199, 13) und klupf
{Eckenl. 179, 10), über ivelche Wörter ick in den Jahrb.
für loifsensch. kritik 1845 juli s. 116. 117 gesprochen ha-
be, und auf festen (Sig: 37, 10 Eckenl. 222, 9) in den zu
Kunrads Engelh. 5236 belegten bedeutungen 'schmücken,
rühmen! in den Strophen Albrechts von Kemenaten findet
sich nichts was einem schwäbischen dichter -nicht zuzu-
trauen iväre. Stalin in seiner vortrefflichen Wirteviber-
gischen geschickte 2, 764. 771 nimmt als Albrechts heimat
die gegend von Kaufbeuren am mir scheinen Sigenot und
Eckenlied durch ihr sprachliches gepräge als thurgäuische
gedickte bezeichnet zu werden und auck Albreckt wird
wokl im Tkurgau zu kause gewesen sein, wo es kerrn von
Kemenaten gab, s. Pupikofers Gesck. des Tkurgaus 1
s. 115, beil. s. 23. 27. 29.
Allerdings sind Sigenot und Eckenlied in unknfisckcm
Stile gedicktet; aber einzelne ausdrücke gekoren der k'nfi-
scken spracke an, im Eckenliede 34 schaprim und garzün,
93 bonit, 140 härsnicr, 153 dcu sal, nickt minder 79. 241
ävcntiure, wie Albreckt dieses wort 2, 13 gebrauckt. und
einwirkung ritterlicker sinnesweise und dicktung erscheint
mir in dem auszieken auf abenteuer, das so wie es im
Sigenot und in Eckenliede sick zeigt der reinen volks-
dicktung fremd ist: im anfange des Goldemar ist deutlick
ganz derselbe ton angescklagen. als vei faßer jener bei-
den gedickte läfst sick also wokl mit grund ein ritterli-
cker dickter aus der schule fakrender sänger vermuten,
wie der Biterolf und die Klage, wenn auck in frükerer
zeit und in ^anderer art, als werke eines solchen unver-
kennbar sind, die entdeckung Albreckts von Ketnenaten
als des dickters des Goldemar getväkrt dieser Vermutung
halt und stütze.
Eine?i wesentlicken untersckied der forin des Golde-
mar und der beiden anderen gedickte zeigt der bau der
beiden letzten zeilen der stropke. von den 244 vollstän-
digen stropken des Eckenliedcs kaben 238 die vorletzte
zeile klingend, denn in der 15;/ ist zu sckreiben doch ist
min groesliu swaMT | deich nihi zc vohtcn han, in der 16/?
des hete ich in'oezer ere 1 denn ich sliieg zwelf swaciie man,
STROPHEN HEINZELEINS IN BALDERN. 529
und himele 56, sagenne 189, ze samene 195 sind als klin-
gende versschlUfse zu betrachten, stumpfe verse sind nur
144 und ouwe. Ecke, daz ich dich, 214 der Ecken solle er-
slagen hän, 91 nun harnasch der ist guldin, 97 und louc min
bruoder Vasolt, 162 si sprach, er heizet Vasoit, 180 si
sprach, ja herre [her] Vasolt. häufiger hat diese zeile sturn-
pfeti ausgang im Sigenot, fünfmal in 44 Strophen, 1 . 6.
7. 15. 20, denn 38, 12 ist min zu streichen, das bruch-
stück von Goldemar hat in allen neun ^vollständigen Stro-
phen an dieser stelle stumpfe Zeilen, die letzte zeile al-
ler neun Strophen des Goldemar hat vier hebungen, und
diese form befolgt das mir nicht vollständig bekannte ge-
dieht von Dietrichs drachenkämpfen : schöner schliefsen
sich die Strophen des Sigenot und des Eckeiiliedes mit einem
verse von nur drei hebungen ab. aus dieser metrischen
Verschiedenheit ist etwa zu eyitnehmen dafs der Goldemar
mit diesen beiden gedichten nicht zu einem werke gehörte ;
ein anderer verfafser ist dadurch nicht erwiesen.
Entscheidende Widerlegung oder bestätigung meiner
ansieht, dafs Albrecht von Kemenaten alle drei gedickte
verfafst habe, ist nicht eher zu hoffen als bis sein Golde-
mar vollständig aufgefunden wird. H.
STROPHEN HEINZELEINS IN BALDERN.
Über die in dieser Zeitschrift 6, 318 erwähnten In-
schriften auf bildern der schlofskapelle in haldern kann
ich folgende nähere auskunft geben.
Die inschrift des ersten bildes lautet
Got here, din almechtikeit,
An vrsprung vnd an ende,
Zu hoch, zu tief, zu lang, zu breit,
Ist sunder Missewende ;
Du bist der hymel vnd erde treit
zu male in siner hende;
Mit drien personen in ein Got
geflochten vnd gedrungen,
Du alter kunig Sabaoth
Z. F. D. A. VI. 34
530 STROPHEN HEINZELEINS IN BALDERN.
Der tiivel wat betwungen,
Do du mit deinem blute rot
uns weidest wider ivngen.
samlich der fenix in der gluet.
Du hoher Got gepriset
tete sam der Pellicanus tuet,
der uns din wol bewiset,
wen er mit sines hertzen bluet
Die sinen kinder spiset.
Gesriwen zo Balderine Mocccxvijii.
Die zahl bedeutet also, wenn o richtig ist, 1319, we/i?i es
aber, wie wahrscheinlich, ein rerrlorbenes c vertritt, 1419.
^m zweiten bilde steht
Sin endclüse heilikeit,
Sin gütlichen figiire:
So were menslich sin beolcit
In gotlichcr nature :
Des relel uns der wislieit buch.
Des Sprüche man nie sach liegen,
Daz nieman hesselien ruch
von Gotis tögen kriegen.
Ich wen, er weile, wer ez versuch.
höh an geuider fliegen
üuch schriebet Paulus olflich.
Es er sie an not betrogen.
Auch dies ist sunavh ein stüvlt desselben gcdichls, Magens
Minnes. 3, 414.
TÜBINGEN. AD. KELLER.
531
WEINHAUSZEICHEN.
Das erste daz in einer ieglichen rehder
wird das ist dv minne, wan nieman gibed dem andern gäbe
svnder warumbe, er mvsse von ersten minne zv im haben ;
vnd hierumbe in allen gaben die god gibed so gibed er von
erst sin minne*, wan er gid alle gäbe svnder warumb vnd
allein von siner gödlichen gvdi. wil nu der mensche god
gäbe geben mit gebede oder mit andern dvgenden, so sal der
mensche üissig sin das sin gebed oder sin gvd werk ein gäbe
geh'eissen mvge. uu kan kein gäbe ein rehdv gäbe heissen,
als hie vor gesprochen ist, wan allein die da dv minne von
erst gegeben wird, hiervmbe sal der mensche in allen sinen
gvden werken da mid er** gode dienen wil an dem anevange
des Werkes geben gode minne sines herzen, oder alles sin
gebed das der mensche usserüch beded*** ist alze mal vnnücze
vnd das bewisend die meister da mide vnd sprechend, das
rehd gebed anders nihd ist danne des herczen, vnd das usser
gebed anders nihd ist denne ein zeichen des gebedes vnd der
minne in dem herzen, rehd als der strowin schob 7 vordem
winhuse ist ein zeichen des wines in dem kelre, rehd also
sind dv ussern werg ein zeichen des gebedes in dem herzen,
vnd weren vor einem huse schöbe vnd wer nihd wines in
dem huse, so weren die schöbe alle vnnüze vnd mohden die
lüde sprechen 'warumbe betriegen vns die in dem huse sind?
wir wenen das wir hie win vinden und ist nihd war:' rehd
also sind alle ussere werk vnnücze vnd falsch -ff, so dv minne
in dem herzen nihd ist, vnd mag god sprechen 'warvmbe be-
driugest du mich ? du gibest mir ein usser zeichen miner minne,
* die hs. raine ** es *** bedest -f die hauern im
Rheingau, an der Mosel und anderwärts stecken noch hier und da
nach erlangter obrigkeitlicher bewilligung ihren wein verzapfen zu
dürfen am hause einen Strohwisch auf. doch ist dieser immer mehr
dem sogenannten straufse, einem grünen tannenzweige, gewichen.
i"{- die hs. falch
34*
532 ALTENGLISCHE VOLKSSAGEN.
vnd so ich in (Jin herze kome, so vinden ich nihd niinne,
der zeichen du hast us "jesand mit diner usseren vbiuise/
vnd so wir den schaden besehen, vnd mvgen wir god niht
bedriegen, mer wir sin selber bedrogen, vnd hierumbe sol
min gebed nvtze werden vnd gode dangber, so mvs das von
nod sin das ich es an hebe mid der minne godes. vnd svld
ir och das wissen, vnd weren hvnderd* schöbe vor dem win-
huse, die hedin alle nihd me krafd dan ir einer, wand ein
schob der ist also wol ein zeichen des wines in dem kelr
als die hvnderd. also ist es och an dem gebede. hvnderd
pater noster sind nihd besser danne eines, wan was güd ist
darvmbe das sin vil ist an der zai, das ist nihd gvd an im
selber, vnd hierumbe ein paler noster lediklich vnd mit an-
dahd gebeded ist besser danne hvnderd an ledikeid : wan wanne
ich beden an andahd, so ist niinem gebede nihd rehd.
" hvnder
Ans der lehre te/e man beden sole oder ander dvgend
vben sole, das es god loblich si, einer gebete vnd geistliche,
Z'Vm theil jnijsiische betraehtungen und lehren enthaltenden
yergamenthandschrift in dtiodez, die wohl in der ersten
hiilfte des \hn jh. geschrieben ist und dem ehemaligen klo-
sler Allenberg hei Wetzlar angehört hat.
(IIKSSKN DR WEIGAND.
ALTENGLISCHE VOLKSSAGEN.
MITGETHEILT VON G. W. DASENT.
(ialielnuis Neahrigensis Ren/m Angliran/rn l. 1 rap. 27
{Antir. lä()7).
Nee practerennduni videlur inauditum a scculis prodigium,
quod sub rege Siephano in Anglia iioscilur cvenisse. et qui-
dem diu super hoc, cum tarnen a niultis praedicarefur, hae-
sitavi, remquc vel nullius vcl abditissimae rationis in fidem
rcciperc ridiculum mihi videbatur, donec tantorum et lalium
pondere teslium ita suni obrutus, ut cogerer credere et mirari,
quod nuUis animi viribus possum attingere vel rimari. vicus
est in Estanglia quatuor vel quinque (ut dicitur) miliariis
ALTENGLISCHE VOLKSSAGEN. 533
(Jistans a iiobili mouaslerio beali regis et mailyris Edimmdi.
iuxta quem vicum quaedain auliquissimae fossae visuiilur, (iiiac
sermone Au<^lico Vulfputes, i. e. liiporuni fossae diouiilur et
vico cui adiacent suiim nomen iiidulgenl. ex liis l'ossis tem-
pore messis, et occupatis circa frugum collectionem per agros
messoribus, emerseruiit duo pueri, masculus et lemiiia, tolo
corpore virides et coloris insoliti ex incogiiita materia veste
operti. cumque per agrum altouiti oberrareut, compreliensi
a messoribus ducti sunt iu vicum, multisque confluentibus ad
tantae novilatis spectaculum per dies aliquot tenti suut cibi
expertes. cum ergo inedia iam paene deficerent, nee tarnen
aliquid ciborum qui ofFerebantur attenderent, forte ex agro
contigit fabas inferri, quas illico arripientes legumen ipsum
in thyrsis quaesierunt, et nihil in concavitate thyrsorum in-
venienles, amare fleverunt. tunc quidam eorum qui aderant
legumen ex corticibus erutum porrexit eis, quod statini liben-
ter acceptum comederunl. hoc cibo aliti sunt per menses
aliquot, quousque panis usum noyerunt. denique colorem pro-
prium ciborum nostrorum praevalente natura paulatim mutan-
tes et similes nobis effecli, nostri quoque sermonis usum di-
dicerunt. visumque est prudentibus, ut sacri baptisraatis per-
ciperent sacramenlum, quod et factum est. sed puer qui minor
natu videbatur post baptismum brevi vivens tempore immatura
morte decessit, sorore incolumi permanente et nee in modico
a nostri generis feminis discrepante. quae nimirum post apud
Lennam (ut dicitur) duxit maritum, et ante annos paucos
superstes esse dicebatur. sane cum iam nostrae usum loquelae
haberent, interrogati qui et unde essent, respondisse feruntur
'homines de terra sancti Martini, qui scilicet in terra nativi-
tatis nostrae praecipuae venerationi habetur.' consequenter
interrogati ubinam esset terra illa, et quomodo exinde adve-
nissent huc, 'utrumque' inquiunt 'nescimus. hoc tantum me-
minimus, quia cum quodam die pecora patris nostri in agro
pasceremus, sonitura audivimus qualem nunc apud sanctum
Albanum, cum signa concrepare dicuntur, audire solemus.
cumque in sonitum illum quem admirabamur animo intende-
renius, repente tanquam in quodam mentis excessu positi in-
venimus nos inter vos in agro ubi melebatis.' interrogati
utruni ibidem vel in Christum crederetur vel sol oriretur, ter-
534 ALTENGLISCHE VOLKSSAGEN.
ram illam Chrislianam esse, et ecclesias habere dixerunt. sed
so!' inquiunl apud nostrates non oritiir, et eius radiis terra
nostra mininie illustratur, illiiis daritatis modulo contenta,
quae apud vos solem vel orientein praecedit vel sequitur oc-
cidentem. porro terra quaedani liicida non longe a terra nostra
aspicitur, amne largissimo utranique dirimente.' haec et multa
alia quae retexere longum est curiose percunctantibus respon-
disse feriintur. dicat quisque quod voluerit et ratiocinetur de
bis ut poterit, me autem prodigiosnm niirabilenniue eventum
exposuisse non piget.
Giraldtis Carnh'e/isis, Itineruriinn (Jainhriac l. 1 c. 8-
(Land. 1585).
Parum autem ante haec nostra tenipora accidit bis in
partibus res nienioratu non indigna, (|uam sibi contigisse pres-
byter Elidorus conslanlissime referebal. cum enini puerilis
innocentiae duodecinium iam ageret annum, quoniam, ut ait
Sab)nion, radix lifeiarnni amara est, quanquani Iruclus sit
dulcis, pner literis addictus, ut disciplinani subterfugeret et
vcrbera crebra praeceptoris, in concava fluvii cuiusdam ripa
se lugitivus occultavit, cumque ibidem bis sole revoluto ieiu-
nus continuc iam latitasset, apparuerunt ei homunculi duo,
staturae qua.si pygmaeae, dicentes si nobiscum venire volueris.
in terram hidis et deliciis plenam le ducemus.' annuens ille
surgensque sequutus est praevios per viam primo stibterraneaui
et tenebrosam usque in terram pnlcherrimam. fluviis et pratis,
silvis et planis distinctissiniani, obscuram tarnen et aperto solari
luminc non illustratam. erant ibi dies onuies ([uasi nebulosi
et noctes Innae stellariini(|ue abseiifia teterriinae. adductus
est puer ad regem eique corani regni curia praesentatus. quem
cum diu cum admiralione cunctorum rex intuitus esset, tan-
dem eum lilio suo quem puerum habebat tradens assignavit.
erant autem homines staturae rainimae, sed pro quanlitatis
caplu vahle compositae, flavi omnes et luxuriante capillo, mu-
liebriter per hunieros coma demissa. eqiios habebant snae
competenles modicitali, leporariis in quantitate conformes. nee
cariie vescebantur nee pisce. hicleis plerumque cibariis utentes
et in jaillis luodum (juasi croco confeclis. iuramcnta eis nulla.
nihil enini adeo ut mendacia dcteslabantur. quoties de supe-
ALTENGLISCHE VOLKSSAGEN. 535
riori heuaisphaerio revertebantur, ainbitiones nostras, infidcli-
tates et inconstantias expuebant. cultus eis religionis palaiii
nullas; veritatis solum, ut videbatur, amatores praecipui et
cultores. solebat auteni puer ille ad nostrum hemisphaeriuiu
pluries ascendere, interdum per viam qua veiierat, iuterdum
per aliam, primo cum al^is, et postea per se. solunujue raatri
suae se committebat, patriae moduni gentisque naturam et
statum ei declarans. monitus igitur a matre, ut auri quo
abuudabat regio munus ei quandoque referret, pilam auream
qua regis filius ludere consueverat ab ipso rapiens ludo, per
viam solitam ad matrem deproperans, cursim asportavit; et
cum ad oslium domus palernae, populi tarnen illius nou absque
sequela, iam pervenisset, intrare festinavit, pes liaesit in limine
et sie intra tectum cadenti, malre ibidem sedente, pilam e
manu elapsam duo Pygmaei e vestigio sequentes arripuere,
exeundo in puerum sputa contemptus et derisiones emitlentes.
ipse vero resurgens ad seque reversus, mira facti confunditur
erubescenlia, et matris plurimum consilia devovens ac detestans
cum via redire pararet quam assueveral, ad aquae descensum
hypogeumque mealum cum pervenisset, aditus ei iam nuUus
apparuit. cum tamen per anni fere spacium inter aquae prae-
dictae ripas viam inutilis explorator inquireret (sed quoniam
ea quae ratio non mitigat temporis interdum mora mitescunt,
et diuturnitas sola laxatos hebetat plerumque dolores ; siqui-
dem multis malis finis de tempore venit), demum tamen ab
amicis et matre praecipue vix revocatus sibique restitutus, et
literis denuo datus tandem processu dierum in sacerdotii gra-
dum est promotus. cum autem Menevensis episcopus David
secundus super ^uius eventus inquisitione presbyterum iam
senio confectum multoties sollicitasset, nunquam ei negotii se-
riem potuit citra lachrimas replicare. habuerat etiam gentis
illius linguae notitiam, cuius et verba recitare consueverat,
([uae sibi puerilibus, ut moris est, annis rapide comparaverat.
erant autem verba, sicut ab episcopo praedicto mihi sunt saepe
proposita, Graeco idiomati valde conformia. cum enim aquam
requirebant, dicebant ijdor ydorum, quod latine sonat, aquam
affer ; ydor enim aqua eorum lingua sicut et Graeca diceba-
tur, unde et vasa aquatica vö^iai dicuntur, et dar lingua
Britannica similiter aqua dicitur. item saleni requirentes dice-
536 SCHUTERBLATTSCHAU.
baiit halgein ydorum, salem affer ; ü). vero Graece sal dici-
tur, et halen Britaniiice ; lingua namque Britannica propter
diutinani quam Britones, qui tunc Troiani et postea Britones
a Brito eorum duce sunt vocati, post Troiae excidiuni moram
in Graecia fecerant, in multis Graeco conformis iuvenitur.
hie autem mihi notabile videtur quo(^ in uno verbo tot linguas
convenire non invenio sicut in isto : u). enini Graece, haleri
Britannice, similiter Hybernice, halgein inlerposita G lingua
praedicta ; item sal latine, quia, ut ait Priscianus, in quibus-
dara dictionibus pro aspiratione ponitur S, ut u). Graece, sal
Latine, tut semi, tuTu seplem ; sei Gallice mutatione a voca-
lis in e, a Latino additione t literae sali Anglice, sout Teu-
tonice. habetis ergo septem vel octo linguas in hac una di-
ctione plurimum concordantes. sin autem interpositae rela-
tionis de veritatc quid sentiam, scrupulosus investigator in-
quiras, cum Augustino respondeo, admiranda fore di\-ina
miracula, non disputatione discutienda ; ncc ego negando di-
vinae potentiae terniinos pono, nee affirmando eam (piae
extendi non potest insolenter extendo. sed illud Hieronvmi
seniper in talibus ad animuni revoco : multa, inquil, incredi-
bilia repcries et non verisimilia, quae nihilominus tamen vera
sunt, nihil enim contra naturae dominum praevalet natura,
haec igitur et similia si quae conligerint iuxla Auguslini sen-
tentiam inter illa locaverim, quae nee aflirmanda plurimum
neque neganda decreverim.
SCHULTERBLATTSCHAÜ.
MITGETHEILT VON G. W. DASENt.
It?nera7ium Cambriae l. 1 cap. 11 (Lo7nl. 1585).
Flandri Rossentes.
Hoc autem mihi videtur hac de gente nolandum quod in ar-
mis arielum dcxtris carne nudatis et non assis sed elixis tarn
l'utura prospiciunt quam praeterita et ante incognita longe
respiciunt, tempore quoque praesentia sed loco absentia quasi
prophetico quodam spiritu arte miranda cognoscunt, pacis et
gucrrae signa, cacdes et incendia, domestica adulteria, regis
statum, vitam et obitum rimularum (juarundam et notularum
SCHULTERBLATTSCHAU. 537
iiidiciis cerlissime dedarant. unde et nostris temporibus cou-
tigit viriim qiiendam partium istarum iioii ignobilem et in arte
praedicta prae aliis instructum, cui nomeii Gulielmus Man-
guücl, uxorem habere de proprio viri nepote praegnaiitem.
cuius eventus vir non ignarus arietem de ovili proprio sumptum
ex parle cuiusdam viciui sui coram uxore sibi praeseutari
procuravit. quo statiin ad co([iiinara transmisso, cum eodem
die in praiidio sedissent, armum arietis debito more decoctum
et purgatum ad inspicieudum vir mulieri, quam in hoc peritam
noverat, ex industria porrexit. quem cum paulisper iutuita
fuisset, rimulas notans et signa secreta et oraculum, in mensa
subridendo proiecit. ille vero cuncta dissimulans cum risus
causam reique notitiam tanto vehementius efflagitasset, illa de-
mum tanquam importuna viri mota instantia respondit 'vir de
cuius ovili aries hie fuerat uxorem habet adulteram et proprii
uepotis incestu iani gravidam effectam.' ad haec autem vir
subtristis vultuque demisso 'verum' inquit 'oraculum profers
et nimium veritate subnixum, unde et tanto mihi dolendum
fortius quanto in propriam iniuriam publicata redundat igno-
minia. " at illa tantam sui comperto crimine confusionem dis-
simulare non praevalens interiorem animi passionem signis
exterioribus, urgente vicissim tam pudore quam angustia,
nunc rubore vultus, nunc pallore, demum vero lacrimis more
muliebri est protestata.
Praeterea oblatus est cuidam armus caprei quasi pro ovino,
quia simillima sunt ossa purgata. qui notatis rimulis parum-
per et signis cum admiratione subiecit ' infelix pecus, quae
nunquam novit multiplicari, infelix et pecudis dominus, qui
nuuquam ultra tres vel quatuor in uno grege habere prae-
valuit. '
Destructionem quoque patriae post obitum regis Henrici
prinii per annum ante vel dimidium multi in humeris praevi-
derunt, qui venditis universis quae possidebant tam mobilibus
quam iramobilibus indempnes imminens excidium evaserunt.
Contigit etiam in Flandriae finibus, unde gens ista de-
scenderat, viro quodam, vicino suo os huiusmodi ad inspi-
cieudum transmittente, quod portitor fossam obiter transsi-
liendo fissa nate crepitam dedit, quem statim viri naribus,
cuius causa vexabatur, verbis et volis adoptavit. ille vero,
538 PASQUILLUS AUF DEN PROTEST. KRIEG.
cui portabatur, armo inspecto illico subiecit 'sed tu, fraler,
id quod mihi adoptaveras in naribus habeas.'
Accidit autem, quod et notabile censui. quendam nostris
diebus ossis inspectorem non solum furtum furtique tenorem,
furem ipsum furandique modum et circumstantias omnes in-
spiciendo notasse, verum et campanae pulsum et tubae soni-
tum, ac si praesentialiter adhuc aj^erentur ([uae iam praeterita
fuerant, audisse. mirum itaque quod sicut coiiiuratione, illi-
citae imaginaria quadam similitudine oculis acta, sie et auri-
bus repraesentaiit accidentia.
PASQUILLUS AUF DEN PROTESTIRENDEN
KRIEG (SEIT 1546).
Nachfolgende dculschlateiimche hexameter fand ich von
eitler hand des sechzehnten Jahrhunderts geschrieben in
einem folioband des hiesigen Stadtarchives welcher histo-
rische colleclanea enthält, unter obiger Überschrift, es ist
die Warnung- eines kaiserlich gesinnten, welcher unter Kue-
maul die Schweizer und unter 3Iareus Venedig- verstanden
haben wird.
Heitz ein Landgrali, j^icls alin Sachs, Scliertle beschers
wol,
Reibs auls Carle pater, solvile Reichstettites !
Ueichstettites narri, quos cippus (/. cyphus) et amphora
duxit
SaAonica ins Schwaisbad, l'erre (|uod hi iie([aeunl.
(iallia nunc vobis, Kueniaul, nunc Marcus et aeger
(iOiisilii Danus, Anglia verba dedit.
Nee (|ui Gottswortum vesirum beschirmere vellel
Turcns eril. Iio ho perfida Gselliditas !
Spes erat in Bauris aul'lauiros niachere doctis,
Prolulit ad spiesos rustica turba fero
Witz habuit Nurmberg, achl'sla tragavit utraque,
Kalhschlägiis vestris sensit inesse raetum.
tya agite in Wilzis servando Caesari glauben,
Nc Senecae badinn wermere (onvenial.
Frankfurt a. M. im Jan. ISi/. FR. BÖHMER.
539
EINIGE GOTHISCHE EIGENNAMEN.
Ammian 31, 5 und 12 nennt uns die Gothen Alatheus
und Saphrax, welche in den jähren 376. 378 neben dem be-
kannteren Fridigern auftreten; an der naraen richtigkeit steht
nicht zu zweifeln, da sie auch durch Jornandes cap. 26. 27
und Zosiinus 4, 34 bestätigt werden. Saph^ax könnte dem
ersten blick undeutlich scheinen, das X ist nach griechischer
weise geschrieben, kann also KS und GS bezeichnen und im
gen. K oder G vertreten lafsen, Ammian setzt Saphrace,
Jornandes cap. 50 Candax Candacis, aber Andagis, dessen
noni. ebenfalls Andax lauten könnte; cap. 26 giebt er Sa-
frax, cap. 27 Safrach (wie auch Ekkehard bei Pertz 8, 124.
125 aufnimmt), die oblique form fehlt, mit Safrax mufs aber
ein unter Franken im concil. paris. II a. 555 genannter Saf-
faracus gleichnamig sein ; sonst in fränkischen Urkunden keine
spur davon.
Für die gothische gestalt des namens halte ich nun
Safrags von der oben s. 6 vermuteten wurzel safjan = lat.
sapere ; das R aber nöthigt ein subst. safr oder safrs an-
zusetzen, welches mir wieder durch das lat. sapor bestärkt
zu werden scheint, aus safr leitet sich dann das adj. safrags,
gleichsam saponis, ab, wie aus den ahd. Substantiven hungar
\\\A jdmar die adj. kungarac jämarac. ins ahd. übertragen
lautete safrags savarac.
Den alanischen namen Candax brauche ich nicht zu deu-
ten, doch fiel mir das goth. hafidugs ooqög, ahd. hantac acer
ein, insofern das C noch nicht lautverschoben wäre. Andags
könnte leicht ein compositum sein, dem ahd. antdag (Graff
5, 358) vergleichbar.
Monejbnsus im concil. tolet. XIII a. 683. XV a. 688
wäre Munjafuns promptus ingenio, von muns v6m.iu, sehr
ähnlich dem altn. hrödrfus, ags. hrederfüs. an die bedeut-
same Zusammenstellung der klugen raben Muninn und Huginn
habe ich öfter erinnert.
540 EINIGE GOTHISCHE EIGENNAMEN.
Schönen sinn gewährte der name Remi.sol im conc. bra-
carense III a. 572, falls die deutung haltbar ist, die ich ver-
suchen werde. Rimisauil könnte die untergehende, zu ruhe
gehende sonne (mythol. s. 702) ausdrücken, neben rimis gen.
rirnisis niufs auch die form rim oder rimi, wie neben sigis
ahd. sign gegolten haben, man vergl. die ahd. eigennaraen
Rimidco Rvniguz Rimistein, aber auch das einfache Rhnis
(Irad. fuld. 2, 208) und Rimeslo, hain der ruhe, im bisthum
Osnabrück, den aufser einer Urkunde bei Moser nr 59 auch
Vilkinasaga cap. 43 im abenteuer zwischen Dietrich und
Fasold nennt, nun liefse sich bei Remisol freilich auch die
form rimis unterlegen, was aber bliebe dann -ol? doch nichts
dem golh. -aul in vianauli zu vergleichendes? ich bemerke
noch dafs dem lith. riinti quiescere, rimmastis quies, lett.
rimt quiescere ebenfalls das S fehlt.
Man weifs genug dafs Totila (bei Procop TtaTilug) ei-
gentlich Radvila hiefs, von badi^, ags. beado, altn. böd gen.
bödrnr, ahd. pato pugna ; Radvila bedeutet demnach pugnax,
welchen namen er in der that verdient : man lese Procop.
auch auf den münzen wird er nicht anders genannt. Tötila
ist blofser zuname, der im gemeinen leben und selbst in der
geschichte auf ihm hängen blieb. Radvila ist ahd. Patilo
Petilo, Tiitila aber Yaioz-Ho. was bedeuten Tutila und Zuo-
zilo? ich glaube, was das lat. Naso oder nasutus, obgleich
dem altn. tota nasus, rostrum, kurzes 0 beigelegt wird. bair.
zuzel schnauze (Schra. 4, 297). ags. tutian eminere tanquam
cornu in fronte; nnl. tot und tuit onine quod eminet, bei
Kilian tute, nach welchem de tute selten bedeutet eselsobren
machen, in Tutila liegt deutlich etwas spöttisches wie in
allen beinamen. JAC. GRI3DI.
541
HIMMEL UND GAÜME.
Lelztliiii als Wilhelm Schott in der acadeniie die iiber-
einkiiiirt des inongolischeii worles tanglai, welches den gaii-
men bezeichnet, mit dem von Chinesen aufbehallnen Hionghnu-
worte tangli z=i himniel (türkisch tangri, mongolisch tengri)
durch das russische, gleichfalls für beide begriffe gebrauchte
ncbo unterstützte, raunte mir Lachmann das griechische ov-
Qttvög zu. und so ist es, diese einstimmung findet sich auch
in der griechischen und in vielen andern sprachen, wie den
alten Griechen ovQavög heifst den Neugriechen der gaume
ovQavlanog. Athenaeus 8, 34 meldet von Theokritos aus
Chios : JioyiXtovg kuI top ccy()6f icuTußiß^wnÖTog fig 6ipoq)a-
yiav, fTTfidij x^f^j/^iüv nore xaTaj3(jO'^&iGag i^&vi/ fqtjoe top ov-
Qavov xuTaxfxavG&ai • lotnov tqjj^atv tavtv b SeöitQiTog aot
x«i Tr)v {yäXanauv txnifiv, xai lai] TQia tu fxf'yiata t](papi'X(ügf
yrjp Ktti d^uluodup Kai ovquvop. Cicero de N. D. 2, 18 sagt
von Epikur: sed dum palato quid sit optimuni iudicat, caeli
palatum, ut ait Ennius non suspexit. Augustinus de C.
D. 7, 8: quod hiatus noster, cum os aperimus, mundo
similis videatur, unde et palatum ov^jupÖv appellant, et
nonnulli poetae Latini caelum vocaverunt palatum : a quo
hiatu oris et foras esse aditum ad dentes versus et introrsus
ad fauces. nicht nur den Russen und Serben ist nebo bei-
des caelum und palatum, sondern auch die Polen und Böhmen,
deren einfaches nicbo nebe nicht für den gaumen gilt, be-
zeichnen ihn wenigstens durch podniebietne und podnebi. die
Lithauer sagen für gaumen burnos dangiis, mundes himmel,
und eben so die Spanier cielo de la boca, die Finnen aber
suun laki oris tectum, was den sinn des Wortes himmel =
decke, dach bestätigt; es heifst auch in gleicher bedeutung
finnisch kurku laki gutturis tectum, estnisch kw'ko laggi.
aus unsern deutschen sprachen gehört hierher das niedersäch-
sische bön d. i. bühne, decke für gaume, das ags. hrof jms
542 HIMMEL UND GAUME.
mildes tectum oris, engl, roof of the mouth, welche nur den
begriff von decke, nicht des himmels gewähren, der aber im
nnl. heinelte, gehemelte, verhevielte, durchbricht : de tong
kleeft aan liet gehemelte, die zunge klebt am gaumen. ich
finde nun nicht dals das mhd. himehe, ahd. himilezi etwas
anders aussagen als laquear lacunar, was das einfache hiviil
selbst bedeutet; zweifle aber kaum dals sie auch auf den
gaumen angewandt wurden, warum also nicht himü?
Die Verknüpfung beider begriffe ist einfach und natürlich,
der gaume wölbt, deckt den mund wie der himmel die erde ;
hier braucht keine spräche von der andern geborgt zu haben,
es lag allen nahe und vielleicht mengen sich noch mythische
Vorstellungen ein : himmel und hölle werden persönlich mit
gähnendem mund gedacht.
Ich komme noch auf unser worl gaume, dessen heutige
form wieder falsch ist, wir sollten gume (wie bhivie) sagen,
ahd. guomo (daneben giumo), mhd. guome, noch heute bai-
risch guom, ags. gumn, alln. gömr, schwed. gom, dänisch
entstellt in gane; das lappische guobme scheint germanisch,
war das wort gothisch, so müste es wiederum lauten göma,
wie hlöma; aber die wurzel? man dürfte au ahd. gcicön
oscitare denken, und aus gouivo/t (goth. gaujon?) das 6 =
HO sich entfalten lal'sen, wie in taujan tojis, stanida stujan,
so dals göma aus göjnma entsprungen sein könnte und dem
griech. ;f«(T,u« Schlund, rächen von j^ö/Vco x^vovuat gleich käme.
Das lat. palatvm scheint unmittelbar verwandt mit pa-
latiiim, wie v-ri(jo'ni mit vjTf^otov, gleichsam gewölbe und
decke des hauses. im französ. palais treffen palatum und
palatium ganz zusammen. JAC. GRIMM.
54:j
GRÜN UND KUN.
Ich lal'se, indem ich diese beiden ganz gleich gebildeten
Wörter zusammenstelle, von der heutigen unart ab, das letzte
kühn zu schreiben, denn ebenso unrichtig hätte auch griiJm
geschrieben werden mögen, ahd. kruoni chuoni, mhd. griiene
küene, ags. grene cene, engl, green keen, nnl. groeti
koe?i, altn. groenn kosnn (nicht grcci^n kcenn), schwed. grön
kön, dän. grön k/ün. bei Ulfilas mangeln beide, da in den
bruchsliicken kein xlMfjug vorkommt und die Vorstellung kiin
durch balps ausgedrückt scheint ; mutmalsen dürfte man grn-
m's kunis.
Für gleiche bildungen sind auch gleiche wurzeln gerecht.
GrafT bringt aber gtmoni unter einen stamm gru, chuoni
unter einen stamm kan; olleubar ist in kiin das N so gut
ableitung wie in grün, und hat mit der wurzel kiinnnn nichts
zu schafl'en ; denn wie sollte diese statt des NN einlaches N,
und vor diesem ÜO entfalten? das einfache N ist auch im
ahd. cruoni organisch ; wenn einigemal ci^unnnö cruanniu
cronnem geschrieben ist, so war das I Ursache, wie sonst ia
hörran für hörinn oder huorrd für huorid. leitet sich nun
aus ahd. gluon (oder gluohan gluojan, wie man annehmen
will) gluot pruna, aus bluo?i {bivohan bluojnn) bluol tlos
und biuomo, aus ruon {ruohan ruojan) remigare ruodar re-
mus, aus gruon {gruohan gruojan) gruoti viror, gruoni
viridis, so erzeigen sich T, D, 31, N überall als ableitend ;
folglich mufs es auch das N in kuoni sein, das bestätigen
auch die ags. formen glucan blövan rövan grövan, die altn.
glöa rua gröa, an welche sich ähnliche abieitungen fügen,
z. b, aus altn. röa erwächst rödr rodrar remus, aus groa
grodr grödrar feracitas. für grün bleibt demnach, was die
consonanz angeht, nichts wurzelhaftes übrig als GR, für kün
nichts als K.
Wir wollen einmal diese wurzelelemente dahin gestellt
sein lafsen und uns vorerst um die ableitung kümmern, könnte
544 GRÜN UND RUN.
ihr (las 6 oder uo vor dem ni wesentlich gehören? wäre
hier dasselbe -öm, -uom, das in den ahd. windnamen osta-
röni westaroni sundaroni nordaruni, im altn. austroemi
vestroßnn sudraum norrcen, im alls. gisuislruoiiion (geschwi-
stern) Hei. 38, 1 erscheint? dies letzte uo und das altn. o?
nöthigen zu ahd. 6 =: uo, welches sich in der alten ableitung
liegte wie sonst öfter (gramm. 1, 100), obschon belege bei
Graff2, 1097 auch -uni gewähren, neben -otinun (■=.6niun).
bei 0. 5. 17, 31 scheint mir der acc. ■polunan (stellam pola-
rem) auf einen nom. polöni polaris zu Aveisen. in glossen
bei GrafF 2, 201 hat man das sinnlose ludrom pannosum ge-
lesen ; ich denke dafs die handschriften geben ludroni lumpig,
zerrifsen von ludara pannus, involucrum, zumal kinderwin-
deln (und in sofern auch wiege, in pannis iacere :=: in cu-
nis, cunabulis). sind nun die ags. gesvustrenu bearn was
die alls. gisuistruoniu , so stimmt das wieder zu cene grene,
und man darf vermuten dafs die adjectiva eüstern vestern
sudern nordern nach gewöhnlicher Versetzung des R aus
castrene restrcne u. s. w. hervorgiengen. jene gothischen
grÖ7iis kunis scheinen aber den ableitungen sipöneis discipu-
lus, lauhrnoni fulgur und geironi concupiscentia entsprechend,
welche sich (wie das ahd. -oni in -uni) bereits in lauhmuni
geiruni zu kürzen pflegen; also müste auch glitmuni splen-
dor früher glitmoni gewesen sein? -oni wäre den Substan-
tiven lauhma und glitma (ahd. klizarno) zugetreten? nicht
zu übersehen scheint auch die einstimmung der lateinischen
windnamen favonius und oquilonius (in welchen das on frei-
lich von nqiiilo nquilonis abhängen mag) und der alten na-
men von göttinnen wie Feronia Fluonia Mellonin Pellonia.
Hiermit ist zwar dem derivativen oni uoni gewähr ge-
leistet, aber immer noch nicht gesichert dafs auch gröni koni
auf demselben wege entsprungen seien, denn der vocallaut
6 uo scheint in ihnen auf irgend eine weise mit der wurzel,
mit dem GR und K verwachsen. wie den Wortbildungen
bloma bluomo b/öp bluot gruoU i^odar irgend ein volleres
hlohna bluohamo blöhap w. s. w. könnte auch dem groni
koni ein grohatii köhani unterliegen, oder statt des H eben-
wohl' ein V oder S gewaltet haben, bei diesen wurzeln gro-
han köhan (prät. gaigröh kaikok?) ahd. kruoban chuohan.
DIE SPRACHPEDANTEN. 545
ags. grövan priit. greov, cövnn? prät. ceov? könnte man
sich bis auf weiteres beruhigen, und ich habe nichts dawi-
der dal's man noch höheren standpuncl suchend ein solches
kohan für verwandt selbst mit kunnan erkläre, zumal das
altn. kaum nicht audax, sondern peritus, sollers ausdrückt.
JAC. GRIMM.
DIE SPRACHPEDANTEN.
Pedanten und purislen, was eigentlich eine brut ist, sind
mir oft so vorgekommen wie maulwürfc, die den» landmaniic
zu ärger auf leid und wiese ihre hügel aufwerl'eu, und blind
in der oberiläche der spräche herum reuten und wühlen.
Als ich neulich in unserer academie über das pedantische
in der deutschen spräche gelesen und mit einer erwägung ge-
schiofsen hatte, in wie fern es im vermögen der academir
früher lag, noch liegt und künftig liegen kann über unserei'
spräche zu wachen (wobei der bescheidenste anspruch erho-
ben und gestanden wurde dafs Jetzt die zeit noch unerschie-
nen sei ihn einmal geltend zu machen), fiel es einem der
leute, mit deren aufsitzen Berliner zcitungen in die gelehr-
samkeit streifen, ein, den öffentlich bekannt gemachten bericht
der academie geradezu eines Sprachfehlers zu zeihen, das war
doch unmittelbar nach solchem anlafs zu arg. dem pedanti-
schen gefühl mochte vorschweben dafs es heifse 'deine äugen
wachen über mich' und damit jede andere fügung verurtheilt
sei : ich liefs bei namensunterschrift folgendes einrücken, von
dem ich nur tilge was nicht hierher gehört.
Ein ungenannter pedunt hat aufgeworfen dafs bei anzeige
meiner Vorlesung über deutsche pedanterei und barbarei durch
ein eigenes spiel des zufalls stehe 'über der deutschen sprä-
che wachen.' o nein, es soll so heifseu. von der weit die
bekannteste sache ist, dafs manclie präpositionen doppelten
casus, oft nach leiser Verschiedenheit des sinns, bei sich ha-
ben, unter andern über-, der Schmetterling flattert über den
blumen oder über die blumen, die fahne weht über dem land
oder über das land, das schwert hängt über dem nacken oder
über den nacken, der Unverstand krittelt über solchen wor-
Z. F. D. A. VI. 35
546 DIE SPRACHPEDANTEN.
teil oder über solche worte, ich bin über dem buch einge-
schlafen oder über das buch, die sonne leuchtet über mir oder
über mich, der geizhals wacht über dem gold oder über das
gold, die freunde wachten über der leiche oder über die leiche.
beim einschlafen über dem buch fälil der nachdruck auf den
lesenden, bei über das buch fallt er auf das einschläfernde
werk, beim wachen über der leiche auf die wachenden, bei
über die leiche auf den bewachten gegenständ, über der sprä-
che wachen heifst bei der spräche wachen, abstinere a dor-
miendo, wie ein wachendes gestirn über der spräche leuch-
ten ; das schien hier befser gesagt als mit rücksicht auf den
gegenständ: die spräche behüten, beschützen.
Hiermit war es abgetlian ; aber es hätten noch manche
andere beispiele gegeben und die Ursachen der zwiefachen con-
struction genauer entwickelt werden können, dafs diese zu-
nächst auf die heutige spräche gestutzt werden musten, ver-
steht sich, besonders trillig scheint mir die hergebrachte re-
densart vom wachen über der leiche und ich führe dazu das
einstimmige altnordische röktu ijjir tikinii aus Laxdu?lasaga
cap. 224 an. wo der dativ steht, hat das verbum vorwiegend
intransitiven, wo der accusativ, transitiven sinn, wie sich be-
sonders dann zeigt, wenn die spräche neben der neutralen
starken form die activere schwache entfaltet, z. b. bei sitzen
und setzen, es heifst in den rosen sitzen und sich in die ro-
sen setzen, über den kohlen sitzen und sich über die kohlen
setzen; Opitz singt:
ich empßnih- fast ein grairen
dafs ich, P/alo, für und für
bin gesefsen über dir,
wer ihn vornehmen will, mag sich, ohne furcht vor Zweideu-
tigkeit, über ihn setzen, wo aber intransitive und transitive
bedeutung in derselben form enthalten sind, darf doppelter
casus zur präposition treten, nur reicht selbst diese bestim-
mung nicht aus, sondern es kann auch bei reinen intransiti-
ven den umständen nach dativ und accusativ stattfinden, wie
eben das beispiel von wachen ergibt, sicher ist einzuräumen
dafs für einzelne verba Sprachgebrauch und angewöhnung den
einen oder den andern casus bei bestimmten präpositionen
begünstigen, zu solchen gehört aber ' wachen über' nicht.
DIE SPRACHPEDANTEN. 547
wir lügen heule bei erschrecken über, entsetzen sich über,
verwundern sich über den accusativ, kaum den dativ, Luther
hingegen hat Marc. 10, 24 entsalzten sich über seiner rede,
Luc. 1, 29 erschrack über seiner rede, Luc. 9, 43 entsalzten
sich über die herlichkeit gottes, verwunderten sich über allem,
und bei erschrecken, sich entsetzen, welche eigentlich auf-
springen aussagen, ist auch der dativ gründlicher, ich würde
nur sagen : über diesen worten stand er auf, erhob er sich,
nicht : über diese worte.
Ahd. und mhd. war alles anders, es galt beinahe nur
ubar über mit dem acc, und für unsere dativPälle die ver-
wandte präp. oba, obe, stets mit dativ, so dafs über und obe
ins heutige über mit acc. und dat. sich theilten. ich will
damit nicht sagen, dafs bei ubar gar kein dativ zuläfsig ge-
wesen sei, einigemal taucht er vor, man sagte ubar morgaii
und ubar morgane. aber wenn es bei Wolfram heilst Parz.
535, 7 überz wazzer stuont daz kastei, müslen wir noth-
wendig sagen : über dem wafser, über daz grap gesten ist
gleichviel mit ob dem grabe sten, arm. Heinr. 847; stuont
ob in (eis) Trist. 18654, heute : über dem grab stehn, stand
über ihnen.
Zu untersuchen wäre nun, wann und wie sich im nhd.
die völlige freiheit der präposition über, d. h. ihr vermögen
aufser dem acc. auch den dativ zu beherschen, hergestellt hat.
in manchen andern fällen sind wir heute dem acc. geneigter
als die frühere spräche, z. b. bei glauben, vertrauen, hoffen,
es heilst uns: an einen glauben, auf einen hoffen, gothisch
aber venjan in Christan (wie u.TTi'gn.v h X(jiotö})^ ahd. in
sinemo nainen thiota gitrüent (vulg. in nomine ejus gentes
sperabunt; Matth. 12, 21.
JACOB GRIMM.
35*
548
GOTHEN UND GETEN.
Wie ich die vorrede zu Schulzes glossar vollendete, ka-
men mir diese verse ein :
Was trudan in des Gothen mund
heifst in dem unsern treten;
erst that ich euch von Gothen kund,
nun rück ich auf mit Gelen.
Doch wenn die glocken stürzen ein,
so wird geklopft am brete :
soll Gölhe gleich kein Gothe sein,
war er vielleicht ein Gete.
JACOB GRIMiM.
549
REGISTER
ZU DEN ERSTEN SECHS BÄNDEN DIESER ZEITSCHRIFT.
aberglaubc 3, 360. s. segens-
fornieln
ablau tsreilieii 5, 211
Abor 5, 6
abschwöruiigsformel 5, 453
accipiler 1, 572
accusativus
adverbial 3, 268
bei adjectiven 1, 207
Acheloide 1 , 59
Adelint in der klage 3, 203
Admoiit, abt Heinrich 4, 269.
276
adogen 5, 239
Adolf von Nafsau 3, 2
adreogan 5, 239
Ali 1, 21
Agadora 2, 535
Agasül 2, 536
Aegidius, gesta pontif. Tungr.
5, 77
Agilolfinge 6, 451
Agorlin 1, 59
Agorlot 1, 59
Agricolas Sprichwörter 2, 262
Ahis 5, 485
ähni 1, 23
ahrunst 5, 169
ahselhart 4, 578
Ai 1, 21 f.
aithei 1, 25
Aitwaros 1, 149
äkefd 5, 229
äkefliga 5, 229
Alabathis 1, 149
Alba, königin 2, 368
Albanus 2, 534
Albertus magnus 2,370. 4,497.
575
Alberus 2, 261
Albrecht v. Halberstadt 3, 289
Kemenaten 6, 520
I V.Österreich 4,253
aldafeder 1 , 25
Alexander Seifrieds 4, 248
Alexander u. Antiloie 5, 424 ft".
Alexanderlied 2, 225
Alexanders greifenfahrt 6, 1 60
Alexis, altfranz. gedieht 5, 299
Alexius 3, 534. 4, 400
Alf 3, 44. 51 '
Algis 1, 149
Alioruna 2, 539
Ällerhättenberg 1, 26
allitteration ags. 3, 185
almem 1, 24
alode 5, 509
Alpharius 5, 5
Alphart, gedieht 6, 453
Alphere 5, 2
550
REGISTER.
Alphonsi, Petrus 1, 407. 422
Alsfelder passionsspiel 3, 477
altano 1 , 26
alterano 1, 26
Altkönig, berg 1, 26
altsächsische glossen 3, 280
Altvater, berg I, 26
altväter, leben der 5, 371
altvil 6, 400
alu 6, 261
alvar 1, 24
Alvilda 3, 44
Amelgerv. Tengelingen6, 450
Amilles und Amis 4, 558
Amis, pfaffe 4, 155
Amma 1, 21
Amund 3, 43
andvari 5, 228
anicha 1, 25
anicho 1, 25
Annolied 4, 175
ano 1, 21 f.
ans 3, 224
Ansberg 3, 368
Ansileubus 1, 387
anlhologia Latina 1, 371)
antliropogonie der Germanen
6, 15
Antichrist 2, 9. 226. (;, 369
Antiloie 5, 424
antluzi 6, 4
aplellranc 6, 268. 271
ano^ä^ifir] 1, 25
ttTtönamxog 1, 25
appellaliva, örtliche, auf -er
2, 191
-ar, namenendung 3, 139
archipoela Wallherus 5, 298
afiäu, ui)öixi 5, 227
Arguel 6, 193
Arke 4, 386
Arnold, probst von S. Jacob
in Bamberg 2, 8.
Arnsteiner Marienieich 2, 193
artikel, altn., suffigiert 6, 315
As, ans 3, 224
ascä 6, 16
asche 6, 16
äscher 6, 427
aschman 6, 140
Askr 6, 16
Aspelenie 1, 149
aspirationen 2, 555
Assundin 1, 57
atavus 1 , 25 f.
atha 1 , 25
Atlaibos 1, 149
ato 1, 21
atta 1, 25
Üttu 1, 25
Attila 1, 25
audhh'ga 5, 214
audhr 5, 214
Audhumbia 6, 18
Audros 1, 149
Aue s. Hartmann
auen göttersitze 2, 254
augere 5, 223
Augustin, ndl. dichter 1, 228
aulisus 2, 559
aukan 5, 223
aul 6, 261
Aulesburg 3, 118
auli 5, 221
aun 3, 144. 5, 222
uviävoi 5, 223
aura 5, 228
aurar 5, 228
REGISTER.
551
aurea fabrica 2, 168
aurig 5, 227
auris 6, 4
aurora 5, 228
aurura 5, 228
ausa 5, 228. 6, 4
Ausca 1, 149
Auscullias 1, 149
ausinn 5, 228
ausö 6, 4
Auslheia 1, 149
austr 5, 228
auslras. Dietrichssage 6, 435
aulh 5, 214
Auxtheias 1, 149
uvo) 5, 228
ave Alaria 3, 437
äventiure 1, 49 ff.
aveugle 6, 11
Azo 1, 25
BaßuyoQa 1, 26
bäbes 6, 409
ßabie gory 1, 26
Babilos 1, 149
von Baden Hermann 4, 277
Badvila 6, 540
baierische schwerler 6, 256
Baiern, charakter 6, 255 fF.
Balderaann, Otto 3, 442
Baldern, gemälde zu. 6, 318
Baldersbrunn 2, 256
ßaldershain 2, 256
Baldewin 1, 10
Baldr 3, 225
balle 6, 146
Baltram 6, 158 ff. 453
bambest 6, 328
von Baunalen Heinr. 6, 25
baren zur kurzweil 6, 185
bärhobel 5, 179
Barlaam 1,126.2,361.3,446
Barstuccae 1, 149
Baseler bildwerke 6, 139. 150.
153. 160. 185
— örtlichkeiten 6, 194
batwät 1, 136
Baumann, Michael 3, 438
bauths 6, 12
von Bebenburg Leupold 3,442
Bechelaren in der klage 3,201
becherweide 1, 29
Beckers Zerbster chronik 3,23 1
begofsenes brot 4, 578. 6, 269
von der beichte, mhd. gedieht
5, 448
beichtanweisung 2, 9
beichtformel 5, 456
beischel 4, 30
beist 5, 226
belgisches keltisch 4, 567
Beli 1, 96
Bentis 1, 150
Beovulf 5, 10. 6, 437
Berceo 3, 529
Bercher Berhter Berker
6, 447 ff.
berewurz 6, 331.
bergnamen 1, 26
Berhtungs geschlecht 6, 453
berlenc 1, 577
Bern 6, 156 ff.
Berner hs. altd. gedichte 4, 479
Pfennige 6, 419
Bernhard Freidank 4, 246
bersiha 6, 329
Bertha mit dem breiten ful's
6, 135
Berthold im Biterolf 6, 159
552
REGISTER.
br. Berthold 3. 239. 4. 575.
5, 368
Berthold von Meran 6. 448
Bertold von Holle I, 57 ff.
2, 176
besyrvan 5, 227
betochen 5, 140. 238
belonie 6, 331
betophen 5. 238
betrechen 5, 239
betrochen 5, 239
Bezlea 1, 150
biber, biberis 6. 261
biberwurz 6. 332
biblische geschichtc, Nürnber-
ger hs. 2, 130
hier 6, 26! ff.
bildwerke 6, 139. 150. 153.
160. 185. 286
binkenbank 6. 485
binu gedieht von der 5. 371
birnmost 6, 268. 271 f.
Birzulis 1. 150
bisleht 6. 189
Biterolf.gedichl3.267.r). 159.
453
blanden 6, 262
Bianca v. Castilien 2. 368
blas 6. 284
blind 6, 10 f.
Blödelin in der klage 3. 198
boberoUa 6. 330
Boksflies 4. 272
Bonerins 1, 407. 422.
Bonus 2. 208. 3. 299
Boppe. der starke 3. 239
bora 3, 531
borso 1 . 574
bot 6. 12
von Bouillon, Gottfried 3,440
brace 6, 262
bracha 6, 327
brache, hose 6, 326
Brack. Wenceslaus 5, 413
brant, schwertklinge 4.11
brauen 0. 262
daz brechen leyt, gedieht 5. 370
brechung 2, 268. 571
Bredhi 1, 3
Breisach 6, 157
Breksta 1, 150
hrelan, brelenc 1. 577
bremzelich 1 . 1 1
Breunenberger 3. 39. 6. 295
briefe aus dem 14n jh. 6. 27 ff.
brieven 6. 150
bringen 5. 177
briselouch 6. 332
britannisch, todtenreich 6. 191
Britus 2, 534
briu 3, 384. 5. 74
brinstern 4. 75
Brosiiiga niene 6. 157
hrol. bcgolsenes 4, 578. 6, 269
für brot ofsen 6. 294
brouchen 5. 171
Brück an der Leita 4. 282
briieven 6, 150
Brugghc. de deif van 5. 385
Brun von Schönebeck 3. 525
Brünhild in der klage 3. 193 ff.
buch der rügen 2, 6
Buchheini 4, 272
von Buchheini Albero 4. 270
biichsenuieister zuZerbsl 3.230
buckel 6. 32 S
Budiutaia 1. 150
Burgdorf 6. 15S
REGISTER.
553
Buridan 2, 362
Barlenberc 6, 157
Burti 1, 150
Busbeck 1, 345
hüte hülle 6, 328
hyrcl byrill 6, 191
Cacus 6, 128
calendarium aus dem 14n jh.
6, 349
von Calsmunl Brandan 6, 21
Candax G, 539
Carcofjis 3, 186
Cassiodorus 6, 458
Cato, gedieht 1, 538
cearig 5, 229
cento, alldeutscher 3, 40
Ohara 5, 229
-chari, namenendung 3, 139
Chauci 3, 189
Cherusci 6, 16
Chilperich vonSoissons 6,439
chlachan 5, 234 ff.
Chlod- 6, 433
Chlojö 6, 434
Chochilag, Chochilaich 5, 10.
6, 437
chrenechruda 2, 163
Christi dornenkrone 5, 381 ff.
geslalt 4, 574
leben 5, 17
leiden 3, 437
Chronik 5, 371
ybilog 6, 13
Circlaria 5, 242
cläcleas 5, 237
clarel 6, 274 f.
claudus 6, 13
clerici vagabundi 2, 68
von Cleve Gerlach :i, 15
Closeners chronik 4, 5791".
cofa cofia 1, 137
coife 1, 137. 5, 220
Constaulinus porphyrog. 1 , 366
von Constanz Heinzelein s.
Heinzelein
Crano 1,57. 2,176. 5,368
crede, der glaube 4, 256
crede mihi 2, 191. 5, 42
credischeit 5, 101
Csäki, Matth., v. Trentschin
4,254
cuffia 1, 137
cuphia 1, 137
cviferlice 5. 230
cyprischer wein 6, 267
dagsvera 5, 228
Dänemark am Rhein 6, 64. 441
Daniel von Blumenthal 3, 432
Dankrat in der klage 3, 194
Daritanl 2, 178
Datanus 1, 150
daubs 6, 11 f.
daufr 6, 12
daun 5, 216
daune 5, 216
dauns 6, 5
daupjan 6, 408
deaF 6, 12
debilis 6, 14
decrepitus 1, 23
dehselrite 4, 35
de deif van Brugghe 5, 385
deila 6, 316
Demantin 2, 178
denmarka 6, 331
von Derenbach Giselberl 6, 21
Derfinlos 1, 150
Denoitis 1. 150
554
REGISTER.
deus 2, 232
von De wen der burggraf 5, 244
diätetik, provenzalische 5, 16
Diepolt von Baiern 6, 451
Diefsener grafen 6, 451
Dietlind in der klage 3, 202
Dietrich von Bern l, 373 ft.
4, 579
Dietrich von Bern in der klage
3, 198
Dietrichsbern 6, 156
Dietrichs drachenkänipfe, ge-
dieht 6, 308
Dietrichs flacht, gedieht 6, 160
Dietrichssage, austr. 6, 435
dihle 5, 86
disciplinaclericalis 1, 407. 422
öignu.moii 1, 30
dodi 5, 216
doghen 5, 239
dolde 5, 225
doema 6, 317
donen 5, 182
dorilote 1, 30
dorndr6we 6, 333
dort, trespe 6, 332
douwurz 6, 331
drähan 6, 5
draihen 6, 5
di-äs6n 6, 5
drepa 6, 7
von Dridorf ritler 6. 21
drosla 6, 333
dudr 5, 216
Dugnai 1, 150
dul 5, 225
dula 5, 225
dullhs 5, 224
duinbs 6,11
dun 5, 216
duna 5, 216
dune 6, 330
dund 5, 216
dunda 5, 216
duni 5, 216
dupfen 6, 330
duzen 4, 175
dvali 5, 225
dvina 5, 216
Dvvargonth 1 . 1 50
dylja 5. 225
dyn 5, 216
ealdealdfäder 1, 26
ealdfäder 1, 26
ealu 6, 261
eän 3, 144. 5, 222
Eästgota 6, 458
Ebersdorf 4, 282
Eckard, nieister 4, 497
Eckenlied 6, 526 ff.
Edda 1, 21. 22
egerde 6, 327
Eggehartberc 6. 157
Egidora 2, 535
ehaimem 1, 24
ehealvar 1, 24
ehni 1, 23
eiba 6, 20
eide 1, 25
Eider 2, 536
eidi 1, 25
eigennamen, synlax 3, 134
flKO) 5, 223
Eir 5, 229
Eis 5, 228
Ekendorf 4, 275
tumni'ivAMg 1, 25
elbe 4, 389
REGISTER.
555
* Elisabeth, gemahlin Albr. I v.
Österreich 4, 266
von E 1 111 endorf Werner 4, 284
Ems s. Rudolf
enbiten 5, 180
enblanden 6, 11. 262
Enenkels chronik 5, 252. 268
Engelhard s. Konrad v. Würz-
burg
England, könig von, gedieht
5, 370
entseben 6, 6
enwedele 4, 350
epfeltranc 6, 268. 271
epistelcyclus 3, 440
Eppan 6, 449
Eppenstein 3, 19
-er örtlicher appellativa 2, 191
Eraclius 3. 158
Eraiczin 1, 150
erde der leib Christi 6, 288
kreisförmig 6, 144
kugelförmig 6, 145
Erec s. Hartmann v. Aue
Erentrych 1, 228
erknüren 4, 170
'Eofiftag 'Eoii^g 6, 128
Ernst von Baiern 4, 320
Erpr 3, 151
erqueben 5, 240
erspid 5, 240
erstecken 5, 149
Erwin 6, 449 f.
esche, äscher 6, 429
eisen für brot, für zucker 6, 294
ethla 1, 25
Etzel in der klage 3, 197
Etzel, berg 1, 26
evanarelienharmonie 2, 226
Evas ungleiche kinder 2, 257
experimentum in dubiis 3, 190
Eyr 5, 228
eyra 5, 228
eyrdh 5, 228
eyri 5, 227
Ezagulis 1, 150
Ezernis 1, 150
ezzo 1, 25
f, h, th 2, 555
fabeln 4, 502
Fadir 1, 21
von Falkenberg Rapot 4, 280
fanigold 6, 134
Feirefiz 1, 10
Feldsberg 4, 281
Felix, mönch, mhd. gedieht
5, 424
Fenja 6,134
feudum 2, 557
fimbul- 3, 414. 6, 317
Fischa 4, 284
Fitela 1, 4
fizil 1, 5
fizzilvöh 1, 5
Flandern, grafen von, genealo-
gie 5, 371
Fla\ius 2, 558
flet 3, 388
flexion des subst. abgeworfen
im altnordischen 6, 316
Flos und Blankflos niederd.
5, 405
Folla 2, 189
der Forst in Österreich 4, 263.
274
Förtö 4, 274
fragen und räthsel 3, 25
fraine 5. 88
556
REGISTER.
framea 2, 558
franca 2, 558. 6, 16.
Frank, Seb., zeitbuch 5, 251
Frauke 6, 16
von Franken Wigand 3. 15
Frankenwein 6, 266
Frankfurter deutscher herr vom
vollk. leben 3, 437
Frankreich, königin von, ge-
dieht 3, 434
frau, gute 2, 385
Frauenlob 6, 29
fräule 1, 25
Frea 5, 1
fregen 6, 486
Freiberg s. Johann
Freiburg im Breisgau, bild-
werk 6, 286
Freidank 1,30. 251. 3. 1.278.
4, 129.573. 5,452. 6,494
Freidank, Bernhard 4, 246
Irelsen vor liebe 6, 294
der Freudenleere 5, 242
Freyr 3, 43. 225
Fridebranl 1, 7
Frideschotten 1, 8
Fridlev 3, 43 ff.
Friedrich
von IJraunschweig
erniordcl 1, 428
I, kaiser. Volksbuch
5, 250 ff".
F, kaiser, aus Enen-
kels Chronik 5,268fl".
1, kaiser, aus Hedions
Chronik 5. 267 f.
von Osterreich, der
streitb. 4. 266. 277.
282
friesische Weissagungen 3,457
Frigg 5, 373 ff'.
fringilla 5, 235
fringutire 5, 235
Frisaevo 6, 20
Frisiabones 6, 20
Frodhis mühle 6, 135
Frögertha 3, 43
fronereste 5, 85
Frotho 3, 43 ff.
Früa 2, 189
friihlingsfeier 6, 75 f.
frühlingslieder 6, 75 f.
Fruote von Dänemark 3, 43.
4, 247
luchs und liahn, niederd. ge-
dieht 5. 406
fuchs und krebs, nihd. gedieht
I, 393
fühlen 6, 7
Fuik 5, 373 ff.
Furles so 4, 274
fiifse und bände geschwister
3, 157
von Fufsesbrunnen lionrad
3, 278. 304
Gabie 1, 150
gabilün 2, 1
gädemler 6. 414
gadum 6, 297
gafandus 6, 257
galgan 2. 88
s. gallische rhetorik 4. 463
gamaids 6, 14
gamandria 6, 332
gaphans 6, 257
garäveo 6, 151
Gardoeles 1. 150
";ards 6. 297
REGISTER.
557
Gardunithis 1, 150
gariofel 6, 331
garre 5, 171
gärsecg 1, 578
garst 5, 180
gasöf 5, 220
gaume und himniel 6, 541
Gayol !, 59
gcba 5, 234
gebesten 5, 160
gebi 5, 234
gebrouchen 5, 171
GeQon 1, 95
geist, sieben gaben des h. 2,226
geistliches 3, 437
geizlitze 5, 471
gelle 6, 291
gemach, wunders g. 5. 157
gemeit 6, 14
gemuotvagen 5. 103
genilive vorangestellt 2, 275
geographie des nia. 4. 479
Georg, raugrat" 3, 22
Gepiden, name 6, 257
Gerbart in der klage 3, 200
göre 6, 327
Gerhard s. Rudolf v. Ems
gerigene 5, 140
von Gerlos Wiilfinc 4, 273
Germani 4, 480. 5, 514
Gernot in der klage 3, 193
gero 6, 327
Gertruden minne 1, 422
geseotu 2, 6
gesta Romanorum 1, 408. 422.
2, 571. 3, 440
gesten 6, 528
gestirne 4, 389
Gevekenstein 1, 574
yiVHv 6, 3
Giaflaug 1, 572
Gibichenstein 1, 572
Gibicho 1 , 572 ff.
Gibika 1, 572
gief 6, 257
Gimill 6, 317
girol 6, 332
Giselher in der klage 3, 193
Giuki 1, 572
Giuoithos 1, 150
glaubeusbekenntnis 5, 453
gläzisches christkindelspiel
6, 340
glet 6, 297
glossen
Admonter 3, 368
altsächsische 3, 280
Berliner 5, 208
in Boulogne 5, 205
Brüsseler 5, 199. 200.
203. 204
.in Cambrai 5, 205
Engelsberger 3, 123
Erfurter 2,204. 3, 116
hrabanische 3, 381
Leidener 5, 194. 198.
199
Lindeiibrogs 5, 565
Münchener 3, 383
inS.Omer 5,205.206
in S. Paul 3, 460
Pommersfelder 5,209.
372
Prager 3, 382. 468
Rheinauer 3, 123
Schlettstädter 5, 318
558
REGISTER.
glossen in Valeiicienues 5, 205
Wiesbader 6, 321
glucke 5, 238
glückskugel 6, 146 ff.
glücksrad 6, 134 ff.
glumr 5, 214
glümr 5, 214
gnippe 4, 326 f.
Code 4, 385
Godsche 5, 377
Goe 4, 385
gold im munde 6. 290
Goldemar 6, 524
von Albreoht von
Kemenaten 6, 520 ff.
Goldrun in der klage 3, 203
goltbracha 6, 327
Gondu 1, 150
Gotelint in der klage 3, 202
Gothen in der Krimm 1, 345
gothischeschristcnthuni 6, 401
epigramm in der lal.
anthol. 1. 379
in Spanien 1, 377
i'oixhxov bei Constant. por-
phyrog. 1 ,366
Gottfried von IJouillon 3, 440
Strafsburg 2,389.
4, 513
göuhuon 4, 187
von Greitschenstein der trucli-
sel's 4, 271
grelle 6, 486
greno 6, 325
grensiuc 6, 330
Grieshabers predigten 5, 575.
6, 393
grifen 6, 7
grima 3, 413
gripan 6. 7
Grobs ausreden der schützen
3. 240
grofsvater 1, 26
gTÜn 6, 543
Gruonlant 1, 8
grüz 6, 329
gualdana 5, 498
Giibich 1, 575
Guboi 1, 150
guckahnfrau 1, 23
guckälini 1, 23 ^
Gudrun 2, 1. 380. 3. 186.
5. 504. 6. 62 If.
güggel 1. 23
GumpoUes gige 4, 279
Günther v. Bamberg 2. 226
V. Burgund 3. 193
guomo 6. 542
gurt 6, 297
Gralant 6, 295
284
gramerzie 4, 85
gustare 6, 3
gran 6, 325
gute frau, gedieht 2. 385
grave 6, 151
h, f, th 2, 555
greatgrandfather 1, 26
ha 5, 219
Gregorius 2, 486. s. H;
irtm.
Haager hss. 1, 209
von Aue
Hackelberg 5, 379. 6, 117
von Greifenstein Kraft
3, 8
hacken 5, 499
greipan 6, 7
Hademar von Diezen 6, 45
REGISTER.
559
Hading 3, 43. 48 K.
iiaeres 6, 257
Häey 2, 3
häf'e, 12
hafela I, 136
Hagen in der klage 3, 194 ff.
haihs 6, 11
liaithno 6, 107
Haksclie 5. 377
V. Halberstadi Albreclil 3.289
rialdenberc 4, 320
liainilimciin 1 , 10
Halioruna 2, 539
Halle 5. 511
halts 6. 13
halz 6, 13
Hamadeo 3, 155
Hamdie 3, 155
Haindir 3, 155
hämit 3, 267. 6, 297
liammer, heiliger 5, 72
hämo 6, 297
liände und fülse geschwister
3, 157
liändewaschen vor der niahlzeit
3, 389
iiandschrilten in
Admont 3, 368
Basel 3,42. 4,576. 5,17
Berlin 1, 151. 3, 191.
4, 315. 5. 208
Bern 4, 479
Boulogne 5, 205
Breslau 2, 554. 3, 40.
130. 525
Bronnbach 3, 437
Brüssel 5, 199 ff.
Cambrai 5, 205
La Cava 1, 548
handschrilten in
Einsiedeln 3, 42
Engelberg 3, 123
Erfurt 2, 207. 3, 190
Frankfurt a. M. 1, 428.
5, 463
Giefsen 5, 564. 6, 484
Göltingen 1, 57
Göttweich 3, 299
Haag 1, 209. 2, 302.
3, 218
Hannover 1, 39
Heidelberg 3, 41. 308
Herzogenburg 6, 31
Hildesheim 1. 545. 547.
5, 299
Idstein 2, 193
Insbruck 3. 535
Karlsruhe 4, 513
Kiel 5, 565
Klagenfurt 1, 97
Kleinheubach 3, 432
Kloster Neuburg 4, 284
Königsberg 5, 423
Kopenhagen 5, 9. 6, 349
Lauhach I, 126. 2, 361
Leiden 2, 199. 5, 194 ff.
Leipzig 2, 366. 3. 239.
304. 356. 5. 252
Madrid 5. 1
Marburg 2, 231. 3, 117
Melk 2, 215
3Ieran 6, 413
Merseburg 3, 280
iMünchen 1,30. 117.283.
405. 408. 2, 175. 486.
3, 345.383. 5, II. 17.
252
Nürnberg 2, 130
5f)0
KEGISTER.
handschriften in
Oldenburg 3, 457
S.Omer 5, 205 ft'.
Paris 1, 389. 513
S.Paul 3, 460
Poramersfelde 5, 209
368 ff.
Prag 3, 382. 468
Rheinau 3, 127. 518
Rom 1,548. 2,215. 5,32
Salzburg 5, 33
Schlettstadt 5, 318. 418.
421
Stockholm 5, 404. 412
Strarsburg2,570.3, 13 .
534. 5,33.413.417
Stuttgart 4, 513. 573
Valenciennes 5, 205
Vorau 2, 223
Wien I, 393.438.563.
2, 130. 187. 216. 385.
560. 3, 381. 4, 247.
318.401. 5,33.71.75.
6, 27. 193. 496
Wiesbaden 6. 321
Würzburg 3, 435 11". 5.
421 ff.
Zerbst2, 276. 3,226. 230
Zürich 1, 126. 2, 541.
3,41. 4,398.478. 496.
574. 5,
293. 6. 279.
286. 301. 304
hanfs 6, 12
hapuh 1, 572
Hardeck 4, 245. 279
Harfe, frau 4, 386
-hari namenendung 3, 139
Hariger, abt von Laubes 5, 77
Harke, frau 4, 386. 5, 377
harst 5, 180
-hart 1, 575
Hartberc 4, 281
Hartmann von Aue 2, 187.
389. 486. 3. 266. 4. 395.
580. 5, 33 If.
hasehart 1. 575
von Haslau Kadolt 4, 273
Konrad 4. 246. 257
Otto 4. 273
haube i. 136. 5, 219
haudhr 5. 218
Haug V. Salza s. Salza
Trimberg s. RenncM'
Haugdieterich, gedieht 4. 401
haul 5, 223
haupt 1, 136. 5. 219
haurire 6. 4
haus kleid leib 6. 297
von Hausbach der schenke
4. 282
hausehrc 6, 387
hautr 5. 214
hauvilha 5. 219
Havamal 3, 385
Hawart in der klage 3, 202
heafela 1, 136
Hedensee 2, 4
Hedhinsey 2. 3
hedinn 3, 411
Hedions chronik 5. 267
heidan 6. 407
Heideuwolf Heidloif 2. 2
heidin, gedieht 5, 4 f. 370
heilaud 6, 412
Heimburg 4, 268
Heinrich abt von Admont 4,
269. 276
prior zu Basel 4, 573
REGISTER.
561
Heinrich von Rispach 6, 188
von dem Türlein 3,
267. 384
von Veldeke 5, 7(5
Heinricus scriptor 6, 187
Heinzelein von Constanz
3,442. 4,496. 6,318.529
Heitfolc 2, 255
Hei 3, 225
Helbling, Seifr. 4, 1 ff. 5,471
heldensage, deutsche, im lande
der Zähringer und in Hasel
6, 156
von Helfenstein Wiibirgis
4, 268
Helferich von Lunders 6. 439
Lüne (), 438 f.
Lutringen 6,439
helis 3, 146
hellegräve 6, 149
helliruna 2, 539
helljäger 4, 391. 6, 117. 133
Helmbrecht, meier 3, 279.
4, 318. 579. 5, 471
helmschmuck. 2, 251
Helpfrich in der klage 3, 200
Heisingas 6, 65
hemede 6, 297
Henden 2, 2
hengel 6, 266
Heorrenda 2, 4
hepa 6, 326
herleva 6, 327
Herlinl in der klage 3, 203
Hermann von Baden 4, 277
Polen in der klage
3, 201
Herrant 2, 4
Herrat in der klage 3, 201
Z. F. D. A. VI.
herrle 1, 25
hert 6, 528
Heruli 6, 16. 257 f.
name 6, 257
herzen, neun 2, 540
Hessen, blinde 6, 254
Hetan 2, 2
Hetanwolf 2, 2
Heltel 2, 2
heunischer wein 6, 267
hexameter, deutschlateinische
5, 413
hi 5, 219
Hialprekr 6, 439
Hiarrandi 2, 4
Hildburg in der klage 3, 203
Hildebrand in der klage 3, 200
Hildebrandslied 3, 447
Hildegard, die heilige 6, 334
Himberc 4, 284
himmel und gaume 6, 541
himmel und hölle ahd. 3, 443
himmelgraf 6, 151
hiol 5, 223
hiom 5, 218
hiön 5, 219
Hippocras 6, 275
Hirschstein zerstört 6. 60
Hithinsö 2, 3
hiuue 5, 213
Hiuteger 1, 7
hiuze 5, 214
hliuma 6, 5
hliumunt 6, 5
hlojan 6, 434
hlosen 6, 5
Hlud- 6, 433
hlust 6, 5
hobel 4, 19. 5, 178
36
562
REGISTER.
höcJigemuol 1, 198
hochzeitgebräuche, slavische
6, 462
hodma 5, 219
Hohenstein 4, 319
hol 5, 224
hol! 5, 224
höll 3, 403
von Holle Berlold 1 , 57. 2, 1 76.
5,368
holmr 5, 223
Hood, Robin 5, 480 ff.
Hooden 5, 476
hoppaldei 6, 81
Horant 2, 4
beeren 6, 4
, aufhören 5, 150
bornunc 4, 361
hornval 6, 416
hosa 6, 297
boubit, Caput aquac 6, 3
hovel 5, 220
hovelanzsanc 3, 220
brcna 6, 6
brina 6, 7
hrinan 6,j6. 7
hruf 6, 326
bruoran 6, 7
hüba 5, 219
bübel 6, 325
hübe 6, 325
Hüc von Teneniarko 6. 440
hüdb 5, 218
biifa 5, 219
huffo 6, 325
hülr 5, 219
Hugas im BeovuU 6, 437
Hugdictericii 6, 441 f.
Hugleikr 5, 10
Hugo de S. Victore 2, 7
Ripilinus 4, 573
Hugones nr Franci 6, 437
huhn, zerbrechen wie ein 4,382
buif 5, 220
Huiglaucus 5. 10
huni 5, 219
hünia 5. 219
bümr 5, 218
bumra 5. 218
bini 5, 214
hunde mythologisch 6, 131
hiinisc drübo 6. 267
hüs^re 6. 387
hvalr 5, 224
bvel 5, 224
bver 5, 226
hvilban 5, 224
bvimbra 5, 218
bvippr 5, 218
bwisbalön 5. 219
hvisl 5, 219
hvoli 5, 224
hydhi 5, 218
Hygd 6, 443
Hygeläc 5, 10
hyma 5, 219
hyr 5, 226
byra 5, 226
iavoi 5, 228
Ibser fcld 4. 263
i^ijdh 5, 233
ibrzen 4, 175
Ilgi 1, 150
Indras 5. 485 ff.
~ipeq 5, 223
iniseffan 6, 6
lonakr 3, 151
irch 4, 94
REGISTER.
563
Iring in der klage 3, 202
irqiiepan 5, 239 1".
Irrcfogelc 1, 428
k 5, 223
Isiocon 2, 534
isope 6, 331
italiäu. liebeszauber 6, 299
itwaege 5, 173
iumjö 5, 217
iusila 5, 228
Iwein hs. 2, 187
Jäger, wilder s. Hackelberg
jahrsgang 4, 508
Jeucz, Job. 2, 362
Jerusalem, d. hinimliscbe 2,227
jesen 4, 261
Johann von Freiberg, summe
3, 438
Mandeville3,439
Würzburg 1, 214
Jornandes 6, 458
Judith 2, 225
von Jülich Gerhard 3, 11
Jungfern, weifse 4, 392
jüngster tag 1,117. 3,523
Juppiter 2, 234
kaf 5, 240
käfermäfsig 5, 230
kafi 5, 229
kafna 5, 230
Kaiomorts 6, 19
kaiserchronik 2,223. 4,431
kamele in Toscana 1, 394
XttjWTTTCÜ 6, 12
Kafinvlog 6, 12
von Kapellen Ulrich 4, 270.275
yianvög 5, 230
KÜnvg 5, 230
xunvbi 5, 230
kara 5, 229
Karadie Karadin 1, 8
Karajans Sprachdenkmale G, 1 92
kari 5, 229
Karl der gr. in Spanien 1 , 97
leben, dänisch
5, 412
liedersamml. 6,435
der vierte, summa can-
cellariae 6, 27
kärna 5, 229
karra 5, 229
von Katzenellenbogen Eber-
hart 3, 17. 6, 25
von Katzenfurt Heinrich 6, 21
kauderwälsch 4, 578
kaudhi 5, 222
Kaukie 1, 150
kaur 5, 229
kaura 5, 229
kelja 5, 229. 240
xiy.a(f)ri(j)g 5, 230
keltisches in Belgien 4, 567
zur deutschen ety-
Oiologie 3, 224.
5, 509 ff.
zur deutsch, gram-
matik 3, 182 If.
531 ff.
V. Kemenaten Albrecht 6,520ff.
kepa 5, 234
kerren 6, 486
kerze syrabol 6, 282
keverbiunt 4, 252
keyf 5, 229
keyfa 5, 229
kiesen 6, 3. 6
kiesen theilen wählen 2, 547.
6, 316
36*
564
REGISTER.
Kiosa 6, 316
kipperwin 6. 267
Kirbixlu K 150
von liiereiiburg Dietrich 3, 24
kirioha 6- 409
Kirnis 1, 150
kiusan 6, 6
klar 5, 235
klächel 5, 237
kläcka 5, 236
klagbauni 4, 255
klage 4, 192
Verhältnis zu den Nibelun-
gen 3. 19311".
klak 5. 235
klaka 5, 235
klaklaus 5, 237
klaklos 5, 237
Klanials 1, 150
klaniirre 5, 471
kicck 5. 237
klecken 5, 23.") 1'.
klecks 5, 237
kleid 6. 297
kleider jreundesuahcn 3. 'lOO
kleka 5, 235
klekan 5, 235
klekja 5. 236
klofki 5, 237
kloekiskapr 5. 237
kloekr 5, 237
yj.vfii 6, 5
knugcl 6. 326
koch 4. 362
kochbuch'5, 1 1 H'.
koefa 5. 230
Kolnias 3. 383
von Kolocza bischof Johannes
4, 283
■Ao).ÖKrf.w. 5, 224
m}.öy.vi'Ou 5, 224
Koltki 1, 150
•AOf.o'ivr, 5, 224
königin von Frankreich, ge-
dieht 3, 434
Konrad von Fufsesbrunnen 3.
278. 304
Megenberg 3, 437
Wintersteten 1,
194 ff. 3, 435
Würzburg 2, 370.
380. 3, 534. 4,
400. 555. 573.
6,141.153.193.
399
köpa 3, 393
kosmogonie, alllViesische 1 , \
kränier. der geistliche 3, 437
Kranich. Siegfr. 6. 25
Kremata 1, 150
Kreuzenstein 4, 271
kreuzzüge. gesch. der 3. 434
kriechen 5, 230
Krienihill in der klage 3. 193 ff.
Krikslhos 1, 150
kristen 6, 487
der von Kronenberg 4. 497
von Kronenberg Wilhelm 3. 24
krosel 6. 325
krospel 6. 325
Krukis 1. 150
krnselin 6. 330
krussbein 6. 325
küchen 5. 230
kuffe 5, 220
kuflkulr 5. 220
kiiga 5, 220
kuh, schwarze 4, 504
REGISTER.
565
kühn 6, 543
kuif, I, 137. 5, 220
küle 6, 486
kumpf 4, 357
kiinigel 6, 333
kunst 3, 391
Kuonrinc 4, 245. 271. 276.
280. 281
kuppe 1, 137. 5, 220
küra 5, 229
kurfa 5, 229
kurr 5, 229
kurra 5, 229
kurur 5, 229
Kurwaiczin 1, 150
Kurzibold 3, 188
kvatna 5, 230
kvefja 5, 230
kvi 5, 230
•xvxkog 5, 224
xv^fuxi^ 6, 410 f.
kyrd 5, 229
kyrr 5, 229
xMq)ög 6, 12
La 4, 265. 281
lam 6, 14
langobardisches vvörleib. 1,548
lanne 5, 163
laut 5, 216
Laren 6, 129
von Larheim 31arkolf 3, 24
Lasdoua 1, 150
Lasicz 1, 137
lateinische gedichte 5, 464 fF.
Lauber, Diebold 3, 191
laune 6, 143 f.
Laurenburg 3, 24
Laurin, gedieht 5. 371
lauschen 6. 5
Lawkpatimus 1, 150
leben, vom vollkommenen3, 437
lebensalter 5, 508
lebenslicht 6, 280
leche 4, 85
lecke 5, 94
leich 6, 91
niederrheinischer 3, 218
leichen 5, 171
von Leiningen Emicho 6, 23
leithu 6, 269
von Leugenbach der donivogt
4, 276
von Lengeubaeh Friedrich 4,
270. 275
Leonbach 4, 318
de Leone Michael 3, 441
S. Leonhard im Forst 4, 274
Leopold VI v. Österreich 4, 277
lerahhä 5, 14
lesen 1 , 42 ff.
leumund 6, 5
Leupold V. Bebenburg 3, 442
liana 1, 1
licheraede 6, 298
lidhr 6, 269
liebeslied 5, 418
liedersammlungen s. strophen-
anfänge
Liehtenwert 4, 272
Ligiczus 1, 150
lihhamo 6, 298
lihtsenfte 3, 376
Lilienfeld 4, 259
Lilienporte 6, 449
von Lindauen Siegfried 3, 24
liodhahattr 3, 94
lit 6, 269 f.
lith 6, 269
566
REGISTER.
Liubenbach 4, 318
Liudiger v. Frankreich in der
klage 3, 203
liumenl 6, 5
16 6, 328
Loki 3, 225
losen 6, 5
loterpfaffen 2, 68
lovinke 5, 14
liichlemännchen 4, 394
liiderer und minner, gedieht 5,
370
Ludgasl, Helferichs bruder
6, 439
ludröni 6, 544
Lüesnitz 4, 254. 264
iiigenmärchen 2, 560
Luibegeldas 1, 150
Luna, Stadt 1 , 395 (f.
lüne 6, 143 f.
luoc 6, 4
luogcn 6, 4
luterlranc 6, 277 f.
Machland 4, 264
niadal 2, 559
Madoc 4, 565
mahal 2, 559
mal 2, 559
nialbergische glossen 2, 158.
297. 500. 572
malbole 1, 206
inalcrkunst zur zeit Karls des
vierten 6, 28. 30
Mamurius 5, 492
mancus 6, 14
Mandeville 3, 439
Manen 6, 129
inanicslahl 5, 117
Mannus 6, 19 f.
mantel 6, 298
Marcheck 4, 265
von Marcheck Konrad 4,7282
märchen 1,202. 2,358.481.
3, 35. 292
Marcopollus 1, 150
3Iargareta, gedieht J, 150
Margareta maultasch 6, 27 f.
31argreten, dorf 4, 274
Älarien himnielfahrt 5, 515
Marien klage 3, 479
3Iarienleben 5, 371
Marienlegenden 2, 9
Marienieich ausArnsteiu 2,193
Marienlieder 2, 226. 3, 130.
5, 419. 6, 478
marul 5, 488
Märutas 5, 488
Mars 5, 491
Massidam 1, 11
Mateläne 2, 3
Matergabia 1, 150
nialhl 2, 559
von Mayle Konrad 3, 25
racerfahrl Wiener 5, 243
von Megenbcrg Konrad 3, 437
Megrani 1, 10
von iMeissau Otto 4, 280
Stephan 4, 270
mcisler, die sieben weisen
3, 438
zwölf zu Paris 4, 496
Melanthon 2, 260
nielda 6, 331
Meleager 6, 280
Meraner stadtrechl 6, 413
von Merenberg ritter 6, 22
Merovech 6, 430 f.
Meroving 6, 431
REGISTER.
567
ineroviugischc slainmsage G,
431
Merseburger gcdiclile 2, 188
Merliiisdorf 4, 274
Mervve G, 433
Meschia u. Meschiaue 6, 19
messgebräuche I, 270
niete 6, 261
nieth 6, 261 ff.
Metz s. Walther
Michael de Leone 3, 441
Miechulele 1, 150
von Milvesheim Wilh. 6, 25
miunewurz 6, 331
minoritenregel 5, 461
minza 6, 332
raisencar 4, 10. 187
Modeina 1, 150
Modir 1, 21
moldthinur 6, 317
des mönches uoth, luhd. gedieht
5, 425
niond als rad 6, 143
Monefonsus 6, 539
von Monfort Kuno 6, 25
raoratum 6, 272 f.
niöraz 6, 273
mordsühnen 6, 21
mörkrüt 6, 332
vonÄIorungen Heinrich 4, 246
Mosis bücher 2, 225
most 6, 271 f.
inühle mythisch 6, 135
mühh-adsprache 4, 511
munjafuns 6, 539
muosen 5, 93
muotvagen 5, 103
Murraue 4, 386 ff.
müschen 4, 361
mus|)illi 3, 226
gedieht 3, 452
niutus 6, 13
mythologisches 1, 1. 95. 137.
577.578. 2,188.231.252.
257. 535. 3, 43. 151.224.
358.447. 4,385.500.508.
5, 1. 69. 72. 472. 494. 6,
15ff. 59 ff. 117 ff. 191
name, mannes n. u. dgl. 6, 299
namen auf -chari, -hari, -ar
3, 139
nasecros 6, 325
von Nafsau Adolf 3, 2 ff*. 6, 25
Robert 3, 18
nastahit nastait 4, 472
nebo 6, 541
negrepies 1, 10
aehrung 6, 460
Neidhart 4,321 6, 69 ff.
ncorxu 6, 461
nerüngr 6, 460
Nibelunge 1,111. 2, 544. 4,
216. 247. 579
sage in der klage
3, 193 ff.
Nibelunges hört 6, 134
nickelmann 5, 378
Nicolaus von Wyle 5, 76
niederdeutsch, grammatische
bemerkungen 3, 53
niederdeutsche gedichte 5,
404 ff.
Urkunden 3, 226
niederländ. reimsprüche 6, 161
niederrheinischer ieich 3, 218
Niemiec 6, 13
Niördhr 6, 460
niörun 6, 461
568
REGISTER.
Nitiger in der klage 3, 203
iiiiiklahs 5, 236
niimlierzic 2, 541
Njördlir 3, 49. 226
nobiskrug 4, 388
nordhr 6, 460
Normanfe Ormanie 3, 187
Norn 6, 461
Nornagestssage 6, 280
Noydekin 1, 228
Nuleidimas 1, 150
Numeias 1, 150
von Nuveren ritter 6. 2 1
nyklakinn 5, 236
Occopirnus 1. 150
ochse 2, 559
oeden 5, 177
Odhinn 3, 224. 6, 18
6di 5, 214
oft- 3, 147
o'idpov 5, 233
oivn 5, 233
ohog 5, 223
ol, öl 6, 261
öl 5, 223
oldemoder 1 . 24
oldevader 1 , 24
olog 5, 222
'6)m).u 5, 222
Ott 3, 144
Opici 2, 559
ops 2, 559
ora 6, 4
noüi/ 6, 5
örcros 6. 325
Orendel, gedieht 1. 117
Ormanie 3, 187
ofjog 5, 227
Orlhus 1, 150
Orllanl 2, 5
örtliche appellativa 2, 191
Ortlieb in der klage 3, 198
Ortsnamen als personennamen
5, 14
Ortwin von Metz 6, 440
örvesi 5, 228
6s 5, 228
osan 6, 4
Osantrix 6, 446
Osening 3, 219
Oserich 6, 446
6.st 5, 228
oslercyclus 2, 570
osterlicd 1. 546
Österreich
handel 4, 261 t.
landschreiber 4. 267
landtage 4, 258
osterspiegel 2, 302
öslerwin 6, 267
Ostrogota 6, 458
S. Oswald 2, 92
Otackorkönigv. Böhmen 4,573
Otackers chronik 3.278.279.
4. 262. 336.
Ötscher 4, 276
Otto von Freisingen 2, 223
Pafsan 5, 371
ovQuvog 6, 541
op^of 5, 227
ouse 5, 228
Ouse 5, 228
ousy 5, 228
overaldervader 1 , 26
overancho 1, 22
overano 1, 22
owze 5, 228
Ozinek 1, 150
REGISTER.
561)
palatuin (5, 542
Fanlaleon 6, 193
papst 6, 409
Pargni 1, 150
Pargunas 1, 150
Pariser hohe schule 4, 496
Parzival, Chronologie 6, 465
pasquill auf den prolest, krieg
6, 538
V. Palsau Otto s. Otto
passionspiel, Alsfelder 3, 477
patzeide 6, 416
Paulus bekehrung 3, 519
Paulus diaconus 5, 1
Peilstein grafschaft 4, 274 ft'.
Percunos 1, 150
Pergrubrius 1, 150
Perlevenu 1, 150
Pernhetan 2, 2
Pesseias 1, 150
Petrarca 6, 28. 30
Petrus wandernd 2, 266
= Wodan 6, 132
Petrus Alphonsi 1, 407. 422
pfaffo 6, 408
pfahtsniden 2, 81
pfefferkrut 6, 331
pfeit 6, 297
herr pfenning 6, 301
pfnehen 5, 83
pfnurren 5, 83
pfuchähni 1, 23
pCundloch 6, 329
Phälguna 5, 486
Philipps 3Iarienleben 5, 17
Phnurro 5, 83
Phol 2, 252. 5, 69
Pholesauwa 2, 253
Pholesbrunno 2, 253
Phulsborn 2, 252
pigment 6, 273 f.
Pilatus, lat. gedieht 5, 293
von Pilchdorf Konrad 4, 272
Pilgerini von Pal'sau 3, 196
Pilstein s. Peilstein
Pilvitus 1, 150
Piuchrich 4, 265
Pizio 1, 150
plischel 4, 229
ploughmonday 5, 484
Pocolhis 1, 150
Polengabia 1, 150
S. Polten, tuch daher 4, 252
Pölting^re 4, 252. 281
Potrympus 1, 150
Pottendorf 4, 274
prangen 4, 29
Präteritum in Sprichwörtern
6, 287
predigten 1,285. 2,227.350.
5, 421
presse 5, 103
Prigirstitis 1, 150
Primas 4, 573
Priparscis 1, 150
Priuzel 4, 282
procession zu Zerbst 2, 276
7T(jOf.lUl<lltj 1, 25
pronominalsuflix .y im altnord.
6, 315
nfjoTTUTirtog 1, 25
prosaromau von der tafeirunde
3, 435
provenzalische diätetik 5, 16
proverbia Salomonis 3, 128
psalmenübersetzungen 2, 236.
3, 443
Pulka 4, 253
570
REGISTER.
der Püller 6, 398
l)untlocli 6, 329
punze 4, 128
Püterich von Reicherzhausen
5, 75 f.
Püterichs von Reicherzhausen
ehrenhrief 6, 31 ff.
Pulscelus 1, 151
Pyraraus und Thisbe 6, 504
qvaf 5, 240
quahtila 6, 333
quairrei 5, 229
quarta 5, 229
quave 5, 230
quef 5, 230
queifr 5, 220
queo 5, 220
queran 5, 229
quiba 5, 240
von Rabenswahl Berchtohl
4, 267
rad hihi der sonne und des
mondes 6, 143
rad des j^Iückes 0, 13411".
RadiboU, lied 6, 5911'.
Ragaina 1, 150
Ragz 4, 250
von Randeck Dietrich 3, 19
Eberhard 0, 25
Randolt im Riterolf G, 453
rappo G, 329
Ralainicza 1, 150
räthsel 3, 25. 3951.
der riiuber, mild, gedichl 5,431
raugraf Georg 3, 22
Rauguzomapatis 1, 150
Raumeland 6, 284
rebeslichil 6, 333
Recaranus 6, 128
rechtsbücher 5, 461
reduplication 3, 531
regimen sanitatis 2, 8
Regner Lodbrog 3, 46
Regnilde 3, 48
Reichersdorf 4, 282
reie G, 79 ff.
Reinardus, gedieht 6, 286
Reinmar von Zweier 6, 137
Rekicziovus 1, 150
Remisol 6, 540
Renner 4,512. 5, 371 . G, 495
Rhein verbrannt 6, 501
von Rheiusberg Johann 3, 24
Rheinfranken in der klage
3, 193
Rheinwein 6, 265
rhetorik, s. gallische 4, 463
riechen 7, 6
Rienolt im Biterolf 6, 453
riesen 4, 392. 502 ff.
Rimisauil 6, 540
rinan 6, 7
rinder, mythologisch 6, 432
ring, kugel 6, 147
ringe von glas 6, 306
Ripilinus, Hugo 4, 573
von Rispach Heinrich 6, 188
risl. ristc 6, 325
Riuze, sprichwörtlich 4, 381
rogzajre 4, 218
rohen 5, 1 17
Rolandslied 3, 281. 4, 123
Rom und der plenning 6, 301
roman de Roncevaux 6, 288
Rosengarten, gedieht 5, 369-
371
rotel 6, 333
Rotenstein 4, 270. 273
REGISTER.
571
Rolher 6, 446 ir.
roudil 6, 333
rozeii 5, 181
riiaba 6, 150
ruc 4, 22
Rüdiger in der klage 3, 201 f.
graf Rudolf 2, 235
Rudolf von Ems 1,199 ff. 209.
3, 275. 446
Habsburg
hof zn Nürnberg
4, 278
in Österreich 4,266.
279
königswahl 4, 278
landfriede 4, 254
Urkunde 6, 23
rüeren 6, 7
der rügen buch 2, 6
ruh 6, 333
rühren 6, 7
Rümelant 6, 284
Rumolt in der klage 3, 194
runga 6, 326
ruoch 6, 333
Ruodlieb 1, 401
ruova 6, 150
Ruprecht vom kreuzz. Gott-
frieds V. Bouillon 3, 440
knechl Ruprecht ä, 473
Rufse sprichwörtlich 4, 381
Ruz 4, 381
Saale 5, 511
Sabene 6, 453. 457 ff.
H. Sachs 2, 257
Sachse, wilder 4,336. 6,254.
523
Sachsendorf, der von 1 , 240
safjan 6, 6
Safrags 6, 539
Sahse 6, 15 f.
Salaura 3, 186
Salaus 1, 150
Swldcn tor 2, 535
salisches gesetzbuch 2, 158.
297. 500
Salomo 2, 225
Salomonis proverbia 3, 128
von Salza Haug 3, 275. 4, 395
samogitische götter 1, 137
sanitatis regiraen 2, 8
sapere 6, 6
Saramä 6, 119 ff.
Sarameyas 6, 125 ff.
sarg 6, 297
Safs, berg 4, 265
säur 5, 227
schachzabel sprichwörtl. 6, 495
schaggün 2, 59
schaudern 5, 222
schauen 6, 3
Schauspiele 2, 264. 276. 302.
schefde 6, 328
Scheiben, spiel 6, 147
schenk, schenken 6, 191
Schetsch 4, 265
schiben, spiel 6, 147
schiez 5, 95
Schilles 6, 449
Schiltunc 1, 7
schitere 5, 172
schlaudern 5, 222
Schlauraffe 2, 564
Schlesier eselfrefser 6, 254
schmecken, 6, 7
schocke 4, 307
V. Schönebeck Brun 3, 525
V. Schonenbere Friedrich 6, 25
572
REGISTER.
schoenez brot 5, 13
schottische Überlieferung deut-
scher stamnisage 2, 533
schrsejeu 6, 291
Schreiber, der tugendh. 6, 186
schretel und wafserbär 6, 174
schriben 6, 150
Schüler, gedieht 5, 370
schulterblattschau 6, 536
Schwaben, charakter 6, 259-
name 6, 260. die sieben
6, 258
schwäbischer adel am hofe
Albr. I V. Österreich 4, 253
schwedische volkssagen 4, 500
Schwerter, zwölf 2, 540
scire 6, 2
scoplii ludus 2, 263
Scräwunc 6, 290
Seafola 6, 458
seejungfern 5, 378
segensformeln 3, 41. 358. 4,
390. 576. 5,380. 6, 299. 487
de Segheler, nd. ged. 5. 405
sehen 6, I
Seifrieds Alexander 4, 248
Seifried Helbling s. Helbling
seil bei landcstheilung 2, 545
Semernic 4, 281
Semnones 6, 260
seotu 2, 5
Servati US 5, 75 tt".
sestsere 6, 329
der Setzer, Dietmar 6, 399
seyrma 5, 227
siaza 2, 5
Sibika 1, 572
Sibini 6, 260
Sicco ! , 3
sicera 6, 270
Sidzius 1, 150
Siegfried 3, 43
in der klage 3, 195i
siegring 3, 42
siegstein 3, 42
sife 6, 487
Sigar 3, 44
Sigeher in der klage 3. 203
Sigelinl in der klage 3, 203
Sigenot, gedieht 5, 245. 526 ff.
Sigeo 1, 3
Sigeram 1, 11
Sigestap in der klage 3, 200
Siginiwi 1, 4
Signy 1 , 4
Sigurdhr 1, 4
Sikies 1, 150
Siliniczus 1, 150
silpnas 6, 12
sim 4, 222
Simonaitis 1. 150
sinder 1, 6
Sindolt in der klage 3, 194
SinfKitli 1, 4. 6
sinne, lexicologisch 6. 1
sinopel 6, 276
Sintarlizilo 1, 2
Sinthgund 2, 190
Sintleoz 2, 254
Sintram 6, 158(1".
in der klage 3, 203
sioli 5, 226
sioza 2, 5
aiTTUA.O'i 6, 1 1
Sirene 6, 153
Siriczus 1. 151
von Sitzenberge Konrad 4, 282
siuks 5, 214
REGISTER.
573
siuthan 5, 215
aiqlo^ 6, 1 1
Skadhi 1 , 3
Skierstuwes 1 , 1 50
slepy 6, 12
sljep G, 12
Sliuiiz 4, 245. 280
Slüch 4, 335
Smaragdus 1, 388 ff.
smeckeii 6, 7
sniele 5, 471
smergela 6, 332
Smik 1, 150
snioc 4, 32
snapdragon 5, 484
snegelle 6, 291
siiuz 6, 325
sofou 5, 220
söhn, der verlorene, niederd.
gedieht 5, 404
solidiis 5, 226
sollr 5, 226
solum 5, 226
somraerfeier 6, 75 f.
soramerlieder 6, 79 ff.
sonne als rad 6, 143
söpa 5, 221
sordidus 5, 227
sori 5, 227
Sörli 3, 151
spähe 5, 95
von Spanheim Johann 3, 1 1
spargolzen 4, 323
specus 6, 4
Spehthart 4, 323
speideln 5, 240
speisen 5, 11 ff.
speit spelte 6, 327
der Sperber, nilid. gedieht 5,424
Spessart 4, 321
Spiegel der gottheit 3, 441 !
Vollkommenheit 3,
439
spiele 2, 59
Spinnrad 6, 135
Spottnamen der völker 6, 254
Sprichwörter 3, 128. 388 ff.
6,290. 294. 304. 306 f.
in der Edda 6,316
Sprüche, lateinische 6, 304
sruba 6, 329
Srutis 1, 150
Slam 6, 13
stama 6, 13
der von Stamheim 6, 398
stammalon 6, 13
Stamms 6, 13
stammsage der Deutschen 2,
533. 6, 15 ff.
stamr 6, 13
Starhenberg, Starkenberg
4, 284
von Steinach Rudolf 1 , 1 99
steinvarn 6, 331
ster getreidemafs 6, 423
stichelinc 5, 14
stier, mythologisch 6. 432
, schwarzer 4, 504
Stierkopf in Childerichs grab
6, 434
stigqvan 6, 6
stinkähni 1, 23
stinken 6, 6
stöckva 6, 6
stöle 5, 68. 171
storro 6, 327
von Strafsburg Gottfried s.
Gottfried
574
REGISTER.
Strein, Richard 1, 3 15f. 2,199.
4, 248
der Stricker 1,393. 3,432.
Strophen, eingangstrophen der
minnelieder 6, 77 f.
strophenaufänge d. liederhss. in
Heidelberg 3, 308
Leipzig 3, 356
Würzburg 3, 345
Strophenbau der minnesäuger
6, 83 ff. 112 f.
stüden 4, 71
stum 6, 13
stumr 6, 13
stumra 6, 13
stupa 6, 329
suah 6, 5
sudda 5, 215
sudor 5, 233
sueh 6, 5
suehhado 6, 5
suehhan 6, 5
suehhar 6, 5
suclan 5, 225
sueUan 5, 226
suelli 5, 226
suero 5, 227
Suevi, name 6, 260
sufan 5, 220
suidan 5, 215
suil, suild 5, 226
suilizon 5, 225
sül 5, 225
süla 5, 225
sum 1, 579
sumelich 1, 579
sümic 5, 216
sumjau 5, 216
sumlh 3, 147
von Sunberg ritter 4, 271
sund 3, 147
supön 5, 220
sur 5, 227
surdus 6, 13
Surtr 6, 317
Suso, buchd. e\\. weish. 3, 440
susurrus 5, 219
sväc 6, 5
svadhol 5, 216. 225
svak 6, 5
svaka 6, 5
svaela 5, 225
svalir 5, 225
sväpan 5, 221
svarra 5, 219
svart 5, 227
Svasi 5, 219
Svävfee 6, 20
sveipa 5, 221
sveipr 5, 221
svella 5, 226
sverrir 5, 219
svidha, svidha 5, 215
svil 5, 226
sviman 5, 216
svipa, svipa 5, 221
svipan 5, 221
svipr 5, 221
svipta 5, 221
svoli 5, 225
swadem 5, 215
Swanevelt 4, 261
swecher 6, 5
sweUa 6, 328
Swenimelin in der klage 3, 204
swemnien 3, 274
syla 5,: 226
sylla 5, 226
REGISTER.
575
sylle 5, 22G
syrioltr 5, 227
Syrilha 3, 52
syrja 5, 227
Syvard 3, 44
Szlolrazis 1, 150
Tacilus Germania 5,77. G,15fF.
lafelrunde, prosaroman 3, 435
laka 6, 7
Tanhausers hofzucht G, 488
tastare 6, 7
tasten 6, 7
Taswirzis 1, 150
täter 6, 7
taube, eigenschaften 1,155.280
von Taufers Hang; 4,258. 2G8.
273
tavjan 5, 222
Tawals 1, 150
Tebein 5, 244
tehtier G, 8
teinn 6, 317
leite 1, 25
Teiteberg 1, 2G
tßkan G, 7
von Telesbrunn ßernold 4, 272
Tengelinj;en G, 450
TfTvi.ißo}i^tf'i'og 1, 25
teythi 5, 222
th, f, h 2, 555
Thebein 5, 244
theilenu. wählen 2,542.0,316
Theodorich, austras. 6, 436.
442 ff.
Theodorichs grabmal 1,373 ff.
Theophilus, niederd. 5, 405
{^(ög 2, 232
Ihicgan G, 7
thiersage 3, 186
thiggean 6, 7
thiggja 6, 7
thinur G, 317
thiodan 3, 392
Thoinasin von Zirclaerc 2, 45.
3,192. 5, 241 f. 6,292
thor des glückes 2, 535
Thorr 3, 224
threifa 6, 7
Tiernstein 4, 245. 280
Tiklis 1, 150
timpen tampen 5, 500 ff.
tinnekleider 1, 11
tip- 1, 24
tir 3, 413
tisch der band 3, 271
Tilurel, jüngerer 5, 494 ff.
todtenreich in Britannien 6,191
tofwurz G, 331
tolde 5, 225
topf 6, 330
tornoise 1, 93
tos 5, 222
Totila 6, 540
tolo 1, 25
toum 6, 5
toup G, 12
Tragemunt 3, 25. 30
Tratitas 1, 150
Traugemunt 3, 25
V . Trautmannsdorf, ritter 4,273
trauung 2, 548
Travellers song 6, 436 f. 453.
458
Trebensö 4, 265. 275
trefan 6, 7.
Treisenmauer in der klage
3,214
Trierer wein 6, 264
576
REGISTER.
trihtari 6, 329
trinken, mafs 0, 261
trobar 6, 7
Irolgast 5, 462
der von Trostberj; 6.
trouver 6, 7
trovare 6, 7
Trünvelt, 4, 265
tschaugan 2, 59
Tuisco 6, 19
Tuiner feld 4, 263
lump 6, 12
lunc 6, 330
luofwre 4, 21
Türlin s. Heinrich
tütelen 5, 165
tviden 5, 222
Ividhig 5, 222
Twerficos 1. 150
Tybein 5, 244
t\ja 5, 222
f jr 3, 225
Tyrol und Fridebranl
ncf/.ö,' 6, 1 1
Überdon 5, 127. 182
Ublanicza 1. 150
Uboze 1, 150
iietelgöz 1, 578
ua 3, 147
ülfheit 4, 53
Ulfilas I, 296 ff
iilven 4, 53
Umlaut 2, 268
underslröu 4, 256
ungahiuri 5, 226
Ungarn 4, 2591". 266
unhiuri 5, 226
unhyre 5, 226
unio 5, 233
Uota 1,21
Uote in der klage 3, 193. 196
lir, ürig 5, 227
urähni 1, 23
398 urano 1, 22
urere 5, 228
urina 5, 227
urri 5, 228
usli 5, 228
uvidus 5, 227
Uzense 4, 254
vach 5, 150
Vada 2, 5
Vadhi 2, 5
vahsjan 5, 223
vakr 5. 223
Valas 6, 124
Valentin und Nanielos 5. 404
Välse 1. 3
vanim 5. 217
vammar 2, 517
Vandalen 1, 384 ff.
1. 7 vänzelin 2, 82
vapor 5. 230
vapul 5, 240
var 5, 227
vari 5, 228
varkunn 5. 229
varvel 4, 30
vas 5, 228
väse 5, 228
vasl 5, 228
vast 5, 228
Ve 6, 18
Vedelgcät I. 577
veig 5, 223
veigr 5, 223
veiia 5, 222
vein 5, 223
REGISTER.
577
von Veldckc Heinrich 5, 76
Vcidcnz 3, 22
veija 6, 316
Velsberc 4, 281
Velsiane 1, 10
verändern 6, 484
verarren 6, 414
vergödendöl 4, 385
Verlöbnis 2, 548
verwäzen 6, 6
vessi 5, 228
Vetustis 1, 151
-veus 6, 431
vezzät 4, 266
Vielona 1, 151
vierdei 6, 329
vig 5, 223
vigi 5, 223
vigr 5, 223
vikan 5, 223
vila 5, 222
Vili 6, 18
vilis 5, 222
Vilkinus 6, 64. 446
vilmögr 5, 222
vilsa 5, 222
Viltinus 6, 446
vina 5, 223
Vinepopei 6, 267
vingerhuot 6, 327
Virgunt 2, 558
visela 6, 333
Vissagistis 1, 151
vitan 6, 2
vizza 6, 327
Vizze 4, 284
vleitan 6, 4
vlitan 6, 4
vögelhochzeil 3, 37
Z. F. D. A. VI.
Volker in der klage 3, 194
Volkslieder 5, 417. 418
volkssagen, alteuglische 6, 532
, schwedische 4,500
Volrat, dichter 6, 497
Völsüngr 1, 3
: Völuspä 6, 311 ff.
vömin 5, 217
vor 5, 229
Vorauer hs. altd. gedichte
2, 223
vorgugr 5, 227
vorkunna 5, 229
vos 5, 228
vösundr 5, 228
vrastmunt 4, 258
vrideschilt 1, 162
Vritras 5, 485 ff. 6, 124
vüelen 6, 7
Vulcanius, Bonav. 1, 311 ff.
vultus 6, 4
vuolan 6, 7
Wachouwe 4, 264
wadel 4, 350
Wado 6, 59 ff.
wagehart 5, 96
Wagram 4, 275
wägrein 4, 275
wählen und theilen 2, 542.
6, 316
wahtelsac 4, 578
Waizganthos 1, 151
wakhart 5, 95
walbe 5, 92
Walber in der klage 3, 203
walchart 5, 95
der Wald, das waldviertel in
Osterreich 4, 250
in den wald wünschen 2, 537
37
578
REGISTER.
Walgina 1, 151
wälscher gast 3, 192
Wallher u. Hildegunde 2, 216.
5,2
von Lengers 5, 4
von der Vogelweide
1, 33. 44 f. 237.
2,537.4,361.368.
578.5,381. 6,154.
369. 390.
von Melz 1, 251
Wallherus archipoeta 5, 293
waraba 5, 217
wanibis 6, 328
Wanderungen der götler 2,266
Wankhusen 4, 319
wanne 4, 30
wapel 5, 240
wära 5, 229
warb 5, 41
wäre 6, 333
wäre, sanies 5, 172
w aregen gel 6, 333
Warnung, gedieht 1,438
Warpulis 1, 151
wasal 5, 229
wal'sergalle 6, 291
Wate 2, 5. 380. 6, 59 H".
Wand 5, 373
wazamo 6, 6
wazan 6, 6
wazen 6, 5 f.
wcho 6, 333
Weigersberg 4, 272
wein 6, 262 ff.
angemachter 6, 269
cyprischer 6, 2671".
fränkischer 6, 266
srewärnifer 6, 272
wein gewürzter 6, 272
heunischer 6, 267
rheinischer 6, 265
Trierer 6, 264
ungerischer 6, 267
wälscher 6, 267
Zürcher 6, 267
Weinbau, spräche 6, 262
weinhauszeichen 6, 531
die Weisen, rilter 4, 245. 280
Weissagungen, friesische 3, 457
ich weiz, forniel 3, 187
wel 5, 224
Weifen, geschichte 5, 371
Welisunc 1, 3
Welt als person 6, 151 ff.
wemseln 4, 276
Wensciienborgh 1, 258
Wenzels Landfrieden 1, 428
Werda're, ritter 4, 271
Wernher
der garleniere 4, 31
vonElniendorf4,284
v.om Niederrhein 1,
423. 6, 150
welllauf 4, 260
W^elzlarer Urkunde 6, 21
wheal 5, 224
whecl 5, 224
wicke 6, 332
wicwcr 5, 173
Widmanns Faust 2, 262
Wieland 2, 251
Wiener meerfahrt 5,243. 6,255
örilichkeiten 4, 246.
256. 257. 276. 282
Wigalois 6, 141 f.
wihlel 6, 320
spiel 2, 60
REGISTER.
579
VVikliart in der klage 3, 200
Wiknant in der klage 3, 2(t0
Wiilielm von Österreich 1,
214
Wilschiissel, ritter 6, 23
Wilzen 6, 450
wiman 5, 218
wimmern 5, 217
Wimpel 5, 218
win 5, 223
windgelle 6, 291
Windsbraut 6, 290
von Wingarten Ertpho 6, 25
Winiler 5, 1
wintbra 5, 218
winterlieder 6, 96
Wintersteten s. Konrad
wintwarp 5, 41
wio 6, 333
wipp- 5, 218
VVirnt v. Gratenberg 6, 141 f.
153 f.
von Wirtbach Hermann 3, 24
wirz 6, 330
Wisara 5, 228
Witege 2, 248
Witervelt 4, 267
Witra 4, 280
Witfig vom Jordan 5, 5
wizzen 6, 2
ich weiz, formel 3, 187
Wodan 5, 1. 472 ff.
woldan 5, 494 ff.
wolF in der .schule 6, 285
Wolfbrant in der klage 3, 200
Woll'dieterich 4, 401
Wolfes gele 6, 331
Woll'hart in der klage 3, 200
Wolfliclan 2, 2
Wolfram v. Eschenbach 1, 54.
2,1. 4,246.396. 6,465.
Wolfwin in der klage 3, 200
v. Wolkersdorf, ritter 4, 272
Wülpensand 2, 4
Wulpia 2, 4
wultena 6, 331
wuol 5, 96
wuoman 5, 218
Wuotilgöz 1, 577
Wurschaitis 1, 151
v.Würzburgs. Johann. Konrad
V. Wyle Nicolaus 5, 76
vdi'ov 5, 233
Ymir 5, 217. 6, 17 f.
yrja, yrja 5, 227
Ysa 5, 228
Ysja 5, 228
yvidhr 5, 227
zachzig 1, 11
zaudern 5, 222
Zazinek 1, 151
zeichen des jüngsten tages
1, 117. 3, 523
zeidel 5, 510
Zemiennik 1, 151
Zemina 1, 151
Zemopacii 1, 151
Zerbster chronik 3, 230
zeter 5, 513
Zfvg 2, 233.
Zirclsere 5, 242
Ziu 2, 231
zorne, grossusTuronensis 1, 92
Zosis 1, 151
zu statt des zweiten accus.
1, 208
zubeda 6, 328
frau Zucht 6, 464
37*
580 REGISTER.
iür Zucker efsen 6, 294 Züricher wein 6, 267
züüu 5, 222 zwölften, die göttinnen der
Züricher liildwerk 6,185 4, 385 ff.
BERICHTIGUNGEN UND ZUSATZE ZU3I
SECHSTEN BANDE.
s. 18 s. 23 lies verbindet 32, 2. Herzogenburg 155, 1. wagenden
193,18. papier/tir pergament
196 V. 30y. sselden gunde und eweclicher fröude dort. Lackmann.
205, 353. lit Lachm. 206, 400/. richtiger wohl diu touben abgot
208, 491. Stic, vergl. Schmeller 3, 611 und Liedersaal 1, 344 dar zuo
der regen was so die daz er gesach nibt einen stic war er sich solle
keren. 214,685. da 223, 1049. 233, 1391. znome 234, 1454.
geholfen e Lachm. 239, 1625. generte 244, 1823. sniächeit:
das andere ist niederdeutsch. Lachm. 246, 1885. dem
253,2154. der ist gebeizen Kuonrät — . der schlufs ist gefälscht.
Lachm. 259, 9 v. u. mit gleicher lobpreisung 266, 2 v. u. bis
handbreit 271, II gewürzen 274,8. dennoch 274, 3 v. u.
nur sie betont] also mit a, claret, nicht bei kurzem vocal. das vor-
hergehende mit — verlängernder betonung ist falsch. Lachm.
283, 3. die seele selbst, 290, 18. ein Sprichwort braucht man nicht
zu erltlären. dafs ßove int ylvjaajj bestechung bedeute ist zum behelf
der erklärung ersonnen: es bedeutet immer ' es ziemt sich nicht zu
sprechen.' Lachm. 298, 17. altchristlichen 303, Ijf. vergl.
Jrright, the Latin poems communli/ attributed to Walter Mapes
s. 355,/. 378, .333. Da wirt
581
INHALT.
Seite
Die fiinf sinne, von Jacob Grimm 1
Die anthropogonie der Germanen, von Wh. Wackernagel 15
Zwei mordsühnen von 1285 und 1288, von Fr. Böhmer 21
Briefe aus dem vierzehnten Jahrhundert, von demselben 27
Der ehrenbrief Jacob Piiterichs von Reicherzhausen, von Th. von
Karajan 31
Ritter Radibolt, von demselben 59
Wado, von Karl MüUenhoff 62
Ueber Neidharts höfische dorfpoesie, von R. von Liliencron 69
Zur mythologie, von A. Kuhn 117
Das glücksrad und die kugel des glucks, von Wh. Wackernagel. 134
Hellegräve, von demselben 149
Der weit lohn, von demselben 151
Die deutsche heldensage im lande der Zähringer und in Basel,
von demselben 156
Niederländische reimsprüche, von demselben 161
Schretel und wafserbär, von demselben 174
Der tugendhafte Schreiber, von Jacob Grimm und M. Haupt 186
Bisleht, von Jacob Grimm 189
Das todtenreich in Britannien, von Wh. Wackernagel 191
Zu Karajans Sprachdenkmalen, von Th. von Karajan 192
Pantaleon von Konrad von Würzburg, herausg. von Haupt 193
Die Spottnamen der vÖlker, von Wh. Wackernagel 254
Mete hier win lit lütertranc, von demselben 261
Das lebenslicht, von demselben 280
Der wolf in der schule, von demselben 285
Erde der leib Christi, von demselben 288
Gold im munde, von demselben 290
Windsbraut und windgelle 290
Ein weib und drei liebhaber, von demselben 292
Vor liebe frefsen, von demselben 294
Haus kleid leib, von demselben 297
Italiänischer liebeszauber und krankheitsegen, von demselben 299
Rom und der pfenning, von demselben 301
Liber sententiolarum, von demselben 304
Aus Dieterichs drachenkämpfen, von Haupt 308
Zu Völuspä, von K. Weinhold 311
Heinzelein von Constanz, von Haupt 318
582 INHALT.
Seite
Wichtel, von Haupt 320
Wiesbader glossen, von Wh. Grimm 33I
Ein gläzisches chrislkindelspiel, von K. Weinhold 34O
Deutsches calendarium aus dem 14n jh., von R. von Lilieucron.. 349
Von dem Anticriste, herausg. von Haupt 369
Hausehre, von demselben 387
Zweite handschrift von Grieshabers altdeutschen predigten, von
Weigand 393
Mittelhochdeutsche liederdichter, von Haupt 398
Bruchstücke aus Konrads von Würzburg trojanischem kriege, von
J. Zacher 39y
Altvil, von Haupt 400
Ueber den geschichtlichen Zusammenhang des gothischen christen-
thumes mit dem allhochdeutschen, von R. von Raumer 401
Das alte stadtrechl von Meran, herausg. von Franz Pfeiffer 413
Die merovingischc stammsage, von K. MüUenhoff 430
Die austrasische Dietrichssage, von demselben 435
Niördhr nordhr niörun Norn neorxu, von K. Weinhold 460
Frau kein wildes thier, von demselben 462
Frau Zucht, von demselben 4G4
Chronologische bestimmung der begebenheiten in Wolframs Par-
zival, von Rührmund 465
Marienlieder, herausg. von Weigand 478
Einige mitteldeutsche Wörter, von demselben 484
Segensformeln, von demselben 488
Des Tanhausers hofzucht, herausg. von Haupt 489
Von der alten multcr, herausg. von demselben 497
Pyramus upd Thisbe, herausg. von demselben 504
Zu Neidhart. Grieshabers Bruchstücke 517
Goldemar von Albrecht von Kemenaten, herausg. von Haupt 52U
Strophen Heinzeleins in Baldern, von Ad. Keller 529
Weinhauszeichen, von Weigand 531
Altenglische volkssagen, von G. W. Dasent 532
Sehulterblattschau, von demselben 536
Pasquillus auf den protestierenden krieg, von Böhmer 538
Einige gothischc eigennamen, von Jacob Grimm 539
Himmel und gaume, von demselben 541
Grün und kün, von demselben 543
Die Sprachpedanten, von demselben 545
Gothcn und Geten, von demselben 548
Register zu den ersten sechs bänden dieser Zeitschrift 549
Berichtigungen und zusätze zum sechsten bände .")80
DRUCK VON BREITKOPF UND HÄRTEL IN LEIPZIG.
P^ Zeitschrift für deutsches
^^^^ Altertum und deutsche
^^ Literatur
Bd. 6
PLEASE DO NOT REMOVE
CARDS OR SLIPS FROM THIS POCKET
UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY
Ä>^
1^.